Johann Jakob Hofner (um 1710–1790)

Kunstschlosser in Konstanz

Wenig ist über das Leben des Johann Jakob Hofner bekannt, der während fast 30 Jahren als gesuchter Konstanzer Kunstschlosser in Südwestdeutschland, im Thurgau und im Aargau wirkt. In der älteren Literatur, die jeweils seine Werke ohne Nennung der Lebensdaten aufführt, wird sein Name immer «Hoffner» geschrieben. Sein Geburtsdatum ist unbekannt.[1] Nur von seiner jüngeren Schwester, der späteren Äbtissin des Bodenseeklosters Münsterlingen, sind die Lebensdaten bekannt. Sie ist 1713 geboren, tritt 1736 in das Benediktinerinnenkloster in der Nähe von Konstanz ein und leistet 1737 unter dem Namen Maria Anna Gertrudis Profess. Der Vater Johann Jakob Hofner stirbt 1733. Im Testament sind vier Kinder erwähnt. Der gleichnamige Sohn Johann Jakob wird vor seinem Bruder Joseph an erster Stelle genannt. Eine der beiden im Testament erwähnten Schwestern Maria Ursula und Maria Barbara muss in Münsterlingen den Klosternamen Maria Anna Gertrudis angenommen haben. Es darf vermutet werden, dass der erstgenannte Johann Jakob auch Erstgeborener ist. Er müsste demnach um 1709 oder 1710 geboren sein.[2] 1732 wird in der Klosterkirche Rheinau bei Schaffhausen der Chorabschluss mit perspektivischen Gittern von den Konstanzer Schlossern Scheurmann und Allweiler erstellt. Weil Einflüsse dieses Gitters in den ersten Werken Hofners festgestellt werden, könnte er das Werk nicht nur gekannt, sondern als Geselle an diesem Gitter mitgearbeitet haben.[3] 1734, im Alter von ungefähr 24 oder 25 Jahren, erhält er vom Kloster Münsterlingen den Auftrag für das Chorgitter. Wahrscheinlich führt der Erstgeborene die Werkstatt seines Vaters nach 1733 weiter.[4] Sie wird während der Blütezeit der spätbarocken Schmiedekunst zur bedeutendsten Werkstatt der Region und für den schweizerischen Teil des Bistums Konstanz. Wenig ist bisher über seine Familie bekannt. Seine Ehefrau Maria Ursula Hofner, geborene Hueber, stammt aus Imst in Tirol. Sie stirbt 1771. Hofner ist angesehener Bürger in Konstanz. Offenbar zieht er sich schon vor 1770 als Kunstschlosser zurück, denn 1771 ist er «Unterbaumeister» der Stadt Konstanz, was der Titel des städtischen Bauaufsehers ist.[5] 1774–1786 ist er auch Mitglied des kleinen Rates.[6] Er ist in seinen letzten Jahren bettlägerig und stirbt hochbetagt am 11. März 1790.
Sein Familienwappen, wie es auch seine Schwester als Äbtissin von Münsterlingen führt, ist ein steigender Löwe über drei Kugeln.


Die Werktätigkeit von Johann Jakob Hofner


Ungesicherte Zuschreibung: Z      Archivalisch gesichertes Werk: S   Erhaltenes Werk: ☆☆☆☆

1733 Stiftskirche St. Verena in Zurzach, Chorgitter ☆☆☆☆
Z
Zurzach1   Zurzach2   Die Stiftskirche von Zurzach im Aargau wird 1732–1734 von Johann Caspar Bagnato umgebaut. Bauherr ist Propst Karl Joseph Ludwig Bessler von Wattingen (reg. 1702–1767). Sein Wappen in der Bekrönung des Mittelportals trägt die Jahreszahl 1733. «Das Gitter greift, alle drei Schiffe umfassend, gestuft in die Vorchorbereiche der Seitenschiffe aus, wie später dasjenige von Fischingen» schreibt Josef Grünenfelder 2002. Die für die Ausstattung von 1733/34 verdingten Schlosser Johannes Glantz und Johannes Steygmeyer aus Waldshut könnten das Gitter zwar ausgeführt haben, Josef Grünenfelder vermutet aber in einem Aufsatz (2002) Johann Jakob Hofner als Schöpfer.
Die Bekrönung des
Mittelportals mit dem
Wappen Wattingen.
Foto: Bieri 2025.

