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Die Familie Carlone (Carloni) von Scaria

Stuckateuren, Bildhauer und Malerfamilie aus dem Val d'Intelvi

CarloneGB   Giovanni Battista Carlone (um 1642−1721)  
CarloneDF   Diego Francesco Carlone (um 1674–1750)  
CarloneIC   Carlo Innocenzo Carlone (um 1687−1775)  
Karte   Karte des Val d'Intelvi 1800 Stamm

Die Baumeister und Stuckateurenfamilien der Carloni, wie der Name richtig geschrieben werden müsste, sind in zwei Gemeinden des Gebirgszuges zwischen dem Comersee und dem Luganersee beheimatet.
Die Carloni von Rovio, am Westhang des Monte Generoso gelegen, ziehen als Baumeister, Stuckateure und Maler in die Lombardei, nach Ligurien, Rom und Spanien.
Die Carloni von Scaria im Val d'Intelvi,[1] das im Herzogtum Mailand liegt, ziehen zusammen mit den anderen «Magistri» des Hochtales fast ausschliesslich in die Länder des Deutschen Reiches, vorerst in die österreichische Steiermark, dann über die Fürstbistümer Salzburg und Passau nach Schwaben und in die Eidgenossenschaft.
Verschiedene Familienstämme, alle durch bekannte Mitglieder auch im Alten Reich vertreten, haben im 17. Jahrhundert vor allem in Österreich die barocke Baukunst entscheidend geprägt. Die Familien im Val d'Intelvi und in Rovio nennen sich noch heute Carloni und nicht Carlone. Auch die italienische Kunstgeschichte hat den Namen nicht verändert.[2] Im Norden hingegen werden sie Carlon, Karlon oder Carlone geschrieben. Sogar Carlo Innocenzo Carlone übernimmt diese Schreibweise. Der Name Carlone hat sich deshalb in der deutschen Kunstgeschichte eingebürgert.


Diego Francesco Carlone (um 1674–1750)

Stuckateur und Bildhauer des Spätbarock und der Régence

Jugend und Ausbildung
Diego Francesco wird um 1674 als Sohn des Giovanni Battista und der Taddea Maddalena Allio in Scaria geboren. Sein Vater ist Bildhauer und Stuckateur, der um diese Zeit noch immer im Bauunternehmen des Grossvaters Pietro Francesco tätig ist[3] Zusammen mit dem Onkel Carlo Antonio,[4] der ebenfalls Baumeister ist, arbeiten sie in der Steiermark, in Oberösterreich, im Hochstift Passau und in der Oberpfalz als berühmte Baumeister und Stuckateure. Im Jahr der Geburt von Diego arbeitet der 69-jährige Grossvater mit dem 39-jährigen Onkel Carlo Antonio und dem 32-jährigen Vater in Passau, wo sie die neue Jesuitenkirche bauen. Die Mutter entstammt ebenfalls einer Familie von berühmten Stuckateuren und Baumeistern, die vor allem in Österreich und Böhmen tätig sind. Grossvater Pietro Francesco, der wie sein Vater den Winter meist in Scaria verbringt, stirbt 1681 mit 76 Jahren während der noch ihm übertragenen Arbeit für die Abteikirche von Garsten.[5] Diego Francesco muss ihn noch gut gekannt haben. Als drittes Kind wächst der Junge in einer Grossfamilie von drei Söhnen und fünf Töchtern auf.[6] Einer seiner jüngeren Brüder studiert Theologie, der 12 Jahre jüngere Carlo Innocenzo wird Maler. Durch seine Geschwister ist Diego Francesco später auch mit den Künstlerfamilien der Lurago, Corbellini und Colomba verschwägert. Seine Ausbildungsjahre verbringt er im väterlichen Betrieb. Bessere Lehrmeister als seinen Vater und seinen nur zwanzig Jahre älteren Cousin Paolo d’Allio[7] kann er kaum finden. Paolo d’Allio arbeitet schon 1681 als selbstständiger Meister im Carlone-Trupp der Dombaustelle in Passau. Hier ist der auch 16-jährige Carlone als Lehrling tätig. Er erhält 1690 bei der Errichtung des Hochaltars der Wallfahrtskirche Gartlberg bei Pfarrkirchen, einem Auftrag seines Cousins, einen Gulden Trinkgeld. Um 1694 begibt sich der nunmehr ausgebildete Bildhauer und Stuckateur für einen Studienaufenthalt nach Rom, der schon vom zeitgenössischen Biograph Johann Caspar Füssli erwähnt wird. Der Reiseweg ist zwar nicht bekannt, aber ein zusätzlicher Aufenthalt in Genua wird angenommen.

