Die wichtigsten Meister
Name Herkunft Text   Tätigkeit von   bis
Giulio Benso (1592–1668) Pieve di Teco Italien     Maler, Architekt 1628   1635
Michael Thumb (um 1640−1690) Bezau Vorarlberg ok   Baumeister-Architekt 1676   1677
Johann Jakob Herkomer (1652–1717) Seeg bei Füssen     Baumeister-Architekt 1712   1715
Franz Beer II (1660–1726) Au Vorarlberg ok   Baumeister-Architekt 1714   1716
Br. Andreas Schreck (1659–1730) Au Vorarlberg ok   Klosterbaumeister 1715   1730
Christian Thumb (um 1645–1726), Au Vorarlberg     Baumeister 1716   1717
Donato Giuseppe Frisoni (1673–1735) Laino Val d'Intelvi ok   Stuckateur und Architekt 1717   1724
Franz Schmuzer (1676–1741) Wessobrunn ok   Stuckateur 1718   1732
Giacomo Antonio Corbellini (1673–1742) Laino Val d'Intelvi     Stuckateur-Marmorierer 1719   1724
Donato Riccardo Retti (1687–1741) Laino Val d'Intelvi     Stuckateur 1719   1723
Cosmas Damian Asam (1686–1739) Benediktbeuern AsamCD   Maler, Freskant 1719   1720
Franz Anton Kuen (1679–1742) Bregenz KuenFA   Bildhauer 1720   1721
Joseph Anton Feuchtmayer (1696–1770) (Wessobrunn) Linz     Stuckateur und Bildhauer 1720   1724
Judas Thaddäus Sichelbein (1684–1758) Wangen im Allgäu     Fassmaler 1722   1723
Diego Francesco Carlone (1674–1750) Scaria Val d'Intelvi ok   Stuckateur, Bildhauer 1723   1725
Joseph Schmuzer (1683–1754) Wessobrunn SchmuzerJoseph   Stuckateur und Baumeister 1730   1744
Joseph Gabler (1700–1771) Ochsenhausen ok   Orgelbauer 1737   1750
Franz Xaver Schmuzer (1713–1775) Wessobrunn SchmuzerFranzXaver   Stuckateur 1740   1744
Johann Jakob Schwarzmann (1729–1784) Schnifis bei Feldkirch     Stuckateur, Bildhauer ~1757   ~1770
Fidelis Sporer (1733–1811) Altdorf, heute Weingarten     Bildhauer 1761   1762

Weingarten
Ehemalige Benediktiner-Reichsabtei und Stiftskirche St. Martin

Gründung
Ein 935 als Familien-Grablege gegründetes Frauenkloster wird 1053 auf den Martinsberg in Altdorf, dem Stammsitz der schwäbischen Welfen[1] , verlegt. Schon drei Jahre später siedelt Herzog Welf IV. von Bayern die Frauen nach Altomünster um und verlegt die dortigen Benediktiner auf den Welfenstammsitz ob Altdorf. Das Benediktinerkloster wird Weingarten genannt. Es bleibt Grablege der Welfen. Diese verlegen zur gleichen Zeit ihren Stammsitz vom Martinsberg zu Altdorf auf die nur eine Wegstunde entfernte Ravensburg und gründen dort eine Marktsiedlung gleichen Namens.[2]
Die Abtei Weingarten schliesst sich Ende des 11. Jahrhunderts der Hirsauer Reform an. Eine mirakulös in Mantua aufgefundene Heilig-Blut-Reliquie wird 1094 durch Judith von Flandern, der zweiten Frau Welfs IV. testamentarisch ihrem Hauskloster vermacht. Seither ist Weingarten bedeutende Wallfahrtsstätte. 1167 bis 1250 sind die Staufer, als Erben der Welfen, kaiserliche Schirmvögte. Nach ihrem Aussterben erreicht die Abtei Reichsunmittelbarkeit.

Die mittelalterlichen Klosterbauten
Zwischen 1124 und 1182 entsteht auf dem Martinsberg eine hochromanische, dreischiffige Säulenbasilika in der Art und Grösse des Konstanzer Münsters. Das flachgedeckte Mittelschiff ist gegen 19 Meter hoch und 42 Meter lang. Im doppeltürmigen Westwerk liegt die «Stiffter-Kapell», die Grablege der Welfen. Der Südturm wird nach einem Blitzschlag 1375 nicht mehr aufgebaut. Durch einen Aufnahmeplan um 1684, vermutlich von Caspar Moosbrugger, sind wir  über diese Basilika der Romanik sehr gut informiert. An deren Südfassade ist der dreiflügelige Konventbau um einen Kreuzgang angeordnet. Diese Gebäudegruppe entgeht der barocken Neugestaltung und beherbergt seit 1952 das heutige Benediktinerpriorat. In ihrer Nordfassade ist die romanische Südfassade von Turm, Lang- und Querhaus der Basilika erhalten.

