Schlossanlage
Gartengebäude

Meister der Schlossgebäude von Nymphenburg (Auswahl, weitere siehe in den Tabellen im Text)
Name Herkunft Text   Tätigkeit von   bis
Agostino Barelli (1627–1697) Bologna I Barelli   Baumeister-Architekt 1663   1668
Lorenzo Perti (1624–1692) Rovenna I     Baumeister 1663   1673
Enrico Zuccalli (um 1642–1724) Roveredo Misox ZuccalliE   Hofbaumeister-Architekt 1673   1678
Johann Anton Gumpp (1654–1719) Innsbruck     Maler, Freskant 1701   1702
Giovanni Antonio Viscardi (1645–1713) San Vittore Misox Viscardi   Baumeister-Architekt 1702   1704
Pietro Francesco Appiani (1670–1724) Porto Ceresio AppianiFranz   Stuckateur 1703   1704
Francesco Marazzi (1670–1724) Mendrisio Tessin ok   Stuckateur 1714   1715
Joseph Effner (1687–1745) Dachau Effner   Hofbaumeister 1715   1745
Guillielmus de Grof (1676–1742) Antwerpern     Hofbildhauer, Stuckateur 1715   1719
Charles Claude Dubut (1687–1742) Paris     Hofstuckateur, Bildhauer 1715   1719
Johann Adam Pichler (†1761) Tirol     Hofkistler, Vergolder 1719   1722
Johann Baptist Zimmermann (1680–1758) Gaispoint Wessobrunn ZimmermannJB   Stuckateur, Freskant 1730   1758
François Cuvilliés Soignies Cuvillies   Hofbaumeister-Architekt 1730   1768
Johann Martin Heigl (um 1730–1774) Unbekannt Heigl   Maler, Freskant 1755   1758


1.  Die Schlossgebäude

Die Bauphase 1663–1679

Henriette Adelheid von Savoyen
1663 schenkt Kurfürst Ferdinand Maria seiner Gemahlin Henriette Adelheid von Savoyen[1] als Dank für die Geburt des Kronprinzen Max II. Emanuel ein Landgut. Es liegt westlich der Residenzstadt München beim Dorf Neuhausen. Die Kurfürstin kann hier ihren gewünschten Sommersitz verwirklichen. Schon vorher, wahrscheinlich für eigene Jagdschloss-Überlegungen, bestellt Kurfürst Ferdinand Maria[2] aus Turin Pläne von Venaria Reale,[3] der im Bau befindlichen Jagdschloss-Anlage mit Idealstadt-Charakter. Carlo Emanuele II, der Bruder der Kurfürstin, ist in Turin Bauherr. Venaria, insbesondere das «Reggia di Diana» genannte Schloss, hat grossen Einfluss auf die Ideen der Kurfürstin für das «Castello delle Ninfe», wie die Kurfürstin ihr neues Schloss tauft. Sie plant es nicht als Jagdschloss wie Venaria, sondern als Ort höfischer Repräsentation für den Empfang, mit einem grossen zentralen Festsaal wie in Venaria und mit Raum für die standesgemässe Beherbergung hoher Gäste. Eine breite Zufahrtsallee soll direkt von der Residenz nach Nymphenburg führen. Sie sieht das neue Schloss auch als Rückzugsort, als Villa suburbana[4] für ihre Familie. Die Planung ihrer Ideen überlässt sie aber nicht Amadeo di Castellamonte,[5] dem Turiner Hofbaumeister, sondern Antonio Barelli,[6] dem Baumeister der Theatinerkirche. Der in München noch immer unterschätzte Baumeister kann in Nymphenburg nicht frei planen. Fürstliche Architekturdilettanten, zu denen nebst der Kurfürstin auch ihr Berater, Pater Antoni Spinelli[7] gezählt werden muss, diktieren die Planung.

Die Turiner Vorbilder der Henriette Adelheid:
PalazzoMadama   Valentino   Venaria   VenariaSaal
Das Stadtschloss in der Piazza Castello, mit seinen Galerien. Zustand vor 1718. Stich von Giovanni Tommaso Borgonio 1674.   Castello Valentino (Carlo und Amadeo del Castellamonte, 1633–1660). Stich aus «Theatrum statuum regiae celsitudinis Sabaudiae ducis», Amsterdam 1682, Quelle Historisches Institut Prag.   Das Corps de Logis des Jagdschlosses Venaria Reale von der Gartenseite gesehen. Plandokument 1699. Der Bau von Venaria Reale wird durch Amadeo del Castellamonte und Michelangelo Garove 1658 begonnen. 1674 stellt Castellamonte den Neubau und die Bildwerke in Stichen vor. Venaria Reale wird von den Franzosen 1693 erstmals und 1706 nochmals schwer beschädigt. Heute ist der Bau nur noch rudimentär und stark verändert erhalten.
Quelle:Bibliothèque nationale de France. Link: gallica.bnf.fr
  Salone di Diana in Venaria Reale. Stich von G. Tasnière in der Veröffentlichung 1674.

Quelle: gallica.bnf.fr.


Die erste Anlage 1664–1676
Die Schlossanlage Nymphenburg wird nach Ideen der Kurfürstin und ihrer Berater vom Bologneser Baumeister Agostino Barelli 1664 geplant und im gleichen Jahr begonnen. Lorenzo Perti, der «Maurermeister» der Theatinerkirche, führt mit seinem Trupp die Arbeiten aus. Zwischen 1668, dem Wegzug Barellis aus München und 1673, als Hofbaumeister Zuccalli[8] die Baustellen in München übernimmt, ist Perti Leiter der Arbeiten in Nymphenburg.[9] 1672 ist Richtfest des fünfgeschossigen Mittelbaus der Anlage. Es ist der noch heute bestehende kubische Hauptbau, nur wird damals jede Fassade durch ein dominantes Zwerchhaus[10] betont. Galeriebauten sollen diesen Mittelbau mit zwei dreigeschossigen, kubischen Pavillonbauten verbinden. Auf ihrem Zeltdach tragen die Pavillons einen Turm mit Zwiebelhaube. Die Anordnung der Verbindungsgänge und die Lage der Pavillons entsprechen dabei den heutigen, als Königsbau und Kronprinzenbau bezeichneten Pavillons. Im Bild ist diese erste Anlage nicht dokumentiert. Man muss sie sich wie die heutige Gartenansicht mit den drei mittleren Pavillons vorstellen. Sie ist aufgrund der Quellen rekonstruierbar und stellt eine Architekturcollage von italienischen und deutschen Elementen der Renaissance dar.[11] Nur schon die jedem Italiener fremden Zwerchhäuser zeigen, dass Barelli Bauherrenvorgaben umsetzen muss.[12]
1676 stirbt die Bauherrin mit 42 Jahren. Aufenthalte in Nymphenburg sind belegt, meist aber nur Feste im Freien oder im 1673 fertig gestellten Garten westlich des Schlosses. Zudem hat sie sich hier auch mit der Landwirtschaft befasst und bis 1666 die südlich gelegene Schwaige um ein neues Schwaighaus, einen neuen Viehstall und einen Schafstall erweitert.[13] Sie hat aber den Hauptbau, an dem bei ihrem Tod noch immer ausgebaut wird, nie bezogen. Erst im Rohbau vollendet sind bei ihrem Tod die beiden Pavillonbauten mit den verbindenden Galerien, hingegen ist die Allee der Westachse von der Nymphenburg zur Kirche Pipping, der «Fürstenweg», fertig gebaut.

