Die Meister des Bauwerks
Name Herkunft Text   Tätigkeit von   bis
Valerian Brenner (1652–1715) Au Vorarlberg ok   Baumeister-Architekt 1692   1695
Michael Wiedemann (1661−1703) Unterelchingen 0k   Baumeister-Architekt 1699   1703
Johann Schmuzer (1642–1701), Zuschreibung Wessobrunn     Stuckateur ~1700   ~1701
Melchior Paulus (1669–1745) Ellwangen     Stuckateur 1717   1717
Dominikus Zimmermann (1685–1766) Wessobrunn ok   Stuckateur 1719   1719
Johann Baptist Zimmermann (1680–1758) Wessobrunn Wikipedia   Maler und Stuckateur 1719   1719
Balthasar Neumann (1687–1753) Eger Böhmen ok   Ingenieur-Architekt 1747   1750
Dominikus Wiedemann (1715−1785) Ehingen     Baumeister-Architekt 1748   1756
Franz Ignaz Michael Neumann (1733−1785) Würzburg     Ingenieur-Architekt 1755   1755
Johann Baptist Wiedemann (1715−1773) Unterbechingen bei Lauingen Wiedemann   Baumeister-Architekt 1759   1770
Martin Knoller (1725−1804) Steinach am Brenner Knoller   Maler und Freskant 1770   1775
Thomas Schaidhauf (1735−1807) Raisting (Wessobrunn)     Stuckateur, Bildhauer 1775   1793
Johann Nepomuk Holzhey (1741−1809) Ottobeuren ok   Orgelbauer 1792   1797

Neresheim

Benediktinerabtei und Kirche St. Ulrich und Afra [1]

Stiftung von Graf Hartmann I. von Dillingen-Kyburg
Auf halbem Weg zwischen Dillingen und Ellwangen, auf einer kargen Karsthochfläche südwestlich des Nördlinger Ries, besitzen die Grafen von Dillingen den Eigensitz «Nöresheim», erhöht über dem wahrscheinlich älteren gleichnamigen Ort gelegen. Die Erhöhung wird Ulrichsberg genannt. Der Name stammt von einer schon vorhandenen Kapelle zu Ehren des heiligen Ulrich von Augsburg, einem Vorfahren der Dillinger Grafen. 1095 stiftet Graf Hartmann I. von Dillingen-Kyburg und seine Gemahlin Adelheid von Winterthur-Kyburg an dieser Stelle ein Kanonikerstift.[2] Patrone sind jetzt nebst dem heiligen Ulrich auch die  heilige Afra, die Augsburger Bistumspatronin. Die Neugründung floriert nicht. Schon 1106 überträgt Hartmann I. dem Petershausener Abt Dietrich von Wülflingen eine Neubesiedlung durch Benediktinermönche aus dem Reformkloster Hirsau. Der grosse Abt aus Petershausen ist treibende Kraft der Erneuerung des  vorerst als Priorat geführten Konventes.[3] Inzwischen lebt das Stifterehepaar, das die Grafschaft Thurgau von den Söhnen auf der Kyburg verwalten lässt, wieder auf den Besitzungen in der Donaugegend. 1118 stirbt die Stifterin Adelheid. Sie wird in der Stiftskirche von Neresheim beerdigt. Der Stifter Hartmann I. von Dillingen-Kyburg, nun schon in hohem Alter, verbringt anschliessend die wenigen Jahre bis zu seinem Tod als Laienbruder im Kloster Neresheim.
An ihn erinnert noch die Grablege in der neuen Kirche zu Neresheim. 1782 wird beim Abbruch der alten Kirche das Stiftergrab aufgehoben und die Gebeine unter die Orgelempore der neuen Kirche verlegt. Zwei Grabplatten sind heute im Kreuzgang zu finden. Die plastisch gestaltete Grabplatte stammt vermutlich von einem Tischgrab.[4]

Neresheim und Zwiefalten
Inzwischen sind die Kinder des Klosterstifters die Förderer der Abtei in Neresheim. Seine Söhne Hartmann II. und Adalbert I. üben Herrschaftsrechte in ihren Grafschaften aus, wobei Adalbert als Kyburger Graf die Besitzungen in der Nordschweiz vergrössert und Hartmann den Stammbesitz an der Donau verwaltet. Die Tochter Mathilde steht einem Frauenkonvent in Neresheim vor.[5] Die Tochter Adelheid stiftet um 1111 in Zwiefalten ein Frauenkloster mit der Benediktinerregel und wird erste Priorin. In das neue Kloster tritt auch die dritte Schwester Hedwig ein. Der Sohn Ulrich, seit 1111 Bischof von Konstanz, bewegt nach dem Tod des Reformabtes Dietrich von Petershausen 1116 den Neresheimer Abt Wernher von Altshausen zur Rückkehr nach Petershausen. Zusammen mit Bruder Hartmann II kann er den Prior von Zwiefalten, Heinrich von Herrieden, als neuen Abt in Neresheim gewinnen. Mit ihm kommen 1119 weitere Mönche aus Zwiefalten, um die Stiftung der Grafen von Dillingen-Kyburg in Neresheim aufzufrischen. Der Kreis Petershausen - Zwiefalten - Neresheim - Konstanz schliesst sich so.[6] In der Jahrhundertmitte erlebt Neresheim eine erste Blüte und hat mehr als 30 Mönche.

Die Abtei im Spätmittelalter und in der Reformation
Sind die Geschichtsquellen über die Gründung und die ersten Vorsteher bis heute noch recht widersprüchlich, auch wegen Missachtung neuerer Forschungen, so ergibt sich für die Jahrhunderte bis zum Dreissigjährigen Krieg ein besser dokumentiertes Bild der Entwicklung des Klosters. Es zeigt den üblichen Verfall des Klosterlebens im 13. und 14. Jahrhundert. Brandschatzungen durch den Stauferkönig Konrad in den Jahren 1346 und 1349 sind Folge der Verwicklungen der Dillinger Grafen im Machtkampf der papstfreundlichen Welfen gegen die Stauferkaiser. Auf der Seite der Welfen stehen die Dillinger, auf der Seite der Staufer die benachbarten Grafen von Oettingen.[7] 1258 übernimmt der Augsburger Fürstbischof Hartmann V. von Dillingen als letzter der Familie das Erbe und überträgt einen Teil der grossen Besitzungen an das Hochstift Augsburg. Dieses ist bei den Grafen von Oettingen hoch verschuldet und muss die Vogtei der Abtei Neresheim bis zur Schuldenrückzahlung an Oettingen abtreten. Bis zum Tod des letzten Dillingers 1286 erfolgen diese Zahlungen nicht, die Vogtei bleibt bei Oettingen. Erst 500 Jahre später kann sich Neresheim die Unabhängigkeit erkaufen. Zwistigkeiten mit den Grafen von Oettingen sind jetzt an der Tagesordnung und erreichen 1353 mit der Gefangennahem des Abtes auf der Burg Wallerstein ihren Höhepunkt. Der Tiefpunkt des Klosterlebens in der nur noch von wenigen Mönchen bewohnten Abtei wird 1380−1392 mit einem internen Schisma und einem Klosterbrand erreicht. Erst Ende des 15. Jahrhunderts tritt mit der Annahme der Melker Reform eine Besserung ein. 1510−1545 sichern zwei vorzügliche Äbte, Johann II. und Mathias, das Überleben des Klosters in der Reformationszeit. Von den kriegerischen Auseinandersetzungen werden aber auch sie nicht verschont. Wieder ist das nun in eine protestantische und katholische Linie gespaltene Haus Oettingen Hauptakteur von Überfällen, Verwüstungen und Verschleppungen. Der 1583 in München abgeschlossene Vergleich der Abtei mit dem Grafenhaus sorgt für immerhin 100 Jahre friedlicher Koexistenz.

