Giovanni Antonio Viscardi (1645–1713)

Baumeister-Architekt

San Vittore
Giovanni Antonio Viscardi wird am 27. Dezember 1645 als Sohn des Bartolomeo und seiner Ehefrau Marta in San Vittore getauft.[1] Das Dorf liegt am Ausgang des Val Mesolcina (Misox) zum Tessin. Sein Vater ist als Baumeister in Bayern tätig.[2] Die meisten der bekannten Baumeister des Misox, wie die in Bayern wirkenden Zuccalli und Riva, stammen allerdings aus dem Nachbardorf Roveredo. Sie bleiben meist nicht im Norden sesshaft und kehren im Winter zu ihren Familien zurück. Bei einem dieser Baumeister arbeitet er bis um 1660 als Maurerlehrling. Seine Kindheit und die Winteraufenthalte während der Lehre verbringt er in der grossen «Casa Viscardi», einem Bauwerk seines Vaters.[3] Die Tätigkeit und Aufenthalte, auch die weitere Ausbildung von Giovanni Antonio in den 1660er-Jahren sind unbekannt. Mit 28 Jahren signiert er sein Porträt selbstbewusst mit «Johannes Antonius de Viscardi, Architectus de S. Vittore Ano Dni 1673». Wenn es, wie vermutet, ein Selbstporträt ist, zeigt er damit auch eine grosse Meisterschaft als Maler.

StammViscardi

Im Zuccalli-Umkreis von München
1672 wird Enrico Zuccalli,[4] sein Landsmann aus dem Nachbardorf Roveredo, zum kurfürstlichen ersten Hofbaumeister («Ober-Paumeister») ernannt und mit der Planung der Wallfahrtskirche und der Platzanlage in Altötting betreut.[5] 1674 ist Baubeginn, im gleichen Jahr wird auch Giovanni Antoni Viscardi erstmals erwähnt. Er ist hier als Palier von Zuccalli tätig, mit dem er vielleicht schon länger zusammenarbeitet. Der Zuccalli-Trupp wechselt nach der Einstellung der Bauarbeiten in Altötting an den Neubau der Theatinerkirche von München, ohne dass aber Viscardi hier nochmals erwähnt wird. Im Februar 1675 heiratet er in San Vittore Maria Maddalena Tognola. Von den acht Kindern aus dieser Ehe, zwischen 1675 und 1695 geboren, ist nur von zwei Söhnen der weitere Lebenslauf bekannt.[6] Viscardi muss in diesen Jahren die Aufmerksamkeit des Hofes gewonnen haben. 1677 übersiedelt er auf Empfehlung des Kurfürsten mit der Familie nach München.[7] Ein Jahr später stirbt der Hofmaurermeister Gaspare Zuccalli, Schwager des Hofbaumeisters. Viscardi kann die freie Hofstelle übernehmen.[8] 1685 wird er in Nachfolge des entlassenen Johann Franz Schinagel zum Hofbaumeister ernannt. Es ist das Jahr der Hochzeit des Kurfürsten Max Emanuel, der 1680 mit 18 Jahren die Regierung antritt und sofort seinen Hof absolutistisch nach Versailler Vorbild zu prägen beginnt. Oberhofbaumeister Zuccalli erhält Aufträge für den Residenzumbau und für die Neubauten in Lustheim und Schleissheim. Viscardi organisiert und leitet diese Arbeiten als Hofbaumeister und als Palier Zuccallis.[9] Dass aber Viscardi in den 1680er-Jahren nur an Bauten Zuccallis tätig sei, darf wegen fehlender Namensnennung nicht vermutet werden. Schon der 1676/77 erfolgte Umbau des Schlosses Blutenburg unter Baron von Berchem[10] muss vollständig ihm zugeschrieben werden. Auch das Gebäude des Joseph-Spitals von 1682 wird Viscardi zugeschrieben. Der gegen den Innenhof mit Arkadengängen geöffnete Bau mit zentraler Kirche ist nur in einem Stich von Wening noch zu sehen. 1688 unterschreibt er den Vertrag zum Bau des Jesuitengymnasiums in Landshut. Auch der Kernbau des später von Cuvilliés erweiterten Schlosses Haimhausen stammt vielleicht von ihm.
Die anfängliche Zusammenarbeit mit Zucchalli schlägt nach 1685, dem Jahr der Ernennung Viscardis zum Hofbaumeister, in Feindschaft um. Zuccalli sieht jetzt in seinem Landsmann einen unliebsamen Konkurrenten. Vordergründig wegen eines Streites um die Nutzung des gemeinsamen Gartens vor dem Schwabinger Tor betreibt er am Hof die Entlassung Viscardis, welche 1689 ausgesprochen wird. Viscardi wird durch den Schwiegersohn von Caspare Zuccalli, den Maler Giovanni Andrea Trubillio[11] ersetzt.

Viscardi als freier Baumeister-Architekt
Fürstenfeld 1689–1699
Schon der Bau des Jesuitengymnasiums in Landshut hat Viscardi als Unternehmer im Pauschalakkord übernommen. Dies ist bei den freien Misoxer Baumeistern üblich.[12] Nach der Entlassung aus Hofdiensten muss er, vielleicht auch wegen der Landshuter Referenz, vom Fürstenfelder Abt Balduin Helm für die Planung des neuen Klosters angesprochen worden sein.[13] Die Konventflügel, die Kirche und die Ökonomiegebäude sollen vollständig neu gebaut werden. Die Planung und der hohe Kostenvoranschlag werden vom kurfürstlichen Geistlichen Rat im Frühjahr 1691 bewilligt.[14] Im gleichen Jahr schliesst Viscardi mit dem Abt ebenfalls einen Akkord über die Baumeisterleistungen. Er ist nicht erhalten. Die vereinbarte Pauschalsumme dürfte den Zahlungen von 32 385 Gulden entsprechen.[15] Als Palier engagiert Viscardi den Münchner Stadtmaurermeister Martin Gunetzrhainer.[16] 1699 sind die Bauten des Ökonomiehofes und des Konventes mit den kurfürstlichen Räumen vollendet. Im gleichen Jahr veröffentlicht Viscardi auch den Stich der Anlage mit einer Kirche. Ihre Darstellung ist aber zu dieser Zeit schon nicht mehr aktuell. Viscardi ist noch an der Neuplanung und am Chor-Neubau beteiligt. Grundsteinlegung ist 1700. Schon 1701 wird der Bau wegen klosterinterner Probleme eingestellt.

