Die wichtigsten Meister der Stiftskirche Obermarchtal
Name Herkunft Text   Tätigkeit von   bis
Br. Heinrich Mayer SJ (1636−1692) Altenburg Sachsen ok   Jesuitenbaumeister 1683   1684
Michael Thumb (um 1640−1690) Bezau Vorarlberg ok   Baumeister-Architekt 1684   1690
Johann Schmuzer (1642−1701) Wessobrunn SchmuzerJohann   Stuckateur 1688   1692
Michael Schnell I (1636–um 1711/15) Haid Wessobrunn     Baumeister-Architekt 1688   1692
Christoph Zöpf (1657– um 1709) Haid Wessobrunn     Stuckateur 1688   1692
Franz Beer II (1660−1726) Au Vorarlberg ok   Baumeister-Architekt 1690   1701
Christian Thumb (um 1645−1726) Bezau Vorarlberg     Baumeister-Architekt 1690   1701
Hans Rieger (†1714) Marchtal     Kunstschlosser 1689   1690
Franz Carl Stauder (1660/64–1714) Eidgenossenschaft ok   Maler 1686   1698
Matthäus Zehender (1641−1697) Mergentheim ok   Maler 1690   1690
Br. Paulus Speisegger (1649−1700) Schaffhausen     Bildhauer, Altarbauer 1693   1698
Hans Heinrich Schlegel (1666–nach 1734) Luzern     Bildhauer, Altarbauer 1693   1698
Andreas Etschmann (1662−1708) Haiming Tirol     Bildhauer 1695   1698
Johannes Heiss (1640–1704) Memmingen     Maler 1695   1696
Johann Georg Knappich (1637–1704) Lechbruck ok   Maler 1696   1696
Georg Anton Machein (1685−1739) Grossprüfening Regensburg     Bildhauer, Altarbauer 1711   1727
Franz Anton Rogg (um 1700–1759) Waldsee     Fassmaler 1732   1732
Mang Antoni Stapf (1701–1775) Pfronten     Bildhauer 1734   1738
Johann Nepomuk Holzhey (1741−1809) Ottobeuren ok   Orgelbauer 1782   1784

Klosteranlage   Die barocke Klosteranlage
Stiftskirche   Stiftskirche der Heiligen Jungfrau Maria und der Apostel Petrus und Paulus

Obermarchtal.
Ehemalige Reichsabtei Marchtal.
[1]

Stiftskirche der Heiligen Jungfrau Maria und der Apostel Petrus und Paulus.

