François Cuvilliés (1695–1768)

Wegbereiter des Rokoko in Süddeutschland

Lehr- und Wanderjahre am Hof von Kurfürst Max Emanuel[1]

Soignies
Am 23. Oktober 1695 wird Jean François Vincent Joseph als Sohn der Eheleute Nicolaus Hubert Cuvelier und Margarethe Eloy im Taufregister von Soignies eingetragen. Die kleine Stadt liegt in der Provinz Hennegau, einer der zehn Provinzen der Spanischen Niederlande. Die Provinzhauptstadt Mons ist drei Wegstunden entfernt. Ähnlich schnell erreichbar ist das Jagdschloss Mariemont des Statthalters der Spanischen Niederlande, Max Emanuel von Bayern.[2]

Das politische Umfeld[3]
Seit 1692 ist der bayrische Kurfürst Statthalter der Spanischen Niederlande und damit bis zum Frieden von Rijswijk (1697) auch Kriegsgegner von Louis XIV, dem französischen Sonnenkönig. Dynastische Interessen und Grossmachtsgelüste des Kurfürsten sind der Grund für die Statthalterschaft in den südlichen Provinzen der Niederlande, dem heutigen Belgien.[4] Zum französischen Hof und zu Louis XIV hat Max Emanuel ein besonderes Verhältnis. Seine Schwester ist mit dem Thronfolger, dem Grand Dauphin, verheiratet.[5] Sein engster Freund ist der französische General Claude-Louis Hector de Villars. Vom Versailler Hof ist er tief beeindruckt. Die gebildete Favoritin Agnes Françoise Le Louchier, die Max Emanuel in Brüssel kennenlernt, stellt zudem einen langjährigen Kontakt mit der Pariser Kunstszene her. 1695, im Jahr der Geburt von François Cuvilliés, schenkt sie ihm auch einen Sohn.[6] 1699 stirbt der legitime Sohn Joseph Ferdinand von Bayern im Alter von sieben Jahren, die Grossmachtsträume des Vaters platzen vorläufig. 1701 kehrt der Kurfürst nach München zurück, schmiedet jetzt andere Allianzen und wechselt dazu die Fronten. Er verbündet sich, vorerst geheim, mit Frankreich. Er will seine Grossmachtsträume mit Unterstützung des französischen Sonnenkönigs verwirklichen. Dem Plan, im Bündnis mit  Frankreich auch Österreich zu erobern, wird 1704 durch die Entscheidungsschlacht bei Höchstädt ein jähes Ende gesetzt. Er muss in die Obhut des französischen Königs fliehen, der im Frieden von Baden 1714 die erneute Rückkehr des ihm charakterlich ähnlichen Wittelsbacher Herrschers nach München erreicht.

Cuvilliés am kurbayrischen Hof in Mons
Im Mai 1706 verlieren die vereinigten bayrischen und französischen Truppen die entscheidende Schlacht von Ramillies.[7] Der Kurfürst muss vor den vorrückenden alliierten Truppen des Kaisers aus Brüssel fliehen. Er richtet sich mit seinem Hof in Mons ein. In der Ebene vor der befestigten Stadt befindet sich das Heerlager. In Mons führt er das gewohnte Leben mit allen Hofvergnügungen weiter. Er lässt sogar ein Theater bauen. Unter den vielen Künstlern ist auch der französische Maler Joseph Vivien anwesend. Er malt das berühmte Gemälde des Kurfürsten, der auf einer Anhöhe über dem Fluss Trouille vor der Stadt steht. Im August oder September geht der elfjährige François Cuvilliés nach Mons und findet Aufnahme am Hof des Kurfürsten.[8] Er wird noch, selbst in den späteren Darstellungen, als zart und sehr klein geschildert. In den Rechnungsbelegen ist er deshalb als «nain de cuviler» oder als Hofzwerg aufgeführt. In Mons bleibt er bis 1709.

Namur
Nach der Entscheidungsschlacht von Malplaquet[9] am 11. September 1709 wird Mons im Oktober von den alliierten kaiserlichen Truppen belagert und eingenommen. Schon vorher hat sich die bayrische Hofgesellschaft nach Compiègne zurückgezogen, während sich der Rest der kurfürstlichen Armee in die Festung Namur begibt. 1711 hält auch der Kurfürst feierlichen Einzug in Namur und hält hier Hof, wieder mit grossen Festen, Theateraufführungen, Jagden und Feuerwerk. Schon im September 1712 wechselt er erneut nach Compiègne, wo ihm ein triumphaler Empfang bereitet wird. In diesen Jahren ist auch der kurfürstliche Oberstleutnant Jean Claude de Rozart, Vorsteher des Ingenieurcorps und Instruktor der Edelknaben am Hof, in Namur stationiert.[10] Er ist Lehrer des jungen Cuvilliés, dessen Aufenthalt von seinem 16. bis zum 18. Lebensjahr in der Festung Namur bezeugt ist. Seine Aufenthaltsorte von 1713 bis 1715 sind wahrscheinlich identisch mit  denjenigen des Kurfürsten. Dieser hält sich vorerst in Compiègne, dann in Suresnes und schlussendlich in Saint-Cloud auf.

München 1715–1720
Anfang April 1715 kehrt Max Emanuel und sein Hof nach über zehnjähriger Abwesenheit wieder nach Bayern zurück. Mit ihm treffen die Hofkünstler des französischen Exils in München ein. Zur Reisegruppe gehört auch Cuvilliés. Im Gegensatz zum ebenfalls zurückgekehrten und bei Boffrand ausgebildeten Joseph Effner,[11] der sofort zum Hofbaumeister befördert wird, bleibt Cuvilliés im Hintergrund. Der kleine, aber immerhin schon 20-jährige Zeichner wird in den Stab des Ober-Baudirektors Ferdinand Franz Xaver von der Wahl eingefügt.[12] Wahl ist Herausgeber eines Traktates über hydraulische Wasserhebewerke, dessen Stichvorlagen wahrscheinlich von Cuvilliés stammen. Obwohl der Name Cuvilliés in diesen ersten Münchner Jahren in keiner  Quelle mit einem Bau in Verbindung gebracht wird, ist seine Mitarbeit als Zeichner für die Bauten von Nymphenburg und Schleissheim wahrscheinlich. 1717 wird er, obwohl wegen seiner Körpergrösse nicht für das Militär geeignet, zum Fähnrich im kurfürstlichen Regiment zu Fuss ernannt.

Paris 1720–1724
Kurfürst Max Emanuel scheint seinen kleinen Zeichner zu schätzen und vermittelt ihm, wie früher schon für Joseph Effner, einen Studienaufenthalt in Paris. Cuvilliés reist Anfang Juni 1720 ab und kehrt Ende März 1724 zurück. Er arbeitet als Zeichner bei Jean François Blondel.[13] Blondel ist 1721 bis 1723 überwiegend in Genf anwesend, wo er ein Stadthaus und zwei Landhäuser baut. Er gestaltet seine Bauten nach den klassizistischen Regeln der Akademie. Hinter den strengen Fassaden der Stadt- und Landhäuser hat sich aber in Paris seit einigen Jahrzehnten eine neue Wohnkultur entwickelt. Das «Hôtel particulier», wie das Stadtpalais im französischen Sprachraum genannt wird, entspricht den Bedürfnissen des angenehmen Wohnens ohne allzu grosse Dienerschaft, indem die Räume unter Verzicht der klassischen Grundriss-Symmetrie intelligent und funktional angeordnet werden.[14] Die Raumausstattungen folgen jetzt dem leichten Stil der Régence, den Joseph Effner nach der Rückkehr aus Paris seit 1716 in den Münchner Residenzen einführt. Über die Tätigkeit und die Studien Cuvilliés in Paris kann nur spekuliert werden. Sein Altersgenosse Juste-Aurèle Meissonnier arbeitet bis 1726 noch als Goldschmied, Cuvilliés dürfte ihn kaum gekannt haben.[15] Sie haben aber nicht nur das Alter gemeinsam. Wie Cuvilliés in München, bricht auch Meissonnier schon schnell mit der Symmetrie der Régence und wird in den 1730er-Jahren zum führenden Gestalter des Rokoko in Paris, und damit auch zum Feindbild der dortigen immer mehr klassizistisch orientierten Architekturakademie.
Nach der Rückkehr aus Paris arbeitet Cuvilliés wieder als Zeichner, nun beim Oberhofbaumeister Joseph Effner, mit dem seit 1720 der Wessobrunner Stuckateur Johann Baptist Zimmermann[16] in den kurfürstlichen Bauten zusammenarbeitet. 1725 wird Cuvilliés Hofbaumeister. Er ist damit dem Unterhofbaumeister Johann Baptist Gunetzrhainer[17] gleichgestellt und bezieht ein Jahresgehalt von 600 Gulden.