Weingarten im 16. und 17. Jahrhundert
Humanistisch geprägte Äbte führen die Reichsabtei im 16. Jahrhundert.[3] Der Konstanzer Gerwig Blarer von Girsberg, ein Bruder der Reformatoren Ambrosius und Thomas Blarer, ist 1520 bis 1567 Abt in Weingarten und wird 1547 auch Abt von Ochsenhausen. Als welterfahrener Renaissancemensch und kaiserlicher  Rat Karls V. verbindet er Klosterleben und Politik. Er verhindert als Abt der beiden mächtigsten Klöster Oberschwabens das Eindringen reformierten Gedankengutes und wird zum Führer der katholischen Partei. Er und seine Nachfolger im 16. Jahrhundert schaffen den noch erhaltenen Kreuzgang, stocken den Konventsüdflügel um ein Geschoss auf und bauen die westlich gegen die Stadt hinausgeschobenen Infirmerie- und die anschliessende «Curia», ein Quartier für vornehme Gäste. Ihre Bauten im Norden der Kirche, die Prälatur und der Gästetrakt, werden später zu Gunsten der Barockbauten abgebrochen. Der Weingartener Mönch, Zeichner und Historiker Gabriel Bucelin[4] hat den Gebäudebestand Anfang des 17. Jahrhunderts in einer Gesamtansicht von Süden dokumentiert. Erstaunlich ist die bereits vorweggenommene barocke Symmetrie der grossen mittelalterlichen Klosteranlage mit der romanischen Basilika in der Mittelachse.
Der Dreissigjährige Krieg trifft Weingarten mit Plünderungen und Einquartierungen der Schweden hart. 1632 ist es Bernhard von Weimar und 1633 Gustav Horn, die mit ihrer Armee auftauchen. 1646 überfällt der Hohentwieler Kommandant Wiederhold die Abtei und verschleppt den Abt als Geisel auf die Festung Hohentwiel. Die Reichsabtei erholt sich nach dem Ende des Krieges rasch. Sie ist nicht nur gebietsmässig, mit 320 Quadratkilometer und 14 000 Einwohnern, mächtigste oberschwäbische Abtei (seit 1613 gehört ihr auch die Herrschaft Blumenegg)[5] , sie ist zudem informelles Zentrum im Reichsprälatenkollegium, auch wenn Weingarten nicht immer dessen Direktor stellt. Der Titel des Abtes lautet gemäss dem Lexikon von Schwaben (1801): «Des heil. römischen Reichs Prälat, Abbt des unmittelbaren Reichsstifts und Gotteshauses Weingarten, Herr der freien Reichsherrschaft Blumenegg, Brochenzell und Liebenau, beständiger Deputirter des Reichs».

Planungen für einen Klosterneubau im 17. Jahrhundert
Um 1677 hat sich die Lage des Reichsstifts soweit konsolidiert, dass ein neues Noviziatgebäude[6] vom Vorarlberger Michael Thumb gebaut werden kann und ernsthafte Baupläne für einen Kirchenumbau geschmiedet werden. 1684 ist Br. Caspar Moosbrugger aus Einsiedeln für Planungen in Weingarten tätig. Er ist wahrscheinlich Verfasser des Aufnahmeplanes der romanischen Basilika, für die zu dieser Zeit noch Umbaupläne geschmiedet werden. Moosbruggers Beitrag zum späteren Neubau ist umstritten, Planungen sind nicht bekannt. Als letzter Neubau des 17. Jahrhunderts entsteht nach dem Moosbrugger-Aufenthalt das Granarium, der mächtige «Fruchtkasten» an der südlichen Klostermauer (heute Bibliothek). 1695 wird das Priorat Weingartens in Feldkirch aufgehoben und nach Hofen (beim heutigen Friedrichshafen) verlegt. Ein dort im gleichen Jahr begonnener Klosterneubau[7] mit dem Vorarlberger Baumeister Christian Thumb, absorbiert jetzt die Kräfte der Abtei Weingarten und führt zu einem Unterbruch der eigenen Bauplanungen.

Bau der Stiftskirche 1715–1724: Die Planer
1697 wird der 30-jährige Sebastian Hyller aus Pfullendorf zum Abt der Reichsabtei gewählt. Seine 33-jährige Regierungszeit ist nach der Fertigstellung des Priorats in Hofen dem Kirchen- und Klosterneubau in Weingarten gewidmet. Er hat für die Planung des Klosterneubaus bereits 1700 mit Franz Beer II Kontakt. Neubaupläne werden aber sofort von Vorderösterreich bekämpft, das Weingartens Territorium umgibt und im Dauerkonflikt mit der mächtigen Abtei liegt. Österreich bekämpft eine Beeinträchtigung der durch das Klostergebiet führenden «Via Regia», der Landstrasse nach Altdorf, das seit 1486 in vorderösterreichischem Besitz ist. 1707 weilt der Abt an den Einweihungsfeierlichkeiten der Kollegienkirche in Salzburg. Hier muss sein endgültiger Neubauentscheid für die Stiftskirche gefallen sein, deren Bau er jetzt wegen den Streitigkeiten mit Österreich vorzieht. Vorbild ist die soeben eingeweihte Salzburger Kollegienkirche (1696–1707, Johann Bernhard Fischer von Erlach). Er zieht jetzt nebst Franz Beer II auch Baumeister Johann Jakob Herkomer aus Füssen[8] bei, der ihm 1713 einen Riss für den Kirchenneubau liefert. Die entscheidende Ausführungsplanung von Franz Beer II um 1714 basiert auf diesem Riss. Nun geht es schnell: Am 14. März 1715 wird mit dem Abbruch des romanischen Münsters begonnen und am 22. August erfolgt die Grundsteinlegung. Aber bereits 1716 kommt es zum Bruch mit Beer. Er verweigert die Zahlung einer Kaution, weil er im Taglohn arbeite und Br. Andreas Schreck bereits fremde Maurer eingestellt habe. Anfang April kehrt Beer der Baustelle endgültig den Rücken. Der bis jetzt als Palier tätige, bereits 70-jährige Baumeister Christian Thumb[9] übernimmt die Baustelle unter «Oberaufsicht» von Br. Andreas Schreck, seinem früheren Palier in Hofen. Herkomer ist krankheitshalber nicht mehr verfügbar, sodass Abt Sebastian Hyller nun den welschen Ludwigsburger Baudirektor Donato Giuseppe Frisoni (1681–1735) für die planerische Mitarbeit gewinnt. Er besucht ihn Anfang 1717 in Ludwigsburg. Frisoni verändert die von Br. Andreas Schreck geplanten Emporen und setzt sie im Sinne Beers, dessen Plan überhaupt keine Emporen aufweist, stark zurück. Er nimmt auf Kuppel- und Fassadengestaltung Einfluss und liefert auch den berühmten Kloster-Idealplan, der uns nur in der Nachzeichnung von Pater Beda Stattmüller erhalten ist.
Die Planung der barocken Stiftskirche von Weingarten muss deshalb als Gemeinschaftswerk von mehreren kompetenten Baumeistern und einer ebenso kompetenten Bauherrschaft betrachtet werden. Die entscheidenden Meister sind Herkomer, Beer und Frisoni. Franz Beer II kommt dabei die wichtigste Rolle zu. Er verarbeitet das Projekt Herkomer souverän, und bestimmt die vornehm monumentale Haltung des Baus. Frisonis Leistung sind die schwingenden Emporengalerien und die Idealplanung[10] der Klosteranlage. Die Rolle des Klosterbaumeisters Br. Andreas Schreck kann mit der hartnäckigen praktischen Hinterfragung der verschiedenen Planungen, zu denen er 1715 eine eigene[11] liefert, umschrieben werden. Weitere Planer[12] sind nachgewiesen, ihre Projekte haben aber keinen Einfluss auf die Ausführung. Der Beitrag des Baumeisters Christian Thumb, der mit Br. Andreas Schreck den Rohbau als Palier 1716 und 1717 im Alleingang hochführt, wird in der aktenbezogenen Kunstgeschichte nicht gewürdigt. Die Verwirklichung des grossen Bauvorhabens ist aber die Leistung dieser beiden Vorarlberger Baumeister unter Führung von Abt Sebastian Hyller.