  Das Mittelportal in der
ehem. Stiftskirche.
Foto: Bieri 2025


 
1734/36 Klosterkirche St. Remigius in Münsterlingen, Chorgitter. ☆☆☆☆
S
Die Klosterkirche der Benediktinerinnenabtei Münsterlingen am Bodensee wird bis 1716 vom Vorarlberger Baumeister Franz Beer II neu gebaut. Aber erst 1734 bestellt die Äbtissin Maria Dorothea Felicitas Freifrau von Rost (reg. 1728–1749) das Chorgitter bei Johann Jakob Hofner. Er baut es 1736 ein und verzichtet zugunsten der Aussteuer seiner Schwester, die in diesem Jahr ins Kloster Münsterlingen eintritt, auf einen Teil des vereinbarten Lohnes.[7]
Regine Abegg schreibt 2018 in «Kunstdenkmäler TG, Band IX»: Das Gitter besteht aus zwei symmetrisch auf die Mittelachse bezogenen Hauptteilen, deren Zentrum zentralperspektivisch gestaltete Tore einnehmen.
Muensterlingen   Die streng orthogonale  Grundkonstruktion besteht aus fünf Ständern, gequert von zwei horizontalen Friesen, die die Gitterfläche in Sockel, Hauptzone und Bekrönung teilen. Aufgenietete volutenförmige Postamente, Halbschäfte, Basen und Blattkapitelle verleihen den Ständern die Gestalt schlanker Säulen.
Bei den zwölf gegossenen, vergoldeten Atlantenfiguren handelt es sich um die im Nachvertrag geforderten «von mössing gegossene zuesammen zwölff mändlin». 1964/79 wird die Originalfassung des Chorgitters freigelegt. Vom Füllwerk und den Architekturteilen in Schwarz setzen sich die vergoldeten Kapitelle, Atlanten («mändlin»), Rosetten und Profile ab, während das dichte Blattwerk der Ranken auf elfenbeinfarbenen Grund vergoldet und mit grünem Lüster gefasst ist.
Detail aus dem Mittelteil eines der Tore. Sie sind
perspektivisch als Thronsaal mit Atlanten
(«Mändlin») auf gedrehten Säulen im oberen Teil
und mit der thronenden Herrscherfigur in der
Mitte ausgebildet. Foto: Andreas Praefke 2014.
 
1737/41 Klosterkirche St. Ulrich und Afra in Kreuzlingen, Chorgitter. ☆☆☆☆
S
KreuzlingenDetail   In die Stiftskirche des Chorherrenstifts im thurgauischen Kreuzlingen beiKonstanz lässt Abt Johann Baptist Dannecker (reg. 1725–1760) durch Johann Jakob Hofner ein neues Chorgitter bauen. Wie Alfons Raimann 2009 in «Kunstdenkmäler TG Band VII» schreibt, ist der «Schlossermeister auf der Hofhalden» zu Konstanz als Mitglied der Todesangst-Christi-Bruderschaft, in der seine Frau eine führende Stellung einnimmt, mit dem Stift eng verbunden.
Ausschnitt Chorgittermitte. Foto: Bieri 2025.  
Das Chorgitter ist 15,2 m breit und bis zu 6,5 m hoch. Es gliedert sich in fünf Flankenfelder und drei Pforten, die auf die Altäre ausgerichtet sind. Die perspektivische Portalform erweckt die Illusion von weitläufigen, überwölbten Korridoren der Kreuzgängen mit zentralem Fluchtpunkt. Die Fassung (Elfenbeinweiss und Gold) ist rekonstruiert.
KreuzlingenGesamt
Das Chorgitter von Kreuzlingen. Zum Toraufsatz siehe auch die Bildlegende oben. Foto: Bieri 2025.
1738 Klosterkirche St. Georg in Villingen, Chorgitter.
S Die Benediktiner von St. Georgen im Schwarzwald lassen sich nach der württembergischen Reformation im vorderösterreichischen Villingen nieder. Die Benediktinerkirche wird ab 1688 von Michael Thumb gebaut. Erst Abt Hieronymus Schuh (reg. 1733–1757) lässt 1738 durch Johann Jakob Hofner ein Chorgitter für 2378 Gulden erstellen. 1806 wird die gesamte Ausstattung der Kirche für die Raumnutzung als Salzlager zerstört.
1738 Klosterkirche des Kapuzinerklosters in Stühlingen, Kapellengitter ☆☆☆☆
S
Stuehlingen   Die Klosterkirche Stühlingen im Schwarzwald wird 1738 neu gebaut, wobei die alte Loretokapelle von 1680 den Chor bildet. Bauherr ist Joseph Wilhelm Ernst zu Fürstenberg-Stühlingen (reg. 1735–1740). Das Abschlussgitter zur (Chor-) Kapelle ist ein Werk von Johann Jakob Hofner.
  Das reiche Abschlussgitter vor dem Chor (der ehemaligen Loretokapelle) in der Klosterkirche Stühlingen. Foto: Andreas Wieser, Hilzingen (2020)
~ 1740 Münster U. L. F. Konstanz, Gitter vor Nepomukkapelle. ☆☆☆☆
Z «Man weiss zwar nicht urkundlich, von wem dieses besonders schöne Gitter stammt und
Nepomuk   «Man weiss zwar nicht urkundlich, von wem dieses besonders schöne Gitter stammt und wann es aufgestellt ist, aber schon ein Blick genügt nach der bisherigen Analyse, um diese Arbeit in das Werk J. J. Hoffners einzureihen. Wir fassen in diesem Abschluss eine Schwester der Fischinger Portale zur Idda-Kapelle…» schreibt Ilse Hamburger 1926. Sie vermutet eine Erstellung vor den Fischinger Gittern. Infolge Fehlens von Rocaille-Elementen dürfte das Hofner-Gitter um 1740/42 entstanden sein.
 