Zwischenspiel als Baumeister der Theatiner in München
1692 stirbt der Baumeister der Theatiner von München, Lorenzo Perti.[17] Der Theatinerpater Antonio Spinelli,[18] der zwischen 1665 und 1676 als eigentlicher Bauleiter des grossen Kirchenneubaus wirkt, stellt Viscardi als Nachfolger von Perti ein. An der beinahe fertigen Anlage kann er aber keinen wesentlichen Beitrag leisten, und 1695 erfolgt auf Druck Zuccallis und des Kurfürsten seine erneute Entlassung.

Tätigkeit 1689–1699
Während der Planungs- und Bauphase von Fürstenfeld ist Viscardi mit weiteren Neubauten beschäftigt. Schon 1690 baut er in Loh eine Kirche für den Abt von Metten. In Ried am Ammersee errichtet er den Sommersitz für die Abtei Fürstenfeld. In München kann er unter dem Patronat der Kurfürstin das Salesianerinnenkloster bauen. Hier arbeitet er zum ersten Mal mit Johann Georg Ettenhofer als Palier.[19]  Mit ihm baut er auch das Palis Rivera in München. Kleine Schlossbauten in Türkheim und Landsitze bei München folgen. Nach Landshut wird er von den Chorherren des Kollegiatstiftes für den Bau des Dechanthofes gerufen. Hier ist sein Cousin Vittore Toni Palier.[20] Vom Hofbauamt erhält er mit dem Neubau des Salzwerkes der Salinen von Reichenhall einen Ingenieurauftrag. 1698 kann er für die Jesuiten in München den grossen Kongregationssaal bauen. Fast alle dieser Bauten sind heute nicht mehr vorhanden.[21]

Heimataufenthalte
1693 bis 1697 sind mehrfache Winteraufenthalte in seinem Heimatort San Vittore nachgewiesen. Sein Ehefrau und die Kinder bleiben gar die ganze Periode dort. In dieser Zeit erweitert er auch das grosse Wohnhaus neben der Kirche. Der Palazzo Viscardi ist heute Talmuseum. 1696 wird hier Viscardi auch das letzte der acht Kinder geboren.

Ferdinand Franz Lorenz Xaver Graf von Tilly zu Breitenegg
1696 ist Viscardi erstmals für seinen wichtigsten Bauherrn unterwegs. Der Reichsgraf von Tilly[22] hat Besitz in der Oberpfalz und in Oberösterreich und nimmt Viscardi für Inspektionsreisen und Planungen in seine Dienste. Ein erstes grosses Bauobjekt ist das Schloss Helfenberg über Lengenfeld (Velberg). Anstelle einer alten und nach einem Blitzschlag ausgebrannten Burganlage baut ihm Viscardi ab 1696 ein Barockschloss.[23] Als Palier stellt er den ebenfalls aus San Vittore stammenden Antonio Andreota ein. Für die Fresken- und Stuckausstattung zieht er 1701 die Familie Asam und Nicolò Perti von Fürstenfeld nach Helfenberg.[24]

Wallfahrtskirche Maria Hilf bei Freystadt 1700–1710
1699 entschliesst sich Reichsgraf von Tilly zum Bau einer neuen Wallfahrtskirche in seiner Herrschaft Freystadt. Die schon bestehende Marien-Wallfahrtsstätte auf freiem Feld vor Freystadt ist noch jung, sie wird erst mit der Rekatholisierung der Oberpfalz nach dem Dreissigjährigen Krieg eingerichtet. Eine erste, konventionelle Planung eines einheimischen Baumeisters findet bei Tilly keine Gnade. Er beauftragt nun Viscardi. Dieser plant ihm einen Zentralbau in der Tradition von Bernini, Borromini und Rainaldi. Einflüsse der von Zuccalli geplanten Kirche in Altötting, die Viscardi gut kennt, sind deutlich.[25] Der Bau wird im August 1700 an Viscardi verdingt und sofort begonnen.[26] Wieder ist Antonio Andreota Palier. Offensichtlich ist der Bauherr bemüht, einen demonstrativ grossartigen Bau zu erstellen, ist aber bei der Finanzierung sehr zurückhaltend. Nur so ist erklärbar, dass auf die übliche Massivbauweise der Kuppel verzichtet wird. 1703, beim Übergreifen des Spanischen Erbfolgekrieges auf die Oberpfalz, ist der Bau bis auf die Höhe der Kuppel fertig. Er wird provisorisch eingedeckt und erst 1708 weitergeführt. Stuckateur ist nun der Tessiner Pietro Francesco Appiani.[27] Wieder, wie in Helfenberg, wird Georg Asam beigezogen, nun zusammen mit seinen Söhnen. 1710 ist die Einweihung des ersten Hauptwerkes von Viscardi. Er wird als einheitlichster Zentralbau des bayrischen Hochbarocks bezeichnet, der nachhaltig die Weiterentwicklung der Sakralbaukunst im 18. Jahrhundert beinflusst. (Dehio).

Neustift bei Freising
Noch vor dem Vertrag mit Reichsgraf von Tilly für Freystadt unterschreibt Viscardi am 27. Juni 1700 im Prämonstratenserkloster Neustift bei Freising einen Pauschalakkord für den Neubau der Stiftskirche. Der Akkord ist schon deshalb ungewöhnlich, weil er für das Klafter umbauten Raumes einen Festpreis vereinbart.[28] Als Bauleiter wird hier der ebenfalls aus San Vittore stammende Giovanni Giacomo Maffioli, Hof- und Stadtmaurermeister zu Freising, eingesetzt. Neustift ist eine Wandpfeilerhalle mit eingezogenem Chor. Sie ist bedeutend kleiner als die gleichzeitig begonnene Fürstenfelder Kirche. Dort wird 1701, kurz nach Beginn der Arbeiten, der Bau eingestellt, während in Neustift 1704 die Kirche schon steht und unter Dach an den Gewölben gearbeitet wird. Der Spanische Erbfolgekrieg bremst die Bauarbeiten, erst 1713 kann Viscardi abrechnen. 1722 wird die Kirche eingeweiht. Das heutige Erscheinungsbild mit  den Stuckaturen von Franz Xaver Feichtmayr und den Fresken von Johann Baptist Zimmermann ist nicht ursprünglich, denn 1751 brennt die Kirche und ein Teil der Gewölbe stürzt ein. Auch die heute karg wirkende Westfassade ist eine Vereinfachung nach 1751.

