Johann Georg Üblher (1703–1763)

Stuckplastiker des Rokoko, fürstkemptischer Hofstuckateur

Auch: Üblhör, Übelherr oder Ybelherr[1]

Wessobrunn, Lehrjahre, Familie
Als Sohn des Zimmermanns Veit Üblher und seiner zweiten Ehefrau Katharina Stiller wird Georg Üblher am 23. März 1703 in Gaispoint[2] geboren und in der Pfarrkirche des Klosters Wessobrunn getauft. Er ist einziger Sohn von neun Kindern aus zwei Ehen. Den Zunamen Johann legt er sich erst später zu. Entgegen der Familientradition ergreift er nicht den Zimmermannsberuf, sondern macht die Lehre als Stuckateur. An ausgewiesenen Lehrmeistern dieser Zunft mangelt es um 1715 in Wessobrunn nicht. Wahrscheinlich ist Anton I Feichtmayr[3] sein Lehrmeister. Denn 1719 wird er in Ehingen zusammen mit dem ein Jahr älteren Franz Xaver I Feichtmayr[4] im Stuckateurtrupp des Anton I Feichtmayr aufgeführt. Sie werden an letzter Stelle mit 15 Kreuzer Taglohn entlöhnt, während die Gesellen 32 bis 36 Kreuzer erhalten. Die beiden 16- und 15-Jährigen stehen also am Ende der Ausbildung. Erst zehn Jahre später wird Üblher wieder greifbar. Er arbeitet jetzt in München unter Johann Baptist Zimmermann[5] und François Cuvilliés.[6] 1731 wird er im Schloss Alteglofsheim als Geselle von Cuvilliés genannt, dem eine Reiseentschädigung ausgerichtet wird. In München arbeitet er als Gehilfe Zimmermanns in den Reichen Zimmern der Residenz. Hier kann er von den beiden überragenden Meistern lernen, die in München um diese Zeit das süddeutsche höfische Rokoko einführen. Im frühen Hauptwerk Üblhers, dem Spiegel- oder Thronsaal in Kempten, ist der Einfluss Johann Baptist Zimmermanns noch zu spüren. Mit den ersten eigenen Werkstattarbeiten in Diessen und Kempten nach 1735 festigt sich Ruf und Einkommen. Schon 1741 erwirbt er in Haid-Wessobrunn ein Wohnhaus.[7] 1741 heiratet er Maria Agatha Schmuzer, die Tochter des Baumeisters Joseph Schmuzer.[8] Gleichzeitig erwirbt er das Haus seines Schwiegervaters in Gaispoint.[9] Zu dieser Zeit wird er auch fürstkemptischer Hofstuckateur, ohne aber Wohnsitz in Kempten zu nehmen. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau heiratet er 1759 in Wessobrunn die 19-jährige Maria Scholastika Raffler.[10] Beide Ehen bleiben kinderlos.
Schon vier Jahre später, am 27. April 1763 stirbt Johann Georg Üblher mit 60 Jahren an einem Schlaganfall auf der Baustelle in Maria Steinbach.

Wichtigste Werke

Schlüsselbauwerk Diessen

Diessen1   Diessen2   Diessen3
Die Stuckaturen der Stiftskirche Diessen stehen am Übergang der Régence zum Rokoko. Links das Gebälk eines Vierungspfeilers, in der Mitte einer der Oratorienbalkone bei der Orgelempore und rechts eine Zwickelkartusche an der Vierungskuppel. Sie stellt die Personifikation der Gerechtigkeit (Waage und Schwert) dar.
Fotos: Andreas Praefcke 2008 in Wikipedia.