Das Gitter der Nepomukkapelle im Münster Konstanz. Foto: Bieri 2025.
1743/45 Klosterkirche und Iddakapelle in Fischingen, Chor- und Kapellengitter. ☆☆☆☆
S
1743 verdingt Abt Placidus II. Vogt (reg. 1735–1747) von Fischingen im Hinterthurgau das Chorgitter und das Gitter zur Iddakapelle mit 18 Kreuzer pro Pfund Eisen an Johann Jakob Hofner. Der Akkord und die Entwurfszeichnung sind erhalten. Hofner rechnet 1745 mit 4968 Gulden und 22 Kreuzer ab, demnach für ein Gewicht von rund 16 500 Pfund. Darin ist auch das Gitter am Iddagrab enthalten.
Das Chorgitter im 12,3 Meter breiten Chorbogen hat fünf Pforten, zwei davon seitlich in der zurückweichenden Mitte. Es erreicht abgewickelt knapp 20 Meter Länge. Nur das Hauptportal ist im mittleren Bereich perspektivisch gearbeitet. Zu den weiteren Gittern in den 3,5 Meter breiten und 6 Meter hohen Arkadenöffnungen zur Iddakapelle schreibt Albert Knoepfli 1950: Das Motiv der Arkade mit eingesetztem, hängendem Stichbogen und Fächerfüllung beherrscht die Mittel- und die anschliessenden hälftigen Flügelteile der Kapellendurchgänge, kommt aber, neben trapez- und gestürzt halbmondförmigen Abschlüssen, auch beim Chorgitter vor. Das freie abstrakte Spiral– und Bänderwerk mit knappen Blattansätzen und Rocaillekämmen wirkt wie eine Übertragung der späten Régence-Deckenplastik in die Sprache des Kunstschmiedehandwerks. Das harte Eisen scheint die Schwere ungefügen Materials verloren zu haben.» Die Gitterfarbigkeit ist 1958 aufgrund wissenschaftlicher Befundmethoden wieder hergestellt worden. «Durch genaueste Aufnahmen aller Relikte ergab sich auf einem Plan bald das ganze einstige Programm: das durchgehende warme Rot der Rückseiten und die mit buntesten Lasuren belebte, durchlaufende Vergoldung und Versilberung der Schaufronten» schreibt Albert Knoepfli 1958. Siehe auch seinen Artikel vom 26. Juni 1958 in der NZZ: https://www.sueddeutscher-barock.ch/PDF/1958_Knoepfli_Bekenntnis_zur_Farbe.pdf
Fischingen1   Fischingen2
Oben links: Der Oberteil eines der Gitter zur Iddakapelle. Foto: Bieri 2005.
Oben rechts: Aufsatz des Chorgitter-Mittelteils. Foto: Bieri 2022.
Beide Gitteraufsätzen sind mit dem Wappenschild des Abtes Placidus Vogt (reg. 1735–1747) bekrönt. Er enthält das Klosterwappen (in Blau zwei silberne Fische) und das Wappen Vogt (in Blau über Dreiberg ein goldenes T, gefasst von goldenem offenen Flug).
Unten: Gesamtansicht des Chorgitters. Foto: Bieri 2022.
ChorgitterFischingen
~ 1743 Münster U. L. F. Reichenau-Mittelzell, Chorgitter. ☆☆☆☆
Z
Mittelzell   Das barocke Chorgitter der romanischen Marienkirche auf der Reichenau ist nach mehrfachen Purifizierungen[8] des Innenraums das einzig verbliebene Ausstattungselement des ehemals stark barock geprägten Innenraums mit einst 17 Altären. Das Chorgitter wird 1903 zusammengestaucht in den nördlichen Seitenschiffarm versetzt und 1970 an alter Stelle wieder aufgestellt. Es gilt heute als Werk von Johann Jakob Hofner oder seiner Werkstatt und ist 1743–1746 entstanden. Quellen sind auch hier nicht mehr vorhanden.
Das Chorgitter des Münsters Mittelzell auf der
Reichenau steht nach mehreren Umplatzierungen
heute als einziges Barockrelikt wieder an alter
Stelle. Foto: Martin Kraft 2022.
 