1702–1704: Wieder Hofbaumeister
Mit den gleichzeitig laufenden Schlossneubauten Nymphenburg und Schleissheim, die vom Kurfürsten rasant vorangetrieben werden, tritt eine auch für das Hofbauamt offensichtliche Überlastung des Oberhofbaumeisters Zuccalli ein. Im Juni 1702 wird Viscardi erneut als zweiter Hofbaumeister eingestellt.[29] Im Rang wird er noch vor dem damals an seine Stelle gesetzten Trubillio bestätigt. Die Reibereien mit Zuccalli bleiben bestehen. Viscardi arbeitet mit seinen Leuten nach älteren Konzepten Zuccallis in Nymphenburg und in Lustheim. Wieder ist Antonio Andreota Palier. Er erwirbt auch das Bürger- und Meisterrecht in München.[30] In diese Zeit fallen auch weitere eigenständige Bauten, wie die Werkliste zeigt. Einer dieser Arbeiten ist der Klosterneubau der Prämonstratenserabtei Schäftlarn.

Schäftlarn
1702–1704 baut er die neuen Konventgebäude der Prämonstratenserabtei Schäftlarn. Palier ist  Johann Georg Ettenhofer, der schon seit 1694 mit Viscardi zusammenarbeitet. In der Mittelachse einer Dreiflügelanlage, welche mit den ausgeprägten Eckrisaliten und in der Grösse dem deutschen Schlossbau nachempfunden ist,[31] liegt die Kirche. Der geteilte Ehrenhof einer Schlossanlage wird so in Schäftlarn zum Kloster mit zwei Höfen und in der Mittelachse eingebauter Kirche.[32] Diese wird erst nach 1733 begonnen, jetzt nicht mehr nach der Planung Viscardis.[33] Seine Kirchenplanung ist erhalten. Der Viscardi-Plan für Schäftlarn, um 1696–1699 entstanden, liegt seit 1711 in Ottobeuren und ist bis vor wenigen Jahren als Plan der Stiftskirche Fürstenfeld betrachtet worden.[34] Mit ihr hat er vieles gemeinsam, nur nicht die Abmessungen. Diese fügen sich in den Grundriss von Schäftlarn ein. Der Plan Viscardis für die Kirche Schäftlarn und seine architektonischen Übereinstimmungen mit Fürstenfeld belegen, dass dort noch 1716 nach Viscardis Konzept weitergebaut wird.

Oberhofbaumeister Viscardi
Die sich schon 1703 abzeichnende Niederlage im Krieg Kurbayerns gegen die Allianz der Niederlande, Österreichs und Englands wird 1704 mit der Schlacht bei Höchstädt Tatsache. Der bayrische Kurfürst muss mit seinem Hofstaat nach Brüssel fliehen. Kurbayern wird von Österreich besetzt. 1705 wird mit der «Kaiserlichen Administration» eine zivile Verwaltung eingeführt, die bis 1715 dauert. 1706 werden Zuccalli und Trubillio wie alle Gefolgsleute des Kurfürsten aus den Hofdiensten entlassen. Viscardi wird kaiserlicher Oberhofbaumeister. Seine Tätigkeiten in dieser Funktion sind vor allem weite Kontrollreisen zur Überwachung von Kasernen- und Festungsneubauten. Erst 1709 folgt mit dem Bau des Bürgersaals und der Bürgersaalkirche für die Jesuiten in München ein neuer ziviler Bauauftrag. Den wichtigsten Auftrag dieser Periode, die Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit in München mit dem Kloster der Unbeschuhten Karmelitinnen[35] verdankt Viscardi aber wieder der Kaiserlichen Administration.

Dreifaltigkeitskirche München
Die Dreifaltigkeitskirche geht auf ein Gelöbnis der bayrischen Landstände und der Bürgerschaft von München zurück, das 1704 abgegeben wird. Das Stiftergremium ist aber nicht Bauherr. Treibende Kraft, Verhandlungspartner von Viscardi und bis 1714 auch Geldgeber ist die Kaiserliche Administration. 1711 ist Grundsteinlegung. Palier ist Johann Georg Ettenhofer, der Kirche und Kloster nach dem Tod Viscardis fertig stellt. Die Dreifaltigkeitskirche ist der zweite wichtige Zentralbau Viscardis. Unverkennbar ist nun, vor allem an der bewegten Fassade, der Einfluss des italienischen Spätbarocks von Borromini und dessen dessen künstlerischem Nachfolger Guarini spürbar.[36]

Tod und architektonisches Vermächtnis
Am 9. September 1713 wird Giovanni Antonio Viscardi auf dem Franziskanerfriedhof in München begraben. Noch im Juli zum Hofober- und Landbaumeister befördert, verstirbt er wenige Monate später offenbar plötzlich. Er wird 68 Jahre alt. Er hinterlässt in München, will man den Bittschriften seiner Frau glauben, kein Vermögen. Sie beklagt auch zwei unversorgte Kinder, was angesichts der jüngsten Tochter, die schon 17-jährig ist, merkwürdig anmutet. Sie stirbt 1725 in San Vittore. Über die weiteren Lebensumstände der vier Söhne ist wenig bekannt. Vermutlich hat nur der Älteste, Bartolomeo, den Berufsweg des Vaters eingeschlagen.[37] Die Söhne Antonio und Franz Xaver Rudolf wählen die Militärlaufbahn. Beide verheiraten sich in der Heimat. Vom vierten Sohn, dem 1686 geborenen Joseph Kajetan, ist nichts bekannt.

Mit dem Tod von Giovanni Antonio Viscardi geht in Kurbayern die lange Vorherrschaft der Baumeister aus dem Misox zu Ende. Einheimische Kräfte und, nach der Rückkehr von Kurfürst Max II. Emanuel aus dem Exil, französisch geschulte Architekten übernehmen nun die Führung. Viscardi wirkt aber lange nach, vor allem mit seiner Kirche in Freystadt. Wohl am meisten ist Viscardi in den spätbarocken Zentralräumen von Johann Michael Fischer zu spüren, obwohl bei Fischer die böhmischen Wurzeln noch ausgeprägter sind.[38] «Es führt eine genetisch ununterbrochene und organische Linie von Bernini und Borromini über Enrico Zuccalli und Viscardi zu Fischer», schreibt der Biograf Viscardis, Karl-Ludwig Lippert. Auch Johann Baptist Gunetzrhainer folgt beim Neubau der Salesianerinnenkirche in München (1737) oder beim Kirchenneubau für die Zisterzienserinnen in Landshut-Seligenthal (1732) noch weitgehend der Architektursprache Viscardis, hier allerdings mit der Dreifaltigkeitskirche als Vorbild.

Pius Bieri 2015

Anhänge:
StammViscardi   Stammbaum Giovanni Antonio Viscardi.
Anhang2   Akkord für die Wallfahrtskirche Freystadt mit Viscardi vom 27. August 1700, Abschrift 1710.
Anhang1   Akkord für die Stiftskirche Neustift mit Viscardi vom 27. Juni 1700.


