Joseph Effner (1687–1745)

Hofbaumeister in München

Dachau 1687
Am 4. Februar 1687 wird Joseph Effner[1] als neuntes Kind von Christian Oeffner und seiner Ehefrau Maria Katharina Gebhard in der Pfarrkirche St. Jakob von Dachau getauft. Der Vater ist seit 1670 kurfürstlicher Hofgärtner in Dachau. Die Mutter ist Hoffischerstochter. Joseph hat acht Geschwister, die das Erwachsenenalter erreichen.[2] 1705 stirbt der Vater. Der 1679 geborene Bruder Christoph wird sein Nachfolger als Hofgärtner. Er ist damit für die Planung und den Unterhalt der Gartenanlagen und ihrer architektonischen und wasserbaulichen Werke zuständig. Wahrscheinlich bildet der Vater auch Joseph Effner zum Gärtner aus.

Paris 1706
Der Aufenthalt in Paris im Umfeld des bayrischen Kurfürsten[3] und seines Pariser Kreises von Künstlern und Planern ist für den jungen Effner für sein ganzes späteres Werk prägend. Die  Verknüpfung mit dem über zehnjährigen Exil des Kurfürsten kann deshalb nicht ausgeblendet werden. Dieser flieht im August 1704 mit seinem Gefolge nach Brüssel.[4] Die begonnenen Arbeiten an den Bauten und Gärten von Schleissheim und Nymphenburg werden sofort eingestellt. Das Exil bremst aber die Baulust des Kurfürsten nicht. Das Bauen bezeichnet er nebst der Jagd als sein grösstes Vergnügen. Schon als Statthalter der Niederlande 1692–1701 hat er sich dem Pariser Kulturkreis zugewandt. Seine gebildete Favoritin, die Gräfin d'Arco, sorgt für die Kontakte mit den wichtigsten Künstlern und Planern.[5] Sie vermittelt 1705 für die Umbauten und Neueinrichtungen der Residenz Coudenberg,[6] des Schlosses in Tervuren und für den Neubau eines Jagdschlosses  den Pariser Architekten Germain Boffrand[7] nach Brüssel, nachdem sie schon vorher den für Schleissheim planenden Gartenintendanten Charles Carbonet[8] nach München empfohlen hat. Dem Gartenplaner von Schleissheim scheint im April 1706 auch der junge Gärtner Joseph Effner zu folgen, nachdem ihm vom kurfürstlichen Hof ein Stipendium bei einem französischen Hofgärtner zugesichert worden ist. Schon im Mai 1706 muss der Kurfürst mit seinem Hof nach Mons flüchten. Wahrscheinlich reist Effner über Mons. Ein Aufenthalt Effners in Brüssel dürfte nie stattgefunden haben.  
Nachweislich hält er sich spätestens im September 1706 als Stipendiant in Paris auf. Die Zahlungen von 500 Livres jährlich fliessen an einen unbekannten Pariser «Gärtner», vielleicht an Charles Carbonnet. Sie sind vom Grafen de Monasterol angeordnet.[9] Dem jungen Praktikanten wird monatlich ein Kleidergeld und Kostgeld von anfänglich sechs Livres, schon 1707 aber von 23 Livres überwiesen.[10] In Paris hält er sich zeitgleich mit dem 12 Jahre älteren Gärtner Matthias Diesel aus Bernried auf, der ebenfalls Stipendiant des Kurfürsten ist, um «in der Lust- und Blumengärtnerei von den berühmten Männern in Frankreich etwas Solides zu erkennen».[11] 1708 tritt Effner zum Studium der Baukunst ins Pariser Baubüro von Germain Boffrand ein.[12] Die Zahlungen des kurfürstlichen Hofes an Boiffrand für die Ausbildung betragen jetzt 600 Livres. Auch Effner selbst erhält weiterhin finanzielle Unterstützung in grosser Höhe. Nur schon das Kleidergeld von 261 Livres entspricht dem Jahreseinkommen eines Stuckateurs in Bayern. 1712 setzt sich der Kurfürst in Compiègne persönlich für weitere Zahlungen an Effner ein, weil dieser sich in Paris bei den besten Meistern weiter in Baukunst perfektionieren und die Akademie besuchen solle, bis er ihn anderweitig einsetzen könne. Das tägliche Kostgeld Effners erhöht er auf fünf Livres.[13]

