Ein Porträt im Pfarrramt Konstanz zeigt Abt Alphons im Alter von ungefähr 50 Jahren. Er ist in Halbfigur dargestellt, sein Gesicht dem Betrachter zugewendet, den der Prälat prüfend anblickt. Er trägt die übliche Scheitelkappe und das Brustkreuz. In der rechten Hand hält er einen Plan mit der Ansicht der soeben gebauten Propsteigebäude Mengen. Das schlecht erhaltene Gemälde eines unbekannten Malers ist vermutlich nach dem Leben gemalt. Foto: Andreas Wieser, Hilzingen
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Abt Alphons Strobel ist von 1737-1750 Abt der Benediktiner-Reichsabtei Petershausen bei Konstanz. Er ist vor allem durch seine Neubauten in der Klosterherrschaft bekannt, die er mit dem Vorarlberger Baumeister Peter Thumb durchführt. Sein Kirchenneubau der Petershausener Propstei Mengen gilt als Vorstufe zu demjenigen der Wallfahrtskirche Birnau, welche dieser gleichzeitig mit der ähnlich grossen und praktisch baugleichen Dorfkirche von Hilzingen im Hegau baut. Dieses zweite Kirchenbauwerk des Abtes Alphons ist gleichzeitig das «berühmteste Überbleibsel von Petershausen» (Arno Borst in «Mönche am Bodensee»).
StrobelAlphons
Land 18. Jahrhundert
Reichsstadt Pfullendorf
Regierungszeit
1714–1750
Land 18. Jahrhundert
Reichsabtei Petershausen
Biografische Daten
Kurzbiografie
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Bildlegende
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Abt OSB Alphons Strobel (1691−1750)

Alphons Strobel (1691−1750)