~ 1744 Insel Mainau, Deutschordenskommende, Balkongeländer und Gartentor
Z
Mainau   Die Arbeiten von Johann Jakob Hofner für den Landkomtur Philipp Joseph Anton Eusebius von Froberg (reg. 1736–1757) sind nicht durch Quellen gesichert. Andreas Wieser (2023) beschreibt das erhaltene Gitter des Tordurchgangs zu den Mediterran-Terrassen, aber auch Balkongeländer im Repräsentationstrakt des Schlosses, des Corps de Logis, als Werke von Johann Jakob Hofner.
  Das äussere Balkongeländer am Corps de Logis.
Foto: Andreas Wieser, Hilzingen (2022)
1745/46 Klosterkirche St. Martin in Muri, Chorabschluss und Kommuniongitter. ☆☆☆☆
S
Muri   Abt Gerold I. Haimb (reg. 1723–1751) verdingt 1745 für die Kirche der Benediktiner-Fürstabtei Muri im aargauischen Freiamt die Chor- und Kommuniongitter an Johann Jakob Hofner. «Der Mittelteil besteht aus einem perspektivischen Kielbogen und einer Quadrillage, die Fliesen andeutet. Doch ist das Architekturmotiv, im 17. Jahrhundert eine Spezialität süddeutscher und schweizerischer Schlosser, nur noch requisitenhaft verwendet. … Die Füllungen bestehen aus übereck gestellten Vierkantstäben, die sich in regelmässigen Abständen – die perspektivische Illusion spielerisch zerstörend – zwischen Sockel- und Frieszone spannen, aber nicht von Profil zu Profil, sondern mittels eines dreidimensional wuchernden Akanthus-, Band- und Rocaillewerks. Die Flügel wiederholen als Halbbögen, die sich an den Vierungspfeilern totlaufen, den Mittelteil. Fruchtkörbe und das Wappen des Fürstabts Gerold I. Haimb - im Gegensatz zum übrigen Gitter vielleicht ursprünglich farbig - akzentuieren die vegetabile Bekrönung.
Das Chorgitter der ehemaligen Klosterkirche
Muri im Aargau in einer Postkarte um 1954/56.
Fotograf: Joseph Stenz (1885–1964), Muri.
 
Das Kommuniongitter besteht aus etwa quadratischen, zwischen Halbsäulen gespannten Feldern über schmalem Sockelband. Bandwerk von Vierkantstäben, von ausgeschnittenen und plissierten Rocaillekämmen überhöht, bildet symmetrische, jedoch Balusterformen vermeidende Figuren, welche vergoldete plastische Embleme - Kelche, Rauchfässer – einschliessen». (Text Georg Germann 1967 in: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band V, der Bezirk Muri). Die Fassung des Gitters ist schon ursprünglich schwarz. Über «dieser liegen inzwischen bis zu sieben jüngere Schwarzanstriche, was den heutigen verpappten Eindruck erweckt» schreibt Josef Grünenfelder 2002.
1746/47 Stiftskirche St. Margarethen in Waldkirch, Kommunionbankgitter. ☆☆☆☆
S
Waldkirch   Probst und Chorherren des Margarethenstiftes Waldkirch bei Freiburg im Breisgau schliessen 1746 einen Akkord mit Johann Jakob Hofner für ein Kommunionbankgitter und Gitter um die Seitenaltäre. Nur das Kommunionbankgitter ist (zurückversetzt) erhalten.
Das zurückversetzte Kommunionbankgitter
der Kirche St. Margaretha in Waldkirch.
Foto: Andreas Wieser, Hilzingen (2020).
 