Palais Piosasque de Non
Dem Generalwachtmeister und Hauptmann der Leibwache, Joseph Graf Piosasque de Non,[18] verdankt Cuvilliés seinen ersten Privatauftrag. An der hinteren Schwabinger Gasse, der heutigen Theatinerstrasse, kann Cuvilliés 1726 mit dem Bau des Stadtpalais Piosasque beginnen. Im Neubau verarbeitet er seine Erfahrungen mit den Pariser Hôtels. Das Palais ist seit 1944 zerstört, aber Massaufnahmen der Grundrisse von 1808 und Fotografien der Fassade vor 1897 zeigen ein ungewöhnlich reifes Erstlingswerk.[19] Klarer als bei seinen weiteren Palais-Bauten ist das Grundrissprinzip mit der Durchfahrt zum längsovalen Innenhof und den rückwärtigen Stallungen und die funktionale Anordnung der Räume abzulesen. Ein dreiachsiger Mittelrisalit zeichnet die neunachsige Fassade aus. Hat Cuvilliés im Grundriss Anregungen aus Paris aufgenommen, ist bei der reich instrumentierten und stuckierten Fassade das Gegenteil der Fall. Weit entfernt vom klassizistischen Regelkanon seines Lehrers Blondel, stellt sie «eine der graziösesten Schöpfungen der Münchner Architektur» (Gurlitt 1889) dar.

Architekt am Hof des Kurfürsten Karl Albrecht

Ein kunstliebender Monarch in alten Pfaden
1726 stirbt Kurfürst Max II. Emanuel in der Residenz München. Sein Sohn Karl Albrecht tritt die Regierung an.[20] Mit seinem Streben nach der Kaiserkrone verwickelt er Bayern 1741–1745 in den Österreichischen Erbfolgekrieg, mit verheerenden Folgen für Bayern, und vergrössert zudem die unheimliche Schuldenlast des Vaters um weitere sechs Millionen auf 32 Millionen Gulden.[21] Nicht nur in den Grossmachtsträumen gleicht er seinem Vater, auch mit der Förderung der bildenden Künste und mit seiner ungebremsten Baulust setzt er väterliche Traditionen fort. Im Gegensatz zum Vater verfällt er aber nicht der blinden Bevorzugung französischer Hofkunst. Er empfindet mehr Zuneigung zur Architektur von Nymphenburg und Schleissheim als zu derjenigen von Versailles und Chantilly.[22]

Hofbaumeister des neuen Kurfürsten und Familiengründung
Erst 1728 ändert sich die untergeordnete Stellung Cuvilliés. Der Kurfürst setzt die Anweisungen Cuvilliés denjenigen Effners gleich. Auslöser ist eine Bausitzung in München, in welcher der Kurfürst von Köln, der erst 28-jährige Clemens August von Bayern, die Pläne seiner neuen Appartements im Schlossneubau von Brühl vorlegt.[23] Cuvilliés gibt den Rat, die Raumfolge zu verändern, wird nach Bonn eingeladen und erhält dort den Titel eines Truchsessen. Cuvilliés stellt fortan seinem Namen das «de» voran.[24]
1730 erhöht Kurfürst Karl Albrecht sein Jahresgehalt auf 1000 Gulden mit zusätzlich 160 Gulden für Wagen und Pferde. Gleichzeitig erhält er in der Herzog-Max-Burg eine grössere Wohnung. Karl Albrecht überträgt jetzt alle neuen Aufträge direkt Cuvilliés. Effner und Gunetzrhainer gehen leer aus. Die neue Lage ermöglicht auch die Familiengründung. 1730 heiratet er Barbara Bloemaerts, die ihm neun Kinder schenkt. Nach ihrem Tod heiratet er 1758 ein zweites Mal. Mit Carolina Freinhueber von Dornwang hat er weitere fünf Kinder. Der erste Sohn aus der ersten Ehe, François Joseph Ludwig, wird später als «Cuvilliés fils» oder Cuvilliés d. J. Nachfolger des Vaters.[25]

Schloss Augustusburg und Jagdschloss Falkenlust in Brühl
Seit 1725 lässt Clemens August von Bayern das Schloss Augustusburg in Brühl auf alten Fundamenten wieder aufbauen. Sein Hofarchitekt ist Johann Conrad Schlaun aus Paderborn.[26] Im Wesentlichen ist Augustusburg das Werk Schlauns. Das Schloss ist eine nach Osten offene Dreiflügelanlage, die westliche Hauptfront zu diesem Zeitpunkt noch mit zwei runden Ecktürmen betont. Mit der Ankunft Cuvilliés im Herbst 1728 wird Schlaun als Oberbaumeister durch den bayrischen Hofarchitekten ersetzt. Dieser orientiert das Schloss neu, indem er das Gartenparterre nach Süden verlegt und die Südfassade zur Hauptfront ausbildet. Der Planer des Gartens ist der seit 1715 in München tätige Dominique Girard.[27] Cuvilliés ist für Brühl, wie bei allen seinen Bauten, ausschliesslich zeichnerisch entwerfend tätig. Die wenigen Aufenthalte hätten eine Baubegleitung gar nicht erlaubt.[28] Die Entwürfe Cuvilliés sind allerdings sehr detailliert und umfassen auch das Mobiliar. Selbst die Fayence-Öfen werden nach seinen Zeichnungen gefertigt. Die Baudurchführung verantwortet der einfühlsame Baumeister Michael Leveilly,[29] ohne den die Bauten Cuvilliés in Brühl nicht denkbar sind. Leveilly hat auch die Oberaufsicht über die Stuckateurwerkstatt Castelli und Morsegno.[30] Mit dem Übergreifen der Wandstuckaturen in die Deckenzone künden sie das kommende Rokoko an. Als Kurfürst Clemens August sich 1740 für den Bau des berühmten Treppenhauses an Balthasar Neumann wendet und Cuvilliés entlässt, ist wieder Leveilly der ausführende Architekt.
Schon 1729 legt der jagdliebende Kurfürst auch den Grundstein zum südöstlich von Augustusburg gelegenen Jagd- und Lustschloss Falkenlust.[31] Wieder ist es ein Gemeinschaftswerk von Cuvilliés und Leveilly. Cuvilliés gestaltet das zweigeschossige Hauptgebäude in kristalliner Klarheit als französisches «Maison de plaisance» auf deutschem Boden, während Leveilly zusammen mit der Stuckateurwerkstatt Castelli-Morsegno-Artari für den Innenausbau zeichnet.

Ahnengalerie, Kaiserappartements und Grüne Galerie in der Residenz München[32]
1729 vernichtet ein Grossbrand in der Residenz München die Süd- und Ostflügel am Grottenhof. In eben diesen Flügeln hat Kurfürst Max Emanuel 1680–1685 neue Appartements, die sogenannten Alexander- und Sommerzimmer einrichten lassen. Noch vor seinem Tod 1726 erteilt er Joseph Effner den Auftrag zum erneuten Umbau, der unter Kurfürst Karl Albrecht begonnen wird. Heute ist von diesen Räumen nur noch die Ahnengalerie des Erdgeschosses erhalten, denn 1729 brennen die teilweise schon fertigen Räume wieder. Der nachfolgende Umbau wird vollumfänglich an François Cuvilliés übertragen, der zusammen mit Johann Baptist Zimmermann nach 1730 die ersten höfischen Rokokoräume des süddeutschen Barocks erstellt. Mit der neuen Grünen Galerie, die 1733 begonnen wird, erreicht Cuvilliés einen repräsentativen Zugang zu den neuen Prunkappartements, die er jetzt auch nach Süden zum Residenzgarten orientieren kann.[33]
Die von Kurfürst Karl Albrecht in Hinblick auf die angestrebte Kaiserwürde errichteten Kaiserzimmer werden später als «Reiche Zimmer» bezeichnet.

