Die Orgelbauer Bühler (Bihler, Biehler) in Konstanz

Die beiden Orgelbauer Johann Michael Bühler und sein Sohn Johann Basilius Bühler sind Schöpfer von vielen wichtigen Orgelwerken im Bodensee- und Hochrheingebiet. Ihr Name wird je nach Region unterschiedlich geschrieben, Johann Michael schreibt sich selbst Büehlr. In der Literatur wird meist Bihler geschrieben, die Schreibweise Bühler dürfte aber eher der damaligen Usanz entsprechen. Trotz ihrer umfangreichen und die Region prägenden Werktätigkeit ist bisher zu den beiden Orgelbauern und ihren Werken kaum geforscht worden. Ihre Biografien beschränken sich deshalb nebst wenigen Lebensdaten auf das Verzeichnis ihrer wichtigsten Werke, von denen heute nur noch einige mächtige Orgelprospekte zeugen.

Johann Michael Bühler (vor 1700–1765)

Als Geburtsjahr wird 1687/88 genannt.[1] 1731 heiratet er in Kreuzlingen.[2] Johann Michael Bühler ist Bürger und Orgelbauer zu Konstanz, wie er 1741 im Vertrag mit der Abtei Petershausen genannt wird. Mitarbeiter in seiner Konstanzer Werkstatt sind in den 1750er-Jahren der 1732 geborene Sohn Johann Basilius und der Geselle Joseph Anton Moser aus Bischofszell.[3] 1763 wird der letzte Vertrag mit Johann Michael Bihler für die Wiederherstellung der Orgel im Münster zu Konstanz geschlossen. Sein Todesjahr 1765 ist durch eine Eintragung im Totenbuch von St. Stephan belegt.

Die Werktätigkeit von Johann Michael Bühler

A   Gesicherte Werke
Orgelprospekt vollständig erhalten: ☆☆☆☆           Orgelprospekt überarbeitet erhalten: ☆

1737/38 Schlosskirche der Deutschordenskommende Mainau, Emporenorgel.

 

Orgel mit 8 Register für 250 Gulden.[4] Auftraggeber ist der Komtur Freiherr von Reinach. 1823 Verkauf nach St. Petrus und Katharina in Honstetten (Eigeltingen). Dort Neubauten 1883 und 1969. Das Prospektgehäuse ist nicht erhalten. Nur ein Teil seiner Figuralplastik von Joseph Anton Feuchtmayer ist erhalten. (Ursprünglich sind sieben Figuren in der Kirche aufgestellt, nach einem Diebstahl 1985 sind nur noch fünf erhalten).
1741/42 Kirche der Benediktiner-Reichsabtei Petershausen bei Konstanz, Hauptorgel

 

Eine neue Orgel mit 15 Register und vier Blasbälgen wird 1741 von Abt Alphons Strobel bei «Michäele Bühler, cive et organario constantiensi» bestellt. Es muss die Orgel sein, welche die Abtei Petershausen 1778 nach St. Georg in Ratzenried bei Wangen im Allgäu verkauft, die dort aber schon 1833 abgebrochen und ersetzt wird.
1737 Franziskanerkloster Hedingen bei Sigmaringen, Orgel.

 

Orgelneubau für 212 Gulden. Aufraggeber ist Friedrich Ludwig Fürst zu Hohenzollern. Die Lage der Orgel ist unsicher: In der damaligen Hohenzollerngruft unter dem Hochaltar? Die Orgel ist nicht mehr erhalten.
1743 Pfarrkirche St. Martin in Ittendorf, Hauptorgel.

 

Das zwischen Markdorf und Meersburg liegende Ort gehört 1743 dem Hochstift Konstanz.[5] An Johann Michael Bühler werden in diesem Jahr 64 Gulden für eine neue Orgel bezahlt. Die niedere Summe könnte auch eine Schlusszahlung sein. Die Orgel, deren Disposition und Aussehen unbekannt ist, wird schon 1853 durch eine neue Orgel [II/P/10] ersetzt, die alte Orgel soll aber weiterhin in der Kirche verblieben sein.
1743/44 Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Hagnau am Bodensee, Haupt- u. Chororgel.

 

Hagnau ist bis 1803 eine Herrschaft der Abtei Weingarten. Für die Pfarrkirche baut Bühler 1743 eine Orgel mit 14 Register für 500 Gulden und liefert 1744 zusätzlich ein «Chorörgelein».[6] Diese Chororgel wird 1836 verkauft. Die Hauptorgel wird spätestens 1903 mit einem neuen Werk und einem neuen (neugotischen) Prospektgehäuse ersetzt.
1744/45 Klosterkirche der Benediktinerabtei Isny, Hauptorgel. ☆☆☆☆

 

Orgelneubau mit 24 Register für 1300 Gulden. Auftraggeber ist Abt Leo Bestle. 1903 wird ein neues, pneumatisches Orgelwerk eingesetzt. 1976 folgt ein erneuter Neubau, nun wieder mit mechanischer Traktur [III/P/32].
Einzig der Orgelprospekt von 1745 ist unverändert erhalten.
Der Prospekt füllt siebenachsig konkav-konvex das 720 Zentimeter breite Mittelschiff auf der Westempore. Die fünf mittleren Achsen sind unter einem Horizontalgebälk als Schaufront vereint, die 16-Fuss-Pfeifen definieren die Höhe. Zwei mittlere Achsen sind zweigeschossig. Aussen sind beidseits 8-Zoll-Pfeifenfelder mit Seiten-«Ohren» aus vergoldetem Arabesken-Schnitzwerk und Vasenbekrönungen angefügt. Über dem Gebälk steht ein dreiteiliges Kronwerk, flankiert und bekrönt mit musizierenden Putti und Engeln, die Engel halten zusätzlich die Wappenschilde von Abt Leo Bestle (in Rot ein Löwe mit Weintraube) und Abtei Isny (in Silber ein rotes Tatzenkreuz).1745 liefert Orgelbauer Bühler zusätzlich eine Tragorgel mit fünf Register, wie ein Schreiben des Orgelbauers belegt. Ihr Verbleib ist unklar.

