Die Wallfahrtskirche von Vilgertshofen ist ein Hauptwerk von Johann Schmuzer. Er baut die Kirche 1687 bis 1692. Sie ist eine Vierkochenanlage in der Grundrissform eines griechischen Kreuzes, mit Freipfeilerchor und Tonnengewölben. Ist schon die architektonische Leistung grossartig, wirkt das reiche Stuckkleid des Innenraumes und die Inszenierung des zweigeschossigen Hauptaltars überwältigend.


Wessobrunn und die Schmuzer (Schmutzer)

Vor der Benediktinerabtei Wessobrunn liegt das Klosterdorf Gaispoint, nördlich davon ist das Dorf Haid zu finden. Gaispoint nimmt 1852 den Namen des inzwischen zum grossen Teil zerstörten Klosters an. Die beiden Dörfer Gaispoint und Haid sind Ausgangspunkt der grossen Zahl von Stuckateuren und Baumeistern, die als Wessobrunner im 17. und 18. Jahrhundert führende Stuckateur-Zunft im süddeutschen Raum sind. Ab 1630 treten sie in Konkurrenz zu den oberitalienischen und südschweizerischen «Stuccatori» und schaffen den Durchbruch um 1680. Als Baumeister lösen sie in Bayern die «Italiener» ab, wie die lange Zeit führenden Familiensippen aus dem südbündnerischen Misox genannt werden. Mit den gleichzeitigen Baumeistersippen der Beer und Thumb aus dem Vorarlbergischen arrangiert man sich geografisch, vor allem, weil die Vorarlberger für die Stuckaturarbeiten jahrzehntelang Wessobrunner Stuckateure bevorzugen.
Bekannteste Wessobrunner Stuckateuren- und Baumeisterdynastie ist die Familie Schmuzer. Noch im 18. Jahrhundert werden sie als Schmutzer bezeichnet, heute hat sich die Schreibweise Schmuzer durchgesetzt. 300 barocke Bauten und Ausstattungen sind inzwischen als Werke dieser Künstlerfamilie bekannt. Sie entstehen zwischen 1621 und 1766 innerhalb von 145 Jahren und decken die gesamte Stilspanne des süddeutschen Barocks ab. Hauptvertreter im Hochbarock ist Johann Schmuzer, seine beiden Söhne Joseph und Franz leiten zum Spätbarock über. Der letzte grosse Stuckateur der Familie, Franz Xaver Schmuzer, ist ein Meister des süddeutschen Rokoko.

Stammbaum

Johann Schmuzer (1642–1701)

Wessobrunner Klosterbaumeister und Stuckateur

Lebenslauf
Johann Schmuzer wird am 13. Mai 1643 in Gaispoint als Sohn des Stuckateurmeisters Matthias (Matthäus) Schmuzer und der Elisabeth Rohrmoser geboren. Johann ist das fünfte von sechs Kindern, welche das Erwachsenenalter erreichen. Sein Vater ist bereits bekannter Stuckateur und Baumeister. Wahrscheinlich geht Johann bei ihm in die Lehre und arbeitet als Geselle im Familienverband, zusammen mit den älteren Brüdern Matthias und Michael. 1664 heiratet er die ebenfalls aus Gaispoint stammende Justine Vogel. Mit ihr hat er fünf Kinder. Nach ihrem Tod heiratet er 1675 erneut. Mit der aus Steingaden stammenden Anna Heiss (1648–1738) hat er nochmals neun Kinder, fünf Töchter und vier Söhne, die alle später ebenfalls als Stuckateure tätig sind. Zwei davon werden ebenso berühmte Meister wie ihr Vater. Während der Ältere von beiden, Franz (1676–1741), zu den begehrtesten Stuckateuren im Bodenseeraum und in der Schweiz wird und die «Wessobrunner Régence» einläutet, ist Joseph (1683–1752) nicht nur als Stuckateur, sondern auch als Baumeister-Architekt erfolgreich. Am 12. Mai 1701 stirbt Johann Schmuzer im Alter von 58 Jahren in Gaispoint, vermutlich überraschend, denn noch wenige Monate vorher nimmt er grössere Aufträge entgegen. Seine begonnenen Arbeiten werden vom Sohn Joseph weitergeführt. Die zweite Ehefrau überlebt ihn um 37 Jahre.[1]