Um- und Neubaupläne 1661−1685

Die 1239 geweihte und 1749 abgebrochene Stiftskirche ist eine dreischiffige Basilika und hat, wie die zehn Jahre ältere Kirche der Prämonstratenserabtei Schussenried, wahrscheinlich kein Querschiff und keine Vierung. Ihre Westfront grenzt an den Steilhang der Einmündung des Mühl- oder Marchbaches in die Donau. Die alte Kirche entspricht daher in der Lage dem Nordflügel des heutigen Wirtschaftshofes.[2] Sie hat wegen ihrer exponierten Lage keinen Westeingang und ist nur für die Konventualen zugänglich. Für die Laien dient die Pfarrkirche im Dorf, südlich des Klostertors. Nach dem Dreissigjährigen Krieg wird die zerstörte Ausstattung der Stiftskirche erneuert.
Seit 1661 ist der 27-jährige Nikolaus Wierith aus Füssen Abt der Reichsabtei.[3]  Sein Name ist mit dem Bau der barocken Klosteranlage von Marchtal verbunden. Seine ersten Bauten gelten der Erneuerung der alten Klosteranlage. 1661−1663 lässt von einem Riedlinger Baumeister einen neuen Glockenturm südlich des Chores der alten Stiftskirche erstellen. 1669−1671 baut er eine neue Sakristei. Baumeister ist jetzt Tommaso Comacio, der 1668 im nahen Zwiefalten mit dem Bau der neuen Klosteranlage begonnen hat.[4]  Mit ihm plant Abt Nikolaus 1672−1674 den Umbau und Teilneubau von Kloster und Kirche. Obwohl mit Comacio ein Vertrag geschlossen wird, ruht das Bauvorhaben wegen des ausgebrochenen Reichkrieges gegen Frankreich, der auch das Marchtaler Territorium schwer belastet. Grund sind Neuplanungen. Diese betreffen nun nicht mehr ein neues Kloster am alten Ort, sondern einen freien Neubau auf dem östlichen Plateau vor dem Altkloster. «Er sah ein baufälliges Haus und er gönnte seinem Herrn ein besseres» überliefert die Klosterchronik die Begründung des Abtes Nikolaus den vollständigen Neubau der Stiftskirche. Die Pläne fertigt ihm jetzt nicht mehr Tommaso Comacio, der inzwischen verstorben ist, sondern der Jesuitenbruder und Architekt Heinrich Meyer.[5] Er ist einer der hervorragendsten Planer des süddeutschen Barock, der soeben mit der Jesuitenkirche von Solothurn entscheidende Impulse für die Wandpfeiler-Emporen-Kirchen geliefert hat. Vom 8. Juni 1683 bis zum 12. Juni bespricht er seine neuen Planungen mit Abt Nikolaus. Er ist jetzt am Bau der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg bei  Ellwangen tätig, wo er als leitender Planer den Vorarlberger Michael Thumb verdrängt hat und dessen Planung entscheidend zu Gunsten dieses wiederum wegweisenden Sakralbaus ändert. Im gleichen Jahr ist auch Michael Thumb in Marchtal als Baumeister eines Amtshauses für Abt Nikolaus tätig. Aber noch immer ist Br. Heinrich Mayer massgebender Planer des Kirchenneubaus. Im April 1684 liefert er das grosse Kirchenmodell der neuen Stiftskirche nach Marchtal.[6] 1685 wird Michael Thumb für Planungen bezahlt. Es ist durchaus möglich, dass dies die Pläne für das Klostergeviert mit den vorstehenden Eckflügeln sind, der die Kirche des Br. Heinrich Mayer symmetrisch vorgesetzt ist. Ohne detaillierte Pläne der anschliessend zu bauenden Klosterbauten ist an einen Baubeginn der Kirche gar nicht zu denken. Thumb führt jetzt auch die Kirchenplanung des Jesuitenbruders weiter. Dass die Kunstgeschichte der Einfachheit halber bis heute den Entwurf allein Michael Thumb zuschreibt, ist aufgrund der klaren Quellenlage ein Armutszeugnis.
Die gemäss dieser Planung von 1683−1685 ab 1686 gebaute neue Stiftskirche ist das jüngste Glied in der Reihe der süddeutschen Wandpfeilerkirchen, die mit der 1610−1615 gebauten Jesuitenkirche von Dillingen beginnt und mit der Jesuitenkirche von Solothurn und der Wallfahrtskirche von Ellwangen das Wandpfeiler- Emporen-Schema schon vollgültig ausbildet. Mayer und Thumb legen mit der neuen Kirche der Abtei Marchtal der Grundstein für die weiteren Kirchenbauten der Vorarlberger.