  Isny
  Orgelprospekt der Klosterkirche der
ehemaligen Benediktinerabtei Isny,
1745 von Johann Michael Bühler.
Obwohl schon längst sein Instrument
nicht mehr klingt, zeugt der Prospekt
noch immer von der Orgelbaukunst
des Konstanzer Orgelbauers.
Foto: Bieri 2015.
1746/48 Münster Mittelzell Reichenau, Orgel.

 

Bühler liefert eine neue Orgel mit Übernahme der Vorgängerorgel für 415 Gulden. Schon 1860 ist die Orgel nicht mehr vorhanden.
1749 Kirche des Dominikanerinnenklosters Löwenthal, Hauptorgel.

 

Orgelneubau von 12 Register für 400 Gulden für die Kirche St. Johannes Baptist des 1806 aufgehobenen Frauenklosters bei Buchhorn (heute Friedrichshafen-Ailingen). Die Orgel wird 1813 nach St. Leonhard in Dätzingen bei Weil der Stadt verkauft. «Eine vortreffliche, aus dem Kloster Löwenthal hierher gebrachte Orgel in Rococcofassung, steht an der westlichen Giebelseite der Kirche» (S. 144 in Beschreibung des Oberamtes Böblingen 1850). 1983 Orgel- und Gehäuseneubau. Der Verbleib des Rokokoprospektes ist unbekannt.
1749/52 Kirche St. Martin der Deutschordenskommende Altshausen, Hauptorgel. ☆

 

Orgelneubau mit 24 Register für 1280 Gulden. Auftraggeber ist Landkomtur Philipp Jos. Anton Eusebius von Froberg. Die Orgel wird schon 1779 unter Landkomtur Beat Conrad Reuttner von Weyl mit Orgelbauer Gottfried Maucher[7] aus Konstanz umgebaut und erweitert. Das heutige Werk [III/P/37] ist ein Neubau von 1978 mit mechanischer Traktur.
Der Orgelprospekt Bühlers ist in der Erweiterung 1779 durch Orgelbauer Gottfried Maucher erhalten. Dieser trägt das Wappen des 1774-1803 regierenden Landkomturs Reutter von Weyl. Im breitgelagerten Prospekt von 11 Achsen und einem fünfachsigen Rückpositiv ist die fünfteiligen Mitte mit zwei seitlichen 16-Fuss-Pedaltürmen und einem Kronwerk deutlich als Werk von anderer Hand als die sechs Felder der Erweiterung zu erkennen. Diese Mitte ist die ursprüngliche Orgel von Johann Michael Bühler.
  Altshausen
  Die fünfteilige Mitte der
Orgel von Altshausen.
Foto: Bieri 2025.
1750 St. Peter und Paul, Hilzingen im Hegau. Siehe Zuschreibungen. ☆☆☆☆
   
1753 Domkirche Arlesheim, Hauptorgel (heute in Delsberg). ☆☆☆☆

 

Der Dekan des in Arlesheim bei Basel residierenden Domkapitels vermittelt Johann Michael Bühler 1752 den Auftrag des Domkapitels für eine neue Orgel.[8] Die Orgel kann 1753 eingeweiht werden. Sie besitzt 23 Register, zwei Manuale und ein Pedal [II/P/23]. Eine Notiz in der Orgel, die Silbermann bei der Demontage 1761 übermittelt, nennt als Mitarbeiter den Sohn Johann Basilius Bühler und Joseph Anton Moser.
Schon 1754 beschliesst das Domkapitel eine Neugestaltung des Innenraums mit dem Baumeister der Kommende Mainau, Johann Caspar Bagnato. Der Kirchenumbau ist 1760 abgeschlossen. Anstelle der Bühler-Orgel von 1753 wird nun 1760 eine neue Orgel [III/P/36] bei Johann Andreas Silbermann bestellt. Die Bühler-Orgel wird 1761 für 80 Louisdor (800 Gulden) nach Delsberg (Delémont) verkauft, wo im jurassischen Städtchen 1762 der Grundstein für die neue Pfarr- und Kollegialkirche gelegt wird.[9] Im klassizistisch geprägten Kirchenneubau baut der Rheinfelder Orgelbauer Johann Baptist Hug 1766 die
 