Abt Benedikt I. Rohrer, der neue Turm und der Dreissigjährige Krieg
Der 1616 gewählte Abt übernimmt einen geordneten Klosterhaushalt mit einem auf hohem Niveau stehenden Konvent. Der Vorgänger Melchior Hänlin hat Neresheim in seinen 32 Regierungsjahren zum Ruf «einer wahren Pflanzschule der vortrefflichsten Männer» verholfen. Abt Benedikt nimmt sofort tatkräftig die bauliche Erneuerung des mittelalterlichen Klosters an die Hand. Der romanischen Stiftskirche im nordwestlichen Seitenschiff vorgesetzt lässt er 1617−1627 einen neuen Glockenturm erstellen. Den einfachen romanischen Turm im südwestlichen Seitenschiff lässt er anschliessend abbrechen. Der neue Turm, der noch heute Wahrzeichen der Abtei ist, gleicht dem kurz vorher vollendeten Turm der Augsburger Abtei St. Ulrich und Afra. Auf dem Relief von Dominikus Zimmermann im Festsaal ist der Turm noch in seiner ursprünglichen Form mit Zwiebelhaube dargestellt.[8] Der Turm ist eine machtvolle Demonstration der beanspruchten Unabhängigkeit von der Vogtei Oettingens, sei es mit dem Verweis auf die reichsfreie Abtei in Augsburg, sei es durch die weithin sichtbare Dominanz. Mit dem Einfügen völlig unmoderner romanischer Blendarkaden und romanischer Zwillingsfenster will der Abt zudem noch auf das hohe Alter der Abtei im Gegensatz zum jungen Hause Oettingen hinweisen. Mit Sicherheit hätte der initiative Abt noch weitere Bauvorhaben in Angriff genommen. Doch der inzwischen ausgebrochene Dreissigjährige Krieg verhindert alles. Seit 1633 sind die Schweden im Land, selbst nach der für die für die Kaiserlichen siegreichen Schlacht bei Nördlingen. Der Abt stirbt 1647 im Exil in Admont. In diesem Jahr halten sich noch vier Mönche im Kloster auf, bei der Abtswahl in Augsburg sind 11 Konventualen wahlberechtigt, fünf sind nur schriftlich vertreten. Erst 1649 ist eine Rückkehr in das immerhin intakt gebliebene Kloster möglich. Aber noch 1664 sind nicht mehr als fünf wahlberechtigte Konventualen vorhanden

Bauabt Simpert Niggl und die barocken Neubauten 1694−1714

Erholung nach 1664
Die Abtei erholt sich dank Neueintritten und kluger Ökonomie unter der Regierung des 1664 gewählten Abtes Benedikt II. Liebhart und vor allem unter seinem Nachfolger Christoph Weiler ungewöhnlich rasch. Grossen Wert legen die Äbte auf den Wiederaufbau verlassener Höfe und deren Besetzung mit neuen Eigentümern. Zwar brennt 1668 die im Osten an die Konventflügel angebaute Prälatur.[9] Sie wird sofort wieder aufgebaut und ist noch heute als Eingangsgebäude erhalten. 1682 wird der erst 28-jährige Simpert Niggl zum Abt gewählt.[10] Seine Regierungszeit ist geprägt von seiner überragenden Persönlichkeit, welche der Abtei grosses Ansehen verschaffen. Er ist auch der erste barocke Bauabt.

Die alte Klosteranlage
Als er die Regierung antritt, zeigt die Klosteranlage noch spätmittelalterliches Gepräge. Die Dreiflügelanlage der Konventbauten ist im Norden durch die romanische Basilika aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts abgeschlossen. Sie ist seit dem 15. Jahrhunderts gotisch umgebaut und hat noch 1569 einen neuen Chor erhalten. An ihrem nordwestlichen Seitenschiff steht der neue Turm von 1627. Der westliche Konventflügel wird mit der schräg abstehenden, nach 1668 wieder aufgebauten Prälatur verlängert. In unregelmässiger Streulage liegen im abfallenden westlichen Vorgelände innerhalb der Klostermauer die Ökonomiebauten.

Barockisierung der Stiftskirche

Als erstes nimmt sich Abt Simpert der Kirche an. Grund ist das 600-jährige Jubiläum der Klostergründung. Das romanische Bauwerk genügt den Anforderungen der barocken Zeit nicht mehr. Als geschulter Wirtschafter kann sich Abt Simpert allerdings einen Kirchenneubau erst anschliessend an die Neubauten der Profangebäude vorstellen. Die meisten der Benediktinerabteien handeln derart.[11] 1692−1695 lässt er deshalb der Westfassade eine barocke Westfassade mit Schweifgiebeln vorblenden und den Innenraum der Basilika stuckieren.[12]  

Der Neubau der Wirtschaftshofes

1694 erteilt er dem Vorarlberger Baumeister Valerian Brenner den Auftrag für den Neubau der westlichen Wirtschaftstrakte.[13]  Brenner fasst die verstreut liegenden Nutzbauten wie Brauerei, Bäckerei, Schmiede, Schlosserei, Wagnerei, Küferei und die Stallgebäude zu einem zweigeschossigen Zweiflügelbau zusammen, dessen schmalerer Südflügel an die Prälatur anschliesst und mit dem langen und tieferen Westflügel den Abschluss eines ebenen Hofes bilden. Die beiden Flügel treten am abfallenden Gelände zum Tal dreigeschossig auf. Damit wirken sie als festungsartige Sockel der höhergelegenen Konventbauten. Das freigestellte Schulgebäude schliesst die Nordseite.[14] Der Wirtschaftshof ist zur Klosterzeit frei von den unnötigen und verunklärenden heutigen Grünanlagen. Er ist auch Eingangshof. Subkonstruktionen und grosszügige Treppenaufgänge, wie sie auf dem Stuckrelief von Dominikus Zimmermann im Festsaal und auf den Stichen des 18. Jahrhunderts zu sehen sind, übernehmen spätestens nach dem Klosterneubau die Höhendifferenz zum freien Hof.

