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DomenicoFontana D^CarloMaderno Cortona Bernini Borromini CarloFontana

Die wichtigsten Baumeister des römischen Barocks

Kurzbiografien

Vom Übergang am Ende des 16. Jahrhunderts bis zum späten römischen Barock des 17. Jahrhunderts

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Maderno1
Das Langhaus und die Fassade des Petersdoms, 1607–1612 von Carlo Maderno gebaut, ist das erste barocke Bauwerk Roms. Foto: Alvesgaspar 2015 in Wikipedia.

Carlo Maderno aus Capolago am Luganersee, ist Neffe von Domenico Fontana. 1576 zieht er als ausgebildeter Stuckateur und Steinmetz zu seinem Onkel nach Rom. Nach dem Wegzug Fontanas nach Neapel übernimmt Maderno dessen Stelle und vollendet auch Werke von Giacomo della Porta, wie die Villa Aldobrandini in Frascati. Sein erstes grosses Werk ist die Kirche Santa Susanna. Mit dem Bau des Langhauses von St. Peter ab 1607 ist er eigentlicher Initiant des Barocks in Rom. Zu seinen Hauptwerken zählen auch die Kuppel von Sant' Andrea della Valle und der Palazzo Barberini. Zu seinen Schülern gehört Francesco Borromini. Carlo Maderno stirbt am 30. Januar 1629 in Rom.

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1. Die Kirche Sant'Andrea della Valle ist die Mutterkirche des Theatinerordens. Sie wird von Giacomo della Porta begonnen, aber nach Beendigung der Fundationsarbeiten 1599 bis 1608 wegen finanzieller Probleme unterbrochen. Carlo Maderno baut sie 1608 bis 1622, vermutlich nach neuen Plänen mit mehr Vertikaltendenz und mit einer erhöhten Kuppel nach veränderten Plänen. Längsschnitt aus «Insignium Romae templorum» Giovanni Giacomo de Rossi 1683 (ETH-Bibliothek Zürich).
2. und 3. 1597–1603 baut Carlo Maderno die Fassade der Kirche Santa Susanna. Die ausgesprochen plastisch gestaltete Fassade steht im klaren Gegensatz zu den meist in einer Ebene gedachten manieristischen Vorgängerbauten. In ihrer Ausgewogenheit ist die Fassade von Santa Susanna der wichtigste Beitrag am Vorabend des Barocks. Mit ihr empfiehlt er sich für das Langhaus des Petersdoms, das dann den Barock endgültig einläutet.
Fassadenplan in «Insignium Romae templorum» Giovanni Giacomo de Rossi 1683 (ETH-Bibliothek Zürich). Foto: Wikipedia author LPLT 2010
 
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4. Der Grundriss der Kirche Sant'Andrea della Valle «Insignium Romae templorum» 1683 zeigt im Vergleich mit Il Gesù, dass sich Langhaus, Querarme und Chor bei gleichem Kuppeldurchmesser um mindestens um einen Drittel verlängert haben. Sant'Andrea wird unter anderen von den Theatinern in München zum Vorbild genommen (Barelli, Zuccalli). Bildquelle: «Insignium Romae templorum» Giovanni Giacomo de Rossi 1683 (ETH-Bibliothek Zürich.
5. Der Innenraum von Sant' Andrea della Valle ist dank der Höhenentwicklung bedeutend lichter als die Vorgängerkirche Il Gesù. Bis 1628 sind auch Stuck und Fresken (Lanfranco, Domeniconi) erstellt. Foto: Reiner Martin 2005 in Wikipedia.
6. 1627 beginnt Carlo Maderno mit dem Bau des Palazzo Barberini. Sein Mitarbeiter ist Francesco Borromini. Nach dem Tod Madernos 1629 übernimmt Gianlorenzo Bernini Borromini die Direktion, arbeitet aber noch mit Borromini zusammen (siehe bei diesem den Plan der Ovaltreppe). Obwohl die Planung auch für die westliche Loggienfassade schon vor dem Einsatz Berninis vorliegt, wird ihm nebst dieser Fassade vielfach der ganze Bau zugesprochen. Ein Plan Madernos um 1625, gezeichnet von Borromini, zeigt den Mittelrisalit der Gartenfassade. Bildquelle: Albertina Wien.
 

Quellen Web:
https://de.wikipedia.org/wiki/Carlo_Maderno
https://www.artistiticinesi-ineuropa.ch/deu/maderno-c-deu.html
http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D11329.php
http://www.treccani.it/enciclopedia/carlo-maderno/

 

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Die wichtigsten Baumeister des römischen Barocks

Kurzbiografien

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DellaPorta1
1588–1590 baut Giacomo della Porta die Kuppel des Petersdoms. Bei Michelangelos Tod 1564 ist erst der Kuppeltambour gebaut. 1592 errichtet Domenico Fontana die Laterne. Foto: Thecri95 2011 in Wikipedia.

Giacomo della Porta, Sohn eines Bildhauers aus Porlezza am Luganersee (damals im Herzogtum Mailand gelegen), begibt sich in den 1550er-Jahren als Bildhauergeselle nach Rom. Er arbeitet vorerst in der Nachfolge von Michelangelo. Nach dem Tod von Vignola 1573 wird er mit der Fertigstellung dessen laufenden Projekten betreut. Die Fassade von Il Gesù ist sein frühes Hauptwerk. Er wird jetzt zum wichtigsten freischaffenden Baumeister Roms (primo architetto romano), baut wegweisende römische Ordenskirchen und zusammen mit Domenico Fontana 1588–1590 auch die Kuppeln des Petersdoms. Er stirbt am 3. September 1602 in Rom.