  Der Bühler-Orgelprospekt von
Arlesheim in der Collégiale von
Delémont (Jura). Foto: danimu.ch
Bühler-Orgel auf der Westempore auf. Das Prospektgehäuse bleibt unverändert, das Werk wird leicht modifiziert.1909 ersetzt Kuhn (Männedorf) das noch immer vorhandene Werk Bühlers durch ein pneumatisches Werk (II/P/26). Das Prospektgehäuse bleibt auch beim vorläufig letzten Neubau 1984 (III/P/40] erhalten.
Der Orgelprospekt in Saint-Marcel von Delsberg ist entsprechend französischer Manier ohne Farbfassung ausgeführt. Ein hoher, runder Mittelturm mit aufgesetztem Kronwerk und einer bekrönenden Figur mit Posaune betonen die Vertikale der Emporenorgel. Sie ist fünfachsig, die äusseren Felder sind diagonal vorstehend und enthalten geschnitzte «Ohren». Beim konvex vorspringenden, fünfachsigen Rückpositiv sind im Gegensatz zur Hauptorgel die äusseren Türme betont. Nicht nur das Positiv, sondern auch der Mittelteil der Silbermann-Orgel in Arlesheim zeigen das gleiche Bild. Die Einbindung des Positivs in die mit Schnitzereien versehene Emporenbrüstung von 1766 lässt vermuten, dass die Schnitzornamente und Figuralplastik der Bühler-Orgel seit der Neuaufstellung klassizistisch geprägt sind.
1756 Pfarrkirche St. Martin im thurgauischen Arbon, Orgel im Chor.
  In der paritätischen Kirche wird 1756 eine Orgel (I/P10) im Chor aufgestellt. Für das Instrument wird dem Orgelbauer 500 Gulden bezahlt. Sie wird später im Einverständnis mit den Evangelischen auf die Empore gestellt und 1790 neu gebaut. Die Bühler-Orgel wird 1791 verkauft und ist nicht mehr erhalten. Weder die Disposition noch das Aussehen sind bekannt.
1756/58 Damenstiftskirche Säckingen, Hauptorgel.
 
Die Äbtissin Anna von Hornstein-Göffingen bestellt nach dem vollendeten Umbau des Fridolinmünsters in Säckingen eine Orgel bei Johann Michael Bühler. 1758 wird das Instrument (32 Register) aufgestellt. Die Kosten betragen 3000 Gulden.
Die Geschichte und das Schicksal dieser grossen Orgel nach der Säkularisation ist nicht erforscht. 1892 wird ein neues Werk (28 Register) gebaut. 1934 folgt ein erneuter Neubau, nun mit 51 Register. Der Prospekt ist eine neubarocke Arbeit «in Anlehnung an den alten Prospekt» von Victor Mezger in Überlingen. Das Aussehen des Bühler-Prospektes ist aber nicht dokumentiert. Das heutige Orgelwerk (58 Register) stammt von 1993.

  Saeckingen
  Der neubarocke Prospekt der
Stiftskirche Säckingen soll
«in Anlehnung» an den Bühler
Prospekt von 1758 erbaut sein.
Foto: Bieri 2008.
1758/75 Marienkapelle Ertingen, Emporenorgel.
 
Die Marienkapelle in Ertingen, zwischen Biberach und Sigmaringen gelegen und der Zisterzienserinnenabtei Heiligkreuztal zugehörig, wird 1754/55 als Votivkirche neu gebaut. Der Bau ist dem Ortspfarrer Johann Georg Maichel zu verdanken. Stuckaturen, Fresken und Altäre sind spätestens 1758 vollendet. Der siebenachsige Rokokoprospekt ist erhalten. Das Orgelwerk ist neu. Der Prospekt wird in der Orgelliteratur, ohne Quellenangaben und wahrscheinlich falsch, mit 1775 datiert.[10]   Ertingen
  Der Orgelprospekt der Marienkapelle
Ertingen. Foto: Veit Feger, Ehingen.
1759 Damenstiftskirche Säckingen, Chororgel.

 

Dem Orgelbauer Bühler werden 1759 «wegen reparierung und newer Register einsetzung in die Kleine Chor Orgel 30 Gulden» bezahlt. Die Orgel mit fünf Register kommt 1813 in die Schlosskirche der aufgehobenen Deutschordens-Komturei Beuggen bei Rheinfelden und ist heute nicht mehr vorhanden.
17?? Kirche der Johanniterkomturei Villingen, Hauptorgel.

 

Johann Michael Bühler baut Mitte des 18. Jahrhunderts (das Baujahr ist unbekannt) eine Emporenorgel für die 1711 barockisierte Johanniterkirche Villingen. Nach deren Aufhebung wird sie 1817 in der Villinger Münsterkirche neu aufgebaut. Ein Orgelbauer beschreibt sie 1816. Sie hat 17 Register und zwei Manuale, 12 Fuss Breite und 18 Fuss Höhe. 1909 wird sie zu Gunsten einer pneumatischen Orgel mit neuem Prospektgehäuse abgebrochen. Das Aussehen der (vielleicht schon veränderten) Bühler-Orgel kann auf einer Fotografie des 19. Jahrhunderts erahnt werden.[11]
1761/62 Jesuitenkirche Saint-Michel Fribourg (Freiburg im Üechtland), Hauptorgel ☆

 