Saint-Cloud 1713
1713 kauft der bayrische Kurfürst ein Palais nördlich von Saint-Cloud. Wie das berühmte, südlich des Dorfes gelegene Schloss des Bruders von Louis XIV, «Monsieur» Philippe d'Orléans,[14] liegt es hoch über der Seine mit Ausblick auf Paris. Der Umbau wird Boffrand in Auftrag gegeben, Effner ist der ausführende Planer und leitet die Baumassnahmen. 1714 zieht der Kurfürst ein. Er schenkt das Schloss 1725 seinem Sohn.[15] Beide Schlösser in Saint-Cloud werden im Deutsch-Französischen Krieg 1870 zerstört.[16]

Kurfürstlicher Hofbaumeister 1715
Am Friedenskongress im schweizerischen Baden werden 1714 die beiden Wittelsbacher Kurfürsten unter grossem Druck Frankreichs wieder in Amt und Würden eingesetzt. Im März 1715 kehrt Kurfürst Max Emanuel und sein Hof nach über zehnjähriger Abwesenheit wieder nach München zurück, wo sie in der Nacht des 10. April eintreffen. Mit dem Hof trifft auch der nun in französischer Baukunst ausgebildete 28-jährige Joseph Effner in München ein. Kaum angekommen, wird er im Mai 1715 vom Kurfürsten als Hofbaumeister mit einem Jahresgehalt von 1500 Gulden eingesetzt. Der alte Enrico Zuccalli ist ihm zwar offiziell zur Seite gestellt, von Kurfürsten noch immer geschätzt, aber nun für Inneneinrichtungen nicht mehr eingesetzt.[17] Für diese sind jetzt die neuen französischen Kräfte tätig.

Dachau 1715
Das Schloss Dachau ist eine Sommerresidenz der Wittelsbacher. Der Umbau des Festsaalflügels der Vierflügelanlage aus dem 16. Jahrhundert ist der erste Auftrag an den jungen Hofbaumeister. Zusammen mit seinem Bruder baut er auch den Garten um. Heute ist nur noch das rekonstruierte Treppenhaus Effners vorhanden.[18]

Nymphenburg 1716
Als der Kurfürst 1704 Bayern fluchtartig verlässt, bleiben auch die pavillonartigen, gestaffelten Erweiterungsbauten des Jagdschlosses Nymphenburg unvollendet stehen.[19]   Effner ist jetzt für den Ausbau der Appartements des Kurfürsten zuständig. Er arbeitet mit den Bildhauern Guillielmus de Grof[20] und Charles Claude Dubut,[21] beides Künstler des Pariser Umkreises von Kurfürst Max Emanuel. Zu diesen gehört auch der Kunstschreiner Johann Adam Pichler, der in Nymphenburg und gleichzeitig in Schleissheim die Vertäfelungen mit den Möbeln, die Böden und die Türen mit den Supraporten herstellt.[22]   Mit diesen Künstlern entstehen unter der Leitung von Effner bis 1719 in Nymphenburg Appartements des französischen Régence. In jedem Raum ist Germain Boffrand, der Lehrer Effners spürbar.
Eine weiter glückliche französische «Erwerbung» des Kurfürsten ist Dominique Girard, der ihm 1715 von Louis XIV nach München empfohlen wird.[23] Girard, der als Garteninspektor und «maître fontainier» in Hofdienste genommen wird, arbeitet in Nymphenburg aber vorerst nur für die Wasserkünste, die Gartenanlagen sind zum grossen Teil ein Werk Effners. «Joseph Effner muss hier als eigentlicher Entwerfer gelten».[24]  Er plant mit dem Orangerietrakt und dem Marstalltrakt auch die grossen seitlichen Erweiterungen der Schlossanlage, an denen noch bei seinem Tod gearbeitet wird. Zusammen mit Girard ist er auch der Planer des grossen östlichen Rondells und des 1800 Meter langen und 30 Meter breiten Stichkanals Richtung Schwabing.
Den wertvollsten Beitrag zum Nymphenburger Garten leistet Effner mit seinen Gartenschlössern, die als Badenburg, Pagodenburg und Magdalenenklause alle späteren Änderungen des Barockgartens überleben und schnell zum Vorbild für Gartenschlösser weiterer Fürstenhäuser werden.