Kirchenbau 1686–1701

Baumeister- und Stuckaturarbeiten 1686−1693
Abt Nikolaus schliesst am 8. April 1684 einen Vertrag mit dem Baumeister Michael Thumb über den Kirchenneubau. Die Grundsteinlegung erfolgt am 18. April 1686. Drei Jahre später ist die Kirche gedeckt und wird massiv gewölbt. Die Stuckateure nehmen die Arbeit 1689 auf. Nach Thumbs Tod am 19. Februar 1690 führen sein Bruder Christian Thumb[7] und sein Vetter Franz Beer II[8] das Werk weiter. Sie werden im März 1690 für die beiden Türme und den anschliessenden Teil des Westflügels mit Sakristei und Kapitelsaal unter Vertrag genommen. Ende Mai wird der Grundstein für die Türme gelegt. Schon im Juli wird von einem Einsturz beider Türme berichtet, die allerdings in dieser kurzen Zeit kaum wesentlich über die untersten Stockwerke gewachsen sein können. Den Baumeistern wird weiterhin das Vertrauen geschenkt und 1693 sind die Türme fertig gedeckt und werden geweiht. Inzwischen ist 1691 auch der Bauabt Nikolaus Wirieth verstorben. Sein Nachfolger, Abt Adalbert Rieger, lässt die Arbeiten fortsetzen.[9] Bei der Turmweihe 1693 werden die Ausgaben für den Kirchenbau, der seit einem Jahr fertig stuckiert ist, mit 77 579 Gulden beziffert.

Die Stuckaturen

Der Innenraum der Kirche ist vom Stuck der frühen Wessobrunner Schule geprägt. Schon 1687 schliesst Abt Nikolaus Verträge mit Michael Schnell um 900 Gulden und 1688 mit Christoph Zöpf um 1250 Gulden.[10] Die Kirche ist zum Zeitpunkt dieser Verträge noch nicht einmal gewölbt. 1689 schliesst der Bauabt einen neuen Vertrag über 1500 Gulden mit dem Stuckateur und Klosterbaumeister von Wessobrunn, Johann Schmuzer.[11] Der Planer und Baumeister der grossen Klosteranlage von Wessobrunn arbeitet zu diesem Zeitpunkt an seinem sakralen Hauptwerk, der Wallfahrtskirche von Vilgertshofen. Die Verträge mit Schnell und Zöpf werden jetzt annulliert, die beiden Stuckateure arbeiten in der Folge im Trupp von Johann Schmuzer. Die Stuckaturen werden gemäss den Vorstellungen von Abt Nikolaus mit «Kränzen, Kratsteinen, Laubwerk, Ochsenaugen, Triglyphen und anderen sauberen Zierwerken» und «ganz zierlich in schön weiss» ausgeführt. 1692 sind sie vollendet.

Ausstattung
Schon 1686 beginnt Abt Nikolaus mit dem Erwerb von Altarblättern.[12] Die ersten neuen Ausstattungen werden 1690 bis 1701 für Chorbereich und Querschiff erstellt. Der Laienbruder und Kunstschreiner Paulus Speisegger erstellt 1697 den Hochaltar.[13]  Die reiche und mit gelüsterten Fassungen versehene Figuralplastik ist ein Werk der Bildhauer Andreas Etschmann und Hans Heinrich Schlegel.[14]  Schon 1696 liefert der Augsburger Maler Johannes Heiss das Hauptbild.[15] Von Br. Paulus stammen auch der Rosenkranzaltar und der Sakramentsaltar im Querhaus. Die Blätter dieser Altäre malt Matthäus Zehender aus Bregenz 1690.[16] Br. Paulus ist zudem Schöpfer des 1690 datierten Chorgestühls und des 1697 erstellten Kirchengestühls.
Das Chorgitter ist eine Arbeit des Klosterschlossers Hans Rieger. Im Felderteil wirkt es klassizistisch ruhig. Dies ist nicht verwunderlich, denn der Entwurf des 1690 gefertigten Werkes stammt aus Paris. Das Gitter ist mit drei Wappen bekrönt. Das mittlere Wappen, gefasst vom goldenen doppelköpfigen Reichsadler, ist das Wappen des Bauabtes Nikolaus Wierith. Rechts ist das Klosterwappen dargestellt. Links befindet sich das Wappen des Abtes Paulus Schmid.[17] Er lässt es anlässlich einer Chorrenovation 85 Jahre später anbringen.
Chor und Querhaus, der grössere Teil der Kirche, sind bei der Einweihung 1701 damit fertig ausgestattet. 1711 folgt die Kanzel mit der Figuralplastik des Überlinger Bildhauers Georg Anton Machein.[18]   Unter der Regierung des wenig fortschrittlichen Abtes Ulrich Blank[19] werden die acht Wandpfeileraltäre des Langhauses erneuert. Er verlagert die wichtige Wallfahrt zum hl. Tiberius von einer noch durch Abt Nikolaus erstellen freien Kapelle in die Stiftskirche.[20] Der Tiberiusaltar am zweiten nördlichen Wandpfeiler von Georg Anton Machein ersetzt 1727 diese Kapelle. Nur der Altar der hl. Agatha am dritten nördlichen Wandpfeiler, ein Werk aus der alten Kirche von 1614, bleibt bestehen und erhält ein 1688 gemaltes Blatt von Franz Carl Stauder.[21]