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1. Die Zweiturmfassade der Kirche SS. Trinità dei Monti ist ein Werk von Giacomo della Porta. Er baut sie mit Carlo Maderno. Sie wird 1585 geweiht. Der Stich von Giovanni Battista Falda zeigt die Kirche des 17. Jahrhunderts vor dem Bau der Spanischen Treppe (1725). Auf ihm ist vermerkt, dass die Eingangstreppe und das Portal Werke von Domenico Fontana sind, der sie aber nach den Entwürfen von Della Porta ausführt.. Damit haben an der Kirche alle wichtigen Baumeister des Übergangs zum Barock mitgewirkt. Bildquelle: Bibliothèque nationale de France.
2. Die Kirche Santa Maria ai Monti Bau ist die zweite Jesuitenkirche nach Il Gesù. Sie wird 1580 im Zuge eines gegenreformatorischen Bauprogramms unter Papst Gregor XIII. begonnen. Planender und ausführender Baumeister ist Giacomo della Porta, der Bau gilt als sein Hauptwerk. Bildquelle: Giovanni Giacomo de Rossi 1683 (ETH-Bibliothek Zürich).
3. 1589 wird die Kirche San Luigi dei Francesi eingeweiht. Architekt der reinen Schaufassade (man beachte die Dachlinien der dahinterliegenden Kirche) ist Giacomo della Porta. Beteiligt ist auch Domenico Fontana. Bildquelle: Giovanni Giacomo de Rossi 1683 (ETH-Bibliothek Zürich).
 
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4. Der Bau der Fontana del Moro auf der Piazza Navone wird 1574 an Giacomo della Porta übertragen. Weil Bernini die mittlere Gruppe 1654 mit der Figur des «Moro» ersetzt, wird er heute meist als Schöpfer des ganzen Werkes bezeichnet. Das den Brunnen umgebende Bassin ist ein Entwurf von Borromini (1654). Foto: Fczarnowski 2010 in Wikipedia.
5. Die Fassade der Jesuitenkirche Il Gesù (1573–1580) ist das erste wichtige Werk von Giacomo della Porta. Mit der Steigerung der Plastizität der Gliederungselemente zur Mitte wird sie wegweisend für die Entwicklung des späteren Frühbarocks. Foto: Chirho 2005 in Wikipedia.
6. Die manieristische Villa Aldobrandini in Frascati wird von Giacomo della Porta 1598–1602 gebaut und nach seinem Tod von Carlo Maderno und Domenico Fontana fertig gestellt. Vor allem die Gärten und die Wasserspiele sind die Werke dieser nachfolgenden Architekten. Erst diese gelten als frühbarocke Gestaltungen. Foto: Livioandronico2013 in Wikipedia.




Quellen Web:
https://de.wikipedia.org/wiki/Giacomo_della_Porta#cite_note-1
http://www.treccani.it/enciclopedia/giacomo-della-porta_(Dizionario-Biografico)


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Die wichtigsten Baumeister des römischen Barocks[1]

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Die Baumeister des Übergangs vom Manierismus zum Barock  
DPorta Giacomo della Porta (1532–1602)
DFontana Domenico Fontana (1543–1607)
Die ersten barocken Baumeister
M Carlo Maderno (1556–1629)
C Pietro da Cortona (1596–1669)
Die Baumeister des römischen Hochbarocks
Be Gianlorenzo Bernini (1598–1680)
Bo Francesco Borromini (1599–1667)
Rai Carlo Rainaldi (1611–1691)
CFontana Carlo Fontana (1638–1714)

 

 

[1] Die römischen Baumeister werden meist als Architekten bezeichnet. Dies, weil im Lateinischen der Baumeister mit «architectus», im Plural «architecti» übersetzt wird. Deshalb wird im lateinischen Sprachraum der planende und leitende Baumeister immer als architetto (italienisch) und als architecte (französisch) bezeichnet und mit Architekt übersetzt. Im deutschen Sprachraum ist die Berufsbezeichnung Baumeister für den Planer und Leiter eines Bauvorhabens noch bis ins 19. Jahrhundert üblich. Siehe dazu mehr im Glossar Baukunst dieser Webseite unter «Architekt».

 

 

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Die wichtigsten Baumeister des römischen Barocks

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DomenicoFontana
Domenico Fontana baut für Sixtus V. ab 1587 den Süd- und Ostflügel des Quirinal-Palastes. Das zum Garten noch offene Gebäude dient als Sommersitz der Päpste und der weltlichen Verwaltung des Kirchenstaates. Heute ist es Dienstsitz des italienischen Präsidenten. Im Vordergrund die Piazza del Quirinale mit dem römischen Dioskurenbrunnen, der ebenfalls von Domenico Fontana aufgestellt wird. Der Obelisk wird aber erst 1786 aufgerichtet. Foto: Wolfgang Moroder 2017.

Domenico Fontana aus Melide am Luganersee, begibt sich 1563 als Stuckateurgeselle nach Rom. Er tritt in päpstliche Dienste ein und wird wichtigster Baumeister von Papst Sixtus V. Berühmt sind seine Ingenieurleistungen für die Aufstellung der Obelisken. 1585–1587 baut der den Zentralbau der Cappella Sistina in Santa Maria Maggiore, deren Kuppel schon in den Barock weist. 1587 beginnt er den Bau des Quirinalpalastes. 1590 stirbt Sixtus V. und Fontana verliert die Gunst seiner Nachfolger. 1592 begibt er sich in die Dienste des Königs von Neapel. Ab 1600 baut er hier sein bedeutendstes Werk, den Palazzo Reale. Er stirbt am 28. Juni 1607 in Neapel.