Literatur:
Paulus, Richard A. L.: Der Baumeister Henrico Zuccalli. Strassburg 1912.
Zendralli, Arnoldo Marcelliano: Graubündner Baumeister, Zürich 1930.
Zendralli, Arnoldo Marcelliano: I Magistri Grigioni, Poschiavo 1958.
Lippert, Karl-Ludwig: Giovanni Antonio Viscardi, München 1969.
Pfister, Max: Baumeister aus Graubünden, Chur 1993.
Wollenberg, Klaus: Aspekte klösterlichen Wirtschaftsverhaltens und kurfürstlicher Klosterpolitik im Zeitalter Max Emanuels, in: Zeitschrift für bayrische Landesgeschichte, Band 59, 1996
Heym, Sabine: Henrico Zuccalli und der Kreis der Graubündner Baumeister am kurbayrischen Hof in München, in: Graubündner Baumeister und Stuckateure, Lugano 1997.
Dischinger, Gabriele: Fürstenfeld oder Schäftlarn. Überlegungen zu einem Grundriss im Archiv von Ottobeuren, in: Kloster Fürstenfeld, Lindenberg 2013.
Schmidle, Katharina: Die Wallfahrtskirche Maria Hilf bei Freystadt und die Dreifaltigkeitskirche in München. München 2014.
Stevens, Ursula: Giovanni Antonio Viscardi, in: Tessinerkünstler in Europa (Biografie mit vielen Werkabbildungen)
Santi, Cesare: Viscardi, Giovanni Antonio, in Historisches Lexikon der Schweiz, 2013, in: Historisches Lexikon der Schweiz.
Lindörfer, Carolin: Giovanni Antonio Viscardi, Seminararbeit (!!) Fürstenfeldbruck 2012.
http://www.kunstunterricht.de/Viscardi/


Anmerkungen:
[1] Die Taufe erfolgt in der Regel am Tag der Geburt, spätestens aber am Morgen danach. Die Annahme des Geburtsdatums vom 25. Dezember (Lippert 1969) ist falsch.

[2] Bartolomeo Viscardi (um 1599–1654) ist schon 1624 in Kurbayern tätig (Wallfahrtskirchen Haidling, Türme), baut 1632–1643 das Prämonstratenserkloster St. Salvator in Griesbach im Rottal, 1644–1646 den Stadtturm in Vilshofen. Er ist als Baumeister im Augustiner-Chorherrenstift Ranshofen erwähnt und baut 1651 für die Jesuiten in Burghausen.

[3] Das palastähnliche Wohnhaus bei der Kirche wird um 1695 von Giovanni Antonio selbst umgebaut und ist heute Talmuseum.

[4] Enrico Zucalli (um 1642–1724) aus Roveredo, schreibt seinen Vornamen in München eingedeutscht Henrico. Er wird in der deutschen Literatur meist auch so genannt. Die neueren Beiträge verwenden wieder die italienische Schreibweise Enrico.

[5] Der grosse Zentralbau der Wallfahrtskirche in der Tradition von Bernini kommt nicht über die Fundamente hinaus, nachdem der Kurfürst das Interesse verliert. Nur ein Teil der Randbebauung wird vollendet.

[6] Siehe den Stammbaum. Das erste und das letzte Kind werden in San Vittore geboren. Die Daten sind bei Zendralli 1930 präziser und richtiger erfasst, als bei den späteren Veröffentlichungen 1953 und 1958. Bei den Taufen in der Frauenkirche München 1684, 1685 und 1686 sind der Geheimrat Baron von Berchem oder seine Frau als Paten aufgeführt. Der zweite Sohn Antonio bleibt nicht in Deutschland. Er ist vorerst in San Vittore als «Ministrale» und Capo del Magistrato (Bürgermeister) tätig und wird 1725 Landeshauptmann im Veltlin

[7] Er wohnt im Kreuzviertel nördlich der Frauenkirche, in der 1684 bis 1691 die Taufen von vier Kindern stattfinden.

[8] Damit ist ein gesichertes Jahresgehalt von 200 Gulden nebst täglich zwei Mass Bier und Brot verbunden. Die zusätzliche Nutzniessung eines Gartens vor dem Schwabingertor ist ebenfalls an die Hofmaurermeister-Stelle geknüpft. Diese Nutzniessung hat aber der verstorbene Gaspare Zuccalli an seinen Schwager Enrico übertragen. Der Garten wird zum Grund eines wüsten Streits zwischen den beiden Misoxer Baumeistern.

[9] Viscardi erhält als Hofbaumeister nun 400 Gulden. Das Jahresgehalt wird 1688 auf 600 Gulden erhöht, anstelle des Biers erhält er nun die gleiche Menge Wein. Oberhofbaumeister Zuccalli bezieht schon 1677 ein Jahresgehalt von 1000 Gulden, das sich nach 1690 verdoppelt. Mit dem Gehalt ist der Rang am Hof definiert. So steht selbst Zuccalli immer niederer als ein Hofmaler und das Gehalt Viscardis entspricht 1685 dem eines kurfürstlichen Kammerdieners und 1688 dem eines kurfürstlichen Kämmerers.

[10] Frau Geheimrat Anna Maria von Berchem ist 1684 und 1685 Patin von Anna Maria und Maria Elisabetta Viscardi.

[11] Giovanni Andrea Trubillio (†1721), auch Turbilly oder Turbiili, Maler und Architekt, Herkunft unbekannt, heiratet 1680 Agnes Catarina Zuccalli, eine Tochter des Schwagers Caspare Zuccalli. Er tritt nur als Maler in Erscheinung.

[12] Zum Pauschal- oder Generalakkord, auch Geding oder Verding genannt, siehe das Glossar Baukunst. Er ist bei den Misoxer- und Vorarlberger-Baumeistern dieser Zeit üblich.

[13] Die übliche Darstellung, dass Kurfürst Max Emanuel «befahl», das neue Klostergebäude durch den eigens nach Fürstenfeld abgeordneten Viscardi zu erstellen, ist nicht vereinbar mit der Entlassung und beruht auf dem «Chronikon» des Abtes Gerard Führer (1796–1803). Es ist keine Quelle bekannt, dass der Kurfürst oder der kurfürstliche Hof sich zwischen 1689 und 1702 je für Viscardi eingesetzt hätte. Hingegen ist quellenmässig belegt, dass Viscardis Einstellung als Baumeister der Theatiner 1692–1695 vom kurfürstlichen Hof bekämpft wird. Die Antipathie Zuccallis zu Viscardi wird vom Kurfürsten mitgetragen, der 1695 selbst für die erneute Entlassung Viscardis sorgt. (Quelle: Paulus 1912).

