Porträt des Abtes Mauritius Moriz 1766

Der Abt ist im Alter von 49 Jahren in Halbfigur stehend gemalt. Er trägt den weissen Ordenshabit mit Mozetta und Brustkreuz. In der rechten Hand hält er den Zirkel auf ein Reisspapier mit darunterliegendem Ellenmass. Damit drückt er seinen Anspruch als Liebhaberarchitekt aus. Auf dem Tisch liegt auch eine wertvolle Taschenuhr. Was will er damit sagen? Den linken Arm hält er locker über einen Lehnstuhl, auf dem Krummstab, Schwert und Mitra liegen.
Wenige Reichsäbte wagen es, das Schwert in ihr Porträt aufzunehmen. Grosses Selbstbewusstsein ist nicht nur in den Insignien sichtbar, seine Haltung strahlt dieses auch aus.
Autor des Porträts (Öl auf Leinwand, B. 83 cm, H. 106 cm), das im Pfarrhaus Maria Steinbach hängt, ist wahrscheinlich der Kemptener Hofmaler Johann Michael Koneberg (1733–1802).
Quelle: Fabian Wolf
Mauritius Moriz, Abt der Prämonstratenser-Reichsabtei Rot an der Rot, ist ein machtbewusster Prälat zur Zeit der Aufklärung. Seine Person illustriert den Übergang vom Rokoko zum Klassizismus, ablesbar an der Beteiligung beim Bau der Rokokokirche Maria Steinbach und am durch ihn begonnenen Neubau der frühklassizistischen Stiftskirche von Rot an der Rot. Im Konvent ist er wegen seines Führungsstils umstritten und hat hier auch seine grössten Gegner, allen voran den Klosterchronisten Benedikt Stadelhofer. Dieser stellt in der später erschienenen Klostergeschichte die Bautätigkeit von Abt Mauritius durchwegs negativ dar. Bis heute übernehmen Kunsthistoriker diese tendenziöse Darstellung des verdienstvollen Bauabtes Mauritius.
RotMauritiusMoriz
Land 18. Jahrhundert
Reichsstadt Biberach
Regierungszeit
1760–1782
Land 18. Jahrhundert
Reichsherrschaft Rot
Biografische Daten
Kurzbiografie
PDF
Bildlegende
welcome
Mauritius Moriz (1717–1782) Abt OPraem in Rot an der Rot

Mauritius Moriz (1717–1782)

Abt OPraem der Prämonstratenser-Reichsabtei Rot an der Rot 1760–1782

Familienherkunft, Ausbildung und Konventuale
Mit dem Taufnamen Johannes Felix Moriz wird er am 20. November 1717 in der Reichsstadt Biberach geboren. Er ist Sohn des Handelsmanns Mathias Moriz, der als Auswanderer aus dem italienischen Re in der Valle Vigezzo, einem Bergdorf nahe an der Schweizer Grenze bei Domodossola, in Biberach 1705 als Bürger aufgenommen wird.[1] Als Beruf wird Handelsmann und Kaminfeger angegeben.[2] Johannes Felix hat fünf Brüder und vier Schwestern. Er kann in das Gymnasium der Prämonstratenserabtei Obermarchtal eintreten,[3] wechselt dann aber 1735 in die Prämonstratenserabtei Rot an der Rot, wo er 1737 Profess ablegt und den Klosternamen Mauritius annimmt. Die Aufnahme hat er auch seiner musikalischen Begabung zu verdanken. Bis 1739 regiert in Rot noch Abt Hermann Vogler. Ein Universitätsstudium ist Frater Mauritius nicht vergönnt. Immer mehr gehen die Prämonstratenseräbte dazu über, nur noch mit Hausstudium durch eigene Professoren zu unterrichten. Das Studium der Theologie ist ausschliesslich auf praktische Seelsorge ausgerichtet. Am 23. Dezember 1741 feiert Mauritius Moriz Primiz. Sofort wird auch er als Lehrer des Klostergymnasiums eingesetzt. Abt Ignatius Vetter übergibt ihm anschliessend wichtige Klosterämter. Pater Mauritius wird Grosskellner, ist von 1751–1758 Pfarrer und Prediger der Wallfahrt in Maria Steinbach und dann Pfarrer in Haisterkirch.