Veränderungen 1678 bis 1679
Kurfürst Ferdinand Maria führt nach dem Tod die Arbeiten weiter, obwohl er als Jagdliebhaber an Nymphenburg kein besonderes Interesse hat.[14] Immerhin spielt er aus Respekt vor dem Testament seiner Gattin und auch vor ihrem privaten Einsatz für den Neubau nicht mit einer Baueinstellung. Unter der Leitung von Zuccalli wird 1678 der Mittelbau wesentlich verändert. Er lässt die Zwerchhäuser des Mittelbaus abtragen und baut die stadtseitige Freitreppe. Der Mittelbau hat jetzt das Aussehen, wie ihn Wening 1701 darstellt. Erstmals wird für diese Arbeiten auch Giovanni Antonio Viscardi[15] in Nymphenburg erwähnt, der noch als Maurer arbeitet. 1679 stirbt auch Kurfürst Ferdinand Maria.

Baumeister und Künstler der ersten Bauperiode
Jahr Name, Lebensdaten, Beruf Tätigkeit für Nymphenburg
1663 Amadeo di Castellamonte (*1612 Turin †1683 Turin), Hofbaumeister Planung, zurückgewiesen
1663–1668 Agostino Barelli (*1627 Bologna †1697 Bologna), Baumeister Neubauplanung, Leitung
1668–1673 Lorenzo Perti (*1624 Rovenna †1692 München), Maurermeister Bauausführung
1672–1679 Georg Wohlgemuth (*Königshofen †1700/01 München), Kunsttischler Prunkdecken und Türen
1672–1679 Johann Indauer (*Königshofen †1690 Wien) Kunsttischler, Zeichner Prunkdecken und Türen
1673–1678 Enrico Zuccalli (*1642 Roveredo †1724 München), Hofbaumeister. Umbauplanung, Leitung.
1673–1676 Antonio Domenico Triva (*1626 Reggio †1699 München), Hofmaler. Decke Vorzimmer, Wandbilder.
1673–1676 Jean Delamonce (*1635 Paris †1708 Lyon), Hofmaler. Ecke- und Seitenbilder.
1674–1679 Andreas Römer (†1706 München), Hofmarmorierer, Hofstuckateur. Portale, Kamine, Scagliola.
1674–1679 Maria Theresia Römer-Fistulator (*1633 München), Stuckateurin. Scagliola.
1674 Joseph Werner (*1637 Bern †1710 Bern), Maler. Zwei Deckenbilder.
1675–1676 Giovanni Prospero Brenni (*1638 Salorino †1696 Salorino),
Leitender Stuckateur der Theatinerkirche.
Stuck im grossen Saal, Zuschreibung (Anna Bauer-Wild).
1675 (um) Antonio Zanchi (*1631 Capodistria †1722 Rom), Maler. Ein Deckenbild.

Baueinstellung 1680 und Abbrüche der beiden Seitenpavillons 1684
Mit dem Regierungsantritt stellt der junge Kurfürst Max II. Emanuel[16] alle Arbeiten in Nymphenburg ein. Grund sind nicht die Staatsfinanzen, diese ruiniert der Kurfürst mit seinem Streben nach neuer Grösse für das Haus Wittelsbach erst in den folgenden Jahren. Für rund 20 Jahre interessiert er sich nicht für den Schlossbau seiner Mutter. Von ihr hat er die Liebe zur Baukunst und auch zum Vergnügen geerbt, vom Vater die Jagdleidenschaft. Die Erweiterung von Schleissheim mit seinen Jagdmöglichkeiten ist ihm nun wichtigstes Bauprojekt. Er sieht hier auch das grössere Potenzial zur Selbstdarstellung. Immerhin trachtet er zielgerichtet nach einer europäischen Königskrone. Zusammen mit seinem Hofbaumeister Zuccalli beginnt er sofort mit der Planung der Gartenanlagen, des Neuen Schlosses und, als östlicher Teil der Gesamtanlage, mit den Jagdschloss-Bauten von Lustheim. 1684 ist in Lustheim Baubeginn. Als Baumaterial für Lustheim dienen die beiden Seitenpavillons von Nymphenburg, die sofort abgebrochen werden.[17] Als Wening 1701 seinen bekannten Stich von Nymphenburg veröffentlicht, kann er dem Betrachter nur noch den isolierten Mittelpavillon vorstellen.[18]

Zwischenspiel 1701–1704: Neubeginn unter Max II. Emanuel von Bayern

1701 kehrt Kurfürst Max II. Emanuel nach neun Jahren Abwesenheit in den Spanischen Niederlanden wieder nach München zurück. Er hat sich inzwischen mit den Franzosen verbündet und bereitet einen Krieg gegen das Reich und seine Verbündeten vor. Seine Ziele sind grössenwahnsinnig.[19] Ambitiös sind auch seine sofort nach der Rückkehr begonnenen Bauvorhaben. im April 1701 ist Baustart für das neue Schloss Schleissheim. Unter Oberhofbaumeister Zuccalli setzt eine fieberhafte Bautätigkeit ein. Gleichzeitig plant der Kurfürst auch die Erweiterung des von ihm bisher vernachlässigten Schlosses Nymphenburg und seine Einbindung in ein Garten- und Kanalsystem, wie es der Bauherr und sein Oberhofbaumeister aus ihren Reisen in Holland kennen.[20] Mit dem Bau des Kanales von der Würm in der Schlossachse des Fürstenweges nach Nymphenburg wird 1701 der Anfang gesetzt, die Arbeiten seiner Fortsetzung in die Isar bei Schwabing beginnen 1702. Für den Garten zieht der Kurfürst zusätzlich den französischen Hofgärtner Charles Carbonet zu.[21] Zuccalli ist mit den Planungen und der Aufsicht aller Bauarbeiten an den Kanälen, Gärten und Bauten zeitlich am Anschlag. Nicht zu seiner Freude wird deshalb Giovanni Antonio Viscardi wieder zum Hofbaumeister ernannt. Ihm werden die Bauarbeiten in Nymphenburg übertragen, die 1702 beginnen. Viscardi baut das bestehende Mittelgebäude um. Beidseitig versieht er den Saal mit grossen Rundbogenfenstern in Dreiergruppen und bereitet damit die spätere Mittelrisalit-Gestaltung vor.[22] Er baut auch die grosse Freitreppe zum Garten als Pendant der schon vorhandenen Treppe Zuccallis auf der Ostseite und erstellt die Einfahrtshalle im Erdgeschoss. Palier ist der Cousin Viscardis, Antonio Andreota.
Gleichzeitig beginnt der Bautrupp Viscardi mit den neuen dreigeschossigen Seitenpavillons. Die ersten beiden Pavillons liegen vermutlich an der Stelle der 1684 abgebrochenen Gebäude der Kurfürstin Henriette Adelheid.[23] Auch die Verbindungsgalerien entsprechen dem damaligen Projekt.
Erst mit der in der Tiefe gestaffelten direkten Verbindung mit weiteren zwei Pavillons vergrössert Viscardi die Dreiergruppe von 1663/84 zu einer Fünfergruppe. Holländische Einflüsse bei dieser Staffelung sind wahrscheinlich.[24] Auch die Vermutung, das Zuccalli die generelle Planung vorgibt, dürfte zutreffen.
Nach nur drei Jahren Bauzeit kommt schon das Ende. Kurfürst Max II. Emanuel ist inzwischen im Krieg gegen das Reich. 1702 überfällt er die freie Reichsstadt Ulm und weitere Reichsstädte. Seine Truppen verwüsten Schwaben und besetzen das Tirol. Gegen Bayern wird eine Wirtschaftsblockade verhängt. Im August 1704 flüchtet der Kurfürst nach Brüssel. Bayern kommt für 10 Jahre unter österreichische Administration.

Die Baustelle Nymphenburg sieht 1704, nach der Einstellung aller Arbeiten folgendermassen aus:

- Am Mittelbau ist die Treppe vollendet und die Fassadenänderungen mit neuem Mittelrisalit sind im Rohbau fertig.
  Im Inneren sind die Deckenfelder offenbar schon seit 1701/02 durch Johann Anton Gumpp[25] freskiert worden.
  Der Deckenstuck bleibt unverändert.