Die Augustinerchorherren-Stiftskirche Diessen ist ein Werk des Baumeisters Johann Michael Fischer aus München. Propst Herculan Karg ersucht 1733 den Geistlichen Rat in München um einen finanziellen Zuschuss, der vom Hof zwar verweigert wird, ihm aber den Hofbauintendanten François Cuvilliés zur Verfügung stellt. Cuvilliés übernimmt für die Altarraumgestaltung die Führung. Der Propst selbst wechselt vom ursprünglich geplanten Beizug der Brüder Asam auf den Stuckateur Franz Xaver Feichtmayr und den Freskanten Georg Bergmüller, beide mit Werkstatt in Augsburg. Feichtmayr zieht zusätzlich seinen jüngeren Bruder Johann Michael, vielleicht auch seinen ehemaligen Mitlehrling und Dorfgenossen Johann Georg Üblher bei. Wahrscheinlicher ist aber, dass François Cuvilliés den ihm bekannten Stuckateur in die Arbeitsgemeinschaft eingliedert. Die drei Wessobrunner stuckieren die Kirche 1736–1738. Nicht nur für die süddeutsche Barockarchitektur, auch für die neue Arbeitsgemeinschaft Feichtmayr-Üblher ist die Wandpfeilerhalle von Diessen ein Schlüsselbauwerk. Im bildhaften Einheitsraum und in der Stuckatur beginnt die Hinwendung zum Rokoko erstmals in einem Kirchenbauwerk. Das mit der Amalienburg[11] im höfischen Bereich schon vorweggenommene Rokoko ist in Diessen allerdings erst spürbar, so am frühen Aufgeben der Symmetrie in den Einzelformen und in der ersten Anwendung der Rocaille durch Cuvilliés und Üblher. Schon in Diessen kristallisiert sich eine Arbeitsteilung heraus, die sich in den späteren gemeinsamen Arbeiten verstärken wird. Während der hier leitende Franz Xaver Feichtmayr und später sein Bruder Johann Michael die Meister der Ornamentik, Johann Michael auch des Stuckmarmors sind, ist Johann Georg Üblher immer überragender Figuralplastiker.


Der «Thronsaal» der Residenz Kempten
Schon seit 1732 gestaltet der Maler Franz Georg Hermann im zweiten Obergeschoss der fürstäbtlichen Residenz Kempten für Fürstabt Reichlin von Meldegg neue Repräsentationsräume. In einer Enfilade, folgend den Vorbildern westlicher Regenten, beginnen die Räume mit dem Fest- oder Spiegelsaal, der heute Thronsaal genannt wird, und enden mit dem Schlafzimmer.[12] . Die Stuckarbeiten leitet der Wessobrunner Johannes Schütz von 1733 bis 1735. Um 1735, noch vor dem Beginn der Arbeiten in Diessen, zieht Hermann auch Johann Georg Üblher aus München bei. Üblhers Tätigkeit in den ersten vier Zimmern der Enfilade ist aber nicht definiert.
Im Umkreis der Fürstabtei Kempten bleibt er weiterhin tätig. Um 1739/41 stuckiert er den grossen Festsaal des Wohnhauses des Kemptener Bürgermeisters Jenisch. Wieder vermittelt Franz Georg Hermann, der das Deckengemälde erstellt, den Auftrag. Ein weiterer Auftrag der gleichen Jahre für die Stuckierung einer Saaldecke im Schloss Syrgenstein, dem Familiensitz des späteren Kemptener Fürstabtes,[13] zeigt die Wertschätzung Üblhers auch im Adelskonvent von Kempten.
1740 beginnt in der Residenz Kempten auch der Umbau des wichtigsten Raums der fürstäbtlichen Repräsentationsräume. Johann Georg Üblher erhält den Ausführungsauftrag für die Stuckierung des Saals, der damals als Spiegel- oder Festsaal Empfangssaal für die Besucher des Fürstabtes ist, bevor sie ins Vorzimmer und ins Audienzzimmer vorgeladen werden. Üblher und der Maler Hermann formen den heute unbegründet als «Thronsaal» bezeichneten Saal in einen prachtvollen Rokokoraum um. Er ist das frühe ornamentale Hauptwerk Üblhers. «Üblher, der hier im Thronsaal endgültig und ausschliesslich zur Rocaille durchstösst, schmilzt durch sein Ornament alles in die Gesamtdekoration ein, verformt alle statischen Prinzipien».[14] Cornelius Gurlitt urteilt 1889: «Es ist ein wildes Barock, vielleicht das Tollste was in Deutschland geschaffen wurde, eine Überbietung Meissonnier's[15] in den derberen Formen…». Das Werk beeindruckt auch den Fürstabt. Nach 1741 ernennt er Üblher zum Hofstuckateur in Kempten.
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  Kamingruppe im Audienzzimmer des Fürstabtes 1734/35. Herkules ist Träger der Weltkugel, darüber sitzt Chronos, der Gott der Zeit. Die Gruppe, bisher Johannes Schütz zugeschrieben, wird von Norbert Jocher als erste Arbeit von Johann Georg Üblher bezeichnet.
Foto: Bieri 2008.
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Die Westwand des «Thronsaals» in Kempten mit den Rokoko-Stuckaturen von Johann Georg Üblher (1741). Eine Erläuterung zur bekrönenden Kartusche siehe in der Bildlegende oben.
Foto: Bieri 2008.
 