1747 Johanniterkomturei Tobel, Gitterwerke.
S In die Neubauten der thurgauischen Komturei Tobel, die Johann Caspar Bagnato für den Komtur Franz Anton von Schönau baut, kann Johann Jakob Hofner gemäss Zahlungsvermerken auch Gitter liefern. Die Komturei fällt mit der deutschen Säkularisation an den Kanton Thurgau, der in Tobel eine Strafanstalt einrichtet. Spätestens mit den Umbauten im 19. Jahrhundert verschwinden die an Hofner zugeschriebenen Gitter bis auf kleine Reste.
1750/51 Pfarrkirche St. Peter und Paul in Hilzingen, Gitter Empore und Treppe. ☆☆☆☆
Z
Hilzingen   Die Pfarrkirche Hilzingen im Hegau wird von Peter Thumb 1749–1750 gebaut. Bauherr ist seit 1750 Abt Michael Sauter von Petershausen bei Konstanz. Emporengitter und Geländer können mit Vergleichsuntersuchungen aufgrund typischer Elemente durch Andreas Wieser (2023) dem Konstanzer Stadtschlosser zugeschrieben werden.
Mittelteil des Emporengitters von Hilzingen.
Foto: Andreas Wieser, Hilzingen (2023).
 
1753 Nikolauskapelle im Münster U. L. F. zu Konstanz, Abschlussgitter. ☆☆☆☆
Z
KN   Für die Nikolauskapelle am nördlichen Seitenschiff (Joch 3) im Liebfrauenmünster wird im Mai 1753 im Protokoll des Domkapitels vermerkt: «Caplan Pfister seel. habe 140 Gulden. zu einem neuen Götter vor die Capella s. Nicolai verordnet und bei Lebzeiten mit dem Schlosser im Schlegel einen Contract verabredet. Die Erben bitten, diesem die Verfertigung zu überlassen». Mit dem Schlosser im Schlegel ist Johann Jakob Hofner gemeint. Das ausgeführte Gitter der Nikolauskapelle erscheint altertümlich.[9] Weil aber das Gitter «nicht ohne die Perspektiven von Rheinau aus dem Jahre 1732 zu denken ist und aller Wahrscheinlichkeit nach, nach diesem Datum entstanden ist», schreiben Ilse Hamburger (1926) und Andreas Wieser (2023) das Gitter Johann Jakob Hofner zu.
Das Gitter der Nikolauskapelle im Konstanzer Münster. Bildquelle: F.X. Kraus in: Die Kunstdenkmäler des Kreises Konstanz. 1887.
1754 Münster St. Nikolaus in Überlingen, Chorgitter ☆☆☆☆
Z Das Chorgitter im Münster von Überlingen wird 1754 von der Handelsfamilie Vanotti gestiftet. (1752/53 wird der noch bestehende Lettner abgebrochen). Der Name des ausführenden Schlossermeisters ist nicht bekannt. Ilse Hamburger (1926) beschreibt das Werk als hofnersche Werkstattarbeit.
1762 Klosterkirche St. Ulrich und Afra in Kreuzlingen, Gitter vor Kreuzkapelle. ☆☆☆☆
S
GitterOelberg   Das Portalgitter vor der Kreuz- oder Ölbergkapelle der Kreuzlinger Klosterkirche wird 1762 von Abt Prosper Donderer (reg. 1760–1779) dem schon 1737/41 in der Kirche tätigen Johann Jakob Hofner übertragen. Der Akkord lautet auf 500 Gulden. Der Kapellenanbau wird 1760/61 gebaut. Der anschliessend eingerichtete Öl- oder Kalvarienberg enthält über 300 Passions- und Krippenfiguren aus Tirol, bei deren Beschaffung in seiner Funktion als Unterbaumeister der Schlossermeister Johann Jakob Hofner und seine Gemahlin 1759 massgebend beteiligt sind.[10]
Beim elfenbeinfarbig und goldgefassten Portalgitter ist der stilistische Wandel seit der Erstellung des Chorgitters ablesbar.
«Das gelenkige Filigran der Régence, das wir am Chorgitter beachten, ist dem üppigen Gepränge des Rokoko gewichen» (Alfons Raimann 2009).
Das Portalgitter der Ölberg- oder Kreuzkapelle in
der Stiftskirche Kreuzlingen von 1762 ist der
letzte bekannte Auftrag Hofners. In der
Bekrönung das Wappen des Auftraggebers Abt
Prosper Donderer. Foto: Bieri 2008.
 
Das Portalgitter von 1762 ist die letzte bekannte Kunstschlosserarbeit Hofners, der sich als Unterbaumeister und Ratsherr nun vermehrt städtischen Angelegenheiten widmet.


Pius Bieri 2025

Weitere Zuschreibungen
(Zuschreibungen von Andreas Wieser 2025)

1752/53 Stiftskirche St. Fridolin in Säckingen, Eingangs- und Chorseitengitter☆☆☆☆
Z
Saeckingen   Das Gitter der Eingangsvorhalle (Foto) und die Einfassungen der Postamente seitlich des Choreinzugs werden Johann Jakob Hofner zugeschrieben.
 