Frühes höfisches Rokoko
Der Übergang von der Innenarchitektur der Régence unter Joseph Effner zum frühen höfischen Rokoko unter François Cuvilliés kann in den Räumen des Südflügels am Grottenhof deutlich abgelesen werden. Schon die Ahnengalerie, die noch vor dem Brand von 1729 eingerichtet ist, zeigt trotz dem noch symmetrischen Régencestuck mit seinem Übergreifen über die Hohlkehle eine Auflösung der bisher strengen Abgrenzung von Wand und Decke. Die anschliessende Schatzkammer, heute als Porzellankabinett bezeichnet, ist um 1730 einer der ersten Räume, die Johann Baptist Zimmermann unter der Leitung von Cuvilliés gestaltet. Das Hineinwachsen des Wandstucks in die Decke ist hier nochmals ausgeprägter. Es entsteht der gewünschte Eindruck einer Laube. Zimmermann trägt mit seinen Einfällen und freien Gestaltungen dazu am meisten bei. Erste Rocaillen sind hier eingefügt. Im Konferenzzimmer des ersten Obergeschosses (1731) fliessen in der Deckenzone Asymmetrien ein, der Übergang zum Rokoko ist in diesem einheitlich gestalteten und heute wieder rekonstruierten Raum gelungen.

Die Amalienburg
Aus einem Wunsch der jagdverrückten Gemahlin des Kurfürsten, Maria Amalia von Österreich,[34] entsteht im Fasanengarten von Nymphenburg mit der Amalienburg das vollkommenste Werk Cuvilliés, das zudem bis heute fast unversehrt geblieben ist. Es entspricht dem Typ des eingeschossigen Belvedere oder «pavillon de plaisance», wie ihn Germain Boffrand 1714 für den Prince de Rohan in Saint-Ouen baut.[35] Cuvilliés gestaltet den Mittelraum aber kreisrund und legt ihn die Achse der Enfilade. Die darüberliegende runde Dachterrasse dient dem Abschuss der Fasane im Morgengrauen. Der Bau ist 1734 schon unter Dach, aber erst 1739 kann die Ausstattung vollendet werden. Wieder ist Johann Baptist Zimmermann Stuckateur und Mitgestalter. Den beiden kongenialen Meistern Cuvilliés und Zimmermann ist mit der Amalienburg ein vollendetes Gesamtkunstwerk des frühen Rokoko gelungen. Erhellend ist der Vergleich des Spiegelsaals der Amalienburg mit dem gleichzeitig erstellten «salon de la princesse» im Pariser Hôtel de Soubise, der als eigentliche Inkunabel des französischen Rokoko gilt. Das Rokoko in der Amalienburg ist leichter, schöpferischer, die Rocaille ist ersetzt durch phantasievolle, der Natur entlehnte Ornamentik. In der Amalienburg herrscht pure Freude, in Hôtel de Soubise der französische Intellekt.

Münchner Adelspalais
Nach seinem Erstlingswerk, dem Palais Piosasque de Non, kann Cuvilliés mit dem Palais Portia, dem Palais Holnstein, dem Palais Fugger-Zinneberg und dem Palais Neuhaus-Preysing weitere Stadthäuser für den Adel erstellen. Von ihnen hat nur das 1735–1737 erstellte Palais Holnstein den Zweiten Weltkrieg überlebt. Alle diese Palais nehmen die Grundrissanlage des Palais Piosasque de Non auf, erreichen aber dessen Klarheit nicht mehr. Zur Lage der Palais siehe den > Plan der nördlichen Altstadt 1809.

Magere Jahre am Hof des Kurfürsten Max III. Joseph


Ein kluger Fürst kämpft gegen die Schuldenlast
1745 stirbt, erst 48-jährig, Karl Albrecht von Bayern, seit 1742 auch Kaiser des Deutschen Reiches. Bayern bezahlt seinen Kaisertraum teuer. München wird mehrfach von österreichischen Truppen heimgesucht. Der neue Kurfürst, Max III. Joseph,[36] schliesst als erste Amtshandlung Frieden mit Österreich und beendet die kostspieligen Grossmachtsansprüche Bayerns. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern ist Max III. Joseph um die Verkleinerung der Schuldenlast bemüht und will deshalb keine neuen Bau- oder Kunstprojekte fördern.
Für Cuvilliés, dem schon seit 1742 kein Gehalt mehr bezahlt werden kann, sind die Geldschwierigkeiten des Hofes nur das eine Übel. Schon seit 1738 wird er nur noch als Unterhofbaumeister geführt, 1745 erfolgt die Ernennung von Johann Baptist Gunetzrhainer zum Oberhofbaumeister. Grund für die Zurücksetzung Cuvilliés sind seine nicht vorhandenen Deutschkenntnisse, mangelnde Anwesenheit im Hofbauamt und auch seine  offenbar gesundheitliche Aversion gegen die notwendige Reisetätigkeit. Er sitzt lieber zu Hause und zeichnet.

Kassel
1743 zieht der Statthalter und spätere Landgraf Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel,[37] offensichtlich beraten durch die beiden Wittelsbacher Kurfürsten anlässlich der Kaiserkrönung von Karl Albrecht, Cuvilliés für den Bau der Schlossanlage Wilhelmsthal in Calden bei. Cuvilliés verzichtet auf eine Reise und liefert auf Grund vager topografischer Angaben Pläne für den Garten, die Gartengebäude und das Schloss. Nur die Grotte, die chinesischen Häuser und die Kaskade werden anschliessend gebaut. 1749 bemüht sich Cuvilliés doch noch nach Kassel und bereinigt die Planung. Aber erst 1753 kann der Grundstein zum Schloss gelegt werden, für das der ausführende Baumeister vorgängig nochmals zu Cuvilliés nach München kommt.
Anlässlich des Aufenthaltes in Kassel plant er für die grosse Kunstsammlung des Landgrafen einen Galeriebau, der dann von seinem vertrauten Bonner Baumeister Michael Leveilly ausgeführt wird. Eigentlicher Grund der Reise ist die Planung eines Komödienhauses für Kassel, für das Cuvilliés auch seinen Zeichner Lespilliéz mitnimmt. Der projektierte Bau des Cuvilliés-Theaters von Kassel kommt aber nicht zur Ausführung. Nicht die Kosten sind dafür verantwortlich, sondern die reiche Rokokoausstattung. Rokoko ist für ein öffentliches Gebäude im damals calvinistischen Kassel nicht durchsetzbar. Die aquarellierten Pläne Cuvilliés sind erhalten und zeigen die den hohen Detaillierungsgrad seiner Entwürfe.

«Cuvilliés-Theater» in der Residenz München
1750 brennt der Ostflügel der Residenz mit der Neuveste des 14. Jahrhunderts.[38] Dem Brand fällt auch der für Theateraufführungen benutzte St.-Georg-Saal zum Opfer. Nur vier Monate nach dem Brand kann der Grundstein zum neuen Opernhaus gelegt werden. Nicht der Oberhofbaumeister Gunetzrhainer, sondern Cuvilliés erhält den Auftrag. Er stellt das neue Haus frei über den alten Residenzgraben im Süden des Brunnenhofs, mit dem Schwarzen Saal des Brunnenhofs durch ein Treppenhaus verbunden. Das Rokoko-Logentheater kann 1753 eröffnet werden. Wieder ist Johann Baptist Zimmermann Stuckateur und auch Maler des grossen Deckenfreskos, für die Bildhauer- und Kunstschreinerarbeiten der Einrichtung arbeitet Cuvilliés mit Johann Adam Pichler[39] und Johann Baptist Straub[40] zusammen.
1818 wird ein südlich parallel angefügtes grosses Opernhaus eröffnet. Das alte Opernhaus von Cuvilliés heisst jetzt Residenztheater. Während des Zweiten Weltkrieges erfolgt mit der Auslagerung die Rettung der wertvollen Inneneinrichtung, denn 1944 wird das Gebäude vollständig zerstört. Der 1951 fertiggestellte Neubau an alter Stelle ist keine Rekonstruktion. Diese erfolgt erst 1957 bis 1958 an neuer Stelle 100 Meter nördlich. Das neue «Alte Residenztheater» wird heute vorwiegend als «Cuvilliés-Theater» bezeichnet.

