Gottfried Bernhard Göz[1] (1708–1774)

Augsburger Maler des Rokoko

Herkunft, Ausbildung, Wanderschaft
Am 10. August 1708 wird Gottfried Bernhard als Sohn von Sebastian und Anna Göz im mährischen Klosterdorf Velehrad getauft. Der Vater ist Klosterschmied der grossen barocken Zisterzienserabtei im heutigen Tschechien. Nach dem Besuch der Klosterschule in Velehrad absolviert Gottfried Bernhard 1718–1723 alle sechs Klassen des Jesuitengymnasiums in der zwei Wegstunden entfernten Stadt Hradisch (Uherské Hradiště). Am Gymnasium ist die Unterrichtssprache Latein.
Eckstein   Göz beherrscht diese Sprache später in Wort und Schrift. 1724, fünf Jahre später als üblich und mit einer ebenso unüblichen Grundausbildung, beginnt er eine Malerlehre. Als Lehrmeister gilt Franz Gregor Ignaz Eckstein.[2] Bei ihm wird er früh in die illusionistische scheinarchitektonische Malerei des P. Andrea Pozzo SJ und in die Kunst des Malens in nassen Putz eingeführt. Um 1728 tritt Göz die übliche Wanderschaft an, ohne dass ihr Verlauf bekannt ist. Auf die im 17. Jahrhundert noch übliche Weiterbildung in Italien verzichtet er.[3]

  Selbstbildnis des Malers Eckstein im Deckenfresko des Festsaales von Schloss Milotice 1725. Der Maler präsentiert einen Entwurf, der von einem Gehilfen oder Lehrjungen gehalten wird. Ist der Junge vielleicht der 17-jährige Gottfried Bernhard Göz? Foto: Ondraness 2018 in Wikipedia.

Augsburg
Seit 1729/30 hält sich Göz in Augsburg auf. Anlass des Wechsels nach Augsburg sind die grösseren Erfolgsaussichten im damals wichtigsten Handels- und Gewerbeplatz Süddeutschlands. Die Reichsstadt ist auch für ihr blühendes Goldschmied- und Druckgewerbe bekannt.[4] Anziehungspunkt für junge Maler ist vor allem der als Altarbildmaler, Freskant und Radierer schon berühmte Johann Georg Bergmüller.[5] Seit 1730 ist er katholischer Direktor der Akademie. Göz geht aber nicht als Geselle zu Bergmüller, sondern zum Erwerb der notwendigen Meistergerechtigkeit zum Maler Rothbletz.[6] Gleichzeitig mit ihm ersitzt auch Johann Evangelist Holzer[7] die erforderliche dreijährige Zeit als freier Geselle bei Kostgeber Rothbletz. Göz und Holzer pflegen nach ihrer Ankunft in Augsburg den Kontakt mit Bergmüller. Sie sind sicher gelegentlich auch Schüler an seiner Akademie. Während Holzer schon 1732 von Bergmüller als Mitarbeiter aufgenommen wird, bleibt Göz die drei erforderlichen Jahre bei Rothbletz. Im April 1733 erhält er die Augsburger Meistergerechtigkeit.
In Augsburg gründet er gleichzeitig eine Familie. Im April 1733 erteilt der Rat das Bürgerrecht für Göz und seiner Verlobte Anna Elisabetha Lesin aus Wien. Die beiden heiraten wenige Tage später. Nach dem frühen Tod seiner ersten Ehefrau heiratet Göz 1736 erneut. Mit Maria Eleonora Magdalena von Erdenfeld aus Langenlois in Niederösterreich hat er 1738 eine Sohn, der auf den Namen Franz Regis Thaddäus Lorenz getauft wird. Der Familie wird später noch ein Mädchen geboren, von dem aber nichts bekannt ist.
Ausser seinem umfangreichen Werk und seinen Unternehmungen ist von Gottfried Bernhard Götz wenig Persönliches bekannt. Obwohl er viele Porträts malt und auch als Stiche veröffentlicht, ist von ihm kein derartiges Bild vorhanden. Im Deckenfresko der Birnau 1749 malt er sich mit einbandagiertem Bein und mit Krücke in einer Gruppe von Notleidenden, die von der Gottesmutter Hilfe anflehen. Tatsächlich äussert sich Abt Anselm II. von Salem äusserst ungehalten über einen Beinbruch des Malers, der «so ganz nicht bey der Arbeit geschehen», und den er der Trinkfreudigkeit des Malers zuschreibt. Dessen Geselle Kohler trinke sogar täglich vier bis fünf Mass Bodenseewein, obwohl ihm gemäss des Akkordes nur ein Mass zugestehe. Dem Maler Göz, der sich in der Birnau mit seiner Familie aufhält, zieht er deshalb 1750 bei der Schlussrechnung 92 Gulden ab.[8] Weniger realistischer als seine Malerdarstellung in der Birnau ist sein zweites «Selbstbildnis». Im 1751 gemalten Deckenfresko des Festsaals von Schloss Leitheim soll ein eleganter junger Kavalier mit Palette und Malstock den inzwischen 43-jährigen Maler darstellen.[9]
Er behält seinen Wohnsitz und seine Werkstatt immer in Augsburg. Vermehrt wendet er sich hier auch der Druckgrafik zu. 1737 gründet er zusammen mit den Brüdern Joseph und Johann Klauber eine Verlagsgemeinschaft und liefert die entsprechenden Bildvorlagen.[10] Schon 1742 erwirbt er für einen eigenen druckgrafischen Verlag ein kaiserliches Privileg. 1744 bewirbt er sich um den Titel eines Kaiserlichen Hofmalers und Kupferstechers, der ihm auch gewährt wird.
In der Wertschätzung der Auftraggeber rangiert er an vorderer Stelle, was sich an den Akkordsummen ablesen lässt. Er wird ähnlich wie Johann Zick, Matthäus Günther und Joseph Ignaz Appiani bezahlt. Nur Wiener Maler und aus Italien berufene Künstler verdienen mehr.
Im Gegensatz zu Bergmüller in Augsburg oder Troger in Wien versammelt sich um Göz kein Schülerkreis, der seine Kunst fortführt. Er nimmt meist nur für die Dauer der grösseren Freskenaufträgen Gesellen in seinen Dienst. Als einziger über längere Zeit bei ihm tätiger Mitarbeiter gilt Franz Anton Zeiller.[11] Als weitere Schüler werden die Maler Joseph Anton Huber[12] und Franz Ignaz Oefele[13] genannt.
Am 25. November 1774 stirbt Gottfried Bernhard Göz im Alter von 66 Jahren in Augsburg. Seine zweite Ehefrau stirbt bedeutend später (1781 oder 1793), sein Sohn Franz Regis führt den Kunstverlag weiter und stirbt gegen Ende des Jahrhunderts.