Die Werkgemeinschaft Diego Francesco Carlone und Paolo d’Allio
1695 wechselt die Werkstatt der Carlone und Allio in die Oberpfalz. Während der Vater hauptsächlich in Waldsassen arbeitet, übernehmen Diego Francesco und Paolo d’Allio Arbeiten in Amberg. Die beiden Verwandten beginnen damit eine Jahrzehnte dauernde fruchtbare Zusammenarbeit mit gegenseitiger Vertretung. Diego Francesco ist dabei immer Schöpfer der bildhauerischen Arbeiten. 1701 unterzeichnet er eine Hauptquittung über 1428 Gulden für die Stuckarbeiten in Kirche und Kloster der Salesianerinnen,[8] was bedeutet, dass der Vater die Leitung des Unternehmens jetzt seinem Sohn anvertraut. Die 1702 begonnene Stuckierung und Altarausstattung der Wallfahrtskirche Maria Hilf in Amberg ist das erste eigenverantwortliche Werk des jetzt 28-Jährigen.[9] Der Spanische Erbfolgekrieg verhindert 1704 die Aufnahme der Fertigstellungsarbeiten.[10] Vater Carlone zieht sich deshalb nach Scaria zurück. Im gleichen Jahr heiratet Diego Francesco in Scaria Maria Francesca Allio.[11]   Fünf der zwischen 1705 und 1724 geborenen Kinder, nämlich der Sohn Giovanni Antonio und vier Töchter, erreichen das Erwachsenenalter. Die erstgeborene Tochter Anna Barbara heiratet später den Ludwigsburger Bauunternehmer Paolo Retti.
Francesco Carlone ist im Sommer 1704 in Oberösterreich tätig, wo er im Augustiner-Chorherrenstift stuckiert.[12] 1705 wechseln die beiden Werkstätten Carlone und d’Allio ins Hochstift Salzburg. Hier ist die Kollegienkirche des fürstbischöflichen Hofbauingenieurs Johann Bernhard Fischer von Erlach im Bau. Dem ersten Akkord über den Raumstuck folgt 1706 ein weiterer Akkord für den Hochaltar «nach Herrn Fischers Rüss und Angaben». Fischer von Erlach übt starken Einfluss auf eine zurückhaltende, französisch geprägte und keinesfalls die Architektur konkurrenzierende Stuckplastik.[13] Nur im Altarraum kann sich Diego Francesco einigermassen frei entfalten. Bis 1709 arbeiten er und Paolo d’Allio fast ausschliesslich im Hochstift Salzburg. Nur 1707 und 1708 sind sie auch in Österreich anzutreffen, wo sie in Rattenberg im Tirol und im Stift Lambach an der Traun arbeiten. Alle Aufträge der Salzburger Zeit betreffen Bauten des Johann Bernhard Fischer von Erlach.[14] Mit dem Tod des Fürstbischofs, dem darauf folgenden Abbruch aller Arbeiten und dem Wegzug Fischers nach Wien endet die Salzburger Periode. Diego Francesco und Paolo d’Allio sind nun wieder in Oberösterreich tätig. In Linz stuckieren sie die Karmelitenkirche, hier sind auch alle Statuen ein Werk Diego Francescos, während der jüngere Bruder Carlo Innocenzo 1712 sein erstes signiertes Altarbild liefert. 1715 ist die Ehefrau in Prag nachgewiesen, vermutlich arbeitet Diego Francesco hier am Palais Clam-Gallas und hat die Familie nachgezogen.[15]