Schlösser Haimhausen und Sünching
1747 erhält Cuvilliés vom Reichsgrafen von und zu Haimhausen den Auftrag für die Erweiterung des 1694 erbauten Schlosses in Haimhausen.[41] Cuvilliés erweitert den Altbau zu einer Dreiflügelanlage mit kurzem Ehrenhof und benutzt den bestehenden Bau als Mittelrisalit. Nach Umbauten 1833 und 1897 kann heute nur noch die Gebäudehülle als Werk Cuvilliés gelten.
Anders beim Schloss Sünching, das 1758–1764 umgebaut wird. Reichsgraf Joseph Franz von Seinsheim überträgt die Planung und Aufsicht an Cuvilliés. Das mächtige oktogonale Schloss mit Innenhof ist kein Bauwerk von Cuvilliés. Es besteht derart schon seit dem Wiederaufbau nach dem Dreissigjährigen Krieg. Der Grundriss zeigt, dass sich der behauptete Neubau nur auf gezielte Eingriffe in die alte Substanz bezieht.[42] Wichtigste Räume sind der grosse Festsaal und die Schlosskapelle.

Aufenthalt in Paris 1754–1755
Im November 1753 verstirbt die erste Ehefrau Cuvilliés nach der Geburt des neunten Kindes und kurz nach der Eröffnung des Opernhauses an der Residenz, des späteren Cuvilliés-Theaters. Um den Schmerz zu vergessen, wie Cuvilliés dies begründet, beantragt er am Hof Urlaub für eine Parisreise. Sein Ansehen am Hof ist nach dem Bau des Hof-Opernhauses wieder gewachsen. So wird ihm der Urlaub mit einem kleinen Unkosten-Zuschuss gewährt. Er reist mit seinem ältesten Sohn und dem Zeichner Lespilliez.[43] In Paris widmet er sich der dritten Folge seines Stichwerkes. Er muss feststellen, dass seine beiden älteren und schon veröffentlichten Stichwerke mit Rokokoornamentik keine Anerkennung mehr finden. Die höfische Gesellschaft wendet sich in Paris bereits dem «goût antique» zu. Mangelnde Finanzen zwingen Vater und Sohn 1755 zur Rückkehr. Die dritte Folge des Stichwerkes erscheint zwar noch teilweise in Paris, wird aber erst vom Sohn weitergeführt.[44] Eines dieser später veröffentlichten Projekte ist der zweigeschossige Gartenpavillon mit neuen Garten beim bestehenden Landhaus des Lütticher Fürstbischofs in Seraing an der Meuse. Cuvilliés dürfte dieses Projekt 1755 anlässlich eines Zwischenhaltes in Lüttich mit dem bayrischen Fürstbischof besprochen haben, um sich dann für weitere Besprechungen mit dem Kurfürsten von Köln nach Bonn zu begeben.

Späte Aufträge des Kurfürsten
Nach der Rückkehr am Hof in München wird Cuvilliés 1756 für die Neugestaltungen im Hauptbau der Nymphenburg beigezogen. Johann Baptist Zimmermann hat zu diesem Zeitpunkt die grösseren Arbeiten im Steinernen Saal schon selbstständig fertiggestellt. Erst 1760 erhält Cuvilliés einen neuen grösseren Auftrag in der Residenz. Er kann die Kurfürstenzimmer über dem Antiquarium am Brunnenhof neu einrichten. Die Kursfürstenzimmer stellen die letzte glanzvolle höfische Rokoko-Ausstattung Kurbayerns dar. Sie sind seit 1944 zerstört.
Cuvilliés ist inzwischen wieder hochgeschätzter Vertrauter des Kurfürsten. 1763, nach dem Tod von Johann Baptist Gunetzrhainer, wird er zum Oberhofbaumeister ernannt. Er beginnt jetzt mit den Projekten für den Neuen Ostflügel der Residenz. Die Osterweiterung soll die grosse Lücke schliessen, die mit dem Brand von 1750 entstanden ist. Das Modell dieser Erweiterung ist noch heute im Residenzmuseum zu sehen. Es wird 1767 erstellt. An eine Verwirklichung des Projektes denkt der haushälterische Kurfürst wahrscheinlich nie, obwohl er die Staatsverschuldung inzwischen von 35 Millionen Gulden auf 9 Millionen gesenkt hat.

Fassade der Theatinerkirche
Die letzte Arbeit Cuvilliés ist die Fertigstellung der Fassade der Theatinerkirche St. Kajetan gegenüber der Residenz. Er verändert die von Enrico Zuccalli letztmals 1690 detailliert geplante Fassadengliederung, indem er im Mittelbereich eine neue Fassade vorsetzt. Sie übernimmt im Grundsatz die Vorgaben Zuccallis, begegnet aber dem durchgehenden Hauptgebälk der Zuccalli-Fassade mit einer betonten und stark plastischen Vertikalen. 1765 erteilt der Kurfürst den Auftrag für die neue Gestaltung, im gleichen Jahr beginnen die Bauarbeiten. Sie sind 1767 beendet. Der römische Hochbarock Zuccallis und der subtil gestaltete, französisch beeinflusste Mittelteil von Cuvilliés bilden eine beeindruckende Einheit.

Abschied
Am 18. April 1768 stirbt François Cuvilliés im 73. Altersjahr in München. Mit seinen Entwürfen hat er das höfische Rokoko von Beginn an mitgeprägt. Er muss das Dekret des Kurfürsten nicht mehr erleben, in dem dieser 1770 dem Rokoko ein Ende setzt und für Kirchen- und Staatsbauten die «edle Simplizität» vorschreibt. Es ist der Abschied vom Barock und der Abschied vom kongenialen Zusammenwirken der Kunstgattungen, dem der süddeutsche Spätbarock viele unerreichbare Gesamtkunstwerke verdankt. Es entbehrt nicht der Ironie, dass Karl Theodor, der bayrische Kurfürst des Frühklassizismus, 1782 Papst Pius VI. in der Amalienburg empfängt.

Pius Bieri 2016

Literatur:

Woeckel, Gerhard: Cuvilliés, Jean François Vinzent Joseph de, in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 452-453.
Braunfels, Wolfgang: François Cuvilliés, der Baumeister der galanten Architektur des Rokoko. München 1986.

Anmerkungen

[1] Maximilian II. Emanuel von Bayern (1662–1726), Kurfürst 1680–1726, meist Max Emanuel genannt. Zu ihm siehe auch die Biografie von Ludwig Hüttl (1990) in der NDB (Online-Fassung) unter http://www.deutsche-biographie.de/sfz59368.html.

[2] Max Emanuel lässt Mariemont 1698–1699 durch Enrico Zuccalli um- und ausbauen. Vom Juni bis September 1695 beteiligt sich der Kurfürst an der Belagerung und Wiedereinnahme von Namur, das eine Tagesreise (63 Kilometer) von Mariemont entfernt liegt. Eine Vaterschaft des Kurfürsten ist trotz der Aussage seiner Cousine Liselotte von der Pfalz, dass er auf allen Reisen «Sprösslinge eingepflanzt habe», eher unwahrscheinlich, weil er sich Anfang 1695 mit seiner neuen Gemahlin in Brüssel aufhält.

[3] Das ganze Leben Cuvilliés spielt sich am kurbayrischen Hof ab und ist derart eng mit der Biografie der jeweiligen Kurfürsten verbunden, dass deren Biografien zwangsläufig gestreift werden müssen.

[4] Statthalter der Niederlande wird der bayrische Kurfürst im Glauben, das Land durch Erbschaft in Wittelsbacher Besitz zu bringen. Ziel ist für ihn immer eine Königskrone. Sein Sohn Joseph Ferdinand (1692–1699) ist noch im Friedensvertrag von Rijswijk Anwärter auf die Krone Spaniens. Zum völligen Realitätsverlust des Kurfürsten beim Eintritt in den Krieg gegen das Reich und seine Alliierten (1702) sind folgende Zahlen genügend aussagekräftig: Frankreich zählt 20 Millionen und Bayern 1,1 Millionen Einwohner, welche die Kriegsaufwände berappen müssen. Österreich, das Reich und seine Alliierten verfügen über Einnahmen von rund 60 Millionen Einwohnern. Da Kriege nur mit Geld gewonnen werden, steht der Hasardeur Max Emanuel von Bayern schon 1702 auf verlorenem Posten.

[5] Marie-Anne de Bavière (1660–1690), die Schwester des Kurfürsten Max Emanuel, heiratet 1680 den Dauphin Louis de France (1661–1711), den einzigen Sohn von Louis XIV.