Münsterschwarzach
Noch vor der Hauptarbeit Üblhers in Kempten, anschliessend an die Arbeit in Diessen, beginnt die Werkstattgemeinschaft Feichtmayr-Üblher mit einem grossen Auftrag im Fürstbistum Würzburg. Die von Balthasar Neumann gebaute Benediktiner-Abteikirche Münsterschwarzach ist schon 1737 im Rohbau fertig. Johann Evangelist Holzer arbeitet unter anfänglicher Beteiligung von Franz Georg Hermann aus Kempten bereits am Kuppelfresko. 1738 malt er auch die Langhausfresken. Der bisherige Stuckateur aus Würzburg, vermutlich Antonio Bossi, muss wegen Arbeitsüberlastung absagen. Abt Januarius schliesst deshalb 1738 und 1739 Verträge mit den beiden Brüdern Feichtmayr und mit Johann Georg Üblher. Die Empfehlung für die Brüder Feichtmayr könnte von Holzer, diejenige für Üblher von Hermann ausgegangen sein. Leitend ist vorerst Franz Xaver Feichtmayr, der bis 1742/43 in Münsterschwarzach arbeitet. Üblher ist 1740/42 in Kempten tätig und kommt erst 1744 für die Erstellung der 17 Altäre im Querhaus und im Langhaus wieder zurück. Die Entwürfe sind jetzt von Johann Michael Feichtmayr, der auch die Stuckmarmorarbeiten leitet. Üblher ist wie schon in Diessen für die Figuralplastik zuständig.
Die Abteikirche Münsterschwarzach wird 1825 auf Abbruch versteigert.[16] Die Altar-und Stuckausstattung der Feichtmayr-Üblher Werkstatt, die Altargemälde von Tiepolo, auch die Fresken von Johann Evangelist Holzer und seines Nachfolgers Matthäus Günther können wir deshalb heute nicht mehr bewundern.

Wilhering bei Linz

Wilhering1   Wilhering2   Wilhering3
Für die reiche Stuck- und Stuckmarmor-Ausstattung der Stiftskirche Wilhering wird 1743 Johann Georg Üblher zusammen mit Johann Michael Feichtmayr beigezogen. Fotos: Zairon 2018 in Wikipedia

Das Zisterzienserkloster Wilhering brennt 1733 ab. Die gotische Stiftskirche wird von Baumeister Johann Haslinger aus Linz geschickt umgebaut.[17] Gleichzeitig mit den laufenden Arbeiten in Münsterschwarzach beginnen Johann Michael Feichtmayr und Johann Georg Üblher 1743 die Überarbeitung der bis 1741 durch Franz Joseph Holzinger erstellten Deckenstuckaturen.[18] Ein kriegsbedingter Unterbruch ermöglicht dem Abt, den ihm offenbar zu rückständigen einheimischen Stuckateur zu ersetzen. Er betreut die beiden inzwischen durch Diessen und Münsterschwarzach bekannt gewordenen Wessobrunner-Stuckateure mit der Überarbeitung der Holzinger-Stuckaturen und der Fertigstellung des Rokoko-Innenraums. Überraschend reich ist hier die Stuckmarmorausstattung.[19] Treibende Kraft beim Hochaltar und den Kanzeln ist Johann Georg Üblher, bei der Stuckierung Johann Michael Feichtmayr. «Nach der Richtung des festlich Frohen, des bewegt Reizvollen ist die Kirche vielleicht die glänzendste Leistung des Barockstiles in Deutschland, wenngleich die Einzelheiten über ein allerdings höchst geistvoll gehandhabte Manier nicht hinausgehen» urteilt Cornelius Gurlitt 1889

Amorbach
Der Abt der fränkischen Benediktinerabtei Amorbach schliesst 1744 mit Johann Michael Feichtmayr und Johann Georg Üblher einen Akkord über die Stuckierung und Stuckmarmorausstattung der neugebauten Stiftskirche ab. Gleichzeitig vereinbart er mit Matthäus Günther die Freskierung des Innenraums. Damit sichert er sich das nach 1743 in Münsterschwarzach arbeitende Trio und beweist damit eine glücklichere Hand als mit der Wahl des Architekten. Als wenn der Spätbarock nie existiert hätte, erstellt Maximilian von Welsch[20] bis 1745 einen Neubau, der sich nur wenig von der vorherigen romanischen Basilika unterscheidet. Feichtmayr, Üblher und Günther verwandeln das basilikale Innere in einen festlichen Rokokoraum. Es ist der erste gesicherte Bau, bei dem sie für die Innenraumplanung völlig freie Hand haben und bei dem sie auch nachweisbar ausschliessliche Schöpfer der gesamten Altarausstattung sind. Sie ist hier teilweise auch in Naturmarmor ausgeführt. Als Planer wird auf Grund einiger vorhandener Altarentwürfe Johann Michael Feichtmayr bezeichnet, der auch für den Ornamentstuck leitend tätig ist.[21] Mitarbeiter sind jetzt die Wessobrunner Brüder Joseph und Johann Michael Schäffler.[22] Ein weiterer mitarbeitender Wessobrunner, der Stuckmarmor-Spezialist Thomas Sporer,[23] ist später als Palier wichtigste leitende Persönlichkeit der Werkstatt.