Ludwigsburg, Weingarten, Einsiedeln, Ansbach
Seit 1715 ist der aus Laino im Val d’Intelvi stammende Donato Giuseppe Frisoni leitender Hofbaumeister der neuen Residenzbauten in Ludwigsburg.[16] Mit Diego Francesco ist Frisoni seit einigen Jahren verschwägert.[17] Frisoni arbeitet vor seiner Berufung zusammen mit seinem Neffen Riccardo Retti seit 1709 als Stuckateur. Ihre Stuckaturen übernehmen bereits das Laub- und Bandelwerk nach neuesten druckgraphischen Vorbildern. Für die Figuralplastik wird jetzt Diego Francesco nach Ludwigsburg gerufen. Er ergänzt 1715 und 1716 den Stuck Rettis mit hervorragenden und eindrucksvollen Stuckplastiken. Gleichzeitig stuckiert er die Räume des Prinzenbaus[18] in Stuttgart. Carlone kommt hier in Kontakt mit einer ihm völlig fremden pietistischen Gesinnung der Baudeputation, welche die italienischen Künstler nur als Konkurrenz und Ludwigsburg als Ausgeburt einer sündigen Phantasie betrachtet. Sie kritisiert deshalb auch Carlones Stuckplastiken als unmodisch und überladen.[19] Weiterhin ist Diego Francesco auch mit Paolo d’Allio verbunden, dem er für Amberg und Passau lebensgrosse Stuckplastiken erstellt. Seit 1716 ist in Ludwigsburg auch der Stuckateur Tommaso Giuseppe Garruo Allio tätig, der schon lange mit Diego Francesco zusammenarbeitet.[20] 1718 wird zudem der inzwischen berühmte Bruder Carlo Innocenzo von Herzog Eberhard Ludwig nach Ludwigsburg gerufen. Er ergänzt den schon seit 1711 anwesenden Freskanten und Maler Luca Antonio Colomba, auch dieser ein Schwager der Carlone.[21] Zwischen 1718 und 1723 schaffen die Brüder Carlone und ihr Schwager Colomba unter anderem den Innenraum der Schlosskapelle, der als einer der schönsten barocken Kirchenräume des deutschen Südwestens gilt. 1723 geht Diego Francesco für die Ausführung von stuckplastischen und bildhauerischen Arbeiten nach Weingarten. Hier ist Frisoni nach dem Rückzug von Franz Beer II der leitende Architekt für die weitere Ausführung der Stiftskirche und vermittelt seine Landsleute aus dem württembergischen Ludwigsburg ins Reichskloster am Bodensee.[22] Carlone arbeitet mit Unterbrüchen bis 1725 für Weingarten. Zusammen mit dem Marmorierer Giacomo Antonio Corbellini ist er hier vor allem für die Altäre tätig.[23] Für die folgenden Jahre fehlen Quellen über seine Tätigkeit. Vielleicht arbeitet er in der Heimat, wo ihm in Como und im Val d’Intelvi Stuckaturen zugeschrieben werden. 1730 ist er erstmals für acht Wochen in der Abtei Einsiedeln, wo er elf Balustradenfiguren der Gnadenkapelle erstellt.[24] Die beiden nächsten Jahre ist er wieder in Ludwigsburg, wo er für das «Neue Corps de Logis» und die Verbindungsgalerien Stuckfiguren und Flachreliefs anfertigt. Nicht alle diese Arbeiten haben die spätere klassizistische Umgestaltung überlebt. Der Bau in Ludwigsburg wird nach dem Tod von Herzog Eberhard Ludwig 1733 eingestellt. Baudirektor Frisoni und der Hofbaumeister Paolo Retti, ein Schwiegersohn Carlones, kommen in Festungshaft. Die italienische Künstlerkolonie zieht aus dem Herzogtum weg. Ein Neffe Frisonis, der Ansbacher Hofbaumeister Leopoldo Retti,[25] verpflichtet die beiden Carlone im gleichen Jahr nach Ansbach. Diego Francesco und Carlo Innocenzo arbeiten hier 1734 an der Stuck- und Freskenausstattung des Festsaales in der neuen Residenz. Im Februar 1735 reisen sie aus Ansbach ab. Der in später Régence ausgeführte Stuck wirkt gegenüber den vorherigen Werken von Diego Francesco recht kühl und wird durch die Vorgaben des Baudirektors Leopoldo Retti erklärt. 1736 bis 1738 ist Diego Francesco wieder in Einsiedeln und erstellt hier während dreier Jahre sechs Altäre und die beiden grossen Epitaphe der Mönche und Äbte beidseits des Chorbogens.[26] Der Abt notiert die Mitarbeit eines Sohnes, der nur Giovanni Antonio sein kann. 1741 ist Carlone nochmals für Einsiedeln tätig. Er liefert für zwei weitere von ihm entworfene Altäre die Figuralplastik, sein Bruder Carlo Innocenzo fertigt die Altarblätter.[27]