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1. 1576–1581 baut Domenico Fontana für den Kardinal Felice Peretti di Montalto, der 1585–1590 unter dem Namen Sixtus V. Papst ist, ein Lusthaus mit Gärten, das nach seinem Tod Villa Peretti-Montalto genannt wird. Der Stich von Giovanni Battista Falda trägt den Titel «Veduta del giardino del cardinale Paolo Savelli Peretti verso Santa Maria Maggiore. Architettura del caval.[ie]r Domenico Fontana». 1860 fällt die Anlage dem Bau der Stazione Termini zum Opfer. Bildquelle: Washington University in St. Louis.
Gehe auch zu weiteren Erläuterungen in Biografie Wolf Dietrich Salzburg.
2. Im Frontispiz des Werkes «Della trasportatione dell'obelisco vaticano», das Fontana 1589 veröffentlicht, lässt er sich mit dem Obelisk in der Hand darstellen. In diesem Band stellt er mit Stichen von Bonifazio Natale auch weitere seiner Werke vor. Er reiht sich damit in die Reihe der Architekten ein, die auch begnadete Selbstdarsteller sind. Quelle: ETH-Bibliothek Zürich.
3. Die Darstellung der Niederlegung des Obelisken vor dem Transport am alten Ort (seitlich der Konstantinsbasilika im ehemaligen römischen Circus Gai et Neronis) auf Seite 18 des Werkes von 1589 wird von Carlo Fontana 1694 nochmals in seinem Werk «Il Tempio Vaticano» veröffentlicht. Quelle: Universitätsbibliothek Heidelberg.
 
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4. Das bedeutendste Werk von Domenico Fontana in Neapel ist der Palazzo Reale, den er ab 1600 baut. Nur die Fassade an der Piazza del Plebiscito hat ihr ursprüngliches Aussehen bewahrt. Foto: Pietro Scerrato 2012 in Wikipedia.
5. 1586–1589 baut Domenico Fontana den Lateranpalast und rechtwinklig dazu, dem Nordquerschiff der Lateransbasilika vorgebaut, die Benediktionsloggia. Auf dem davorliegenden Platz errichtet er 1588, in der Achse zu Santa Maria Maggiore, den Lateranischen Obelisken aus dem ehemaligen Circus Maximus. Foto: Camelia.boban 2015 in Wikipedia.
6. Die Fontana dell'Aqua Felice, wegen der Statue des Moses auch Mosesbrunnen genannt, ist der Endpunkt eines von Sixtus V. neugeführten Aquädukts zur Bewässerung der höhergelegenen Hügel links des Tiber mit Wasser aus Palestrina. 1585–1587 baut ihm Fontana Aquädukt und Brunnen. Foto: Architas 2018 in Wikipedia.



Quellen Web:
https://de.wikipedia.org/wiki/Domenico_Fontana
https://www.artistiticinesi-ineuropa.ch/deu/fontana-d-deu.html
http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D13310.php
http://www.treccani.it/enciclopedia/domenico-fontana_%28Dizionario-Biografico%29/


 

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Cortona
Pietro da Cortona baut ab 1634 die Kirche Santi Luca e Martina auf dem Forum Romanum. Der Vierkonchenbau auf griechischem Kreuz ist  eine Inkunabel der hochbarocken Sakralarchitektur. Foto: Jebulon 2013 in Wikipedia.

Er wird als Petro Berettini am 1. November 1596 in Cortona bei Trasimenischen See geboren. Zur Ausbildung als Maler zieht er nach Florenz. Zusammen mit seinem Florentiner Lehrer Andrea Commodi begibt er sich 1613 nach Rom. Sein erstes grosses Meisterwerk ist das Deckenfresko im Festsaal des Palazzo Barberini der Jahre 1633–1639, einem Bauwerk, das Maderno noch begonnen hat und nun von Bernini und Borromini gemeinsam vollendet wird. Er führt hier den Illusionismus, der 150 Jahre die Barockmalerei beherrschen wird, mit einem Paukenschlag ein. Dieses «Cortona-System» perfektioniert er 1640–1647 in den Räumen des Palazzo Pitti in Florenz. Gleich bedeutend wie als Maler ist Cortona auch als Architekt. In der Nachfolge von Maderna ist er zusammen mit Bernini und Borromini der eigentliche Begründer des römischen Hochbarocks. Wie Borromini mit seinem Erstlingswerk San Carlino (1634) setzt auch Cortona nur ein Jahr später mit seinem ersten Sakralbau ein starkes Zeichen. Mit der 1635–1650 gebauten Kirche Santi Luca e Martina, einem Vierkonchenbau auf griechischem Kreuz, entsteht die zweite Inkunabel hochbarocker Sakralarchitektur. Nicht weniger wichtig für die barocke Baukunst sind die Fassaden seiner weiteren Kirchen, Santa Maria della Pace (1656–1659) und Santa Maria in Via Lata (1658–1662). Pietro da Cortona stirbt am 16. Mai 1669 in Rom.

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1. 1633–1639 ist der Universalkünstler Cortona mit dem grossen Deckenfresko im «Salone» beschäftigt. Im Raum mit dem Ausmass vom 25 x 15 Meter liegt es in 15 Meter Höhe malt er den Triumph der göttlichen Vorsehung, eine barocke Apotheose der Familie Barberini, der auch Papst Urban VIII. angehört. Mit diesem Bild führt Cortona den barocken Illusionismus in die Malerei ein. Die Verschmelzung der rahmenden Architektur mit dem Bild ist zudem eine epochale Neuerung. Foto: Sailko 2011 in Wikipedia.
2. und 3. 1656–1657 baut Pietro da Cortona die Fassade der Kirche Santa Maria della Pace und gestaltet auch den davorliegenden Platz neu. Das interessante Kuppeloktogon mit dem angefügten zweijochigen Langhaus ist bereits bestehend, es ist ein Bauwerk vom Ende des 15. Jahrhunderts. Angefügt ist ein 1500–1504 von Bramante gebauter Kreuzgang. Cortona gestaltet auch den Innenraum der Kirche neu.
(2) Foto (vor 1923): Brooklyn Museum Archives.
(3) Plan aus «Édifices de Rome moderne» 1853 (ETH-Bibliothek Zürich).
4. 1658–1662 legt Pietro da Cortona der Kirche Santa Maria in Via Lata eine unabhängigen zweistöckigen Baukörper als Fassade vor. Der bühnenartige Vorbau nimmt Palladio-Elemente auf, führt aber im Obergeschoss den Syrischen Bogen ein. Plan und Grundriss: «Insignium Romae templorum» Giovanni Giacomo de Rossi 1683 (ETH-Bibliothek Zürich).
 