[6] Agnès Françoise Lelouchier (1675–1717), auch Le Louchier oder Le Touchier geschrieben, aus Tournai, ist seit 1693 Favoritin von Kurfürst Max II. Emanuel von Bayern. Sie wird 1694 mit dem Grafen d'Arco scheinverheiratet und in der deutschsprachigen Literatur nur unter dem Namen Gräfin von Arco bekannt. Mit ihrem Sohn, dem 1695 in Amsterdam geborenen «Comte de Baviére», zieht sie um 1700 nach Paris. Der Sohn lebt später im Landsitz Saint-Cloud bei Paris, welcher ihm Max Emanuel schenkt.
Zu Le Louchier siehe auch dIe Wikipedia Biografie.

[7] Die Schlacht von Ramillies ist für die französisch-bayrische Armee unter den beiden Befehlshabern Max Emanuel und Marschall Villeroy eine Katastrophe. Sie unterliegen am 23. Mai 1706 den Alliierten unter dem Oberbefehl von John Churchill, Duke of Marlborough. Die Alliierten nehmen anschliessend Brüssel ein, während die Gegenseite Verluste von 13 000 Mann und von allen Kanonen beklagt. Mit dieser Schlacht ist auch die Feldherren-Karriere von Kurfürst Max Emanuel von Bayern beendet. Die Lage des Schlachtfeldes im heutigen Belgien: 50°38′19″N, 4°54′46″E.

[8] Ohne Empfehlungen von Persönlichkeiten, welche dem Hof nahestehen oder ihm angehören, ist eine derartige Aufnahme nur denkbar, wenn der Vater von Cuvilliés durch Auszeichnungen am Hof oder in der Armee bekannt ist. Quellen sind leider nicht vorhanden.

[9] Die Schlacht bei Malplaquet, bei der am 11. September 1709 auf Seite der Alliierten 90 000 Mann und auf französisch-bayrischer Seite 65 000 Mann gegenüberstehen, endet mit riesigen Verlusten. Die siegreichen Alliierten beklagen 6000 Tote und 14000 Verwundete, die französisch-bayrische Armee beklagt 4000 Tote und 6500 Verwundete. Oberbefehlshaber auf alliierter Seite sind Prinz Eugen von Savoyen und John Churchill of Marlborough, auf französisch-bayrischer Seite ist es Marschall Villars. Obwohl sie damit den Einfall in Frankreich abwehren können, sind die Franzosen nachher nicht mehr in der Lage, die Kriegsanstrengungen personell und finanziell durchzuhalten. Louis XIV streckt jetzt die Friedensfühler aus.
Zu Korrektur vieler falschen Angaben der Lage von Malplaquet: Es liegt an der heutigen französisch-belgischen Grenze (50°20'9"N, 3°51'52"E) im Gebiet der Gemeinde Taisnières-sur-Hon.

[10] Jean Claude de Rozart († 1754) ist Verfasser des Werkes «Nouvelle fortification françoise», das 1731 in Nürnberg erscheint. Er stellt darin die französische Festungsarchitektur nach dem System Vauban vor.

[11] Joseph Effner (1687–1745) ist 1706–1715 mit einem Stipendium des kurfürstlichen Hofes in Paris und seit 1715 Hofbaumeister. Siehe die Biografie in dieser Webseite.

[12] Es handelt bei Ferdinand Franz Xaver von der Wahl (1671–1757) um den Sohn des 1703 verstorbenen Franz Albrecht von der Wahl, des 1688–1695 amtierenden Generalbaudirektors. Er wird meist mit dem Vater verwechselt. Während dieser in der Art eines Finanzministers vor allem die desolate Finanzlage des kurfürstlichen Bauwesens zu retten versucht, wird der Sohn 1715 eingestellt, weil er in Baukunst erfahren sei. Von ihm stammt ein 1716 in München erschienenes Werk über die Wasserbaukunst mit dem Titel «Traitté de l'elevation des Eaux». Er wird 1718 entlassen. Die Lebensdaten von Vater und Sohn sind in der Zuccalli-Biografie von Paulus (1912) anders als in der neueren Literatur korrekt vermerkt.

[13] Jean François Blondel (1683–1756) wird 1728 Akademiemitglied der II. Klasse und 1749 «architecte du Roi». Er baut 1720-1721 das Hôtel des Bankiers Gédéon Mallet am Cour Saint-Pierre in Genf. > Gehe zum Plan des Maison Mallet in Genf. Für den gleichen Bauherrn erstellt er 1721–1722 ein Herrschaftshaus in Cologny, und 1723–1730 das Landhaus des Pfarrers Ami Lullin in Creux-de-Genthod (siehe dazu den Plan des Barockgartens mit dem Corps de logis «à l'italienne» in Genthod und den Grundriss des Hôtels Mallet in Genf). Dass Cuvilliés Akademieunterricht bei Blondel genommen habe, ist eine falsche Information, denn 1720–1724 unterrichtet kein Blondel an der Akademie. Hingegen kennt Cuvilliés dessen Neffen Jacques François Blondel (1705–1774), der um diese Zeit als Lehrling im Büro Blondel arbeitet, und hat wahrscheinlich auch später mit ihm Kontakt. Der junge Blondel wird später Lehrer des Sohnes François Joseph Cuvilliés d. J.

[14] Dies gilt aber nur für die privaten Hôtels. Bei der Residenz oder dem Palais ist weiterhin eine rein repräsentative Raumfolge mit der «Enfilade» gefragt, die nur der höfischen Etikette folgt. Es stört bei diesen Bauten nicht, wenn der Speisesaal weit entfernt von der Küche, in einem anderen Flügel und nur über das Treppenhaus erreichbar gebaut wird.

[15] Juste-Aurèle Meissonnier (1695–1750) wird in Turin geboren, kommt um 1715 nach Paris, wird 1726 Hofzeichner von Louis XV und ist um 1730 Wegbereiter des (von der Akademie bekämpften) asymmetrischen «style rocaille» in Paris.

[16] Johann Baptist Zimmermann (1680–1758) aus Wessobrunn, siehe die Biografie in dieser Webseite.

[17] Johann Baptist Gunetzrhainer (1692–1763) ist seit 1721 Unterhofbaumeister anstelle des verstorbenen Trubillios.

[18] Joseph Graf Piosasque de Non oder Giuseppe Giambattista Piossasco di None (1681–1776) aus Turin, heiratet 1718 Maria Violanta Charlotte Gräfin von Törring-Seefeld. Er erhält das Grundstück an der Schwabinger Gasse (149) vom Kurfürsten geschenkt. Die hintere Schwabinger Gasse wird später zur Theatiner-Strasse umgetauft. Zur Lage bis 1944 siehe den Plan Altstadt Nord 1809 mit den Geo-Koordinaten.

[19] Schon nach 1897 findet ein Umbau mit Schaufenstereinbauten im Erdgeschoss statt, welcher das Innere und die Fassade unvorteilhaft verändert. Zur georeferenzierten Lage des ehemaligen Palais siehe das Werkverzeichnis.
Zur Lage in der Altstadt 1806 siehe den Lageplan der Münchner Barockpalais.

[20] Karl Albrecht von Bayern (1697–1745), Kurfürst 1726–1745, Kaiser 1742–1745. Zum Leben des Kurfürsten Karl Albrecht von Bayern siehe: Biografie in der Wikipedia.

[21] Die Staatsschulden der damaligen Zeit können nicht wie später durch das Ankurbeln der Notenpresse und einer entsprechenden Inflation beglichen werden. 1745 betragen die Staatsschulden 35 Millionen Gulden oder 800 % der Staatseinnahmen Kurbayerns.

[22] 1725 hält er sich sieben Wochen in Frankreich auf, besucht die im neuesten Régence eingerichteten Schlösser und teilt seinem Vater aus Frankreich mit, dass er hier nichts besseres als Nymphenburg und Schleissheim finde. Seine neunmonatige Kavalierstour in Italien (1716–1717) und die nachfolgenden Aufenthalte in Wien wirken offensichtlich nach. Eine weitere Italienreise nach Loreto unternimmt er 1729.

[23] Clemens August von Bayern (1700–1761) ist seit 1723 Erzbischof und Kurfürst von Köln, mit erst 28 Jahren auch Fürstbischof von Regensburg, Münster, Osnabrück, Paderborn und Hildesheim. Zudem ist er Propst von Berchtesgaden und Hochmeister des Deutschen Ordens. Er ist Bruder des Kurfürsten Karl Albrecht von Bayern. Zusammen mit dem weiteren Bruder Johann Theodor von Bayern besetzen die Wittelsbacher neun Fürstbistümer. Die derartige Ämterkumulation bringt zwar ein grosses Einkommen, ist aber in erster Linie familienpolitisch motiviert und kann als Beginn und Vorbote des 1802 erfolgten Untergangs der Reichskirche gesehen werden. Zu Clemens August von Bayern siehe die Biografie der Wikipedia unter Zu Clemens August von Bayern siehe die Biografie in der Wikipedia..