Die Orgeln
1778–1780 lässt Abt Paulus Schmid vom berühmten Orgelbauer Johann Nepomuk Holzhey aus Ottobeuren die Hauptorgel erstellen.[22] Das Werk mit 41 Registern weist auch nach erheblichen Eingriffen einer 1962 abgeschlossenen Instandsetzung noch einen grossen Anteil an Originalsubstanz auf und wird bis 2012 erneut restauriert.[23] Der noch in reinem Rokoko gestaltete Orgelprospekt umspielt das Westfenster. Sein Schöpfer ist unbekannt.
1782−1784 lässt sich der Abt durch Holzhey auch zwei Orgelwerke im Chor mit 23 Registern erstellen. Dieses Werk mit einem freistehenden Spieltisch wird 1898 beim Einbau einer Gruft der Thurn und Taxis zerstört, die Pfeifen im klassizistischen Prospekt über dem Chorgestühl sind heute blind.

1802
Nach der Inbesitznahme der Abtei Marchtal durch die Fürsten Thurn und Taxis am 3. und 4. Oktober 1802, also noch vor dem Reichsdeputationshauptschluss, wird die Klosterkirche am 1. April 1803 für den Gottesdienst gesperrt. Die Thurn und Taxis richten in den Klostergebäuden ihre Residenz ein. Die ehemalige Klosterkirche wird auf Druck der Bevölkerung 1804 Pfarrkirche und damit wieder zugänglich. Sie wird in der Folge gut unterhalten und von störenden Eingriffen verschont. Ein Ausnahme stellt nur der Einbau einer fürstlichen Familiengruft im Chor dar, die 1898−1900 erstellt wird. In ihr sind 26 Mitglieder des Hauses Thurn und Taxis begraben. 1993−1994 erfolgt eine Restaurierung des Kirchenraumes.

Pius Bieri 2008, rev. 2012

 

Benutzte Einzeldarstellungen:
Müller, Maximilian und Assfalg, Winfried: Ehemaliges Prämonstratenserstift St. Peter und Paul Marchtal, Grosser Kunstführer, Rottenburg a. Neckar 2006.
Schöntag, Wilfried: Germania Sacra, Dritte Folge 5: Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz: Das Bistum Konstanz 6: Das reichsunmittelbare Prämonstratenserstift  Marchtal. Berlin und Boston 2012.
Neese, Maria: Bestand Dep. 30/12 T 7 im Landesarchiv Baden-Württemberg (ohne Datum), Link unter:
https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/einfueh.php?bestand=2266
Schöntag, Wilfried: Prämonstratenserabtei St. Peter und Paul Obermarchtal - Geschichte, Link unter:
http://www.kloester-bw.de/

Anmerkungen:

[1] Marchtal wird bis ins 19. Jahrhundert als Marchthal geschrieben.
Die Bezeichnung Obermarchtal bezieht sich auf den Klosterort, im Unterschied zum flussabwärts gelegenen Ort Untermarchtal. Die ehemalige Stiftskirche wird seit 2001 als Münster bezeichnet.