Der Klosterneubau

1699 beginnt Abt Simpert mit dem Klosterneubau. Er verdingt Planung und Ausführung dem Unterelchinger Baumeister Michael Wiedemann.[15]  An der Stelle der alten Klosteranlage, deren dominantestes Profangebäude die viergeschossige Prälatur im Südwesten ist, entsteht jetzt eine im Hofinneren dreigeschossige und dank dem Sockelgeschoss gegen aussen viergeschossig wirkende, geschlossene Barockanlage mit residenzialem Charakter. Vom alten Kloster wird nur die kürzlich umgebaute Prälatur übernommen. Sie wird jetzt vom anschliessenden neuen Konventgeviert um ein Geschoss überragt. Parallel zur alten Kirche baut Wiedemann, durch einen schmalen Hof vom Seitenschiff getrennt, einen nördlichen Verbindungsflügel. Die damit entstandene Vierflügelanlage vereinfacht später den Neubau der Kirche erheblich. Der neue Westflügel am Eingangs- und Wirtschaftshof ist als Gästeflügel auch Schau- und Empfangsseite. Eine Freitreppe führt vom Eingangshof zum Treppenhaus im Mittelrisalit. Dieser ist mit einem Schweifgiebel versehen, der die Formen der 1695 entstandenen Kirchenfassade übernimmt. Die Fassadengliederung nimmt Bezug zum Residenzbau des 17. Jahrhunderts.[16] Zwischen den horizontalen Stockwerksbändern betonen Pilaster im klassischen Architekturkanon die Achsen.[17] Zusammen mit den alternierenden Dreiecks- und Segmentverdachungen über den Fenstern ergibt sich so eine eindeutige Residenz-Analogie. Anzunehmen ist, dass sie wie schon beim Kirchturm als weiteres Zeichen der Unabhängigkeit von Oettingen von Abt Simpert vorgegeben wird.
1702 bis 1704 liegt die Abtei erneut in Kriegsgebiet. Sie wird abwechselnd von Kaiserlichen und ihren Gegnern, den mit Frankreich verbündeten Bayern besetzt. Nur Kontributionszahlungen von 22 000 Gulden verhindern Brandschatzungen. Abt und Konvent müssen mehrfach flüchten.
Gebaut sind bei Kriegsausbruch die beiden repräsentativen Ost- und Westflügel. Nach dem entscheidenden Sieg der Kaiserlichen bei Höchstädt baut Abt Simpert weiter. 1706 muss er aber aus gesundheitlichen Gründen resignieren. Er stirbt 1711. Sein Nachfolger überlebt ihn nur um wenige Monate. Erst unter Abt Amandus Fischer wird der Klosterneubau 1714 beendet.[18] Die Baukosten werden mit 45 000 Gulden angegeben. Abt Amandus beschliesst schon 1719 einen ersten Umbau. Für die Neugestaltung des Festsaals zieht er den in Landsberg lebenden Stuckateur und Baumeister Dominikus Zimmermann bei.[19] Singulär sind im Festsaal die grossen Wandreliefs der schwäbischen Kongregationsklöster in ihrem barocken Idealzustand. Sie sind nebst dem künstlerischen Wert dank ihrer präzisen Darstellung auch ein wahre Fundgrube für Kunsthistoriker. Dass Zimmermann den Saal in den Dachraum durch Entfernen der Zugbalken erweitert, mag man heute, trotz einer kürzlich erfolgten aufwändigen statischen Sanierung, nicht nachtragen.

Der Kirchenneubau

Die Planung von Balthasar Neumann
1739 wird Aurelius Braisch aus Ehingen zum Abt gewählt.[20] Schon bald nach der Wahl befasst sich der Abt mit dem vollständigen Neubau der Kirche. Sie soll nördlich der alten Basilika liegen, damit diese während der Bauzeit noch benutzt werden kann. Unterstützt wird er in der Planung von P. Benedikt Maria Angehrn, einem jungen Konventualen. Anregungen und Ansporn dürften ihnen die entstehenden grossen Stiftskirchen naher und ihnen bekannter Benediktinerabteien, wie Zwiefalten, Ottobeuren oder St. Gallen sein. Ob Abt Aurelius auch die 1743 eingeweihte Stiftskirche in Münsterschwarzach am Main aus eigener Anschauung kennt, ist nicht bekannt. Sie ist aber der Grund, dass er 1747 ihren Architekten, den Würzburger Obristen Balthasar Neumann, mit der Planung in Neresheim beauftragt und von ihm ausdrücklich die Pläne des grossartigen Bauwerks wünscht.[21] Neresheim soll ähnlich grossartig werden. Denn seit kurzer Zeit ist der über 100 Jahre dauernde «Waffenstillstand» mit Oettingen brüchig geworden. Der Abt strebt nun gezielt die Reichsunmittelbarkeit an. Ein grossartiger Kirchenbau kann da nicht schaden. Balthasar Neumann beginnt sofort mit der Planung. Einschränkende Bedingungen machen diese nicht einfach. Der verfügbare Bauplatz nördlich der alten Kirche ist schmal und fällt schnell steil nach Norden ab. Das mittelalterliche Gotteshaus muss aber bis zur Fertigstellung der neuen Kirche dem Gottesdienst dienen. Der Turm von 1627 darf nicht angetastet werden. Zudem haben 1745 der Abt und sein Pater Benedikt Maria schon Fundationsarbeiten nach eigenem Plan in Auftrag gegeben. Wer Neumann kennt, weiss, dass ihn genau solche Prämissen reizen und zu Höchstleistungen wie den soeben abgeschlossenen Bau der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen führen. Über die Planungsphase bis zum definitiven Ausführungsplan von 1749 sind wir dank 26 erhaltenen Rissen aus dem Baubüro Neumann gut informiert.[22] Neumann baut in die ersten Projekte seine Erfahrungen aus Langheim und Münsterschwarzach ein.[23]  Der alte Glockenturm wird vorerst noch in Westfront integriert. Schon 1748 nähert sich der Grundriss der heutigen Lösung, mit einer verlängerten Kirche und dem nun seitlich angeordneten alten Turm. Langhaus und Chor sind annähernd gleichwertig, die Vierungsrotunde in Ovalform ist auf Säulen freigestellt. Die Vierungsrotunde bleibt in dieser Gestalt bestehen. 1749 erfolgt dann mit der zusätzlichen Ausbildung von je zwei ovalen und sich berührenden Kuppeln im Chor und im Schiff der Durchbruch zum völlig «kurvierten» Innenraum in der Tradition von Borromini und Guarini. Der architektonische Weg zum letzten Höhepunkt dieser bewegten Architektur führt von Guarini über die Prager Baumeister Dientzenhofer und über Johann Lucas von Hildebrandt zu Neumanns Vierzehnheiligen und dann zu Neresheim.[24]

Die Ausführung
1748 stellt Abt Aurelius den Ehinger Baumeister Dominikus Wiedemann ein.[25] Bereits jetzt beginnen die Fundationsarbeiten. Der junge Zeichner und Neumann-Mitarbeiter Johann Leonhard Stahl ist 1748 noch in Neresheim, geht aber 1749 nach Bruchsal.[26] Erst 1750 folgt die offizielle Grundsteinlegung in Gegenwart von Balthasar Neumann. Neumann selbst ist nach 1750 vermutlich nicht mehr auf der Baustelle und stirbt 1753. Seit 1750 ruht deshalb die Ausführungs- und Detailplanungsverantwortung auf Wiedemann. Obwohl der massgebende Bauriss nicht mehr vorhanden ist, werden dem Baumeister heute kleinere Änderungen der Ausführung gegenüber dem noch erhaltenen Ausführungsentwurf SE 119 von 1749 negativ angelastet.[27] Zum Negativbild Wiedemanns trägt nebst seiner Charakterisierung durch Neumann als «etwas voreilig oder meistergeschäftig» massgebend das Gutachten von Franz Ignaz Michael Neumann bei.[28] Das Gutachten, das vor allem die Einsparungen bei der Mauerarmierung anprangert, wird 1755 erstellt. Das Gutachten wird bereits vom neuen Abt Benedikt Maria Angehrn bestellt, der in diesem Jahr gewählt wird.[29] Obwohl die massgebenden Sparentscheide den zurückgetretenen Abt Aurelius belasten, entlässt Abt Benedikt Maria kurz vor der Dachstuhlerstellung 1756 den Baumeister Dominikus Wiedemann. Auch den Nachfolger Johann Georg Conradi, fürstlich oettingischer Baudirektor, entlässt er schon 1758.[30] Erst 1759 übernimmt Johann Baptist Wiedemann, ein Baumeister aus Donauwörth, die Baustelle.[31] Schon 1757 setzt sich aber die Ansicht durch, die von Neumann geplante hohe Kuppel nicht zu erstellen und die Gewölbe in Holz auszuführen.

