Das Porträt von Michael Thumb zeigt ihn im Alter von 47 Jahren. Um diese Zeit ist er in Zwiefalten und Obermarchtal tätig.
Bildquelle: Wikipedia.

Michael Thumb (1640−1690)

Vorarlberger Baumeister

Schüler von Michael Beer
Michael Thumb wird 1640 als Sohn des Maurermeisters Peter Thumb I und der Barbara Beer in Au-Argenau im Bregenzerwald geboren. Das Geburtsjahr leitet sich von einem Porträt des Jahres 1687 ab, das mit dem Vermerk «Aetatis Suae 47» auf sein Geburtsjahr hinweist. Er lernt Maurer und Steinmetz, wahrscheinlich bei Michael Beer.[1] Auch sein jüngerer Bruder Christian geht bei Michael Beer in die Lehre.[2] 1659 wird Michael Thumb in der Auer Zunft aufgeführt. Er bildet 1663−1664 seinen Bruder Christian zum Steinmetz aus. Im Bautrupp des Michael Beer arbeitet er als Palier. Dieser beginnt 1665 gleich drei Konventneubauten in Rottenmünster, Kreuzlingen und Landshut. 1666 ertrinkt Michael Beer auf der Rückreise von Ebersberg beim Überqueren der Bregenzer Ach. Für die Weiterführung der begonnenen Neubauten sind jetzt die jeweiligen Paliere verantwortlich.[3] Michael Thumb leitet deshalb zusammen mit Peter Willi die Fertigstellung der Bauten in der Zisterzienserinnenabtei Rottenmünster bei Rottweil und ist im Jesuitenkolleg in Landshut tätig. Hier ist er 1666−1670 Baumeister der weiteren drei Flügel. Schon 1668 erhält er von der Jesuitenniederlassung Mindelheim einen weiteren Auftrag. Es ist sein erster eigener Auftrag. Der Arbeitsakkord für den Neubau des Ostflügels lautet auf 750 Gulden. 1679−1671 baut er auch die weitern Flügel für 1200 Gulden. Wahrscheinlich ist es dieser Auftrag und die Empfehlungen aus Jesuitenkreisen, die den Propst der Chorherren-Reichsabtei Wettenhausen bewegen, mit dem Vorarlberger 1670 die Umbauten und Erweiterungen der Konventbauten und den Neubau des Kirchenlanghauses in Wettenhausen zu wagen.

Familie
1670 heiratet Michael Thumb in Bezau Christina Feurstein. Er nimmt auch in Bezau Wohnsitz. Das Ehepaar hat zwischen 1671 und 1686 sechs Kinder. Zwei Söhne machen die Lehre als Maurer und Steinmetz.[4] Der erstgeborene Gabriel wird später die ersten Bauwerke in Lachen und Ebermünster unter der Leitung seines jüngeren Bruders Peter erstellen, dieser wird einer der gesuchtesten Baumeister in der Zeit nach dem spanischen Erbfolgekrieg.

Wettenhausen und Valerian Brenner

1670−1690 entsteht die neue Klosteranlage in Wettenhausen. Das erste Kirchenbauwerk von Michael Thumb ist 1680 eingewölbt und wird 1687 eingeweiht. Thumb fügt an den bestehenden Chor ein beeindruckendes Langhaus mit hohem Längstonnengewölbe und einer «Mittelkreuzung» durch zwei querhausartige Annexe. Mit diesem Bauwerk hat Thumb auch seine Kompetenz im Sakralbau bewiesen und begründet die spätere Vorherrschaft der Vorarlberger und Wessobrunner in Schwaben. Dazu trägt auch sein Schüler Valerian Brenner bei.[5] Er wird schon in Wettenhausen als Palier vermutet und ist dies bei vielen Folgeaufträgen für Michael Thumb im Bistum Augsburg, so beim Neubau des Franziskanerinnenklosters in Günzburg und bei Bauten für das Augustiner-Chorherrenstift Heilig Kreuz in Augsburg. Beide Aufträge laufen gleichzeitig mit Wettenhausen. Selbst für die Wallfahrtskirche in Grafrath wird Brenner, nun schon längst selbstständiger Baumeister für das Domkapitel Augsburg, noch als Palier von Michael Thumb genannt. Thumb ist inzwischen auf die guten Stellvertreter an Ort angewiesen, denn die Aufträge überhäufen sich nach dem Ende des Holländischen Krieges vor allem in Oberschwaben.[6] Auch im kurbayrischen Raum, in dem sonst noch immer die Baumeister aus dem Misox die Vorherrschaft haben, kann er für geistliche Bauherren bauen. So erteilt ihm der Propst des Augustiner-Chorherrenstifts Diessen 1681 den Auftrag für den Klosterneubau. Anschliessend kann er für den gleichen Bauherrn die schon erwähnte Wallfahrtskirche in Grafrath bauen. Dass Thumb diese Bauten der Augustiner-Chorherren in Augsburg und Diessen den Empfehlungen des bekannten Wettenhausener Propstes Dionysius von Rehlingen verdankt, liegt auf der Hand.