[2] Die Vorgängeranlage ist nicht erforscht. Im Kellerbereich des nördlichen Wirtschaftsflügels muss aufgehendes Mauerwerk der romanischen Kirche enthalten sein.

[3] Nikolaus Wierith , auch Wierieth oder Wirieth (1634−1691), studiert in Dillingen, Abt 1661−1691.

[4] Tommaso Comacio (um 1625−1678), aus Roveredo im Misox. Er stirbt in Baden-Baden, wo er die Jesuitenkirche und das Jesuitenkollegium baut.

[5] Br. Heinrich Mayer SJ (1636−1692) wird auch Mair geschrieben. Er ist 1673−1683 im Kollegium Luzern und wechselt 1683 nach Ellwangen. Hauptwerke: Jesuitenkirche Luzern 1672−1681, Jesuitenkirche Solothurn 1679−1682, Schönenbergkirche in Ellwangen 1683−1692, Jesuitenkirche Freiburg im Breisgau 1683−1689.

[6] Es befindet sich heute in der Fürst-Thurn-und-Taxis-Hofbibliothek in Regensburg.

[7] Christian Thumb (um 1645−1726) aus Bezau, Bruder von Michael Thumb, Onkel von Franz Beer II, Lehre bei Michael Beer.

[8] Franz Beer II (1660−1687) aus Au, Lehre bei Michael Thumb, baut als Erstlingswerk 1684−1686 die Klosterkirche Marienberg bei Gammertingen für die Abtei Zwiefalten.

[9] Abt Adalbert Rieger (1639−1706) regiert 1691−1705.

[10] Michael Schnell, geboren in Haid am 22. September 1636, letzte Erwähnung 1691.
Christoph Zöpf, geboren in Haid am 24. August 1657, letzte Erwähnung 1704.
Ausser Obermarchtal sind keine weiteren Werke der beiden Wessobrunner Stuckateure bekannt. Der Vertrag mit Michael Schnell erwähnt als Grundlage nebst den Rissen das hölzerne Modell des Br. Heinrich Mayer von 1685.

[11] Johann Schmuzer (1642−1701) aus Gaispoint, seine Söhne sind die ebenfalls berühmten Franz und Joseph Schmuzer. Franz Schmuzer (1676−1741) führt 1701 die Stuckaturen der Sakristei und des Kapitelsaals aus.

[12] Abt Nikolaus Wierith lässt sich von Franz Carl Stauder bei dessen Aufenthalt in Obermarchtal im Juli 1686 ein Altarblatt der Madonna mit dem hl. Antonius malen. Ein gleiches Altarblatt, dass dann in neue Kirche kommt, liefert 1690 Matthäus Zehender, der schon 1687 ein Altarblatt des hl. Nikolaus malt. Das Blatt kommt 1754 nach Unterwachingen.

[13] Br. Paulus Speisegger (1649−1700) von Schaffhausen, Kunstschreiner, Konvertit, ist auch Geheimschreiber der Abtei.

[14] Andreas Etschmann (1662−1708), aus Haiming im Tirol, ist seit 1695 in Obermarchtal und stirbt hier, kurz nach Aufnahme der Arbeiten am Gestühl des Kapitelsaals. Vor der Arbeit in Obermarchtal arbeitet er in Rot an der Rot, schon dort mit Hans Heinrich Schlegel aus Luzern, dessen Lebensdaten nicht bekannt sind.

[15] Johannes Heiss (1640–1704) aus Memmingen, in Augsburg tätig, gesuchter Maler.

[16] Matthäus Zehender (1641−1697) aus Mergentheim, nimmt um 1670 Wohnsitz in Bregenz. Er ist als regionaler Maler religiöser Themen bekannt.