Italien 1718
Vom Januar bis März unternimmt Effner, offenbar wieder auf Wunsch des Kurfürsten, eine Studienreise nach Italien, um «daselbst einige Hauptgebäu zu besichtigen».[25]  Auch wenn Effner in der kurzen Zeit kaum bis nach Neapel gelangt, scheinen bei der im gleichen Jahr gebauten Badenburg doch italienische Einflüsse spürbar.

Schleissheim 1719
Dem neuen Schloss Schleissheim und seinen Gärten liegen Entwürfe Enrico Zuccallis und des Gartenintendanten Charles Carbonnets zu Grunde. Das Hauptgebäude ist seit 1701 im Bau und wird nach 1715 noch immer von Zuccalli betreut. Nachdem Effner 1719 für die Ausgestaltung der Innenräume eingesetzt wird, zieht sich Zuccalli zurück. Effner verändert den Mittelrisaliten, belässt aber die Architektur Zuccallis weitgehend. Dieser wehrt sich auch vehement gegen eine Änderung seiner grossen Haupttreppe. Effner, nun in Zusammenarbeit mit Johann Baptist Zimmermann, Jacopo Amigoni und Nikolaus Stuber,[26]   aber wieder mit dem Kunstschreiner Johann Adam Pichler und dem Bildhauer Charles Claude Dubut, vollendet die wichtigsten Räume bis 1724. Dank dem Wessobrunner Stuckateur Zimmermann und den beiden Malern weicht in Schleissheim das klassische französische Régence einer freien und schon das Rokoko ahnenden Gestaltung.
Gleichzeitig mit der Innenausstattung erstellt Effner in Gemeinschaft mit Dominique Girard auch das Gartenparterre des Schlosses.

Heirat und Familie 1721
1721 heiratet er die 25jährige Maria Magdalena von Schön, die Tochter eines «Obristleutnants».[27] Mit ihr hat er neun Kinder. Der ältere, 1723 geborene Gaudenz Joseph Jakob wird 1765 geadelt.[28] Der 1734 geborene Joseph Felix wird als Dominikus Franz von Paula 1764 Kanoniker und 1781 Dekan des Kollegiatstifts zu U. L. Frau in München. Die Hofgärtnertradition wird von einem anderen Familienzweig fortgesetzt.[29]

Palais Preysing 1723
1723 erhält Effner vom Grafen von Preysing-Hohenaschau den Auftrag für den Neubau eines viergeschossigen Stadtpalais in der Breite von neun Fensterachsen. Das Palais umfasst nebst  reich ausgestatteten Wohnräumen, einer Kapelle und einem Festsaal auch eine repräsentative Treppenhalle. 1841 wird an das Palais die Feldherrenhalle angefügt. Das einzige Stadtpalais Effners wird 1944 zerstört, nur die beiden Strassenfassaden und das Treppenhaus sind heute wieder rekonstruiert. Stuckateur der Fassaden und der Innenräume ist Johann Baptist Zimmermann. Vorbild für Effner dürfte das Palais Daun-Kinsky in Wien von Johann Lucas von Hildebrandt sein. Mit dem Palais Preysing zeigt Effner, dass er sich durchaus von französischen Vorbildern lösen kann.

Reiche Zimmer in der Residenz München 1726
Nach dem Tod von Enrico Zuccalli wird Effner 1724 Ober-Hofbaumeister. 1725 wird François Cuvilliés Hofbaumeister.[30]   1726 stirbt der Förderer Effners, Kurfürst Max Emanuel. Der neue Kurfürst Karl Albrecht gibt im gleichen Jahr den Auftrag zum Umbau der Ahnengalerie und zur neuen Ausstattung der Reichen Zimmer in der Residenz.[31] Diese brennen 1729. Der nachfolgende Umbau wird vollumfänglich an François Cuvilliés übertragen, der zusammen mit Johann Baptist Zimmermann nach 1730 die ersten höfischen Rokokoräume des süddeutschen Barocks erstellt.