Das Gitter der Eingangsvorhalle in einer Fotografie der Nordhälfte. Foto: Andreas Wieser, Hilzingen.
1752/53 Stadtpfarrkirche Tiengen, Aufsatz-Gitter im Emporenbereich ☆☆☆☆
Z
Tiengen   Das Türgitter der Aufgangstreppe zur Empore, das Brüstungsgitter einer Andachtsnische und das Aufsatzgitterder Emporenbrüstung werden Johann Jakob Hofner zugeschrieben.
  Nischengitter. Foto: Andreas Wieser, Hilzingen.
1756 Haus zum Ritter in Freiburg, Balkongeländer ☆☆☆☆
Z
Freiburg   Das Balkongitter am Haus zum Ritter wird  Johann Jakob Hofner zugeschrieben.
 




Foto: Andreas Paefcke 2015.

 

Literatur:
Hamburger, Ilse: Schmiedeiserne Chor- und Kapellenabschlüsse in Oberschwaben und der Schweiz. Dissertation Freiburg im Breisgau 1926.
Knoepfli, Albert: Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Band I, Bezirk Frauenfeld. Basel 1950.
Knoepfli, Albert: Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Band II, Bezirk Münchwilen. Basel 1955.
Carl, Lea: Gitter («Die Architektur der Schweiz, Band 2). Zürich 1964.
Verein St. Iddazell (Hrsg.) Barockes Fischingen. Ausstellungskatalog 1991.
Grünenfelder, Josef: Barocke Chorgitter in der Schweiz und ihre Farbfassungen, in: Farbige Eisengitter der Barockzeit, herausgegeben vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege 2002.
Erni, Peter und Raimann, Alfons: Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Band VII, Bezirk Kreuzlingen I, die Stadt Kreuzlingen. Bern 2009.
Abegg, Regine und Erni Peter: Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Band IX, Zwischen Bodensee und Bürglen. Bern 2018.
Wieser, Andreas: Zur geistlichen Wend. Die Barockkirche St. Peter und Paul Hilzingen. Hilzingen 2023.


Anmerkungen

[1] Lea Carl (1964) vernutet die Lebensdaten noch mit «um 1700 bis um 1770».

[2] Im Beitrag von Andreas Wieser zu Johann Jakob Hofner in «Zur geistlichen Wend» 2023 geht der Verfasser von einem Geburtsjahr 1709 aus. Ein früheres Geburtsdatum ist auch angesichts seines hohen Alters von 80/81 Jahren wenig wahrscheinlich.

[3] Ilse Hamburger, die 1926 erstmals die umfassende Tätigkeit Hofners würdigt, beschreibt Einflüsse von Rheinau bei den Gittern in Münsterlingen (1734/36) und Kreuzlingen (1737/41). Dies, obwohl der Autorin der Meistername dieser beiden frühen Hauptwerke nicht bekannt ist.

[4] Johann Jakob Hofner (†1733) wird 1680/83 als Schlosser beim Gewölbebau des Konstanzer Münsters erwähnt.

[5] Quelle: Häuserbuch der Stadt Konstanz 1906. Hofner wird im Zusammenhang einer Lohnaufbesserung als Unterbaumeister erwähnt, «da er bei seinem vorigen Schlossergewerbe einen grösseren Gewinn bezogen habe».

[6] Quelle: BLB_Schriften_Bodensee_1898.pdf.

[7] Die Schwester tritt 1736 ein und leistet 1737 unter dem Klosternamen Maria Anna Gertrudis Profess. 1750–1775 ist sie Äbtissin.

[8] Zum Begriff der architektonischen Purifizierung siehe https://www.sueddeutscher-barock.ch/ga-menuseiten/m71_Glossar.html#BuchstabeP.

[9] Das Gitter der Nikolauskapelle wird von Heribert Rainers (1955) als «für Konstanz das erste erhaltene Beispiel eines Aufbaus mit perspektivischer Wirkung» beschrieben, was sicher mit seiner frühen Datierung des Werkes «um die Wende des 17. Jh.» zusammenhängt. Auch der Vergleich mit dem gleich danebenstehenden Gitter der Nepomukkapelle im vierten Joch (um 1740) lässt es eher älter erscheinen. Andreas Wieser (2023) vermutet das geringe Budget des Auftraggebers als Grund der einfacheren Ausführung, die Verwendung von Rocaillen im Gitter und die Rankenformen des Abschlusses lassen aber nicht auf eine Ausführung oder Überarbeitung (?) vor 1745 denken.

[10] Die Nachricht (1850) der Beteiligung Hofners an der Beschaffung ist nicht quellenbelegt. Eine zweite, ebenfalls nicht quellenbelegte Nachricht vom 1757 spricht von einem Ankauf der Figuren durch Abt Dannecker (reg. 1725–1760) in Innsbruck.