Ettal
Nach einem Brand 1744 leitet Joseph Schmuzer, der schon seit 1737 in Ettal Klosterbaumeister ist, die Wiederaufbauarbeiten. Dazu zählt auch die neue Kuppelbedachung über der bereits von Enrico Zuccalli gebauten Massivkuppel und die neue Innengestaltung der Rundkirche. Nach dem Abbruch der noch bestehenden gotischen Innengewölbe 1749 kann, vermutlich ab 175O, die Zuccalli-Kuppel bis 1752 innen verputzt, freskiert und stuckiert werden.[24] Freskant ist Johann Jakob Zeiller.[25] Als Stuckateure arbeiten Johann Georg Üblher und sein Schwager Franz Xaver Schmuzer.[26] Es ist die erste Zusammenarbeit Üblhers mit seinem Schwager. Üblher werden heute alle Stuckaturen, Plastiken und Kapitelle über dem ersten Geschoss und in der Kuppel, Schmuzer die Bereiche der Emporen und Oratorien zugewiesen.
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In der Stiftskirche Ettal erstellt Üblher 1752 einen Rocaille-Rahmen mit Kartuschen und Putten um das Gründungsfresko von Johann Jakob Zeiller. Foto: Bieri 2009.  

Maria Steinbach
Im Oktober 1750 kommt die neue Wallfahrtskirche Maria Steinbach der Abtei Rot an der Rot unter Dach.[27] Zu diesem Zeitpunkt unterschreiben Johann Georg Üblher und Franz Xaver Schmuzer nochmals gemeinsam einen Vertrag. Wieder scheint Franz Georg Herrman, der hier schon 1747 Entwürfe abliefert und vermutlich auch auf die Ausführung der Leichtgewölbe Einfluss hat, eine Vermittlerrolle zu spielen.[28] Weil die Leichtgewölbe erst 1751 erstellt werden, auch wegen ihrer gleichzeitigen Arbeit in Ettal, arbeiten Üblher und Schmuzer in diesem und auch im folgenden Jahr nur sporadisch in Maria Steinbach. Die Hauptarbeit beginnt 1753. Während Üblher in diesem Jahr 25 Wochen an Ort arbeitet, ist Schmuzer nicht mehr anwesend. Die kurze Arbeitsgemeinschaft mit dem Schwager ist bereits zu Ende. Der Innenraum der Wallfahrtskirche Maria Steinbach wird jetzt, nebst den Gemälden von Hermann, vollständig durch die Üblher-Stuckaturen und -Altäre geprägt. Üblher überspielt nicht nur mit seinen Rocaillen, auch mit Kartuschen und Figuralplastiken die Bruch- und Schwachstellen der von Laien entworfenen Architektur. Er prägt mit diesen ungebundenen und kraftvollen Stuckaturen und mit den phantasievollen Kompositkapitellen der rotmarmorierten Pilaster den Innenraum in gleicher Weise wie dies die Bilderwelten des Malers Hermann vermögen.
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  Der hl. Nikodemus vom rechten Seitenaltar in Maria Steinbach (1752/58). Er nimmt in Haltung und Gestik Bezug zum Kreuz des Kreuzaltars in der Chormitte. Die Stuckfiguren in Maria Steinbach stellen einen Höhepunkt im Schaffen Üblhers dar. Foto: Bieri 2019.

Letzte Arbeiten
1758 beendet Üblher die Arbeit an den Seitenaltären und Kanzeln in Maria Steinbach. Er erhält jetzt Aufträge in der Klosterkirche Engelszell unterhalb von Passau, aber auch wieder in der Residenz Kempten. Hier stuckiert er zwei an den Festsaal anschliessende Gastzimmer und erstellt auch Epitaphien in der Stiftskirche. 1760 erhält er den Auftrag für den monumentalen Hochaltar in Maria Steinbach. Schon vor 1759 schliesst er wieder gemeinsam mit der alten Arbeitsgemeinschaft Franz Xaver I Feichtmayr, Johann Michael Feichtmayr und Johann Georg Üblher den Vertrag für die Stuckierung der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen des Klosters Langheim. Den Auftrag muss Johann Michael Feichtmayr ab 1764 allein ausführen, denn 1763 sterben beide Mitunterzeichner. Auch der Hochaltar in Maria Steinbach ist zum Zeitpunkt des Todes von Johann Georg Üblher am 27. April 1763 noch nicht fertig gestellt.