Frühe Kirchenbauten
Die ersten gesicherten Werke von Johann Schmuzer sind Kirchenbauten, die er als entwerfender Baumeister erstellt und auch stuckiert. Im Auftrag der Prämonstratenserabtei Steingaden, für die er schon 1663 mit seinem Vater arbeitet, kann er 1670–1676 die Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung in Ilgen bauen. 1673 beginnt er mit der Wallfahrtskirche St. Coloman bei Schwangau. Beide Wallfahrtskirchen sind einfache tonnengewölbte Saalkirchen mit langen und schmalen Chorbauten, beide Bauwerke sind mit einem dichten hochbarocken und festlichen Stuckkleid und einer Stuckmarmorausstattung ausgestattet. In Ilgen ist sie vollständig von Johann Schmuzer, in Schwangau arbeitet er mit seinen Schwagern Pöllandt und Bernhard zusammen. Auffallend an der Kirche St. Coloman sind die noch gotisch wirkenden äusseren Strebepfeiler, die den Gewölbeschub abfangen. In Ilgen löst er dies durch eine Wandversteifung mit zwei seitlichen Kapellenausbauten,[2] ähnlich wie die gleichzeitige, wegweisende und grössere Kirche von Michael Thumb in Wettenhausen. Weitere frühe Kirchenbauten von Johann Schmuzer zeigen zwar immer die raumbeherrschende dichte Stuck- und Altarausstattung, aber ihre Architektur scheint ein typologisches Experimentierfeld zu sein. So baut er das neue Langhaus der Pfarrkirche von Pfreimd als Wandpfeiler-Emporensaal, setzt aber das Rundbogen-Tonnengewölbe schon unter dem Emporengeschoss an, ähnlich der Jesuitenkirche von Landshut.[3]   Nochmals anders ist das Langhaus der Pfarrkirche von Ziemetshausen. Hier baut Schmuzer eine dreischiffige Freipfeilerhalle, deren Mittelschiff in fast dreifacher Breite der Seitenschiffe mit einer Halbkreis-Tonne gewölbt ist.

Klosterbauten in Wessobrunn, Speinshardt und Tegernsee
1680 beginnt Johann Schmuzer mit dem Neubau des Klosters Wessobrunn. Sein Gesamtplan, der 1701 als idealisierte Vogelschau-Vedute veröffentlicht wird, lehnt sich an das Vorbild der Abtei Tegernsee an.[4] Er beginnt mit dem Neubau der Flügel um den westlichen grossen Klosterhof. 1696 sind der südliche Gästeflügel und der westliche Theaterflügel erstellt. Dann beginnt er mit dem Prälaturflügel, dem ersten Teil des eigentlichen Klosters, das dann sein Sohn Joseph vollendet. Heute ist nur noch ein kleiner Teil der barocken Anlage vorhanden, und nur der Gästeflügel und ein Teil der Prälatur befinden sich noch im Originalzustand. Die Stuckaturen in den Gängen und den Räumen des Obergeschosses dieser Flügel zeigen hochbarocken Akanthusstuck, der dann in der 1696 begonnenen Prälatur immer feiner wird. Höhepunkt ist der um 1700 wahrscheinlich vom Sohn Franz stuckierte Tassilosaal.
1681 wird Johann Schmuzer durch den Abt von Steingaden nach Speinshardt in der Oberpfalz vermittelt. Für das dortige Prämonstratenserkloster plant er die neuen Konventbauten, die Johann Leonhard Dientzenhofer 1682–1687 als Palier von Johann Schmuzer ausführt.
1701 überträgt der Abt von Tegernsee die Bauleitung für die Fertigstellung des Nordflügels an Johann Schmuzer, drei Monate vor seinem Tod.[5] Den Bau soll dann ein Palier von Johann Schmuzer ausgeführt haben.

Vilgertshofen
Die Wallfahrtskirche von Vilgertshofen ist das Hauptwerk von Johann Schmuzer. Er erhält den Auftrag 1685 vom Wessobrunner Abt Leonhard III. Weiss. Die Kirche wird 1687 bis 1692 gebaut und ausgestattet. Sie ist eine Vierkochenanlage in der Grundrissform eines griechischen Kreuzes, mit Freipfeilerchor und Tonnengewölben. Ist schon die architektonische Leistung grossartig, wirkt das reiche Stuckkleid des Innenraumes und die Inszenierung des zweigeschossigen Hauptaltars überwältigend. Dieser wird allerdings erst 1718–1721 durch den Sohn Franz ausgeführt.