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4. La villa del Pigneto, auch als Casino Sacchetti bezeichnet, ist ein römisches Gartenlusthaus von Pietro da Cortona. Er baut es 1625–1630 als Erstlingswerk. Die Nachfahren des Bauherrn Kardinal Giulio Cesare Sacchetti lassen das Gebäude verfallen, es ist heute verschwunden. Auf die Zeitgenossen macht das erste barocke «Casino» aber grossen Eindruck. Bildquelle: Stich 1699 von Alessandro Specchi (Wikipedia).
5. - 7. Die Kirche Santi Luca e Martina ist das frühe architektonische Hauptwerk von Pietro da Cortona. 1635 wird sie begonnen, 1644 überwölbt, 1650 ist das Innere vollendet und 1664 ist auch die Fassade fertig.
(5) Foto: Burkhard Muecke 2017 in Wikipedia.
(6, 7) Grundriss und Schnitt aus «Insignium Romae templorum» Giovanni Giacomo de Rossi 1683 (ETH-Bibliothek Zürich).


Quellen Web:
https://de.wikipedia.org/wiki/Pietro_da_Cortona
http://www.treccani.it/enciclopedia/pietro-da-cortona/


 

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Bernini1
Die Piazza di San Pietro in Rom ist zweifellos die grösste Leistung barocker Platzraumformung in Europa. Gianlorenzo Bernini führt sie 1656–1667 unter Alexander VII. aus. Foto: Diliff 2007 in Wikipedia.

Gianlorenzo Bernini wird am 7. Dezember 1598 in Neapel als Sohn des römischen Bildhauers Pietro geboren. Dieser ist von Rom nach Neapel gezogen, kehrt aber 1606 dank der Protektion des Papstnipoten und Kardinals Sciopione Borghese zurück. Bernini lernt in Rom bei seinem Vater und erhält schon 1620 erste wichtige Bildhaueraufträge des Hauses Borghese. Mit der Wahl von Maffeo Barberini als Papst Urban VIII. beginnt sein eigentlicher Aufstieg. Sein frühes und wegweisendes Hauptwerk ist der Baldachin im Petersdom (1624–1633). Die Fertigstellung des von Maderno begonnenen Palazzo Barberini 1629–1638 ist das einzige Werk, das er gemeinsam mit Borromini durchführt. Nachher werden sie Erzfeinde. Bernini ist jetzt der universelle Künstler des klassischen Hochbarocks in Rom, der die Kompetenzen des Bildhauers, Architekten und Malers ähnlich Michelangelo in sich vereint. Städtebauliche Zeichen setzt er 1648–1651 mit dem Vierströmebrunnen auf der Piazza Navone, vor allem aber 1659–1672 mit den Kolonnaden des Petersplatzes. Architektonische Höhepunkte sind die Scala Regia (1663–1666) und der perfekte Zentralbau von Sant'Andrea al Quirinale (1658–1676). Auf dem Höhepunkt seines Ruhms reist er 1665 an den Pariser Hof, um Neubau-Projekte für den Louvre zu verfassen. Sie finden bei der zunehmend klassizistisch agierenden Akademie keine Zustimmung. Aber die grossartige Büste von Louis XIV ist ein Werk dieses Jahres. Während Frankreich und die protestantischen Länder jetzt zum Klassizismus zurückkehren, prägt Bernini die römische Architektur noch während des ganzen 17. Jahrhunderts. Sein Mitarbeiter und Nachfolger Carlo Fontana sorgt für deren Weitervermittlung, ebenso wie der Bildhauer und Maler Johann Paul Schor. Bernini stirbt am 28. November 1680 in Rom.

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1. Sant' Andrea al Quirinale wird 1658–1661 nach Plänen von Gianlorenzo Bernini gebaut. Wie die fast gleichzeitigen (und einzigen) Kirchen Berninis in Aricca und Castel Gandolfo ist es ein Zentralbau. Für das römische Jesuitennoviziat plant Bernini allerdings einen faszinierenden überkuppelten Ovalbau, dessen Altar- und Wandnischen wie Negativformen in die Umfassungsmasse gelegt sind. Eine triumphale Ädikula mit Eingangsbaldachin betont die quer zu allen Erwartungen liegende kürzere Elipsenachse, die zum Hauptaltar führt. Bildquelle: Giovanni Giacomo de Rossi 1683 (ETH-Bibliothek Zürich).
2. Berninis Baldachin von 1625 im Petersdom ist der erste Höhepunkt der römischen Barockarchitektur. «Berninis Frechheit stellt mit dem ehernen Tabernakel von St. Peter die Theorie auf, der Altar sei eine Architektur, deren sämtliche Einzelformen in Bewegung geraten. Seine geschwungenen und geblümten Säulen, sein geschwungener Baldachin mit den vier Giebelschnecken haben grösseres Unheil gestiftet als die Fassaden Borrominis» urteilt Jacob Burckhardt in seinem Cicerone 1855. Das Urteil des Barockfeindes Burckhardt beschreibt treffend das Wesen des späten Barocks und zeigt, wie wenig ihn die Klassizisten verstehen wollen. Bildquelle: Giovanni Giacomo de Rossi 1683 (ETH-Bibliothek Zürich).
3. 1663–1666 baut Gianlorenzo Bernini die Scala Regia. In Verjüngung des Grundrisses nach oben erzielt Bernini eine monumentalere Wirkung. Bildquelle: Stich von Giovanni Battista Falda 1665 (Bibliotheque nationale de France).
 