Bau der Stiftskirche 1715–1724: Die Meister der Raumausstattung
Das Bauwerk ist Ende 1717 zum grösseren Teil eingewölbt, eine erstaunliche Leistung für ungefähr 19 Monate Bauzeit (März–November). Franz Schmuzer, der soeben mit Franz Beer die Stiftskirche von St. Urban stuckiert hat, und der dem Abt aus seiner Tätigkeit in Hofen bekannt ist, beginnt im April 1718 mit der Stuckierung in feinen Régenceformen. Die Arbeit ist 1721 abgeschlossen, wobei die Pilaster-Kapitelle auf Empfehlung Frisonis von seinem Landsmann Riccardo Retti erstellt werden.
Der Vertrag über die Ausführung der Deckenfresken vom 3. Oktober 1718 mit dem 32-jährigen Cosmas Damian Asam bedeutet für das bayrische Ausnahmetalent den ersten Grossauftrag. Für vier Hauptbilder und 36 Nebenbilder nach einem vorgegebenen ikonographischen Programm werden 7500 Gulden vereinbart, ein stolze Summe, die auch auf die damalige Wertschätzung der Freskanten hinweist.[13] Asam und seine Gehilfen arbeiten in den Sommermonaten 1719 und 1720 an den Fresken, insgesamt ist er für etwa 1000 Quadratmeter sechs Monate an der Arbeit.
Die Stuckmarmoraltäre in den Querhausapsiden und im Chor nach Plänen Frisonis werden 1719–1724 von seinem Schwager Giacomo Antonio Corbellini errichtet. Die Figuren liefert Diego Francesco Carlone, wieder ein berühmter Landsmann von Frisoni aus dem Val d'Intelvi.[14] Nur gerade für die Fassungen der Altäre wird mit Judas Thaddäus Sichelbein aus Wangen ein einheimischer Künstler verpflichtet, der kurz vorher den Hochaltar in der Klosterkirche Rheinau erstellt hat. Die Stuckmarmoraltäre im Schiff, auf italienische Art längs der Fassade angeordnet, sind hingegen Werke von Franz Schmuzer. Die Altarblätter stammen von verschiedenen Künstlern, die meisten vom Genuesen Giulio Benso, Werke  aus den Jahren 1628–1635.[15] Carlo Carlone (Bruder des Diego) liefert 1731 das Blatt im Querhaus Süd und im westlichen Schiffsjoch Nord, Franz Joseph Spiegler 1738 dasjenige im Süden.
Ein weiterer später berühmter Künstler kann 1720 in Weingarten seinen ersten grösseren Vertrag unterzeichnen: Der 24-jährige Bildhauer Joseph Anton Feuchtmayer verpflichtet sich darin zur Lieferung des Chorgestühls, das 1724 aufgestellt wird.
Im gleichen Jahr, am 10. September 1724, findet die Einweihung der Stiftskirche statt. Die Ausgaben des Klosters für Material, Transport, Lohn und Verpflegung aller Unternehmer des neun Jahre dauernden Neubaus  betragen zu diesem Zeitpunkt 210 000 Gulden. Abt Sebastian Hyller kann diese Kosten aus den laufenden Einnahmen bestreiten, das Kloster ist zum Zeitpunkt der Einweihung schuldenfrei.