Abt OSB im Reichsstift Petershausen 1737−1750

Er wird am 29. Januar 1691 in Pfullendorf als Sohn des Wirtes zum «Roten Ochsen» geboren und auf den Namen Franz Joseph getauft. Die Familie Strobel führt das damals bekannte Gasthaus, das zudem Poststation an der Strasse Stuttgart-Hechingen-Überlingen ist.[1] In diesem Haus wird 1724 auch sein Neffe, der spätere Abt Georg Strobel von Petershausen geboren.
Im Alter von 15 Jahren tritt Franz Joseph 1706 in die Benediktinerabtei Petershausen[2] bei Konstanz ein und leistet im September 1707 mit dem Klosternamen Alphons[3] Profess. Abt ist der von 1685 bis 1714 regierende Franz Oederlin, der die jungen Fratres in der Regel mit einer guten Ausbildung fördert. Petershausen hat zu dieser Zeit auch eine Art Gymnasium für junge Klosterangehörige mit dem Schwergewicht auf Philosophie und Theologie. Mit nur 23 Jahren wird Alphons Strobel 1714 zum Priester geweiht. In gleichen Jahr tritt Abt Placidus Weltin aus Immenstadt die Nachfolge von Abt Franz an. Während der Regierung dieses liberalen Prälaten und guten Wirtschafters ist Pater Alphons mehrere Jahre Pfarrer in Hilzingen und wird 1735 auch als Statthalter von Hilzingen erwähnt. Über diese zwei Jahrzehnte dauernde Tätigkeit im Kloster und auf den Aussenstationen ist bisher, wie auch über seinen Ausbildungsweg, nichts bekannt.
Am 16. Dezember 1737 wird P. Alphons Strobel zum Nachfolger des verstorbenen Abtes Placidus gewählt. Der Konvent umfasst in diesem Jahr 30 Mitglieder.
Obwohl Konstanz seit 1548 vorderösterreichische Landstadt ist, bleibt Petershausen als Reichskloster im Reichstag vertreten. Der Titel des Abtes[4] umfasst inzwischen auch das in der Reformation abgegangene Kloster Stein am Rhein. Die Realität ist aber ernüchternd: Das Reichsstift liegt isoliert, ohne Umland, und hat mit seinen auswärtigen Herrschaften wenig Ertrag. Berühmt ist Petershausen für die wissenschaftliche Tätigkeit vieler Konventualen. Nach dem Dreissigjährigen Krieg führen drei Äbte des 17. Jahrhunderts die Abtei erfolgreich aus einem nachreformatorischen Tief. Sie sind vor allem am wirtschaftlichen und personellen Aufschwung interessiert. Baulich hat sich die Abtei seit der Merian-Ansicht von 1643 nicht verändert.
Als Bauabt wirkt Abt Alphons aber nicht in Petershausen, sondern in den auswärtigen Besitzungen Mengen und Hilzingen.
1740 kauft er von der Abtei St. Blasien die Benediktiner-Propstei Mengen bei Sigmaringen, ein ehemaliges Wilhelmiten-Kloster, mit der Verpflichtung eines Neubaus der Konventflügel und der Kirche.[5]
Schon 1741 erteilt Petershausen dem Vorarlberger Baumeister Peter Thumb[6] den Auftrag für den Kirchenneubau in Mengen. Die Kirche wird 1742–1744 gebaut und ist eine Vorstufe zur Wallfahrtskirche Birnau und der Pfarrkirche Hilzingen.[7] Bis 1747 baut Thumb auch die beiden heute noch bestehenden Flügel der Propstei. Die Kirche wird 1810 abgebrochen, die Propsteiflügel sind heute Gymnasium.
Sein Kirchenneubau in Hilzingen von 1747–1749 ist deshalb, wie Arno Borst schreibt, «das berühmteste Überbleibsel von Petershausen».[8] Abt Alphons ist vor seiner Wahl langjähriger Seelsorger in der Hegaugemeinde und mit ihr offenbar stark verbunden. Zufrieden mit dem Kirchenneubau in Mengen, zieht er wieder Peter Thumb für die Planungen bei. Obwohl alle Bauakten fehlen, ist die Ausführung durch den Vorarlberger Baumeister dank den Übereinstimmungen mit Mengen gesichert.
Nebst den beiden Neubauten sorgt Abt Alphons auch für Kirchenausstattungen. In der Klosterkirche Petershausen lässt er 1741/42 durch den Orgelbauer Johann Michael Biehler (Bühler) eine neue Orgel bauen.[9]
Für die von Abt Franz neu gebaute Wallfahrtskirche der Propstei Klingenzell ob Mammern stiftet er einen Hochaltar. Auch einige ihm zugeschriebene Erwerbungen sind Leistungen des Vorgängerabtes.[10]
Am 20. Juli 1750 stirbt Abt Alphons Strobel unerwartet im Alter von 59 Jahren in Petershausen. Während seiner 13-jährigen Regierung sind acht Neueintritte verzeichnet. Mit  11 verstorbenen Konventualen zählt damit der Konvent 27 Mitglieder.
Leider erfahren wir selbst aus der gedruckten Leichenpredigt nichts über seine Lebensstationen der ersten dreissig Jahre vor der Abtwahl.
Der Chronist Franz Xaver Steiger (1873) tadelt ihn wegen der anfänglichen Idee, Militär wie die grossen Reichsabteien halten zu wollen, schreibt dann aber: «Sonst war die Verwaltung desselben eine sehr thätige und verdienstvolle. Er führte einen guten Haushalt; hielt strenge auf Zucht und wissenschaftliche Thätigkeit im Kloster und schickte deshalb, gleich seinem Vorweser, junge Geistliche auf entsprechende Hochschulen».
Ein Porträt zeigt Abt Alphons im Alter von ungefähr 50 Jahren. Er ist in Halbfigur dargestellt, sein Gesicht dem Betrachter zugewendet, den der Prälat prüfend anblickt. Er trägt die übliche Scheitelkappe und das Brustkreuz. In der rechten Hand hält er einen Plan mit der Ansicht der soeben gebauten Propsteigebäude Mengen. Das schlecht erhaltene Gemälde eines unbekannten Malers ist vermutlich nach dem Leben gemalt.