Nach 1730
Es ergeht nun Effner wie dem alten Zuccalli. Jüngere und innovativere Kräfte nehmen seinen Platz ein. Zwar leitet er noch immer die Arbeiten in Nymphenburg und nimmt 1738 zusätzlich die Stelle des Direktors über die Lustgärten und Wasserwerke ein, aber die Aufträge des Kurfürsten Karl Albrecht gehen jetzt an Cuvilliés.
Am 23. Februar 1745 stirbt Joseph Effner 58-jährig in München. Er wird auf dem Friedhof der Frauenkirche begraben.

Die Porträts der Eheleute Effner von Jacopo Amigoni
Um 1720 malt Jacopo Amigoni ein Porträt von Joseph Effner. Es stellt den Hofbaumeister mit ungefähr 33 Jahren dar. Auf einem Folianten hält er den Bauplan eines Triumphbogens. Auf ihn verweist er mit der linken Hand. Damit ist er als Architekt ausgewiesen. Das Gemälde ist ein klassisch-höfisches Künstlerporträt. Alongeperücke und ein kostbar bestickter Justaucorps, drapiert mit einem purpurnen Umhang, drücken die Zugehörigkeit zum Hof aus.
Auf der Rückseite wird erst später vermerkt:
«JOS. V. EFNER. CHURFL: HOFKAMER / RATH. OBER BAVMEISTER. VND / GARTEN DIRECTOR. Ao. 1687. DEN 9. / FEB: ZU DACHAU GEBOHREN. Ao. 1745. den / 23.feb: zu MÜNCHEN. VERSTORBEN // GIACOMO AMIGONI PINXIT.»
Das zweite Porträt, entstanden nach der Heirat 1721, stellt seine junge Frau in blauem Kleid dar. Wo das Porträt Effners die höfische Etikette betont, verkörpert das Porträt der Frau Natürlichkeit und Schönheit, betont durch Kleid und Blumen. Das Rot der Nelke in der linken Hand wiederholt sich in der Haarschleife. Nebst der Kleidung weisen auch die gepuderten Haare auf eine Frau der oberen Bürgerschicht hin.
Auf der Rückseite erläutert eine ebenfalls später angebrachte Inschrift:
«MARIA MAGDALENA VON EFF. / NER DES CHURF: GENERALL/ Liut: v: Schön Tochter, Ao. / 1698 den 6 october zu Rur / mund. Geboren u Vermählet / zu München den 21 Jener Ao. / 1721 gestorben den 16 April 1779 // GIACOMO AMIGONI PINXIT.»
Was wie folgt gelesen werden muss:
«Maria Magdalena von Effner, des kurfürstlichen Generalleutnants von Schön Tochter, am 6. Oktober 1698 zu Rurmund (Roermond, NL) geboren und vermählt zu München, den 21. Januar 1721. Gestorben den 16. April 1779. Gemalt von Jacopo Amigoni».
Gehe zum Gemälde der Ehefrau Maria Magdalena.
Beide Porträts sind Bestandteil der Gemäldesammlung im Neuen Schloss Schleissheim.

Pius Bieri 2016

Literatur:
Lieb, Adolf Anton: Münchener Barockbaumeister. München 1941.
Röhlig, Ursula, Effner, Joseph, in: Neue Deutsche Biographie 4, Berlin 1959.
Glaser; Hubert (Hrsg.): Kurfürst Max Emanuel. Ausstellungskatalog Band I. München 1976.
Hojer, Gerhard (Hrsg.): Joseph Effner, Bauten für Kurfürst Max Emanuel, Ausstellungstexte. München 1987.
Pozsgai, Martin: Germain Boffrand und Joseph Effner. Berlin 2012.

Anmerkungen:
[1] Er wechselt in Frankreich den Namen von Oeffner in Effner.

[2] Franz Jakob, geb. 1669/70; Maria Catharina, geb. 1671/72; Maria Anna, geb. 1673; Maria Theresia, geb. 1675; Nikolaus, geb. 1676; Carl Dominican Antonius, geb. 1678; Johann Christoph, geb. 1679; Anna Ursula, geb. 1681.

[3] Zum Leben des Kurfürsten Maximilian II. Emanuel von Bayern siehe die Biografie von Ludwig Hüttl (1990) in der NDB (Online-Fassung) unter http://www.deutsche-biographie.de/sfz59368.html.