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4. und 5. 1664–1666 arbeitet Bernini an Projekten zum Louvre und hält sich dazu auch in Paris auf, wo er sich 1665 auch aufhält. Sein erstes Projekt, das er 1664 liefert, zeigt den Ostflügel mit konkaver Hofeinbuchtung und einen querovalen Mittelbau. Die Louvre-Planungen Berninis wirken noch bis 1712 in süddeutschen Residenz- und Klosterbauten nach. Siehe dazu «Wege zur barocken Residenz». Bildquellen: Columbia University NY.
 
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6. Der Vierströmebrunnen auf der Pizza Navona, 1648–1651 von Gianlorenzo Bernini geschaffen, ist ein Meisterwerk hochbarocker Plastik. Foto: Paul Hermans 2011 in Wikipedia.
7. Die Cathedra Petri, die Fassung eines karolingischen Stuhls als verehrungswürdiger vermeintlicher Lehrstuhl des Apostels Petrus, fertigt Bernini zwischen 1657 und 1666 für die Hauptapsis des Petersdoms an. Bildquelle: Stich von François Spierre (Metmuseum NY).
8. Die Marmorbüste des Louis XIV, die Bernini 1665 bei seinem Paris-Aufenthalt vom 27-jährigen Sonnenkönig anfertigt, ist ein Höhepunkt des barocken Porträts. Foto: «Louis le Grand» 2006 in Wikipedia.
 

Quellen Web:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gian_Lorenzo_Bernini
http://www.treccani.it/enciclopedia/gian-lorenzo-bernini/


 

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Die wichtigsten Baumeister des römischen Barocks

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Borromini1
1642-1644, und in zweiter Etappe 1652–1665, baut Francesco Borromini die Kirche Sant'Ivo alla Sapienza. Er schliesst mit ihr den Ostflügel des bestehenden Innenhofs der römischen Universität, die Giacomo della Porta 1577–1602 baut. Die Kirche ist eine weitere Inkunabel, nun der kurvierten und bewegten Architektur, deren Siegeszug in Böhmen und im süddeutschen Raum erst 70 Jahre später beginnt und die von den Klassizisten als Verirrung bezeichnet wird. Foto: Paris Orlando 2018.

Er wird als Francesco Castelli am 27. September 1599 in Bissone am Luganersee geboren. Im Alter von neun bis vierzehn Jahren arbeitet er an der Dombauhütte in Mailand und nimmt dort den Namen Borromini an. Um 1614 begibt er sich zu einem Verwandten nach Rom, der die Steinmetzwerkstätte der Peterskirche leitet. 1619 wird er hier erstmals erwähnt. Als selbständiger Steinmetz arbeitet er ab 1620 unter dem leitenden Baumeister Carlo Maderno. Bei dessen Tod ist der Zeichner und Bauleiter, muss aber Gianlorenzo Bernini als Nachfolger Madernos akzeptieren. Zum fast gleichalterigen Konkurrenten entwickelt sich nach anfänglicher Zusammenarbeit eine erbitterte Feindschaft. 1634 erhält Borromini vom Trinitarierorden den Auftrag für den Neubau des Klosters und der Kirche San Carlo alle Quattro Fontane. Sein Erstlingswerk ist gleichzeitig das zu dieser Zeit ungewöhnlichste Werk der Barockarchitektur, das vor allem den süddeutschen Spätbarock stark beeinflusst. Er kann anschliessend weitere Ordenskirchen im gleichen, von Bernini und den Klassizisten verachteten kurvierten und bewegten Barock bauen. Die Kuppel der Kirche Sant Ivo alla Sapienza (1642) wird zum Kennzeichen des neuen Stils. Seine grösseren Werke sind der Umbau der Lateransbasilika (ab 1647), der Neubau des Collegio di Propaganda Fide (ab 1652) und Sant' Agnese an der Piazza Navone (1653–1657). Eine persönliche Krise wird mit der Bevorzugung seines Rivalen Bernini durch Papst Alexander VII. verstärkt. Am 2. August 1667 wählt er den Freitod. Erst der Turiner Theatinerbaumeister nimmt die Architektur Borrominis in den 1670er-Jahren wieder auf und sorgt mit seinem Wirken für die den Übergang vom Hoch- zum Spätbarock in Böhmen, Österreich und Süddeutschland.

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1. Die Laterne von Sant'Ivo mit dem spiralförmigen Abschluss. Mit ihrer unglaublichen Leichtigkeit und Dynamik setzt sie die Bewegung jedes Innenraum-Winkels bis in die Spitze fort. Foto: MM 2014 in Wikipedia.
HunderterNote Die Laterne ist 1976–2000 auch auf der 100-Franken-Note der Schweizerischen Nationalbank abgebildet.
2. Der Grundriss von Sant'Ivo zeigt eine geniale Verbindung von Geometrie und Imagination. Ein sechseckiger Stern, entstanden aus zwei gleichschenkligen Dreiecken, bildet den unsichtbaren Kern, aus dem der Plan hervorwächst. Mit der konkav gewölbten Fassade zum Innenhof verschmilzt Borromini sein neues Gebäude mit dem Innenhof des Giacomo della Porta. Die Zeichnung im Boden entspricht der Kuppelkonstruktion. Die Biene im Zentrum ist das Wappentier der Barberini, der Familie des regierenden Papstes. Planquelle: Stich von Sebastiano Giannini 1720 (ETH-Bibliothek Zürich).
3.–5. 1634–1646 baut Francesco Borromini sein Erstlingswerk, das Kloster und die Kirche San Carlo alle Quattro Fontane. Die bewegte und kurvierte Form des Kirchenraums und der Fassade erregt grosses Aufsehen. Sie wird von Bernini und vor allem von den späteren Klassizisten als Verirrung bezeichnet. «Borromini ist für diese geschwungenen Fassaden der berüchtigte Namen geworden» schreibt Jacob Burckhardt 1855 im Cicerone. Tatsächlich ist San Carlo das Initialbauwerk des bewegten und kurvierten Spätbarocks, der über Prag um 1700 auch den süddeutschen Raum erreicht und in Vierzehnheiligen oder der Wies seine Vollendung findet.
(3) Planquelle: «Insignium Romae templorum» Giovanni Giacomo de Rossi 1683 (ETH-Bibliothek Zürich).
(4) Foto der Gewölbeuntersicht: Architas 2018 in Wikipedia.
(5) Foto der Fassade: Bieri 2018.
 