Zwiefalten und Franz Beer II
Seit 1681 ist Michael Thumb auch für die Benediktinerabtei Zwiefalten tätig. Er baut für Zwiefalten vorerst das Torgebäude, kann dann 1682−1684 die drei Konventflügel für das Benediktinerinnenkloster Mariaberg erstellen, und schliesst 1684 den Akkord für den Bau des Ostflügels im Kloster Zwiefalten. Die Gesamtplanung stammt hier vom Misoxer Baumeister Tommaso Comacio, der bis zum Kriegsausbruch auch den Westflügel mit den markanten Eckflügelbauten errichten kann. Thumb führt die Planung Comacios getreulich weiter. Die Eckflügelbauten von Zwiefalten finden sich später nicht nur in Obermarchtal, sondern auch an vielen Klosterbauwerken seines Paliers und Neffen Franz Beer II, der in Zwiefalten tätig ist und mit der Klosterkirche von Mariaberg 1682 seinen ersten eigenen Auftrag übernimmt, damit allerdings auch Spannungen mit seinem Onkel provoziert.

Ellwangen und Br. Heinrich Mayer SJ
Der Jesuitenbaumeister Heinrich Mayer, in Baukunst gebildet, ein guter Zeichner, auch Altarbauer, als Stuckateur den damaligen besten Meistern ebenbürtig und in der Gewölbetechnik überlegen, steht am Anfang der spezifisch den Vorarlberger Baumeistern zugeordneten Kirchenbauten im Wandpfeiler-Emporen-Schema.[7] Michael Thumb lernt den fast gleichalterigen Mayer schon 1672 als ihm vorgesetzten Leiter in Landshut kennen. Mayer hält sich 1672−1682 in Luzern auf, von wo er auch die Jesuitenkirche in Solothurn plant und ihren Bau bis 1682 leitet. Dann wird er 1683 vom Ordensgeneral nach Ellwangen versetzt. Hier baut Michael Thumb schon im zweiten Sommer an der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg. Es ist seine erste Wandpfeilerkirche mit Emporenumgang, wie sie Br. Heinrich Mayer gleichzeitig in Solothurn baut. Offensichtlich traut man in Rom dem Jesuitenbaumeister mehr zu und empfiehlt dem Fürstpropst von Ellwangen die Entlassung Thumbs als Planer. Sein Bruder Christian, der dort als Palier tätig ist, übernimmt die Ausführung ab 1684 nach den geänderten Plänen Mayers, der den Innenraum erhöht und ihm die durch die Freistellung der Pfeiler die Lichtrahmenschicht gibt, die später zum Vorarlberger Repertoire gehören soll.

Obermarchtal
Abt Nikolaus Wirieth der Prämonstratenserabtei Marchtal, wie der Probst von Wettenhausen auch ein Freund jesuitischer Spiritualiät und ebenfalls jesuitisch geschult, schliesst im April 1684 einen Akkord mit Michael Thumb für den Neubau der Stiftskirche. Das Bauwerk wird 1686−1689 im Rohbau erstellt. In einem kompakten Baukörper zeigt es im Längsschiff und den wenig vorstehenden Querschiffen wieder den Typus der Wandpfeilerkirche mit Emporenumgang, während im Chor Freipfeiler über den Emporen zu finden sind. Die Stiftskirche kann als Ausgangspunkt der Vorarlberger Kirchenbauwerke der nächsten Generation bezeichnet werden. Tatsächlich verdankt sie aber nur die Ausführung und die entsprechende Detailplanung Michael Thumb und seinem Bruder Christian, der eigentliche Entwurf  und vor allem das Modell stammen wieder vom Jesuitenbaumeister Heinrich Mayer. Mayer bespricht vom 8. bis zum 12. Juni 1683 seine Kirchenplanung mit dem Abt und liefert zum Vertragsabschluss mit dem Vorarlberger im April 1684 auch das Ausführungsmodell.[8] Erst 1685 folgen die ersten Zahlungen an Michael Thumb für Planungen. Es sind die Ausführungspläne für den Kirchen- und Konventneubau. Der Konventbau, dessen Westflügel gleichzeitig mit der Kirche beendet wird, zeigt die vorstehenden Eckflügelbauten des Tommaso Comacio von Zwiefalten, die Thumb hier nochmals übernimmt.