[4] 1704 flieht der bayrische Kurfürst Max II. Emanuel nach der verlorenen Schlacht bei Höchstädt nach Brüssel. Ein Teil des Hofes und der Beamtenschaft geht mit. Er zieht in Coudenberg, dem Palast der Herzöge von Burgund und des spanischen Kaisers Karl V. ein, wo er schon 1692–1701 als Statthalter der spanischen Niederlande für seinen ebenso teuren wie von Liebschaften getriebenen Hof bekannt ist. Im Mai 1706 erobern die alliierten Truppen von Prinz Eugen und Marlborough Brüssel. Die Flucht von Kurfürst und Hofstaat führt nach Mons, das sie 1709 verlassen müssen. Nun flüchten sie nach Frankreich, vorerst nach Compiègne. 1711 kann der Hof in Namur einziehen, aber schon 1712 ist der Kurfürst erneut in Compiègne. Um noch näher an Versailles zu sein, wechselt er 1713 in das Schloss Suresnes an der Seine bei Paris und kauft im gleichen Jahr ein Palais mit Park in Saint-Cloud. An jedem dieser Orte wird mit Bällen, Jagden, Theater- und Opernaufführungen nicht gegeizt. 

[5] Agnès Françoise Le Louchier, comtesse d'Arco (1660–1717), in der deutschsprachigen Literatur als Gräfin von Arco bezeichnet. Sie darf als massgebende Vermittlerin des französischen Régence für die kurfürstlichen Bauten betrachtet werden. Zu ihr siehe den Wikipedia-Beitrag unter Siehe auch Le Louchier in der Wikipedia-Biografie..

[6] Das Schloss der burgundischen Herzöge brennt 1731 aus. Die Ruinen werden 1771 für den Koeningsplein (Place Royale) eingeebnet. Anstelle des Residenzgartens entsteht später der Warandapark.

[7] Germain Boffrand (1667–1754), siehe Biografie in dieser Webseite. Die Vermittlung erfolgt durch die Gräfin von Arco.

[8] Charles Carbonnet, (v.1660–ap.1730), von Saint-Roch, Mitarbeiter des «Jardinier du Roi» André Le Nôtre, wechselt 1701 auf Empfehlung des französischen Hofes an den kurfürstlichen Hof in München. 1719–1730 ist er Mitarbeiter von Robert de Cotte an den Garten- und Kanalanlagen des Kardinals Armand-Gaston de Rohan in Saverne.

[9] Ferdinand Solaro, Comte de Monasterol (1661–1718), stammt aus einer Piemonteser Adelsfamilie, ist Gesandter und Vertrauter des Kurfürsten Max Emanuel am Pariser Hof in Versailles. 1718 begibt er sich nach München, um über die unübersichtliche Schuldenwirtschaft des zurückgekehrten Kürfürsten Rechenschaft zu leisten. Zu einer unrealistisch hohen Geld-Rückzahlung verurteilt, erschiesst er sich in München.

[10] Die Angaben der Stipendienhöhe beziehen sich auf das französische Livre tournois oder den brabantischen Gulden. 1 Gulden (rheinisch) entspricht 1706 rund 2 Livre 6 Sous oder 2 Gulden 17 Stüper brabantischer Währung.

[11] Matthias Diesel (1675–1752) aus Bernried ist ursprünglich Gärtner, wird nach der Rückkehr 1713 Garteninspektor beim Salzburger Fürstbischof, 1718 Ingenieur der Hof- und Lustgärten am Münchner Hof, berühmt wird aber vor allem durch seine Kupferstiche über die Gärten Europas, die er 1717 bei Jeremias Wolff in Augsburg verlegt. Siehe Biografie in Wikipedia.

[12] Das Büro befindet sich an der Rue Neuve Saint Paul im Marais, der heutigen Rue Charles V.

[13] Dies entspricht 1712 noch immer ungefähr 1 Gulden 17 Kreuzer rheinischer Währung und ist damit höher als der Taglohn des Maurerpaliers von Joseph Schmuzer in Tegernsee oder Pfaffenhofen, dem einen halben Gulden (30 Kreuzer) bezahlt werden.