Die Gewölbefrage

Der Neresheimer Abt begründet seine Entscheidung, auf Gewölbe in Ziegelstein zu verzichten, mit deren hohen Kosten. Diese haben aber bis jetzt keine Abtei von der feuersicheren massiven Wölbung ihrer Stiftskirche abgehalten.[32] Der Grund dürfte eher seinem fehlenden Zutrauen in die Statik und in der mangelnde Gewölbepraxis des Baumeisters liegen. Dieses Vertrauen hat ihm auch gefehlt, als der 22-jährige Sohn Neumanns den berühmten Gewölbeplan vorlegt. Zudem kommt im Zeitalter des Rokoko die Bevorzugung des Bühnenhaften gegenüber dem Dauerhaften. Deshalb werden die Gewölbe in Neresheim 1763−1769 in Holzspanten mit Lattenbeplankung als Putzträger ausgeführt, aber leider nicht als selbstständige Konstruktion, sondern im Verbund mit dem Dachstuhl. Selbst bei den nun nicht mehr tragenden Säulen wird Holz verwendet.

Martin Knoller
Abt Benedikt Maria reist noch vor der Fertigstellung der Gewölbe Ende Mai 1769 nach Ettal. Er will dort den in Mailand wohnhaften Maler Martin Knoller kennenlernen. Knoller ist um diese Zeit ausserhalb des Tirols als Freskenmaler noch völlig unbekannt. In Chor der Klosterkirche Ettal beginnt er soeben mit seinem ersten grossen Deckengemälde. Hier kann er Abt Benedikt Maria die Entwürfe und seine bereits vorhandenen Altarbilder zeigen. Die Klarheit, Schärfe und Präzision der Arbeiten des Mailänder Künstlers überzeugen den Abt, der keine unverbindliche Rokokomalerei wünscht.[33] Im gleichen Jahr schliesst er mit Knoller einen Akkord und überträgt ihm die Gestaltung des Innenraumes der Stiftskirche. Sie sind sich einig, dass unterhalb der Gewölbezone alles weiss bleiben soll. Für die Gestaltung und Anordnung des benediktinischen Heiligenhimmels in der Hauptkuppel gibt Abt Benedikt Maria ein ausführliches Programm vor, das für jeden der darzustellenden Heiligen die Lebensumstände und die Attribute vorgibt. Für die Gewölbefresken im Chor und im Langhaus gibt er Themen aus dem Leben Christi vor. Wichtig ist für ihn, dass die Fresken ohne Erläuterung verstanden werden. Obwohl Knoller in der scheinperspektivischen Darstellung und in der Komposition noch in barocker Tradition liegt, sind seine Figuren im Gegensatz zu den grossen und oft nicht mehr zu deutenden Figurenströmen der Barockmalerei klar gezeichnete Einzeldarstellungen, die er souverän zum Ganzen fügt. Knoller arbeitet von 1770 bis 1775 während 607 Tagen und erhält dafür rund 20 000 Gulden. Zu erwähnen ist noch, dass der Benediktinerhimmel in der Vierungskuppel mit 714 Quadratmeter gemalter Fläche das grösste Deckenbild des 18. Jahrhunderts ist, grösser als das Treppenhausfresko Tiepolos in Würzburg.[34]

Thomas Schaidhauf
Der Innenraum der Stiftskirche Neresheim lebt von der weissen Raumarchitektur und noch mehr von den raumbeherrschenden farbigen und erzählenden Deckenfresken. Die Reduktion kündet den kommenden Klassizismus an. Raumstuckaturen fehlen oder sind in den Gewölbezonen als «stuccco finto» gemalt. Der Stuckateur, im Barock noch Gestalter von Innenräumen, hat jetzt um 1780 die Aufgabe der Profilierung von Gesimsen oder der Erstellung von Kapitellen. In Neresheim wird ein von Knoller herbeigezogener Stuckateur schon 1776 entlassen, weil inzwischen ein vielversprechendes Talent als Stuckplastiker tätig ist. Thomas Schaidhauf müsste als Stuckateur nicht erwähnt werden, hätte er nicht anschliessend die gesamte, nun rein klassizistische Ausstattung der Kirche erstellt.[35] Sie ist die Arbeit des letzten Stuckateurs aus Wessobrunn, der noch mit dem jetzt zu Ende gehenden Handwerk noch seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Seine Kanzel und ihr Gegenstück, die Taufbrunnengruppe, seine Seitenaltäre und die Stifterdenkmäler, alle in Stuckmarmor und Alabaster ausgeführt, sind hervorragend gearbeitete Dokumente des nun herrschenden «Zopfstils», wie der französische «goût grecque» des frühen Klassizismus heute genannt wird.[36] Nur der Hauptaltar zeigt, dass die Zeit der grossen gemeinsamen Raumschöpfungen endgültig vorbei ist. Der zu einfache und zu schmale Alabasteraltar wirkt im grossen Chorraum wie verloren.

Die Orgel
1782 kann die neue Kirche bezogen werden. Die alte Kirche wird anschliessend abgebrochen und die Ost- und Westflügel der Klostergebäude werden bis zur neuen Kirche verlängert. Als Abt Benedikt Maria 1787 stirbt, sind die Kosten des Neubaus auf 250 000 Gulden angewachsen.[37]  Das Kloster hat deswegen aber keine Schulden. So lässt der letzte Abt Michael Dobler[38] nach seiner Wahl den Glockenturm um ein Geschoss erhöhen und auf dem Dreiecksgiebel der Kirchen-Westfassade ein klassizistisches Frontispiz aufbauen. Noch zu Beginn der Revolutionswirren 1792 schliesst er mit dem Orgelbauer Johann Nepomuk Holzhey aus Ottobeuren einen Vertrag über den Bau der grossen Westorgel.[39] Sie wird 1797 eingebaut. Das grosse Werk in klassizistischem Gehäuse umspielt die Westfenster ähnlich wie die Gabler-Orgel in Weingarten und stellt eine grossartige Einfügung und Einfühlung in die Architektur Balthasar Neumanns dar. Gleichzeitig ist es die letzte grosse Orgel in Süddeutschland in der Tradition der berühmten Barockkomponisten, mit mechanischer Traktur und Schleifwindläden. Mit der Säkularisation 1802 endet die Periode der grossen Orgelbauer Schwabens.