Die 1604–1613 erbaute Kirche des Jesuitenkollegs wird Mitte des 18. Jahrhunderts durch kurpfälzische Hofkünstler umgebaut. Auftraggeber der neuen Orgel ist 1761 P. Franz Fegely von Seedorf in Schwetzingen.[12] Am Orgelbau ist wieder Joseph Anton Moser als Mitarbeiter beteiligt. Dieser lässt sich in Fribourg nieder und eröffnet eine eigene Orgelwerkstatt. Die Disposition der Bühler-Orgel in der Jesuitenkirche ist unbekannt. Schon 1827/29 baut der Sohn von Joseph Anton Moser, Aloys Mooser,[13] das Werk um. Bis 1955 bleibt der Orgelprospekt erhalten. Der zweigeteilte Prospekt wird durch den Männedorfer Orgelbauer Kuhn nach eigenen Worten zu Gunsten des Einbaus eines grösseren Werkes verändert. «Das elegante alte Gehäuse musste abgebaut und umgestaltet werden, damit die neu   Fribourg
  Der Orgelprospekt von Saint Michel im
Zustand seit 1955. Eine Photographie
des Vorgängerprospektes scheint nicht
vorhanden zu sein. Die Orgel ist
zurzeit ausgelagert. Foto: Bieri 2021.
erworbene Spielanlage, die wesentlich grösser war als die alte, hineinpasste. Von der ursprünglichen Bihler-Orgel sind noch klingende Prospektpfeifen des Oktavbasses (die einzige Rekonstruktion von 1955) und das blinde Prospektpfeifenwerk des freistehenden Positivs erhalten. Das Gehäuse des Positivs ist in der Tiefe geteilt, im vorderen Teil befindet sich der umgekehrte Spieltisch» schreibt Kuhn unter https://www.orgelbau.ch/de/orgel-details/801100.html. Leider fehlt eine Fotodokumentation des Bühler-Prospektes vor dem Umbau 1955.
1763 Münster Konstanz, Hauptorgel

 

Ein Verding (Vertrag) des Domkapitels von Konstanz mit dem Orgelmacher Johann Michael Bühler vom 20. September 1763 über die Wiederherstellung der grossen Orgel für 1200 Gulden wird in der Quellensammlung von Paul Zinsmaier 1957 genannt. Die hohe Verdingsumme zeigt, dass es sich hier eher um einen Neubau, vielleicht unter Verwendung älterer Teile, in den noch heute erhaltenen Renaissance-Orgelprospekt von 1518 handelt. Dass die Wiederherstellung durch Bühler in der lückenhaften Orgelgeschichte des Konstanzer Münsters nicht erwähnt ist, darf nicht verwundern. Erstmals ist hier 1858 ein Neubau des Instrumentes dokumentiert.[14]

B   Zuschreibungen
Orgelprospekt vollständig erhalten: ☆☆☆☆           Orgelprospekt überarbeitet erhalten: ☆

1736 Augustinerkirche Konstanz (?), Hauptorgel

 

1810 wird in der evangelischen Stadtkirche Frauenfeld im Thurgau eine Orgel aufgestellt, die nach einer ersten Version aus der Augustinerkirche Konstanz, nach einer zweiten Mitteilung aus einer nicht genannten Konstanzer Klosterkirche stammen soll. Ihr Baujahr 1736 ist bei Albert Knoepfli (1950) bestätigt. 1892 baut der Orgelbauer Friedrich Goll in das Prospektgehäuse ein neues Werk [III/P/26] ein. Goll nennt als Orgelbauer Johann Michael Bühler, auch weil «M.J.B» auf der tiefsten Prospektpfeife als Gravur entdeckt wird.
Die Kirche wird 1927/29 abgerissen und neu gebaut. Das historische Instrument kommt für einen Orgelneubau in die katholische Kirche von Wald im Zürcher Oberland, wo der barocke Prospekt entsorgt wird.
Die Fotografie der Orgel in der Stadtkirche von Frauenfeld zeigt einen mächtigen siebenachsigen Prospekt mit einem mittleren und zwei seitlichen, rund vorspringenden Pedaltürmen, mit Zwischenflügeln unter horizontalem Gebälk. Darüber steht ein pyramidenförmiges fünfachsiges Kronwerk. Vier musizierende Engel und aufgesetzte Vasen bilden zusätzlichen bildhauerischen, aber für die Neuaufstellung in einer protestantischen Kirche sicher reduzierten Schmuck.
 
  Die Fotografie der mächtigen
Bühler-Orgel, vermutlich aus der
Augustinerkirche Konstanz, vor ihrem Abbruch 1927. Quelle:
Opus 1–100 Orgelbau Goll.
1750 Pfarrkirche St. Peter und Paul, Hilzingen im Hegau, Hauptorgel ☆☆☆☆

 

Die Pfarrkirche in Hilzingen gilt als Neubau des Vorarlberger Baumeisters Peter Thumb und wird gleichzeitig mit dessen Wallfahrtskirche Birnau gebaut. Auftraggeber ist Abt Alphons Strobel von der Benediktiner-Reichsabtei Petershausen bei Konstanz. Die Bauakten zu dieser Kirche fehlen vollständig. Nur die Stuckmarmoraltären und Fresken sind dank Signaturen gesichert. Alle weiteren Künstler und selbst der Baumeister sind Zuschreibungen.
Andreas Wieser (Hilzingen) schreibt in seinen Forschungen zur Kirche die Orgel mit überzeugenden Argumenten dem Konstanzer Orgelbauer Johann Michael Bühler zu. Auch Johann Georg Aichgasser wird als Erbauer genannt, «doch konkrete Unterlagen fehlen».[15] Für Bühler sprechen vor allem die Verbindungen zur Abtei Petershausen, aber auch die Nähe der Prospektgestaltung zur Vorgängerorgel in Altshausen (1749).
Die ursprüngliche Orgeldisposition wird in einem Gutachten von 1827 mit 11 Register ausgewiesen. Nach mehreren Umbauten im 19. Jahrhundert folgt ein erster Neubau des Orgelwerkes 1959. Letztmals 2017 wird es durch die elsässischen Orgelbauer Thomas mit 16 Register, die durch Wechselschleifen auf 27 Register erweitert werden können [II/P/16 (27)], neu gebaut.
In Hilzingen ist das Prospektgehäuse noch original erhalten. Der mit seinem vergoldetem Rocaille-Schnitzwerk äusserst zierlich wirkende Prospekt ist wie der ursprüngliche Prospekt von Altshausen fünfachsig gebaut.
 
  Die Prospektpfeifen scheinen wie
auf den flammenförmigen Rocaillen
des Schnitzwerkes aufgelagert.
Sie werden mit Kondukten
versorgt.
Foto: Andreas Wieser 2023.
 
  Das vergoldete Rocaille-
Schnitzwerk der Prospektmitte
mit den Wappen Petershausen,
St. Georgen und Strobel.
Foto: Bieri 2025. .
Zwei äussere, rund vorstehende Türme mit kräftigem Gebälk fassen drei niedere Felder, das höhere Mittelfeld enthält über hohem Gebälk das Wappen Petershausen und Strobel. Leicht vertieft ist darüber ein Kronwerk aufgesetzt, welches die Vertikale zusätzlich betont.
Eine Besonderheit des Orgelwerks ist die Windführung speziell der seitlichen Türme, deren Prospektpfeifen wie auf den flammenförmigen Rocaillen des Schnitzwerkes aufgelagert scheinen. Sie werden mit Kondukten[16] von der Windlade versorgt.


Johann Baptist Basilius Bühler (1732–nach 1777)

Der Sohn von Johann Michael Bühler wird 1732 geboren. Von ihm ist kaum etwas erforscht, nur die Orgel in Laiz (1770) ist als Werk gesichert. Er ist Bürger von Konstanz. 1773 wird er wegen Schulden vom Stadtrat als unerwünscht bezeichnet. Sein Todesjahr ist unbekannt.
 
Werke

1769/70 Kirche St. Peter und Paul des Franziskanerinnenklosters Laiz, Hauptorgel ☆
  Das Frauenkloster im Dorf Laiz bei Sigmaringen wird schon 1782 von Österreich aufgehoben.
Die heutige Pfarrkirche ist die ehemalige Klosterkirche. 1769 erteilt Fürst Karl Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen den Auftrag für eine Orgel auf der unteren Nonnenempore. Sie ist als Rückseite des frei auf der Empore stehenden Nonnenaltars gebaut. Der kleine Rokokoprospekt der Kunstschreiner Franz Xaver Gogel und Johann Baptist Hops ist erhalten. Das Werk ist durch einen Schriftverkehr eines Schreinergesellen mit der Meisterin für Bühler gesichert. 1904 wird auf der oberen Empore eine grössere Orgel mit 10 Register aufgestellt, deren Werk 1956, gleichzeitig mit dem der kleineren Bühler-Orgel einem Neubau (unter Verwendung einiger alter Register) weicht.
1775(?) Marienkapelle Ertingen, Emporenorgel ☆☆☆☆
  Siehe 1758. Der Prospekt wird in der Orgelliteratur ohne Quellenangaben und wahrscheinlich falsch mit 1775 datiert. Vielleicht revidiert in diesem Jahr Johann Baptist Basilius Bühler die Orgel.
1777 (Annahme) Benediktiner-Reichsabtei Petershausen bei Konstanz, Hauptorgel
 
Der geplante Kirchenneubau in Petershausen muss nach den Klosterneubauten (1768/71) zurückgestellt werden. Vielleicht deswegen lässt Abt Georg Strobel 1777 eine neue Orgel in die noch aus dem Mittelalter stammende Klosterkirche bauen. Ihr muss die von Johann Michael Bühler 1741 gebaute Hauptorgel weichen, die 1778 verkauft wird. Aber auch die neue Orgel mit 22 Register und zwei Manualen, wahrscheinlich von Johann Basilius Bühler gebaut, bleibt nur ein Vierteljahrhundert in Gebrauch. Nach der Aufhebung der Abtei Petershausen wird die Orgel 1820 von der sanktgallischen Pfarrei Niederbüren gekauft und auf der Empore der dortigen Barockkirche neu aufgerichtet.   Niederbueren
  Die Goll-Orgel von 1909 mit dem
angeblichen Prospekt der Bühler-
Orgel von 1777 aus Petershausen.
Foto: https://orgelverzeichnis.ch.
1909 baut der Orgelbauer Goll ein neues Werk. Er soll dabei den alten Prospekt wiederverwendet haben. Eine Fotografie zeigt diesen fünfachsig mit drei ähnlich hohen Türmen, aber doch in eher neubarocker Gestaltung. 1961 wird auch dieser Prospekt zugunsten einer modernistischen Lösung geopfert.

Pius Bieri 2025

Literatur:
Knoepfli, Albert: Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Bezirk Frauenfeld. Basel 1950.
Musch, Hans: Orgelgeschichte der Münsterpfarrei Villingen, in: Festschrift zur Weihe der neuen Münsterorgel in Villingen (1983).
Grüber, Michael: Orgelbauer Johann Georg Aichgasser (1701–1767), Leben und Werk, in; Zeitschrift für hohenzollerische Geschichte 23. Sigmaringen 1987.
Manecke, Wolfgang und Mayr, Johannes: Historische Orgeln in Oberschwaben. Der Landkreis Biberach. Regensburg 1995.
Hux, Angelus und Troehler, Alexander: KlangRäume, Kirchen und Orgeln im Thurgau. Frauenfeld 2007.
Zepf, Markus: Die Silbermanns in Basel und Arlesheim. Begleitheft zur Ausstellung 2007.
Manecke, Wolfgang und Vogl, Mark: Historische Orgeln im Bodenseekreis: mit einem Inventar aller bekannten Pfeifenorgeln in den Kirchen des Landkreises. Messkirch 2014.
Wieser, Andreas: Flammende Musik. Festschrift zur Weihe der neuen Thomas-Orgel in der Barockkirche St. Peter und Paul in Hilzingen. Hilzingen 2017.
Hörler, Bernhard: Orgelbau Goll, Luzern. Dispositionen und Fotos Opus 1–100. Luzern 2020
Wieser, Andreas: Zur geistlichen Wend. Die Barockkirche St. Peter und Paul Hilzingen. Hilzingen 2023.
 
Web:
Fribourg, Collège St-Michel: église et orgue Bihler-Mooser-Kuhn in https://www.orgues-et-vitraux.ch.
Canton du Jura: Delémont, un riche patrimoine in: https://www.orgues-et-vitraux.ch.


Anmerkungen

[1] Das Geburtsjahr 1687/88 wird in der Orgelliteratur ohne Angabe des Geburtsortes und der Pfarrei genannt. Es muss hinterfragt werden und könnte ebenso um 1700 liegen. Für ein späteres Geburtsjahr spricht auch der Vertrag von 1763 für die Orgel des Konstanzer Münsters, der kaum mit einem 75-jährigen Orgelbauer geschlossen worden wäre.

[2] Zur Notiz der Heirat mit Maria Theresia Schwägerlin in Kreuzlingen zwei Bemerkungen:
1. Kreuzlingen nennt sich damals einzig das Kloster im thurgauischen Gebiet vor Konstanz, bei dem sich nur ganz wenige Wohnbauten befinden. Das Dorf beim Kloster heisst Egelshofen. Weil 1732–1734 im Kloster Ausgaben für eine neue Orgel vermerkt sind, könnte dies ein Grund für die Heirat in Kreuzlingen sein.
2. 1731 wäre Bühler, würde sein Geburtsjahr 1687/88 zutreffen, schon über 40 Jahre alt. Dies spricht ebenfalls für das oben erwähnte spätere Geburtsdatum.

[3] Joseph Anton Moser (1731–1792) aus Bischofszell im Thurgau. Er arbeitet mit Bühler in Arlesheim und in Freiburg im Üechtland und macht sich dort selbständig. Siehe: https://hls-dhs-dss.ch/de

[4] Die Akkorde umfassen meist nur die Herstellung, den Aufbau und die Intonation des Instrumentes, manchmal nicht einmal das Gehäuse und nie die prägenden Bildhauer- und Schnitzarbeiten. Der Orgelbauer liefert für diese Arbeiten das Prospekt-Konzept. Dies gilt für alle Orgelbauer des 18. Jahrhunderts. Die Bildhauer und Kunstschreiner bleiben fast immer unbekannt.

[5] Heute wird die alte Pfarrgemeinde, die fünf Kilometer von Markdorf entfernt ist, als Stadtteil von Markdorf aufgeführt.

[6] Die Orgel soll an der Chornordwand gestanden haben (Manecke und Vogl 2014). Wo aber im schmalen gotischen Chor ein derart grosses Instrument Platz gefunden hätte, bleibt offen. Die Mönch-Orgel von 1903, der neugotische Nachfolgebau der Bühler-Orgel steht auf der Empore.

[7] Gottfried Maucher (1737–1828) aus Konstanz ist noch 1768 im Akkord von St. Gallus in Bregenz als Vertreter von  Joseph Gabler aufgeführt. Beim Tod von Gabler 1771 ist er bereits selbständig. Siehe dazu https://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Meister/a-g/Gabler.html.  

[8] Das auschliesslich deutschem Adel vorbehaltene Domkapitel des Fürstbistums Basel residiert in Arlesheim, der Fürstbischof Joseph Wilhelm Rinck von Baldenstein aber in Pruntrut (Porrentruy). Domdekan Beat Anton Münch von Münchenstein, (1694–1759) genannt Löwenberg, ist auch Domherr in Konstanz. Dies könnte den Beizug Bühlers nach Arlesheim erklären.

[9] Das Städtchen zählt zu dieser Zeit knapp 900 Einwohner. Die Kirche Saint-Marcel ist auch Kollegiatskirche des nach der Reformation nach Delémont geflüchteten Kapitels von Moutier-Grandval. Kollator ist der Bischof von Basel. Siehe https://hls-dhs-dss.ch/de.

[10] Die Kirche wird 1763 geweiht. Die Rocaille-Schnitzereien sind den Altären und Stuckaturen von Johann Anton Feuchtmayer von 1755/58 verwandt. Die übliche Orgelliteratur ist nur am Instrument interessiert. Dieses [I/P/6] wird 1980 neu gebaut. Hat vielleicht Bühler jun. das Instrument seines Vaters 1775 revidiert? Unsorgfältig mit Orgeldaten geht aber auch die Kunsthistorik um. So verwechselt  Dagmar Zimdars 1997 im Dehio Handbuch die Orgel von St. Georg in Ertingen mit derjenigen der Marienkapelle.

[11] Der Musikwissenschaftler Hans Musch vermutet allerdings in «Orgelgeschichte der Münsterpfarrei Villingen» eine seitenverkehrte Vertauschung der 16-Zoll–Felder bei Neuaufbau 1817. Die Fotografie zeigt die Orgel vor dem Abbruch 1909 im 7,8 m breiten Mittelschiff mit einer Breite von ca. 4, 5 m, anstelle der 1816 genannten ca. 3,6 m.

[12] Zum Kirchenbau siehe Fribourg_Jesuitenkolleg, zum Auftraggeber siehe Fribourg_Fegely.

[13] Er schreibt sich nun in französischer Art «Mooser».

[14] An der Orgel müssen schon nach dem Gewölbeeinbau 1679 massive Veränderungen stattgefunden haben. Aus dem 16. Jahrhundert stammt nur die dreiteilige Mitte. In der Orgelgeschichte des Münsters scheint das 17. und 18. Jahrhundert leider kaum zu existieren. Die quellenbelegte Orgelwiederherstellung 1763 durch Bühler wird von Heribert Reiners (1955) nicht erwähnt, dafür meldet er 1776 eine Wiederherstellung durch Gottfried Maucher. Quellenmässig ist in diesem Jahr aber nur eine «neu verfertigte Orgel eines fremden Orgelmachers» auf der Epistelseite vermerkt.

[15] Michael Grüber in: Orgelbauer Johann Georg Aichgasser (1701–1767), Leben und Werk (Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte 23-110 1987).

[16] Kondukte sind bei mechanischer Traktur die Rohrverbindungen der einzelnen Prospektpfeifen, welche nicht auf der Windlade stehen

 





Werke von Franz Anton Erler
 

Werke von Franz Anton Erler im Klosterneubau des Abtes Rupert II. Ness von 1727–1740:
1727
Winterabtei und Gastzimmer
2. Obergeschoss.
[D] Vier Galerieräume in Winterabtei (Quertrakt) und Vogelzimmer im Eckrisalit NW.
1728 Nordtreppenhaus bei Benediktuskapelle. [D] Kuppel (Maria Immaculata und der Triumph des Kreuzes, in Scheinarchitektur, mit Allegorien). Weitere Text- und Bildinformationen siehe: https://erdteilallegorien.univie.ac.at/erdteilallegorien/
1729 Winterabtei 2. OG [D] Galerieraum 231 bei Vorplatz Abtskapelle ,
(T) 14 Kreuzwegstationen in Vorplatz und Abtskapelle.
1730 Abtskapelle 2. OG. [A] Ovalblatt als Antependium in Abtskapelle (Christus im Grab).
1731 Grosses Konventreppenhaus Ost. [T] 2 grosse Bilder (Bekehrung des Paulus und Sturz des Zauberers Simon) sowie 14 kleinere Bilder (Martyrien der hl. Felicitas und ihrer Söhne).
1732–
1733
Refektorium Erdgeschoss Ost. [T] Zwei grosse Gastmahlbilder an den Schmalseiten (Ost: Ostermahl der Juden und West: Ostermahl der Christen), beide verschollen.
Sechs Gastmahl-Darstellungen zwischen den Fenstern an den Seiten.
1735–
1739
Kreuzgänge und die beiden Osthöfe. [D] 76 Gewölbebilder (Emblematika) in Bezug auf die Tafelbilder an der Wand. [T] Mehrere Tafelbilder.
1728   1735   1735   1735-39
1   2   3   4
1   Ottobeuren 1728. Ausschnitt aus dem Treppenhaus-Kuppelgemälde im Treppenhaus Nord.
     Thema: Maria Immaculata und der Triumph des Kreuzes, in Scheinarchitektur, mit Allegorien.
     Mehr dazu in Erdteilallegorien. Foto: Bildarchiv Foto Marburg.
2 und 3    Ottobeuren 1735–1739. Emblematika im Konventkreuzgang. Die 76 Embleme im Gewölbespiegel nehmen
     Bezug zu den seitlichen Wandgemälden. Fotos: Hermetiker in Wikipedia 1999.
2   Pastor cum tibia, sequente ovium grege: VOX SOLA TRAHIT (Der Ton allein zieht an).
3   Canis pro grege vigilans: GREX ME VIGILANTE QUIESCIT (Die Herde ruht, während ich wache).
4   Ottobeuren 1735-1739: Wandgemälde im Konventkreuzgang mit dem Thema: Jesus ehrt seine Mutter Maria und nimmt sie in den Himmel auf. Foto: Hermetiker 1999.
 
Werke von Franz Anton Erler im Auftrag des Abtes Rupert II. Ness in der Klosterherrschaft:
1734 Wald bei Ottobeuren,
St. Marx–Kapelle.
[A] Altarausstattung durch Erler. Abbruch der Kapelle 1806.
1734–
1735
Ungerhausen bei Memmingen,
Pfarrkirche St. Johann Baptist.
[D] Deckenbilder. Chor: Christus unter den Schriftgelehrten (in Scheinarchitektur) und Verkündigung Mariä. Langhaus: Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons. Zuschreibung: Seitenaltarblätter und Oberblatt Hochaltar.
1737–
1738
Eldern bei Ottobeuren, Wallfahrtskirche. [A] Altarblätter des neuen Choraltars. Versetzung 1780 nach St. Johann in Feldkirch. 1806 Umbau zum Salzmagazin mit Entfernung der Altäre.
1738 Attenhausen bei Sontheim, Pfarrhof. [D] Deckenbild (Traum Jakobs) und Wandbilder mit Allegorien im Obergeschoss. Nur Reste erhalten.