[24] Die Truchsessentitel der Hofbaumeister sind Notwendigkeiten der Hofetikette wegen der Gleichstellung mit untergeordneten Hofämtern, welche von Adeligen besetzt sind. Der Titel wird in der Literatur weder bei Enrico Zuccalli noch bei Joseph Effner verwendet. Nur bei François Cuvilliés scheinen einige Kunsthistoriker eine Ausnahme zu machen.

[25] François Joseph Ludwig Cuvilliés d. J. (1731–1777) besucht 1754–1755 die Architekturkurse von Jacques François Blondel, des Neffen von Jean-François Blondel, dem Lehrmeister seines Vaters. Als Architekt ist er Klassizist. Bekannt ist sein Stichwerk mir den Bauten des Vaters.

[26] Johann Conrad Schlaun (1695–1773) aus Paderborn, wie Balthasar Neumann in militärischen Diensten ausgebildet, wird später zum bedeutendsten Barockarchitekten Westfalens.

[27] Dominique Girard (um 1680–1738). Er plant für Nymphenburg und Schleissheim. 1717 ist er, zusammen mit Johann Lucas von Hildebrandt, Gestalter des Belvedere-Gartens in Wien.

[28] Cuvilliés hält sich nur zweimal, 1728 und 1735, in Brühl auf.

[29] Michael Leveilly oder Leveillé (1694–1762), seit 1733 Oberhofbaumeister des Kurfürsten von Köln. Siehe die Biografie in der Wikipedia.

[30] Carlo Pietro und Giovanni Domenico Castelli aus Melide in Arbeitsgemeinschaft mit Carlo Pietro Morsegno aus Lugano. Die Werkstatt arbeitet noch 1738–1739 in Ansbach für Cuvilliés. Am Jagdschloss Falkenlust ist auch Giuseppe Artari (1697–1771) aus Arogno beteiligt.

[31] Kurfürst Clemens August beschäftigt einen adeligen Obristfalkenmeister, zwei Falkenmeister, sechs Falkenmeisterknechte und fünf Falkonierjungen. Jährlich zahlt er mehr als 10 000 Reichstaler oder 15 000 Gulden nur für ihre Gehälter, was einem Viertel der Bau- und Ausstattungskosten der Gesamtanlage von Falkenlust entspricht.

[32] Das baulich unübersichtliche Konglomerat der Residenz ist eine Folge von Neu- und Umbauten, vorerst nach Bränden des 17. und 18. Jahrhunderts, dann nach den Kriegszerstörungen von 1944, vor allem aber nach jedem Wechsel in der Wittelsbacher Regentschaft.

[33] Cuvilliés Haupttreppe zur Grünen Galerie wird schon 1764 abgebrochen. Der Salon am Südende der Galerie fällt 1826 dem Neubau des Südflügels am neuen Max-Joseph-Platz zum Opfer.

[34] Maria Amalia von Österreich (1701–1756) heiratet 1722 Karl Albrecht von Bayern. Kurfürst Max Emanuel lässt sich die Hochzeitsfeier seines Sohnes in München vier Millionen Gulden kosten. Die lebenslustige Habsburgerin liebt vor allem die Jagd und ihre Hunde.

[35] Das Belvedere des Prinzen Rohan wird als «Folie Rohan» bezeichnet. Der französische Begriff la Folie bezeichnet liebevoll «nutzlose» Gebäude in einem Garten, wie zum Beispiel die Folies im Parc de la Villette (1982) von Bernard Tschumi. > Zum Plan der Folie Rohan in Saint-Ouen.

[36] Max III. Joseph von Bayern (1727–1777) ist der erste Regent Kurbayerns, der sich von Grossmachtsträumen verabschiedet und dank seiner klugen Neutralitätspolitik und der damit verbundenen längeren Friedensperiode auch mit der Rückzahlung der hohen Staatsschulden beginnt. Er ist fromm, aber als absolutistisch regierender Fürst ein Feind aller ständischen Privilegien, insbesondere der Klöster. Mehr dazu in der Wikipedia-Biografie.

[37] Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel (1682–1760). Mehr dazu in der Wikipedia-Biografie.

[38] Die Neuveste, die Kernburg der Residenz, wird anschliessend nicht wieder aufgebaut. Sie bleibt Ruine. An ihrer Stelle baut Leo von Klenze 1835–1842 den Apothekenflügel.

[39] Johann Adam Pichler (um 1690–1763), Hofkistler und Vergolder, ist bis 1716 gleichzeitig mit Joseph Effner in Paris. Seine Werkstatt mit 80 Gesellen erstellt alle Régence- und Rokokoeinrichtungen in Schleissheim, Nymphenburg und in der Residenz.

[40] Johann Baptist Straub (1704–1784) aus Wiesensteig, Hofbildhauer, Altarbauer, «Vater der bayrischen Rokokoschnitzerei» (Freuler 1923). 

[41] Der Neubau von 1694 wird Giovanni Antonio Viscardi zugeschrieben.

[42] Die gängige Leseart, dass das Schloss 1757 bis auf wenige starke Mauern abgebrochen und nach Plan Cuvilliés neu aufgebaut wird, ist nicht glaubhaft. Es scheint, dass hier die Kunsthistoriker wieder einmal auf zeitgenössische Quellen abstellen, die bei grösseren Umbauten immer von einem «von Grund auf neuen Bau» sprechen. Wäre dem so, müsste den architektonischen Fähigkeiten Cuvilliés ein schlechtes Zeugnis ausgestellt werden.

[43] Karl Albert von Lespilliez (1723–1796), Schüler von François Cuvilliés, seit 1740 auch Stecher der Werke von Cuvilliés, besucht 1754–1756 die Architekturkurse von Jacques François Blondel in Paris. Er wird als Hofbaumeister Nachfolger seines Lehrers Cuvilliés.
Siehe auch: www.deutsche-biographie.de

[44] Bis heute hat keine Bibliothek die Stichfolgen vollständig veröffentlicht. Es handelt sich um 180 Blätter (Stecher Lespilliez) die 1738 bis 1742 als Bücher 1–30 erscheinen, um 115 Blätter (Stecher vorwiegend Lespilliez), die 1742–1754 als Bücher A–U erscheinen. Sie enthalten meist Ornamentvorlagen ohne architektonische Entwürfe. Die unvollendete dritte Folge mit 23 Projekten (Stecher Cuvilliés fils) besteht hingegen aus architektonischen Entwürfen.
Der jüngere Cuvilliés versucht 1773 eine Neuauflage mit Ergänzungen, scheitert aber finanziell.

  François Cuvilliés (1695–1768)  
  Biografische Daten        
  Geburtsdatum Geburtsort     Land  
  23. Oktober 1695 Soignies   Hennegau (Hainaut, B)  
    Land 18.Jh.     Bistum 18.Jh.  
    Spanische Niederlande   Tournay  
  Sterbedatum Sterbeort     Land  
  18. April 1768 München   Bayern D  
    Land 18. Jh.     Bistum 18. Jh.  
    Kurfürstentum Bayern   Freising  
  Kurzbiografie        
 

François Cuvilliés kennt keine andere Heimat als den bayrischen kurfürstlichen Hof. Mit elf Jahren wird er von Max II. Emanuel am Hof aufgenommen und von ihm gefördert. Aber erst unter dem Kurfürsten Karl Albrecht wird um 1728 sein wahres Talent entdeckt. Französisch geschult, fühlt er sich trotzdem nie der klassizistischen Pariser Schule verpflichtet. Er führt, immer zusammen mit dem kongenialen Stuckateur Johann Baptist Zimmermann, schon früh das höfische Rokoko in München ein, phantasiereicher und anmutiger als die ersten zaghaften Versuche dieser Jahre in Paris. Seine Sache sind die Jagd- und Lustschlösser des Adels, wie das Schloss Falkenlust in Brühl oder die Amalienburg im Schlossgarten von Nymphenburg, sein unübertroffenes Hauptwerk.