Hauptorgel 1737–1750
Bevor in Weingarten 1737–1750 die wohl die berühmteste und mit 63 Registern sicher grösste Barockorgel Süddeutschlands erstellt wird, baut 1722 Joseph Bosshard aus Baar (Zug) eine Chororgel mit 14 Registern. Sie findet in der noch baufeuchten Kirche beidseitig im Chorgestühl Aufstellung, wird deshalb 1730 schon als «verfault und verderbt» bezeichnet. Abt Alfons II. Jobst, in diesem Jahr als Nachfolger von Bauabt Sebastian Hyller gewählt, beruft den 30-jährigen Joseph Gabler aus Ochsenhausen für die Reparatur. Der junge Orgelbauer arbeitet zu dieser Zeit an seinem Erstlingswerk, der Hauptorgel mit 49 Registern für die Benediktiner-Abteikirche Ochsenhausen. Er muss vom dortigen Abt empfohlen worden sein. Gabler kann mit der Reparatur der Chororgel auch den Weingartener Konvent von seinen Qualitäten überzeugen und erhält 1737 den Auftrag zum Bau der Hauptorgel[16] und zum Neubau der Chororgel.[17]
Joseph Gabler schafft mit der «Grossen Orgel» sein unübertroffenes Meisterwerk, obwohl es sich erst um sein zweites Instrument handelt. Er entwirft auch den Prospekt,[18] der raffiniert die sechs Fenster der Westfront umspielt. Die Synthese von Orgel und Raumarchitektur zu einem einheitlichen Gesamtkunstwerk ist hier beispielhaft geglückt. Auch die technische Ausführung, insbesondere der Windladen und der Mechanik, ist von hoher Qualität. Die Orgel hat zudem den ersten freistehenden Spieltisch in Deutschland.
Die Kosten, ursprünglich mit 17 619 Gulden veranschlagt, werden kräftig überschritten. Die Wertschätzung der Musik in den süddeutschen Abteien des Barock lässt solche Überschreitungen zu. Die finanziellen Mittel, die im gleichen Verhältnis auch andere Klöster für ihre Orgelwerke aufwenden, sind eine ebenso einzigartige Leistung wie die Orgelwerke selbst. Die Musikpflege fördert auch Talente. Weingarten hat um 1800 acht komponierende und musizierende Patres. Mit der Säkularisation der Klöster wird deshalb nicht nur eine grossartige Musikkultur vernichtet, die an Fürstenhöfen und in Reichsstädten völlig unbekannt ist, auch dem süddeutschen Orgelbau wird ein Ende bereitet.

Kanzel 1762
Die Stuckmarmor-Kanzel Franz Schmuzers aus der Bauzeit wird schnell als zu klein empfunden. 1762 erstellt der 32-jährige Altdorfer Bildhauer Fidel Sporer die neue Kanzel. Sie ist ein Meisterwerk am Ende des Rokoko  und bildet mit den tragenden und bekrönenden Figuren einen starken Akzent vor dem Querhaus. Die Kanzel von Franz Schmuzer findet in der Wallfahrtskirche von Bergatreute einen neuen Platz.

Kloster-Neubau 1727–1770, «Idea» und Wirklichkeit
Streitigkeiten mit Vorderösterreich, das Ansprüche auf einen Teil des zu bebauenden Geländes stellt,  veranlassen Abt Sebastian Hyller schon 1707, den geplanten Klosterneubau zurückzustellen und ab 1715 zuerst die Kirche zu bauen. Donato Giuseppe Frisoni, der nach 1717 für den Kirchenneubau tätig ist, entwirft 1718 den grossartigen Idealplan der Klosteranlage, auf der Grundlage der Planungen seiner Vorgänger (Br. Caspar Moosbrugger, Franz II Beer) und wohl auch mit Beteiligung von Abt Sebastian und des mitplanenden Br. Andreas Schreck. Der Idealplan wird 1723 von Pater Beda Stattmüller in Kupfer gestochen, ein überarbeiteter Stich von 1741 ist uns überliefert. Man darf diesen Plan nur als «Idea», betrachten, der weder die Topographie noch die bereits vorhandene Ausführungsplanung berücksichtigt. Diese dürfte in den Grundlagen noch von Caspar Moosbrugger stammen und dann von Br. Andreas Schreck überarbeitet worden sein. Auf solchen realistischeren Grundlagen wird 1727 mit dem Bau des Ostflügels im Nordtrakt begonnen. Prompt führen Einsprachen des kaiserlichen Statthalters für Vorderösterreich gegen den Bau des Nordtraktes zum erneuten Unterbruch. Deshalb wird 1728 mit dem Ostflügel im südlichen Konventtrakt begonnen. 1730 stirbt Abt Sebastian Hyller und auch Br. Andreas Schreck. Unter dem neuen Abt, dem 54-jährigen Alfons II. Jobst, setzt der Wessobrunner Joseph Schmuzer die Bauarbeiten fort. Bis 1732 ist der Ostflügel, noch ohne nördlichen Pavillon-Abschluss, vollendet. Dann bleibt der Bau wegen den Schwierigkeiten mit Österreich unterbrochen. Abt Alfons II. kann diese während seiner ganzen Amtszeit nicht bereinigen, der Prozess in Wien verschlingt Unsummen. Erst Abt Placidus Renz, der 1738 gewählt wird, erreicht einen Vergleich mit dem Wiener Hof und kann 1740 mit Joseph Schmuzer den Vertrag zum Bau der Nord- und Westflügel des nördlichen Prälaturgevierts abschliessen. Die Verschuldung der Abtei wächst jetzt an und erreicht 1744 300 000 Gulden. 1745 muss Abt Placidus abdanken. Unter seinen Nachfolgern wird das Prälaturgeviert bis 1750 im Rohbau vollendet und bis 1770 ausgestattet. Im Nordflügel findet auch die reiche Bibliothek eine provisorische Bleibe.
Die Stuckaturen des Ostflügels werden bis 1732 noch von Franz Schmuzer (1676–1741) erstellt, 1740–1744 sind sie Werke seines Neffen Franz Xaver Schmuzer (1713–1775). Johann Jakob Schwarzmann (1729–1784) stuckiert die Räume der Nord- und Westflügel bis 1770. Im Audienzsaal der Prälatur[19] malt 1742 Gottfried Bernhard Göz das grosse Deckenfresko.
Inzwischen sind die Finanzmittel der Reichsabtei erschöpft, und die Süd- und Westflügel des Konventgevierts werden nicht mehr in Angriff genommen. Die «Idea» auf den Grundlagen von Caspar Moosbrugger, Donato Giuseppe Frisoni und Joseph Schmuzer bleibt grandiose Planungsabsicht. Zwar verzeichnet die Abtei unter dem Abt Dominicus Schnizer (1745–1784) nochmals 65 Neueintritte, aber finanziell kann sie sich trotz 100 000 Gulden Jahreseinnahmen nicht mehr erholen.