- Der südliche erste Pavillon mit den Appartements der Kurfürstin ist im Inneren beinahe fertig.
- Der nördliche erste Pavillon ist am Beginn des Ausbaus. Pietro Francesco Appiani[26] hat einige Stuckdecken vollendet.
- Der nördliche zweite Pavillon kommt 1704 unter Dach.
- Der südliche zweite Pavillon ist im Rohbau noch nicht über das Erdgeschoss gewachsen.
- Der westliche Kanal in der Schlossachse und seine beidseitige Umleitung um die Pavillons, auch der Kanal nach
  Schwabing (heute Nymphenburg-Biedersteiner Kanal) sind weitgehend gebaut.
- Das Gartenparterre ist im Umfang des heutigen Mittelparterres fertiggestellt.

Baumeister und Künstler der zweiten Bauperiode
Jahr Name, Lebensdaten, Beruf Tätigkeit für Nymphenburg
1701 Charles Carbonnet (*v.1660 Saint-Roch †n.1730), Hofgärtner. Planung Gartenparterre.
1701 Enrico Zuccalli (*1642 Roveredo †1724 München), Hofbaumeister. Erste Planungen, Kanäle.
1701–1702 Johann Anton Gumpp (*1654 Innsbruck †1719 München),
Maler und Freskant.
Fresken Mittelsaal (zerstört) und wandfeste Bilder im Piano Nobile.
1702–1704 Giovanni  Antonio Viscardi (*1645 San Vittore †1713 München), Baumeister. Ausführungsplanung und Bauausführung im Akkord.
1703–1704 Pietro Francesco Appiani (*1670 Porto Ceresio †1724 Regensburg), Stuckateur. Stuckaturen im Unterauftrag Viscardi.


1715–1726: Fertigstellungen und Erweiterungen unter Kurfürst Max II. Emanuel

Gesamtplanung durch Joseph Effner und Dominique Girard
1715 kehrt der nach Friedensschluss wieder als Kurfürst eingesetzte Max II. Emanuel mit seinem Hof nach München zurück. Mit ihm trifft auch Joseph Effne[27] ein, dem der Kurfürst eine Ausbildung bei Germain Boffrand[28] in Paris ermöglicht hat. Effner wird sofort zum Hofbaumeister befördert. Die Baulust des Kurfürsten ist noch immer ungebrochen. 1715 stellt er auch Dominique Girard[29] als Garteninspektor und «maître fontainier» ein, um die Gartenanlagen, vor allem aber die Wasserkünste und Kaskaden in Schleissheim und Nymphenburg überarbeiten zu lassen. Während Zuccalli die Arbeiten in Schleissheim sofort wieder aufnimmt, wird Effner vorerst mit dem Ausbau des Schlosses in Dachau und 1716 auch mit Nymphenburg beauftragt. Zusammen mit Girard erarbeitet er ein neues Konzept der Gesamtanlage von Nymphenburg. Zu dieser Gesamtplanung, mehrheitlich ein Werk von Effner, gehört auch das östliche Rondell und der Stichkanal in der Schlossachse Richtung Schwabing.

Fertigstellung der seit 1704 unterbrochenen Bauten
Effner beginnt den Innenausbau des nördlichen ersten Pavillons mit den Appartements des Kurfürsten. Er arbeitet mit den Bildhauern Guillielmus de Grof[30] und Charles Claude Dubut[31] zusammen, beides Künstler des Pariser Umkreises von Kurfürst Max Emanuel. Zu diesen gehört auch der Kunstschreiner Johann Adam Pichler, der in Nymphenburg und gleichzeitig in Schleissheim die Vertäfelungen mit den Möbeln, die Böden und die Türen mit den Supraporten herstellt.[32] Die Supraportenbilder erstellt Jacopo Amigoni.[33] Mit diesen Künstlern entstehen unter der Leitung von Effner bis 1719 in Nymphenburg Appartements des französischen Régence. In jedem Raum ist Germain Boffrand, der Lehrer Effners spürbar. Diese Régence-Ausstattungen der kurfürstlichen Räume Effners sind zwar erhalten, aber nicht zugänglich.[34] Auch die weitern drei Pavillons nördlich (mit der Kapelle) und südlich des Mittelbaus werden von Effner fertig gebaut, aber in klassizistischer Zeit derart verändert, dass hier auf diese Räume nicht eingegangen wird.[35]
Effner stellt auch den Mittelbau innen und aussen fertig. Hier belässt er die Decken und Deckenbilder der ersten Bauperiode von 1673–1679 und lässt nur die Wände neu gestalten. Im Mittelbau ist derart noch das nördliche Vorzimmer (nördliches Salettl) erhalten. Er vollendet auch die von Viscardi im Rohbau zurückgelassenen Fassaden und gibt ihnen mit dem ornamentalen Stuck ihr heutiges Gesicht. Auch die Pilastergliederung des grossen Mittelsaals, «Steinerner Saal» genannt, ist sein Werk.

Seitentrakte und Verbindungstrakte ab 1716
Südlich und nördlich der Pavillonreihe des Schlosses plant Effner zwei zweigeschossige Vierflügelanlagen mit ausgeprägten Eck- und Mittelrisaliten. Ihre Distanz zu den Pavillons beträgt 92 Meter. Die Lage ist durch die Kanäle von 1702 vorgegeben. Der Südblock dient als Marstall und befindet sich an der Stelle der alten Schwaige. 1716 ist Baubeginn, aber erst 1987 erfolgt mit dem Bau des noch fehlenden Westflügels die Vollendung.
Der Nordblock hat eine ähnlich lange Baugeschichte. 1730 beginnt Effner mit dem Ostflügel. Das bestehende Johannis-Brunnhaus bildet den Südostrisalit. Der anschliessende Ostflügel dient als Kloster für die aus Luxemburg berufenen Augustinerchorfrauen der Kongregation von Nôtre Dame. Die Klosterkirche mit Stuck von Johann Baptist Zimmermann wird 1944 zerstört.[36] 1755–1758 baut Johann Baptist Gunetzrhainer[37] den Südflügel des Nordblocks als Orangeriegebäude. Erst 1938 und 1970 wird auch der Nordblock geschlossen.
Mit diesen beiden Blöcken verlängert sich die Ostfront von Nymphenburg auf 538 Meter. Nördlich und südlich der klar gestalteten Hofblöcke schliessen heute zwei weitere umbaute Höfe an, die ihre Gestalt aber nicht mehr Effner verdanken.
Die Verbindung zu den äusseren Pavillons über die grosse Distanz löst Effner mit zweigeschossigen Längsbauten, über die beiden Schlossgartenkanäle legt er Galerien. Der nördliche Längsbau dient ursprünglich als Spielhalle für das Pass-Spiel, später als Garde-Meuble-Bau.[38] Der südliche Längsbau ist der «Küchenbau». Hier wäre der «Grüne Speisesaal» von 1777 zwar sehenswert, aber leider auch nicht zugänglich. Die Erweiterungsbauten Effners sind heute teilweise als Museen genutzt, wie das Marstallmuseum oder Porzellanmuseum im Südblock. Ausstattungen der Zeit Effners sind nicht mehr zu finden.