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6. Am ersten römischen Barockpalais, dem Palazzo Barberini, ist Borromini als Mitarbeiter von Carlo Maderno von Beginn weg beschäftigt. Nach dem Tod Madernos 1629 setzt der Bauherr seinen Favoriten Bernini als Leiter ein. Zwar arbeiten die Bernini und Borromini hier noch zusammen, der Kern ihrer Erzfeindschaft ist aber mit dieser Zurücksetzung gelegt. Von Borromini stammt unter anderem das eindrückliche ovale Treppenhaus, hier in einem Plan aus «Édifices de Rome moderne…» von Paul Marie Le Tarouilly 1853 (ETH-Bibliothek Zürich).
7. 1637–1650 baut Francesco Borromini für den Oratorianer-Orden des hl. Philipp Neri ein an die Ordenskirche Santa Maria in Vallicella angebautes Kloster mit Oratorium. Das Oratorio dei Filippini ist sein Opus III. Die Schaufassade, direkt neben der 1598–1605 gebauten Fassade der Ordenskirche, verdeutlicht den Entwicklungssprung in den dreissig Jahren seit Beginn des Barocks. Mit ihren roten Sichtbacksteinen unterscheidet sich die einschwingende Fassade Borrominis in Material und Zweck. Komplexität und Widerspruch in der Architektur sind hier vereint. Denn trotz der sakralen Wirkung ist es keine Kirchenfassade. Foto: Pippo-b 2011 in Wikipedia.
8. 1646–1649 baut Francesco Borromini den Innenraum der Basilika San Giovanni in Laterano um. Nur die 1567 vollendete, vergoldete Kassettendecke bleibt bestehen. Borromini ersetzt die eng gestellten und niederen Arkadenreihen (keine Säulen!) des Mittelschiffs durch eine Kolossalordnung, welche die ganze Wandhöhe einnimmt. Er rhythmisiert mit Öffnungen und geschlossenen Flächen. In Ädikulanischen dieser geschlossenen Wandflächen legt er riesige Statuen der 12 Apostel. Der Umbau von Borromini ist in jeder Hinsicht vorbildlich und von Respekt zur Konstantinsbasilika geprägt, deren Innenraum nun sein Werk ist. Foto: Edwin.11 (2004) in Wikipedia.
9. Im Palazzo Spada, den er um 1645 umbaut, erstellt Borromini auch die Galleria prospettica, einen das Auge täuschenden Verbindungsgang von 8,60 Meter Länge, der durch die perspektivische Gestaltung einen ungefähr 38 Meter langen Gang vortäuscht. Dieses «Capriccio» entsteht lange vor Berninis Scala Regia. Foto: Saiko 2016 in Wikipedia.
 
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10.–12. Sant'Agnese in Agone an der Piazza Navona. Ein Jahr nach dem Beginn der Arbeiten durch Girolamo und Carlo Rainaldi überträgt Papst Innozenz X. 1653 den Auftrag an Borromini. Dieser verändert die Planung und baut den Zentralbau mit der Kuppel fertig, um dann nach dem Tod des Papstes von dessen Neffen 1657 wieder durch Carlo Rainaldi ersetzt zu werden. Carlo Rainaldi vollendet den Innenausbau, baut die Kuppellaterne und die von Borromini schon begonnene Zweiturm-Fassade bis 1672. Die berühmte Kirche an der Piazza Navone ist damit wie so viele Bauwerke in Rom ein Werk mehrerer Architekten. Die Fassade und der veränderte Innenraum mit der Kuppel werden aber mit Recht nur der Planung Borrominis zugeschrieben.
(10) Schnittplan mit Kuppel: «Insignium Romae templorum» Giovanni Giacomo de Rossi 1683 (ETH-Bibliothek Zürich).
(11) Grundrissplan: «Insignium Romae templorum» Giovanni Giacomo de Rossi 1683 (ETH-Bibliothek Zürich).
(12) Foto der Fassade an der Piazza Navone: Alvesgaspar 2015 in Wikipedia.


Quellen Web:
https://de.wikipedia.org/wiki/Francesco_Borromini
https://www.artistiticinesi-ineuropa.ch/deu/borromini-f-deu.html
http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D9083.php
http://www.treccani.it/enciclopedia/francesco-borromini/


 

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Die wichtigsten Baumeister des römischen Barocks

Kurzbiografien

Vom Übergang am Ende des 16. Jahrhunderts bis zum späten römischen Barock des 17. Jahrhunderts

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Carlo Rainaldi baut die Nordwestseite von Santa Maria Maggiore als klassische barocke Schaufassade 1670–1673. Sie bindet die Cappella Sistina, den überkuppelten Zentralbau (links) von Domenico Fontana die fast identische Cappella Paolina von Flaminio Ponzio ein. Im Vordergrund, auf der Piazza dell' Esquilino, ist einer der Obelisken zu sehen, den Domenico Fontana 1587 für Papst Sixtus X aufstellt.
Foto: ויקיג'אנקי 2010 in Wikipedia.