Das Ende

Als die Westorgel eingebaut wird, ist die Zeit der Klöster schon abgelaufen. Die französische Revolutionsarmee ist im Land. Das Kloster Neresheim wird 1796 und 1800 Hauptquartier von General Moreau.[40] Inzwischen haben sich die Fürsten über die Säkularisation der geistlichen Herrschaften geeinigt. Die Reichsabtei Neresheim wird 1803 «Dem Fürsten von Thurn und Taxis, zur Schadloshaltung für die Einkünfte der Reichsposten in den an Frankreich abgetretenen Provinzen», zusammen mit den Abteien Obermarchtal und Buchau geschenkt. Schon am 22. Dezember 1802 besetzt Fürst Karl Anselm von Thurn und Taxis das Kloster. Nebst dem Abt zählt das Kloster 30 Konventualen. Der neue Herr von Neresheim hebt das Kloster zwar auf, will aber die Schule weiterführen. Er gründet das Lyceum Carlolinum, an dem alle bisherigen Lehrkräfte der Abtei weiter unterrichten können. 1806 ergreift der Württembergische König mit Hilfe Napoleons die Staatshoheit über die Besitzungen der neuen Herren von Neresheim.[41] Dies bedeutet das sofortige Ende des Lyceums und die endgültige Auflösung des Konventes. Die Fürsten von Thurn und Taxis bleiben weiterhin Besitzer der ehemaligen Abtei, die sie jetzt «Schloss Neresheim» nennen.

Restaurierungen

Die Besitzergreifung durch die Fürsten von Thurn und Taxis und anschliessend durch das Königreich Württemberg zerstört zwar die geografische und kulturelle Anbindung an Augsburg, ist aber für die Gebäude kein Nachteil. Denn eine Besitzergreifung durch Bayern hätte für das abgelegene Neresheim vielleicht den Abbruch bedeutet.[42] Dem Bauwerk von Balthasar Neumann in Neresheim bleibt dieses Schicksaal erspart. Der Grund scheint im hohen Ansehen der weithin berühmten Kirche selbst in württembergischen Regierungskreisen zu liegen. Zudem ist sie Pfarrkirche einer kleinen Klosterpfarrei von 184 Seelen. Die Unterhaltskosten, meist der Grund für die Abbrüche, sind für das grosse Bauwerk tatsächlich hoch. Schon 1827−1828 muss das 1769 sehr unprofessionell an den Dachstuhl gehängte Holzlatten-Stuckgewölbe aufwändig saniert werden. Wegen Senkungen im Dachstuhl und entsprechenden Schäden am Gewölbeputz werden jetzt die Holzspanten der Gewölbe an freie hölzerne Sprengwerke gehängt. Für mehr als ein Jahrhundert sind die Meisterwerke von Knoller nun wieder gesichert. Inzwischen kommt wieder Klosterleben nach Neresheim. 1920 überlässt das Haus Thurn und Taxis pachtweise Benediktinern aus Prag und Beuron die Nutzung. Neresheim wird wieder Benediktinerabtei. 1927 tritt ein Mitglied des Fürstenhauses ins Kloster ein. Aus diesem Anlass schenkt die Familie das Kloster mit Kirche und einer grossen Landwirtschaft dem Benediktinerorden zurück. Dieser Wiederherstellung folgt 40 Jahre später eine umfassende Gebäuderestaurierung, ausgelöst durch erneute Schäden an den Gewölben. Die Kirche muss 1966 geschlossen werden. Wieder wird das Gewölbe umgehängt, diesmal an eine Metallkonstruktion. Es folgt bis 1975 die Innenrestaurierung, bis 1979 ist auch die Orgel restauriert und anschliessend folgen 1987 die Instandsetzungen der Konventflügel. Am Westflügel, dem alten Gastflügel, wird bis 2004 der schon 1792 abgebrochene Schweif-Volutengiebel über dem Mittelrisalit rekonstruiert. Die in Denkmalschutzkreisen umstrittene Massnahme hat sich, wie jedermann an Ort feststellen kann, gelohnt.

Pius Bieri 2012

Benutzte Einzeldarstellungen:
Nack, Karl Alois OSB: Reichsstift Neresheim. Neresheim 1792.
Lang, Anselm: Kurze Geschichte des ehemaligen Klosters und Reichsstiftes Neresheim. Nördlingen 1839.
Layer, Adolf: Die Grafen von Dillingen, in: Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen an der Donau Bd. 75, 1973.
Pressler, Karsten: Beeinträchtigung eines Kulturdenkmals oder «baustilgerechte Kaschierung»?, in: Denkmalpflege Baden-Württemberg, Jahrgang 33, Heft 4. Stuttgart 2004.
Stoffels, Norbert OSB: Benediktinerabtei Neresheim, Geschichte, in: Klöster in Baden Württemberg, Internetpublikation (http://www.kloester-bw.de).
Baumgartl, Edgar: Martin Knoller als Deckenmaler. Hildesheim 1986.

Anmerkungen:

[1] Zur Klosterzeit ist das Patrozinium der Abtei St. Ulrich und Afra, das der Stiftskirche Hl. Kreuz.

[2] Graf Hartmann I. von Dillingen-Kyburg (um 1045−1121) gelangt um 1065 durch Heirat mit der Erbtochter Adelheid von Winterthur-Kyburg in grossen Besitz südlich des Bodensees und erhält 1094 auch die Grafschaft Thurgau. Hartmann I. ist im Gegensatz zu grösseren Nachbarn des Thurgaus päpstlicher Parteigänger, was ihn 1080 die Einnahme der Kyburg durch den kaisertreuen Abt von St. Gallen kostet. Nach der Aussöhnung mit König Heinrich V. gelingt es Hartmann I., 1111 seinen Sohn Ulrich als Bischof von Konstanz zu installieren. 1180 findet eine Spaltung des Grafenhauses in die Linie Dillingen und Kyburg statt. 1263 stirbt die Kyburger Linie aus. Die Habsburger sind Erben und schaffen damit die Grundlage ihrer späteren Macht.
Anmerkung: Alle Daten zu den Grafen von Dillingen-Kyburg und der frühesten Geschichte von Neresheim ausschliesslich aus Adolf Layer in Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen an der Donau Bd. 75, 1973.

[3] Theoderich oder Dietrich von Wülflingen (um 1050–1116), Sohn von Kuno von Wülflingen aus dem Hause Achalm und einer Magd auf Kyburg. Zuerst Prior in Hirsau, wird er Reformabt in Petershausen. Er regiert von 1086 bis zu seinem Tod 1116 in Petershausen. Von hier reformiert er Rheinau und gründet Mehrerau. Sein Vater Kuno von Wülflingen ist zusammen mit Liutold von Achalm 1089 Gründer der Benediktinerabtei Zwiefalten. Abt Dietrich von Petershausen ist auch hier treibende Kraft und besorgt den ersten Konvent Zwiefaltens aus Hirsau. Siehe ausführlich auch: Hermann Joseph Pretsch, Adel und Kirche, in: 900 Jahre Benediktinerabtei Zwiefalten. Ulm 1990. Dagegen falsch als «Kuno von Achalm» in: Arno Borst, Dietrich · Abt in Petershausen, in: Mönche am Bodensee, Sigmaringen 1997. Zu Wülflingen siehe auch den Wikipedia-Beitrag: http://de.wikipedia.org/wiki/Burgruine_Alt-W%C3%BClflingen.

[4] Der reich plastisch gestaltete Epitaph, von einem Sarkophag oder Tischgrab des 14. Jahrhunderts herrührend, zeigt den Stifter, im Harnisch ruhend. In den Händen hält er das Kirchenmodell. Zu seinen Füssen finden sich Wappen Kyburg (Schrägbalken begleitet von zwei Löwen) und Dillingen (Schrägbalken begleitet von vier Löwen). Die zweite, einfachere Platte stammt aus dem 16. Jahrhundert und zeigt ebenfalls die Wappen Kyburg und Dillingen. Das ursprüngliche Grab ist wohl ähnlich wie dasjenige des letzten Kyburger Grafen Hartmann V. in der Klosterkirche Wettingen gestaltet.