François Cuvilliés
Der seit 1726 regierende Kurfürst Karl Albrecht[39] ist ein Förderer des am Hof seines Vaters aufgenommenen François Cuvilliés.[40] Seit 1730 überträgt der Kurfürst die neuen Bauaufträge, auch die Amalienburg im Nymphenburger Schlossgarten, direkt an den jungen Hofbaumeister. Effner ist in Nymphenburg nur noch für die oben beschriebenen Erweiterungen und für die Anlage des Rondells mit dem Stichkanal Richtung Schwabing zuständig. An den fünf Pavillons der zentralen Schlossanlage finden unter Kurfürst Karl Albrecht keine Veränderungen statt. Erst Kurfürst Max III. Joseph[41] überträgt 1755 Umbauten im Mittelbau, vor allem den Umbau des Steinernen Saals, an François Cuvilliés und Johann Baptist Zimmermann.

Der «Steinerne Saal»
Der grosse Mittelsaal stammt in seiner Form noch aus der ersten Bauperiode von Barelli und Zuccalli. Die Wand- und Fenstergliederung erstellt Viscardi 1702–1704. 1755 erhält Johann Baptist Zimmermann den Auftrag, die Gewölbezone neu zu gestalten. Er lässt die Stuckaturen von 1676 abschlagen und die Fresken von 1702 entfernen. Auf dem Gerüst ist der schon 75-jährige Zimmermann wenig anzutreffen, die Hauptarbeit an den Freskenarbeiten übernimmt Martin Heigl,[42] beteiligt ist auch der Sohn Franz Michael Zimmermann.[43] Gesamtleiter ist François Cuvilliés, der vor allem für die Einheit der Rokokoausstattung im Hauptraum und den westlichen Galerieräumen sorgt. Die Arbeiten sind 1758, im Todesjahr von Johann Baptist Zimmermann, abgeschlossen.

Letzte barocke Ausstattungen 1763–1766
1763 kann Franz Xaver Feichtmayr[44] und François Cuvilliés die beiden Kabinette der Gartenseite im Hauptgeschoss des Mittelbaus umgestalten. Noch weisen die feinen Decken- und Voutenstuckaturen Rocaillen auf, sind aber dem frühen Régence mehr verpflichtet als dem Rokoko des zehn Jahre älteren Steinernen Saals. Das Ende des Rokokos und damit das Ende des 150 Jahre dauernden Barocks kündigt dann mit der 1766 erfolgten Umgestaltung des südlichen Vorzimmers[45] im Mittelbau an. Die letzte Arbeit Cuvilliés in Nymphenburg zeigt schon deutlich vereinfachte und abgeschliffene Ornamentik. Drei Jahre später versetzt Kurfürst Max II. Joseph dem Rokoko mit einem Generalmandat den Todesstoss und leitet in Bayern die Klassik ein

Baumeister und Künstler der spätbarocken Bauperiode 1715–1777
Jahr Name, Lebensdaten, Beruf Tätigkeit für Nymphenburg
1715–1745 Joseph Effner (*1687 Dachau †1745 München), Hofbaumeister. Gesamtplanung Gärten und Bauwerke mit Bauleitung, bis 1730 auch der Ausstattung.
1715–1738 Dominique Girard
(*um 1680 Frankreich †1738 München), Garteninspektor.
Gartenplanungen in Zusammenarbeit mit Effner. Wasserbauwerke und Kaskaden.
1715–1719 Guillielmus de Grof (*1676 Antwerpen †1742 München),
Hofbildhauer und Stuckateur.
Stuckaturen und plastische Gestaltungen in den Vorräumen und im Nordpavillon.
1715–1719 Charles Claude Dubut (*1687 Paris †1742 München), Hofstuckateur und Bildhauer. Stuckaturen in den kurfürstlichen Räumen im Nordpavillon.
1715 Francesco Marazzi
(* um 1670 Mendrisio †1724 München), Hofstuckateur.
Stuckaturen in der Magdalenakapelle und im Südpavillon, vielleicht ab 1714.
1719–1722 Johann Adam Pichler (* Tirol †1761 München),
Hofkistler, Bildhauer, Vergolder.
Wandgestaltungen in den neuen Räumen und Mobiliarschöpfungen.
1720 Jacopo Amigoni (*1682 Neapel †1752 Madrid), Maler. Supraportenbilder.
1730–1758 Johann Baptist Zimmermann
(*1680 Wessobrunn †1758 München),
Maler und Hofstuckateur.
Stuckaturen im Mittelbau (1730) und in der Kirche Nôtre Dame (1744), Deckenfresken im Steinernen Saal (1755).
1730–1768 François Cuvilliés (*1695 Soignies †1768 München),
Hofbaumeister.
Leitung und teilweise Entwurf aller inneren Ausbauarbeiten.
1755–1758 Johann Baptist Gunetzrhainer
(*1692 München †1763 München), Hofbaumeister.
Bau des Orangeriegebäudes am Nordblock, nach Entwurf Effner.
1755–1758 Martin Heigl (*um 1730 †1794 München?),
Maler.
Fresken im Steinernen Saal, mit Johann Baptist Zimmermann.
1755–1758 Franz Michael Zimmermann
(*1709 Miesbach †1784 München), Stuckateur.
Stuckaturen und Fresken im Steinernen Saal, mit Martin Heigl.
1763–1764 Franz Xaver Feichtmayr
(*1735 Augsburg †1803 München), Stuckateur.
Stuckaturen im Mittelbau (nördliches Eckkabinett und Chinesisches Kabinett), auch Mitarbeit im Steinernen Saal.


Veränderungen 1777 bis heute

Frühklassizismus, Empire und Historismus
1777 wird Karl Theodor von der Pfalz[46] auch Kurfürst von Bayern und verlegt seinen Hof von Mannheim nach München. Er hätte Bayern am liebsten mit der vormals Spanischen, jetzt Österreichischen Niederlande getauscht, was ihm die Bayern noch heute verübeln. Dies, obwohl er den Münchner Einwohnern den Englischen Garten schenkt und den Nymphenburger Garten für das Volk öffnet. Im Schloss Nymphenburg erinnern die beiden Verbindungsgalerien an ihn. Er lässt sie 1795 verbreitern und im Hauptgeschoss mehrere zum Garten orientierte Zimmer erstellen. Diese heute als Karl-Theodor-Zimmer zu besichtigenden Räume sind wohnliche Zimmerfluchten des Frühklassizismus.
Erst unter dem nachfolgenden Kurfürsten, seit 1806 als Max I. Joseph[47] auch König von Bayern, beginnen grössere, und das Schloss Nymphenburg heute im Innern prägende Umbauten. König Max I. Joseph hat Nymphenburg zum Wohnsitz erkoren. Im ersten südlichen Pavillon, der heute Königsbau genannt wird, lässt er 1806–1810 die barocke Ausstattung bis auf wenige Reste entfernen und die Räume im napoleonischen Stil des Empire neu einrichten.
Sein Sohn besteigt 1826 als König Ludwig I. von Bayern den Thron.[48] Der grosse Kunstförderer und Verehrer des antiken Griechenlands arbeitet schon lange mit dem Klassizisten Leo von Klenze[49] zusammen. Dieser verändert das 1826 Aussehen des Mittelbaus entscheidend, indem er die Fassaden um ein Attika-Fries unter dem Kranzgesims erhöht, das alte barocke Dach durch ein zurückversetztes Blechdach ersetzt, die barocken Frontispize entfernt und mit einem wuchtigen neuen Kranzgesims dem Barockbau einen klassizistischen Hut aufpfropft. Im Gemälde von Canaletto (1761) ist der bedeutend sympathischere Barockbau in grosser Genauigkeit und auch mit dem originalen barocken Farbkleid dargestellt. Auch unter König Max II.[50] finden Umbauten durch Leo von Klenze statt. 1848 baut er das heute unzugängliche zweite Obergeschoss des Mittelbaus zu neuen Wohnräumen um.[51]

Heute
1918 dankt König Ludwig III. von Bayern ab. Die Wittelsbacher gehen aber nicht leer aus. Der neue Freistaat entschädigt sie grosszügig mit altem Hausbesitz, aber auch mit 1802 enteignetem Klosterbesitz. Nicht dazu gehört Nymphenburg. Aber gleichzeitig wird eine Stiftung des öffentlichen Rechts, der Wittelsbacher Ausgleichsfonds, eingerichtet, der noch heute der Familie Erträge in Millionenhöhe einbringt. Zudem hat das Familienoberhaupt Wohnrecht im Schloss Nymphenburg, wo sich auch die Inventarverwaltung des Wittelsbacher Ausgleichsfonds befindet. Damit ist auch klar, warum der grössere Teil des Schlosses unzugänglich ist.