Pius Bieri 2019


Literatur:

Jocher, Norbert: Johann Georg Üblher (1703–1763), in: Allgäuer Geschichtsfreund. Kempten 1988.
Schnell, Hugo und Schedler, Uta: Lexikon der Wessobrunner, München 1988.
Maier, Eva: Stuckmarmor und Raumgestaltung. München 2012.

Anmerkungen:

[1] Johann Georg Üblher unterschreibt immer: «Ybelherr».

[2] Gaispoint Nr. 22, heute Üblhörstrasse (Nr. 11 oder 7) in Wessobrunn.

[3] Anton I Feichtmayr (1680–1752), Stuckateur. Er heiratet 1704 und wohnt in Gaispoint, heute Schmuzerstrasse 1. Kinder sind Franz Xaver (*1705), Theresia (1707), Michael (*1709), Johann Michael (*1710) Maria Anna (*1713) und Mathias (*1716). Die im Lexikon der Wessobrunner 1988 anders dargestellte Genealogie, der auch Nobert Jocher folgt, wird von Eva Maier in: Stuckmarmor und Raumgestaltung, München 2012, überzeugend widerlegt.

[4] Franz Xaver Feichtmayr I (1705–1763) aus Gaispoint (Wessobrunn). Zu ihm siehe die Biografie und das Werkverzeichnis in dieser Webseite.

[5] Johann Baptist Zimmermann (1680–1758), Wessobrunner Stuckateur und Maler. Siehe die Biografie und das Werkverzeichnis in dieser Webseite.

[6] François Cuvilliés (1695–1768) aus Soignies bei Mons. Wegbereiter des süddeutschen Rokokos. Siehe die Biografie und das Werkverzeichnis in dieser Webseite.

[7] Gemäss «Lexikon der Wessobrunner» zuerst Nr. 2, dann Nr. 8 in Haid, dies wäre heute Haider Strasse 13 in Wessobrunn. Es ist als einziges in der Denkmalliste inventarisiert, ohne aber auf Üblher oder Günther (nach 1764) Bezug zu nehmen. Alle übrigen erwähnten Häuser der Schmuzer, Üblher und Feichtmayr sind nicht inventarisiert.

[8] Maria Agatha Schmuzer (1722–1759). Zu ihrem Vater Joseph Schmuzer (1683–1752) siehe die Biografie in dieser Webseite.

[9] Wohnhaus Nr. 44 in Gaispoint, heute Schmuzerstrasse (12 oder 10) in Wessobrunn. Er erwirbt das Haus in Übergehung der Erbansprüche des Schwagers Franz Xaver Schmuzer.

[10] Maria Scholastika Raffler (1740–1813) aus Wessobrunn. Sie heiratet 1763 den Augsburger Maler Matthäus Günther, der das Haus in Haid übernimmt und hier stirbt. Zu Matthäus Günther siehe die Biografie in dieser Webseite.

[11] Zur Amalienburg (1734–1737) von François Cuvilliés und Johann Baptist Zimmermann siehe den Beitrag «Die Amalienburg im Schlossgarten von Nymphenburg» in dieser Webseite.

[12] Die Abfolge Festsaal («Thronsaal») – Vorzimmer – Audienzzimmer – Wohnzimmer – Schlafzimmer wird heute in umgekehrter Richtung durchschritten.

[13] Engelbert von Syrgenstein (1694–1760) ist 1747–1760 Fürstabt von Kempten. Die kleine Herrschaft Syrgenstein liegt an der Argen bei Isny im Allgäu im vorderösterreichischen Landgericht Weiler. 1806 wird das Landgericht als Zugang zum Bodensee von Bayern besetzt. Seit dem grossen Länderschacher von 1814 ist es bayerisches Amt Lindau.

[14] Norbert Jocher 1988.

[15] Juste Aurèle Meissonnier (1695–1750) aus Turin, Stecher, Maler und Innenarchitekt in Paris, verbreitet mit seinen Drucken ab 1730 den asymmetrischen «Style rocaille». Gurlitt beruft sich wahrscheinlich auf das um 1740/45 (ohne Datum) erschienene Sammelwerk in mehreren Folgen.
Link zu Meissonnier

[16] Zu dem Neubau der Abteikirche von Münsterschwarzach, die 1743 geweiht wird, zu Balthasar Neumann und zu Johann Evangelist Holzer siehe die Biografien in dieser Webseite. Die Kirche wird 1825 abgebrochen und die Ausstattung zerstört. Siehe auch den Wikipedia-Beitrag.