Michael Thumb als Baumeisterpersönlichkeit
Der Vorarlberger Baumeister stirbt am 2. Februar 1690 in Bezau, «im besten Mannesalter», wie im Eintrag vermerkt wird, nur wenige Tage nach dem Tod seiner Ehefrau. Von seinem guten Ruf und seiner unternehmerischen Aufbauarbeit im deutschen Südwesten profitiert die nachfolgende Vorarlberger Baumeistergeneration. Sein Bruder Christian, sein Neffe Franz Beer und später auch sein Sohn Peter können die guten Beziehungen zu den Prälaten im Süden des Reiches festigen und bewähren sich als eigenständige Interpreten der spätbarocken Anregungen aus Salzburg, Wien und Prag. Das Wirken von Michael Thumb liegt vor dieser innovativen Phase des Barock. Die Einordnung seiner Bauten in die süddeutsche Architektur muss im zeitlichen Vergleich mit Bauwerken seiner Zeitgenossen erfolgen. Sie sind vor allem in den kriegsverschonten Ländern Böhmens, Österreichs und den angrenzenden Fürstbistümern Passau und Salzburg zu finden. Für den anspruchsvollen Bau der Residenzen und Klöster sind deutsche Baumeister um 1670 bis 1690 schwer zu finden. Die den Spätbarock prägenden Baumeister Johann Lucas von Hildebrand und Johann Bernhard Fischer von Erlach sind noch nicht aus Italien zurückgekehrt. Es sind italienische Baumeister wie Carlo Lurago oder die Carloni aus dem Val d’Intelvi, welche die Kirchen, Klöster und Paläste bauen und auch stuckieren.[9] In Kurbayern wirken Misoxer Baumeister wie Enrico Zuccalli und Antonio Viscardi.[10] Noch immer vertreten sie den römischen Hochbarock in der Nachfolge Berninis. Selbst in Prag, wo Guarino Guarini wirkt, beginnt sich die neue spätbarocke, bewegte Architektur erst nach 1690 durchzusetzen. Schon vorher ebnen deutsche Jesuiten und ihre Baumeister den Weg für die lichterfüllte Wandpfeilerkirche. Thumb ist in ihrem Umkreis und mit ihrer Förderung gross geworden. Er übernimmt bereitwillig die Vorgaben der architekturtheoretisch besser gebildeten und italienerfahrenen Jesuiten und Prälaten.[11] Seine Bauwerke sind überzeugende Rezeptionen dieser Vorgaben. Sie sind ebenbürtig mit den Werken der wenigen deutschsprachigen Baumeister, die zeitgleich für grosse Bauvorhaben beigezogen werden.[12] Thumb sieht sich selbst eher als Praktiker und Unternehmer. Das eingangs erwähnte Porträt, das ihn in Halbfigur im Alter von 47 Jahren darstellt, spricht dafür. Im dunkelgrauem Rock, ein um den Hals geschlungenes spitzenbesetztes Tuch tragend, blickt er ernst und skeptisch zum Betrachter. Dichtes und eher wildes Naturhaar und ein schmaler Oberlippenbart unterstrichen seine Herkunft aus der bürgerlichen Schicht, die er nicht verleugnen will. In der rechten Hand hält er eine Rose. Nur gerade ein über den kleinen Finger hängender kleiner Zirkel weist versteckt auf seine planerische Tätigkeit hin.
Pius Bieri 2012

Literatur:
Lieb, Norbert und Dieth, Franz: Die Vorarlberger Barockbaumeister. München-Zürich 1966.
Oechslin, Werner: Die Vorarlberger Barockbaumeister, Ausstellungskatalog. Einsiedeln 1973.
Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Thumb

Anmerkungen:


[1] Michael Beer (um 1605−1666), Gründer der Auer Zunft, kommt 1650 nach der Lehrzeit in Niederösterreich und Wanderjahren wieder zurück und beginnt 1651−1654 die Stiftskirche von Kempten, kann dann 1661 den Westflügel des Benediktinerpriorats Hofen bei Buchhorn (heute Friedrichshafen) bauen und ist anschliessend gesuchter Baumeister in Schwaben.