Pius Bieri 2016


Literatur:

Sckell, Karl August: Das königliche Lustschloss Nymphenburg und seine Gartenanlagen. München 1840.
Paulus, Richard A.Luitpold: Der Baumeister Henrico Zuccalli am kurbayrischen Hofe zu München. Strassburg 1912.
Hager, Luisa: Nymphenburg. Schloss, Park und Burgen. München 1955.
Hojer, Gerhard: Die Münchner Residenzen des Kurfürsten Max Emanuel, in: Kurfürst Max Emanuel. Ausstellungskatalog Band I. München 1976.
Bauer-Wild, Anna: Die erste Bau- und Ausstattungsphase des Schlosses Nymphenburg 1663–1680. München 1986.
Bauer, Hermann und Rupprecht Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 3, Stadt und Landkries München, Teil 2, München 1989.
Pozsgai, Martin: Germain Boffrand und Joseph Effner. Berlin 2012.

Fotos:
Einzele Fotos dieser Seite sind aus den Wikipedia-Commons übernommen. Den Autoren danke ich für die Genehmigung zur Weiterverwendung.


Anmerkungen:


[1] Henriette Maria Adelaide von Savoyen (1636–1676), Kurfürstin 1652–1676. Siehe die Biografie in dieser Webseite.

[2] Ferdinand Maria von Bayern (1636–1679), Kurfürst von Bayern 1651–1679. Er ist Liebhaber der Jagd. Sein Interesse für Venaria Reale dürfte darauf zurückzuführen sein. Für Nymphenburg interessiert er sich nicht.

[3] Venaria Reale wird ab 1659 durch Amedeo di Castellamonte gebaut und 1693 durch französische Truppen erstmals zerstört. In eine Serie von Stichen ist Venaria Reale im Zustand vor der Zerstörung und den Umbauten festgehalten. Venaria Reale entsteht vor dem Baubeginn von Versailles, für dessen Bau es als Vorbild gehandelt wird.

[4] Die Villa suburbana ist in der italienischen Renaissance ein in die ländliche Umgebung der Stadt verlegter Wohnsitz für den Winter- oder Sommeraufenthalt und hat Vorbilder in der römischen Antike. Sieh dazu das Glossar in dieser Webseite.

[5] Amadeo di Castellamonte (1612–1683), baut in Turin das Castello del Valentino (mit seinem Vater Carlo), den Palazzo Ducale und die Jagdschlossanlage von Venaria Reale.

[6] Agostino Barelli (1627–1697) aus Bologna, Baumeister der Theatiner. Siehe die Biografie in dieser Webseite.

[7] P. CR Antonio Spinelli (1630–1760) aus Padua, trifft 1661 in München ein, ist ab 1665 Beichtvater der Kurfürstin, betätigt sich vor allem bei der Theatinerkirche als Architekturdilettant, wird 1690 auch Geheimrat.

[8] Enrico Zuccalli (1642–1724) aus Roveredo. Siehe die Biografie und das Werkverzeichnis in dieser Webseite.

[9] Lorenzo Perti (1624–1692) aus Rovenna, dem Heimatort des Vaters von Agostino Barelli. Er ist der eigentliche Bauleiter der Theatinerkirche und der Nymphenburg, spätestens als Barelli 1668 das Handtuch wirft und Spinelli, der unerfahrene Dilettant, die Leitung hat. Die damalige Benennung Baumeister für Barelli und Maurermeister für Perti kann mit Architekt Barelli und Baumeister/Bauleiter Perti übersetzt werden.

[10] Zwerchhaus oder Zwerchgiebel, siehe Definition im Glossar dieser Webseite.
Im italienischen und französischen Schlossbau des Barocks sind derartige Elemente ohne architektonische Fortsetzung (Risalit, Portikus) in die Fassade unbekannt. Die Zwerchhäuser werden in den Quellen als Frontispize bezeichnet, was darauf schliessen lässt, dass sie ähnlich der Giebel des Schwaighauses (siehe Wening 1701) mit Schweif- und Volutenelementen die Fassade überhöhen.

[11] Einflüsse vom deutschen Schlossbau sind im ungegliederten Mittelbau mit den Zwerchhäusern auszumachen. Die Verbindungsgalerien und die Pavillonbauweise sind beim Turiner Castello Valentino vorhanden. Galerien begrenzen in der Jugendzeit der Kurfürstin auch beidseits des Stadtschlosses Palazzo Madama den Platz und führen direkt in den bischöflichen Palast. Dieses Stadtschloss dürfte für den Grundriss des Mittelbaus auch direktes Vorbild sein. Seit 1648 ist im Palazzo Madama auch der grosse Mittelsaal vorhanden (1848 in Senatssaal umgewandelt). Aber auch die Villa suburbana des Veneto ist mit der Reihung der Gebäudekörper und deren einfachen Geometrie vertreten. Die neuen Bauten in Venaria Reale muss die Kurfürstin zwar seit 1667 aus eigener Anschauung kennen, der Einfluss dieser barocken Anlage scheint aber mehr ideell denn architektonisch. Der grosse Mittelsaal in Venaria Reale ist ebenso dem traditionellen «Salle à l'italienne» verpflichtet wie derjenige im Palazzo Madama, zeigt aber grössere Ähnlichkeit mit Nymphenburg.

[12] Anna Bauer-Wild (1986) befindet, dass nur Dilettanten einen zwerchhausgekrönten Mittelbau mit überkuppelten Seitenpavillons verbinden können, architektonisch anspruchsvolle Formen mit äusserster Einfachheit – wenn nicht Einfallslosigkeit – verbinden und zukunftsweisende Erfindungen mit Altertümlichen kombinieren.

[13] Die Schwaige (Sennhof) liegt südlich des Hauptbaus. Michael Wening hat sie 1701 im Stich festgehalten. Zwischen Schwaige und Schloss liegt das mit Schweif- und Volutengiebel versehene Schwaighaus. Wening stellt die Distanz mit ungefähr 20 Meter dar, in Wirklichkeit beträgt sie bedeutend mehr, die Schwaige liegt in rund 300 Meter Distanz.

[14] Nymphenburg liegt in einem Gebiet, in dem nur Niederwild gejagt werden kann. Es ist für die fürstliche Treibjagd völlig ungeeignet. Nach dem Kauf der Hofgüter 1663 interessiert er sich deshalb nicht mehr für Nymphenburg, das zudem zum grossen Teil aus dem privaten Vermögen von Henriette Adelheid bezahlt wird.

[15] Giovanni Antonio Viscardi (1645–1713) aus San Vittore. Siehe die Biografie und das Werkverzeichnis in dieser Webseite.

[16] Maximilian II. Emanuel von Bayern (1662–1726), Kurfürst 1679–1706 und 1714–1726, Generalstatthalter der Spanischen Niederlande 1691–1701, in französischem Exil 1704–1715 und unter Reichsacht 1706–1714. Zu ihm siehe die Biografie von Ludwig Hüttl «Der blaue Kurfürst» (München 1976) und die Biografie des gleichen Autors in der NDB (Online-Fassung, 1990).