    Falkenlust  
  bio pdf werkliste     legende  
1729 plant François Cuvilliés für den Kurfürsten von Köln das Jagd- und Lustschloss Falkenlust bei Brühl. Ausgeführt wird es von Michael Leveillé. Cuvilliés gestaltet das zweigeschossige Hauptgebäude in kristalliner Klarheit als französisches «Maison de plaisance» auf deutschem Boden, während Leveilly zusammen mit der Stuckateurwerkstatt Castelli-Morsegno-Artari für den Innenausbau zeichnet.
Bild: Wikipedia. Fotograf Stefan Didam, Schmallenberg.

Bauwerke nach Planungen von François Cuvilliés

Quelle: Wolfgang Braunfels
Original erhaltene Bauwerke sind gelb hinterlegt.
Weitgehend dem Original entsprechende Rekonstruktionen (nach 1945) sind rosa hinterlegt oder mit * gekennzeichnet.
Zur Lage der Palais in der Müncher Altstadt (1806)

Jahr Ort, Bauwerk, Beschrieb Adresse 1809 / Adresse heute [1]︎ Bauherr
1725–
1729
München. Residenz. Gelbes Appartement, Trierzimmer, Ahnengalerie. Neuausstattungen durch Joseph Effner. Heute nur noch Ahnengalerie* vorhanden. Grosse Mitwirkung Cuvilliés. Vordere Schwabinger Gasse

Residenzstrasse 1


48° 8'26.74"N, 11°34'41.71"E
Kurfürst Max Emanuel von Bayern (bis 1726) und Kurfürst Karl Albrecht von Bayern.
1726–
1732
München. Palais Piosasque de Non.
Neubau eines Stadthauses mit Innenhof.
Nach 1945 Abbruch. Ehemalige Lage im Bereich Einkaufszentrum Fünf Höfe.
Hintere
Schwabinger Gasse 149


Einkaufszentrum Fünf Höfe
Theatinerstrasse
48° 8'24.60"N, 11°34'34.00"E
Graf Joseph Johann Piosasque de Non
(Piossasco di None).
PiosasqueGrRiss PiosasqueFassade Das Palais Piosasque de Non wird 1897 im Erdgeschoss durch Umbauten verändert und 1944 endgültig zerstört. Der Grundriss ist ein überarbeiteter Aufnahmeplan von 1808. Das Foto der oberen Stockwerke stammt aus Popp 1924.
1727–
 (um)
Ismaning. Pavillon im Schlosspark.
Neubau, heute schmucklos purifizierter Ausstellungspavillon. Zuschreibung.
Schlosspark


48°13'39.03"N, 11°40'19.96"E
Johann Theodor von Bayern, Fürstbischof von Freising.
1728–
1740
Brühl. Schloss Augustusburg.*Neubau über alten Fundamenten, Planung 1725–1728 Johann Conrad Schlaun, 1728–1740 Cuvilliés und 1740–1753 Balthasar Neumann. Ausführung Michael Leveilly (Leveillé). Max-Ernst-Allee 4, Brühl





50°49'11.21"N, 6°55'44.66"E
Kurfürst Clemens August von Bayern.
1728–
1751
München. Schloss Nymphenburg. Rondell und Kanal nach Schwabing. Zuschreibung einer Mitplanung am Werk von Joseph Effner. Nymphenburg 1


48° 9'29.62"N, 11°30'24.27"E
Kurfürst Karl Albrecht von Bayern.
1728–
1768
München. Schloss Nymphenburg. Schlossgarten. Kaskaden. Ersatz der grossen, von Effner gebauten Kaskade. Neue Kaskade im Südteil. Fertigstellung durch Cuvilliés d. J. Beide Kaskaden sind erhalten. Nymphenburg 1

Koordinaten grosse Kaskade:
48° 9'26.49"N, 11°29'10.58"E
Koordinaten kleine Kaskade:
48° 9'25.59"N, 11°30'12.82"E
Kurfürst Karl Albrecht von Bayern
und
Kurfürst Max III. Joseph von Bayern.
1729–
1731
München. Residenz. Porzellankabinett. Ehemals Schatzkammer. Neuausstattung. Stuck Johann Baptist Zimmermann. Der Raum ist erhalten. Vordere Schwabinger Gasse

Residenzstrasse 1

48° 8'27.01"N, 11°34'40.34"E
Kurfürst Karl Albrecht von Bayern.
1729–
1734
Brühl. Jagdschloss Falkenlust.Neubau. Ausführung Michael Leveilly (Leveillé). Schlossstrasse 6, Brühl

50°49'11.21"N, 6°55'44.66"E
Kurfürst Clemens August von Bayern.
FalkenlustFassade FalkenlustGrRiss Cuvilliés gestaltet das zweigeschossige Hauptgebäude von Falkenlust in kristalliner Klarheit als französisches «Maison de plaisance» auf deutschem Boden. Foto der Ostseite von Stefan Didam, Schmallenberg. Grundriss aus Literatur, überarbeitet und genordet.
1729–
1737
München. Residenz.
Reiche Zimmer.
Neubau und Neuausstattung nach Brand 1729. Stuck Johann Baptist Zimmermann. Nach Kriegszerstörungen 1944 rekonstruiert.
Vordere Schwabinger Gasse

Residenzstrasse 1


48° 8'26.94"N, 11°34'42.68"E
Kurfürst Karl Albrecht von Bayern.
Residenz2

Das kurfürstliche Schlafzimmer entsteht 1730–1732. Noch herrscht die Symmetrie der Régence, aber das Rokoko kündigt sich bereits an. Bildquelle: Photochrom-Lithographie von G. F. Seidel 1880.
Residenz1

Die Ahnengalerie unter den Reichen Zimmern hat den Brand von 1729 und den Weltkrieg überlebt.
Foto: Bieri 2003.
Cuvilliés ist ab 1730 Leiter der Neuausstattungen in der Residenz. Die Räume sind ein Gemeinschaftswerk. Erst der Stuckateur Zimmermann und Bildhauer wie Pichler oder Mirowsky ermöglichen das grosse Meisterwerk der Reichen Zimmer. Sie stellen den frühesten Beginn des höfischen Rokokos dar, der sich schon mit 1727 in der Ahnengalerie (siehe oben) mit dem Übergreifen des Wandstucks in die Deckenzone ankündigt.
1731–
1737
München. Palais Portia. Innenumbau.
1693–1710 von Enrico Zuccalli als Palais Fugger gebaut.
1710–1731 Palais Törring,.
1731 Umbau durch Cuvilliés. 1944 zerstört. Nach 1945 nur Fassaden-Rekonstruktion. Inneres heute Teil des Einkaufszentrums Fünf Höfe.

Pranger-Gasse 164

Kardinal-Faulhaber-Str. 12
Einkaufszentrum Fünf Höfe




48° 8'25.38"N, 11°34'27.80"E

Kurfürst Karl Albrecht von Bayern für die Gräfin Topor-Morawitzky, spätere Gräfin Portia.
1733–
1737
München. Residenz.
Grüne Galerie.
Neubau und Neuausstattung. Stuck Johann Baptist Zimmermann. Rekonstruktion nach Kriegszerstörungen.
Vordere Schwabinger Gasse

Residenzstrasse 1

48° 8'26.12"N, 11°34'43.01"E
Kurfürst Karl Albrecht von Bayern.
1733–
1741
Schäftlarn. Prämonstratenser-Abtei. Neubau der Abteikirche. Planung Chor-Rohbau. Ausführung Langhaus nach Neuplanungen 1751–1754 durch Johann Baptist Gunetzrhainer und Johann Michael Fischer. Klosterstrasse 2, Schäftlarn




47°58'42.96"N, 11°28'2.55"E
Abt OPraem Hermann Joseph Frey
(reg. 1719–1751).
1734–
1739
München. Schloss Nymphenburg. Amalienburg im Schlossgarten. Neubau. Stuck Johann Baptist Zimmermann. Das Bauwerk ist original erhalten. Nymphenburg 1



48° 9'21.96"N, 11°30'1.48"E
Kurfürst Karl Albrecht von Bayern.
Amalienburg1 AmalienburgGrundriss Die Amalienburg ist das vollkommenste Werk Cuvilliés und bis heute unversehrt geblieben. Die Innenräume gestaltet er kongenial mit Johann Baptist Zimmermann.
Foto der Ostseite von Guido Radig in Wikipedia. Grundriss aus Literatur, überarbeitet und genordet.
1735–
1737
München. Palais Holnstein.
Neubau eines Stadthauses mit Innenhof.
Erhalten, als einziges Barockpalais Münchens .
Heute Erzbischöfliches Ordinariat.
Pranger-Gasse 160