 

 




Werke von Franz Anton Erler
 

Werke von Franz Anton Erler im Klosterneubau des Abtes Rupert II. Ness von 1727–1740:
1727
Winterabtei und Gastzimmer
2. Obergeschoss.
[D] Vier Galerieräume in Winterabtei (Quertrakt) und Vogelzimmer im Eckrisalit NW.
1728 Nordtreppenhaus bei Benediktuskapelle. [D] Kuppel (Maria Immaculata und der Triumph des Kreuzes, in Scheinarchitektur, mit Allegorien). Weitere Text- und Bildinformationen siehe: https://erdteilallegorien.univie.ac.at/erdteilallegorien/
1729 Winterabtei 2. OG [D] Galerieraum 231 bei Vorplatz Abtskapelle ,
(T) 14 Kreuzwegstationen in Vorplatz und Abtskapelle.
1730 Abtskapelle 2. OG. [A] Ovalblatt als Antependium in Abtskapelle (Christus im Grab).
1731 Grosses Konventreppenhaus Ost. [T] 2 grosse Bilder (Bekehrung des Paulus und Sturz des Zauberers Simon) sowie 14 kleinere Bilder (Martyrien der hl. Felicitas und ihrer Söhne).
1732–
1733
Refektorium Erdgeschoss Ost. [T] Zwei grosse Gastmahlbilder an den Schmalseiten (Ost: Ostermahl der Juden und West: Ostermahl der Christen), beide verschollen.
Sechs Gastmahl-Darstellungen zwischen den Fenstern an den Seiten.
1735–
1739
Kreuzgänge und die beiden Osthöfe. [D] 76 Gewölbebilder (Emblematika) in Bezug auf die Tafelbilder an der Wand. [T] Mehrere Tafelbilder.
1728   1735   1735   1735-39
1   2   3   4
1   Ottobeuren 1728. Ausschnitt aus dem Treppenhaus-Kuppelgemälde im Treppenhaus Nord.
     Thema: Maria Immaculata und der Triumph des Kreuzes, in Scheinarchitektur, mit Allegorien.
     Mehr dazu in Erdteilallegorien. Foto: Bildarchiv Foto Marburg.
2 und 3    Ottobeuren 1735–1739. Emblematika im Konventkreuzgang. Die 76 Embleme im Gewölbespiegel nehmen
     Bezug zu den seitlichen Wandgemälden. Fotos: Hermetiker in Wikipedia 1999.
2   Pastor cum tibia, sequente ovium grege: VOX SOLA TRAHIT (Der Ton allein zieht an).
3   Canis pro grege vigilans: GREX ME VIGILANTE QUIESCIT (Die Herde ruht, während ich wache).
4   Ottobeuren 1735-1739: Wandgemälde im Konventkreuzgang mit dem Thema: Jesus ehrt seine Mutter Maria und nimmt sie in den Himmel auf. Foto: Hermetiker 1999.
 
Werke von Franz Anton Erler im Auftrag des Abtes Rupert II. Ness in der Klosterherrschaft:
1734 Wald bei Ottobeuren,
St. Marx–Kapelle.
[A] Altarausstattung durch Erler. Abbruch der Kapelle 1806.
1734–
1735
Ungerhausen bei Memmingen,
Pfarrkirche St. Johann Baptist.
[D] Deckenbilder. Chor: Christus unter den Schriftgelehrten (in Scheinarchitektur) und Verkündigung Mariä. Langhaus: Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons. Zuschreibung: Seitenaltarblätter und Oberblatt Hochaltar.
1737–
1738
Eldern bei Ottobeuren, Wallfahrtskirche. [A] Altarblätter des neuen Choraltars. Versetzung 1780 nach St. Johann in Feldkirch. 1806 Umbau zum Salzmagazin mit Entfernung der Altäre.
1738 Attenhausen bei Sontheim, Pfarrhof. [D] Deckenbild (Traum Jakobs) und Wandbilder mit Allegorien im Obergeschoss. Nur Reste erhalten.