Weitere Sakralbauten
Johann Schmuzer ist Planer und Baumeister von ungefähr 25 Kirchen- und Kapellen-Neubauten, die er meist auch stuckiert. Neben den schon erwähnten Frühwerken und der Wallfahrtskirche von Vilgertshofen sind die Kirchen Unserer Lieben Frau am Berg in Füssen (1681–1683), Sankt Martin in Illerberg (1690–1692), Sankt Georg in Stätzling (1696–1699) und Sankt Wendelin in Obergermaringen (1696–1697) erwähnenswert. Sie haben einschiffige, tonnengewölbte Langhäuser mit dem für die Schmuzer-Werkstatt typischen, reichen und satten Akanthusstuck. Von den vielen Kapellenneubauten sind vor allem die Zentralbauten in Türkheim (1680), Siebnach (1682) und Iffeldorf (1698) wichtig. Von ihnen ist allerdings nur die Wallfahrtskapelle Sankt Maria in Iffeldorf bis auf den heutigen Tag unversehrt geblieben.

Die Stuckaturaufträge
Mit der Konzentration auf die Bauwerke von Johann Schmuzer gehen die Stuckatur-Arbeiten seiner Werkstatt vergessen. Sie sind vielfach nicht urkundlich gesichert, weil die Stuckateure entweder im Unterakkord der Baumeister arbeiten oder weil sie in den Rechnungen mit Datum und Summe, aber ohne Namen vermerkt sind. Zudem hat Ihre Erforschung erst nach den grossen Aktenverlusten des Zweiten Weltkriegs begonnen. Die wichtigsten Werke der Schmuzer-Werkstatt unter Johann Schmuzer sind aber urkundlich gesichert. Es sind die grossen Stuckausstattungen der Kirchen von Obermarchtal (1689–1694), Hofen bei Friedrichshafen (1698–1700) und Säckingen (1698–1702). Die Arbeiten in Obermarchtal und Hofen begründen auch die spätere lange Zusammenarbeit der Söhne Joseph und Franz mit dem Vorarlberger Baumeister Franz Beer II.

Pius Bieri 2015

Literatur:
Dischinger Gabriele: Johann und Joseph Schmuzer. Zwei Wessobrunner Barockbaumeister. Sigmaringen 1977.
Schnell, Hugo und Schedler, Ute: Lexikon der Wessobrunner. München und Zürich 1988.

Anmerkungen:
[1] Anna Heiss stirbt am 13. Oktober 1738 im Alter von 90 Jahren.

[2] Sie werden 1735 durch neue, vielleicht tiefere Kapellenausbauten ersetzt. Ohne diese beidseitigen Aussteifungen würde der Gewölbeschub zu schweren Schäden führen.

[3] In der Jesuitenkirche von Landshut erstellt sein Vater Matthias Schmuzer die Stuckarbeiten ab 1640. 1662 wird der Stuck im Chor erstellt. Johann Schmuzer muss deshalb die Landshuter Kirche kennen.

[4] Tegernsee wird 1678 nach dem Gesamtplan von Enrico Zuccalli begonnen. Antonio Riva ist ausführender Baumeister in den 1680er-Jahren.

[5] Zur Klosteranlage Tegernsee fehlen baugeschichtliche Quellen, sodass weder über die Bauetappen noch über die Baumeister genügend bekannt ist. Zur Abschrift des Vertrages mit Johann Schmuzer in Tegrensee.

Werke von Johann Schmuzer:

Quelle: Lexikon der Wessobrunner. Ausgeführte, auch zugeschriebene Werke.

Jahr Ort, (Reg.-Bezirk), Bauwerk Auftrag
(√ gesichert)
Beschrieb
Landesherr, Bauherr (BH)
1663
Steingaden (Oberbayern).
Stiftskirche St. Johannes der Täufer. Barockisierung.
Stuckaturen.
Stuck im Chor und in den Seitenschiffen. Mit Vater Matthias Schmuzer.
Kurfürstentum Bayern. Prämonstratenserabtei Steingaden.
BH: Abt OPraem Augustin Bonenmayr.
1667–
1680
Kappel bei Unterammergau. (Oberbayern). Wallfahrtskirche Hl. Blut. Chorneubau. Bauplanung,
Ausführung.