[2] Johann Christian Thumb, er macht 1656−1659 die Lehre als Maurer bei Michael Beer. Sein Geburtsjahr wird von Lieb richtig mit «um 1640» angegeben, während alle weiteren Publikationen und auch das Meisterverzeichnis in «Die Vorarlberger Baumeister» 1645 nennen, was bedeuten würde, dass er mit 14 Jahren von Meister Michael Beer lediggesprochen wird.

[3] In Rottenmünster und Landshut sind es Michael Thumb und Peter Willi. Sie stellen die Bauwerke gemeinsam fertig. Kreuzlingen wird von Jakob Sailer weitergeführt. In Ebersberg ist es Johannes Moosbrugger

[4] Gabriel Thumb (1671−1715) und Peter Thumb II (1681−1763).

[5] Valerian Brenner (1652−1715), seit 1687 in Augsburger Diensten, 1692 «Fürstbischöflich Augsburgischer Baumeister».

[6] Der Holländische Krieg (1672−1679) ist der erste Angriffskrieg des französischen Königs Louis XIV gegen das Reich, der auch  in Oberschwaben wegen Kriegshandlungen und Kontributionszahlungen zu Flucht und Stillstand führt. Relativ unbelastet bleibt nur der Raum östlich der Iller.

[7] Br. Heinrich Mayer (1636−1692). Er ist der eigentliche Schöpfer der Jesuitenkirche von Luzern, indem er 1672−1681 den Rohbau (mit basilikalem Querschnitt) hochbarock umgestaltet. In Solothurn ist er 1679−1680 Planer der Wandpfeiler-Emporenkirche der Jesuiten, dem frühesten Bauwerk des später als «Vorarlberger-Münsterbau-Schema» bezeichneten Kirchenbautypus mit Wandpfeiler-Emporen-Konstruktion und angedeutetem Querhaus.

[8] Die Quellen dieser bisher falsch dargestellten Abläufe sind durch Wilfried Schöntag aufgeführt in: Germania Sacra, Dritte Folge 5: Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz: Das Bistum Konstanz 6: Das reichsunmittelbare Prämonstratenserstift  Marchtal. Berlin und Boston 2012.

[9] Carlo Lurago (1615−1684) aus Pellio. Carlo Antonio Carloni (1635−1708) und Giovanni Battista Carloni (um 1642−1721), beide aus Scaria. Im Gegensatz zu den Vorarlberger sind sie auch schöpferische Stuckateure.

[10] Enrico Zuccalli (1642−1724) aus Roveredo. Antonio Viscardi (1645−1713) aus San Vittore.

[11] Die Sammlung von Architekturtraktaten und aktuellen gedruckten Bauveröffentlichungen in den Klosterbibliotheken ist meist aktuell und dürfte auch von Thumb benutzt worden sein. In Einsiedeln liegt in der Bibliothek das 1663 in Augsburg erschienene Architekturtraktat des Joseph Furttenbach. Das Buch ist als Geschenk von Abt Nikolaus Wirieth aus Obermarchtal vermerkt, der es vor 1679 dem ebenfalls an einem Klosterneubau interessierten Abt Augustin II. Reding schenkt.

[12] Dazu gehören Georg Dientzenhofer (1643−1689) in Prag, mit dem Hauptwerk Waldsassen, das noch von der Architektur Luragos in Passau geprägt ist; Johann Schmuzer (1642−1701) aus Wessobrunn, Stuckateur-Baumeister, sein Hauptwerk ist die Wallfahrtskirche Vilgertshofen; Johann Georg Kuen (1642–1691) aus Bregenz, ebenfalls ein Vorarlberger, sein Hauptwerk ist die Klosterkirche Pfäfers. Johann Jakob Herkommer (1652−1717) in Füssen, ist zwar schon 1685 aus Italien zurückgekehrt, kann aber bis 1690 nur die Kapelle in Sameister bauen.