[14] Dies deshalb, weil die ganze obere Etage um den nördlichen Westhof als repräsentative Wohnräume für die Jagdaufenthalte des Kurfürsten gebaut werden soll.

[15] Zahlungen an Viscardi 1691–1701. Quelle: Wollenberg 1996.

[16] Damit umgeht er auch Auseinandersetzungen mit den Zünften, da Gunetzrhainer Zunftmitglied ist.

[17] Lorenzo Perti (1624–1692) aus Como ist mit Carlo Brentano Moretti ab 1672 an den Stuckierungen der Münchner Theatinerkirche tätig und ist 1684–1692 Baumeister der Theatiner.

[18] Pater Antonio Spinelli (1630–1706) aus Padua, kommt 1662 mit dem von der Kurfürstin gerufenen Gründungskonvent der Theatiner nach München, die sogleich mit dem Bau ihrer Kirche und des Klosters beginnen. Er wird 1665 Beichtvater der Kurfürstin Henriette Adelaide und 1680 auch von ihrem Sohn Max II. Emanuel übernommen. Nachdem Spinelli 1664 den Baumeister Barelli eines Fehlers beim Kirchenneubau überführt, nimmt er den Bau bis 1676 selbst in die Hand. 1676 bis 1684 ist Enrico Zuccalli Baumeister, dann wird Lorenzo Perti Baumeister der Theatiner.

[19] Johann Georg Ettenhofer (1668–1741) aus Bernried. Siehe Biografie in dieser Webseite.

[20] Vittore Toni, auch Tonio, Togni (um 1637–1702) aus San Vittore, Stadtbaumeister in Landshut, arbeitet vor allem für Antonio Riva. Zu Antonio Riva siehe die Biografie in dieser Webseite.

[21] Für die Details dieser Bauten siehe die Werkliste.

[22] Ferdinand Lorenz Franz Xaver Tscerclaes Reichsgraf von Tilly und Breitenegg (1666–1724) ist Grossneffe des berühmten Heerführers und Weggefährten Wallensteins im Dreissigjährigen Krieg. Siehe die Biografie in dieser Webseite.

[23] Der Bau kostet 90 000 Gulden. Eine kleine Darstellung auf dem Altarblatt der ehemaligen Schlosskapelle, heute in der Kirche von Lengenfeld, ist die einzige Bildquelle des Schlosses, das 1807 auf Abbruch versteigert wird. Es ist eine dreigeschossige Dreiflügelanlage auf mächtigem Unterbau, der Hof ist mit einem hohen Uhrenturm und einem zweigeschossigem Galeriegang geschlossen. Das Schloss soll 365 Fenster besessen haben. Eindrücklich ist der Bau noch 1849 als Ruine.

[24] Zum Künstlertransfer von Fürstenfeld in die Oberpfalz siehe die Biografie Georg Asam (1649–1711) und Nicolò Perti (um 1650–1720) in dieser Webseite.

[25] Viscardi kennt die römischen Bauten vermutlich nur aus Stichwerken, so dem bekannten Werk von Giovanni Giacomo Rossi «Insignium Romae templorum prospectus exterioresinterioresque a celebrioribus architectis inventi. Roma 1683» (Digitale Veröffentlichung der ETH Zürich). Aufenthalte Viscardis in Oberitalien oder gar Rom sind unbekannt. Sie wären zudem nur in den Jahren nach Beendigung der Lehre in den 1660er Jahren denkbar.
Dass Viscardi auch vom lombardischen Kulturraum beeinflusst ist, liegt dank seiner Herkunft auf der Hand, dies gilt auch für die in Rom tätigen Baumeister Fontana, Maderno und Borromini. Vor allem gilt dies für die weiteren, in Salzburg, Böhmen und Bayern tätigen Baumeister aus dem Heimattal Viscardis, mit denen er im Kontakt ist und mit denen er Wissensaustausch pflegt. Dazu zählt auch Enrico Zuccalli, bei dem er an der Planung von Altötting mitarbeitet, einem Bauwerk zwar in der Tradition Berninis, aber wichtigste Grundlage für Freystadt.
Aus diesem gemeinsamen Kulturraum der Baumeister des Tessins und des Misox abzuleiten, dass Viscardi lombardische Vorbilder für Freystadt genommen habe, wie dies Stefan Kummer (Arte Lombarda 1991) festhält und wie dies Katharina Schmidle (Dissertation 2014) minutiös auflistet, ist abwegig. Katharina Schmidle geht noch weiter und vermutet «Forschungsreisen» Viscardis in Oberitalien während seiner Winteraufenthalte in San Vittore und Besuche bei seinem Sohn Antonio in Genua, der mit einer Italienerin verheiratet gewesen sei.
Dazu die Fakten:
Der Sohn Antonio (1679–1740) verheiratet sich erst 1705 mit Marta Maria Maffei aus Grono im Misox (Graubünden). Zur Zeit der Heimaturlaube Viscardis ist er um die 16 Jahre alt. Er wählt die Militärlaufbahn und ist 1725–1727 graubündnerischer Landeshauptmann für das Veltlin in Sondrio. Er stirbt 1740 in Breslau bei seinem Schwiegersohn, der dort im Dienst des Königs von Polen ist.

[26] Der Akkord Freystadt ist als Spaltzetl betitelt. Vom Akkord ist die Gewölbekonstruktion der Kuppel ausgenommen. Sie ist als Holzkonstruktion geplant und wird dem Zimmermeister verdingt. Vom Akkord ist eine Abschrift (1710) erhalten. Gehe zur Abschrift 1710 der Spaltzetl .

[27] Meist als Peter Franz Appiani (1670–1724) geschrieben. Siehe die Biografie in dieser Webseite.

[28] Im Akkordvertrag werden 57 Kreuzer das Klafter Massivbau und Gewölbe vereinbart. Für das Dachwerk sind es 30 Kreuzer. Die Pauschalsummen entsprechen umgerechnet 19 Kreuzer oder 10 Kreuzer pro Kubikmeter umbauten Raumes. Der Akkord von Neustift ist erhalten. Gehe zur Abschrift des Vertrages 1700.

[29] Jahresgehalt 600 Gulden und pro Tag zusätzlich zwei Mass Wein und zwei Mass Bier mit je zwei Broten.

[30] Das erworbene Meisterrecht verhindert nicht, dass die Münchner Maurerzunft in Dauerkonfrontation mit der Konkurrenz am Hof bleibt. Noch 1706 verfasst die Zunft eine Streitschrift gegen Viscardi.