[14] Die Dreiflügelanlage wird ab 1677 von Antoine Le Pautre gebaut. Die Gärten sind ein Werk von André Le Nôtre. Saint-Cloud wird später zur bevorzugten Residenz von Napoléon I und Napoléon III.

[15] Emmanuel-François-Joseph Comte de Bavière (1695–1747), Sohn von Max Emanuel von Bayern und seiner Mätresse, der Gräfin Agnes Françoise Le Louchier d'Arco.

[16] Die Ruinen des grösseren Schlosses von «Monsieur» werden schon 1891 abgetragen, der Garten ist zum grossen Teil noch erhalten. Die Ruinen des Schlosses von Max Emanuel stehen noch bis 1962, heute sind dort Wohnüberbauungen.

[17] Enrico Zuccalli (um 1642–1724) aus Roveredo, Ober-Hofbaumeister seit 1677, Planer von Schleissheim 1695–1704.

[18] Der Barockgarten wird schon 1765 in einen englischen Garten umgewandelt. Drei der vier Flügel werden Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen. Die barocken Eingriffe im Festsaaltrakt werden noch 1977 zugunsten einer Renaissance-Rekonstruktion rückgängig gemacht. Das erhaltene Treppenhaus Effners ist eine fast genaue Nachbildung des Treppenhauses im Hôtel du Petit Luxembourg in Paris, das Boffrand 1709–1711 baut.

[19] Der grosse Mittelbau, den Kurfürstin Henriette Adelheid von Agostino Barelli bauen lässt, ist schon 1675 vollendet. Das Konzept der Erweiterungsbauten stammt von Enrico Zuccalli. Begonnen werden sie 1702 durch Giovanni Antonio Viscardi (1645–1713).

[20] Guillielmus de Grof (1676–1742) aus Antwerpen. Hofbildhauer. Siehe Biografie in Wikipedia.

[21] Charles Claude Dubut (1687–1742) aus Paris. Hofstuckateur und Bildhauer. Siehe Biografie in Wikipedia.

[22] Johann Adam Pichler (Lebensdaten und Herkunft unbekannt) ist schon 1706 in Mons als Hofkistlergeselle tätig und ist spätestens 1707 in Paris tätig, wo er sich mit Hofstipendien zur Ausbildung in Schneidkunst (Boullemarketerie) zusammen mit Effner aufhält. 1715 wird er zum Hofkistler ernannt. 1717 unterstehen ihm 87 Schreiner und bis 20 Bildhauer. In Hofdiensten ist er bis 1729 nachgewiesen.

[23] Dominique Girard (um 1680–1738). Er plant nebst dem Nymphenburger Garten auch für das Gartenparterre in Schleissheim. 1717 plant er, zusammen mit Johann Lucas von Hildebrandt für den Prinzen Eugen den Belvedere-Garten in Wien und 1728 zusammen mit François de Cuvilliés die Gärten der Augustusburg in Brühl.

[24] Gerhard Hojer in:
Die Münchner Residenzen des Kurfürsten Max Emanuel (Ausstellungskatalog 1976).

[25] Die Dauer, der Zeitpunkt der Reise und die Aufenthalte in Venedig, Rom und Neapel werden erwähnt bei Lieb, Röhling und Hojer. Die Reise mit der Kutsche oder mit dem Pferd, zusätzlich der zweimaligen Winterüberquerung der Alpen, benötigt für die über 2200 Kilometer in den erwähnten 70 bis 80 Tagen schon mindestens 40 Tage. Der Sinn einer solchen Parforcereise ist schwierig zu erfassen.

[26] Johann Baptist Zimmermann (1680–1758), Wessobrunner Stuckateur und Maler des Régence und des Rokoko.
Jacopo Amigoni (1682–1752) aus Neapel, Maler des venezianischen Rokoko. Siehe die Biografien in dieser Webseite.
Nikolaus Gottfried Stuber (1688–1749), in Italien ausgebildeter Maler. Hofmaler seit 1716.