 

Werke von Michael Thumb:
Nach Franz Dieth und Norbert Lieb in: Vorarlberger Barockbaumeister, mit ergänzenden Einordnungen.

Jahr Arbeitsort und Werk Bemerkungen
1666−1669 Rottenmünster bei Rottweil, Zisterzienserinnen-Reichsabtei.
Konventneubau.
Ausführung seit 1661 mit Michael Beer. Nach dessen Tod 1666 Weiterführung der Arbeiten gemeinsam mit Peter Willi.
1666−1670 Landshut. Jesuitenkolleg. Neubau. Auftrag an Michael Beer. Bau des Südflügels 1665. Gesamtleitung Br. Heinrich Mayer SJ.
1668−1671 Mindelheim. Jesuitenkolleg. Neubau. Erster eigener Auftrag. Akkordsumme 1900 Gulden. Planung seit 1630 vorhanden.
1670−1686 Wettenhausen. Augustiner-Chorherren-Reichspropstei. Neubau Kirchenlanghaus und Umbau Chor, Umbau Konvent und Neubau Südflügel. Bauherr ist Dionysius von Rehlingen aus Augsburg, ein stark mit den Dillinger Jesuiten verbundener Prälat. Planung und Abbruch 1669. Fertigstellung der Kirche und des Konventbaus bis um 1680 (Ausstattung bis 1685), des Südflügels bis um 1686 (Stuckausstattung bis 1694). Palier ist wahrscheinlich Valerian Brenner.
1674−1677 Bregenz. Franziskanerinnenkloster Thalbach. Neubau Nordwestflügel. Die Klosterkirche ist ein Bau (1604−1605) des Misoxers Giovanni Domenico Prato. An Michael Thumb wird der Konventbau verdingt, er kann aber nur den Nordwestflügel bauen, zwei Flügel baut Michael Kuen aus Bregenz.
1674−1677 Günzburg. Franziskanerinnenkloster. Neubau. Das Kloster brennt 1735 ab und wird mit Verwendung der Grundmauern wieder aufgebaut. Seit 1758 Institut der Englischen Fräulein. Palier ist Michael Natter.
1676−1677 Augsburg. Augustiner-Chorherrenstift Heilig Kreuz. Turmoberbau. Palier ist Valerian Brenner.
1676−1677 Weingarten. Benediktinerabtei. Noviziatsgebäude. Neubau. Der Bau wird 1879 abgebrochen.
1681−1688 Diessen am Ammersee. Augustiner-Chorherrenstift. Neubau Konventgebäude. Palier ist Michael II Natter.
1682−1683 Ellwangen. Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg. Neubau. Bauträger ist die Fürstpropstei. Bauherr ist das Jesuitenkolleg. 1683 Ablösung von Michael Thumb durch Br. Heinrich Mayer SJ. Bauausführung bis 1685 durch Christian Thumb.
1682−1684 Mariaberg bei Gammertingen. Benediktinerinnenkloster. Neubau Konventgebäude. Bauträger ist das Kloster Zwiefalten. Palier ist Franz Beer II. Dieser erhält hier 1684 mit dem Neubau der Klosterkirche seinen ersten Auftrag.
1683−1687 Augsburg. Augustiner-Chorherrenstift Heilig Kreuz. Neubau Prälatur. Palier ist Valerian Brenner.
1684−1690 Zwiefalten. Benediktinerabtei. Neubau des Ostflügels. Die Gesamtanlage ist eine Planung von Tommaso Comacio.
1685−1701 Obermarchtal. Prämonstratenserabtei. Neubau der Stiftskirche und des Westflügels mit Sakristei und Kapitelsaal. Gesamtplanung der Konventanlage. Vertrag 1684. Zu diesem Zeitpunkt hat aber Br. Heinrich Mayer bereits das Modell nach seiner Planung von 1683 abgeliefert, das die Grundlage des Vertrages bildet. Ausführungsplanung Thumb 1685. Baubeginn 1686. Fertigstellung durch Franz Beer II mit Christian Thumb. Die Gesamtplanung erfolgt auf den Grundlagen der Planung von Tommaso Comacio.
1688 Villingen. Benediktinerabtei
St. Georgen. Stiftskirche St. Georg. Neubau.
Planung und Baubeginn 1688. Einwölbung erst 1714.
1688−1695 Edelstetten. Adeliges Damenstift. Neubau der Konventflügel. Der Bau wird nach 1690 vom Palier Ambrosius Willam (1653−1708) weitergeführt. Die Kirche wird 1709−1712 von P. Christoph Vogt OSB und Simpert Kramer gebaut.
1688−1695 Grafrath. Wallfahrtskirche St. Rasso. Neubau. Bauherr ist das Augustiner-Chorherrenstift Diessen am Ammersee. Der Bau wird von Palier Michael Natter weitergeführt.
1690−1694 Wettenhausen. Augustiner-Chorherren-Reichspropstei. Neubau Prälatur. An Südflügel nachträglich vorgebaut. Planung Thumb, Vollendung wahrscheinlich durch Valerian Brenner.