Scaria
Nach 1738 verzichtet Diego Francesco Carlone auf längerdauernde Arbeitsaufenthalte nördlich der Alpen. Es mögen die Reisestrapazen und auch der Wandel in der süddeutschen Kunstlandschaft zum beginnenden Rokoko sein, die ihn dazu bewegen. Zum Wandel hat er selbst viel beigetragen, denn viele der jetzt führenden Meister der sakralen Plastik sind durch ihn beeinflusst worden. Joseph Anton Feuchtmayer kann als sein Schüler betrachtet werden.[28] Egid Quirin Asam, Johann Joseph Christian und auch Johann Baptist Zimmermann kennen seine Arbeiten. In ihren Werken ist das Vorbild Carlone spürbar.[29]
Er widmet sich jetzt, nebst einem Auftrag für Genua, Ausstattungen von Kirchen im Val d’Intelvi.[30]   Er vollendet die Stuckaturen von S. Maria im Heimatort Scaria. Hier zeigt Carlone nochmals, zu welcher Ausdruckskraft er fähig ist, wenn er sich nicht fremden Konzepten fügen muss. Die Fresken malt sein Bruder Carlo Innocenzo. Das gestiftete Werk ist ein schönes Vermächtnis der beiden letzten Künstlerpersönlichkeiten der Familie Carlone.
Am 25. Juni 1750 stirbt Diego Francesco Carlone im Alter von 76 Jahren in seinem Heimatort.

Pius Bieri 2012


Benutzte Literatur zu Diego Francesco Carlone:

Röhling, Ursula: Carlone, Diego Francesco, in: Neue Deutsche Biographie NDB. München 1957. Onlinefassung.
Henggeler, P. Rudolf: Quellen zu Kultur- und Kunstgeschichte aus dem Einsiedler Stiftsarchiv, in: Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, Band 21-2. Zürich 1961.
Guldan, Ernst: Quellen zu Leben und Werk italienischer Stukkatoren des Spätbarock in Bayern, in: Arte e Artisti die Laghi Lombardi, II. Como 1964.
Barigozzi Brini, Amalia: Carloni (Carlone), Diego Francesco, in: Dizionario Biografico degli Italiani, Volume 20. Rom 1977.
Colomba, Silvia A. und Coppa, Simonetta: I Carloni die Scaria. Lugano 1997.
Fischer, Fritz: Diego Carlone und die Ansbacher Reliefs, in: Carlo Carlone, der Ansbacher Auftrag, Ausstellungskatalog. Landshut 1990.
Weidinger, Wilhelm: Barockbaumeister und –stukkatoren aus den Südalpen in der Oberpfalz, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Nr. 147. Regensburg 2007. 

Links zu Diego Francesco Carlone:
Historisches Lexikon der Schweiz (Diego Francesco)
uibk.ac.at/aia/carlone (Diego Francesco)
Deutsche Biographie (Diego Francesco)

Links zu Carlone, Carloni
tessinerkuenstler-ineuropa.ch (Carlo Carlone)
de.wikipedia.org/wiki/Carlo_Carlone

Deutsche Biographie (Pietro Francesco)
Deutsche Biographie (Giovanni Battista)

Anmerkungen:

[1] Scaria im Val d'Intelvi liegt 500 Meter höher als die beiden Seen und ist vom Fischerdorf Osteno am italienischen Ufer des Luganersees in eineinhalb Wegstunde zu erreichen, vom Ufer des Comersees sind es drei Stunden. Von Rovio, wo der andere Stamm der Carlone beheimatet ist, ist Scaria in zwei Wegstunden durch die Schlucht der Mara verbunden. Das Val d’Intelvi liegt im damals österreichischen Herzogtum Mailand. Die wenigen Bergdörfer im Tal sind die Heimat von Stuckateuren, Malern und Baumeister-Architekten, welche den süddeutschen und böhmisch-österreichischen Barock entscheidend prägen. Aus Laino kommen die Alliprandi, Corbellini, Frisoni, Retti und Scotti, aus Ponna die Soldati und Marmori, aus Scaria die Carloni oder Carlone, aus Castiglione die Ferretti und aus Pellio die Lurago. Sie sind, wo sie nicht in Hofdienste treten, immer vom November bis zum Februar in ihrer Heimat anwesend

[2] Vergleiche die Webseite I Magistri Comacini

[3] Über den Vater siehe: Giovanni Battista Carlone (um 1642−1721). Grossvater ist Pietro Francesco Carlone (1605−1691).