[17] Die Distanz von drei Wegstunden zwischen den beiden Objekten für einen Transport von abgebrochenem Mauermaterial scheint für heutige Begriffe unsinnig, muss aber mit dem System der Fronfuhren für den kurfürstlichen Hof bedeutend kostengünstiger als die Anschaffung neuen Baumaterials sein.

[18] Michael Wening kennt die Anlage der Kurfürstin Henriette Adelheid nicht mehr, denn die Pavillons werden 1684 zur Materialgewinnung für Lustheim abgebrochen. An ihrer Stelle zeichnet er, um die Aussagekraft des Bildes zu erhöhen, die in Wirklichkeit 300 Meter entfernte Schwaige und die 80 Meter entfernte Magdalenakapelle.

[19] Die bayrische Geschichtsschreibung umgeht die für Bayern verheerende Politik des Kurfürsten mit wenigen Ausnahmen meist recht schönfärberisch. Seine «Heldentaten» im Krieg gegen die Türken, seine Tätigkeit als Kunstmäzen und als Bauherr von Schleissheim und Nymphenburg werden gerne ausschweifend beschrieben. Dass er Bayern zwischen 1680 und 1726 mit seinen Grossmachtsträumen und Kriegen in einen desolaten und ausgebluteten Zustand führt, scheint eher nebensächlich. Tatsache ist aber, dass dieser bayrische Herrscher für sein Land wenig Interesse hat und seine Einwohner ausschliesslich in demütiger Haltung kennt. Ihn interessiert nur die Erhöhung der Wittelsbacher Hausmacht, dafür opfert er alles, und hätte ohne Skrupel Bayern gegen ein Königreich in Italien getauscht. Die ab 1702 umgesetzte Idee des Krieges gegen eine alliierte Macht, welche fast das Dreifache an Ressourcen verfügt, kann nicht anders als mit Grössenwahn bezeichnet werden.

[20] Zuccalli bereist Holland 1693 während mehrerer Monate. Für Nymphenburg dürfte die Anlage von Het Loo bei Apeldoorn (1685–1692 durch Daniel Marot für Wilhelm II. von Nassau-Oranien erbaut) und die Gärten und Kanalanlagen von Huis ter Nieuburg in Rijswijk (1633–1636 von Jacques de la Vallée gebaut) direkte Vorbilder sein.

[21] Charles Carbonnet (v.1660–n.1730), von Saint-Roch, auch Carbonet geschrieben, Mitarbeiter des «Jardinier du Roi» André Le Nôtre, wechselt 1701 auf Empfehlung des französischen Hofes an den kurfürstlichen Hof in München. Zu den Kanal- und Gartenbauten Nymphenburgs siehe die separaten Kapitel in dieser Webseite.

[22] Die Abläufe werden unterschiedlich beschrieben. Effner stellt nach 1715 die Fassade zwar fertig, aber die Neugestaltung ist schon im Akkord Viscardis enthalten.

[23] Die Lage der ebenfalls dreigeschossigen, abgebrochenen Pavillons ist zwar nicht mit Massen dokumentiert. Auf Grund seiner Grösse muss ein Einzelbaukörper diese Distanz einhalten. Die Baumeisterlogik bei einem Akkordauftrag spricht zudem für die Übernahme der alten Fundamente.

[24] Schloss Het Loo bei Apeldoorn, 1685–1692 durch Daniel Marot für Wilhelm III. von Oranien erbaut. Zuccalli dürfte Schloss und Garten 1693 dank einer Empfehlung von Kurfürst Max II. Emanuel (damals noch von Wilhelm III, seit 1689 englischer König, gefördert).

[25] Johann Anton Gumpp (1654–1719), Hofmaler. Arbeiten in der Residenz, in Lustheim, Schleissheim, im Mittelbau von Nymphenburg sowie in der Pagodenburg.

[26] Pietro Francesco Appiani (1670–1723), aus Porto Ceresio. Siehe die Biografie in dieser Webseite.

[27] Joseph Effner (1687–1745) aus Dachau. Hofbaumeister 1715–1745. Siehe die Biografie und das Werkverzeichnis in dieser Webseite.

[28] Germain Boffrand (1667–1754) aus Paris. Siehe die Biografie und das Werkverzeichnis in dieser Webseite.

[29] Dominique Girard (um 1680–1738). Er ist in Versailles «garçon fontanier» und wird vom französischen König empfohlen. Siehe auch die Anmerkungen zu Girard im Beschrieb des Schlossgartens.

[30] Guillielmus de Grof (1676–1742) aus Antwerpen. Hofbildhauer. Siehe Wikipedia-Beitrag: https://de.wikipedia.org/wiki/Guillielmus_de_Grof.

[31] Charles Claude Dubut (1687–1742) aus Paris. Hofstuckateur und Bildhauer. Siehe Wikipedia-Beitrag: https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Claude_Dubut.

[32] Johann Adam Pichler (Lebensdaten und Herkunft unbekannt) ist schon 1706 in Mons als Hofkistlergeselle tätig und ist spätestens 1707 in Paris tätig, wo er sich mit Hofstipendien zur Ausbildung in Schneidkunst (Boullemarketerie) zusammen mit Effner aufhält. 1715 wird er zum Hofkistler ernannt. 1717 unterstehen ihm 87 Schreiner und bis 20 Bildhauer. In Hofdiensten ist er bis 1729 nachgewiesen.

[33] Jacopo Amigoni (1682–1752) aus Neapel, Maler des venezianischen Rokoko. Siehe die Biografie und das Werkverzeichnis in dieser Webseite.

[34] Die Räume werden vom Wittelsbacher Ausgleichsfond benutzt.

[35] Im heute einzig zugänglichen Seitenpavillon der Südseite, dem heutigen Königsbau, ist die barocke Ausstattung seit den 1806 erfolgten Empire-Umbauten nicht mehr erhalten.

[36] Johann Baptist Zimmermann (1680–1758), Wessobrunner Stuckateur und Maler. Siehe die Biografie und das Werkverzeichnis in dieser Webseite. Die Kirche wird nach dem Krieg nicht wieder hergestellt.

[37] Johann Baptist Gunetzrhainer (1692–1763) aus München ist seit 1721 unter Joseph Effner Hofbaumeister.

[38] Der Garde-Meuble ist ein Hofbeamter, der sich um die nicht verwendeten oder zu reparierenden Möbel kümmert. Das Passspiel oder jeu de passe ist eine Art historisches Minigolf, das im Freien oder in der Halle gespielt wird.

[39] Karl Albrecht von Bayern (1697–1745), Kurfürst 1726–1745, Kaiser 1742–1745. Zum Leben des Kurfürsten Karl Albrecht von Bayern siehe die Biografie der Wikipedia unter Karl VII (Bayern).

[40] François Cuvilliés (1695–1768) aus Soignies bei Mons. Wegbereiter des süddeutschen Rokokos. Siehe die Biografie und das Werkverzeichnis in dieser Webseite.

[41] Max III. Joseph von Bayern (1727–1777) ist der erste Regent Kurbayerns, der sich von Grossmachtsgelüsten verabschiedet und dank seiner klugen Neutralitätspolitik und der damit verbundenen längeren Friedensperiode auch mit der Rückzahlung der hohen Staatsschulden beginnt. Berühmt ist sein Generalmandat vom 4. Oktober 1770, in welchem er das Rokoko als «lächerliche» Zierrat für Landkirchen praktisch verbietet und eine «edle Simplicität» fordert. Mit ihm stirbt das Geschlecht der bayrischen Wittelsbacher aus. Mehr zu ihm siehe in der Wikipedia-Biografie unter Maximilian III. Joseph (Bayern).

[42] Martin Heigl (um 1730–1794), siehe die Biographie und das Werkverzeichnis in dieser Webseite.