[27] Amigoni fertigt im Jahr der Hochzeit ein Porträt an. Ein späterer Besitzer vermerkt auf der Rückseite: «MARIA MAGDALENA VON EFF / NER DES CHURF: GENERALL/ Liut: v: Schön Tochter, Ao. / 1698 den 6 october zu Rur / mund. Geboren u Vermählet / zu München den 21 Jener Ao. / 1721 / gestorben den 16 April 1779 // GIACOMO AMIGONI PINXIT». (Maria Magdalena von Effner, des kurfürstlichen Generalleutnants von Schön Tochter, am 6. Oktober 1698 zu Rurmund (Roermond, NL) geboren und vermählt zu München, den 21. Januar 1721. Gestorben den 16. April 1779. Gemalt von Jacopo Amigoni).

[28] Sein Sohn Johann Nepomuk von Effner (1757–1817) ist 1786–1791 Stadtoberrichter in München, wird dann von Kurfürst Karl Theodor abgesetzt, aber vom Nachfolger Max Joseph wieder protegiert, da die zweite Ehefrau Effners seine Geliebte ist.

[29] Ein Johann Effner wird 1680 als Hofgärtner in Nymphenburg erwähnt. Sein Sohn Carl Effner (1791–1870) ist königlicher Oberhofgärtner. Berühmt wird dann dessen Sohn, der 1877 ebenfalls geadelte Carl von Effner (1831–1884), als königlich bayrischer Hofggärtendirektor unter König Ludwig II.

[30] François de Cuvilliés (1695–1768) aus Soignies bei Mons. Wegbereiter des süddeutschen Rokokos. Siehe die Biografie in dieser Webseite.

[31] Die Ahnengalerie ist im Erdgeschoss und ist zum Königsbauhof orientiert. Die Reichen Zimmer liegen darüber im ersten Stock, die südlichen zum Königsbauhof, die östlichen zum Grottenhof orientiert. 1729 brennen drei Zimmer aus. Der nachfolgende Umbau ist ein Werk von François Cuvilliés und Johann Baptist Zimmermann.

  Joseph Effner (1687–1745)  
  Biografische Daten        
  Geburtsdatum Geburtsort     Land  
  4. Februar 1687 Dachau   Bayern D  
    Land 18.Jh.     Bistum 18.Jh.  
    Kurfürstentum Bayern   Freising  
  Sterbedatum Sterbeort     Land  
  23. Februar 1745 München   Bayern D  
    Land 18. Jh.     Bistum 18. Jh.  
    Kurfürstentum Bayern   Freising  
  Kurzbiografie        
 

Joseph Effner ist der erste Hofbaumeister in München, der nicht mehr dem Typus des Handwerker-Architekten angehört. In Paris bei Germain Boffrand ausgebildet, bringt der junge Künstler den französischen Dekorationsstil des Régence an den Münchner Hof. Er ist Meister des Ornaments, prägt 1715–1730 den Innenausbau der Residenzen, Jagd- und Lustschlösser des Kurfürsten Max Emanuel und gestaltet deren Gärten. Als Architekt ist er vor allem in Nymphenburg tätig, sei es für die Gesamtplanung mit den Schlossbauten, Gärten und Kanälen, sei es für die hervorragenden Einzelbauwerke der Badenburg und der Pagodenburg im Schlossgarten. Nach 1730 tritt er als Gestalter in den Hintergrund. Jüngere Kräfte um François de Cuvilliés mit ihrer Hinführung zum bayrischen Rokoko gewinnen die Oberhand.

    Effner  
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Jacopo Amigoni malt 1720 und 1721 die Porträts des Ehepaares Effner.

Amigoni stellt den Hofbaumeister mit ungefähr 33 Jahren dar. Auf einem Folianten hält er einen Bauplan, auf den er mit der linken Hand verweist. Damit ist er als Architekt ausgewiesen. Die Nähe zum Hof zeigt er mit der Alongeperücke und dem kostbar bestickten Justaucorps, drapiert mit einem purpurnen Umhang.
Auf der Rückseite wird später vermerkt:
«JOS. V. EFNER. CHURFL: HOFKAMER / RATH. OBER BAVMEISTER. VND / GARTEN DIRECTOR. Ao. 1687. DEN 9. / FEB: ZU DACHAU GEBOHREN. Ao. 1745. den / 23.feb: zu MÜNCHEN. VERSTORBEN // GIACOMO AMIGONI PINXIT».

Bildquelle: Wikipedia. Original in der Galerie Neues Schloss Schleissheim.