Abtswahl 1760
Am 4. September 1760 findet nach dem Tod von Abt Ignatius die Abtswahl in Gegenwart des Generalvikars der Zirkarie und des Abtes von Weissenau statt. Erst nach sieben Wahlgängen wird Pater Mauritius anstelle des Priors Norbert Kayser zum neuen Abt gewählt. Abt Mauritius ist im Konvent derart umstritten, dass, wie es seine Biografin Gertrud Beck vermutet, schlussendlich seine Erfahrung mit dem Bauvorhaben in Maria Steinbach ausschlaggebend ist. Die Wallfahrtskirche an der Iller ist noch nicht vollendet. Er wird in Maria Steinbach bereits 1750 erwähnt und wirkt hier mit Unterbrüchen neun Jahre, also während der wichtigsten Bauphase.

Reichsprälat am Übergang vom Rokoko zum Klassizismus
Von seinen Gegner in der Abtei, insbesondere vom späteren Verfasser der Klostergeschichte P. Benedikt Stadelhofer wird der neue Abt vor allem in Bezug auf seine Tätigkeit als Bauherr auschliesslich negativ beurteilt. «Auch hinterliess er uns grosse Schulden und ein geringes Verlangen nach seiner Person» urteilt Stadelhofer zusammenfassend.[4] Trotzdem schreibt dieser Hauptgegner, dass Abt Mauritius keinen Hochmut zeige, auch ein gewandter Redner, ein strenger Asket, ein gewissenhafter Beobachter der klösterlichen Zucht und ein grosser Verehrer der Jungfrau Maria sei. Er nehme aber häufig an Gastmählern teil, verheimliche Fehler seiner bevorzugten Personen, sei bei der Wahl von Freunden und in der Aufnahme von Novizen zu nachsichtig, verhalte sich in seinen Äusserungen und bei Beratungen launenhaft und gehe bei Lob und Tadel zu weit. Was Stadelhofer offensichtlich nicht stört, ist die Jagdleidenschaft des Abtes, die er auch beim dreitägigen Besuch des Konstanzer Fürstbischofs und dessen adeliger Jagdgesellschaft 1769 unter Beweis stellt.
Tatsächlich liebt Abt Mauritius wie jeder Rokokoprälat die Prachtentfaltung, vor allem bei kirchlichem Kult oder bei Empfängen. Der schon in der Aufklärung aufgewachsene Stadelhofer kann dies nicht mehr verstehen, obwohl er 1765 den Besuch Abt Anselm II. von Salem[5] noch erlebt haben muss. Der Prälat, der mit sechsspänniger Kutsche fährt und mit dem Bau der Birnau 1750 ein Rokokojuwel eingeweiht hat, wirbt für seine Ernennung zum Direktor des Reichsprälatenkollegiums. Abt Mauritius lässt ein musikalisches Klosterschuldrama aufführen. Er hat mehrere dieser beliebten Stücke entworfen und im Druck veröffentlicht. Die beiden Reichsprälaten entzweien sich zwar später, sind sich aber in ihrer Liebe zur repräsentativen Pracht in ihrem Selbstbewusstsein ähnlich. Die internen Gegner des mächtigen Zisterzienserabtes unter der Führung des Konstanzer Fürstbischofs versuchen noch kurz vor seinem Besuch in Rot seine Amtsenthebung, mit den gleichen Argumenten, die später auch die Gegner von Abt Mauritius aufführen. Eine weitere Ähnlichkeit der beiden Prälaten ist ihr früher Wechsel zum Klassizismus. Bei seinem Besuch in Rot ist der wieder rehabilitierte Abt Anselm II. bereits dem neuen «goût grecque» verfallen. Schon 1774 entfernt er in Salem die Rokokoaltäre zu Gunsten einer klassizistischen Einrichtung. Der grosse Paradigmawechsel in den Ländern der süddeutschen Bistümer, der die Abkehr vom heiteren, leichten und illusionistischen Rokoko und die damit verbundene Hinwendung zum weissen und intellektuellen Zopfstil bedeutet, vollzieht sich bei Abt Mauritius zur gleichen Zeit.
Schwächen und Stärken des Abtes
Ein tatsächlicher Schwachpunkt der Regierung von Abt Mauritius ist seine Personalpolitik. Seine angeborene Autorität und sein Führungsanspruch dulden keine gleich ehrgeizigen Konventualen in wichtigen Klosterämtern. Den brillanten Prior seines Vorgängers, Norbert Kayser, versetzt er sofort als Pfarrer nach Haisterkirch und ersetzt ihn durch einen Pater, der nur als Organist und Komponist Meriten aufweist. Als dieser schon 1766 stirbt, stellt sich heraus, dass es sich bei seinen Kompositionen um Plagiate handelt und er zudem grosse Schulden hinterlässt. Der nachfolgende Prior ist zwar ehrlicher, aber zeigt keine Eignung für das Amt. Er stirbt 1771. Weil als Prior auch der nachfolgende Abt Willebold Held genannt wird, setzt Abt Mauritius später offenbar geeignete Personen in dieses leitende Amt.[6] Angekreidet wird ihm auch, dass zu viele Laienbrüder in das Kloster eintreten und er sogar versucht, diese gegen die gegnerischen Patres auszuspielen. Ungeteilte Zustimmung findet er nur mit der Massnahme, in jeder Zelle einen Ofen einzubauen.
Unbestritten sind die Verdienste von Abt Mauritius bei der Beilegung von Streitigkeiten mit Nachbarn, wie mit dem Fürstabt von Kempten oder bei Grundstückkäufen, die er mit grossem Geschick ausführt. Sehr wichtig ist ihm die Klosterschule, die er persönlich überwacht und die er auch aus der Klausur in ein Gebäude beim Prälatengarten verlegt, welches er mit einem neuen Schulhof versieht.[7] Bekannt ist er auch als Verfasser mehrerer Stücke für das Schultheater und als Literat. Lienhard führt ihn 1771 unter den «comicis lusere» und unter «panegyricae» als Schreiber von Theaterstücken und als Festredner auf.[8]