[31] Aschaffenburg hat die gleiche Breite.

[32] Dem Typus B I gemäss Norbert Lieb (1967), wie zum Beispiel den Anlagen von Tegernsee, Wiblingen oder Weingarten, entspricht Schäftlarn nur bedingt, da der Westflügel ein zweigeschossiger Hofabschluss ist. Speziell an Schäftlarn kann aber erahnt werden, wie unzulässig Vergleiche mit dem Escorial sind. Der Typ B I wäre nach  Schindler (1972) ein halbiertes «Escorialschema».

[33] Chor 1733–1740 mit François de Cuvilliés, Langhaus erst 1751–1754 mit Johann Baptist Gunetzrhainer und Johann Michael Fischer (Gewölbe).

[34] Gabriele Dischinger belegt dies nachvollziehbar in ihrem Aufsatz «Fürstenfeld oder Schäftlarn. Überlegungen zu einem Grundriss im Archiv von Ottobeuren», in: Kloster Fürstenfeld, Lindenberg 2013, Seiten 144–154.

[35] Auch Theresianerinnen oder Barfüsserinnen genannt. Der Orden wird 1562 in Spanien gegründet. Viscardi plant nur die Kirche.

[36] Man vergleiche die Fassaden der 1679 von Guarino Guarini geplanten Theatinerkirche in Prag, die der schwarzen Madonna von Altötting (Santa Maria d'Ettinga) geweiht ist, vor allem aber die nur als Projekt überlieferte Kirche San Filippo Neri in Turin. Verbindungen zu den ersten Prager und Wiener Bauten in der Sprache Guarinis könnten durch die Münchner Theatiner oder durch dort tätige Misoxer Baumeister möglich sein. Eher dürften aber die Stichveröffentlichungen der Werke Guarinis massgebend sein. Insbesondere der 1686 erschienene Werkkatalog «Dissegni d'architettura civile et ecclesiastica / inuentati e delineati / Dal Padre D. Guarino Guarini Modonese» ist Viscardi sicher bekannt.

[37] Gemäss Zendralli (1953). Lippert (1969) nennt auch Franz Xaver Rudolf, der sich 1713 beim Hof als Landbaumeister bewirbt. Dieser ist allerdings noch 1709 Schüler am Jesuitengymnasium in München, sodass die Mitteilung Zendrallis glaubwürdiger ist.

[38] Johann Michael Fischer (1692–1766), siehe Biografie in dieser Webseite.

  Giovanni Antonio Viscardi (1645–1713)  
  Biografische Daten        
  Geburtsdatum Geburtsort     Land  
  27. Dezember 1645 San Vittore   Misox, Graubünden CH  
    Land 18.Jh.     Bistum 18.Jh.  
    Freistaat Graubünden   Chur  
  Sterbedatum Sterbeort     Land  
  (um) 7. September 1713 München   Bayern D  
    Land 18. Jh.     Bistum 18. Jh.  
    Kurfürstentum Bayern   Freising  
  Kurzbiografie        
 

Giovanni Antonio Viscardi aus San Vittore ist nur wenig jünger als sein Landsmann Enrico Zuccalli aus Roveredo. Beide finden am italophilen kurfürstlichen Hof in München Anstellung. Zuccalli, schon 1672 Hofbaumeister, sieht in Viscardi zunehmend einen Rivalen und drängt ihn 1689 aus den Hofdiensten. Viscardi kann sich nun entfalten und übernimmt als selbstständiger Baumeister den Neubau des Klosters Fürstenfeld. Für Graf von Tilly kann er in der Oberpfalz die Wallfahrtskirche bei Freystadt bauen, ein Bauwerk mit grossen Nachwirkungen im bayrischen Barock. Nicht weniger wichtig ist die Dreifaltigkeitskirche in München, die sein letzter Bau wird. Viscardi gilt als einer der wichtigsten Impulsgeber für den bayrischen Hochbarock.

    Viscardi1673  
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Vom Baumeister Giovanni Antonio Viscardi ist ein Selbstporträt erhalten. Viscardi malt es mit 28 Jahren. Das Gemälde ist in Privatbesiz. Auf der Rückseite des Gemäldes ( 51 x 65,8 cm) ist vermerkt: Johannes Antonius de Viscardi, Architectus de S. Vittore Ano Dni 1673.
Bildquelle: KDM GR Band VI 1942.