Planung 1667,
Bau 1680.
Stuckaturen von Franz Xaver Schmuzer.
Kurfürstentum Bayern. Augustiner-Chorherrenstift Rottenbuch.
BH: Propst OA Augustin Oberst.
1670
Peiting (Oberbayern). Wallfahrts-und Friedhofskirche Maria Egg. Stuckaturen
(zerstört).
Stuck im Chor. Zerstörung 1737 wegen Chorneubau durch Joseph Schmuzer.
Kurfürstentum Bayern.
BH: Augustiner-Chorherrenstift Rottenbuch.
Propst OA Augustin Oberst.
1670 (um) Andechs. Benediktinerabtei (Oberbayern). Fürstenzimmer. Stuckaturen.
Deckenstuck, vermutlich mit Vater Matthias.
Kurfürstentum Bayern. Abtei Andechs.
BH: Abt OSB Maurus II. Rambeck.
1670–
1676
Ilgen bei Steingaden (Oberbayern). Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung. Neubau. Bauplanung, Ausführung, Stuckaturen,
Altäre.
Die versteifenden Seitenkapellen werden 1735 ersetzt.
Kurfürstentum Bayern. Prämonstratenserabtei Steingaden.
BH: Abt OPraem Augustin Bonenmayr.
1673 Ziemethausen bei Krumbach (Schwaben). Wallfahrtskapelle Auf dem Vesperbilde. Neubau. Bauplanung.
Ausführung
(zerstört).
Der Neubau wird 1725 von Simpert Kramer durch einen Zentralbau ersetzt. Vorderösterreich (Herrschaft Öttingen-Wallerstein).
BH: Paul Graf Fugger, Herr auf Mickhausen.
1673–
1678
Schwangau bei Füssen (Schwaben).
Wallfahrtskirche St. Coloman. Neubau.
Bauplanung, Ausführung, Stuckaturen,
Altäre.
Bauführer ist Hieronymus Vogler. Mitarbeiter sind die Schwager Pöllandt und Bernhard.
Kurfürstentum Bayern.
BH: Kurfürstliche Verwaltung, München (Pfarre Waltenhofen, Pfleggericht Hohenschwangau).
1677–
1678
Türkheim (Schwaben). Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Barockisierung. Stuckaturen
(zerstört).
Stuck auf neues Langhaus-Lattengewölbe, 1873 zerstört. Stuck in Seitenkapellen erhalten.
Bayrische Herrschaft Mindelheim.
BH: Herzog Maximilian Philipp von Bayern.
1679 Türkheim (Schwaben). Schloss. Renovation. Stuckaturen.
Diverse Stuckeinfassungen an Türen und Fenstern. Kamin.
Bayrische Herrschaft Mindelheim.
BH: Herzog Maximilian Philipp von Bayern.
1680 Kappel bei Unterammergau (Oberbayern). Wallfahrtskirche Hl. Blut. Chorneubau. Bauplanung,
Ausführung.
Chor und Langhausstuck 1750/51 von Franz Xaver Schmuzer.
Kurfürstentum Bayern. Augustiner-Chorherrenstift Rottenbuch.
BH: Propst OA Augustin Oberst.
1680
(um)
Füssen (Schwaben). Hohes Schloss. Renovierungen. Stuckaturen. Deckenstuck in Nord- und Westflügel sowie in der Kapelle. Hochstift Augsburg.
BH: Hochstift Augsburg
1680–
1681
Türkheim (Schwaben). Benno-Kapelle. Neubau. Bauplanung, Ausführung, Stuckaturen, (zerstört).
Zentralbau mit Laterne und welscher Haube. Abbruch 1807.
Bayrische Herrschaft Mindelheim.
BH: Herzog Maximilian Philipp von Bayern.
1680–
1701
Wessobrunn (Oberbayern). Benediktinerabtei. Gesamtprojekt und Neubauten Westhof.
Siehe: Werkbeschrieb.
Bauplanung, Ausführung, Stuckaturen.
Gesamtplanung 1679. Bau der Theater-, Gäste- und Prälaturflügel. Stuck.
Kurfürstentum Bayern. Abtei Wessobrunn.
BH: Abt OSB Leonhard Weiss.
1681 Abtsried bei Diessen am Ammersee (Oberbayern). Schwaige der Abtei Wessobrunn. Neu- und Umbauten. Bauplanung, Ausführung, Stuckaturen, (zerstört). Umbau der Schwaige zu einem Sommerschloss. Neubau einer Kapelle. Abbruch im 19. Jahrhundert. Kurfürstentum Bayern.
Abtei Wessobrunn.
BH: Abt OSB Leonhard Weiss.
1681–
1688
Pfreimd (Oberpfalz). Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Neubau. Bauplanung, Ausführung, Stuckaturen, Altäre.
Das Langhaus mit Stuck-Lattengewölbe.
Kurbayrische Landgrafschaft Leuchtenberg.
BH: Herzog Maximilian Philipp von Bayern.
1682 Speinshart (Oberpfalz). Prämonstratenserpriorat. Konventflügel-Neubauten. Bauplanung.
Bauleitung?
Bau von Süd- und Westflügel 1683–1689 durch Johann Leonhard Dientzenhofer als Palier.
Kurfürstentum Bayern.
Abtei Steingaden.
BH: Präses P. OPraem Benedikt Heim.
1682 Siebnach (Schwaben). Kapelle St. Anna. Neubau. Bauplanung, Ausführung, Stuckaturen.
Oktogonaler Grundriss mit Kirchturm. Stuckgewölbe 1856 zerstört.
Bayrische Herrschaft Schwabegg.
BH: Abtei Steingaden.
Präses P. OPraem Benedikt Heim.
1682–
1683
Füssen (Schwaben). Filialkirche Unsere Liebe Frau am Berg. Neubau. Bauplanung, Ausführung, Stuckaturen.
Schmuzer übernimmt im Akkord. 1735 Emporeneinbau (Johann Georg Fischer).
Hochstift Augsburg.
Benediktinerabtei St. Mang.
BH: Abt Benedikt II. Bauer.
1683– 1685 Nesselwang (Schwaben). Pfarrkirche St. Andreas. Neubau. Bauplanung, Ausführung, Stuckaturen (zerstört).
Der Neubau von Johann  Schmuzer wird 1904 zugunsten einer breiteren Neurokoko-Kirche zerstört.
Hochstift Augsburg.
BH: Hochstift Augsburg.
1683– 1685 Mickhausen (Schwaben). Barockisierung Pfarrkirche St. Wolfgang. Bauplanung, Ausführung.
St. Andreas: Arbeiten am Gewölbe des Langhauses. Grober Modelstuck betont Deckenfelder.
Vorderösterreich (Herrschaft Öttingen-Wallerstein).
BH: Paul Graf Fugger, Herr auf Mickhausen.
1684–
1685
Berghof am Halblech (Schwaben).
Kapelle St. Peter. Neubau.
Bauplanung, Ausführung.
Einfacher Bau mit flachgedecktem Langhaus.
Kurfürstentum Bayern. Pfleggericht Hohenschwangau.
BH: Keine Angaben.
1684–
1686
Eresing (Oberbayern). Schloss Emming.
Kapelle St. Ottilia. Umbau.
Stuckaturen.
Chorstuck. Heute im Areal des Klosters St. Ottilien.
Kurfürstentum Bayern.
BH: Johann Ulrich Füll v. Windach
1685 Mickhausen (Schwaben). Neubau Hergottsruh-Kapelle. Bauplanung, Ausführung.
Schlichter Neubau.
BH: Paul Graf Fugger, Herr auf Mickhausen.
1685 Oberostendorf (Schwaben). Kirche Mariä Himmelfahrt. Chorumbau. Ausführung, Stuckaturen (zerstört). 1747 erhält die Kirche ein Rokokokleid mit erneutem Umbau.
Reichsstadt Kaufbeuren.
BH: Spital Kaufbeuren.
1686–
1692
Vilgertshofen (Oberbayern). Wallfahrtskirche zur Schmerzhaften Muttergottes. Neubau.
Siehe Werkbeschrieb
.
Bauplanung, Ausführung, Stuckaturen, Ausstattung.
Hauptwerk von Johann Schmuzer.
Kurfürstentum Bayern.
Abtei Wessobrunn.
BH: Abt OSB Leonhard Weiss.
1686–
1694
Ziemethausen bei Krumbach (Schwaben). Pfarrkirche St. Peter und Paul. Neubau. Bauplanung,
Ausführung.
Stuckaturen.
Freipfeilerhalle mit grosser Mittelschiffsbreite. Nur der Stuck in den Gewölben des Langhauses ist erhalten.
Vorderösterreich (Herrschaft Öttingen-Wallerstein).
BH: Paul Graf Fugger, Herr auf Mickhausen.
1687 Dillingen an der Donau (Schwaben). Schlosskapelle und Spitalkirche. Barockisierung. Stuckaturen. Sparsame und eher rückständig anmutende Stuckaturen. Spitalkirche buntfarbig verrestauriert. Hochstift Augsburg.
BH: Hochstift Augsburg
1688 Ettelried (Schwaben BY). Pfarrkirche St. Katharina. Umbau. Bauplanung,
Ausführung,
Stuckaturen im Chor.
Nach Umbau 1876–1888 sind nur noch die Stuckaturen im Chor erhalten.
Vorderösterreich (Herrschaft Öttingen-Wallerstein).
BH: Paul Graf Fugger, Herr auf Mickhausen.
1689–
1694
Obermarchtal (Tübingen). Klosterkirche St. Peter und Paul. Innenraum-Stuck.
Siehe Werkbeschrieb.
Stuckaturen.
Der Stuck im Vorarlberger Bauwerk ist hochbarocke Meisterleistung.
Prämonstratenser-Reichsabtei Marchtal.
BH: Abt OPraem Nikolaus Wierith.
1690–
1692
Schongau (Oberbayern)
Heilig-Kreuz-Kapelle. Neubau.
Bauplanung,
Ausführung.
Stuckaturen (zerstört).
Zentralbau. Stuck Johann Pöllandt. Die Kapelle wird 1725 durch Joseph Schmuzer erweitert.
Kurfürstentum Bayern.
BH: Lokale Stifter.
1690–
1694
Illerberg (Schwaben). Pfarrkirche St. Martin. Neubau. Bauplanung,
Ausführung.
Stuckaturen.
Kanzel.
Die Kirche wird 1807 klassizistisch umgestaltet, unter Belassung von Deckenstuck und Kanzel. Vorderösterreich (Herrschaft Kirchberg-Weissenhorn).
BH: Grafen Fugger, Herren zu Kirchberg und Weissenhorn.
1691–
1692
Mundraching (Oberbayern). Filialkirche St. Vitus. Neubau Langhaus. Bauplanung,
Ausführung.
Stuckaturen.
Das Langhaus wird 1957 verlängert. Kurfürstentum Bayern.
BH: Abtei Wessobrunn.
Abt OSB Leonhard Weiss.
1692 Eresing (Oberbayern). Pfarrkirche St. Ulrich. Anbau Füll’sche Gruftkapelle. Bauplanung,
Ausführung,
Stuckaturen.
Zweigeschossiger südlicher Anbau an das Kirchenschiff. Kurfürstentum Bayern.
Hofmark Eresing.
BH: Johann Ulrich Füll v. Windach.
1692
(um)
Rot an der Rot (Tübingen). Prämonstratenserabtei. Sakristei. Deckenstuck. Stuckaturen. Deckenstuck in der Sakristei. Vielleicht auch Kapitelsaal (1685). Prämonstratenser-Reichsabtei Rot an der Rot.
BH: Abt OPraem Martin Ertle.
1695 Hainsfarth bei Öttingen (Schwaben). Pfarrkirche St. Andreas. Stuck. Stuckaturen. Flachdecke mit kraftvollen Stuckaturen. Grafschaft Oettingen.
BH: Wolfgang IV. Graf zu Oettingen-Wallerstein.
1695
(um)
Überlingen (Tübingen). Haus Reichlin-Meldegg. Festsaal und Repräsentationsraum. Stuckaturen. Prächtiger Wessobrunner Akanthusstuck der Werkstatt Schmuzer zugeschrieben. Reichsstadt Überlingen.
BH: Hans Johann Paul Roth von Schreckenstein, Domkantor.
1695
(um)
Aystetten (Schwaben). Schloss. Innenrenovation. Stuckaturen. Zuschreibung von sechs Räumen an die Schmuzer. Hochstift Augsburg.
BH: Leonhard Carl Sulzer.
1695
(um)
Rottweil (Tübingen). Zisterzienserinnenabtei Rottenmünster. Klosterkirche Stuckaturen. Akanthusstuck an Flachdecke Langhaus und Chorbogen. Zuschreibung. Reichsabtei Rottenmünster.
BH: Äbtissin OCist Maria Williburg Frey.
1696–
1697
Erpfting (Oberbayern). Wallfahrtskapelle Maria Eich. Neubau. Bauplanung,
Ausführung,
Stuckaturen.
Schlichter Bau. Der Deckenstuck wird 1762 abgeschlagen. Kurfürstentum Bayern. Hofmark Erpfting der Freiherren von Donnersberg. BH: keine Angabe.
1696–
1699
Stätzling (Schwaben).
Kirche St. Georg. Neubau.
Bauplanung,
Ausführung,
Stuckaturen, Ausstattung.
Prunkvoller Akanthusstuck an Gewölben und Empore, ähnlich dem Festsaal Wessobrunn (Brix). Kurfürstentum Bayern.
Hofmark Stätzling der Freiherren von Deuring.
BH: Gallus Sebastian von Deuring.
1697 Füssen (Schwaben). Klosterkirche St. Mang. Epitaph. Stuck.

Stuckepitaph für Abt OSB Benedikt II. Bauer.
Hochstift Augsburg.
BH: Benediktinerabtei St. Mang.
1697–
1698
Holzhausen bei Alling (Oberbayern).
Kirche Hl. Kreuz. Barockisierung.
Stuckaturen.
Altar.
(neue Zuschreibung Dehio 2006).
Akanthusstuck. Innenraum 1832 überarbeitet. Zuschreibung im Dehio 1990 noch an Appiani und Perti.
Kurfürstentum Bayern. Amt Gilchling. Hofkammerrat Joh. von Hufnagel.
BH: Abt OCist Balduin Helm Fürstenfeld.
1697–
1700
Obergermaringen (Schwaben). Wallfahrtskirche St. Wendelin. Neubau. Bauplanung,
Stuckaturen.
Doppeltürme und Westempore 1727. Reicher Akanthusstuck. Reichsstadt Kaufbeuren.
BH: Chorherrenstift St. Moritz Augsburg.
1698
(um)
Friedberg (Schwaben). Stephanskirche. Neubau. Stuckaturen. Schlichter Saalraum mit stuckierter Flachdecke. Kurfürstentum Bayern.
Stadt Friedberg.
BH: Spitalstiftung.
1698–
1699
Stötten am Auerberg (Schwaben).
Pfarrkirche St. Peter und Paul. Barockisierung.
Stuckaturen.
Nur noch Chorstuckaturen erhalten (Langhaus 1719 und 1780 umgebaut). Mit Sohn Franz Schmuzer.
Hochstift Augsburg.
BH: Hofkammer des Hochstifts Augsburg.
1698–
1701
Iffeldorf (Oberbayern). Wallfahrtskirche St. Maria im Heuwinkel. Neubau.
(Im «Dehio» 2006 unter «Heuwinkl»)
Bauplanung,
Ausführung,
Stuckaturen, Ausstattung.
Vier-Konchen-Zentralbau mit Kalottenkuppel und Laterne. Hochaltar wird 1791 ersetzt.
Kurfürstentum Bayern.
Abtei Wessobrunn.
BH: Abt OSB Virgil Dallmayr.
1698–
1701
Friedrichshafen (Tübingen), ehemals Buchhorn. Benediktinerpriorat Hofen. Neubau.
Siehe: Werkbeschrieb.
Stuckaturen.
Stuck in Klosterkirche und in den Konventgebäuden. Mit Söhnen Franz und Joseph. Zerstörung 1945.
Benediktiner-Reichsabtei Weingarten.
BH: Abt OSB Sebastian Hyller.
1698–
1701
Säckingen (Freiburg). Freiadeliges Damenstift. Stiftskirche St. Fridolin.
Siehe: Werkbeschrieb.
Stuckaturen (teilzerstört).
Stuck in Langhaus und Chor. Nach 1752 Rokoko-Neugestaltung. Der Stuck bleibt nur in den Seitenschiffen erhalten.
Vorderösterreich.
Damenstift Säckingen.
BH: Äbtissin Maria Josepha Regina von Liebenfels.
1699 Unterwindach (Oberbayern). Pfarrkirche St. Peter und Paul. Umbau. Stuckaturen. Nur Chorstuck ist erhalten. (Langhaus 1910). Kurfürstentum Bayern.
Hofmark Windach.
BH: Johann Ulrich Füll v. Windach.
1699 Landshut (Niederbayern). Franziskanerinnen-Klosterkirche. Neubau. Stuckaturen. Zuschreibung an Schmuzer-Werkstatt in Zusammenarbeit mit Francesco Marazzi. Kurfürstentum Bayern.
Franziskanerinnenkloster Landshut.
BH: Franziskaner-Provinzial.
1699
(um)
Aitrang (Schwaben). Wallfahrtskirche St. Alban. Neubau. Stuckaturen. Chor-Stuckaturen (auch abwegige Zuschreibung an Dominikus Zimmermann). Fürststift Kempten.
Reichsvogtei Aitrang.
BH: Benediktinerabtei St. Mang.
1699
(um)
Haisterkirch bei Bad Waldsee (Tübingen). Pfarrkirche St. Johannes Baptist. Barockisierung. Stuckaturen. Zuschreibung der Stuckdecken in Chor und Langhaus an die Schmuzer-Werkstatt. Prämonstratenser-Reichsabtei Rot an der Rot.
BH: Abt OPraem Martin Ertle.
1699
(um)
Kaufering (Oberbayern). Pfarrkirche St. Johannes Baptist. Neubau. Stuckaturen. Bauwerk von Michael Natter II (Au). Üppiger Akanthusstuck der Schmuzer-Werkstatt. Kurfürstentum Bayern.
Augustiner-Chorherrenstift Diessen am Ammersee.
BH: Propst Andreas Sedlmayr.
1699–
1700
Eresing (Oberbayern). Schloss Emming. Rittersaaltrakt. Neubau. Bauplanung,
Ausführung,
Stuckaturen.
Heute umgebaut in den Klosterkomplex St. Ottilien (ab 1886) integriert. Kurfürstentum Bayern.
Hofmark Eresing.
BH: Johann Ulrich Füll v. Windach.
1699–
1700
Salem (Tübingen). Reichsabtei Salem.
Siehe Werkbeschrieb.
Stuckaturen. Unterakkord von Michael Wiedemann in Bernhardusgang und Sommerrefektorium. Zisterzienser-Reichsabtei Salem.
BH: Abt Stephan I. Jung
1699–
1701
Landsberg am Lech (Schwaben).
Rathaus. Neubau.
Bauplanung,
Ausführung,
Stuckaturen.
Zuschreibung des Neubaus an Johann Schmuzer. Kurfürstentum Bayern.
Stadt Landsberg.
BH: Stadtkammer Landsberg.
1700 Markdorf (Tübingen). Pfarrkirche St. Nikolaus. Schutzmantelkapelle. Barockisierung. Stuckaturen.
Stuck in Zusammenarbeit mit Joseph Schmuzer.
Hochstift Konstanz.
BH: Kollegiatstift Markdorf.
1700
(um)
Achberg bei Lindau (Tübingen).
Schloss. Barockisierung.
Stuckaturen. Stuck im Rittersaal und in der Kapelle. Zuschreibung an Werkstatt Schmuzer. Deutscher Orden.
BH: Landkomtur OT Franz Benedikt von Baden.
1700
(um)
Allensbach (Freiburg). Schloss Freudental. Neubau. Stuckaturen. Baumeister ist Michael Wiedemann. Siehe Salem. Hochstift Konstanz.
BH: Freiherr Franz Dominik von Altensumerau und Prassberg.
1700–
1701
Tegernsee (Oberbayern).
Klosterneubau. Nordflügel.
Planung.
Ausführung ab 1701 durch unbekannten Baumeister.
Kurfürstentum Bayern. Benediktinerabtei Tegernsee.
BH: Abt Quirin IV. Millon.
1701 Neresheim (Stuttgart). Benediktinerabtei. Bibliotheksraum. Neubau. Stuckaturen. Baumeister ist Michael Wiedemann. Siehe Salem. Benediktinerabtei Neresheim.
BH: Abt OSB Simpert Niggl.


Nicht in die Liste aufgenommene, zu wenig fundierte oder falsche Zuschreibungen:

Jahr

Ort, Bauwerk

Auftrag

1680
(um)
Speiden bei Eisenberg (Schwaben). Wallfahrtskapelle Maria Hilf. Stuckaturen.
1680
(um)
Hindelang (Schwaben). Fürstbischöfliches Schloss. Kapelle. Stuckaturen.
1680
(um)
Oberschondorf am Ammersee. Kirche St. Anna. Chor. Stuckaturen.
1681–
1686
Schiessen bei Roggenburg (Schwaben), Kirche Mariä Geburt. Neubau.
1687
(um)
Kühbach (Schwaben), Benediktinerinnen-Klosterkirche. Stuckaturen.
1690
(um)
Leitheim (Schwaben), Kapelle St. Blasius. Stuckaturen.
1697 München (Oberbayern), Jesuitenkirche St. Michael. Ergänzungen. Stuckaturen.

 

  Johann Schmuzer (1642–1701)  
  Biografische Daten        
  Geburtsdatum Geburtsort     Land  
  13. Mai 1643 Gaispoint Wessobrunn     Bayern D  
    Land 18.Jh.     Bistum 18.Jh.  
    Kurfürstentum Bayern     Augsburg  
  Sterbedatum Sterbeort     Land  
  12. Mai 1701 Gaispoint Wessobrunn     Bayern D  
    Land 18. Jh.     Bistum 18. Jh.  
    Kurfürstentum Bayern     Augsburg  
  Kurzbiografie        
  Johann Schmuzer ist unzweifelhaft der wichtigste unter den vielen Stuckateuren und Baumeistern der bekannten Wessobrunner Familie. Sein Name ist mit dem grossen Bauvorhaben der Abtei Wessobrunn verbunden. Der Schwerpunkt seiner Doppelbegabung liegt aber im Dekorativen. Mit seinem flächenfüllenden Akanthus-Rankenwerk löst er sich, beeinflusst von den «Italienern», schon in den ersten Bauten vom frühbarocken Quadraturstuck. Ein Höhepunkt bildet die Wallfahrtskirche Vilgertshofen (1685–1692), einmalig in Architektur und hochbarockem Akanthus-Stuckkleid. Gegen 1700 leitet er, nun durch den Sohn Franz unterstützt, mit dem Tassilo-Saal in Wessobrunn zum Reduktions- und Aufspaltungsstil der Wessobrunner über.     Vilgertshofen  
  bio pdf werkliste     legende