Der Kupferstecher und Verleger Göz
1730–1741
Die frühesten bekannten Arbeiten von Gottfried Bernhard Göz sind Stichveröffentlichungen von Freskenentwürfen Bergmüllers. 1730 veröffentlicht Johann Georg Bergmüller einen Zyklus von 14 Radierungen unter dem Titel «Symbolum Apostolicum» als Reproduktionen seiner Freskenentwürfe um 1725/27. Das Blatt Nr. 5 trägt den Stechervermerk «Götz». Ebenfalls Anfangs der 1730er-Jahre sticht Göz eine weitere Serie von Radierungen nach Altarbildern Bergmüllers, wie die um 1723 entstandene Kreuzabnahme in Aldersbach. Daraus ist ersichtlich, dass Göz gleichzeitig mit Johann Evangelist Holzer die Kupferstecher-Kunst bei Bergmüller perfektioniert. Die Stiche Holzers bei Bergmüller sind schon stark von den Chinoiserien und arkadischen Landschaften Watteaus geprägt. Göz nähert sich Watteau weniger zielbewusst, zeigt aber 1731 in vier Stichentwürfen von Evangelisten auch den Einfluss des französischen Vorbildes, wobei die vier Evangelisten auch für die vier Jahreszeiten stehen. Seine Vorlagen werden bei Johann Andreas Pfeffel in Augsburg gestochen und verlegt.
             
Symbolum-Apostolicum   Aldersbach   Johannes_Evangelist_Repräsentant_Winter   Abt_Constantin_Miller
1   2   3   4
Druckgrafik 1730–1740, Beispiele
1.  Die erste signierte Arbeit als Kupferstecher ist eine Radierung der Folge «Symbolum Apostolicum» (1730), die auf Entwurfszeichnungen für Fresken von Johann Georg Bergmüller aus den Jahren 1725/27 zurückgeht. Quelle: Herzog Anton-Ulrich-Museum Braunschweig.
2.  Ein weitere Radierung von Göz um 1730 ist die Kreuzabnahme nach dem (spiegelbildlichen) Entwurf von Johann Georg Bergmüller 1726 für die Stiftskirche Aldersbach (Zeichnung in der Albertina). Quelle: Herzog Anton-Ulrich-Museum Braunschweig.
3.  Der hl. Johannes Evangelist als Repräsentant des Winters. Entwurf Gottfried Bernhard Göz 1731 für eine Stichserie von 4 Evangelisten als Vertreter der Jahreszeiten, gestochen von J. C. Steinberger und verlegt bei J. A. Pfeffel in Augsburg. Quelle: Kupferstichkabinett Basel.
4.  Grundlage des Porträtstiches von Abt Constantin Miller in Salem ist ein (spiegelbildlicher) Entwurf von Gottfried Bernhard Göz 1738. Der Stich ist einem Salemer Manuskript beigegeben.
Quelle: Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Sal. X,41.
             
Es scheint, dass Göz sich in diesem Jahrzehnt fast ausschliesslich der Druckkunst widmet. Anfänglich verlegt er seine Arbeiten vorwiegend bei Pfeffel, um dann 1737 eine Verlagsgemeinschaft mit den Brüdern Klauber einzugehen. Die Blätter sind meist religiösen Themen gewidmet oder sind Andachtsbilder, sie finden deshalb grossen Absatz. Zu dieser Zeit steht Götz bereits in regem Kontakt mit der Zisterzienserabtei Salem, was vor allem am Porträtstich und dem gelichzeitigen Ölporträt des Abtes Constantin Müller 1738 ablesbar wird. Im gleichen Jahr liefern Göz und Klauber ein erstes grosses Thesenblatt von 142 cm Länge an das Kloster Einsiedeln.[14] Sie drucken ähnliche Thesenblätter auch für das Jesuitenkolleg Luzern, für das Einsiedler Stiftsgymnasium in Bellinzona und für das Jesuitenkolleg in Brig. Die Produktion dieser Verlagsgemeinschaft bis zu ihrer Auflösung Ende 1741 ist so umfassend, dass sie noch immer als längst nicht bekannt und völlig unüberschaubar gilt. Die Gründung des eigenen Verlages fällt mit den ersten grösseren Freskenaufträgen zusammen.
Allergorie_Sommer   1742–1771
Die Entwürfe zu den Stichen seines Eigenverlages sind nun durchwegs, wie er selbst betont, «rahmenlos». Das Bild selbst wächst jetzt zur ungestümen Rokoko-Entgrenzung aus. Seine Serie der «Schrecken des Krieges», die er 1742 verlegt, gibt davon Zeugnis.[15] Auch in dieser zweiten Phase zeigen seine Entwürfe und Stiche vorwiegend religiöse Motive. 1752 veröffentlicht er Stiche der 14 Kreuzwegstationen nach dem vorgängig für die Abtei Kaisheim in Öl gemalten Kreuzweg. Nach ihrer Veröffentlichung dienen sie vielen Malern als Vorlage. Die weiteren nennenswerten Arbeiten dieser Periode sind Thesenblätter. 1744 fertigt er ein Blatt für die Jesuiten in Dillingen, das er dann auch für die Bewerbung als kaiserlicher Hofmaler benutzt. Es ist ein Schabkunstblatt und hat die Grösse von 1,32 x 2,20 Meter. 1750 liefert er ein Thesenblatt für die Birnau, 1757 auch für Salem.[16] Er bewirbt sich 1746 mit gedruckten Thesenblätter auch bei Abt Anton II. in Admont. Aus dieser Bewerbung als Stecher resultiert ein umfangreicher Schriftverkehr, der dann zum grossen Auftrag von 24 Ölgemälden von Kirchenlehrern für die Admonter Bibliothek führt. Weiterhin zeichnet und sticht Göz auch Porträts, so um 1750 vom Langheimer Abt Stephan Mösinger, um 1755 vom Fürstbischof von Speyer, Franz Christoph von Hutten und um 1760 vom Augsburger Jesuiten Franz Neumayr.
Seine vermutlich letzten Zeichnungen als Entwürfe zu Stichen sind vier Blätter von 1774 in den Stiftsammlungen des Klosters Einsiedeln. Es sind kleinformatige Rötelzeichnungen mit eindrücklichen Heiligenporträts.[17]

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Kurfuerstin_Maria_Anna_Sophia  
2  
Thesenblatt_Birnau  
  1.  In einer Rocaille sitzt über Wasserquellen und einem Getreidebündel eine jugendliche Schönheit und hält die Füsse im Wasser. «G. Bernardus Göz, Pictor et sculp. S. C. M. invent et pinxit» lautet die Unterschrift unter die allegorische Radierung des Sommers.  Sie wird um 1750 datiert. Quelle: The British Museum London.
  2.  Um 1747/50 veröffentlicht Göz ein Huldigungsporträt der neuen bayerischen Kurfürstin Maria Anna Sophia von Sachsen. Als Unterschrift vermerkt er «C.P.S.C.M.» (mit kaiserlichem Privileg) und «G. B. Göz S. Caes. M. Aulae Pict. et Sc. fec. A. V.» (G. B. Göz, Kaiserlicher Hofmaler und -Kupferstecher, hat den Druck in Augsburg angefertigt).
  3.  Das 1750 von Göz für die Abtei Salem hergestellte Birnauer Thesenblatt misst 100 x 150 cm. Das Gnadenbild der Muttergottes von Birnau dominiert den Stich. Der Schwan zu Füssen des Gnadenbildes stammt aus dem Herzschild des Abtes Anselm II. Die Personifikationen des Wassers und der Fruchtbarkeit halten das Bild in die Höhe. Der Löwe, der den Abtsstab mit dem umschlungenen S hält, ist Wappenhalter von Salem. Seinem Maul entweichen Bienen. Unten sind die Thesen in drei Kartuschen eingeschrieben. Bildquelle: Wikipedia.
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Druckgrafik 1741–1760, Beispiele

 

Gottfried Bernhard Göz als Freskant
(Das Freskenwerk ist hier, soweit bekannt, vollständig chronologisch erfasst. In der Werkliste sind die Fresken deshalb nicht mehr enthalten. Die Orte mit noch erhaltenen Göz-Fresken sind fett hervorgehoben)
Göz kommt 1730 als ausgebildeter Freskant nach Augsburg. Im Ahnensaal des Schlosses Milkendorf (Zàmek Milotice) malt 1725 sein Lehrmeister in einer Ecke des Deckenfreskos einen Maler, dessen Gehilfe ein Gemälde festhält. Es könnte seinen 17-jährigen Lehrling Göz darstellen.
Das erste Fresko, das Göz nach dem Erwerb der Meistergerechtigkeit ausführt, ist ein Treppenhausfresko im Palais Köpf in Augsburg. Er signiert es «God. Ber. Göz Pinx. 1739». Göz malt die Allegorie auf den Handel und das Gewerbe in sehr pastosen Farben, die Hauptfiguren der göttlichen Vorsehung und des stürzenden Gottes Merkur sind in starker Verkürzung in die perspektivischen Schauräume eingefügt.[18] 1740 bemalt er die Fassade des Hauses Lang am Katzenstadel in Augsburg. Diese Arbeit ist wie die meisten Augsburger Fassadenmalereien untergegangen.
Fresko_Meersburg   1741 ist er im Auftrag des Fürstbischofs Kardinal Damian Hugo von Schönborn in Meersburg tätig. Offenbar wird Göz dem Fürstbischof für die Ausmalung der Schlosskapelle vom Abt von Salem empfohlen. Stuckateur und Altarbauer ist Joseph Anton Feuchtmayer, mit dem Göz in Zukunft mehrmals zusammenarbeitet.[19] Das Thema des Freskos ist die Verehrung der Einsiedler Gottesmutter.[20] Göz freskiert die Schlosskapelle in sieben Wochen.[21]
  Fürstbischof Damian Hugo von Schönborn in Verehrung der Maria von Einsiedeln. Ausschnitt aus dem Fresko in der Schlosskapelle Meersburg. Foto: Andreas Praefcke 2008.
1742 erhält Göz von Abt Placidus Renz der Reichsabtei Weingarten den Auftrag für die Deckenfresken des Audienzsaales im Nordost-Risalit des neuen Konventbaus. Stuckateur ist Franz Xaver Schmuzer. Im Fresko ist die Verherrlichung der Hl.-Blut-Reliquie durch die Patrone von Weingarten und Hofen dargestellt.[22]
1748 malt er im Auftrag der Priorin des Dominikanerinnenpriorats Habsthal die Fresken im durch Joseph Anton Feuchtmayer umgestalteten Kirchenraum.[23] Feuchtmayer ist seit Meersburg mit Göz bekannt. Auch für Scheer trifft dies zu. Dort gestaltet Feuchtmayer 1748 den Innenraum. Der Mitarbeiter von Götz, Franz Anton Zeiller, malt ein Altarblatt.[24] Auch in Habsthal muss Zeiller beteiligt sein, denn auf der Heimreise nach Augsburg hält sich der Trupp bereits in der Birnau auf, wobei Zeiller erwähnt wird.
Die Deckenfresken in der Klsoterkirche Habsthal
Fresko_Langhaus_Habsthal   Entwurf_Chor_Habsthal     1.  Im Langhausfresko kniet der hl. Dominikus vor einem Altar in einer zum Himmel geöffneten scheinperspektivischen Architektur und hält ein Schild mit der Inschrift «Maria». Im Himmel ist die Fürbitte Mariens vor Christus zu sehen. Foto: Bieri 2010.
2.  Entwurf zum Chorfresko. Bildquelle: Metmuseum NY.
3.  Das ausgeführte Fresko mit den vier Erdteilen in Verehrung der Eucharistie. Foto: Andreas Praefcke 2006.
             
Fresko_Langhaus_Birnau   1749 erteilt der seit 1746 regierende Abt Anselm II. von Salem den Auftrag für die Gewölbefresken der Wallfahrtskirche Birnau am Bodensee. Obwohl auch hier Feuchtmayer wichtigster Gestalter ist, und obwohl Götz in Salem durch seine Porträts bereits bekannt ist, kann er sich erst in einem Skizzenwettbewerb durchsetzen. Ein schriftliches marialogisches Bildprogramm des Abtes ist Wettbewerbsgrundlage. Birnau ist für Götz der wichtigste und grösste Auftrag.[25] Für die Fresken und für zwei Altarblätter werden ihm 3387 Gulden ausbezahlt.  
Im Langhausfresko der Birnau verlängert Göz die Wandarchitektur in eine scheinarchitektonische Brüstungszone, deren Gesims historische und zeitgenössische Personengrppen (unter diesen der Maler Götz mit gebrochenem Fuss und die drei Bauäbte mit dem Plan) bevölkern. Sie stellen sich unter den Schutz der Muttergottes im Zentrum des Bildes. Foto: Bieri 2012,
1749, noch vor der Arbeit in der Birnau, malt er, wieder unter Vermittlung des Abtes von Salem, für das Konstanzer Domkapitel das Deckenfresko im Weissen Saal der Dompropstei Konstanz.[26]
1751 arbeitet er für Abt Coelestin Mermos der Zisterzienserabtei Kaisheim. Dieser dürfte als Einweihungsgast die Arbeit von Göz in der Birnau kennen. Vorerst malt Göz in der neuen Kalvarienberg-Kapelle Wörnitzstein bei Donauwörth das Deckenfresko.[27]
Wandfresko_Leitheim   Im Leitheim, dem Sommerschloss der Abtei Kaisheim, kann er anschliessend ein umfangreiches Freskenprogramm verwirklichen. Er malt Deckenfresken im Treppenhaus, im Festsaal, im Audienzzimmer, im Schlafzimmer und im Arbeitsraum. Das Programm umfasst in Allegorien die göttliche Schöpfung von Universum, Natur und Mensch.[28] Im Festsaal ergänzt er sie durch hochrechteckige Wandgemälde in Seccomalerei nach französischen Chinoiserie-Vorlagen, die er ähnlich seinen Grafiken gekonnt umsetzt.[29] Die hervorragenden Rokoko-Stuckaturen sind Werke des Wessobrunners Anton Landes.[30]
  Das Wandbild «Freude» im Festsaal von Leitheim ist geprägt von französischen Chinoiserie-Vorlagen. Bildquelle: Bildarchiv Foto Marburg / Gaasch, Uwe (www.deckenmalerei.eu)

Judenprogrom_Regensburg  

1752 malt er für den Rat der Stadt Augsburg die Fresken am Perlachturm. Die Malerei hat sich nicht erhalten.
1754 stuckiert Landes die Stadtpfarrkirche St. Kassian in Regensburg. Wahrscheinlich auf Empfehlung des hier schon bekannten Stuckateurs wird Göz für die Freskierung beigezogen. Er malt in St. Kassian 1754, 1756 und 1758 Bilderzyklen an die Langhauswände und Decken der Seitenschiffe.
Sie werden 1884 mit Ölfarbe übermalt. Eine Entfernung der Ölmalerei misslingt 1909.[31]

Ein durch Übermalungen noch wenig verändertes Deckenfresko der dritten Szene im südlichen Seitenschiff von St. Kassian. Er stellt das Regensburger Judenprogrom von 1519 dar.
Kulturgeschichtlich interessant, zeigt das Fresko alle damaligen Stereotypen des Judenhasses und der Judenverfolgung, vertreten im Bild durch die Ratisbona als weibliche Personifikation der Stadt Regensburg, die unter der Säule mit der «Schönen Maria» die Vertreibung durchführt. Foto: Johann Baptist M. in Wikipedia.

Treppenhaus_Schussenried   1758 ist Göz für Abt Nikolaus Cloos in der Prämonstratenserabtei Schussenried tätig. Er malt das Fresko des nordöstlichen Treppenhauses.[32]
Göz malt in die Kuppel des Treppenhauses von Schussenried die Verleihung des weissen Ordensgewandes durch die Muttergottes an den hl. Norbert. Foto: Andreas Praefcke 2003.
Im gleichen Jahr arbeitet er für die Salesianerinnen in Amberg. In der umgebauten Schulkirche St. Augustinus führt er die Decken- und Wandfresken aus und liefert alle Altarblätter. Der Auftrag umfasst grosse Deckenbilder über Chor, Langhaus und
Empore, am Übergang zum Chorbogen und in den Zwickeln mit weiteren Deckenfresken, an den Wänden sechs hochrechteckige Gemälde in hervorragenden Rocaille-Stuckrahmen und weitere, kleinere Wandfresken.[33] Im Hauptfresko bildet eine perspektivische Scheinarchitektur rokokohaft die Kulisse für die handelnden Personengruppierungen. Auch diese Fresken verschwinden 1883 unter einer Ölmalerei, können aber in neuerer Zeit restauriert und teilrekonstruiert werden.
1762 und 1765 arbeitet Göz nochmals in Regensburg. Im Chor der Stiftskirche zur Alten Kapelle erstellt er die Fresken. Stuckateur ist, wie vielleicht schon in Amberg, wieder Anton Landes. Göz malt hier 1762 das Deckenfresko im Chor und 1765 zwei Wandfresken. Wie seine Arbeiten in St. Kassian werden auch diese Fresken 1887 mit Ölfarbe überstrichen, auch hier misslingt die Entfernung um 1935. Das Deckenfresko ist heute ein braunes Gewusel. Nur die Wandfresken haben weniger gelitten.
1764 malt Göz die Deckenfresken der Jesuitenkirche St. Salvator in Augsburg. Nur der Entwurf für das Hauptbild im Langhaus ist erhalten.[34] Die Kirche wird 1872 abgerissen.
Fragmentarisch erhalten ist ein Deckenfresko in der Dompfarrsakristei Augsburg. Göz malt es 1766. Es ist heute durch eine Restaurierung nach Ablösung und Neumontage auf eine Betondecke weitgehend zerstört.
1769 erstellt er in der Stadtpfarrkirche St. Ursen in Solothurn seine letzte Arbeit als Freskant. Sie bedeutet einen klaren Abschied von barocken Konzepten, wie dies mit der frühklassizistischen Architektur und dem Stuck des Kirchenneubaus schon vorgegeben ist.[35] Göz malt in die Querschiffgewölbe und im Chorgewölbe in rechteckige Felder Historienbilder. Sie sind wie «quadri riportati» ohne jedes barocke Pathos, ohne jeden scheinperspektivischen Illusionismus und ohne das barocke «sotto in sù» gemalt. Die Fresken in Solothurn von Göz zeigen eine grosse Unsicherheit gegenüber den neuen Gestaltungsprinzipien. Im Gegensatz zum jungen Domenico Pozzi, der gleichzeitig die Tondi in den Gewölben des Langhauses malt, kann sich Göz mit den Prämissen der neuen Stilrichtung nicht mehr befreunden.
St-Ursen_Solothurn   St. Ursen, Chorgewölbe. Fresko 1769. Fahnenübergabe des Herzogs Leopold von Österreich (1318). Die Szene spielt in einem gewölbten Kirchenraum. In der Symmetrieachse steht an der Spitze einer Dreieckskomposition die vergoldete Statue des hl. Urs auf hohem Sockel. Der historisierend mit Schlitzhosen und hermelingefüttertem Mantel gewandete Herzog von Österreich steigt von rechts mit kriegerischem Gefolge auf die Stufen und bietet seine Fahne an. Gegenüber freuen sich der Propst mit Chorherren sowie der Schultheiss mit Bürgern über die wundersame Rettung der Stadt und die fromme Geste des Herzogs. Foto: Ray Swi-hymn 2017.

Göz als Zeichner und als Maler in Öl auf Leinwand
Über 160 Zeichnungen von Gottfried Bernhard Göz sind noch heute erhalten. Es sind fast ausschliesslich Vorlagen für Stiche und Radierungen, für Ölbilder oder für Decken- und Wandfresken. Mehrheitlich sind es lavierte Federzeichnungen. Sie sind immer sorgfältig und sicher ausgeführt, weil sie den Auftraggeber für die Ausführung des Werkes überzeugen sollen. Ihre künstlerische Qualität überzeugt, was sie bei Museen und Sammlern begehrt macht.
Von den ausgeführten Leinwand-Ölgemälden und -Altarblättern sind rund 80 Werke noch erhalten.

Die öffentlich zugänglichen Werke in Kirchen und Klöstern sind in der beiliegenden Werkliste aufgeführt und beschrieben.

Pius Bieri 2022

Literatur:

Isphording, Eduard: Gottfried Bernhard Göz . Text- und Tafelband. Weissenhorn 1982.
Knapp, Ulrich: Joseph Anton Feuchtmayer 1696–1770. Konstanz 1996
Isphording, Eduard: Gottfried Bernhard Göz 1708–1774. Ein Augsburger Historienmaler des Rokoko und seine Fresken. Weissenhorn 1997.
Stoll, Peter: Gottfried Bernhard Göz und die Seitenaltarbilder der Pfarrkirche von Tapfheim. 2008.
Stoll, Peter:Gottfried Bernhard Göz, Franz Anton Zeiller und die Rosenkranzspende von Scheer.
In: Heilige Kunst: Mitgliedsgabe des Kunstvereins der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Ostfildern 2013.
Stoll, Peter: Die Apostelfürsten von Gottfried Bernhard Göz in der Jesuitenkirche Hl. Kreuz in Landsberg am Lech. Universität Augsburg 2014.


Web:

Gottfried Bernhard Göz in der Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Bernhard_Göz

 

Anmerkungen

[1] Der Name wird auch Götz, Getz, Goettz geschrieben. Die Schreibweise Göz folgt der vom Maler meistbenutzten.

[2] Franz Gregor Ignaz Eckstein (1689–1741) aus Židovice bei Saatz in Mähren, seit 1713 Bürger von Brünn. Freskant und Ölmaler in Böhmen und Mähren mit Schulung in Italien. Er arbeitet 1719, 1724/25 und 1719 in der Abtei Velehrad, vorher in Brünn, 1725 im Schloss Milotice. Hier gestaltet er im Ahnensaal ein illusionistisches Deckenfresko in venezianischer Leichtigkeit und Farbigkeit und bemalt die Wände mit Scheinarchitekturen. Die letzte Arbeit in der Jesuitenkirche von Lemberg 1741 kann er nicht mehr beenden.

[3] Der mehrjährige Italienaufenthalt zu dieser Zeit ist vor allem im italophonen Wiener Kunstkreis für die um 1690/1710 geborenen Maler noch wichtig (Paul Troger, Johann Jakob Zeiller). In Bayern und Schwaben beginnt der Einfluss Frankreichs zu wirken. Keiner der grossen Augsburger Maler dieser Jahrgänge (Bergmüller, Holzer, Günther) kann einen längeren Italienaufenthalt vorweisen. Die Aneignung des Malens in nassen Putz ist nun auch im Norden möglich.

[4] 1730 leben in der Reichsstadt unter den 27 000 Einwohnern 61 Kupferstecher und 23 Kunstverleger.

[5] Johann Georg Bergmüller (1688–1762) aus Türkheim. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[6] Johann Georg Rothbletz, auch Rotzpletz (†1751?) aus Kaysersberg im Elsass, erwirbt 1719 das Meisterrecht in Augsburg. Er ist Maler, Fassmaler und Radierer, der auch eigene Stiche veröffentlicht. Er nimmt begabte Maler auf, um ihnen mit grossen Freiheiten die Möglichkeit der dreijährigen Ersitzzeit zu bieten, die von den Augsburger Zünften für die   Meistergerechtigkeit gefordert wird.

[7] Johann Evangelist Holzer (1709–1740) aus Burgeis im Südtirol. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[8] Der Abt zieht ihm, seiner Frau und seinem trinkfreudigen Gesellen für die fünfwöchige Abwesenheit von der Arbeit die zugesagte Entschädigung für Kost und Logis ab. Auch die Kosten für die Unterbringung der Kutsche mit Pferden und Fuhrknecht während dreier Wochen, sowie die Kosten für den nach Augsburg mitgenommenen Wein werden abgezogen. Der vereinbarte Akkord von 2806 Gulden wird deshalb um 92 Gulden reduziert. Dann rundet aber der Abt wieder um 630 Gulden auf, als «Diskretion» und mit dem Wunsch, dass Göz im noch eine Skizze für das Birnauische Thesenblatt liefere. Göz wehrt sich gegen die Vorwürfe, ist aber mit der Bezahlung einverstanden. Den Entwurf des Thesenblattes liefert er sofort, für den Druck im gleichen Jahr werden 1413 Gulden vereinbart.

[9] Das Fresko stellt die fünf Sinne dar. Der Gesichts- oder Augensinn ist im rechten Bildteil mit der Dame, die das Porträt des Abtes Cölestin Mermos hält und mit dem dort dominierenden jungen Kavalier mit den Malerutensilien dargestellt. Zwar ist dieser um 20 Jahre jünger als der inzwischen 43-jährige Göz, weil aber der Maler-Jüngling eine Gnadenmedaille der Kaiserin Maria Theresia trägt, soll es ein «Selbstbildnis» sein. Eine Selbstdarstellung vielleicht, aber kein Selbstbildnis!

[10] Die Stadt Augsburg ist Zentrum der barocken Druckgrafik. Die Brüder Joseph Sebastian und Johann Baptist Klauber stechen, drucken und verlegen die Stiche mit dem Zusatz «Cath.», um sich als katholische Druckunternehmer in der konfessionell geteilten Reichsstadt von der bedeutenden Konkurrenz abzugrenzen.
Mehr dazu siehe in https://de.wikipedia.org/wiki/Klauber_(Kupferstecher)

[11] Franz Anton Zeiller (1716–1794) aus Reutte. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[12] Joseph Anton Huber (1737–1815) aus Augsburg. 1784 Nachfolger von Matthäus Günther als Direktor an der Augsburger Kunstakademie.

[13] Franz Ignaz Oefele (1721–1797) aus Posen. 1770 erster Professor der neugegründeten Akademie der Bildenden Künste in München.

[14] Akkordvertrag von 700 Gulden, für ein Blatt von 73 x 142 cm (= 5 Schuh) das «vollkommen mit dem Grabstichel zu stechen, in dem ganzten Kupfer nichts zu etzen» sei und mit 8000 gedruckten Exemplaren geliefert werden muss. Für solche Grössen müssen beim Druck mehrere Platten passgenau zusammengefügt werden.

[15] Für die Serie «Die Schrecken des Krieges» sticht Göz sieben Blätter. Wo Einfassungen vorhanden sind, gestaltet Göz diese als unregelmässige Rocaillen, die aus Felsen wachsen oder in Pflanzen übergehen. Anlass der Serie ist der nach dem Tod des Kaiser Karls VI. 1740 ausgebrochene Erbfolgekrieg. Die Serie widmet Göz dem verstorbenen Karl VI. Sie wird 1742 in seinem Verlag und später nochmals im Verlag Johann Simon Negges verlegt.

[16] Das Thesenblatt für die Birnau 1750 (100 x 150 cm) wird mit 1413 Gulden für 700 Exemplare abgerechnet. Die Muttergottes ist Hauptperson. Das Thesenblatt für Salem 1757 ist eine Mezzotinto-Radierung. Hier ist Abt Anselm ähnlich dem Porträt 1749 im Mittelpunkt.

[17] Hl. Gabriel, hl. Michael, hl. Barbara, hl. Katharina. Die Blattgrösse ist ca. 16 x 22 cm.

[18] Mehr zum Treppenhausfresko in Augsburg siehe in Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland: www.deckenmalerei.eu/

[19] Joseph Anton Feuchtmayer (1696–1770) aus Mimmenhofen bei Salem. Er ist bei vielen Arbeiten von Götz im Bodenseegebiet zwischen 1741 und 1751 mitbeteiligter Stuckateur, Stuckplastiker und Altarbauer. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[20] Göz setzt das gotische Gnadenbild in das Zentrum einer scheinperspektivischen Kuppelarchitektur. Unter dem etwas steif ausgefallenen Gnadenbild sind über einer umlaufenden Scheinbrüstung Christus und verschiedene Heilige in Verehrung gruppiert. Zuunterst kniet, im Violettblau des Kardinals prominent hervorgehoben, Damian Hugo von Schönborn.

[21] Er arbeitet in Meersburg mit vier Gesellen im Akkord für 1600 Gulden (gemäss Abrechnung 25. August 1741 allerdings nur für 900 Gulden). Gleichzeitig malt Cosmas Damian Asam für den Fürstbischof Kardinal Damian Hugo von Schönborn in nur acht Wochen die, allerdings bedeutend grössere Schlosskirche von Bruchsal für 5000 Gulden. Die grossen Unterschiede können nicht nur mit dem Berühmtheitsgrad erklärt werden, denn die Akkorde werden meistens aufgrund der Anzahl Figuren berechnet. Mehr zur Schlosskapelle siehe in dieser Webseite unter «Meersburg»

[22] Die verehrenden Heiligen sind Abt Alto, Martin von Tours und König Oswald für Weingarten, für das Priorat Hofen der Apostel Andreas und der Nothelfer Pantaleon. Sie agieren in einer scheinarchitektonischen Kuppel mit Tambouröffnung für den Hl. Geist. Die Kuppelarchitektur ist vierseitig geöffnet. In diesen Öffnungen sind Darstellungen von Weingarten, Hofen (Plan) und dem Kloster Altomünster im Bauzustand. Zu Weingarten und Hofen siehe die Dokumentation in dieser Webseite.

[23] Im tiefen Nonnenchor der Empore malt er, in Ansicht von hinten berechnet, die Verehrung der Gottesmutter durch 16 Dominikanerinnen beim Salve Regina. Im Hauptbild des Langhauses ist die Intercessio Mariens dargestellt. Der hl. Dominikus ist vor einem Rokokoaltar mit einer Scheinarchitektur im Hintergrund zu sehen, über der geöffneten Architektur bittet Maria vor Christus. Im Chor verehren die vier Erdteile das Altarsakrament. Mehr dazu in «Erdteilallegorien» und im Beschrieb Habsthal in dieser Webseite.

[25] Göz malt die Flachgewölbe der einzelnen Raumteile der Wallfahrtskirche vollständig «al fresco». Insgesamt sind es vier Hauptgemälde. Im Langhaus setzt Götz mit der Ausmalung über dem Pilastergebälk an. In die Stichkappenzone des Spiegelgewölbes malt er eine scheinperspektivische Architektur mit umlaufendem Kranzgesims. Damit kann er zwei separate Rechteck-Gemäldeflächen im Verhältnis 2:3 bilden. In ihnen führt er, nun heller und zurückhaltend, eine zum Himmel geöffnete illusionistische Tempelarchitektur weiter, in der sich die himmlischen Gestalten in Wolken tummeln, während im Hauptbild die irdischen Akteure und selbst der Maler das gemalte Kranzgesims bevölkern und die Muttergottes im Zentrum verehren oder anflehen. Im Gemälde über der Orgel schweben Engelchöre. Im Kuppelbild ist wiederum Maria im Zentrum, in den Zwickeln malt Göz die vier Erdteile. Im vierten grossen Freskogemälde über dem Hochaltar kniet in einer Palastarchitektur Esther vor Ahasver, darüber Maria vor Christus. Mehr zu den Fresken in Birnau siehe unter «Erdteilallegorien». Mehr zum Kirchenbauwerk siehe in dieser Webseite unter «Birnau».

[26] Die Dompropstei an der Rheingasse 20 ist heute Amtsgericht. Thema und Gestaltung des Freskos im heutigen Sitzungssaal mit dem «Tanz der Jahreszeiten und der Lebensalter zur Flöte der Zeit» sind aussergewöhnlich. Dieser Überzeugung ist auch Göz, der die Reklamation des Dompropstes von Rodt wegen zu hoher Forderung mit einer «ganz neu ausgesonnenen Invention» begründet. Göz malt in starker Untersicht vier um den im Zentrum sitzenden Chronos tanzende Paare, die Alter und Jahreszeiten personifizieren.

[27] Das Programm des Freskos in Wörnitzstein ist in der Ikonographie recht komplex. Im Mittelpunkt sitzt die Allegorie der Kirche mit dem Modell der Kapelle auf einem Felsen, seitlich steht die Allegorie der Wahrheit. Darüber steht Christus auf dem Fels und überreicht den Schlüssel an Petrus. Auf einer tieferen Felsstufe trägt die behelmte Allegorie der Beständigkeit eine mächtige Säule. Das begleitende Putto schleudert einen Felsbrocken auf die darunter liegenden Personifikationen der Häresie und des Unglaubens, welche in Gesellschaft eines Drachens sind. Das Fresko versinnbildlicht die Ohnmacht der Mächte der Unterwelt gegen die Kirche.

[28] Im Treppenhaus von Leitheim malt er den Anbruch des Tages in der Personifikation der Aurora, welche die Nacht vertreibt. Im Festsaal-Deckengemälde sind die fünf Sinne durch Personengruppierungen dargestellt. Der Gesichts- oder Augensinn wird im rechten Bildteil mit der Dame, die das Porträt des Abtes Cölestin Mermos hält, personifiziert. Der dominant danebenstehende junge Kavalier mit den Malerutensilien soll den Maler Götz darstellen. Begleitet wird das Spiegelfresko im Festsaal durch Kartuschen der vier Temperamente. Im Deckenspiegel des Audienzzimmers ist Chronos, der Gott der Zeit, mit den Personifikationen der vier Jahreszeiten gemalt. Im Schlafzimmer ist die singende Allegorie der Nacht und die Verabschiedung des Tages im Deckenfresko zu sehen. Im Deckenspiegel des Arbeitsraumes wiederholt Göz die Thematik der Deckenmalerei in der Dompropstei Konstanz, ohne aber deren Qualität zu erreichen. Gehe zu den Fotos und Bildbeschrieben in https://www.deckenmalerei.eu/

[29] Die Chinoiserie-Malereien stellen fernöstliche Personengruppierungen in entsprechender Umgebung dar, welche den Ernst, die Freude und die vier Elemente repräsentieren. Zudem malt Göz im Festsaal zwei offene Feuerstellen unter Spiegel mit vergoldeten Stuckrahmen.

[30] Anton Landes (1712–1764) aus Wessobrunn. Neffe und Schüler von Johann Baptist Zimmermann. Nach der Zusammenarbeit in Wörnitzstein und Leitheim stuckiert Landes 1751/52 die Stiftskirche U. L. F. zur Alten Kapelle in Regensburg und erhält 1754 auch den Auftrag für die Stadtpfarrkirche St. Kassian, wo er erneut mit Göz zusammenarbeitet. Auch in der Salesianerinnenkirche von Amberg findet 1758 eine weitere Zusammenarbeit mit Göz statt, das letzte Mal 1764 in der Alten Kapelle zu Regensburg.

[31] Die heute teilweise ruinös erhaltenen Fresken dürften nicht als «in der Ausführung von Göz» (Dehio 2008) beschrieben werden. Zwar lassen einige Fresken die ursprüngliche Qualität, trotz des Verlustes der Frische und Farbigkeit, noch erahnen. Als Beispiel hier im Bild das Deckenfresko der dritten Szene im südlichen Seitenschiff. Er stellt das Regensburger Judenprogrom von 1519 dar. Kulturgeschichtlich interessant, zeigt das Bild alle Stereotypen des Judenhasses und der Judenverfolgung, vertreten im Bild durch die Ratisbona als weibliche Personifikation der Stadt Regensburg, die unter der Säule mit der «Schönen Maria» die Vertreibung durchführt.

[32] Göz stellt in der Kuppel die Verleihung des weissen Ordensgewandes durch die Muttergottes an den hl. Norbert dar. Zu Schussenried siehe den Beitrag in dieser Webseite unter «Schussenried»

[33] Felix Mader schreibt 1909 in: Die Kunstdenkmäler Stadt Amberg, Seite 109 wie folgt: Am 7. April 1758 wurde der Akkord über die Freskogemälde zwischen der Superiorin Angela Viktoria v. Orban und Gottfried Bernhard Götz, «Kayserlichen Hoff-Mahler und Bürger in Augsburg», abgeschlossen. In das «grosse stuck» des Langhauses sollte kommen, «wie der heilige Franziskus Salesius der seeligen Johanna von Chantal mit noch zweyen Closterfrauen die heilige Regel überreichet, wobey unten die gestürzte Welt und Fleisch zu Füssen angebracht, auch weiters vorgestellet wird, wie die seelige von Chantal den Königlichen Freybrief oder Bullam von der Heimsuchung Maria in gegenwart des heiligen Salesü empfanget, oben aber in einer Glori wird die göttliche Vorsichtigkeit mit herum schwebenden Engeln vorgestellet, durch welche der heilige Orden ausersehen und angeordnet worden ist.» Im Chor sollte die hl. Dreifaltigkeit gemalt werden, über der Musikempore aber «die selige von Chantal, wie ihr die göttliche Liebe den Nahmen Jesu auf die Brust brennt, neben Ihr kommen Glaub und Hoffnung, selbige umfangend».

[34] Das Hauptbild ist eine Kreuzigungsszene mit drei aufgerichteten Kreuzen. Göz verzichtet hier auf jede Scheinperspektive.

[35] Die Stadtpfarrkirche (heute Kathedrale) von Solothurn ist mit Baubeginn 1763 der erste grosse katholische Sakralbau des Klassizismus im deutschsprachigen Raum. Sie ist ein Werk von Gaetano Matteo Pisoni aus Ascona. Carlo Luca Pozzi ist Stuckateur.

 



Gottfried Bernhard Göz

Die Fresken von Gottfried Bernhard Göz sind im Text der Biografie chronologisch erfasst und werden hier nicht mehr aufgeführt.

Ölgemälde 1: Altarblätter und Wandgemälde in Kirchen und Klöstern
Erhaltene Altarblätter (A), Wandgemälde und Stationenbilder in öffentlich zugänglichen Bauten
Grundlage: Isphording 1982, ergänzt.

Jahr Ort, Bauwerk Beschrieb (Grösse: Breite x Höhe) Auftraggeber
1742 Andlau (Elsass)
Pfarrkirche, ehemals
Abbatiale
S. Richarde
Andlau   A Altar der ehemaligen Kapelle der Komturei des Deutschen Ordens: Ein Deutschordensritter vor der Muttergottes. 150 x 250 cm.
Der Altar von J. A. Feuchtmayer und die Kapelle sind zerstört, das Altarblatt seit der Revolution, modern gerahmt, in der ehemaligen Abteikirche.

Foto:
Ralph Hammann 2016
Komtur Wilhelm Jakob Freiherr von Breitenlandenberg.
1745 Gaibach (Franken)
Pfarrkirche
Hl. Dreifaltigkeit
Gaibach   A Seitenaltar rechts: Glorie des hl. Johannes Nepomuk. 120 x 250 cm.
Siehe auch die Biografie Franz Anton Zeiller
  Das Altarblatt des Nepomuk-Altars in der Schönbornkirche Gaibach. Foto: Monandowitsch 213 in Wikipedia.
Grafen von Schönborn
1745 Admont (Steiermark)
Benediktinerstift
Sammlungen
Für die (heute nicht mehr erhaltene) Bibliothek von  1734/43 liefert Göz 24 Kirchenlehrergemälde in der Grösse 157 x 250 cm. Er liefert auch die Entwürfe für vier Skulpturen. Die Gemälde sind: Dionysus Aeropagita*, Johannes von Damaskus, Beda Venerabilis*, Petrus Damianus*, Bernhard von Clairvaux*, Bonaventura*, Thomas von Aquin*, Leo I. der Grosse*, Leander*, Ildefons*, Hrabanus Maurus*, Rupert von Deutz*, Thomas von Villanueva*, die vier grossen lateinischen und die vier grossen griechischen Kirchenlehrer, dazu Cyrillus von Alexandrien* und zwei heute nicht mehr bekannte. Erhalten sind 15 Gemälde, die oben markierten und von den grossen Kirchenlehrern Hieronymus und Basilius. Abt Antonius II. von Mainersberg
in Admont
1747 Mühlingen (BW)
Pfarrkirche
St. Martin
A Seitenaltar rechts: Der hl. Martin zu Pferd mit dem Bettler. 100 x 200 cm. Retabel: J. A. Feuchtmayer. Johann Georg Conrad von Buol-Berenberg
1748 Schongau (Oberbayern)
Karmelitenkirche St. Anna
od. Spitalkirche
Hl. Geist
A Dritter Seitenaltar rechts: Der hl. Johannes vom Kreuz empfängt das Kreuz. 200 x 400 cm.
Korrektur: Das im Dehio 2008 an Götz zugeschriebene Blatt des dritten Seitenaltars links ist von Wolfang Baumgartner (1757).
Prior der Unbeschuhten Karmeliten Schongau
1748 Scheer (BW)
Pfarrkirche St. Nikolaus
Scheer   A Seitenschiffaltar Nord: Maria mit dem Jesusknaben, verehrt von den vier Erdteilen, überreicht den Rosenkranz an den hl. Dominikus. 185 x 360 cm. Siehe auch die Biografie Franz Anton Zeiller in dieser Webseite (Signatur des Mitarbeiters). Retabel: J. A. Feuchtmayer. Siehe auch: Erdteilallegorien
Das Altarblatt des nördlichen Seitenaltars in Scheer ist von Franz Anton Zeiller signiert. Foto: Bieri 2022.

Reichs-
Erbtruchsess Wilhelm Eusebius Graf von Waldburg-Friedberg-Scheer

1748 Nenzingen (BW)
Kapelle St. Martin
A Seitenaltar rechts: Der hl. Fridolin mit dem hl Cyriakus und dem toten Ursus. 109 x 238 cm.
A Seitenaltar links: Maria vom Siege. 109 x 238 cm.
Beide Retabel: Joseph Anton Feuchtmayer.
Patronatsherr ist die vorder-österreichische Landgrafschaft Nellenburg
1749 Ingolstadt (Oberbayern)
Kongregations-Saal Maria de Victoria.
(Im Stadtmarketing als Asamkirche bezeichnet!)
2 Ölgemälde beidseits des Altars an der Stirnwand.
1. Links: Joseph empfängt im Tempel den blühenden Stab vom Hohepriester Abiathar.
220 x340 cm.
2. Rechts: Erscheinung des hl. Johannes Evangelist auf Patmos. 220 x 340 cm.
Marianische Kongregation am Jesuitenkolleg Ingolstadt
1750 Birnau (BW)
Wallfahrtskirche
A Seitenaltar links: Tod des hl. Benedikt.
130 x 250 cm. Retabel: J. A. Feuchtmayer.
A Seitenaltar rechts: Lactatio des hl. Bernhard.
130 x 250 cm. Retabel: J. A. Feuchtmayer.
Birnau  
Links: Entwurf zum Altarblatt des Bernhard-Altars in Birnau, darstellend die Lactatio des hl. Bernhard. Bildquelle: Germanisches Nationalmuseum.
Rechts: Das ausgeführte Altarblatt des Bernhard-Altars.
Foto: Wolfgang Sauber 2016.
Abt Anselm II. Schwab von Salem
1752 Oberschönenfeld
Zisterzienser-
innenabtei
Stiftskirche
15 Kreuzwegstationen, 73 x 98 cm, für die Zisterzienserabtei Kaisheim gemalt. Seit 1879 in Oberschönenfeld. Abt Cölestin I. Mermos
von Kaisheim
1752 Ingolstadt (Oberbayern)
Kongregations-Saal
St. Maria de Victoria
1 Ölgemälde an der linken Seitenwand: Der hl. Majolus von Cluny wird durch Maria von den Sarazenen befreit. 200 x 300 cm. Marianische Kongregation Ingolstadt
1753 Schongau (Oberbayern)
Karmeliterkirche St. Anna. Heute Spitalkirche
Hl. Geist
Schongau   A Hochaltar: Die Hl. Familie, über ihr Gottvater mit Hl. Geist und Jesuskind. 200 x 550 cm.
Retabel: Johann Baptist Straub.
 


Foto: Gerd Eichmann 2018.
Prior der Unbeschuhten Karmeliten Schongau
1754 Landsberg (Oberbayern) Jesuitenkirche
Hl. Kreuz
2 Seitenaltarblätter, heute als Ölgemälde an den Seiten der unteren Empore. Auszugsbilder noch an Ort.
A Verehrung des hl. Ignatius von Loyola durch die vier Erdteile. 175 x 280 cm. Auszugsbild Apostel Petrus.
Siehe Bild und Text in «Erdteilallegorien»
A Der hl. Franz Xaver missioniert . 175 x280 cm. Auszugsbild Apostel Paulus.
Rektor des Jesuitenkollegs Landsberg am Lech
1754 Überlingen (BW)
Franziskaner- oder Barfüsserkirche
Ueberlingen   A Hochaltar: Der sel. Johannes Duns Scotus vor Maria und der Allheiligsten Dreifaltigkeit.
200 x 450 cm.
Retabel: J. A. Feuchtmayer und F. A. Dirr.
  Das Altarretabel in Überlingen mit dem Blatt von Gottfried Bernhard Göz. Foto: Frank Vincentz 2010.
Guardian Justus Sedlmayr OFM
1758 Amberg (Oberpfalz)
Salesianerinnen-
Kirche
St. Augustinus
A Hochaltar: Der hl. Augustinus bringt Maria sein Herz bei. 210 x 360 cm.
A Seitenaltar links: Heimsuchung Mariens. 180 x 260 cm.
A Seitenaltar rechts : Der hl. Franz von Sales die Ordensregel schreibend. 180 x 260 cm.
A Altar unter Empore: Die sel. Johanna von Chantal vor der Madonna. 150x 170 cm.
Superiorin des Salesianerinnen-Klosters und Stadtrat Amberg
1759 Tapfheim (Schwaben)
Pfarrkirche
St. Peter
A Seitenaltar links: Rosenkranzübergabe an den hl. Dominikus.
A Seitenaltar rechts : Die hl. Ottilie.
Grösse beider Blätter um 180 x 360 cm (geschätzt !)
Abt Cölestin I. Mermos
von Kaisheim
1764
(vor)
Donauwörth (Schwaben)
Stadtpfarrkirche
U. L. F.
(Liebfrauen-Münster)
Für die Sommersakristei der Zisterzienser-Reichsabtei Kaisheim malt Gottfried Bernhard Göz einen Bernhard- Zyklus mit 20 Szenen der Bernhard-Vita. 10 dieser Gemälde (100 x 175 cm) sind in Donauwörth noch vorhanden. In diesem Beitrag sind die acht in der Stadtpfarrkirche aufgehängten Gemälde mit Bild und Text beschrieben. Nicht alle dieser Bilder malt Götz selbst. So lässt er das Bild mit der Gründung von Kaisheim (Nr. 8) vermutlich von Johann Baptist Enderle malen. Abt Cölestin I. Mermos
von Kaisheim
Donauwoerth_1
Doanuwoerth_2
 


Gottfried Bernhard Göz
Ölgemälde 2: Porträts seiner Auftraggeber
Erhaltene Porträts, soweit sie öffentlich zugänglich sind.
Grundlage: Isphording 1982, ergänzt.

Jahr Ort, Bauwerk Beschrieb Auftraggeber Auftraggeber
1738 Salem BW
Ehemalige Zisterzienserabtei
  Abt Konstantin Müller im Alter von 58 Jahren.
81,5 x 132 cm. In schwerem spätbarocken Rahmen.
Seit 1918 Eigentum der Republik Baden, heute Baden-Württemberg. Bild ist in den zugänglichen Abteiräumen.
Abt Konstantin Müller von
Salem (reg. 1725–1745)
1745 Salem BW
Ehemalige Zisterzienserabtei
Abt_Stephan_Enroth Abt Stephan II. Enroth im Alter von 45 Jahren.
114, 5 x 171 cm. In klassizistischem Rahmen
Seit 1918 Eigentum der Republik Baden, heute Baden-Württemberg. Bild ist in den zugänglichen Abteiräumen
Abt Stephan II. Enroth von Salem
(reg. 1745–1746)
1749 Salem BW
Ehemalige Zisterzienserabtei
Abt Anselm Schwab Abt Anselm II. von Salem im Alter von 36 Jahren.
110 x 165 cm. In Rokokorahmen von J. G. Dirr.
Seit 1918 Eigentum der Republik Baden, heute Baden-Württemberg. Bild ist in den zugänglichen Abteiräumen
Abt Anselm II. Schwab von Salem
(reg. 1746–1778)
1758 Schussenried (BW)
Ehem. Abtei der Prämonstratenser
Abt Nikolaus Cloos Abt Nikolais Cloos im Alter von 40 Jahren. Zuschreibung an G. B. Göz, der sich 1758 in Schusssenried aufhält. Grösse 76,5 x 90 cm.
Heute im Gang zu Bibliothek aufgehängt.
Abt Nikolaus Cloos von Schussenried
(reg. 1756–1775)
1762 Salem BW
Ehemalige Zisterzienserabtei
  Abt Anselm II. von Salem im Alter von 49 Jahren.
91 x 142 cm. In Prunkrahmen von J. A. Feuchtmayer.
Seit 1918 Eigentum der Republik Baden, heute Baden-Württemberg. Bild ist in den zugänglichen Abteiräumen
Abt Anselm II. Schwab von Salem
(reg. 1746–1778)

 

 

Obwohl er viele Porträts malt und auch als Stiche veröffentlicht, ist von Gottfried Bernhard Göz selbst kein Porträt vorhanden. Im Deckenfresko der Birnau 1749 malt er sich mit einbandagiertem Bein und mit Krücke in einer Gruppe von Notleidenden, die von der Gottesmutter Hilfe anflehen. Tatsächlich äussert sich Abt Anselm II. von Salem äusserst ungehalten über einen Beinbruch des Malers, der «so ganz nicht bey der Arbeit geschehen», und den er der Trinkfreudigkeit des Malers zuschreibt. Dessen Geselle Kohler trinke sogar täglich vier bis fünf Mass Bodenseewein, obwohl ihm gemäss des Akkordes nur ein Mass zugestehe. Dem Maler Göz, der sich in der Birnau mit seiner Familie aufhält, zieht er deshalb 1750 bei der Schlussrechnung 92 Gulden ab.
Foto: Wolfgang Sauber 2016.
Gottfried Bernhard Göz stammt aus dem Klosterdorf Velehrad in Böhmen. Nach dem Besuch des Gymnasiums steht ihm die Universität offen, er tritt aber 1724 in die Lehre als Maler bei Franz Gregor Ignaz Eckstein ein. Seit 1729 ist er in Augsburg und erwirbt hier 1733 die Meistergerechtigkeit. Augsburg bleibt sein Wohnort. Er wendet er sich im Umkreis von Johann Georg Bergmüller auch der Druckgrafik zu und eröffnet mit kaiserlichem Privileg einen eigenen Verlag. Als begabter Zeichner und Kupferstecher hat er damit grossen Erfolg. Er ist schon vor seinem Eintreffen in Augsburg ausgebildeter Freskant. Sein Hauptwerk als Freskenmaler ist die Wallfahrtskirche Birnau. Sein Arbeitsgebiet ist der Bodenseeraum, das augsburgische Schwaben und später auch die Oberpfalz
Goez_Birnau_invalid
Land (heute)
Tschechien
Bistum 18. Jahrhundert
Olmütz
Land (heute)
Bayern D
Bistum 18. Jahrhundert
Augsburg
Biografische Daten
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Gottfried Bernard Göz (1708–1774)