Werke von Giovanni Antonio Viscardi

Die noch erhaltenen Bauwerke sind gelb gekennzeichnet

Jahr Ort und Bauwerk Bauherr Beschrieb der Werktätigkeit
1676–
1694
München-Obermenzing
Schloss Blutenburg
Geheimrat Anton Freiherr von Berchem Umbau der Schlossanlage. Zuschreibung.
1681–
1685
Kissing
Burgstallkapelle zur schmerzhaften Muttergottes
Rektor P. Franz Schreivogel SJ, Jesuitenkolleg  Augsburg Neubau (Zentralbau). Zuschreibung der Planung (Viscardi ist 1681 an Ort). Ausführender Maurermeister ist Benedikt Holl aus Mering.
1682–
1700
München
Joseph-Spitalkirche und Spital an der Joseph-Spital-Gasse Josephspital
Kurbayrische Hofkammer Neubau des von Maximilian I. gegründeten Spitals mit 300 Betten. Loggienhof. Im 19. Jahrhundert aufgestockt und im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört. Zuschreibung.
Bild: Stich Wening 1701.
1685 München
Wasserturm am Neuhauser-Tor
Kurbayrische Hofkammer Neubau für die Wasserversorgung für den Hof, mit Pumpwerk, beim Neuhauser Tor, heute Karlstor. Abbruch spätestens 1857.
1688−
1691
Landshut
Jesuitengymnasium (Nordwest-Flügel des Jesuitenkollegs)
Rektor Jesuitenkolleg Landshut
Ferdinand Gugler SJ
Vertrag mit Viscardi am 13. August 1688. Rohbau 1689. Fertigstellung 1691. Viscardi setzt den von Michael Thumb 1665 gebauten Südwestflügel fort. Nach 1828 Kaserne.
Falsche Zuschreibung an Thumb in Band II.24 der Denkmäler in Bayern. 
1689–
1694
Haimhausen
Lusthaus (Schloss)
Franz Ferdinand Graf von Haimhausen Neubau des Lustschlosses mit sieben Achsen. 1747 beidseitige Erweiterung durch François Cuvilliés. Der heutige Mittelrisalit ist das zugeschriebene Gebäude, gestochen von Wening 1701. Zuschreibung auch an Zuccalli.
1690–
1694
Loh
Wallfahrtskirche Hl. Kreuz
Benediktinerabtei Metten, Abt OSB Benedikt Ferg Neubau einer Wandpfeilerhalle mit eingezogenem Chor. Der Innenraum wird 1767 neugestaltet.
1691–
1703
Fürstenfeld
Zisterzienserabtei
KlosterneubauViscardiFFeld
Abt OCist Balduin Helm Neubau aller Wirtschaftsgebäude um den Klosterhof und der Klosteranlage nördlich der Kirche. Palier ist Martin Gunetzrhainer. Stuck: Nicolò Perti. Fresken: Georg Asam.
1692 Ried am Ammersee
Schloss Renzenried
Abt OCist Balduin Helm Fürstenfeld Neubau des Sommersitzes der Fürstenfelder Äbte. Dreigeschossiger Mansarddachbau, Fassaden Anfang 20. Jahrhundert neu gestaltet.
1692 München
Theatinerkloster und Theatinerkirche
Kurbayrische Hofkammer Viscardi wird 1692 Nachfolger des Baumeisters Lorenzo Perti. Er arbeitet an den Klostergebäuden (heute zerstört) und an der Kirche (Kuppel, Turm). Entlassung 1695 auf Betreiben Zuccallis.
1693 München
Dechanthof bei der Liebfrauenkirche
Johann Martin Constante von Vestenburg Praktischer Neubau des vor der Turmfassade der Liebfrauenkirche gelegenen Palais, mit Kapelle.
1694
(um)
München
Salesianerinnen-Kloster Mariä Heimsuchung, (nach 1785
Damenstift St. Anna)
Kurfürst
Max II. Emanuel.
Neubau der Klostergebäude. Mehrfach umgebaut und teilzerstört, heute Realschule. Palier ist Johann Georg Ettenhofer. Die Kirche ist ein späterer Bau von Johann Baptist Gunetzrhainer (1737, nach dem Zweiten Weltkrieg rekonstruiert).
1695 Türkheim
Kleines Schloss
Herzog Maximilian Philipp von Bayern Neubau als Frauenhaus für Herzogin Mauritia Febronia. Heute Ausstellungsgebäude.
1695 Reichenhall
Salinen
Kurbayrische Hofkammer Neubau des kurfürstlichen Salzwerkes.
1695
(um)
San Vittore im Misox
Palazzo Viscardi
Giuseppe Antonio Viscardi Umbau und Erweiterung des elterlichen Wohnhauses. Heute Museum.
1695 Oberköllnbach bei Landshut
Schloss HofbergViscardiHofberg
Graf Franz Fritz von Haunsberg Neubau einer dreigeschossigen Vierflügelanlage mit Schlosskapelle. Zuschreibung.
1695–
1698
München
Stadthaus Rivera
Gräfin Adelheid von Rivera-Preysing Das Stadthaus der Witwe des 1695 vor Namur gefallenen Obristen Johann Baptist Conte Balbis-Rivera muss schon 1734 dem Palais Törring weichen. Palier ist Johann Georg Ettenhofer.
1696–
1698
Landshut
Dechanthof
Kollegiatstift St. Martin und Kastulus Neubau. Haus 475/78. Ausführung Vittore Toni aus San Vittore. Nach 1803 Schulhaus. Im 19. Jahrhundert abgebrochen.
1696–
1698
Benediktbeuern
Benediktinerabtei Äusserer Klosterhof
Abt OSB Magnus Pachinger Neubau. Zuschreibung. Wohl eher unter der Leitung von Enrico Zuccalli.
1697 München-Sendling
Sitz Neuhofen
Geheimrat Matthäus von Joner Neubau eines Lusthauses. Palier ist Johann Georg Ettenhofer. Das Gebäude ist heute abgebrochen. Siehe den Stich Wening 1701.
1698 München
Jesuitenkolleg
Kongregationssaal
P. Andreas Waibel SJ, Rektor des Jesuitenkollegs München Umbau des Risalitflügels Neuhauser Strasse 50, 2. OG., für den Saal (24,4 Meter lang, 16,6 m breit, Spiegelgewölbe) mit Maler Johann Andreas Wolff. Totalzerstörung 1944.
1699–
1707
Lengenfeld
(Oberpfalz)
Schloss Helfenberg