[43] Franz Michael Zimmermann (1709–1784), Maler und Hofstuckateur in München.

[44] Franz Xaver Feichtmayr (1735–1803), Wessobrunner Stuckateur, heiratet 1758 die Witwe von Johann Baptist Zimmermann.

[45] Die ehemaligen südlichen und nördlichen Vorräume an der Ostseite des Hauptgeschosses werden in den offiziellen Führern neuestens als «Salettl» bezeichnet. Die mittleren Audienzzimmer, mit Zugang nur durch diese «Salettl» (Österreich in Bayern?), heissen nun Vorzimmer, und nur die Schlafzimmer sind Schlafzimmer geblieben. Was denken sich die Verantwortlichen der Bayrischen Schlösserverwaltung bei solchen Änderungen, welche zudem immer mit Plandarstellungen verbunden sind, die weder genordet sind noch einen Nordpfeil aufweisen?

[46] Karl Theodor von der Pfalz (1724–1799), 1742–1799 Kurfürst von der Pfalz und 1777–1799 auch Kurfürst von Bayern. Wikipedia-Biografie siehe Karl Theodor (Pfalz und Bayern).

[47] Max I. Joseph (1756–1825), als Maximilian IV. Joseph Kurfürst 1799–1806, 1806–1825 König von Bayern. Bis 1813 Koalitionspartner von Napoleon I. 1803 kann er das Staatsgebiet durch Aneignung der Fürstbistümer Augsburg, Freising, Passau, Eichstätt, Würzburg und Bamberg, von 12 Reichsabteien und der Mediatisierung von 14 Reichsstädten von 756 Quadratmeilen auf 1400 Quadratmeilen (von 42 000 Quadratkilometer auf 77 500 Quadratkilometer) vergrössern. Noch grösser wächst die Staatsverschuldung, von 26 Millionen Gulden (1802) auf 118 Millionen Gulden (1803). Wikipedia-Biografie siehe Maximilian I. Joseph (Bayern).

[48] Ludwig I. von Bayern (1786–1868), König 1826–1848. Er ist begeisterter Verehrer des antiken Griechenlands, was sich auch in der klassizistischen Umgestaltung Münchens (Ludwigsstrasse, Feldherrenhalle, Siegestor, Staatsbibliothek, Königsplatz mit Glyptothek, Propyläen und Antikensammlung, Alte Pinakothek, Ruhmeshalle) durch Leo von Klenze und Friedrich von Gärtner zeigt. Wikipedia-Biografie siehe Ludwig I.(Bayern)

[49] Leo von Klenze (1784–1864), wichtiger Architekt des Klassizismus, Hofarchitekt von König Ludwig I. seit 1815.

[50] König Max II. Joseph von Bayern (1811–1864), König 1848–1864. Wikipedia-Biografie siehe Maximilian II. Joseph (Bayern).

[51] Die ungenügenden Dokumentationen über diese dem Publikum verschlossenen Räume im Mittelbau, auch der Räume im ersten und zweiten nördlichen Pavillon (heute Kronprinzenbau und Kapellenbau) lassen leider keine Beschreibung zu.

 

  Schloss Nymphenburg  
  NymphenburgAussen1  
Ort, Land (heute) Herrschaft (18. Jh.)
München, Bayern D
Kurfürstentum Bayern
Bistum (18.Jh.) Baubeginn
Freising   1664
Bauherr und Bauträger
ok  Kurfürstin Henriette Adelheid von Savoye
(reg. 1652–1676)
Kurfürst Max Emanuel von Bayern
(reg. 1679–1726)
Kurfürst Max III. Joseph von Bayern
(reg. 1745–1777)
 
  Das Schloss Nymphenburg von der Gartenseite aufgenommen. Bild: Richard Bartz, München 2008.   pdf  
   
Canaletto1761
Nymphenburg 1761. Bild: Bernardo Belotto, genannt Canaletto. > Zur Bildinformation.  
   
NymphenburgGrRiss
Grundriss des ersten Obergeschosses der bis 1704 gebauten Pavillon-Gruppe im Zustand von 1760. Die Originalbeschriftung wird ergänzt durch die heutige Schreibweise und durch die neuen Bezeichnungen der Schlossverwaltung. Für Vergrösserung und Legende bitte anklicken. Quelle: Stich François Cuvillés (1760), hier Norden oben.  
Wening1701
Nymphenburg im Zustand 1701. Michael Wening stellt nicht das Schloss der Henriette Adelheid dar, sondern den Zustand nach den Vereinfachungen durch Zuccalli und nach dem Abbruch der beiden seitlichen Pavillongebäude. Die südlich (oben) und nördlich (unten) gelegenen Bauten sind geografisch stark zusammengezogen. Die Kapelle läge in Wirklichkeit 75 Meter vom Hauptgebäude entfernt. Noch weiter entfernt, nämlich mit 300 Meter Distanz, müssten das südlich gelegene Schwaighaus mit den Schleif- und Volutengiebeln und die Schwaige (Ökonomiebauten) dargestellt werden.
Quelle: Michael Wening. Historico-Topographica Descriptio 1701. Bildschirmfoto aus «bavarikon. de».
 
NymphenburgA2
Die Gartenfassade des Mittelpavillons von Schloss Nymphenburg im heutigen Zustand. 1701/04 fügt Viscardi an beiden Fassaden die Rundbogenfenster des Steinernen Saals ein und baut die Treppe der Gartenseite entsprechend der stadtseitigen Treppe (vergleiche mit dem Stich Wening). Effner vollendet die Fassade nach 1716, wie sie das Gemälde von Canaletto zeigt. Das wuchtige Kranzgesims und das Dach sind Werke des Klassizisten Klenze (1826).  
Foto: Bieri 2016.
 
Zanchi
Deckenbild, 1674 /75 von Antonio Zanchi , im Raum 6 (siehe Grundriss, ehemals Vorzimmer des Kurfürsten ). Es stellt in starker Untersicht die Göttin Ceres auf ihrem Drachenwagen dar. Das Gemälde ist eines der sechs Deckenbilder der ersten Ausstattungsphase und im Originalzustand.
Foto: Bieri 2016,
 
NymphenburgI2
Deckenbild, 1673/75 von Antonio Triva, im Raum 10 (siehe Grundriss, ehemals Vorzimmer der Kurfürstin). Es stellt in starker Untersicht die Quellnymphe  Arethusa mit einer Amphora dar, in die Puttis aus einer weiteren Amphora Wasser giessen. Rechts (Bild vergrössern!) ist das Monogramm FM des Kurfürsten Ferdinand Maria zu sehen. Das Gemälde ist eines der sechs Deckenbilder der ersten Ausstattungsphase und im Originalzustand
Foto: Bieri 2016.
 