1802–1806: Grafschaft Weingarten
Weingarten, die noch immer reichste Abtei Oberschwabens, wird auf Druck Englands und Preussens 1802 von der Reichsdeputation dem niederländischen Haus Oranien zugesprochen. Die Besitzergreifung der Reichsabtei und ihres Herrschaftsgebietes mit den vorarlbergischen Herrschaften erfolgt am 15. September 1802, noch vor dem Reichsdeputationshauptschluss. Ungefähr 11 000 Bewohner, 1200 Höfe, dazu die Herrschaft Blumenegg im Vorarlbergischen und das Priorat Hofen wechseln den Landesherrn, der seinen neuen Besitz jetzt «Grafschaft Weingarten» nennt. Die noch immer 48 Konventualen und ihr Abt Anselm Rittler werden von den protestantischen neuen Herren nicht ausgewiesen, erhalten Pensionen und können die religiösen Funktionen weiterführen. 1804 stirbt der letzte Abt. Langsam verkleinert sich der ehemalige Konvent, 1805 muss die Klosterschule geschlossen werden. Als Folge des Rheinbundvertrages 1806 verliert der Napoleon-Gegner Oranien die «Grafschaft Weingarten» an das neue Napoleonfreundliche Königreich Württemberg.

1806-1809: Württemberg liquidiert die Klosterkultur
Während das Haus Oranien von 1802–1806 respektvoll mit dem Klostererbe umgeht, wird dieses nun von Württemberg bis 1809 systematisch liquidiert. Die verbleibenden Konventualen werden ausgewiesen, der Kirchenschatz, der auf 290 000 Gulden geschätzt ist, verschwindet spurlos in Stuttgart. Darunter befindet sich auch das kostbare, unter Abt Sebastian Hyller 1726 gefertigte Heilig-Blut-Reliquiar, das allein 70 000 Gulden Schätzwert aufweist. Der Heilig-Blut-Ritt[20] ist nun verboten.  Die Klosterkirche wird geschlossen und 1811 zur Pfarrkirche erklärt.[21]   Die wertvolle Bibliothek mit noch 534 mittelalterlichen Handschriften,[22] 1000 Inkunabeln und 60 000 Druckwerken wird 1809 ebenfalls nach Stuttgart verfrachtet. Noch 1823 findet die reiche Musikalienbibliothek, die offensichtlich den württembergischen Liquidatoren entgeht, den Weg ins Kloster Einsiedeln. Nach der Ausweisung der alten rechtmässigen Besitzer wird auch das Mobiliar hemmungslos verschleudert, um die Räume für Neunutzungen zu leeren.

Neunutzungen im 19. und 20. Jahrhundert
Der Klosteranlage spielen diese Neunutzungen übel mit. 1806 werden die nördlichen Prälaturflügel königliches Sommerschloss. Sie dienen dann ab 1825 als Waisenhaus. 1868–1918 dienen alle ehemaligen Klostergebäude als Kaserne. 1918, mit dem Ende des Königreiches, stehen die Gebäude leer. 1922 ziehen wieder Benediktiner in die ehemalige Prälatur ein. Die Nazis heben das Kloster von 1940–1945 auf. Eine nun kleinere Gemeinschaft wechselt nach dem Krieg in die spätmittelalterlichen Konventgebäude auf der Südseite.[23] Der Ostflügel des Südtraktes wird seither von der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart genutzt.
Der ehemalige nördliche Prälaturflügel ist nach dem Auszug der Benediktiner Ausbildungsstätte für Lehrer, bis 1969 katholische Hochschule, heute Pädagogische Hochschule.
1974 dehnt sich die Hochschule aus und zerstört den östlichen Ökonomiehof mit Neubauten, die Ökonomiegebäude des 16. und 17. Jahrhunderts verfallen dem Abbruch. Die neuen Institutsgebäude ohne jeden architektonischen und städtebaulichen Wert werden leider auch von der Denkmalpflege gutgeheissen. Immerhin bleibt der «Fruchtkasten» verschont, der später zur Bibliothek umgebaut wird.
Angesichts dieser irreversiblen und unsensiblen Eingriffe in die Barockanlage und aufgrund der eher zufälligen heutigen Mischnutzung kann dem barocken Erbe auf dem Martinsberg nur gewünscht werden, dass nicht noch mehr zerstört wird, wie dies mit dem ehemaligen Flecken Altdorf, der heutigen Stadt Weingarten, bereits geschehen ist.
Mehr Respekt als der Barockanlage bringt der Staat der ehemaligen Stiftskirche entgegen. Sie wird heute mit dem Kirchenrechts-Begriff «Basilika» bezeichnet, obwohl sie als Gebäudetyp eine klare Wandpfeilerhalle ohne basilikale Abstufung ist. Eine grosse Innenrestaurierung findet 1952–1956 statt. Die letzte konservatorische Restaurierung findet 2004–2005 statt.