Werke von Franz Anton Erler ausserhalb der Klosterherrschaft Ottobeuren:
1730–
1731
(um)
Irsee bei Kaufbeuern.
Benediktiner-Reichsabtei.
Konventflügel.
[D] Treppenhaus. Deckenbild (Triumph des hl. Benedikt). Unter Treppenläufen Ovalbilder (Sturz Luzifers, Himmelsleiter des hl. Benedikt), Deckenbilder in weiteren Räumen (Antoniuszimmer). Zuschreibungen. Zeitrahmen der Ausführung 1729–1735. BH: Reichsabtei Irsee.
Abt OSB Willibald Grindl.
ST: Franz Schmuzer
1733 Osterzell im Ostallgäu. Pfarrkirche St. Stephan und Oswald. Fassung des Hochaltars (ersetzt 1829) und [D] Deckenbild Chor (Steinigung des hl. Stephan). Zuschreibung. BH: Stift Rottenbuch, Propst Patritius Oswald.
1733 Osterzell im Ostallgäu.
«Schloss» (Pfarrhof).
[D] Deckenbild im Treppenhaus (hl. Augustinus und Triumph des katholischen Glaubens). BH: Stift Rottenbuch, Propst Patritius Oswald.
1736 Schloss Wolfegg
im Westallgäu.
Stiftskirche
St. Katharina.
[D] Alle Deckenbilder der Stiftskirche. (Mittelbild: Zweikampf im Trentino. Kuppel und Chorbilder: Szenen aus der Katharina-Vita. Zehn Zwickelbilder und sechs Bildfolgen in Camaïeu-Technik). Vermutlich Mitarbeit Benedikt Gambs.
Mehr zu den Deckenbildern in Wolfegg in:
https://www.sueddeutscher-barock.ch/
BH: Graf Ferdinand Ludwig, Waldburg-Wolfegg-Wolfegg  und Maria Anna Amalia Renata von Schellenberg.
ST: Johannes Schütz.
1737 Kisslegg im Westallgäu.
Pfarrkirche
St. Gallus und Ulrich.
[D] Alle Deckenbilder der Pfarrkirche (Mittelbild: Triumph der Kirche über die Häresie. Vierung: Abendmahlszene in Scheinkuppel. Deckenbilder in Chor und Querarmen. 12 Darstellungen der Josefs- und Marienvita in den Seitenschiffen.
Mitarbeit Benedikt Gambs.
[A] Im Unterakkord von Judas Thaddäus Sichelbein malt Erler auch das Hochaltarblatt und einige Blätter der Kapellenaltäre.
Mehr zu den Gewölbebildern in Kisslegg in :
www.sueddeutscher-barock.ch/
BH: Gräfin Maria Anna Amalia Renata von Waldburg-Wolfegg-Wolfegg, Freiin von Schellenberg.
ST: Johannes Schütz.
Wolfegg   Kisslegg
Wolfegg 1736. Ausschnitt aus dem grossen Hauptgemälde mit dem legendären Zweikampf des Jahres 1487 im Trentino. Um die im lichten Himmelszentrum schwebende hl. Katharina von Alexandrien formiert sich die Darstellung des Zweikampfes in vielen Einzelszenen. Der Sieg des jungen Grafen Wolfgang im Ringkampf, und das Anflehen der hl. Katharina durch den unterlegenen Gegner spielt sich in der Darstellung über dem Chorbogen ab. Foto: Bieri 2019.   Kisslegg 1737. Erler setzt den Kirchenraum scheinarchitektonisch in das Tonnengewölbe fort. Er gruppiert die Heiligen der Kirche hinter die jochweise vorkragende Scheinbalustrade. Sie blicken von beiden Seiten des Tonnengewölbes in den Kirchenraum hinunter. Im mittleren Bild der Nordseite steht in der Mitte der hl. Sebastian, links der hl. Laurentius und rechts der hl. Stephanus, ganz rechts der hl. Johann Nepomuk und ganz links der hl. Georg. Foto: Bieri 2020.

 

 



Der Orgelprospekt in der Pfarrkirche Hilzingen im Hegau, 1750 mit grosser Wahrscheinlichkeit durch den Orgelbauer Johann Michael Bühler im Auftrag der Abtei Petershausen erstellt, ist einer der zierlichsten Rokoko-Prospekte des Bodenseegebietes. Foto: Bieri 2025.

Der Konstanzer Orgelbauer Johann Michael Bühler ist im zweiten Drittel des 18. Jahrhunderts mit grossen Orgelwerken in der Bodensee- und Hochrheinregion vertreten. Seine Lebensdaten sind kaum erforscht. Einige wenige Orgelprospekte zeugen noch heute von seinem umfangreichen Wirken. Dazu zählt der unverändert erhaltene Prospekt der grossen Orgel in der ehemaligen Stiftskirche St. Georg in Isny (1745). Weitere grosse Prospekte in Altshausen, Säckingen, Delémont und Fribourg sind verändert erhalten. Zu den vollständig erhaltenen Prospekten zählt auch derjenige in der Kirche von Hilzingen, deren Orgel neu dem Konstanzer Orgelbauer zugeschrieben wird.

Hilzingen
Land (heute)
Baden-Württemberg D
Bistum 18. Jahrhundert
Konstanz
Land (heute)
Baden-Württemberg D
Bistum 18. Jahrhundert
Konstanz
Biografische Daten
Kurzbiografie
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Bildlegende
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Johann Michael Bühler (vor 1700–1765)