[5] Der nördlich der Abtei gelegene Frauenkonvent geht schon im 13. Jahrhundert wieder ein.

[6] Man müsste hier auch die Neugründung Kreuzlingen des Bischofs Ulrich von Dillingen-Kyburg hinzufügen, dessen Stiftskirche er wie schon sein Vater in Neresheim den Augsburger Heiligen Ulrich und Afra widmet.

[7] Die Kyburger Linie des Hauses Dillingen, seit 1080 getrennt, ist demgegenüber auf der Seite der Staufer und kann dadurch die Hausmacht in der Nordschweiz erheblich verstärken.

[8] Er wird 1789−1791 um ein klassizistisches Stockwerk von 46 auf 61 Meter erhöht.

[9] Sie wird auch als «Abtei» bezeichnet, weil sie den Wohnort des Abtes oder Prälaten darstellt.

[10] Simpert Niggl (1654−1711) aus Schwangau. Mitbegründer der Niederschwäbischen Benediktinerkongregation. Bekannt ist das Tagebuch seiner Reise nach Konstantinopel 1699−1701.

[11] Ausnahmen sind Weingarten und Irsee. In Weingarten verhindert Vorderösterreich die geplanten Konventbauten wegen Grenzstreitigkeiten. Deshalb wird zuerst die Kirche begonnen. In Irsee wird die Kirche durch den Einsturz des Glockenturms zerstört und wird deshalb zuerst in Angriff genommen.

[12] Baumeister ist wahrscheinlich Valerian Brenner. Stuckateur ist Andreas Schmuzer aus Wessobrunn (1658−nach 1694).

[13] Valerian Brenner (1652–1715), Vorarlberger Baumeister, Schüler von Michael Thumb, seit 1687 in Diensten des Augsburger Domkapitels. Er baut 1684–1694 die Wallfahrtskirche im nahen Biberbach und ist seit 1683 laufend auch in Fultenbach tätig.

[14] Umgestaltung 1785−1786 unter Abt Benedikt Maria Anghern.

[15] Michael Wiedemann (1661−1703), Stuckateur und Baumeister-Impresario, arbeitet bis 1699 in Salem, gleichzeitig ist er in Säckingen, Ellwangen und am Schloss Freudental tätig.

[16] Während die Stockwerksgliederung italienische Vorbilder wie den Palazzo Reale (1600) in Neapel hat, ist der Volutengiebel ein Motiv der deutschen Spätrenaissance.

[17] Die Ordnungen der Kapitelle von unten nach oben: dorisch - jonisch - korinthisch.

[18] Amandus Fischer (1672−1730), aus Ochsenhausen, regiert 1711−1728.

[19] Dominikus Zimmermann (1685−1766) aus Wessobrunn, arbeitet in Neresheim mit seinem ebenso berühmten Bruder Johann Baptist.

[20] Aurelius Braisch (1694−1757) aus Ehingen. Er regiert 1729−1755.

[21] Balthasar Neumann (1687–1753) aus dem böhmischen Eger. Schüler des Würzburger Baumeisters Joseph Greissing. Seit 1720 bis 1746 in Diensten der Schönborn. Genialer Ingenieur-Architekt, im Gewölbebau unübertroffen. Bauleiter der Würzburger Residenz, wo er sich Johann Lucas von Hildebrandt unterordnen muss. Architekt der Stiftskirche von Münsterschwarzach (Bauzeit 1727−1743) und der Wallfahrtskirche von Vierzehnheiligen (Bauzeit 1743−1772).

[22] Die Risse der Sammlung Eckert in Würzburg stammen aus dem bis 1945 vollständig erhaltenen Plannachlass des Baubüros Neumann.

[23] Münsterschwarzach und Langheim (heute Klosterlangheim) sind Basilikalräume mit Vierungskuppeln sowie Langhaus- und Chortonnengewölbe, die auf Säulenpaaren ruhen. Münsterschwarzach wird nach der Säkularisation vom bayrischen König zum Abbruch freigegeben. Die Kirche von Langheim wird nicht verwirklicht, da das Kloster stattdessen die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen baut.

[24] Guarino Guarini (1624–1683). Seine Architektur ist von Francesco Borromini (1599–1667) beinflusst. Der Einfluss der kurvierten Innenräume und Fassaden des Turiner Theatinerpaters Guarini und des Römers Francesco Borromini ist gleichzeitig auch in Prag bemerkbar, hier beinflusst vom Liebhaberarchitekten Jean Baptiste Mathey (1630–1695) und getragen von Baumeister Christoph Dientzenhofer (1655–1722). Johann Lucas von Hildebrandt (1668−1745) ist von Guarini beeinflusst. Er ist Architekt des kurvierten Innenraumes der Würzburger Hofkirche (nicht Neumann!). Baumeister Johann Dientzenhofer (1663−1726) ist der Architekt von Banz und arbeitet mit Neumann bis 1726 in Würzburg zusammen.

[25] Dominikus Wiedemann (1715−1785) wird als Palier bezeichnet, ist aber verantwortlicher Baumeister. Er arbeitet noch 1747 am Schloss des Carl Freiherr von Ulm-Erbach in Donaurieden. Für den dilettierenden Bauherrn und dessen Intimus, den Kaplan Thomas Hacker, fertigt Wiedemann vom Januar bis März 1747 Entwürfe für den Schlossneubau. Der Bauherr konsultiert dabei auch Johann Michael Fischer. Dominikus Wiedemann ist Neffe von Michael Wiedemann, dem Baumeister des Klosterneubaus.

[26] Johann Leonhard Stahl (1729−1774) ist seit 1749 in Bruchsal und wird 1752 als «junger Werkmeister» in Bruchsaler Hofdienste genommen.

[27] Der «besonderes gravierende Baufehler» besteht nach Ansicht von Bernhard Schütz im Gebälk am Ansatz der Vierungsrotunde, das nicht der Nischenrundung der Wand angepasst ist und wie eine Schiene gerade geführt ist. Ob aber überhaupt Wiedemann Urheber dieser vom heutigen Betrachter nicht feststellbaren kleinen Änderungen ist, bleibt offen.

[28] Franz Ignaz Michael Neumann (1733−1785), Sohn von Balthasar Neumann.

[29] Benedikt Maria Angehrn (1720−1787) aus Hagenwil. Er regiert 1755−1787.

[30] Johann Georg Conradi (1695−1779) aus Zimmern bei Nördlingen.

[31] Johann Baptist Wiedemann (1715−1773) ist Stadtmaurermeister in Donauwörth, und arbeitet vorher am Ostflügel des Klosters Wiblingen unter Johann Michael Fischer. Die Risse des Wiblinger Kirchenprojektes von Johann Michael Fischer kommen durch ihn nach Neresheim und sind wahrscheinlich von ihm gezeichnet. Mit Dominikus Wiedemann ist er nicht verwandt.