Pius Bieri 2009

Benutzte Einzeldarstellungen:
Memminger, Johann Daniel Georg: Beschreibung des Oberamtes Ravensburg, Stuttgart und Tübingen 1836.
Grimm, M.: Altdorf, gen. Weingarten, Ravensburg 1864.
Schnell, Hugo; Weingarten, Grosse Kunstführer Bd. 5, München und Zürich 1972.
Talgner Harald: Weingarten, in: Klöster in Baden-Württemberg, Stuttgart, o. J.
Naab, Friedrich und Sauermost, Jürgen: Weingarten, in: Die Vorarlberger Barockbaumeister, Einsiedeln 1973.
Rudolf, Hans Ulrich: Das Ende des Weingartener Klosterlebens, in: Alte Klöster/Neue Herren, Ostfildern 2003.

Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Weingarten

Anmerkungen:

[1] Die Welfen sind im 9. und 10. Jahrhundert mit zwei Linien vertreten. Die burgundische Linie begründet das Königreich Hochburgund mit den Städten Besançon, Lausanne und Genf. Ihr Hauskloster ist St. Maurice. Die Linie stirbt 1032 aus. Aus der schwäbischen Linie mit dem Stammsitz Altdorf, deren letzte Vertreterin Kunigunde von Altdorf um 1035 Alberto Azzo d'Este heiratet, geht die jüngere Linie der Welfen hervor. Der Sohn Kunigundes und Albertos, Herzog Welf IV. von Bayern, ist der Gründer der Benediktinerabtei Weingarten. 1167 gehen die welfischen Hausgüter in Schwaben durch Erbvertrag an den Staufer Friedrich I. Barbarossa.

[2] Der ältere Flecken Altdorf wird erst 1865 in «Grosse Kreisstadt Weingarten» umbenannt, nach dem Namen der dominierenden Klostergebäude auf dem Martinsberg.

[3] Noch im ausgehenden 16. Jahrhundert findet unter Abt Georg Wegelin aus Bregenz (1586−1627) auch die innere Klosterreform statt. Unter seiner Führung wird 1603 die oberschwäbische Benediktinerkongregation (Weingarten, mit Isny, Mehrerau, Ochsenhausen, Petershausen, Wiblingen und Zwiefalten) gegründet.

[4] Gabriel Bucelin (Buzelin, Bucelius), geboren 1599, von Diessenhofen, tritt 1612 ins Kloster ein und stirbt 1681 als Prior in Feldkirch.

[5] Im Vorarlbergischen. Die Propstei St. Gerold ist Einsiedeln zugehörig.

[6] Es wird 1879 abgebrochen

[7] Bau 1695–1701. Palier ist nebst Gabriel Thumb der Vorarlberger und Weingartener Br. Andreas Schreck, der mit seinem Landsmann Br. Caspar Moosbrugger für die Stiftskirche in Einsiedeln noch 1717 regen Kontakt hat. Johann Schmuzer führt die Stuckaturen zusammen mit seinen Söhnen Franz und Joseph aus. Alle Beteiligten finden wir später auch beim Neubau in Weingarten.

[8] Br. Andreas Schreck und der aus Füssen stammende Pater Anton Schreiber treffen Herkomer in Füssen, Kempten und Hofen.

[9] Er vollendet mit Franz Beer Obermarchtal und erstellt selbständig die Kirche des Priorats Hofen («Schlosskirche» Friedrichshafen).

[10] Der Idealplan ist nicht, wie Hugo Schnell noch im Kunstführer (1972) beschreibt, von Joseph Schmuzer 1740, sondern, wie Naab und Sauermost (Vorarlberger Barockbaumeister, 1973) nachweisen, bereits 1718 von Donato Giuseppe Frisoni verfasst worden.

[11] Sie hat erheblichen Einfluss auf die Einsiedler Kirchenplanung Caspar Moosbruggers, der nach dem Besuch Schrecks 1717 in Einsiedeln  die dann nicht verwirklichte Kuppel plant.

[12] 1714 liefert Joseph Schmuzer, 1715 ein Münchner Baumeister (Zuccalli?) Planungen. Sie werden nicht berücksichtigt. Ob auch Br. Caspar Moosbrugger nach 1684 Planungen zu einem Kirchenneubau geliefert hat, ist umstritten. Besuche Moosbruggers während der Bauzeit sind nicht nachgewiesen.

[13] Die Stuckarbeit wird mit 4500 Gulden entschädigt, Franz Beer erhält für die Planung 1715 300 Gulden.

[14] Das Val d'Intelvi liegt im Herzogtum Mailand, zwischen dem Comer- und dem Luganersee.

[15] Er wird 1627 für den Umbau der romanischen Basilika beigezogen. Der Dreissigjährige Krieg setzt aber den Planungen ein Ende. Lediglich die Altarblätter werden noch ausgeführt.

[16] 63 Register (4 Manuale mit 47 Registern, Pedal mit 16 Registern). Dazu Nebenregister Carillon, La Force, Rossignol, Tympan Cuculus und Cymbala. Das Orgelwerk wird bei der Restaurierung 1981–1983 von Orgelbau Kuhn, Männedorf, in den Originalzustand versetzt.

[17] Sie ist 1743 fertig und hat nun 22 Register. Das Orgelwerk ist heute durch Neubauten von 1924 und 1937 mit elektrischer Traktur ersetzt.

[18] Ausführung durch die Klosterschreinerei. Fassmaler ist  Br. Franz Heine. Die Bildhauerarbeiten fertigt der Altdorfer Joachim Früholz.