Bedeutender Bauherr
Die Beurteilung der Bautätigkeit des Abtes Mauritius durch seinen Gegner, den Historiker Stadelhofer, wirkt noch heute nach. Erstmals versucht Getrud Beck 1979 eine Ehrenrettung, aber ohne Erfolg. Noch 2003 wird im Begleitbuch der Ausstellung «Alte Klöster-Neue Herren» der Vorwurf Stadelhofers, Abt Mauritius habe nichts als Schulden und Ruinen hinterlassen, wiederholt.[9]
Er ist die ersten drei Jahre noch mit der Fertigstellung von Maria Steinbach beschäftigt. 1764 muss er nach einem Blitzschlag auch den Turm der Wallfahrtskirche neu erstellen. 1770 kann auch der Hochaltar geweiht werden. Die Kosten sind in Maria Steinbach tatsächlich stark überschritten. Diese Überschreitung ist schon 1760 vorhanden. Mit Recht dürfte Abt Mauritius die Mehrkosten auch dem immer grösseren Ansturm der Pilger und den sich daraus ergebenden Mehreinnahmen gegenübergestellt haben.
Auf der Vogelschauansicht von 1690 ist der Konventgarten östlich des Chors mit seinen ihn begrenzenden Arkadenhallen und den zweigeschossigen Gartenhäusern und Orangerien im Norden und Süden dargestellt. Dieser Garten und seine Architektur sind Werke des Abtes Mauritius, die er zwischen 1760 und 1780 baut.
Sein Hauptwerk beginnt er 1777. Als erster der neuzeitlichen Äbte von Rot an der Rot masst er sich nicht an, auch den planenden Baumeister zu spielen. Zusammen mit einem guten Baumeister, der später vom Klosterchronisten Stadelhofer als unerfahren bezeichnet wird, beginnt er trotz den noch immer lastenden Schulden aus Maria Steinbach mit der Stiftskirchen-Neuplanung, die zwar barockisiert, aber im Kern noch immer spätmittelalterlich ist. Dass die Durchsetzung eines solchen Vorhabens in keinem Konvent ein Kinderspiel ist, muss ihm bewusst sein. «Er sah eine baufällige Kirche und gönnte seinem Herrn eine bessere», schreibt sein ehemaliger Schulkollege 1771 vom Bauherrn der Stiftskirche Obermarchtal. Abt Mauritius beurteilt die Kirche vielleicht nicht als baufällig, sicher aber als nicht mehr zeitgemäss. 1777 bis 1780 lässt er vorerst den Chor neu bauen und die Türme umgestalten. Die stolze Chorfront mit den beiden Doppeltürmen und die hervorragende Stuck- Fresken- und Altarausstattung im Ostteil sind allein sein Werk. Wie er das Langhaus gebaut (oder umgebaut) hätte, wissen wir nicht, denn nach 1780 kann er, vielleicht mangels Finanzen oder wegen seiner Gesundheit, nicht mehr weiterbauen. Er ist auf seinem Porträt von 1782 mit einem Kirchengrundriss dargestellt, der aber derart stilisiert gemalt ist, dass er mit dem Plan seines Nachfolgers Willebold Held nicht verglichen werden kann. Abt Mauritius habe noch das Dach des alten Kirchenschiffs, die Gewölbe und auch die Nordkapellen einreissen lassen, sogar der Abbruch des Kirchenschiffs vor 1780 wird behauptet. Das letztere ist sicher falsch, denn die Mauern und Kapellen werden nachweislich erst 1783 durch den Nachfolger abgebrochen.