Kardinal-Faulhaber-Str. 7


48° 8'27.49"N, 11°34'29.78"E
Kurfürst Karl Albrecht von Bayern für
Franz Ludwig Graf von Holnstein.
HolnsteinGrRiss Holnstein1924 Das Palais Holnstein ist das einzige noch erhaltene Barockpalais in München. Der Erdgeschoss-Grundriss ist ein überarbeiteter Aufnahmeplan von 1893. Er ist genordet. Das Foto der Fassade (Anfang 19. Jh., Fotograf unbekannt), stammt aus Popp 1924.
1741–
1760
München. Palais Fugger-Zinneberg.
Neubau eines Stadthauses mit Innenhof.
Zerstört 1944. Kein Wiederaufbau. Ehemalige Lage siehe:
Palais in der Müncher Altstadt (1806).
Hintere
Schwabinger-Gasse 144


Einkaufszentrum Fünf Höfe Theatinerstrasse     
48° 8'26.51"N, 11°34'34.98"E
Kurfürst Karl Albrecht von Bayern für Josepha Fugger-Adelshausen-Zinneberg.
1743–
1753
Calden. Schloss Wilhelmsthal. Neubau-Planungen von Schloss und Gartengebäuden. Ausführung der Hauptbauten 1749–1756 durch Baumeister Heinrich Wilhelm Huth. Lindenallee, Calden



51°23'34.98"N, 9°24'56.66"E
Landgraf Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel.
1747–
1750
Haimhausen.
Schloss Haimhausen
. Beidseitige Erweiterung und Aufstockung des 1694 Gebäudes von Zuccalli oder Viscardi erbauten Schlosses. Nur Gebäudehülle erhalten.
Haimhausen 350

Hauptstrasse 1, Haimhausem


48°18'46.50"N, 11°32'44.80"E
Karl Ferdinand Reichsgraf von und zu Haimhausen.
1748–
1752
(um)
München.
Palais Neuhaus-Preysing.
Neubau eines Stadthauses mit Innenhof. Zerstört. Fassadenrekonstruktion 1956.
Zuschreibung eher an Lespilliez.
Pranger-Gasse 225

Pranner-Str. 2


48° 8'28.00"N, 11°34'27.00"E
Johann Franz von Neuhaus.
1749–
1750
Kassel. Gemäldegalerie. Neubau. Ausführung Michael Leveilly (Leveillé). Veränderungen schon nach 1750. 1944 zerstört. Frankfurter Strasse 9–11


51°18'39.62"N, 9°29'42.10"E
Landgraf Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel.
1751–
1753
München. Residenz. Altes Residenztheater (Cuvillié-Theater). Neubau. 1944 vollständig zerstört, aber Inneneinrichtung vorgängig gerettet. 1956–1958 Neubau an neuer Stelle als Rekonstruktion. Vordere Schwabinger Gasse
Residenzstrasse 1
Koordinaten alte Lage:    
48° 8'24.05"N, 11°34'47.07"E
Koordinaten neue Lage: 
48° 8'27.13"N, 11°34'48.25"E
Kurfürst
Max III. Joseph von Bayern.
OpernhausResidenz

Längsschnitt (1771) durch den Zuschauerraum des heute zerstörten alten Opernhauses von Cuvilliés. Die Maschinerie im Untergeschoss dient zum Heben des Parketts.
Bildquelle: Universitätsbibliothek Heidelberg.
Residenzoper

Ausschnitt aus dem Stadtplan 1809. Gehe zum entsprechenden Grundrissplan (G. F. Seidel «Die Königliche Residenz in München», Leipzig 1880). Ausschnitt, gedreht.
Die Residenzoper von Cuvilliés, im nebenstehenden Plan rot eingetragen, wird 1944 zerstört. An ihrer Stelle baut 1948–1951 Architekt Karl Hocheder das Neue Residenztheater. 1956–1958 erfolgt 100 Meter nördlich die Rekonstruktion des Zuschauerraums von 1753 als «Cuvilliés-Theater». Der Grundriss des 1944 zerstörten Cuvilliés-Bauwerks ist im Plan der Residenz zur Barockzeit zu sehen. Zum Grundrissplan.
1755
(um)
Seraing bei Lüttich. «Maison de plaisance» und Garten beim Schloss Seraing. Zerstört. Heute Gelände der Cockerill-Stahlindustrie. Avenue Greiner 1, Seraing


50°36'57.44"N, 5°30'52.93"E
Fürstbischof Johann Theodor von Bayern.
1755–
1757
München. Schloss Nymphenburg, Innen. Neugestaltungen von Innenräumen. Mitwirkung am Steinernen Saal, dessen Stuck und Fresken aber von Johann Baptist Zimmermann. Innenräume original erhalten. Nymphenburg 1





48° 9'29.70"N, 11°30'11.90"E
Kurfürst
Max III. Joseph von Bayern.
1757–
1764
Sünching. Schloss. Neubauähnlicher Wiederaufbau mit Festsaal. Die Innenräume sind original erhalten. Ausführung: Hofmaurermeister Leonhard Matthäus Giessl. Am Schloss 1



48°52'39.16"N, 12°21'12.18"E
Joseph Franz Reichsgraf von Seinsheim.
1760–
1764
Neuberghausen. Heute München-Bogenhausen. Gartenschlösschen Neuberghausen. Neubau. Ausführung Ignaz Anton Gunetzrhainer. 1862 abgebrochen. Bogenhausen 31

Wilhelm-Hausenstein-Weg

48° 8'48.21"N, 11°36'1.90"E
August Joseph Törring-Jettenbach.
1760–
1766
München. Residenz. Kurfürstenzimmer und Speisesaal. Neuausstattung. Räume zerstört. (Speisesaal 1825, Kursfürstenzimmer 1944). Vordere Schwabinger Gasse

Theatinerstrasse 22

48° 8'26.72"N, 11°34'43.97"E
Kurfürst Max III. Joseph von Bayern.
1765–
1767

München. Theatinerkirche. Fassade. Fertigstellung. Die Gestaltung Cuvilliés folgt dem Entwurf Zuccallis.
Zum Vergleich der beiden Entwürfe.
Hintere Schwabinger Gasse

Residenzstrasse 1
48° 8'31.09"N, 11°34'37.70"E
Kurfürst Max III. Joseph von Bayern.
Theatinerkirche Theatiner Erst 1765 erhält die Theatinerkirche ihre Mittelfassade. Sie übernimmt im Grundsatz die Vorgaben Enrico Zuccallis aus 1690, begegnet aber dem durchgehenden Hauptgebälk der Zuccalli-Fassade mit einer betonten und stark plastischen Vertikalen.
Zum Vergleich der Fassade Zuccalli 1690 und Cuvillés 1765.

Anmerkung.
[1] Die Bauwerkslage ist Georeferenziert. Beim Anklicken der Geo-Position wird eine KML-Datei generiert. Mit ihr kann in Google-Earth die Lage des Objektes betrachtet werden. Download Google-Earth.

Planungen von François Cuvilliés:
Jahr Ort Bauwerk und Arbeit Bauherr
1734–
1740
Mergentheim Deutschordensschloss und Schlosskirche. Planungsüberarbeitungen von bereits durch die Baumeister Franz Keller, Balthasar Neumann und Franz Joseph Roth geplanten und in Bau befindlichen Gebäuden. Kurfürst Clemens August von Bayern.
1738–
1739
Ansbach Residenz. Entwurf der Stuckaturen in den Wohn- und Schlafräumen. Ausführung durch die Werkstatt Castelli-Morsegno. Zuschreibung von Wolfgang Jahn 1990. Karl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach.
1740
(um)
München Palais Törring-Jettenbach. Neubauplanung. Der Bau wird 1747–1754 abgeändert durch Ignaz Anton Gunetzrhainer ausgeführt. Emanuel Graf Törring von Jettenbach.
1749 Kassel Landgrafentheater (Komödienhaus). Ausführungsplanung. Keine Ausführung. Landgraf Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel.
1750–
1767
München Residenz. Planungen für eine Osterweiterung. Das grosse Residenzmodell Cuvilliés ist heute im Residenzmuseum zu sehen. Keine Ausführung. Kurfürst Max III. Joseph von Bayern.
1758–
1766
Würzburg Residenz. Hofgarten. Planungen für das Orangeriegebäude. Ostgarten an der Bastion. Ovalraum (Seinsheim-Opera), Nordflügel. Vorschläge für die Stuckaturen des grossen Treppenhauses. Keine Ausführung. Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim.