Die Meister
Name Herkunft Text   Tätigkeit von   bis
Br. Jakob Kurrer SJ (1585–1647) Ingolstadt Kurrer   Jesuitenbaumeister 1617   1620
Hans Alberthal o. Giovanni Albertalli (um 1575–1648) Rovreredo Alberthal   Baumeister 1617   1620
Johann Matthias Kager (1575–1635) München     Maler ~1618   1620
Br. Oswald Kaiser SJ (1600–1686) Zug Kaiser   Jesuitenbaumeister 1649   ~1673
Franz Joseph Geiger (1644–1691) Landshut     Maler ~1670   ~1672
P. Joseph Guldimann SJ (1656–1736) Solothurn Guldimann   Jesuitenbaumeister 1716   1719
Franz de Gabrieli (1686–1726) Roveredo GabrieliFranz   Stuckateur 1717   1718
Johann Michael Rosner (†1726) Worms     Maler 1717   1718
Br. Johann Veit SJ (1683–1732) Ellwangen     Kunstschreiner 1719   1723
Br. Franz II Steinhart SJ (1683–1732) Weilheim     Bildhauer ~1719   ~1723
Matthias Seybold (1696–1765) Wernfels     Bildhauer 1730   1739
Johann Georg Bergmüller (1688–1762) Türkheim Bergmueller   Maler 1730   1733
Johann Evangelist Holzer (1709–1740) Burgeis HolzerJohann   Maler 1733   1739
Johann Jakob Bochler /Lebesdaten unbekannt) Eichstätt     Altarbauer ~1730   1739
Johann Jacob Feichtmayr (1704–1767) Ulm-Söflingen     Fassmaler ~1730   1739

Kirche   Ehemalige Jesuiten- oder Schutzengelkirche

Schutzengelkirche, ehemalige Jesuitenkirche
22   Bau und Baumeister 1617–1620
23   Die Fassade
24   Teilzerstörung 1634 und Wiederherstellung
32   Die Stuckaturen
33   Die Deckengemälde
34   Der Triumphbogen und die Wappen der Fürstbischöfe
35   Kanzel und Kirchenbänke
36   Die Altäre
37   Die Altarblätter
42   Die Orgel


Der geschichtliche und städtebauliche Rahmen

Bistum und Hochstift
Um 743 gründet Bonifatius das Bistum Eichstätt. Es ist ein eher kleines Bistum in der damaligen Kirchenprovinz Mainz. Die Bistumsgrenzen folgen noch heute dem mittelalterlichen Verlauf. Der Grossteil seiner Einwohner geht in der Reformation dem bischöflichen Zugriff verloren, nachdem Ansbach, Nürnberg, Weissenburg, die Kurpfalz, Pfalz-Neuburg und einige kleinere Herrschaften zum neuen Glauben übertreten. Nur wenige herzoglich-bayrische Gebiete entlang der Donau, der Deutschordensbesitz um Ellingen und das gefürstete Herrschaftsgebiet um Eichstätt verbleiben beim alten Glauben. Dieses Hochstift, wie die gefürstete Bischofsherrschaft genannt wird, ist kaum grösser als dasjenige der nördlich gelegenen Reichsstadt Nürnberg und bis zur Rekatholisierung der Oberpfalz sowie von Pfalz-Neuburg dreiseitig von protestantischem Gebiet umschlossen.
Der Fürstbischof residiert noch bis ins frühe 18. Jahrhundert auf der westlich der Bischofsstadt gelegenen Willibaldsburg. Ihr letzter grosser Ausbau zum eigentlichen Fürstenschloss findet durch Johann Conrad von Gemmingen statt. Der 1595-1612 regierende Fürstbischof lässt die Anlage unter der Leitung von Elias Holl aus Augsburg erweitern. Die adeligen Domherren, die sich bei jeder Bischofswahl neue Privilegien sichern und entscheidende Regierungsfunktionen einnehmen, residieren hingegen schon früh in der Stadt. Mit ihren barocken Domherrenhöfen des 17. und 18. Jahrhunderts, gebaut von Hofbaumeistern aus Südbünden, prägen sie das Stadtbild entscheidend.

Gegenreformation und Jesuitenberufung
Zentrum der bayrischen Gegenreformation wird die 1472 gegründete Landesuniversität Ingolstadt. Hier kämpft Professor Johannes Eck[1] für ein härteres Vorgehen gegen die Lehre Luthers. Die linksufrige Donaustadt liegt im Bistum Eichstätt. Dies mag mit ein Grund sein, warum sich schon 1544 ein Gefährte des Ordensgründers Ignatius von Loyola, der Jesuit Claude Jay, auf Einladung von Fürstbischof Moritz von Hutten drei Monate zu Gesprächen auf der Willibaldsburg aufhält. Auch in den folgenden Jahren, vor allem nach Aufnahme ihrer Lehrtätigkeit in Ingolstadt, sind mehrfach Jesuiten Gast beim Fürstbischof, unter ihnen 1549 auch Petrus Canisius.[2] 1556 eröffnen sie mit Unterstützung von Herzog Albrecht V. von Bayern in Ingolstadt das erste Kolleg der Oberdeutschen Jesuitenprovinz.[3] Obwohl diese Gründung erst 1576 einen finanziell abgesicherten Kollegneubau erhält, geht jetzt das Interesse der Jesuiten an einer Neugründung im nur fünf Wegstunden entfernten Eichstätt zurück. Zudem sind sie nicht immer willkommen, denn der Orden pocht bei jeder Neugründung auf finanzielle Unabhängigkeit in Form einer sicheren Stiftung des Landesherrn. Dies weckt bei den Eichstätter Domherren, wie dies bei Kolleggründungen auch in anderen Domkapiteln sichtbar ist, grossen Widerstand. Die Domherren befürchten nebst Machteinbussen vor allem eine Schmälerung ihrer Pfründe. Der Augsburger Fürstbischof Otto Truchsess von Waldburg erlebt diesen Widerstand 1563 bei seiner Gründung des Kollegs Dillingen, kann sich aber durchsetzen. Nicht so der seit 1560 in Eichstätt regierende Fürstbischof Martin von Schaumberg,[4] der dann an Stelle des Jesuitenkollegs 1564 das Collegium Willibaldinum, ein Seminar mit angeschlossener Lateinschule, eröffnet. Seine Nachfolger zeigen an der Schule kein Interesse, kürzen die Mittel oder können sich gegen die Domherren nicht durchsetzen. Das Willibaldinum muss deswegen 1602 geschlossen werden. Der sich seit seiner Wahl zum Domdekan vergeblich für die Schule einsetzende Johann Christoph von Westerstetten[5] wird 1612 zum Fürstbischof gewählt. Westerstetten ist trotz gegenteiligen Zusagen in der Wahlkapitulation entschlossen, das Collegium Willibaldinum wieder zu eröffnen und die Leitung den Jesuiten zu übertragen. Geschickt umgeht er den erwarteten Widerstand der Domherren, indem er die Jesuiten vorerst als Seelsorger, dann als Lehrer an die neueröffnete Schule holt. 1614 residieren und lehren sieben Jesuiten und der Superior im Willibaldinum.[6] Der Orden ernennt 1616 den bisherigen Superior zum Rektor und errichtet damit das Kolleg Eichstätt ordensrechtlich. Diese faktische Übergabe an den Orden und entsprechend vorbereitete Verträge werden allerdings vom Domkapitel jahrelang bekämpft, was schliesslich 1619 mit der Unterzeichnung des Fundationsvertrags zum Alleingang des Fürstbischofs führt. Die Tatsache, dass schon 1617 die Baupläne in Rom genehmigt werden und im gleichen Jahr die Grundsteinlegung der Kirche erfolgt, sind ein Hinweis auf den den unbedingten Willen des Fürstbischofs, das widerspenstige Domkapitel zu übergehen und den Bestand des Kollegs zu sichern. Vom Papst erreicht er 1621 eine Bestätigung des Vertrags und 1623 von Kaiser Ferdinand II. einen Schutzbrief für das neue Jesuitenkolleg.

Das Jesuitenkolleg bis zur Ordensaufhebung 1773
1620 sind die Kirche, 1626 auch der lange Kollegflügel mit dem schräg abstehenden Gymnasiumsgebäude vollendet. Um diese Zeit hat sich die Zahl der immatrikulierten Studenten von 156 auf 250 erhöht. 1634 wird Eichstätt durch die schwedischen Truppen des Generals Bernhard von Weimar gebrandschatzt. Auch Kirche und Kolleg fallen dem Stadtbrand zum Opfer. Provisorisch kann schon 1636 der Unterricht wieder aufgenommen werden. Die Wiederherstellung aller Gebäude dauert aber bis 1672. Die Studentenzahlen bleiben in diesen Jahren entsprechend tief. Sie erreichen mit 350 Immatrikulierten in der Mitte des 18. Jahrhunderts ihren Höhepunkt. Der Grossteil der Studenten stammt aus dem Gebiet des Hochstifts Eichstätt.
1773 wird der Jesuitenorden auf Betreiben der absolutistischen Herrscher Europas vom Papst aufgehoben. Zwar versucht Fürstbischof Raymund Anton Graf von Strasoldo, möglichst viele Jesuiten in Eichstätt zu behalten, das Domkapitel beharrt aber auf Auflösung der Ordensgemeinschaft. Der Fürstbischof stellt deshalb 1674 die Ex-Jesuiten vollumfänglich, nun als Weltpriester, in ihrer Lehrtätigkeit wieder ein.

Nach 1773
Das ehemalige Kolleg, jetzt wieder Willibaldinum genannt, wird unter fürstbischöflicher Leitung als Seminar weiterbetrieben, verliert dann mit dem Aussterben der Ex-Jesuiten zunehmend die Bedeutung und wird in den Wirren der europäischen Neuordnung am Anfang des 19. Jahrhunderts aufgelöst. Es erfährt 1836/43 als Knabenseminar und Lyzeum eine Neubelebung. Das ehemalige Jesuitenkollegium und spätere Seminar wird damit zur Keimzelle der heutigen katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, der wir auch die architektonisch hervorragenden Erweiterungen von Karljosef Schattner[7] verdanken. Zu ihnen gehört auch das 1981 eröffnete Alumnat am Westende des Kollegiums-Ostflügels.

Stadtgestalt und Jesuitenkolleg
Eichstätt ist eine Stadt auf mittelalterlichem Grundriss. Ihre von der Topografie beeinflusste Gestalt erreicht sie schon im 15. Jahrhundert. Der Verlauf der Altmühl und die umliegenden Höhen bestimmen die Ausdehnung und Struktur des Stadtraums. Dieser formt sich kreisförmig um den Dom und die Kollegiats-Pfarrkirche. Nach Norden, das Benediktinerinnenkloster St. Walburg umfassend, dehnt sich die Westenvorstadt aus. Sie folgt der Ausfallstrasse nach Weissenburg. Als westlicher Brückenkopf liegt, ausserhalb der Stadtmauern, die Spitalvorstadt am Weg zur Willibaldsburg. Jenseits des östlichen Stadttors liegt entlang der Ausfallstrasse nach Kipfenberg und Ingolstadt die Ostenvorstadt. Erst nach der Katastrophe des Dreissigjährigen Kriegs entstehen die das Stadtbild prägenden barocken Bauten, fast immer als rücksichtsvolle Eingriffe in die mittelalterliche Stadtstruktur. Man würde dies heute als Stadtreparatur bezeichnen. Strassenzüge und Plätze, die ganze erhaltene Bausubstanz und selbst die alten Grundstückgrenzen finden Beachtung. Das neue Bauen im historischen Kontext hat damit in Eichstätt schon früh Tradition. Der Diözesanbaumeister Karljosef Schattner knüpft in den 1980er Jahren an diese Tradition an. Seine vorbildlichen Werke bereichern das Stadtbild und setzen Massstäbe für die heutige Architektengeneration.
Eines der ersten grossen Bauvorhaben am Übergang zur Barockzeit ist die neue Kirche der Jesuiten mit dem Kollegbau und dem Gymnasium. Ihre Neubauten werden an die Stadtmauer beim Ostentor gelegt. Die Jesuitenkirche schliesst im Norden direkt an den Torturm an. Die Ostfassade des langen Kollegbaus ersetzt die Stadtmauer. Der Stadtgraben wird südlich des Ostentors aufgefüllt. Der heutige grosszügige Platz vor der Stadtfassade ist noch mit Gebäuden des Domkapitels belegt. Das schrägwestlich aus der Kollegarchitektur ragende ehemalige Kaisheimerhaus ist einziger noch bestehender Baukörper dieser Altbebauung. Dieses Stadthaus der Abtei Kaisheim wird 1564 für das Willibaldinum von Fürstabt Martin von Schaumberg erworben und 1625–1626 als letzte Bauetappe zum Gymnasium mit Aula umgebaut. Zu seinem heute verschwundenen Mittelportal führt damals eine Gasse. Sie ist links vom deswegen abgeschrägten Kollegiums-Westflügel und rechts von alten Kapitelhäusern begrenzt. Der Genehmigungsplan von 1624 zeigt diese Situation.[8] Erst 1765 wird mit dem Neubau der Domdechantei die heutige Platzsituation geschaffen.


Baugeschichte der Schutzengelkirche

Vorplanungen
In der Bibliothèque nationale de France sind drei Pläne des Kollegs Eichstätt aufbewahrt. Es sind die Pläne der Baugenehmigung, die jeweils durch die Ordenszentrale in Rom erteilt wird. Rektor Nikolaus Gall lässt schon im Mai 1616 einen ersten Neubau in Rom genehmigen. Darin sind die Kollegbauten, dem krummen Verlauf der Stadtmauer folgend, ungefähr an heutiger Lage geplant. Wo heute die Kirche steht, ist zwischen dem Ostentor und dem Kollegneubau eine 90 Fuss breite Freifläche mit «Hortus capituli» beschriftet. Weil dieses Gartengrundstück noch dem Domkapitel gehört, muss die geplante Kirche äusserst unpraktisch an das südliche Ende des Kollegs gelegt werden. Sie liegt zudem ausserhalb der Stadtmauern.[9] Im Januar 1617 kann der Fürstbischof vom Domkapitel das wichtige Gartengrundstück erwerben. Offenbar schon vorher liegt eine neue Eingabe in Rom. In diesem Genehmigungsplan liegt die Kirche im erworbenen «Hortus capituli», direkt anschliessend an das Ostentor. Südlich ist als Pendant zum Torturm der Kirchturm gezeichnet.[10] Der Entwurf für die Kolleggebäude fehlt jetzt. Der Kirchengrundriss des neuen Genehmigungsplanes von Anfang 1617 entspricht der Ausführung.[11] Die geplante Kirche ist ein Wandpfeilerbauwerk. Das Schiff weist drei Joche mit einem schmalen zusätzlichen Emporenjoch auf. Der Chor ist halbrund geschlossen und beidseitig von Sakristeien begleitet. Seit 1575 ist dieser Grundrisstyp in den Mustergrundrissen für Jesuitenkirchen bekannt.[12]

Bau und Baumeister 1617–1620
Schon am 13. März 1617 kann der Kirchenneubau begonnen werden. Die Nachrichten über den Bauvorgang sind widersprüchlich. Offenbar ist 1619 der Dachstuhl aufgerichtet. Anschliessend folgt der Bau der Gewölbe. Dass 1618 drei Altäre errichtet sind und die innere Einrichtung fast vollendet sei (Suttner 1859), ist deshalb nicht glaubhaft. Vom Herbst 1619 bis zum Sommer 1620 kann demnach an der Einrichtung gearbeitet werden. Am 30. August 1620 wird die Kirche zu Ehren aller Engel, speziell der Schutzengel geweiht.
Sie ist eine Wandpfeilerhalle wie die Jesuitenkirche in Dillingen, allerdings auf leicht grösseren Grundriss. Das Langhaus ist 4,5 Meter länger, die drei Wandpfeilernischen je 2,45 Meter breiter als die vier Nischen von Dillingen, die Wandpfeiler entsprechend stärker. Der Vergleich mit Dillingen entsteht nicht wegen des Grundrisses, sondern wegen der vergleichbaren Tektonik. Auch hier bestehen wesentliche Unterschiede. So weist die Eichstätter Kirche umlaufende schmale Langhausgalerien auf, die auf 6 Meter über dem Boden eine durchgehende Begehung des Innenraumes erlauben. Der grösste Unterschied ist aber das in ein offenes Dachwerk ragende Gewölbe.[13] Die für die damalige Zeit waghalsige Lösung wird wegen der Fassadenhöhe gewählt, die nicht höher als Dillingen ausfallen sollte. Sie wird heute als «erste raumvolumenoptimierte Wandpfeilerhalle» dargestellt.[14]
Diese Gewölbelösung wird von Hans Alberthal, dem Erbauer der Dillinger Jesuitenkirche, auch für die Stadtpfarrkirche Dillingen und für die Jesuitenkirche Innsbruck angewendet.[15] Dies ist ein Indiz für die Mitwirkung des Dillinger Baumeisters. Als planenden und bauleitenden Baumeister vermerken die Jesuiten aber nur Br. Jakob Kurrer SJ.[16] Der ausführende Baumeister ist zwar nicht genannt. Es dürfte Hans Alberthal sein. Als einzigen Meister nennen die Eichstätter Quellen in der «Historia Collegii» den Augsburger Maler Matthias Kager.[17] Er wird hier als Schöpfer dreier Altäre und ihrer Blätter aufgeführt. Der Hochaltar mit dem Schutzengelgemälde ist bei der Einweihung Ende August 1620 vorhanden, die beiden Seitenaltäre folgen im November des gleichen Jahres. Kager ist wahrscheinlich, wie in Dillingen, auch Entwerfer der Fassadengliederungen.

Die Fassade
«Die sparsame, aber gut gegliederte Westfassade steht imposant auf dem grossen vorliegenden Platz».[18] Der erwähnte Platz, früher Jesuiten- und heute Leonrodplatz, ist beim Bau der Kirche noch nicht vorhanden, weil die westlich vorgelagerte Gebäudegruppe des Domkapitels eine freie Sicht auf die Fassade verhindert. Die Fassade ist tatsächlich nüchtern, vor allem aber im Sockelgeschoss und im Giebel nicht von einheitlicher Gestaltung. Das Sockelgeschoss wird über alle Fassaden durch ein mächtiges Gebälk mit Triglyphenfries und stark auskragendem Fries abgeschlossen und von mächtigen Pilastern getragen. Das hohe Mittelfenster schneidet als einziger barocker «Verstoss» in die strenge Renaissancegliederung ein. Über dem Gesims würde man nun eine Weiterführung der Vertikalordnung erwarten. Stattdessen entbehren Attika und Schweifgiebel jeder Vertikalgliederung. Diese Vereinfachung muss um 1650 entstanden sein.[19] Davon zeugt die Giebelnische mit dem Wappenschild des Fürstbischofs Marquard II. Schenk von Castell.[20]
Am Segmentgiebel des einfachen Kirchenportals sind Kartuschen mit den Wappen des Hochstifts und des Fürstbischof Westerstetten mit der Jahreszahl 1620 angebracht.[21]

Teilzerstörung 1634 und Wiederherstellung
Schon 14 Jahre nach ihrer Einweihung wird die Schutzengelkirche im Dreissigjährigen Krieg durch Brand zerstört. Nur das Chorgewölbe mit dem Turm, das Gewölbe über der Empore und die Wandpfeiler-Tonnen halten der Brandlast stand. Vermutlich ist auch der Hochaltar noch intakt.[22] Weil gleichzeitig die ganze Stadt und auch die kurz vorher fertig gestellten Kollegbauten der Brandschatzung durch die schwedischen Truppen des Bernhard von Weimar zum Opfer fallen, sind Mittel und Baumaterial für einen schnellen Wideraufbau rar. 1639 wird der Chor wieder eingedeckt. 1640 erhält das Langhaus ein Notdach mit flacher Holzdecke. Die Kirche kann jetzt wieder in Gebrauch genommen werden. 1650 ist auch der Dachstuhl über dem Langhaus wieder hergestellt.[23] 1661 kann das Langhausgewölbe wieder errichtet werden. Erst jetzt ist die Kirche wieder im Zustand von 1620. Neue Elemente sind das zweite, unterwölbte Geschoss der Westempore und das Oratorium der Chorgalerie, das von der Franz-Borgia-Kapelle über der Sakristei zugänglich ist.[24] Bauleiter des Wiederaufbaus ist seit 1649 Br. Oswald Kaiser SJ.[25]

Neue Raumausstattung 1717–1739

Bauverlauf und beteiligte Meister
1716 beschliessen die Jesuiten für die Feier zum hundertjährigen Bestehen des Jesuitenkollegs eine Neugestaltung des Kirchenraums. Dieser ist seit der Wiederherstellung nach dem Dreissigjährigen Krieg ohne Fresken und hat offenbar nur ein bescheidenes Stuckkleid. Der vermutlich vom Rektor angefragte Provinzial entsendet den in Baukunst erfahrenen Jesuiten P. Joseph Guldimann als Spiritual und Bauleiter nach Eichstätt.[26] 1717 wird mit dem Stuckateur Franz de Gabrieli ein Akkord über 1850 Gulden für die Stuckierung des Kirchenraums geschlossen.[27]
Gleichzeitig erhält der eher unbekannte Maler Johann Michael Rosner aus Worms den Auftrag für die Deckengemälde.[28] Die Werkstatt Gabrieli beginnt mit den Stuckaturen am 6. April und beendet ihr Werk am 7. November. Rösner beginnt am 24. Juli und kann die Deckengemälde bis zum 21. November fertigstellen. 1718 malt er noch die beiden rückwärtigen Wandgemälde und die Bilder der Emporenbrüstung. 1719–1723 können die neuen Kirchenbänke, Kanzel, Beichtstühle und Altarschranken eingebaut werden. Es sind Arbeiten des Jesuitenbruders Johann Veit.[29] Die Figuralplastik der Kanzel stammt vom Jesuitenbruder Franz Steinhart.[30 Um 1730 erhalten die Galerien in den Wandpfeilernischen neue Brüstungen mit jeweils vortretendem Mittelteil. Grund sind die geplanten neuen Altäre, die jetzt in den Galeriebereich ragen. Die alten Altäre werden ab 1731 ersetzt.[31] Bis 1733 können dank verschiedener Stifter[32] die beiden Seitenaltäre und die vier Wandpfeileraltäre errichtet werden. Entwerfer aller Frührokoko-Altäre ist der Hofbildhauer Matthias Seybold, von dem auch die Figuralplastik stammt.[33] Für die beiden Seitenaltäre, den Kreuzaltar und den Frauenaltar, erhält der Augsburger Johann Georg Bergmüller[34] den Auftrag; er lässt die Blätter aber durch seinen Mitarbeiter Johann Evangelist Holzer[35] malen. Nur das 1730 gelieferte Altarblatt des Joseph-Altars ist eigenhändiges Werk Bergmüllers. Für die drei weiteren Wandpfeileraltäre dienen bestehende Blätter der alten Ausstattung von 1672. Ihr damaliger Maler ist Franz Geiger aus Landshut.[36] Sein Altarblatt am Ignatiusaltar stellt eine Übernahme des Landshuter Gemäldes von Johann Christoph Storer dar.
1739 folgt der grosse Baldachin-Hochaltar, wieder nach Entwurf von Matthias Seybold. Stifter des Altars ist Fürstbischof Johann Anton von Freyberg.[37] Altarbauer ist Johann Jakob Bochler[38] , Fassmaler ist Johann Jacob Feichtmayr.[39] Johann Evangelist Holzer liefert das Altargemälde im Frühjahr 1739, am 3. Dezember kann am fertiggestellten Hochaltar das erste Amt zelebriert werden. Damit ist die neue und bis heute erhaltene Raumausstattung beendet.

Die Stuckaturen
Die Stuckaturen sind «mit feinem Verständnis der Grösse des Raumes angegliedert, vorzüglich stilisiert. In der Halbkuppel des Chores das vergoldete Monogramm Christi vor imitiertem Fenster, umgeben von einer grossen Gloriole mit Wolken und Engelchen. Die drei Gemälde des Chors umgibt Rankenwerk, über den seitliche Gemälden Verdachungen mit Putten. Im Langhaus werden die Joche durch schmale Gurten getrennt, die intermittierende Blattzweigkompositionen beleben. Die Gemälde in jedem Joch umrahmen Akanthusranken mit Blumen und Zweigen. Sehr geschickt sind die Stichkappen belebt. Das Innenfeld schmücken Lambrequins und Akanthusranken an breitem Bandwerk. Die Grate besetzen Festons aus Laub, Blumen und Früchten. Über dem Scheitel halten zwei Putten einen Feston».[40] Die Stuckaturen sind heute mit kräftigem Rosa hinterfangen.[41] Ihre vortreffliche künstlerische Qualität am Übergang zum Bandelwerk der Régence zeigt, dass Franz de Gabrieli hier kein Erstlingswerk erstellt.[42] Hervorragend sind auch seine 16 grossen, freiplastischen Engel, die mit expressiver Gestik auf dem Gebälk sitzen. Sie sind durch ihre Attribute und ihrem Ausdruck in die Engel-Thematik des Gemäldeprogramms eingebunden.

Die Deckengemälde
Das Programm der Deckengemälde stammt vom Rektor und Bauleiter P. Joseph Guldimann SJ. Alle 41 Gemälde und auch die Stuckengel fügt er in sein durchdachtes Programm ein. Engel sind in allen Gemälden wichtige Akteure. Im ersten Langhausjoch sind sie bei Abraham zu Besuch. Im zweiten Joch greifen sie in die Makkabäerschlacht ein. Im dritten Joch vor dem Chor wird Judith von einem Engel begleitet. Im Chorgemälde verehren Engel die Dreifaltigkeit. In den Quertonnen der Wandpfeilernischen zeigen die Bilder das Eingreifen von Engeln in Krisensituationen. Das ausgewogene Programm und die Erzählkraft der Gemälde kontrastieren allerdings mit der künstlerischen und technischen Qualität der Secco-Malerei. «Tüchtig in der Zeichnung, in der Farbe kräftig, aber unruhig. Die Perspektive ist die der Tafelmalerei» urteilt Felix Mader. Man stelle sich vor, anstelle Rosner hätte Melchior Steidl[43] oder Johann Georg Bergmüller[44] den Auftrag erhalten!

Der Triumphbogen und die Wappen der Fürstbischöfe
Franz de Gabrieli gestaltet im Triumphbogen des Chors eine von Putten gehaltene Draperie, die von bekrönten Wappenschilden im Scheitel ausgeht. Die Schilde enthalten die Wappen von drei Fürstbischöfen. Alle sind quadriert. Der mittlere, grosse und bekrönte Schild enthält über der Bezeichnung «EXORNAVIT» (ausgeschmückt) das Wappen des zu Zeit der Neuaustattung regierenden Fürstbischofs Johann Anton I.[45] Beidseits sind kleinere Schilde der Fürstbischöfe zu sehen, die für den Bau und Wiederaufbau Verdienste aufweisen. Links ist über «FUNDAVIT» (gegründet) das Wappen Westerstetten[46] und rechts über «RESTAURAVIT» (wiederhergestellt) das Wappen Schenk-Castell angebracht.[47]

Kanzel und Kirchenbänke
Die Nussbaum-Kanzel von 1721 ist ein Gemeinschaftswerk der Jesuitenbrüder Johann Veit und Franz Steinhart. Veit ist Entwerfer und leitet die Kunstschreinerarbeiten. Der 20 Jahre jüngere Steinhart ist begnadeter Bildhauer. Die Kanzel lebt von seinen Arbeiten, der kühnen Engelsgruppe auf dem Schalldeckel, den Engeln an der Kanzel und dem vergoldeten Gitterwerk am Zugang. Die Brustbilder der drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael sollen Arbeiten Bergmüllers sein. Unten ist das vergoldete Wappen des Stifters mit der Inschrift «F. W. J. L. B. de St. I. R. St. C. E. et. C.» angebracht.[48]
Auch die 1719 erstellten Kirchenbänke sind Arbeiten der Jesuitenwerkstatt nach Entwürfen von Br. Johann Veit. Die phantasievollen und reichen Akanthusschnitzereien der  eichernen Bankwangen zeugen von einer hochstehenden Handwerkskunst der Jesuitenwerkstatt unter der Leitung von Veit.

Die Altäre
Zur Lage der Altäre, ihrem Patrozinium, dem Bildthema und dem Maler siehe den Grundriss.

Die von 1730 bis 1739 erstellten Altäre der Schutzengelkirche sind vom eintretenden Besucher, ähnlich den Kulissen eines Theaters, als Gesamtes sichtbar. Die beiden Seitenaltäre und die Wandpfeileraltäre sind leicht zur Mitte gerückt und bilden zusammen mit dem Hochaltar eine barocke Szenographie, ein «theatrum sacrum», wie sie schon ein Jahrzehnt vorher in den ähnlichen Wandpfeilerhallen von Aldersbach oder Rheinau vorbildlich zu sehen ist und wie sie dann in Diessen ihren Höhepunkt findet.
Die Säulenretabel der Seiten- und Wandpfeileraltäre zeichnen sich durch phantasievoll überbordende, hochwertige Bildhauerarbeiten im Auszug aus. Engel sind allgegenwärtig. Vor allem die beiden Seitenaltäre weisen schon in das kommende Rokoko.
Der sechs Jahre später aufgestellte Hochaltar ist eine freiplastische Triumpharchitektur des frühen Rokoko, auch wenn das Rocaille-Element noch fehlt. Nur hier ist auch der Fassmaler erwähnt. Ihm ist die ausgewogene Farbigkeit zu verdanken, die gekonnten Marketeriearbeiten aber dem Altarbauer. Der Hochaltar ist eine Stiftung des seit 1736 regierenden Fürstbischofs Johann Anton II.[49] Sein Wappen, umgeben von Engeln und mit vierfacher Helmzier, prangt zuoberst am Altarretabel.[50]

Die Altarblätter
Johann Evangelist Holzer liefert 1739 das Hochaltarblatt, das die Inthronisation des Menschensohns und die Verstossung Luzifers darstellt. Es ist ein Höhepunkt in Holzers künstlerischem Schaffen und, zusammen mit dem Hochaltar, auch Höhepunkt der Schutzengelkirche. Vermutlich ist Holzer auch Maler der beiden Seitenaltar-Blätter. Die «Kreuzigung Christi» und «Maria als Himmelskönigin» sind zwar mit «J. Bergmiller pinx. A 1733» signiert, was aber Arbeiten des Schülers Holzer nicht ausschliesst. Auch die vier kleineren Blätter der Wandpfeileraltäre sind von vorzüglicher Qualität. Der «Tod des hl. Joseph» ist ein 1730 von Johann Georg Bergmüller geliefertes Werk. Die drei weiteren Altarblätter von Franz Joseph Geiger sind den Vorgängeraltären entnommen. Ihnen hat eine unsachgemässe Restaurierung von 1962 stark zugesetzt.[51]

Die Schutzengelkirche nach 1739

Dornröschenschlaf bis 1844
Bis zur Säkularisation des Hochstifts 1802 bleibt die Kirche von Veränderungen verschont. Nach der Auflösung des Jesuitenordens 1773 geht sie in die Obhut des Hochstifts über. Sie dient weiterhin als Schulkirche, nun für das Seminar. Nach 1802 wechseln ihre Besitzer im Takt der jeweiligen Herrschaft. 1806 bis 1817 ist dies das neugegründete Königreich Bayern, das jetzt auch im ehemaligen Hochstift alle Klöster auflöst und unnütze Kirchen auf Abbruch versteigert[52] . 1809 kann ein Abbruch der Schutzengelkirche verhindert werden. Der bayrische Administrator bezeichnet sie vorgängig als «alte, baufällige Kapelle». 1839 wird die Turmkuppel ähnlich der alten Form erneuert. 1844 folgt eine erste Restaurierung des Innenraums, die vor allem die  offensichtlich mitgenommenen Deckengemälde in die Kur nimmt. 1908/09 wird der Innenraum gereinigt und das Hochaltarbild einer Rosskur in München unterzogen. Aber erst 1961–1962 folgt eine «Gesamtinstandsetzung», die zu dem kräftigen Rosaton der Gewölbe führt. Die letzte Innen- und Aussenrestaurierung ist 2010 beendet.

Die Orgel
Schon früh steht auf der Westempore, wahrscheinlich am heutigen Platz im oberen Emporengeschoss, auch eine Orgel. Über das Aussehen oder die Grösse der Barockorgel sind keine Angaben vorhanden.
1896 ersetzt der Nürnberger Orgelbauer Josef Franz Bittner die vielleicht noch aus barocker Zeit stammende Orgel durch ein pneumatisches Instrument in neuem Gehäuse. Er ordnet das Prospektgehäuse der dreimanualigen Orgel mit 33 Registern (III-P/33) beidseitig des ovalen Giebelfensters an.
Die heutige Orgel (III-P/40) mit mechanischer Spiel- und Registraturtraktur wird 1965/66 vom Orgelbauer Manfred Mathis in Näfels neu gebaut. Der Prospekt der Hauptorgel ist jetzt wieder in die Mitte gerückt und wird vom Giebelfenster hinterleuchtet. Ein Brüstungspositiv ergänzt die gelungene Neuschöpfung.

Pius Bieri 2017


Literatur:

Suttner, Joseph Georg: Geschichte des bischöflichen Seminars in Eichstätt. Eichstätt 1859.
Braun, Joseph SJ: Die Kirchenbauten der deutschen Jesuiten. Freiburg 1910.
Mader, Felix: Die Kunstdenkmäler von Mittelfranken, Band I, Stadt Eichstätt. München 1924.
Kommission für bayerische Landesgeschichte: Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken, Reihe I, Heft 6, München 1959.
Nising, Horst: «... unseren Zwecken aufs beste angepasst». Die Jesuitenkollegien der Süddeutschen Ordensprovinz im 16. bis 17. Jahrhundert und ihre Darstellung in fünf Bilderzyklen. München 2003.
Sauter, Marion: Die oberdeutschen Jesuitenkirchen 1550–1650, Petersberg 2004.
Frey, Karl: Zur Innenrenovation der Schutzengelkirche zu Eichstätt in den Jahren 2008–2010, in: Die Schutzengelkirche und das ehemalige Jesuitenkolleg in Eichstätt, Regensburg 2011.
Grund, Claudia: Templum Honoris, zur Baugeschichte von Kirche und Kolleg der Jesuiten in Eichstätt, in: Die Schutzengelkirche und das ehemalige Jesuitenkolleg in Eichstätt, Regensburg 2011.
Hagn, Cornelia und Mundt, Thomas: Zur Restaurierung des Hochaltargemäldes und der Seitenaltargemälde in der Schutzengelkirche, in: Die Schutzengelkirche und das ehemalige Jesuitenkolleg in Eichstätt, Regensburg 2011.
Hofmann, Siegfried: Programm und Inhalt der Deckengemälde in der Schutzengelkirche, in: Die Schutzengelkirche und das ehemalige Jesuitenkolleg in Eichstätt, Regensburg 2011.
Zenger, Robert: Zur Restaurierung der Decken- und Wandgemälde in der Schutzengelkirche Eichstätt, in: Die Schutzengelkirche und das ehemalige Jesuitenkolleg in Eichstätt, Regensburg 2011.


Anmerkungen:

[1] Johannes Eck (1486–1543), eigentlich Johannes Mayer aus Egg an der Günz. Er ist auch Domherr in Eichstätt. Das Eichstätter Domkapitel hat die päpstliche Verpflichtung, jeweils einen Theologie-Professor der Universität als Kanoniker aufzunehmen, der dann allerdings nur die Pfründe beziehen kann und keine weiteren Rechte hat.

[2] Petrus Canisius SJ (1521–1597) aus Nimwegen. Er gründet die Kollegien in Prag (1556), München (1559), Innsbruck (1562), Dillingen (1563), Tyrnau (1561), Würzburg (1567), Hall in Tirol (1569) und Fribourg (1582).

[3] Gleichzeitig mit der Eröffnung des Gymnasiums beziehen 18 Patres das «alte Kolleg», eine zugewiesene Wohnstätte, die erst 1576 durch einen Kollegneubau ersetzt wird, der jetzt durch eine Fundationsurkunde des Herzogs abgesichert ist.

[4] Martin von Schaumberg (1523–1590) aus Nassenfels, regiert 1560–1590 in Eichstätt. Er ist vor der Wahl auch Domherr in Augsburg, Bamberg und Würzburg, ausserdem Kanoniker von St. Burkhard in Würzburg.

[5] Johann Christoph von Westerstetten (1563–1637) aus Wasseralfingen, regiert 1612–1637 in Eichstätt. 1592-1602 ist er Domdekan in Eichstätt. 1602–1612 regiert er als Fürstpropst in Ellwangen. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[6] Superior ist Nikolaus Gall SJ (1577–1633). Er wird 1616 Rektor des neuen Kollegs. Das Gebäude des Willibaldinum ist vermutlich das frühere Kaisheimer Haus, das dann 1625–1626 zum Gymnasium und Konvikt mit Festsaal umgebaut wird. Heute: kirchliches Rechenzentrum Leonrodplatz 5. Siehe auch die Planung 1624.

[7] Karljosef Schattner (1924–2012) aus Gommern in Sachsen-Anhalt, 1957–1991 Leiter des Diözesanbauamtes Eichstätt. Seine Arbeiten sind von Carlo Scarpa (1906–1978) geprägt, der 1945–1978 in Venetien wirkt.

[8] Plan im Format (B x H) 62,5 x 38 cm. Die Genehmigungspläne des römischen Archivs kommen nach der Ordensaufhebung 1773 nach Paris. Der Plan ist in grosser Messgenauigkeit von einem erfahrenen Planer, wahrscheinlich Jakob Kurrer, gezeichnet.         >Zum Plan 1624.          >Zum Original in der Bibliothèque nationale de France.

[9] Die Planung 1616 ist kein grosser Wurf. Die Kollegbauten folgen im Grundriss dem krummen Verlauf der Stadtmauer. Die Kirche fällt als Dreikonchenanlage mit Einturmfassade völlig aus dem Rahmen der Jesuitenkirchen in der Oberdeutschen Provinz, die sonst durch eine kompakte Gebäudeform geprägt sind. Sie ist kleiner als der Bau von 1617/20. Die Sakristei liegt unpraktisch am Eingangsbereich des Langhauses. Der Plan, 41 cm breit und 28 cm hoch, ist sorgfältig gezeichnet und in Kanzlei-Kursivschrift lateinisch beschriftet. Die bestehenden Bauelemente (Torturm, Kaisheimerhaus, Stadtmauer Süd) sind aber nicht ausgemessen und deshalb nicht korrekt gezeichnet. Der Zugang zur Kirche würde den Abbruch des Kaisheimer-Hauses bedingen, welches im Text aber zur Verwendung als Schule bezeichnet ist. Der Plan könnte deshalb von einem Liebhaber-Architekten der Jesuiten oder einem Malerarchitekten gezeichnet sein. Zum Originalplan 1616 in der Bibliothèque nationale de Paris.

[10] Die Symmetrie wird mit dem Abbruch des Ostentors 1817 aufgehoben.

[11] Die Zeichnung im Format (B x H) 35,5 x 24 cm ist kein Bauplan, aber entweder die Vorlage für den Bauplan oder eine skizzenhafte Kopie. Er ist nicht datiert, muss aber gleichzeitig mit dem Grundstückkauf nach Rom gelangt sein. Der geübte Zeichner (Matthias Kager?) trägt auch die Innenmasse ein: Langhaus (L x B) 110 x 73 Fuss, Chor (L x B) 55 x 44 Fuss. Der Eichstätter Fuss beträgt 0,304 Meter. Dies ergäbe beim Langhaus (L x B) 22 x 33.5 Meter, Chor (L x B) 16,5 x 13,5 Meter, was mit ganz geringen Abweichungen der Ausführung entspricht. Zum Originalplan 1617 in der Bibliothèque nationale de Paris.

[12] Die Mustergrundrisse von Giovanni De Rosis SJ (1538–1610) werden als Kopien an die Provinziale versandt, so auch nach München. Zu De Rosis siehe: Zu De Rosis siehe das Historische Lexikon der Schweiz..

[13] Zur Problematik des offenen Dachwerks bei Wandpfeilerhallen siehe das Glossar in dieser Webseite (D>Dachwerk).

[14] Marion Sauter 2003 in «Die oberdeutschen Jesuitenkirchen». Aber warum, ausser dem Ziel von nicht allzu hohen Fassaden, soll eine (Aussen)-Raumvolumenoptimierung gut sein? Johann Michael Fischer zeigt mit der Wandpfeilerhalle von Zwiefalten noch 124 Jahre später, dass auch ohne Raumoptimierung Glanzleistungen möglich sind.

[15] Hans Alberthal oder Giovanni Albertalli (um 1575–1648) aus Roveredo. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[16] Br. Jakob Kurrer SJ (1585–1647) aus Ingolstadt. Sein Hauptwerk ist die 1633–1639 gebaute Stadtpfarrkirche in Luzern. Im Nekrolog 1647 vermerken die Jesuiten «Collegia duo Eystadiense cum suo templo et Ensisheimianum a fundamentis erexit» (Er hat zwei Kollegbauten errichtet, in Eichstätt mit der Kirche und in Ensisheim). Siehe zu Jakob Kurrer die Biografie in dieser Webseite.

[17] Johann Matthias Kager (1575–1635) aus München, in Augsburg tätig. Er ist Maler und Berater für die Jesuitenkirchen in Dillingen, Eichstätt und Innsbruck. Auch wenn nicht durch Quellen belegt, muss er als Entwerfer der Fassadengliederungen der drei Kirchen betrachtet werden. Belegt sind Einrichtungsentwürfe und Gemälde.

[18] Felix Mader 1924. Der Jesuitenplatz (heute Leonrodplatz) entsteht nach dem Abbruch der brandversehrten Gebäude des Domkapitels um 1636.

[19] Hypothese des Verfassers. Der freistehende Giebel dürfte, wie auch das Gewölbe, dem Brand von 1634 nicht stattgehalten haben. Zeitgleich mit dem Dachstuhlneubau 1650 wird er deshalb neu aufgerichtet. Fehlende Mittel mögen die Einfachheit begründen. Form und Gliederung des Vorgängergiebels müssen nicht identisch sein.

[20] Marquard II. Schenk von Castell (1605–1685), Fürstbischof von Eichstätt 1637–1685. Der Wappenschild ist quadriert und enthält in 1 und 4 in Silber ein rotes Hirschgeweih, in 2 und 3 in Silber zwei rote Löwen übereinander. Im Herzschild ist das Wappen des Hochstifts, in Rot eine silberne Krümme, zu sehen. Helmzier ist die Mitra, begleitet von Krummstab und Schwert.

[21] Das Wappen des Hochstifts wie oben. Das Wappen des Fürstbischofs ist geteilt, oben Rot und Silber gespalten und unten Blau. Am Fries die Inschrift «DEO .︎ OPT . MAX . IN HONOREM S.S. ANGELORVM».

[22] Nur über die Errichtung zweier neuen Wandpfeileraltäre, den Aloysiusaltar (1647) und den Josephsaltar (1648/54) berichtet Suttner 1859. 1662 werden die Kanzel und beiden Seitenaltäre, offenbar noch die Ausstattung von 1620, restauriert. Der Hochaltar erhält 1669 einen Reliquienschrein. (Alle Mitteilungen Suttner 1859). Das heisst, dass die drei Altäre, sicher aber der Hochaltar, um diese Zeit noch die Altäre Kagers von 1620 sind.

[23] 1650 wird eine neue Einfachdeckung mit Ziegeln gemeldet, die dann 1661 einer Doppeldeckung weicht. Bei der letzten Sanierung 2008 wird offensichtlich auf die dendrochronologische Untersuchung verzichtet, die sicheren Aufschluss über das Erstellungsjahr des Dachstuhls  geben könnte. Weil ein Dachstuhl immer vor dem Gewölbe aufgerichtet wird, muss demnach der Dachstuhl 1650 schon erstellt sein.

[24] Gemäss Braun (1910). Andere Kunsthistoriker verlegen den Bau der Doppelempore in Jahr 1717, was jedoch mit der gleichzeitigen Stuck- und Gemäldeausstattung terminlich kollodiert.

[25] Br. Oswald Kaiser SJ (1600–1686) aus Zug, Jesuitenbaumeister. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[26] P. Joseph Guldimann SJ (1656–1736) aus Solothurn. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[27] Franz de Gabrieli (1686–1726) aus Roveredo, Bruder des Hofbaumeisters Gabriele de Gabrieli. Zu Franz de Gabrieli siehe die Biografie in dieser Webseite.

[28] Von Johann Michael Rosner (†1726) aus Worms. Der Maler wird den Jesuiten offenbar vom Wormser Weihbischof Johann Baptist Gegg, Bruder des Bürgermeisters von Eichstätt, empfohlen. Vielleicht ist die Empfehlung mit einer Schenkung verbunden. Rosner ist kein Freskomaler, er malt «al secco» auf Kalk und nimmt teilweise kalkunverträgliche Pigmente.

[29] Br. Johann Veit SJ (1663–1732) aus Ellwangen. Er tritt 1696 als Kunstschreiner in den Orden ein und ist in den Kirchen von Freiburg 1702–1707, Eichstätt 1719–1723 und Neuburg 1725 mit Ausstattungen nachgewiesen. In zwei Sammelbänden aus 1729 sind in der Bayerischen Staatsbibliothek informative Risse von Ausstattungen, gezeichnet von Johann Veit, abrufbar. Zu den Rissen in der Bayerischen Staatsbibliothek.

[30] Br. Franz II Steinhart SJ (1683–1732) aus Weilheim, Sohn des Franz I Steinhart (1651–1695). Vater Franz I arbeitet mit seinem Bruder Dominikus 1674–1682 in Italien, ab 1677 in Rom für Carlo Fontana. Franz II tritt 1707 als Bildhauer in den Jesuitenorden ein.

[31] Zwei Wandpfeileraltäre sind in der 1727 eingeweihten Pfarrkirche St. Jakobus in Greding als Seitenaltäre erhalten.

[32] Die beiden Seitenaltäre 1733 werden von Weihbischof Johann Adam Nieberlein (Kreuzaltar) und Deutschordenskomtur Karl Heinrich von Hornstein in Ellingen (Frauenaltar) gestiftet, die Wandpfeileraltäre von zwei Adelsfamilien und zwei Bürgerfamilien.

[33] Matthias Seybold (1696–1765) aus Wernfels bei Spalt, Hofbildhauer, ab 1747 auch fürstbischöflicher Bauinspektor.

[34] Johann Georg Bergmüller (1688–1762) aus Türkheim, Augsburger Maler, Kupferstecher und Kunsttheoretiker. Er signiert die Blätter des Kreuzaltars, des Frauenaltars und des Josephaltars. Siehe zu ihm die Biografie in dieser Webseite.

[35] Johann Evangelist Holzer (1709–1740) aus Burgeis im Südtirol, Maler und Freskant, Schüler von Bergmüller in Augsburg. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[36] Franz Joseph Geiger (1644–1691) aus Landshut. Er malt die Blätter des Aloysiusaltars, des Ignatiusaltars (als Kopie des Gemäldes von Storer in Landshut) und des Franz-Xaver-Altars.

[37] Johann Anton II. von Freyberg-Hopferau (1674–1757), Fürstbischof von Eichstätt 1736–1657. Sein Wappenschild ist über dem Hochaltar angebracht.

[38] Johann Jakob Bochler aus Eichstätt. Seine Lebensdaten sind unbekannt.

[39] Johann Jacob Feichtmayr (1704–1767) aus Ulm-Söflingen, Vergolder und Fassmaler, Neffe des Wessobrunner Baumeisters Caspar I Feichtmayr, Hofvergolder in München, ab 1754 mit Hofschutz in Eichstätt mit Wohnung auf der Willibaldsburg.

[40] Beschrieb des Stuckes von Felix Mader 1924.

[41] Leider fehlt für die Stuckausstattung eine Veröffentlichung des Befundes und der Massnahmen anlässlich  der Restaurierungsetappe von 2008/09. Im Restaurierungsbericht der Deckengemälde wird festgehalten, dass der kräftige Rosaton erst seit der umfassenden «Restaurierung» von 1962 exisitiert.

[42] Der Stuck ist qualitativ mit dem ähnlichen Stuck im Kapitelsaal von Ottobeuren vergleichbar, den Johann Baptist Zimmermann im gleichen Jahr erstellt, und von weit höherer Qualität als der starre Bandelwerkstuck der kommenden Jahre.

[43] Melchior Steidl (1657–1727) aus Innsbruck, Hofmaler in München. Bedeutender Freskant. Noch 1716 malt er in der Eichstätter Dominikanerkirche St. Peter alle Deckenfresken für 700 Gulden.

[44] Johann Georg Bergmüller, dem 1730 der Auftrag für die Altarblätter erteilt wird (siehe oben), ist ebenfalls bedeutender Freskomaler und malt 1718 die Fresken der Eichstätter Notre-Dame Kirche.

[45] Johann Anton I. Knebel von Katzenelnbogen (reg. 1705–1725). Der Schild zeigt in 1 und 4 das Wappen des Hochstifts, in Rot eine silberne Krümme, und in 2 und 3  das Wappen Knebel, in Silber ein rotes Schildchen, im rechten Obereck begleitet von einem schwarzen Ring

[46] Johann Christoph von Westerstetten (reg. 1612–1637). Der Schild enthält in 1 und 4 das Wappen des Hochstifts und in 2 und 3 das Wappen Westerstetten, in geteiltem Schild oben von Silber und Rot gespalten, unten Blau.

[47] Marquart II. Schenk von Castell (reg. 1636–1685). Sein persönliches Wappen ist quadriert. In 1 und 4 ist in Silber ein rotes Hirschgeweih, in 2 und 3 sind in Silber zwei Löwen übereinander schreitend dargestellt. Im Herzschild ist das Wappen des Hochstifts enthalten.

[48] F(ranciscus). W(ilhelm). J(oseph). L(ib). B(aro). de St(ain). I(n). R(echten-). St(ein). C(anonicus). E(ystettensis). et. C(onstantiensis).» Also: Franz Wilhelm Joseph Freiherr vom Stain zum Rechtenstein, Domherr in Eichstätt und Konstanz. Sein Todesjahr wird mit 1719 angegeben.

[49] Johann Anton II. von Freyberg (1674–1757), Fürstbischof von Eichstätt 1636–1757.

[50] Der aussergewöhnliche Schild dieses Fürstbischofs ist an allen seinen Bauwerken zu sehen. Er hat nebst den üblichen Attributen Krummstab und Schwert gleich vier Helmbekrönungen. Die Helmzier beginnt mit einem wachsenden behandschuhten Arm, der einen zweiten Krummstab trägt. Dann folgen Mitra und Fürstenhut. Zum Abschluss (heraldisch links) ist eine Helmzier von Straussenfedern zu sehen. Im quadrierten Schild ist in 1 und 4 das Hochstift (in Rot eine Krümme) und in 2 und 3 das Stammwappen Freyberg-Hopferau (von Silber und Blau geteilt, unten drei goldene Kugeln) dagestellt.

[51] Alle sieben Altarblätter werden, zusammen mit weiteren 20 Gemälden (über den Gestühlen, Beichtstühlen, an der Kanzel), für die Holzer-Ausstellung  2010 und die gleichzeitige Kirchenrestaurierung konserviert und teilweise restauriert. Ein 2011 veröffentlichter Restaurierungsbericht (siehe Literatur) ist eine gut dokumentierte und bebilderte Quelle für alle Altarblätter der Schutzengelkirche, deckt aber auch viele irreversible Fehler der vorangehenden Restaurierungen auf. Auch für Altarblätter gilt offensichtlich das Bonmot, dass die beste Restaurierung diejenige ist, die nicht stattfinden muss.

[52] Der Abbruch unnützer Sakralbauten liegt offenbar im Zeitgeist. Prinz Eugen Beauharnais, dem Eichstätt 1817 als Fürstentum geschenkt wird, äussert den Wunsch, die alte Eichstätter Stadt- und Kollegiatskirche Unserer Lieben Frau abzubrechen (Pfarrkirche ist seit der Säkularisation der Dom, dem auch das Patrozinium übertragen wird). Dem Wunsch wird noch 1818 entsprochen.

 

 

 

 

 

 


  Schutzengelkirche (ehemalige Jesuitenkirche) Eichstätt  
  EichstaettInnen1  
Ort, Land (heute) Herrschaft (18. Jh.)
Salzburg A

Fürsterzbistum Salzburg
Bistum (18.Jh.) Baubeginn
Salzburg   1617
Bauherr und Bauträger
Westerstetten  Fürstbischof Johann Christoph von
      Westerstetten (reg. 1612–1637)
      Fürstbischof Marquard II. Schenk von
      Castell (reg. 1637–1685)
      Fürstbischof Johann Anton II. von
      Freyberg-Hopferau (reg. 1736–1757)
 
  Der Innenraum der 1617–1620 erbauten Schutzengelkirche mit dem Stuck von 1717 und der Altarausstattung von 1730–1739. Foto: Bieri 2017.   pdf  
   
EichstaettA1
Westfront von Kirche und Kolleg (heute Seminar). Foto: Tilman2007 in Wikipedia.  
   
Eichstaett1814
Plan von Eichstätt in der barocken Stadtgestalt, wie sie sich 1814 zeigt. Hervorgehoben (1) ist die Schutzengelkirche und das Jesuitenkolleg am südöstlichen Stadtrand. Siehe dazu den Text «Stadtgestalt und Jesuitenkolleg». Für die Planlegende und Vergrösserung bitte anklicken.  
Eichstaett1814Ausschnitt
Etappenplan des ehemaligen Jesuitenkollegs und der Schutzengelkirche mit den modernen Ergänzungen des Seminars.  
Eichstaett1766
Johann Michael Franz (1715–1793) und Maurizio Pedetti (1719–1799) stellen 1766 die «Residenz Statt Eychstaett» in einer Vedute aus Nordosten dar. Leicht überhöht, aber äusserst präzis sind alle wichtigen Gebäude der Stadt dargestellt. Ihre Bezeichnung und Bedeutung kann in der Planlegende (oben) erfasst werden. Im Vordergrund liegen die Gebäude der Ostenvorstadt mit dem Domherrenhof Speth, dem Kapuzinerkloster, dem Waisenhaus und der Sommerresidenz. Noch vor den Stadtmauern liegt das Kloster Notre Dame. Am linken Stadtrand ist das im obigen Ausschnitt erfasste Jesuitenkolleg mit der Schutzengelkirche zu sehen. Gut sichtbar ist auch das heute verschwundene Ostentor am Chor der Kirche.
Quelle: Gemälde in Schloss Hirschberg, hier als Scan aus Ausstellungskatalog 2013.
 
EichstaettGrRiss1617
Der Plan für den Neubau der Jesuitenkirche ist die Skizze eines bauerfahrenen Meisters und wird 1617 in Rom genehmigt Der Plan ist nicht nur in jedem Detail mit dem heutigen Bau übereinstimmend, er notiert auch die genauen Massangaben in Fuss. Deutlich ist zu sehen, wie das Ostentor immer als Gegengleich zum Kirchturm betrachtet wird.
Quelle:
Bibliothèque nationale de France, Paris.
 
Eichstaett1673
«Sub triplici Scuto» Unter dreifachem (Schutz-) Schild ist das Kolleg und die Kirche von Eichstätt 1673 als Vogelschau-Ansicht aus Osten dargestellt. Die Schilde zeigen in der Mitte das Jesuitensignet, links das Wappen Johann Christoph von Westerstetten und rechts das Wappen Marquard II. Schenk von Castell. Die Erläuterungen verweisen auf die Baugeschichte und die Bezüge zu den beiden Fürstbischöfen. Der Stich erscheint als Beilage zur Festschrift «Rationale Aaronicum» zum Abschluss der Wiederherstellungsarbeiten nach dem Dreissigjährigen Krieg. Verleger ist Zinck in Ingolstadt.  
EichstaettGrRissKirche
Grundriss der Schutzengelkirche, aus: Kunstdenkmäler von Mittelfranken, 1924, mit ergänzend eingetragenen Altären  und Erläuterungen.  
EichstaettAussen2
Die Fassade der Schutzengelkirche, wie sie seit der Wiederherstellung und der Schaffung des Platzes (Jesuitenplatz, heute Leonrodplatz) nach dem Dreissigjährigen Krieg zu sehen ist. Foto: Bieri 2017.  
EichstaettAussen5
Die Schutzengengelkirche von der Ostenstrasse gesehen. Rechts fehlt seit 1817 das Ostentor. Foto: Bieri: 201  
EichstaettKirche3
Im Segmentgiebel des Einganges sind die Wappen des Hochstifts Eichstätt und des Fürstbischofs Johann Christoph von Westerstetten zu sehen. Die Inschrift P. A°. D. (Positum Anno Domini) DCXX. verweist auf das Einweihungsdatum 1620. Darunter, am Fries die Inschrift «DEO .︎ OPT . MAX . IN HONOREM S.S. ANGELORVM» (Dem gnädigsten und erhabensten Gott zu Ehren der heiligsten Engel). Foto: Bieri 2017.  
EichstaettKirche4
Der Fassadengiebel wird in der heutigen Form erst nach dem Dreissigjährigen Krieg erstellt. Darauf verweist auch der Wappenschild des Fürstbischofs Marquard II. Schenk von Castell (reg. 1637–1685). Die Erläuterung des Wappens siehe in der Anmerkung 20 im Text. Foto: Bieri 2017.  
EichstaettInnen2
Am Scheitel des Triumphbogens verewigt sich der 1717 regierende Fürstbischof Johann Anton I. mit seinem Wappenschild, begleitet vom Schild Westerstetten (links) und dem Schild Schenk von Castell (rechts). Zur Beschreibung  siehe den nebenstehenden Text «Der Triumphbogen und die Wappen der Fürstbischöfe» und die Anmerkungen 45–47. Foto: Bieri 2017.  
EichstaettInnenGabrieli
Franz de Gabrieli stuckiert 1717 die Gewölbe mit feinem Rankenwerk am Übergang zur Régence und setzt auf das Pfeilergebälk ausdruckstarke Engel (hier als Ausschnitt der Gesamtansicht Richtung Chor).
Foto: Bieri 2017.
 
EichstaettKircheInnen4
Horizontalprojektion des zweiten Langhausgewölbes. Der Gabrieli-Stuck ist hervorgehoben. Akanthusranken mit Blumen und Zweigen umrahmen das Gemälde. Engel halten Blütenkränze. Das Innenfeld der Stichkappen schmücken Lambrequins und Akanthusranken an breitem Bandwerk. Festons aus Laub, Blumen und Früchten besetzen die Grate.  Bei den Gemälden von Johann Michael Rosner, hier das Eingreifen der Engel in der Makkabäerschlacht, ist das Programm von höherer Qualität als die Ausführung.
Foto: Bieri 2017.
 
EichstaettKircheInnen5
Blick in den Chor mit dem 1739 nach Entwurf von Matthias Seybold aufgerichteten Hochaltar. Seine freiplastische Triumpharchitektur ist frühes Rokoko, auch wenn das Rocaille-Element noch fehlt. Das Altarblatt von Johann Evangelist Holzer ist eines der wenigen erhaltenen Werke des Augsburger Malers. Foto: Bieri 2017.  
EichstaettInnen6
Die Stuckgloriole um das (falsche) Rundfenster im Rundgewölbe der Chorapsis von 1717 und der Hochaltar von 1739 bilden eine optische Einheit. Auf dem Oberstück des Altarretabels ist der Prunkschild mit dem Wappen des Stifters und regierenden Fürstbischofs Johann Anton II. angebracht. Zum Wappen siehe die Anmerkung 50 im nebenstehenden Text. Foto: Bieri 2017.  
EichstaettHolzer
Das Hochaltarblatt von Johann Evangelist Holzer hat die Inthronisation des Menschensohns und die Verstossung Luzifers zum Thema. Oben wird Christus von Gottvater empfangen, darüber der Hl. Geist in Form der Taube. Engel halten Herrschaftsinsignien bereit.  Der Erzengel Michael verkündet unten den Triumph über die Mächte Luzifers.
Foto: Bieri 2017.
 
EichstaettInnenKreuzaltar
Der nördliche Seitenaltar wird schon 1733 aufgerichtet. Wie alle Altäre, ist auch er nach einem Entwurf von Seybold gebaut. Das Blatt mit der Kreuzigung Christi wird im gleichen Jahr von Johann Georg Bergmüller geliefert, ist aber wahrscheinlich von Johann Evangelist Holzer gemalt. Foto: Bieri 2017.  
EichstaettInnenMarienaltar
Der südliche Seitenaltar ist von ähnlichem Aufbau wie sein nördliches Pendant und weist ein weiteres phantasievolles, bewegtes Oberstück mit Engeln auf. Die Bildhauerarbeit weist in das kommende Rokoko. Wie das von den Engeln gehaltene Schild «Regina Angelorum» und das Thema des Altarblattes zeigen, ist es der Marienaltar. Auch dieses Blatt soll, obwohl von Bergmüller signiert, von Holzer gemalt sein. Bild: Bieri 2017.  
EichstaettKanzel12
EichstaettKanzel10
Die Nussbaum-Kanzel von 1721 ist ein Gemeinschaftswerk der Jesuitenbrüder Johann Veit und Franz Steinhart. Zur Kanzel und ihrem Stifter siehe den nebenstehenden Text «Kanzel und Kirchenbänke». Fotos: Bieri 2011 und 2017.  
EichstaettInnenOrgel
Die heutige Orgel (III-P/40) mit mechanischer Spiel- und Registraturtraktur wird 1965/66 vom Orgelbauer Manfred Mathis in Näfels neu gebaut. Über die barocke Orgel ist nichts bekannt.
Foto: Bieri 2017.