Tod 1782
Am 27. Juni 1782 erliegt Abt Mauritius einer Tuberkulose, nachdem er sich anlässlich einer Friedhofseinweihung angeregt mit Gästen am Mittagsmahl unterhalten hat. Mehrere Blutstürze haben schon ein Jahr vorher zur Reichung der Sterbesakramente geführt. Das Erlahmen des Kirchenneubaus könnte mit dieser Krankheit zusammenhängen.
Er wird in seinem neuen Chor begraben, erhält aber kein Epitaph.

Porträts
Zwei Porträts des Abtes Mauritius sind noch erhalten. Sie sind Werke der Maler Johann Michael Koneberg (1766) und Jakob Herle (1782). Beide Porträts zeigen die vielbeschriebene, ausgeprägte «Adlernase». In beiden Porträts blickt er, den Kopf mit Biret bedeckt, den Betrachter prüfend mit dunklen Augen an.

Auf dem bedeutend wertvolleren Porträt von 1766 hält der Abt In der rechten Hand den Zirkel auf ein Reisspapier mit darunterliegendem Ellenmass. Damit drückt er seinen Anspruch als Liebhaberarchitekt aus. Auf dem Tisch liegt auch eine wertvolle Taschenuhr. Was will er damit sagen? Den linken Arm hält er locker über einen Lehnstuhl, auf dem Krummstab, Schwert und Mitra liegen. Wenige Reichsäbte wagen es, das Schwert in ihr Porträt aufzunehmen. Grosses Selbstbewusstsein ist nicht nur in den Insignien sichtbar, seine Haltung strahlt dieses auch aus. In beiden Halbkörper-Porträts ist er stehend im weissen Ordenshabit mit Mozetta und Brustkreuz gemalt.
Porträt des Abtes Mauritius Moriz im Alter von 49 Jahren, 1766 von Johann Michael Koneberg.

  RotAbtMauritius
Auf dem Porträt des Lokalmalers Herle, das dieser im Todesjahr des 65-jährigen Abtes malt, ist der Abt schon von der Krankheit gezeichnet. Er hält in der Hand einen Bauplan der Stiftskirche, die aber vom Maler nicht als lesbaren Grundriss gezeichnet ist. Der Vergleich mit dem später geänderten Kirchenschiff ist deshalb nicht möglich.



Porträt des Abtes Mauritius Moriz im Alter von 65 Jahren, 1782 von Jakob Herle aus Erolzheim.
  RotAbt Mauritius
Wappen
Auf dem Porträt von 1766 ist im Hintergrund auch sein Wappen zu sehen. Hier und auch an der Westfassade von Maria Steinbach ist es monochrom gemalt. Nur am Hochaltar ist es farbig. Das geteilte Wappen entspricht keinen heraldischen Regeln mehr. Es ist geteilt. Oben steht in Blau das Gnadenbild der Maria von Steinbach wie die Immaculata auf der Mondsichel. Nur dass die Mondsichel durch den horizontal gelegten Verenafisch des Konventwappens ersetzt ist. Zwei kniende Personen flankieren das Gnadenbild, die eine mit Schwert und Lanze, die andere mit Passionswerkzeugen. Im Wappen des Hochaltars sind diese Begleiter als schwarze Moren (in Anspielung des Namens?) gemalt. Unten ist in Silber das alte Klosterwappen mit dem schwarzen Vogel Greif eingefügt. Der rote Grund des alten Wappens ist nun plötzlich mit einem silbernen Balkenkreuz belegt. Derart kompliziert gestaltet der Abt auch das Siegel. Helmzier ist immer Schwert, Mitra und Krummstab.
Die Freiheit, die sich Abt Mauritius im Durchbrechen heraldischer Regeln gönnt, ist an der Fassade von Maria Steinbach als einfarbige rote Camaïeu Malerei mit verkehrten Farben ablesbar. Hier ist besonders auffällig, dass er sein Wappen nicht mit den eigentlichen Erbauern der Kirche, den Äbten Ignatius und Benedikt teilt, sondern das Wappen des Abtes Hermann anbringt.   WappenVoglerMoriz


Das Doppelwappen an der Fassade von Maria Steinbach zeigt rechts den Schild des Abtes Mauritius Moriz, der diese Fassade vollendet.
Im linken Wappen ehrt er den Initianten der Wallfahrt, den Abt Hernann Vogler.
Foto: Andreas Praefke.
 