[17] Johann Haslinger (1701–1741) aus Linz. Hauptwerk des frühverstorbenen Baumeisters ist die Ursulinenkirche in Linz.

[18] Bartolomeo Altomonte malt das Langhaus-Deckenfresko «wahrscheinlich 1740 und 1741». Deshalb die gängige Annahme einer gleichzeitigen Arbeitsaufnahme durch Johann Michael Feichtmayr, was allerdings zur völligen Absenz in Münsterschwarzach geführt hätte. Die 1739–1741 erstellten Stuckaturen sind aber ein Werk von Franz Joseph Holzinger (1691–1775). Die Arbeiten werden im September 1741 durch den Einmarsch des bayrischen Kurfürsten in Linz unterbrochen und erst nach der Rückgewinnung von Oberösterreich durch Kaiserin Maria Theresia 1743 wieder fortgesetzt. Jetzt lässt der Abt die bestehenden Stuckaturen von Feichtmayr und Üblher umgestalten und den Raum bis 1746 neu stuckieren. Mehr dazu siehe bei P. Gabriel Weinberger OCist.

[19] Pilaster, Wandverkleidungen, Säulen und Altäre sind in Stuckmarmor ausgeführt und derart gut in den Raum integriert, dass sie zwar als Arbeit von Feichtmayr und Üblher gelten, aber ihr Gesamtentwurf dem Bruder des Freskanten, Andrea Altomonte (1699–1780) zugeschrieben werden. Andrea Altomonte-Allio ist Wiener Hofingenieur, Zeichner und Theaterarchitekt. Link zu Wilhering.

[20] Maximilian von Welsch (1671–1745). Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite. Auch zur Baugeschichte der Abtei Amorbach siehe den Beitrag in dieser Webseite.

[21] Johann Michael Feichtmayr ist in der Stuckornamentik zurückhaltender und ausgleichender als Johann Georg Üblher, der mit einem expressiven Charakter der für die Stuckplastik geeignete Stuckateur ist.

[22] Die Brüder Joseph Schäffler (1700–1783) und Johann Michael Schäffler (1702–1786) aus Forst bei Wessobrunn. Joseph Schäffler ist Schwager von Johann Georg Üblher.

[23] Thomas Sporer (1710–1769) aus Haid bei Wessobrunn, ist 1734–1738 bei Joseph Anton Feuchtmayer tätig. Nach Amorbach ist er auch in Bruchsal, Sigmaringen und Ottobeuren für Johann Michael Feichtmayr tätig, in Maria Steinbach auch für Johann Georg Üblher.

[24] (Anmerkung zu den nicht überlieferten Ausführungsdaten): Die Datierungen des Kuppelfreskos schwanken von 1748 bis 1752. Weil aber das Dach über der Kuppel erst 1748 errichtet ist, frühestens 1749 die alten Gewölbe abgebrochen werden können, ist ein Beginn der Stuck- und Freskenarbeiten 1750 möglich, eher aber 1751, denn erst 1752 wird abgerüstet.

[25] Johann Jakob Zeiller (1708–1783) aus Reutte im Tirol. Maler, Freskant. Schüler Paul Trogers. Hauptwerk: Stiftskirche Ottobeuren ab 1756.  

[26] Franz Xaver Schmuzer (1713–1775) aus Wessobrunn. Stuckateur des Rokoko. Sohn von Joseph Schmuzer und Schwager von Johann Georg Üblher.

[27] Zur Wallfahrtskirche Maria Steinbach siehe den Beitrag in dieser Webseite.

[28] In die Auftragsvergabe mischt sich auch der Fürstabt von Kempten ein. Seit 1747 ist dies Engelbert von Syrgenstein, der Üblher schon 1739 für den Saal im Familiensitz Schloss Syrgenstein beizieht. Er bittet 1751 den Abt von Rot, der Forderung seines Hofmalers Hermann um 1000 Gulden Honorarerhöhung nachzukommen.