[17] Paulus Schmid (1729−1796), regiert 1772−1796. Unter seiner Regierung wird 1776 der Chor renoviert und die Chororgel des Johann Nepomuk Holzhey eingebaut. Giuseppe Antonio Morosi (1766−1802) von Brissago überarbeitet bei dieser Chorrenovation die Schmuzer-Stuckaturen im Chor.

[18] Georg Anton Machein (1685−1739), Überlinger Bildhauer. Er wird nach dem Tod von Andreas Etschmann 1708 nach Obermarchtal berufen.

[19] Ulrich Blank (1673−1748), regiert 1719−1746. Er ist Bauherr des Südflügels und vollendet die Altarausstattung des Langhauses.

[20] Die Tiberiuskapelle, 1661−1662 erbaut, steht bis zu ihrem Abbruch an der Stelle des heutigen Ostflügels.

[21] Franz Carl Stauder (um 1660−1714). Er wird zusammen mit Matthäus Zehender von Abt Nikolaus schon vor 1687 für Altarblätter beigezogen.

[22] Johann Nepomuk Holzhey (1741−1809) aus Ottobeuren. Von 1770 bis 1803 baut er mehr als 40 Orgeln, von denen sieben erhalten sind.

[23] Restaurierung der Hauptorgel 2010-2012 durch Orgelbau Rohlf, Neubulach.

 


Vom Hochbarock zum Rokoko: Seitenaltäre in der Stftskiche Obermarchtal
um 1696   um 1730 –1732   1738
Marchtal-K9   Marchtal-K10   Marchtal-K11

Der Rosenkranzaltar am Choreinzug im südlichen Querschiff hat ein Altarblatt von Matthäus Zehender, das dieser schon 1694 liefert. Es stellt die Rosenkranzspende an die Dominikanerheiligen Dominikus und Katharina dar. Die Bildhauerarbeiten werden hier Andreas Etschmann zugeschrieben. Aufbau und Plastik markieren den beginnenden Hochbarock.
 
Am vordersten südlichen Wandpfeiler befindet sich der Altar des hl. Pius. Sein Bildhauer ist nicht bekannt (Machein?), hingegen kennt man den Fassmaler. Es ist Franz Anton Rogg aus Waldsee, der dem spätbarocken Altar 1732 seine Farbigkeit mit den blau gelüsterten Säulen gibt.
 
Der Altar des hl. Norbert (1738) im mittleren südlichen Langhausjoch ist ein frühes Rokoko-Meisterwerk des Bildhauers Mang Antoni Stapf aus Pfronten. Der Ordensgründer Norbert von Xanten und der Sturz des Irrlehrers Tachelin sind auch Thema der Kanzelbekrönung (Machein, 1711–1719).

 

 

 

 

 

 

 

  Ehemalige Stiftskirche St. Maria und St. Peter und Paul in Obermarchtal  
  Marchtal-K1  
Ort, Land (heute) Herrschaft (18. Jh.)
Obermarchtal
Baden-Württemberg D
Reichsabtei
Marchtal
Bistum (18.Jh.) Baubeginn
Konstanz   1686
Bauherr und Bauträger

ok   Abt Nikolaus Wierith (reg. 1661−1691)

ok   Abt Adalbert Rieger (reg. 1691–1705)

       Abt Paulus Schmid (reg. 1772−1796)

 
  Die Klosterkirche über dem Tal der Donau, von Nordwesten gesehen. Rechts die Ökonomiegebäude an der Lage der alten romanischen Kirche.   pdf  
   
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So zeigt sich die Kirche dem ins Klosterareal eintretenden Besucher.  
   
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Der Grundriss von Kirche und Kloster. Legenden zu den Etappierungen und zu den Altären in der Vergrösserung. Bitte anklicken!  
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Die Abfolge und Ausrichtung der Altäre mit Hauptaltar im Zentrum, vier Altären im Querschiff und sieben Altären an den Wandpfeilern des Längsschiffes ist eine barocke Inszenierung als «Theatrum sacrum», wie dies auf der Vergrösserung dieses Bildes deutlich wird.