Pius Bieri 2019

Literatur:
Lienhardt, Abt Georg OPraem: Spiritus literarius Norbertinus. Augsburg 1771-
Goovaerts, Fr. Léon OPraem: Ecrivains, artistes et savants de l'ordre de Prémontré. Bruxelles 1899.
Tüchle, Hermann und Schahl, Adolf: 850 Jahre Rot an der Rot. Sigmaringen 1976.
Beck, Gertrud: Leben und Werk des Mauritius Moriz, in: «Zeit und Heimat», Beilage der «Schwäbischen Zeitung» vom 13. Dezember 1979.
Konstantin Maier: Vom Reichsprälaten zum Soldatenkopf. Die Säkularisation der Prämonstratenser-Reichsabtei Rot an der Rot (1802–1803), in: Alte Klöster – Neue Herren. Band 2.1. Ostfildern 2003.

Anmerkungen

[1] Der Patron der Pfarrkirche von Re ist San Maurizio (St. Moritz) und wird heute von der historisierenden monumentalen Wallfahrtskirche «Madonna del Sangue» von 1958 überdeckt. Als Familienname ist der Name Moriz, Moro oder Morizzo im Tal nicht bekannt. Kann es sein, dass der Vater zu Ehren seines Dorfpatrons bei der Einwanderung einen erfundenen Namen angegeben hat? Die Namen der italienischsprechenden Einwanderer sind allerdings oft bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. So heisst der 1790 in Biberach eingebürgerte Broggio, ebenfalls aus der Valle Vigezzo stammend, nun plötzlich Brasch. Sicher hat sich aber kein Mitglied der Biberacher Familie Moriz je Moritz genannt, wie der Abt neuestens mit Nachnamen genannt wird.

[2] Tatsächlich sind damals das Vigezzo-Tal und das anschliessende Centovalli als Kaminfeger-Talschaften bekannt. Auch Mathias Moriz, ein Bruder des Prälaten Mauritius, ist Kaminfeger in Biberach (und kommt 1763 wegen Falschmünzerei ins Zuchthaus).

[3] Nach Lienhard 1771 und Goovaerts 1899, aber ohne Angabe von Gründen für den Wechsel. Im Obermarchtaler Gymnasium ist der spätere Pater Sebastian Seiler mit dem jungen Moriz zusammen. Seiler wird als Schriftsteller und für seine Komödien und Singspiele im schwäbischen Dialekt berühmt. Er widmet seinem ehemaligen Schulgenossen Mauritius noch 1773 einen Hymnus auf die hl. Magdalena.

[4] P. Benedikt Stadelhofer (1742–1802) aus Immenstad, Neffe des 1758–1760 regierenden Vorgängerabtes und Liebhaberarchitekten Benedikt Stadelhofer (1694–1760) aus Feldkirch. Zum Neffen siehe die Biografie in dieser Webseite.
P. Benedikt Stadelhofer, der Schriftsteller, ist bekannt für die «Historia imperialis et exemti Collegii Rothendsis in Suevia», die im Volumen I und II in Augsburg 1787 gedruckt werden. Die entscheidende Barockzeit des Volumens III liegt nur als Manuskript vor, ist aber auszugsweise 1918 in Latein veröffentlicht worden. Weil Stadelhofer hier alle Verdienste des Abtes Mauritius am Kirchenneubau negiert und diese dem Nachfolger Willebold zuschreiben will, schreckt er auch vor klaren Unterstellungen nicht zurück.

[5] Zu Abt OCist Anselm II. Schwab siehe die Biografie in dieser Webseite.

[6] Goovaerts (1899) zu Willebold Held: Il remplit fort louablement les importantes fonctions d'archiviste, de secrétaire abbatial, de proviseur et de prieur. Diese Ämter werden leider nicht mit Daten in Verbindung gebracht. Weil aber der Prior von Abt Benedikt 1758–1760 nicht Willebold Held ist, kann er dieses letztgenannte Klosteramt erst unter Abt Mauritius bekleidet haben.

[7] Im Lageplan der Abtei (Webbeitrag Rot an der Rot) ist es das grosse Haus Nr. 17, das zu unbekannter Zeit nach der Säkularisation abgebrochen wird.

[8] Reichsabt Georg Lienhardt im «Spiritus literarius Norbertinus» (Augsburg 1771), einem Quellenwerk der Literaten des Prämonstratenserordens.

[9] Konstantin Maier in «Alte Klöster – Neue Herren», Aufsätze erster Teil. Er übernimmt wörtlich die Beschreibung von Hermann Tüchle 1976.