ViscardiHelfenberg
Ferdinand Franz Lorenz Xaver Graf Tilly Neubau eines Barockschlosses anstelle der Burg. Reiche Ausstattung: Fresken Georg Asam, Stuck Nicolò Perti und Peter Franz Appiani. Palier ist Antonio Andreota, Maurermeister ist Georg Martin Puchtler zu Lengenfels. Baukosten 90 000 Gulden. Abbruch nach 1807.
1700–
1701
Steindorf
Pfarrkirche St. Stephan
Propst OA Gilbert Gast, Abtei Rottenbuch Neubau. Akkord ohne Stuck 600 Gulden. Ausführender Baumeister ist der Misoxer Antonio Coralla. Langhausverlängerung 1864.
1700–
1702
Augsburg.
Jesuitenkirche
Jesuitenkolleg Augsburg Tiefgreifender Umbau der Kirche von 1584. Das Bauwerk wird 1872 abgebrochen.
1700–
1701
Fürstenfeld
Zisterzienserabtei
Stiftskirche
Mariä Himmelfahrt
Abt OCist Balduin Helm Neubau. Planung 1699. Grundsteinlegung 1700. Einstellung der Arbeiten 1701 bis 1716. Weiterführung der Arbeiten durch Johann Georg Ettenhofer.
1700–
1710
Freystadt
(Oberpfalz)
Wallfahrtskirche
Maria HilfViscardi Freystadt
Ferdinand Franz Lorenz Xaver Graf Tilly Neubau. «Einheitlichster Zentralbau des bayrischen Hochbarocks, beinflusst nachhaltig die Weiterentwicklung der Sakralbaukunst im 18. Jahrhundert» (Dehio). Palier: Antonio Andreota. Stuck: Peter Franz Appiani. Fresken: Georg Asam.
1700–
1714
Neustift bei Freising
Stiftskirche St. Peter und Paul der Prämonstratenserabtei NeustiftFreising
Propst OPraem Matthias Widmann Neubau, der durch den Spanischen Erbfolgekrieg unterbrochen, und erst 1714 mit Viscardi abgerechnet wird. Bauleitung durch Giovanni Giacomo Maffioli. 1751 Brand. Wiederherstellung mit Änderungen (Baumeister Fischer und Gunetzrhainer?). 
1700–
1705
Schmidmühlen (Oberpfalz)
Unteres Schloss
Johann Hector Freiherr von Vischbach. Umbau (Erhöhung um das zweite Obergeschoss). Zuschreibung.
1701–
1705
München-Au
Kloster und Klosterkirche Mariä Empfängnis Lilienberg ob der AuViscardiLilienberg
Bürgermeister Johann Maximilian von Alberti Neubau, Kapelle als Zentralbau. Zuschreibung. Mit Johann Andreas Andras Wolff (Maler). Heute vollständig verschwunden (Klosterneubau 1749/51, Abbruch Kapelle nach 1803). Gebäude siehe Stich Wening 1701.
1702 Schönach (Oberpfalz)
SchlossViscardiSchoenach
Joh. Georg II. Reichsgraf von Königsfeld Neubau. Fresken Georg Asam, Stuck Nicolò Perti. Zuschreibung.
1702–
1704
München
Schloss Nymphenburg Mittelbau und Seitenpavillons mit
Galerien
Kurfürst
Max II. Emanuel
Neubau von vier seitlichen Pavillons , vielleicht nach Konzeptplanungen Zuccallis. Gleichzeitige Umbauten des Mittelpavillons mit neuer Fassadengestaltung. Gartenseitige Treppe.
1702–
1704
Lustheim (Schleissheim).
Kolonnaden
Kurfürst
Max II. Emanuel
Neubauten nach Planung Zuccalli. Die Kolonnaden- und Orangeriebauten um das Lustschlösschen werden nie fertiggestellt und sind heute abgebrochen.
1702–
1707
Schäftlarn
Prämonstratenserabtei.
KonventgebäudeViscardiSchaeftlarn
Abt OPraem Melchior Schussmann Neubau. Palier ist Johann Georg Ettenhofer, der bis 1725 auch die Ausbauarbeiten leitet. Erste Planungen um 1696/98 auch für einen Kirchenneubau, der offensichtlich eine Vorstufe von Fürstenfeld darstellt (nicht ausgeführt, Plan heute in Ottobeuren).
1704–
1713
München, Ingolstadt, Kösching, Straubing
Kasernen und Festungsbauten
Kaiserliche österreichische Administration in München Neubauten. Bauorganisation und Überwachung der Arbeiten.
1709–
1710
Kreuzpullach
Wallfahrtskirche Hl. Kreuz
Hofmarksherr und Hofkammerrat Petrus von Lehner Neubau. Unsichere Zuschreibung. Wahrscheinlich eher ein Bauwerk von Hofmaurermeister Philipp Köglsperger (1673–1730).
1709–
1712
München
Bürgersaal und BürgersaalkircheViscardiBuergersaal
Jesuitenkolleg München und Marianische Bürgerkongregation. Neubau. Präfekt der Kongregation ist Bürgermeister Johann Maximilian von Alberti (siehe Kloster Lilienberg). Beteiligt ist Johann Andreas Wolff als Zeichner und Maler. Ausführender Baumeister: Johann Georg Ettenhofer. Stuck: Peter Franz Appiani.
Zerstörung 1944. Wiederaufbau 1945–1959.
1710 Freising
Dom, Maximilianskapelle am Chorhaupt
Fürstbischof Franz Johann Ecker von Kapfing Neubau. Zuschreibung. Johann Andreas Wolff ist Maler.
1710–
1712
Schäftlarn
Kirchturm der Prämonstratenserabtei
Abt OPraem Melchior Schussmann Neubau nach Einsturz des alten Turms.
1710–
1712
Landshut
Neue Propstei (Altstadt 218)
Kollegiatstift St. Martin und Kastulus Neubau. Antonio Riva (siehe Biografie) liefert 1683 Pläne, Ausführung unter Leitung Viscardis? (Zuschreibung). Baumeister ist Wolf Ehehamb.
Falsche Zuschreibung der Ausführung an Riva in: Denkmäler in Bayern, Band II.24. Riva hält sich nach 1704 nicht mehr in Bayern auf.
1711–
1713
München
Kirche der Unbeschuhten Karmelitinnen (Dreifaltigkeitskirche) am Ende Kreuzgasse, 1802 Pfandhausgasse, heute Pacellistrasse.ViscardiDreifaltigkeitskirche
Kaiserliche Administration und  Stiftergremium. [1] Neubau. Hauptwerk von Viscardi in München. Ausführung durch Johann Georg Ettenhofer, der die Kirche 1714 auch fertigstellt.
Stuck: Johann Georg Bader.
Fresken: Cosmas Damian Asam.
Das Bauwerk ist original erhalten.

[1]Zum Stiftergremium zählen die drei bayrischen Landstände und die Münchner Bürgerschaft.
1712 Erding
Palais Rivera
Gräfin Adelheid von Rivera-Preysing Neubau. Zweigeschossiges freistehendes Stadthaus. Zuschreibung.
Das Joseph-Spital in einem Stich von Michael Wening (1701).  Ansicht des Spitals mit Loggienhof am Ende des Gebäudegevierts zwischen Herzog-Spital (vorne) und Joseph-Spital (hinten).
Fürstenfeld in einem Stich von Michael Wening (1701), mit der überholten Darstellung des Kirchenschiffs, das schon 1701 breiter geplant ist.
«Schloss Ober Cöllnbach» in: «Beschreibung des Churfürsten- u. Hertzogthumbs Ober- und Nidern Bayrn» 1723.
Helfenberg. Zustand des zerstörten Schlosses im Jahre 1849, aus Kunstdenkmäler Niederbayern 1906.
Die Wallfahrtskirche Maria Hilf mit Franziskanerkloster bei Freystadt. Kupferstich. 1780.  34,5 cm x 41,5 cm. Quelle: Wikipedia.
1803 erstellt Mathias Kessler, Hofbaumeister in Freising, diesen «Plan des säkularisierten Klosters zu ebener Erde». Quelle: Wikipedia.
Lilienberg wird von Michael Wening 1701 als «Das Albertische Haus und Capellen in der Au nechst München» beschrieben.
Schloss Schönach von Michael Wening, 1726 erschienen.
1701 veröffentlicht Michael Wening den Klosterneubau. Noch wird hier von einem Erhalt der Wandpfeilerkirche aus dem 16. Jh. ausgegangen.
1710 veröffentlicht August Corvinus nach Vorlage von Mathias Disel einen Stich mit dem Innenraum gegen die Orgeln.
Eine Zeichnung (1881, Franz Zettler) zeigt die Kirche mit dem Südflügel des Klosters um 1800. Die Blickrichtung geht zum Verbindungsbogen der Maxburg mit dem Ballhaus.