[32] Kuppeln und Gewölbe grosser Kirchen sind bisher meist in Ziegelmauerwerk errichtet. Die Erstellung ist erst nach der Eindeckung der Kirche möglich. Italiener, Misoxer und Vorarlberger, aber auch Jesuitenarchitekten haben die Gewölbetechnik im 17. Jahrhundert nördlich der Alpen verbreitet. Ein Niedergang setzt ein, als nach dem Vorbild Frankreichs schon Anfang des 18. Jahrhunderts vermehrt akademisch ausgebildete Planer an den Höfen tätig sind. Mangels praktischer Ausbildung vernachlässigen sie den massiven Gewölbebau und überlassen ihn dem ausführenden Baumeister. Ein grosse Ausnahme unter diesen Hofbaumeistern ist Balthasar Neumann, dessen Wölbungen der Hofkirche, des Treppenhauses und des Kaisersaales in der Würzburger Residenz massgebend dazu beitragen, dass sie den Zweiten Weltkrieg unversehrt überstehen. Die Wallfahrtskirche von Vierzehnheiligen wird zwar erst zehn Jahre nach seinem Tod, aber von den sehr erfahrenen Baumeistern Nissler gewölbt. Auch diese Gewölbe halten bei einem Vollbrand 1835. Im Süden Deutschlands vollbringt Johann Michael Fischer, der Baumeister von Zwiefalten und Ottobeuren, gleiche Leistungen. Für die bei Rokoko-Freskanten immer beliebteren Flachmulden sind allerdings nur Holzbohlenkonstruktionen möglich.

[33] Martin Knoller (1725−1804), aus Steinach am Brenner, Schüler von Paul Troger, Romaufenthalte nach 1754, wo er 1758 Reisen mit Anton Raphael Mengs (1729−1775) und Johann Joachim Winckelmann (1717−1768) nach Neapel unternimmt. Um diese Zeit ist auch Nicolas Guibal (1725−1784) in Rom. Die von Winckelmann und Mengs angebahnte Kunstreform entfaltet sich am frühzeitig klassizistisch geprägten Hof des Württembergischen Herzogs Eugen in Stuttgart und Ludwigsburg, wo Nicolas Guibal Hofmaler wird. Mit dem katholischen Herzog hat Abt Benedikt Maria gute Beziehungen. Die Empfehlungen für Martin Knoller könnten daher aus württembergischen Hofkreisen stammen.

[34] Die Architekturhistoriker, für die jeder Stuckateur und jeder Maler die reine Architektur ihres blind verehrten Stararchitekten Balthasar Neumann nur zerstören kann, sollen sich doch einmal den Innenraum von Neresheim ohne Knoller und das Treppenhaus in Würzburg ohne Tiepolo vorstellen! Zu Neresheim gilt, «dass es Martin Knollers Werk nach den Vorgaben des Abtes Benedikt Maria Angehrn und seiner führenden Mitbrüder ist, das künstlerisch und bedeutungsmässig den Raum der Kirche des Reichsstiftes Neresheim ausmacht» (Edgar Baumgartl, 2004).

[35] Thomas Schaidhauf (1735−1807), aus Raisting, einer der letzten Wessobrunner Stuckateure.

[36] Der frühe Klassizismus im weissen «goût grecque» wird erst in der neueren Kunstgeschichte als «Zopfstil» oder richtigerweise «Louis XVI» bezeichnet. Bis um 1860 gilt die Bezeichnung «Zopfstil» einerseits für die damals als abartig angesehenen Barock- und Rokokostuckaturen, aber auch für Literatur und Musik des Rokoko. Mit der deutschen Bezeichnung «Zopfstil» wird deshalb heute dank der Bedeutungswandlung grosse Verwirrung gestiftet.

[37] Zum Vergleich die Kosten anderer berühmter Kirchen, alle Vergleiche ohne Orgelkosten: Die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen kostet 162 500 Gulden (in fränkischer Währung 130 000 Gulden), die Stiftskirche Ottobeuren kostet 518 000 Gulden, die Stiftskirche Weingarten 211 000 Gulden. Dabei ist zu beachten, dass es im 18. Jahrhundert nur eine Materialteuerung, aber keine Lohnteuerung gibt. Das Jahreseinkommen eines Gesellen beträgt damals 100−120 Gulden.

[38] Michael Dobler (1730−1815), Reichsabt in Neresheim 1787−1802.

[39] Johann Nepomuk Holzhey (1741–1809). Die Westorgel in Neresheim hat drei Manuale (Hauptwerk, Echowerk und Oberwerk), ein Pedal und 48 Register. Sie ist noch im Original erhalten. Die Chororgel von 1780 ist ein Werk von Joseph Höss aus Ochsenhausen. Sie wird 1949 neu gebaut.

[40] General Moreau hält sich schon vor der Schlacht bei Neresheim am 11. August 1796 im Kloster auf. Erst nach den mit ihm abgeschlossenen Waffenstillstandsverhandlungen der schwäbischen Stände und nach den erfolgten Teilzahlungen der vereinbarten Kontribution von 13 Millionen Gulden zieht er aus dem Kloster ab. Den späteren Chronisten Pater Anselm Lang beeindruckt dabei am meisten ein von den Franzosen zur Aufklärung eingesetzter Heissluftballon. Umgekehrt sind die französischen Offiziere von der neuen Stiftskirche beindruckt und wollen in ihr gleich einen Offiziersball organisieren, der dann aber nach Interventionen des Konventes auf Befehl Moreaus unterbleibt.

[41] Auch das Fürstentum Oettingen-Wallerstein kommt 1806 unter württembergische Staatshoheit. Gleichzeitig wird die geografische und kulturelle Anbindung der ehemaligen Abtei Neresheim an die Region Augsburg und das Ries mit der Anbindung an das Machtzentrum Stuttgart und an das neugeschaffene Bistum Rottenburg dauerhaft zerstört. Noch heute scheint Neresheim für die Historiker weder zu Baden-Württemberg noch zum schwäbischen Bayern zu gehören. Man suche zum Beispiel Neresheim im mehrbändigen Werk «Alte Klöster – Neue Herren», dem Katalog der grossen Landesaustellung in Bad Schussenried 1803.

[42] Im neuen Königreich Bayern werden Klosterkirchen und Klöster, die keinen Käufer oder keinen Verwendungszweck als Gefängnis oder Anstalt finden, in der Regel abgebrochen oder dann durch die Käufer selbst zerstört. Beispiele, nebst vielen Frauenklöstern, sind Herrenchiemsee, Langheim, Mehrerau, Münsterschwarzach, Obertheres, Rottenbuch, Wessobrunn. Auch das Grossherzogtum Baden handelt gleich. Hier werden unter anderen Ettenheimmünster, Schuttern, Schwarzach und Tennenbach abgebrochen. In den Neuerwerbungen Württembergs trifft dieses Schicksal vor allem die Frauenklöster wie Gutenzell oder Frauenalb.

  Benediktinerabtei und Kirche St. Ulrich und Afra in Neresheim  
  Neresheim1  
Ort, Land (heute) Herrschaft (18. Jh.)
Neresheim Ostalbkreis Baden-Württemberg D Abtei Neresheim
Bistum (18.Jh.) Baubeginn
Augsburg 1692
Bauherr und Bauträger
ok Abt OSB Simpert Niggl (reg. 1682−1706)

ok Abt OSB Aurelius Braisch (reg.1739–1757)

ok Abt OSB Benedikt Maria Angehrn
     (reg. 1755–1787)
 
  Die Benediktinerabtei auf dem Ulrichsberg, wie sie der aus Süden ankommende Besucher sieht.   pdf  
   
NeresheimEtappen
Der Lageplan mit den Etappierungen der Gebäude. Für Vergrösserung anklicken!  
   