Hilzingen 1749
  Sein persönliches Wappen ist am Chorbogen der Pfarrkirche Hilzingen und in der ehemaligen Wallfahrtskirche Klingenzell ob Mammern am Untersee angebracht. Das Wappen Strobel ist in Blau ein silberner Pelikan, der sich für die Jungen die Brust aufreisst. Das persönliche Wappen wird jeweils von den Wappen der Abtei Petershausen (geteilt von Rot und Blau, oben ein goldener Schlüssel, unten ein silberner Fisch) und von St. Georgen in Stein am Rhein (in Blau der hl. Georg mit Drachen und Fahne) begleitet.
  In Klingenzell ist anstelle des Wappenschildes Strobel das Wappen der Herren von Klingen (in Rot ein fünfblättriger Eschenzweig) zu sehen, der Pelikan mit den Jungen als Zeichen des Abtes Alphons ist als figurale Bekrönung zwischen Schwert und Krummstab aufgesetzt.

Pius Bieri 2025

 
Literatur:
Staiger, Franz Xaver: Die ehemalige Benedictiner- und Reichsabtei Petershausen bei Constanz, in: Freiburger Diöcesan-Archiv, Band 7, Freiburg im Breisgau 1873.
Lindner, Pirmin: Fünf Professbücher süddeutscher Benediktinerabteien. Band V. Kempten und München 1910.
Spahr, P. Gebhard u. a.: 1000 Jahre Petershausen; Konstanz 1983.
Wieser, Andreas: Zur geistlichen Wend. Die Barockkirche St. Peter und Paul Hilzingen. Hilzingen 2023.

Anmerkungen:

[1] Die Wirtschaft und Brauerei der Familie Strobel wird nach einem Brand im späten 19. Jahrhundert durch das heutige neoklassizistische Gasthaus «Alte Post» an der alten Postgasse 15 ersetzt.

[3] Der Name leitet sich vom hl. Ildefons von Toledo ab.

[4] «Der Hochwürdige, des heil. röm. Reichs Prälat und Herr der beiden löblichen Reichsstiftern und Gotteshäusern St. Gregorii zu Petershausen, und S. S. Cyrilli & Georgii zu Stein am Rhein, Propst zu Klingenzell, Herr des Gotteshauses ad Portam S. Mariae zu Mengen, auch Herr der Herrschaften, Stauffen, Hilzingen, Rietheim u. s. w.». In: Staats- und Erdbeschreibung des Schwäbischen Kreises, Lindau 1781.

[5] Die Verhandlungen mit St. Blasien führt der P. Columban Zölling (1690–1764) aus Konstanz als Cellarius (Grosskeller). Er ist anschliessend 1741–1749 Superior in Mengen. Seine anschliessenden Anfeindungen aus Petershausen wegen unterlassener Informationen über die Kaufbedingungen weisen auf eine starke Persönlichkeit hin..

[6] Peter Thumb (1681–1766) aus Bezau im Bregenzerwald, wohnhaft in Konstanz. Zu ihm siehe https://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Meister/s-z/Thumb_Peter.html.

[7] Die Kirche des Priorats Mengen wird 1810 abgebrochen. Der Grundriss der ausgeführten Kirche ist erhalten und mit den ausgegrabenen Fundamenten deckungsgleich. Die Wallfahrtskirche Birnau ist nur in der Grösse leicht abweichend, während die Pfarrkirche Hilzingen im Grundriss mit Ausnahme des zusätzlichen Frontturms fast deckungsgleich ist. Die entsprechenden vergleichenden Grundriss stellt Andreas Wieser in: «Zur geistlichen Wend» (2023) vor. Gehe zum Ansicht des Priorats Mengen im Porträt von Alphons Strobel.

[8] Mehr zur Pfarrkirche St. Peter und Paul in Hilzingen siehe in https://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Werke/h-r/Hilzingen.html

[9] Johann Michael Biehler oder Bühler (1687/88–um 1765) aus Konstanz und sein Sohn Johann (Baptist) Basilius sind bekannte Orgelbauer in Klosterkirchen des Bistums Konstanz und Basel. Siehe: https://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Meister/a-g/Biehler_Johann_Michael.html.

[10] So die Vergrösserung der Klosterherrschaft durch dem Kauf des Dorfes Riedheim als österreichisches Lehen für 44 000 Gulden, oder der gewonnene Prozess 1732–1738 um das Patronatsrecht der Kirche Binningen.