 

Werke von Johann Georg Üblher:
Gesicherte Werke sind mit √ gekennzeichnet

Jahr Ort, Gebäude Beschrieb der Arbeiten Baumeister (A)
Maler (M)
Bauherr
Bauträger
1730–
1733
Alteglofsheim
Schloss
Stuckaturen in den acht «Schönen Zimmer», mit Johann Baptist Zimmermann A: François Cuvilliés
M: Cosmas
Damian Asam
Johann Georg Anton von Königsfeld
1730–
1733
(um)
München
Kurfürstliche Residenz
Reiche Zimmer
Stuckaturen als Geselle von Johann Baptist Zimmermann A: François Cuvilliés
Kurfürst Karl Albrecht von Bayern
1735–
1737
Kempten
Fürstäbtliche Residenz
Prunkzimmer Südflügel
Stuckplastik in vier Räumen als Ergänzungen zu den Arbeiten von Johann Schütz. A: Franz Georg Hermann
M: Franz Georg Hermann
Fürststift Kempten Fürstabt Anselm Reichlin von Meldegg
1736–
1738
Diessen am Ammersee Stiftskirche Stuckaturen in Schiff und Chor. Stuckmarmorarbeiten, gemeinsam mit Franz Xaver I Feichtmayr und Johann Michael Feichtmayr A: Johann Michael Fischer.
M: Johann Georg Bergmüller.
Augustiner-Chorherrenstift Diessen,
Propst OA
Herkulan Karg
1736 Bauerbach
Filialkirche
St. Leonhard
Stuckierung Chor A: Joseph Schmuzer (Turm) Augustiner-Chorherrenstift Diessen
1739
(um)
Syrgenstein bei Eglofs
Schloss
Deckenstuck im Saal M: Franz Joseph Spiegler Franz Johann Anton von Syrgenstein
1739
(um)
Kempten
Jenisch-
Ponikauhaus
Festsaal M: Franz Georg Hermann Bürgermeister Matthias Jenisch
1739–
1749
M-Schwarzach Abteikirche
St. Felicitas
(Abriss 1825)
Stuckaturen und Altäre mit Johann Michael und Franz Xaver I Feichtmayr A: Balthasar Neumann.
M: Johann Evangelist Holzer,
ab 1743 Matthäus Günther
Abt Januarius Schwab OSB Münsterschwarzach
1740–
1743
Kempten
Fürstäbtliche Residenz
Festsaal
Stuck und Stuckplastik, erste ausschliessliche Verwendung der Rocaille A: Franz Georg Hermann
M: Franz Georg Hermann
Fürststift Kempten Fürstabt Anselm Reichlin von Meldegg
1743–
1746
Wilhering
bei Linz (A)
Zisterzienser-Abteikirche
Stuckaturen im Chor und Querhaus, Stuckmarmor-Ausstattung, mit Johann Michael Feichtmayr A: Johann Haslinger
(Andrea Altomonte?)
M: Bartolomeo Altomonte
Abt OCist Johann Baptist Hinterhölzl, Abtei Wilhering
1744
(um)
St. Johann in Tirol Kirche St. Nikolaus
in der Weitau
Stuckaturen M: Simon Benedikt Faistenberger Curatbenefizium beim Spital
St. Nikolaus in der Weitau
1745–
1748
Lautrach
Pfarrkirche
St. Peter und Paul
Stuckaturen (Werkstattarbeit)
1745 Chor
1748 Langhaus
M: Franz Ludwig Hermann Fürststift Kempten  
1746–
1749
Amorbach Benediktinerabtei Stiftskirche Stuckaturen
und Stuckmarmor-Ausstattung
mit Johann Michael Feichtmayr
A: Maximilian von Welsch Ausführender BM:
Franz Häffele.
M: Matthäus Günther
Abt OSB Engelbert Kinbacher,
Abtei Amorbach.
1748–
1760
Kempten
Stiftskirche
St. Lorenz
Zwei Choreingangsaltäre 1748
Drei Epitaphien um 1758/60
Lavabo in Sakristei 1760
(nur plastische Arbeiten) Fürststift Kempten Fürstabt Engelbert von Syrgenstein
1750
(um)
Ebersberg
Jesuitenkirche
St. Sebastian
Stuckaturen, Werkstattarbeit, Nach Brand 1781 Neuerstellung Gewölbe M: «Umkreis»
Johann Baptist Zimmermann
Jesuitenresidenz Ebersberg
1750–
1752
Ettal
Benediktinerabtei
Stiftskirche Mariä Himmelfahrt
Stuckaturen in Zusammenarbeit mit Franz Xaver Schmuzer A: Joseph Schmuzer
M: Johann Jakob Zeiller
Abt OSB
Benedikt III. Pacher;
Abtei Ettal
1752-
1758
Wallfahrtskirche
Maria Steinbach
bei Legau
Stuckaturen, Stuckplastik und Seitenaltäre M: Franz Georg Hermann Abt OPraem
Ignatius Vetter
Rot an der Rot
1753 Grafrath. Wallfahrtskirche St. Rasso Stuckaturen, mit Brüder Feichtmayr. Hauptanteil Johann Michael Feichtmayr M: Johann Georg Bergmüller. Stift Diessen,
Propst OA
Herkulan Karg.
1753
(um)
Benediktbeuern
Benediktinerabtei
Anastasiakapelle
Figuralstuck Altar (Deckenstuck Johann Michael Feichtmayr) A: Johann Michael Fischer
M: Johann Jakob Zeiler
Abt OSB Leonhard Hochenauer
1753–
1755
(um)
Andechs
Benediktinerabtei Stiftskirche
Altarplastik, unter Leitung von Johann Baptist Zimmermann als Stuckateur A: Br. Ignaz Merani SJ
M: Johann Baptist Zimmermann
Abt OSB
Bernhard Schütz
1756
Seekirch am Federsee
Pfarrkirche
Mariä Himmelfahrt
Stuckaturen im Langhaus,
(Stuckaturen im Chor 1760 von Franz Xaver Schmuzer)
A: Joseph Moosbrugger
M: Franz Anton Kuen
Abt OPraem
Edmund II. Sartor
Abtei Obermarchtal
1757–
1759
Abtei Obermarchtal
Stiftskirche
Zwei Nebenaltäre im Chor (nur plastische Arbeiten) Abt OPraem
Edmund II. Sartor
1758–
1760
(um)
Zisterzienserabtei Engelszell (A)
Stiftskirche
Seitenaltäre, Kanzel, Stuck (Orgelempore und Kapitelle) Langhausgewölbe zerstört A: Andrea Altomonte?
M: Bartolomeo Altomonte
Abt OCist
Leopold II. Reichl, Abtei Engelszell
1760-
1763
Wallfahrtskirche
Maria Steinbach bei Legau
Hochaltar, Fertigstellung durch Thomas Sporer oder Franz Xaver II Feichtmayr M: Franz Georg Hermann Abt OPraem
Mauritius Moriz
Abtei Rot an der Rot
1759
Vierzehnheiligen. Wallfahrtskirche zu den vierzehn Nothelfern. Vertrag über Stuck und Altäre, Ausführung Johann Michael Feichtmayr ab 1764 BM: Balthasar Neumann und Johann Thomas Nissler
Abt OCist Malachias Limmer,
Klosterlangheim