Neresheim1872
Eine Lithographie von 1872 zeigt die Abtei auf dem Ulrichsberg von Westen, mit dem Flecken Neresheim im Vordergrund.
Bild: Aus «Beschreibung des Oberamts Neresheim».
 
Neresheim1701
Die Abtei Neresheim mit dem neuen Kloster, aber noch mit der romanischen Kirche, auf einem 1706 erschienenen Kupferstich, der für die «Reiss Beschreibung von Wien nach Constantinopel» des Abtes Simpert Niggl gedruckt wird. Der Abt lässt sich auf diesem Stich im Kaftan und pelzverbrämter Kopfbedeckung darstellen. Er verweist mit der Hand auf das neue Kloster. Über der Darstellung ist sein Wappen zu sehen, das in Blau einen silbernen aufrechtgehenden Greif mit einem Dreiblatt in den Pranken zeigt.
Bildquelle: Nachdruck eines Stiches von Jeremias Kilian, Augsburg, nach einer Zeichnung von Raphael Simon.
 
Neresheim2
Der Abtei-Westflügel und die Prälatur mit den beiden Ecktürmen vom Wirtschaftshof gesehen, wie sie in der obigen Stichdarstellung (unter der Hand des Abtes) schon enthalten sind.
Bildquelle: Christoph Wagener in Wikipedia.
 
Neresheim3
Unter dem schräg vorstossenden Prälaturflügel (1668 wiederhergestellt) tritt man von Süden in den Klosterhof ein. Rechts, mit einem Verbindungsbau angeschlossen, ist der Südflügel der Konventanlage zu sehen.  
Neresheim5
Die Fassadengliederung ist für einen Konventbau ungewöhnlich reich und nimmt Bezug zum Residenzbau des 17. Jahrhunderts, wie zum Beispiel dem Palazzo Reale in Neapel. Zwischen den horizontalen Stockwerksbändern betonen Pilaster im klassischen Architekturkanon die Achsen. Zusammen mit den alternierenden Dreiecks- und Segmentverdachungen über den Fenstern ist die Residenz-Analogie offenkundig.  
Neresheim4
Der Glockenturm ist der älteste Bauteil der heutigen Klosteranlage. Er wird 1617–1627 nördlich der romanischen Westfassade vorgebaut und steht nach dem Neubau der Stiftskirche (1748–1782) vor deren Südfassade. Zur Lage der romanischen Kirche siehe oben den Etappenplan und den Stich von 1706.  
Neresheim11
Der Mittelrisalit der Westfassade ist mit einem dreigeschossigen Schweif- und Volutengiebel und einer Freitreppe speziell repräsentativ als Haupteingang ausgezeichnet. Vor allem im Giebel übernimmt er die Architektur der barocken Westfassade der alten Kirche. Nachdem diese aber dem Neubau von Balthasar Neumann weichen muss, stört der ins 17. Jahrhundert verweisende Giebel plötzlich. Er wird entfernt und erst 2003–2004 dank einer mutigen Denkmalpflege wieder rekonstruiert.  
Neresheim14
An der 1755 errichteten Freitreppe zum Westflügel-Haupteingang ist der Wappenschild von Abt Aurelius Braisch (reg. 1729–1755) angebracht. Er vereinigt drei Wappen: unten das persönliche Wappen des Abtes (Vogel Strauss mit Pfeil im Schnabel), oben das Stifterwappen Dillingen (Schrägbalken, begleitet von je zwei Löwen, hier gewendet) und ein geviertetes Wappen (1 und 4 Tatzenkreuz, 2 und 3 Löwe).
Hinter dem Wappenschild ist die Supraporten-Statue der Muttergottes mit Kind von Melchior Paulus zu sehen.
Bildquelle: Christoph Wagener in Wikipedia.
 
NeresheimSE115
1747 wird Balthasar Neumann für die Kirchen-Neubauplanung beigezogen. Im Dezember des gleichen Jahres präsentiert er den dargestellten Riss der Westfassade mit dem Glockenturm von 1627 (Dieser wird 1789–1791 nochmals um ein Geschoss erhöht).
Original im Mainfränkischen Museum Würzburg. SE 115.
 
NeresheimSE120
Im Ausführungsentwurf von 1749 legt Balthasar Neumann den alten Kirchen- und Glockenturmgrundriss in gelber Farbe an und stellt im Längsschnitt die Massivteile rot dar, womit speziell die geplanten Kuppelkonstruktionen hervorgehoben werden.
Original im Mainfränkischen Museum Würzburg. SE 120.
 
NeresheimKirche
Der Grundriss der 1749–1769 gebauten Kirche entspricht genau dem Neumann-Plan von 1749, der aber 180 Grad (Süden oben) gedreht ist.
Bildquelle: Willi P. Fuchs, Die Abteikirche zu Neresheim. Stuttgart 1914.
 
NeresheimGewoelbeplan
1755 erstellt der 22-Jährige Sohn des verstorbenen grossen Baumeisters, Franz Ignaz Michael Neumann, diesen ungewöhnlich schönen und technisch ausgereiften Gewölbeplan für ein Massivgewölbe. Es bleibt bei der Planung, denn für die Ausführung wird ein billigeres Gipslattengewölbe an den Dachstuhl gehängt.
Original im Mainfränkischen Museum Würzburg. SE 129.
 
Neresheim6
Die Westfassade, gegenüber dem ersten Entwurf (1747) verbreitert und vor allem im oberen Stockwerk und im Dreiecksgiebel deutlich weniger sorgfältig gestaltet, erhält 1791 zudem ein unnötiges zusätzliches Frontispiz.  
Neresheim7
Das Innere überrascht mit der festlichen Wirkung, die einerseits der weissen Architektur Neumanns und den Stuckaturen Schaidhaufs zu verdanken ist, aber diese Wirkung ohne die hervorragenden Kuppelfresken Knollers mit ihrer Farbfülle und Erzähldichte nie erreichen würde.  
Neresheim8
Das Geniale der Architektur zeigt sich vor allem beim Blick auf die bewegte Wandhülle mit den ausschwingenden Säulen und der raffinierten Lichtführung.  
Neresheim9
Die Kuppelzone. Das Fresko im Gemeinderaum stellt den zwölfjährigen Jesus als Lehrer im Tempel dar. Der barocke Illusionismus mittels Scheinperspektive wird hier vom Klassizisten Knoller nochmals hervorragend eingesetzt. Vom Gemeinderaum folgt der Blick zum grossen Fresko der Vierungskuppel mit dem ebenfalls noch völlig barocken Heiligenhimmel.  
Neresheim10
Der Heiligenhimmel mit der kaum überblickbaren Zahl der Gestalten, die sich ringförmig auf den Wolken aufhalten, ist noch klar der hochbarocken Tradition verpflichtet. Für eine Totalansicht bitte Bild anklicken.  
Nereheim13
Das Fresko über der Orgelempore stellt die Tempelreinigung dar. Die Hauptszene am östlichen Kuppelrand ist vom Eintretenden in die Kirche gut ablesbar.  
Neresheim12
Die Westorgel von Neresheim, ein Werk von Johann Nepomuk Holzhey, ist einer der letzten grossen Orgelaufträge des 18. Jahrhunderts. Wenige Jahre später ist mit dem Ende der Klöster auch die Periode der grossen Orgelbauer Schwabens vorbei.