> Zum Bild des Hauptaltars.
> Zu Bildern der Seitenaltäre.
 
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Für die Vorarlberger Baumeister um 1700 wird Obermarchtal Ausgangspunkt ihrer Kirchenneubauten. Merkmale vieler nachfolgenden Vorarlberger Kirchen sind:
1. Wandpfeiler mit ausladenden Gesimsen.
2. Emporenumgänge, welche im (schwach ausgebildeten) Querschiff zurückgesetzt sind.
3. Ein eingezogener (schmälerer) Chor.
 
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Ein Blick vom Gewölbe des Querschiffes zu den drei Jochen des Chores mit den hochbarocken Stuckaturen der Werkstatt von Johann Schmuzer. Die Jahreszahl MDCXCII (1692) über dem Chorbogen zeigt, dass die Stuckaturen sechs Jahre nach Baubeginn fertig sind.  
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Der Hochaltar (1698), über 16 Meter hoch, ist ein in die Tiefe gestaffelter Säulenretabel. Das Werk des Laienbruders Paulus Speisegger aus Schaffhausen und des Bildhauers Hans Heinrich Schlegel aus Luzern treibt die barocke Auflösung des architektonischen Gefüges schon sehr weit und ist ein durch und durch hochbarockes Werk, dem die klassische italienische Srtenge der gleichzeitigen Jesuitenaltäre fremd ist. Das Altarbild (Johann Heiss 1696) stellt die Muttergottes und den heiligen Joseph , umgeben von Kirchenpatronen, dar. Das Oberblatt liefert der Augsburger Johann Georg Knappich. Der zu grosse Tabernakel wird erst 1780 angebracht.  
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Die Bildhauerarbeiten der Kanzel (1711–1719) sind ein Werk von Georg Anton Machein aus Überlingen.  
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Im reinsten Rokoko umspielt der Orgelprospekt das Westfenster. Die Orgel wird 1778–1780 von Johann Nepomuk Holzhey aus Ottobeuren erstellt. Sie ist als einer der wenigen Holzhey-Orgeln in weitgehendem Originalzustand erhalten.  
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In den Bekrönungen des Chorgitters, das der Klosterschlosser Hans Rieger 1690 herstellt, sind Wappenschilder angebracht. Der mittlere Schild ist mit dem Wappen des Abtes Nikolaus Wirieth versehen. Es ist geviertet. Feld 1 zeigt in Blau einen goldenen Stern und die Felder 2–4 sind geteilt von Silber und Rot. Ein goldener kaiserlicher Doppeladler ist Schildrahmung, überhöht von der Mitra des Abtes. Mit dem Reichsadler wird die Stellung als Reichsabtei betont, der übliche Hinweise mittels Stab und Schwert erübrigen sich damit.  
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Über dem rechten Gitterteil ist das Klosterwappen angebracht. Es zeigt in Rot über einem grünen Dreiberg den schräglinks laufenden goldenen Schlüssel, gekreuzt mit dem Schwert, und überhöht mit einem goldenen Stern  
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Abt Paulus Schmid, der 1772–1796 regiert, ersetzt 1777 das linke ursprüngliche Wappenschild nicht unbescheiden durch sein eigenes Wappen. Sein Schild ist durch eine geschweifte Spitze dreigeteilt. Vorne ist er geteilt, zeigt oben in Gold die rote Montfort-Fahne der Tübinger und unten in blauem Kürsch den Hermelinpfahl der Bregenzer. In der Spitze liegt das persönliche Wappen, in Gold auf Dreiberg ein hufeisentragender Straussenvogel. Hinten ist der Schild ebenfalls geteilt, oben in Blau eine goldener, bekrönter Löwe, in der Pranke einen Stern haltend und unten fünfmal geteilt von Rot und Silber.