Carlo Rainaldi wird am 4. Mai 1611 in eine römische Architektenfamilie geboren. Sein Vater Girolamo ist im römischen Baukollegium (officium architecti nobilis fabricae Capitolii Populi Romani) Nachfolger von Giacomo della Porta. Carlo lernt beim Vater und arbeitet vorerst an den gleichen Projekten. Zusammen mit seinem Vater beginnt er 1652 die Kirche Sant' Agnese an der Piazza Navone, muss sie aber schon kurz nachher an Francesco Borromini übergeben, um dann nach 1657 noch die Fassade fertigstellen zu dürfen. Die Zwillingskirchen an der Piazza del Popolo beginnt er 1661, muss aber ihre Fertigstellung nach 1671 an Fontana und Bernini überlassen. Gleichzeitig vollendet er die Fassade der Kirche Sant' Andrea della Valle. 1663–1667 gelingt ihm mit der Kirche Santa Maria in Portico ein Hauptwerk. Gleichzeitig ist es auch ein Bau, den er vollständig und ohne Unterbrüche durchführen kann. Hier betreibt er die Auflösung der Wand mit der für ihn typischen Verwendung von Freisäulen bis zur äussersten Möglichkeit. 1670–1673 kann er als weiteren wichtigen Bau die rückwärtige Schaufassade von Santa Maria Maggiore erstellen. Carlo Rainaldi stirbt am 8. Februar 1691 in Rom.

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1.–3. Die Kirche Santa Maria in Portico in Campitelli ist das Hauptwerk von Carlo Rainaldi. Er baut sie 1663–1665, die Fassade 1667. Sie ist eine für Rom aussergewöhnliche Kirche mit Raumübergängen, die vom breiten Langhaus in der Form eines griechischen Kreuzes in den kuppelüberwölbten Chor und dann in die Altarapsis führen. Freisäulen dominieren den Raum und verschleiern die Raumübergänge. Auch die Fassade ist ausschliesslich mit Frei- und Dreiviertel-Säulen gegliedert.
(1) Stich von Giovanni Battista Falda 1665 mit Ansicht von der Piazza die Campitelli (Bibliotheque nationale de France).
(2) Grundriss (Brinkmann 1919, überarbeitet durch P. Bieri)
(3) Chorraum mit Kuppel. Foto: Jan Beran 2011 in Wikipedia.
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4. An der Kirche Sant'Agnese in Agone an der Piazza Navona ist vor und nach Borromini auch Girolamo und Carlo Rainaldi beteiligt. Ihr Projekt ist aber zum Bau von Borromini derart unterschiedlich, dass der Bau Borromini zugesprochen wird. Bild: Fassade mit Kuppel des Projekts Rainaldi 1653. Ausschnitt aus Plan in Albertina Wien, AZ Rom 50.
5. Auch an der Kirche Sant'Andrea della Valle sind mehrere Architekten beteiligt. Sie wird von Giacomo della Porta begonnen und dann nach neuen Plänen von Carlo Maderno 1608 bis 1622 gebaut. Maderno entwirft auch die Fassade. Diese wird aber erst zwischen 1655 und 1663 von Carlo Rainaldi gebaut. Bild: Fassade von Carlo Rainaldi und Kuppel von Carlo Maderno in «Insignium Romae templorum» 1683 (ETH-Bibliothek Zürich).
6. Zwei Kirchen, die jeder Romtourist kennt, sind die überkuppelten Zentralbauten der Piazza del Popolo. Sie werden meist nicht ihrem Schöpfer Carlo Rainaldi, sondern dem praktisch unbeteiligten Gianlorenzo Bernini und dem nur am Ausbau beteiligten Carlo Fontana zugeschrieben. Carlo Rainaldi baut die Kirchen 1662–1667 am Südende des damals noch nicht zum riesigen Oval erweiterten Platzes. Sie flankieren die Eingänge zu drei strahlenförmig verlaufenden Strassen in die Innenstadt. Die links (östlich) liegende Kirche Santa Maria in Montesanto ist von ovalem Grundriss, die linksliegende (westliche) Kirche Santa Maria de Miracoli ist rund, beide haben eine Chorverlängerung und Kapellennischen.
Bildquelle: Ansicht der Kirche Santa Maria in Montesanto aus «Insignium Romae templorum» Giovanni Giacomo de Rossi 1683, mit korrekter Bezeichnung «inventum Eq. D. Caroli Rainaldi Architecti Romani» (ETH-Bibliothek Zürich).
Rainaldi1853 Gehe zu den Grundrissen der Kirchen aus «Édifices de Rome moderne» 1853 (ETH-Bibliothek Zürich).
7. Carlo Rainaldi erstellt 1670 im Auftrag des Senates von Rom auf dem Kapitol eine Ehrenpforte in Form eines Triumphbogens. Anlass ist der Durchzug des neugewählten Papstes Clemens X. am 8. Juni 1670 vom Vatikan zur zeremoniellen Inbesitznahme des Laterans. Die barocke Festivität, ihrer Teilnehmer und ihre vergänglichen Bauten werden dabei in Stichen dokumentiert. Der Triumphbogen Rainaldis steht am Ende der Rampe zum Kapitol, die beiden Dioskuren Kastor und Pollux werden zu seinem Bestandteil. Im Zentrum erblickt man das Reiterstandbild des Marc Aurel.
Bildquelle: Stich von Giovanni Battista Falda 1670 (Brown University Providence USA).
 


Quellen Web:
http://www.treccani.it/enciclopedia/carlo-rainaldi_%28Dizionario-Biografico%29/
https://archive.org/stream/carlorainaldiei00goog/carlorainaldiei00goog_djvu.txt


 

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Die wichtigsten Baumeister des römischen Barocks

Kurzbiografien

Vom Übergang am Ende des 16. Jahrhunderts bis zum späten römischen Barock des 17. Jahrhunderts

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Der Südflügel des Palazzo Monteciterio wird zwar noch 1653 noch nach Plänen von Bernini begonnen, aber schon 1655 ist der Bau eingestellt. Erst 1694–1696 baut ihn Carlo Fontana für Papst Innozenz XII. als Kurie weiter, in der Fassade allerdings völlig verändert und im Norden dreiflügelig um einen grossen Innenhof erweitert. Der Obelisk im Vordergrund wird erst 1789 aufgerichtet. Foto: Mister No 2015 in Wikipedia.