[4] Carlo Antonio Carlone (1635−1708) siehe AIA (Artisti Itaiiani Austria).

[5] Er stirbt nicht in Garsten, wie teilweise (Wikipedia, AIA) vermittelt wird, sondern im bei Linz gelegenen Judenburg. Die ihm übertragenen Bauten in Garsten, Seckau und Judenburg übernimmt der Sohn Carlo Antonio.

[6] Nur die Kinder, die das Erwachsenenalter erreichen, werden erwähnt. Grundlage bilden italienische Quellen.

[7] Paolo d'Allio (1655−1729), Neffe des Giovanni Battista Carlone, siehe: Artisti Italiani Austria

[8] Amberg, Salesianerinnen-Kloster, Neubau von Konvent und Kirche, 1693–1699 durch Wolfgang Dientzenhofer. Stuck heute zerstört.

[9] Amberg, Wallfahrtskirche Maria-Hilf, Neubau, Planung 1696 durch Wolfgang Dientzenhofer. Ausführung Maurermeister Georg Peichl ab 1697.

[10] Noch 1717 erstellt Diego in Maria Hilf Stuckplastiken, im gleichen Jahr malt Cosmas Damian Asam die Fresken.

[11Maria Francesca Allio (1683−1726), Tochter von Martino, gemäss der seriösen Darstellung in der italienischen Wikipedia. Sie ist Schwester der Anna Maria Ernestina (1693−1720), die Donato Giuseppe Frisoni heiratet, und demnach 1683 in Prag als Allio de Löwenthal geboren.

[12] Auf Empfehlung seiner Onkel Bartolomeo und Carlo Antonio, die hier tätig sind.

[13] Im zweiten Akkordvertrag wird sogar für einige Felder ausdrücklich «Franzess. Laubwerk» verlngt, ein frühes Beispiel vom Übergang in das Laub- und Bandelwerk, wie dies 1700 von Georg Conrad Bodenehr in seinem Werk «Neu Inventiert Französisches Lauber-Buch» vorstellt.

[14] Wichtigster Auftrag ist Schloss Klesheim oder Klessheim, von Johann Bernhard Fischer von Erlach. 1709 stirbt der Bauherr, Fürstbischof Johann Ernst von Thun. Die Bauarbeiten werden eingestellt und die Stuckaturen, nach Rissen von Fischer, nicht vollendet.

[15] Palais Clam-Gallas, Prag. Architekt ist Fischer von Erlach, Baumeister ist der Landsmann Domenico Carnevale.

[16] Ludwigsburg wird seit 1706 als Jagd- und Lustschloss, ab 1715 als Residenz des württembergischen Herzogs Eberhard Ludwig neu gebaut.

[17] Donato Giuseppe Frisoni (1681–1735), verheiratet mit Anna Maria Allio, der Schwester der Ehefrau von Diego Francesco. 

[18] Der Prinzenbau, 1608 von Heinrich Schickhardt begonnen, wird 1711−1715 von Johann Friedrich Nette vor allem innen umgebaut. 1944 zerstört und nur in den Fassaden wieder rekonstruiert, ist heute vom barocken Ausbau nichts mehr erhalten.

[19] 1716 schreibt sie über die Arbeit Carlones, dass «in Frankreich und Italien selbst diese Arbeit nimmer so reichlich und in einem Haus mode seye».

[20] Tommaso Giuseppe Garruo Allio (1684−1751) aus Scaria, Stuckateur, Lehre bei Giovanni Battista Carlone, verheiratet mit Maria Maddalena Carlone, in deutschen Quellen fälschlicherweise als Schwager Diego Francescos bezeichnet.

[21] Luca Antonio Colomba (1674−1737) aus Arogno heiratet 1712 Anna Maria Carlone.

[22] Schon anwesende Künstler sind: Der Wessobrunner Stuckateur Franz Schmuzer (seit 1718). Cosmas Damian Asam, der ab 1719 die Fresken malt. Joseph Anton Feuchtmayer, der 1720−1724 das Chorgestühl erstellt .

[23] Giacomo Antonio Corbellini (1674−1742) aus Laino Val d’Intelvi, Stuckateur und Meister der Scagliola-Technik. Seine Tochter Caterina wird die Ehefrau von Carlo Innocenzo Carlone.