NymphenburgA4
Die Gartenseite des Schlosses vom Mittelkanal gesehen. Derart präsentiert sich Nymphenburg bereits um 1704. Die Gebäudegruppe selbst, mit den beiden seitlichen Pavillons und den Galerien, ist schon im Bestandteil der ersten Bauetappe 1664–1678.  Foto: Bieri 2016.  
NymphenburgA3
Die drei mittleren Pavillons der entgegengesetzten Ostfront, de städtischen Empfangsseite, spiegeln sich im 1716–1726 gebauten Bassin vor der ehemaligen Kaskade. Foto: Bieri 2016.
BeichGeer1726
Die Miniatur von Maximilian de Geer (nach dem Gemälde von Franz Joachim Beich) zeigt die Vogelschauansicht von Osten im Zustand 1726, mit den beginnenden Arbeiten des Stichkanals und des Rondells. Deutlich ist die heute nicht mehr existierende Kaskade zu sehen. Quelle: Luisa Hager 1955, nach dem Original im Miniaturkabinett der Residenz.  
NymphenburgOst
Eindrücklich ist die winterliche Panorama-Ansicht der über 500 Meter langen Ostfront, wie sie sich seit ihrer Vollendung nach 1758 dem von München ankommenden Besucher zeigt. Aufnahme 2010 by Bbb-Commons in Wikipedia.  
SteinernerSaal
Der Mittelsaal wird heute auch als Steinerner Saal bezeichnet. Seine grossen Öffnungen zu beiden Fassadenseiten sind schon seit dem Eingriff Viscardi 1702/04 vorhanden. 1755/57 gestaltet der Stuckateur und Freskant Johann Baptist Zimmermann den Saal unter der Leitung von François Cuvilliés neu. Der Blick zur freien Fassade Richtung Stadt zeigt einen vollendeten Rokokoraum. Foto Bieri 2016.  
ModelloZimmermann
Für das grosse Deckenfresko malt Zimmermann ein Bozzetto, wie der Entwurf in Öl auf Leinwand (115 x 159 cm) genannt wird. Das Thema «Wohlstand und Blüte des Landes im Frieden, Wiederkehr des goldenen Zeitalters» wird mit einem Götterhimmel über umlaufender Landschaftsszenerie dargestellt. Das Bozetto ist in der Blickrichtung des von Osten eintretenden Betrachters (Westen unten) aufgebaut. Es hängt in der Barockgalerie im Schätzler-Palais Augsburg. Quelle: Wikipedia
SteinernerSaalZimmermann
Das ausgeführte Fresko im Muldengewölbe (H 16,30 m, B 13,8 m, L 18,3 m) entspricht dem Entwurf, ist aber entsprechend der Technik lichter, luftiger und farbiger. Der schon 76-jährige Johann Baptist Zimmermann überträgt die Ausführung teilweise an den Mitarbeiter Martin Heigl und an seinen Sohn Franz Michael Zimmermann. Foto: Bieri 2016.
NymphenburgI6
In Blickrichtung nach Westen (siehe das Bild oben) ist eine Nymphe mit Begleiterinnen in einer idealischen Gartenlandschaft mit steil aufragenden Bäumen und Zierarchitektur in Rocaille-Formen zu sehen. Darüber spannt sich der Regenbogen. In den Seitenkartuschen sind Grisaillemalerein mit allegorischen Darstellungen und Putten zu sehen. Das Zusammenspiel der Fresken mit den ebenfalls von Zimmermann und seiner Werkstatt  geschaffenen Stuckaturen ist einmalig. Foto: Bieri 2016.  
NymphenburgI7
In Blickrichtung nach Osten ist eine weitere Landschaftsidylle mit der griechischen Göttin Minerva zu sehen.  Foto: Bieri 2016.
NymphenburgI8
Das Deckenfresko des Gartensaals an der Unterseite der Musikempore zeigt die Flurnymphe Flora, der vom Windgott Zephyr die Herrschaft über die Blumen und Blüten schenkt. Zimmermann malt er bis Ende 1757. Wenige Monate später stirbt er.
Foto: Bieri 2016.
NymphenburgI9
Das Wandbild an der Nordseite zeigt in prächtigem Stuckrahmen den ruhenden Mars mit Venus. Die frischen Farben verraten, dass auch die Wandbilder «al fresco» gemalt sind. Foto: Bieri 2016.  
NaymphenburgI10
Die Stuckaturen der Supraporten sind ein wahres Rokoko-Feuerwerk. Schöpfer sind die seit dreissig Jahren zusammenarbeitenden François Cuvilliés und Johann Baptist Zimmermann. Zimmermann malt auch das Fresko mit dem Schäfer, der die Schäferin im Schlaf überrascht. Foto: Bieri 2016.  
NymphenburgI11
Das Stuckdetail aus obiger Supraporte macht es noch weniger verständlich, warum der gleiche Kurfürst, der die Arbeit 1755 in Auftrag gibt, diese Stuckaturen 25 Jahre später als lächerlichen Zierrat bezeichnet und derartige Stuckaturen kurzerhand verbietet.
Foto: Diego Delso 2012 in Wikipedia.
 
Seitentrakte und Vebindungsbauten  
NamphenburgA9
Die nördlichen und südlichen Hofanlagen liegen jenseits der Schlossgartenkanäle in einer Distanz von 92 m zu den Schlosspavillons. Joseph Effner beginnt ihren Bau 1716. Bis zu den Kanälen legt er zweigeschossige Längsbauten, hier den südlichen, als Küchenbau bezeichneten Verbindungstrakt.
Foto: D. Fuchsberger 2013 in Wikipedia.
 

NymphenburgA6

Über die Kanäle, zwischen dem Verbindungstrakt und der neuen Hofanlage, legt Effner Verbindungsgalerien. Hier der nordseitige Galeriebau mit Korbbogenüberbrückung des Kanals. Die dahinterliegende Gartenbrücke ist 19. Jahrhundert. Sie hätte den barocken Schiffsverkehr behindert. Foto: Bieri 2016.  
NamphenburgA7
Der Block der nördlichen Hofanlagen, gesehen von der Stadtseite. Der Südflügel (links) beherbergt ursprünglich die Orangerie, im Ostflügel liegen das Kloster und die Klosterkirche der Kongregation von Nôtre Dame. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wird nur die Gebäudehülle rekonstruiert.
Foto: Bieri 2016.
 
NymphenburgA8
Der Südost-Risalitbau des Nordblockes (oben) besteht als Johannis-Brunnhaus bereits, als Effner 1730 hier den Ostflügel mit der Klosterkirche beginnt. Schon 1716 ist das zum Betrieb des grossen Springbrunnens notwendige Pumpwerk vorhanden. Es wird 1803 durch die heute noch vorhandene Anlage ersetzt. Zu den Pumpwerken siehe: Pumpwerke des Schlosses Nymphenburg in der Wikipedia.
Foto: AHert 2011 in Wikipedia.
 
Pumpe1716
Schnitt des Pumpwerkes im Johannis-Brunnhaus, in: «Traitte de l'élevation des Eaux» von Ferdinand Franz Graf von Wahl (München 1716). Ein unterschlächtiges Wasserrad mit sieben Meter Durchmesser wird vom umgeleiteten Schlossgartenkanal angetrieben. Die Wasserzufuhr beträgt drei Kubikmeter pro Sekunde. Das Rad treibt beidseitig je drei Kolbenpumpen an, die das Wasser in die Reservoirs im Turm hochdrücken.  
 
   
Bernardo Bellotto, bekannt als Canaletto, malt während seines Münchner Aufenthaltes 1761 auch zwei Ansichten von Nymphenburg. Der Venezianer ist geschätzt wegen seiner detailgetreuen Darstellungen von Venedig, Dresden und Wien. Er ist auch hervorragender Zeitzeuge des gesellschaftlichen Lebens.

Das Gemälde zeigt das barocke Parterre mit Springbrunnen, zwei Broderiebeeten und zwei Rasenstücken.
Die Schlossanlage ist im damaligen Farbkleid dargestellt. Der Mittelpavillon trägt noch das barocke Dach mit dem Frontispiz. Auch die Ziegelfarben der seitlichen Pavillons sind noch nicht dem heutigen unnatürlichen Rot gewichen.
Im Vordergrund vergnügt sich eine Hofgesellschaft. Mit den vergoldeten venezianischen Gondeln bricht sie zu einer Fahrt Richtung Grosser Kaskade auf. Die Gondolieri sind vom Hof angestellte Venezianer.

Nur dank der National Gallery of Art in Washington ist das Bild überhaupt derart detailgetreu allgemein im Netz zugänglich. Die genauen Bilddaten sind unter www.nga.gov abrufbar.
Das zweite derartige Gemälde, ein Doppel, befindet sich in der Residenz München.