[19] Im 2. Stock des Nordostpavillons

[20] Der Umritt am Freitag nach Christi Himmelfahrt erreicht in der Barockzeit seinen Höhepunkt. 1753 nehmen 7055 Reiter daran teil. Das Verbot wird 1849 wieder aufgehoben. Der Blutritt ist noch heute lebendiges und beeindruckendes Glaubenszeugnis im schwäbischen Oberland: 2002 beteiligen sich 2889 Reiter in 103 Blutreitergruppen.

[21] Noch heute ist die ehemalige Stiftskirche Staatsbesitz. Die 1738 errichtete Barockkirche St. Maria, die vorherige Pfarrkirche Altdorfs (heute Stadt Weingarten) wird 1816 vom Königreich Württemberg auf Abbruch verkauft.

[22] Knapp 300 der wertvollsten Handschriften sind schon vor 1805 durch Oranien nach Fulda überführt worden.

[23] 2009 löst sich die Benediktinergemeinschaft in Weingarten infolge von mangelndem Nachwuchs endgültig auf.

 

 
Weingarten3
Luftbild der ehemaligen Benediktinerabtei Weingarten, aufgenommen von Sven Scharr (Wikipedia).
Weingarten12   Weingarten13
Das Altkloster von Südwest gesehen, mit dem Südturm der ehemaligen Klosterkirche (links). Diese Flügel sind im Kern noch mittelalterlich und wird im 16. und 17. Jahrhundert erneuert. Es ist 1922–2010 wieder Kloster, aber nun wegen Nachwuchsmangel geschlossen und unzugänglich.
Bild: Andreas Praefcke in Wikipedia
  Am Rand des südlichen Klosterplateaus steht der 1685–1688 gebaute Kornspeicher (Granarium), auch Fruchtkasten genannt. Der Architekt dieses Bauwerkes ist unbekannt. Es könnte Michael Thumb sein, der 1677 auch das Noviziatgebäude in Weingarten baut. Heute ist hier die Bibliothek der Fachhochschule integriert.
Bildquelle: Andreas Praefcke in Wikipedia.

 

 

 

  Weingarten: Ehemalige Benediktiner-Reichsabtei und Stiftskirche St. Martin  
  Die Klosteranlage Weingarten auf einer Lithographie von Joseph Bayer (1820-1879) vor 1868.
Die Lithographie stellt die Reiterprozession des Blutrittes dar. Der Grossanlass der Barockzeit mit bis zu 7000 Reitern wird 1803–1849 auf kirchlichen Druck verboten. Er findet anschliessend eine Neubelebung.
Die Darstellung der Prozession zeigt das Kloster über der Stadt Altdorf, die seit 1865 ebenfalls Weingarten genannt wird. Heute bedeckt eine dichte Wohn- und Gewerbeüberbauung die freie Ebene mit der Prozessions-Darstellung im Vordergrund und erlaubt nur noch gelegentliche Durchblicke zum Martinsberg.
Bildquelle: Wikipedia.
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Ort, Land (heute) Herrschaft (18. Jh.)
Weingarten
Baden-Württemberg D
Reichsabtei Weingarten
Bistum (18.Jh.) Baubeginn
Konstanz   1715
Bauherr und Bauträger

ok
Abt Sebastian Hyller (reg. 1697–1730)

ok Abt Alphons II. Jobst (reg. 1730–1738)

ok Abt Placidus Renz (reg. 1738–1745)

 
  Die freie Sicht auf den Martinsberg mit dem Kloster, wie hier in einer Lithographie des «Blutrittes» nach 1850, ist heute nicht mehr möglich. > Mehr Bildinformationen.
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WeingartenEtappenplan
Das Kloster mit seine Bauetappen vom 12. bis zum 18. Jahrhundert. Anklicken!  
   
WeingartenAufnahmeRomanisch
1684 wird, wahrscheinlich durch Caspar Moosbrugger, eine Planaufnahme der romanischen Stiftskirche erstellt. Die im obigen Etappenplan gelb eingetragene Kirche (1124–1182) grenzt an die noch heute bestehenden südlichen Klosterflügel. Sie ist eine hochromanische Säulenbasilika mit zweitürmigem Westwerk, dessen Südturm nach einem Brand 1375 nicht mehr aufgebaut wird. Aufgehendes Mauerwerk dieses Turmes ist noch heute vor der barocken Westfassade sichtbar.
Bildquelle: Planveröffentlichung 1950, hier überarbeitet (Norden oben, Schrift entfernt, Negativdarstellung).
 
> Reste des romanischen Südturms  
WeingartenBucelin
1627 zeichnet der grosse Illustrator P. Gabriel Bucelin sein Kloster von Südwest. Die südlich der romanischen Basilika gelegenen Konventflügel bestehen noch heute, ebenso wie die weit gegen die Stadt hinausgeschobenen Bauten der Infirmerie und Kurie.  
WeingartenGrundriss1745
Die Planung für die neue Stiftskirche beginnt um 1711. 1714 liefert Franz Beer II das Ausführungsprojekt und beginnt 1715 mit dem Neubau. Um diese Zeit muss auch die Gesamtanlage geplant sein. Die grosse Zweihof-Anlage mit der Kirche in der Mittelachse ist zwar konzeptionell ähnlich wie die alte Doppelhofanlage, aber bedeutend grösser. Die Ausführungsplanung ist nicht mehr erhalten. Der vorliegende Plan entspricht dem Planungsstand von 1745.
Quelle: Planfund Reinle in ZAK 12 1951.
 