Werke von Franz Anton Erler ausserhalb der Klosterherrschaft Ottobeuren:
1730–
1731
(um)
Irsee bei Kaufbeuern.
Benediktiner-Reichsabtei.
Konventflügel.
[D] Treppenhaus. Deckenbild (Triumph des hl. Benedikt). Unter Treppenläufen Ovalbilder (Sturz Luzifers, Himmelsleiter des hl. Benedikt), Deckenbilder in weiteren Räumen (Antoniuszimmer). Zuschreibungen. Zeitrahmen der Ausführung 1729–1735. BH: Reichsabtei Irsee.
Abt OSB Willibald Grindl.
ST: Franz Schmuzer
1733 Osterzell im Ostallgäu. Pfarrkirche St. Stephan und Oswald. Fassung des Hochaltars (ersetzt 1829) und [D] Deckenbild Chor (Steinigung des hl. Stephan). Zuschreibung. BH: Stift Rottenbuch, Propst Patritius Oswald.
1733 Osterzell im Ostallgäu.
«Schloss» (Pfarrhof).
[D] Deckenbild im Treppenhaus (hl. Augustinus und Triumph des katholischen Glaubens). BH: Stift Rottenbuch, Propst Patritius Oswald.
1736 Schloss Wolfegg
im Westallgäu.
Stiftskirche
St. Katharina.
[D] Alle Deckenbilder der Stiftskirche. (Mittelbild: Zweikampf im Trentino. Kuppel und Chorbilder: Szenen aus der Katharina-Vita. Zehn Zwickelbilder und sechs Bildfolgen in Camaïeu-Technik). Vermutlich Mitarbeit Benedikt Gambs.
Mehr zu den Deckenbildern in Wolfegg in:
https://www.sueddeutscher-barock.ch/
BH: Graf Ferdinand Ludwig, Waldburg-Wolfegg-Wolfegg  und Maria Anna Amalia Renata von Schellenberg.
ST: Johannes Schütz.
1737 Kisslegg im Westallgäu.
Pfarrkirche
St. Gallus und Ulrich.
[D] Alle Deckenbilder der Pfarrkirche (Mittelbild: Triumph der Kirche über die Häresie. Vierung: Abendmahlszene in Scheinkuppel. Deckenbilder in Chor und Querarmen. 12 Darstellungen der Josefs- und Marienvita in den Seitenschiffen.
Mitarbeit Benedikt Gambs.
[A] Im Unterakkord von Judas Thaddäus Sichelbein malt Erler auch das Hochaltarblatt und einige Blätter der Kapellenaltäre.
Mehr zu den Gewölbebildern in Kisslegg in :
www.sueddeutscher-barock.ch/
BH: Gräfin Maria Anna Amalia Renata von Waldburg-Wolfegg-Wolfegg, Freiin von Schellenberg.
ST: Johannes Schütz.
Wolfegg   Kisslegg
Wolfegg 1736. Ausschnitt aus dem grossen Hauptgemälde mit dem legendären Zweikampf des Jahres 1487 im Trentino. Um die im lichten Himmelszentrum schwebende hl. Katharina von Alexandrien formiert sich die Darstellung des Zweikampfes in vielen Einzelszenen. Der Sieg des jungen Grafen Wolfgang im Ringkampf, und das Anflehen der hl. Katharina durch den unterlegenen Gegner spielt sich in der Darstellung über dem Chorbogen ab. Foto: Bieri 2019.   Kisslegg 1737. Erler setzt den Kirchenraum scheinarchitektonisch in das Tonnengewölbe fort. Er gruppiert die Heiligen der Kirche hinter die jochweise vorkragende Scheinbalustrade. Sie blicken von beiden Seiten des Tonnengewölbes in den Kirchenraum hinunter. Im mittleren Bild der Nordseite steht in der Mitte der hl. Sebastian, links der hl. Laurentius und rechts der hl. Stephanus, ganz rechts der hl. Johann Nepomuk und ganz links der hl. Georg. Foto: Bieri 2020.

 

 



1736 erhält Johann Jakob Hofner den Auftrag für das Chorgitter der Stiftskirche Kreuzlingen, in das seine Schwester soeben eingetreten ist. Im Bild der Aufsatz über dem 6,5 Meter hohen Mittelteil mit dem Klosterwappen. Foto: Claudia Bieri 2025.

Die Werkstatt des Johann Jakob Hofner dominiert in der Mitte des 18. Jahrhunderts während rund 30 Jahren die Konstanzer Produktion von geschmiedeten Gittern in Sakralräumen. Im Thurgau und Aargau wird er mit den Chorgittern in Münsterlingen, Kreuzlingen, Fischingen und Muri zum bedeutendsten Kunstschlosser der Régence und des Rokoko. Sein Oeuvre ist durch illusorische Perspektiven, halbierte Seitenanschichten, garbenförmig versprühende Motive und phantasievolle Einbindung der Heraldik charakterisiert. Einige seiner Kunstwerke sind erst in neuerer Zeit bekannt geworden. .

KreuzlingenCB
Land (heute)
Baden-Württemberg D
Bistum 18. Jahrhundert
Konstanz
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Baden-Württemberg D
Bistum 18. Jahrhundert
Konstanz
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Johann Jakob Hofner (um 1710–1790)