Carlo Fontana, geboren am 22. April 1638, stammt wie Domenico Fontana, Carlo Maderno und Francesco Borromini aus dem Tessin, wird aber in Rom geboren. Sein Vater Francesco Amadeo ist hier als Baumeister tätig. 1653 wird er als Schüler des Tessiner Baumeisters Giovanni Maria Bolino in Rom genannt. Dieser arbeitet mit Pietro de Cortona und Carlo Rainaldi zusammen, die den jungen Fontana stark beinflussen. 1655–1667 arbeitet er bei Gianlorenzo Bernini. Dank seiner didaktischen und schriftstellerischen Ader sammeln sich schon lange vor dem Tod Berninis dessen Anhänger bei ihm. Fontana wird zum Lehrer von bedeutenden europäischen Architekten wie Johann Bernhard Fischer von Erlach, Johann Lucas von Hildebrandt, James Gibbs, Matthäus Pöppelmann oder Filippo Juvarra. Sein Ehrendoktor an der Academia di San Luca (1667) und seine spätere Leitung der bekannten Akademie tragen dazu bei. 1697 übernimmt er die Leitung der Arbeiten am Petersdom. Er ist auch begnadeter Wasserbau-Ingenieur. Seine architektonischen Hauptwerke fallen in die Jahre 1680–1700. Vom klassischen Barock seines Vorgängers Bernini unterscheidet sich nur seine 1682–1684 gebaute Fassade von San Marcello al Corso, die in ihrer Kurvierung Ideen Borrominis aufnimmt. Die grosse Zeit des römischen Barocks ist aber inzwischen vorbei und mit dem Turiner Guarino Guarino hat die barocke Innovationskraft eines Borromini im Norden Fuss gefasst. Carlo Fontana stirbt am 5. Februar 1714 in Rom.

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1. Im Grundrissplan des Palazzo Monteciterio von 1694 sind die Eingriffe und Neubauten von Carlo Fontana dunkel hervorgehoben. Der Bau von Gianlorenzo Bernini (helle Mauern) ist bei der Neuaufnahme der Arbeiten durch Fontana, fast 40 Jahre später, «eine verlassene Baustelle». Die dokumentierten Eingriffe und der Anteil Fontanas an der Gestaltung der Fassade sind derart gross, dass er nicht einfach als Vollender eines Bernini-Baus bezeichnet werden darf, wie es in der Literatur noch üblich ist.
Quelle: Grundrissplan aus «Discorso sopra l'antico monte Citatorio situato nel Campo Marzio» 1708 von Carlo Fontana (Bayerische Staatsbibliothek).
2. Gleichzeitig mit der Planung des Palazzo Monteciterio plant Carlo Fontana auch die Neugestaltung der Piazza Monteciterio. Die Ausführung unterbleibt.
Quelle: Plan aus «Discorso sopra l'antico monte Citatorio situato nel Campo Marzio» 1708 von Carlo Fontana (Bayerische Staatsbibliothek).
3. Am Bau des grossen Komplexes des Ospizio Apostolico am Porto di Ripa Grande, das von 1683 bis 1735 unter mehreren Päpsten gebaut wird, ist auch Carlo Fontana beteiligt. Im 1735 bereits 235 Meter langen und 84 Meter tiefen Gebäude ist er für mehrere Etappen zuständig, so 1708–1713 auch für den Bau des Hospizes für invalide Männer, das er um einen Loggienhof gruppiert. Foto: Lalupa 2010 in Wikipedia.
 
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4. und 5. 1682–1683 baut Carlo Fontana die Fassade der Kirche San Carlo al Corso. Die Fassade hat eine konkave Kurvatur, nimmt damit zwar Bezug auf die  Kurvierungen Borrominis, ist aber derart diszipliniert nach den klassischen Regeln aufgebaut, dass sie als Meilenstein auf dem Weg zum klassizistischen Barock gilt. Durch die schnelle Verbreitung in Stichwerken nimmt sie Einfluss auf Bauwerke im Norden, so etwa auf die Neumünster-Fassade in Würzburg (1710, Greissing).
(4) Foto:  Saiko 2016 in Wikipedia.
(5) Stich: Die Fassade von San Carlo al Corso im «Insignium Romae templorum» 1683 (ETH-Bibliothek Zürich).
6. 1694 veröffentlicht Carlo Fontana ist die Erweiterung die Erweiterung des Petersplatzes von Bernini. Er will ihm Richtung Westen (Richtung Engelsburg) einen achsialen trapezförmigen Platz anhängen an dessem Ende ein Uhrenturm stehen sollte. Die Idee widerspricht der hochbarocken Idee Berninis eines geschlossenen Platzes und nimmt städtebauliche Ideen des kommenden Klassizismus auf. Mussolini nimmt in 1936 wieder auf und baut mit grossen Verlusten an historischer Substanz eine neoklassizistische Aufmarschachse zur Engelsbrücke.
Quelle: Plan in «Templum Vaticanum», Carlo Fontana 1694 (Universitätsbibliothek Heidelberg).
7. 1682 erhält Carlo Fontana von den Jesuiten den Planungsauftrag für den Neubau eines Kollegs mit Kirche am Geburtsort des Ordensgründers Ignatius von Loyola bei Azpeitia im Baskenland. Fontana liefert ein Projekt einer Vierflügelanlage mit einem Zentralbau in der Mittelachse, ohne den Platz je gesehen zu haben. Offensichtlich wird ab 1696 nach seinen bereits veränderten Plänen begonnen, die Ausführung (bis 1738) wird aber zu einer seltsamen Mischung des klassisch-klassizistischen italienischen mit dem überladenen spanischen Barock. Foto: GFreihalter 2016 in Wikipedia.


Quellen Web:
https://de.wikipedia.org/wiki/Carlo_Fontana
https://www.artistiticinesi-ineuropa.ch/deu/fontana-c-deu.html
http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D24528.php



 

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