Zuschreibungen an Michael Thumb:
Nach Franz Dieth und Norbert Lieb in: Vorarlberger Barockbaumeister, mit ergänzenden Einordnungen.

Jahr Arbeitsort und Werk Bemerkungen
1682−1702 Rot an der Rot. Prämonstratenserabtei. Neubau Konvent und Türme. Bauherr und Planer ist Abt Martin Ertle. Die Ausführung durch Michael Thumb ist eine Zuschreibung von Franz Dieth und Norbert Lieb.
1679−1681 Altenstadt bei Feldkirch. Dominikanerinnenkloster. Neubau. Zuschreibung Franz Dieth und Norbert Lieb
1680 Donauwörth. Benediktinerabtei Heilig Kreuz. Neubau des Westflügels. Zuschreibung Gabriele Dischinger, die an Thumb auch den Gesamtentwurf der Anlage zuschreibt.
1681−1683 Ellwangen. Jesuitenkolleg. Neubau des  «Altes Haus». Mit Bruder Christian Thumb. (Nennung von Norbert Lieb, das Bauwerk ist in Ellwangen nicht zu eruieren).
1682−1692 Weggental bei Rottenburg am Neckar. Wallfahrtskirche. Neubau. Bauherr ist das Jesuitenkolleg Rottenburg. Valerian Brenner wird (Baumeister im Unterakkord?) genannt.
1684–1686 Wattenweiler. Wallfahrtskirche Maria Eich (Maria Feldblume). Neubau. Bauherr ist der Wettenhausener Propst Dionysius von Rehlingen. Doppelturmfront nicht ausgeführt.
1688−1690 Hofen bei Buchhorn (heute Friedrichshafen). Benediktinerpriorat. «Gästebau». 1695 beginnt Christian Thumb mit dem Neubau von Kloster und Kirche. Er berücksichtigt den bestehenden «Neuen Bau» von Michael Beer (1661). Ein erst fünfjähriger Neubau von Michael Thumb ist in der Baugeschichte nicht erwähnt.
1688 Baach bei Zwiefalten. Kapelle St. Stephan. Zuschreibung.
1688 Ellwangen. Palais Adelmann. Neubau. Die Zuschreibung an Michael Thumb kann nur die Bauausführung betreffen und ist wahrscheinlich falsch. Die Planung stammt von Br. Heinrich Mayer SJ.

 

  Michael Thumb (1640−1690)  
  Biografische Daten        
  Geburtsdatum Geburtsort     Land  
  1640 Au-Argenau     Vorarlberg, A  
    Land 18.Jh.     Bistum 18.Jh.  
    Vorderösterreich , OA Bregenz     Konstanz  
  Sterbedatum Sterbeort     Land  
  2. Februar 1690 Bezau     Vorarlberg A  
    Land 18. Jh.     Bistum 18. Jh.  
    Vorderösterreich , OA Bregenz     Konstanz  
  Kurzbiografie        
  Michael Thumb kann die Aufbauarbeit seines Lehrmeisters Michael Beer nutzen und die Stellung der Vorarlberger Baumeister im oberdeutschen Gebiet festigen. In Wettenhausen baut er den ersten grossen Kirchenraum der Vorarlberger. In Obermarchtal übernimmt er von den Jesuiten den Typus der Wandpfeiler-Emporenkirche und schafft damit die Basis der Kirchenbauten seiner Nachfolger.

Seine Hauptwerke
Stift Wettenhausen: Kloster- und Kirchenneubau.
Ellwangen: Kirche auf dem Schönenberg (mit Br. Heinrich Mayer)
Abtei Zwiefalten: Torbau und Ostflügel.
Abtei Obermarchtal: Kirchenneubau (Modell Br. Heinrich Mayer).
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