Weingarten1717Einsiedlen
1717 nimmt Br. Caspar Moosbrugger nach einem Besuch in Weingarten diesen Längsschnitt der Stiftskirche nach Einsiedeln mit. Der Plan ist 1715 von Br. Andreas Schreck gezeichnet und stellt das Kirchenprojekt von Franz Beer II dar. Es entspricht schon weitgehend dem von Donato Giuseppe Frisoni 1718 nochmals überarbeiteten Projekt.
Quelle: Stiftsarchiv Einsiedeln.
 
WeingartenIdelaplan
Der berühmte Idealplan von Weingarten beruht auf einem Entwurf von Donato Giuseppe Frisoni (1718). Er wird 1723 von P. Beda Stattmüller gezeichnet und 1741 nochmals kopiert. Nur wenig von diesem Idealprojekt kann verwirklicht werden: Die Stiftskirche, die Flügel um den Nordhof und der Ostflügel des Südhofes.
Quelle: Wikipedia.
 
WeingartenGrundrissKirche
Der Grundriss der Stiftskirche von Weingarten in «Kunstwanderungen in Württemberg und Hohenzollern» 1914.  
Weingarten4
Grossen Anteil an der Gestaltung der Westfassade, vor allem im Frontispiz-Bereich, hat Donato Giuseppe Frisoni. Vorbild ist schon für Franz Beer, vor allem aber für Abt Sebastian Hyller, die Salzburger Kollegienkirche.  
Weingarten5
Überwältigend ist der Innenraum der Wandpfeilerkirche mit den weiten Pfeilerabständen und ihrer Wirkung als Freipfeilerhalle.  
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Der Hochaltar nach Entwurf von Frisoni, ausgeführt von Corbellini und Carlone. Davor das Chorgitter (um 1735) von Paul Norz. Es ist wie die Altäre von Sichelbein gefasst. Darüber das Fresko des Pfingstwunders, gemalt in eine scheinperspektivische Architekturkulisse von Cosmas Damian Asam.  
Weingarten2
Vor der Stuckmarmorarchitektur des Altarauszugs schwebt der hl. Benedikt inmitten von Engeln, die seine Attribute halten. Die Figurengruppe ist ein Werk von Diego Francesco Carlone.
Bildquelle: Andreas Praefcke in Wikipedia.
 
Weingarten8
Eine Blick in die Tambourkuppel der Vierung mit dem 25 Meter vom Betrachter entfernten Heiligenhimmel von Cosmas Damian Asam. Die vier Evangelisten in den Zwickelfeldern unterhalb des Tambours sind keine Plastiken, sondern täuschend illusionistisch gemalte Figuren von Asam. Gut ist hier auch der zurückhaltende Régencestuck von Franz Schmuzer zu sehen.  
Weingarten9
Im Langhausjoch vor der Vierung malt Cosmas Damian Asam das Fresko der Himmelfahrt Mariä, seitlich begleitet von den Quertonnenfresken mit der Geburt Mariens und der Verkündigung an Maria.  
Weingarten10
Das mittlere Langhausjoch füllt Cosmas Damian Asam ohne Stuckrahmung vollständig mit einem scheinarchitektonischen Gerüst aus und verlängert die Langhauspfeiler ins Bild, wo er die Glorie des hl. Benedikt darstellt. Am unteren Bildrand stürzt die Personifikation des Bösen gleich über den Stuckrand des Gurtbogens.  
Weingarten1
Die Rokokokanzel von Fidel Sporer (1762) ersetzt ein 1720 von Franz Schmuzer geschaffenes Werk.  
Weingarten11
Berühmtes Ausstattungsstück ist die Westorgel mit 66 Registern oder 6666 Pfeifen (gemäss zeitgenössischer Dokumentation unten)), die Joseph Gabler aus Ochsenhausen 1737–1750 baut.  
WeingartenOrgel
Die Gabler-Orgel von Weingarten wird schnell berühmt. 1751 besichtigt sie der Benediktinerpater und Orgelbau-Experte Dom François Bedos de Celles, der die Gabler-Orgel in seinem Standardwerk «L'Art du facteur d'Orgues» 1766 vorstellt. Der aufklappbare grosse Kupferstich ist ein schönes zeitgenössisches Dokument.
Bildquelle: Wikipedia.
Interessant ist auch die Fussnote von Dom Bedos über seine Ratlosigkeit angesichts der ihm unzugängliche Orgel, einerseits wegen Abwesenheit des Meister, aber auch wegen der deutschen Sprache. Er lässt sich dann den Beschrieb von Gabler durch den Orgelbauer Riepp übersetzen.
 
> Zur Fussnote (französisch 1766)  
WeingartenBlutritt
«Lorsque j'ai vu cet Orgue en 1751, je n'ai pu en examiner les Jeux dans l'intérieur des Buffets. Mr. Gabler, qui en avoit seul les clefs, étant alors absent & éloigné de l'Abbaye d'environ 30 lieues [120 km.]. La plupart de ces Jeux me sont inconnus. Le Facteur m'en a depuis envoyé la liste, mais en Allemand, qui est une Langue que je n'entends pas. J'ai prié M. Riepp M. Facteur d'Orgue, Allemand de Nation, qui parle bien sa langue, de me donner en François les noms de tous ces Jeux : il m'a répondu que s'étant uniquement & toujours appliqué à construire ses Orgues à la Françoise, (car il est établi en France,) il n'a jamais donné son attention, & n'a fait aucune étude des Jeux Allemands ; & qu'il y en a nombre qu'il ne connoit point. Il m'a donné en François les noms de ceux qu'il a pu entendre. J'ai suivi mot à mot la liste telle qu'il me l'a envoyée.»

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