 

  Johann Georg Üblher (1703–1763)  
  Biografische Daten        
  Geburtsdatum Geburtsort     Land  
  23. März 1703 Geispoint Wessobrunn   Bayern D  
    Land 18.Jh.     Bistum 18.Jh.  
    Kurfürstentum Bayern   Augsburg  
  Sterbedatum Sterbeort     Land  
  27. April 1763 Maria Steinbach   Bayern D  
    Land 18. Jh.     Bistum 18. Jh.  
    Herrschaft Rot an der Rot   Konstanz  
  Kurzbiografie        
  Johann Georg Üblher zählt zu den bedeutendsten Stuckateuren des 18. Jahrhunderts. Am Hof in München arbeitet er unter François Cuvilliés und Johann Baptist Zimmermann und kann dort an den ersten Stuckaturen des höfischen süddeutschen Rokokos mitwirken. 1736 beginnt er in der Stiftskirche Diessen die langjährige fruchtbare Zusammenarbeit mit den Brüdern Feichtmayr. Sein überzeugendes Hauptwerk erstellt er 1740/42 mit der Stuckierung des Spiegelsaals in der Residenz Kempten. In der dann folgenden Hauptperiode der Feichtmayr-Üblher Gemeinschaftsarbeiten ist er vorwiegend als Stuckplastiker tätig. In Maria Steinbach, seinem letzten grossen Werk, ist er für Raumstuck, Altäre und Stuckplastik allein zuständig und beweist sich hier als einen der führenden Stuckplastiker der Rokokozeit.     UeblherKempten  
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Aus
Im «Thronsaal» der Residenz Kempten ordnet 1741 Johann Georg Üblher alles der Rocaille unter. Es ist sein frühes Hauptwerk. Der Ausschnitt zeigt die Kartusche in der Deckenzone der Westwand. Eine schwebende Frau als Personifikation der Baukunst trägt in der linken Hand die Gründungsurkunde. Ein Putto hält ihr die Ansicht des (alten) Klosters entgegen. Die Inschrift «Pietate patrum» sagt, dass dieses Stift durch die Frömmigkeit der Väter entstanden ist. Foto: Bieri 2008.