Zum Porträt der Maria Magdalena von Effner.
Beschrieb siehe Biografie Effner. Bildquelle: www.artericerca.com. Original in der Galerie Neues Schloss Schleissheim.

Werke von Joseph Effner als Hofbaumeister

Jahr Ort und Bauwerk Bauherr Beschrieb der Werktätigkeit
1715–
1717
Dachau
Schloss
Kurfürst
Max II. Emanuel
Umbau, vorwiegend des Saalflügels und des Gartens. Nur noch Treppenhaus (verändert) als Werk Effners erhalten.
1715–
1717
Fürstenried München
Jagdschloss
Kurfürst
Max II. Emanuel
Erweiterung eines Herrenhauses in französischer Pavillon-Bauweise, mit neuer Gartenanlage. Garten erhalten. Innenräume sind heute verändert.
1719–
1726
Oberschleissheim
Neues Schloss Schleissheim
Kurfürst
Max II. Emanuel
Ausbau des von Enrico Zuccalli 1701 begonnenen Neubaus. Fassadenänderungen. Stuck meist von Johann Baptist Zimmermann.
1723–
1729
München
Palais Preysing
Joh. Maximilian IV. Graf von Preysing-Hohenaschau Neubau. Stuck Johann Baptist Zimmermann. Zerstört im Zweiten Weltkrieg. 1958–1960 nur Fassade und Treppenhaus rekonstruiert.
1718–
1721
München
Schlossgarten Nymphenburg Badenburg
Kurfürst
Max II. Emanuel
Neubau mit zweigeschossigem Festsaal. (Gartenplanung zusammen mit dem Hofgärtner Dominique Girard). Nach Kriegszerstörung rekonstruiert.
1716–
1719
München
Schlossgarten Nymphenburg
Padodenburg
Kurfürst
Max II. Emanuel
Neubau. (Gartenplanung zusammen mit dem Hofgärtner Dominique Girard). Weitgehend erhalten und restauriert.
1725–
1728
München
Schlossgarten Nymphenburg. Magalenenklause
Kurfürst
Max II. Emanuel
Neubau als romantisches  schein-ruinöses Gebäude. Auftraggeber noch Max II. Emanuel.
Zustand: Erhalten.
1716–
1745
München
Schloss Nymphenburg
Kurfürst
Max II. Emanuel
Fertigstellung der bis 1704 von Viscardi errichteten Gebäude. Neuplanung der Anlage mit Hofgärtner Dominique Girard. Neubau der Nebengebäude als Hofgevierte. Anlage eines halbkreisförmigen Rondells mit Zirkelmauer und fünf Pavillonpaaren mit Stichkanal nach Schwabing (1728). Die Gebäude sind erhalten, der barocke Garten wird ab 1799 in einen englischen Garten umgewandelt.
1726–
1729
München
Residenz
Kurfürsten
Max II. Emanuel
und
Karl Albrecht
Umbauten und Neueinrichtungen der Reichen Zimmer. Nach Brand 1729 von François Cuvilliés und Johann Baptist Zimmermann neu erstellt. 1944 zerstört, heute rekonstruiert.
1726 München
«Castrum Doloris» in der Theatinerkirche
Kurfürst
Karl Albrecht
Das nur für kurze Zeit in der schwarz ausgekleideten Theatinerkirche aufgestellte Werk ist 26 Meter hoch.
1735–
1737
Mittenheim bei Oberschleissheim
Kirche des Franziskanerklosters
Kurfürst
Max II. Emanuel
Hochaltar für die 1702–1721 von Enrico Zuccalli errichtete Kirche. Zerstörung 1804.
1733-
1741
Mering
Hofmarkskirche
St. Michael
Pfleggericht Mering Neubau Langhaus. Der Hofunterbaumeister Johann Baptist Gunetzrhainer ist Baumeister. Effner wird als Mitplaner vermutet und ist 1736 Berater.
1733 Forstenrieder- und Grünwalder Forst
(bei München)
Jagdlusthäuser
Kurfürst
Max II. Emanuel
Neubauten in Holzbauweise als Zentralbauten. Sie werden nach ihrem Farbanstrich benannt. Die Bauten sind nicht erhalten.