[24] Die Arbeit wird mit 1200 Gulden vergütet. Die Verköstigung an der Hoftafel wird mit 29 Gulden intern abgerechnet. Der Beizug von Carlone ergibt sich aus den engen Verflechtungen der beiden Abteien Weingarten und Einsiedeln.

[25] Leopoldo Retti (1704−1751) aus Laino Val d’Intelvi, Neffe von Frisoni und Bruder von Paolo Retti, dem Schwiegersohn von Diego Francesco Carlone. 1735 erreicht er dank Zahlung der unglaublich hohen Summe von 110 000 Gulden, die er zusammen mit seinem älteren Bruder Donato Riccardo, seinem Schwager Giovanni Pietro Scotti und den Brüdern Carlone aufbringt, die Freilassung von Donato Giuseppe Frisoni und Paolo Retti aus der Festungshaft.

[26] Abt Nikolaus Imfeld vermerkt die Aufenthalte Carlones jeweils bis in den Oktober. 1737 schreibt er, Carlone «hatte den Tisch bey der Tafel, dessen Sohn aber bey den Hofbrüdern per 19 Wuchen oder bis in den 22. October». Das heisst, dass Vater und Sohn Carlone Anfang Juni 1737 in Einsiedeln eingetroffen sind. Für die dreijährige Arbeit in Einsiedeln notiert Abt Nikolaus Akkordzahlungen von 3237 Gulden.

[27] Für die Figuren für den Meinrads- und Benediktsaltar werden 200 Louisdor oder 1480 Gulden bezahlt. Für die beiden aus Como gelieferten Altarblätter zahlt der Abt an Carlo Innocenzo 1010 Gulden.

[28] Joseph Anton Feuchtmayer (1696−1770) arbeitet gleichzeitig in Weingarten und Einsiedeln. Ein Vergleich der Altarplastiken von Weingarten und der Birnau zeigt die Vorbildfunktion Carlones.

[29] Egid Quirin Asam (1692−1750), Johann Joseph Christian (1706−1777), Johann Baptist Zimmermann (1680−1758).

[30] Der Auftrag für Genua betrifft die Kirche S. Maria in Carignano. Er umfasst die Herstellung von 12 Kirchenlehrer- und Apostelstatuen nach einem Entwurf eines dortigen Bildhauers, die 1739 bezahlt werden.

  Diego Francesco Carlone (um 1674–1750)  
  Biografische Daten        
  Geburtsdatum Geburtsort     Land  
  1674 Scaria Val d'Intelvi   Prov. Como I  
    Land 18.Jh.     Bistum 18.Jh.  
    Herzogtum Mailand   Como  
  Sterbedatum Sterbeort     Land  
  25. Juni 1750 Scaria Val d'Intelvi   Prov. Como I  
    Land 18. Jh.     Bistum 18. Jh.  
    Herzogtum Mailand   Como  
  Kurzbiografie        
  Die Mitglieder der Familie Carlone (oder Carloni) aus Scaria prägen als Baumeister und Stuckateure, in Gemeinschaft mit der verwandten Familie d'Allio, die hochbarocke Baukunst in Österreich entscheidend. Mit den Arbeiten in Passau und Waldsassen beginnen sie sich nach Westen auszudehnen. Diego Francesco, Stuckateur und Bildhauer der vierten Generation,  beginnt um 1700 in der Oberpfalz mit eigenen Arbeiten. Ein weiterer Verwandter, Donato Giuseppe Frisoni, holt ihn nach Ludwigsburg und Weingarten, dann folgen Aufträge in Einsiedeln, bevor er sich 1738 in seine Heimat zurückzieht. Seine Arbeiten beinflussen die jüngeren süddeutschen Stuckateure wie Egid Quirin Asam und Joseph Anton Feuchtmayer.     CarloneWeingarten  
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1723–1725 arbeitet Diego Francesco Carlone an der bildhauerischen Ausstattung der Stiftskirche Weingarten. Im Auszug des Hochaltars über dem Glorienfenster schwebt auf weissen Stuckwolken der hl. Benedikt. Die ihn umgebenden Engel halten seine Attribute. Der mächtige Hochaltar in rotem Stuckmarmor ist ein Werk seines Landsmanns Giacomo Antonio Corbellini.
Bild: Wikipedia by author Andreas Praefcke.