Die Meister
Name Herkunft Text   Tätigkeit von   bis
Abraham Leuthner von Grundt (1639–1701)) Wildstein bei Pilsen Leuthner   Baumeister-Architekt 1681   1682
Caspar Feichtmayr (1639–1704) Wessobrunn FeichtmayrCaspar   Baumeister 1681   1682
Georg Dientzenhofer (1643–1689) Oberuilpoint Oberbayen DientzenhoferGeorg   Baumeister-Architekt 1682   1689
Bernardo Quadri (um 1650–1713) Lugano     Stuckateur 1688   1688
Christoph Dientzenhofer (1655–1722) St. Margarethen Oberbayen DientzenhoferChristoph   Baumeister-Architekt 1689   1690
Bernhard Schiesser (1651–1727) Windigsteig Niederösterreich     Baumeister 1691   1700
Giovanni Battista Carlone (1642–1721) Scaria Val d'Intelvi CaloneJB   Stuckateur, Bildhauer 1695   1698
Paolo d'Allio (1655−1729) Scaria Val d'Intelvi Allio   Stuckateur 1695   1698
Johann Jakob Stevens von Steinfels (1651–1730) Eibenstock im Erzgebirge? Steinfels   Maler 1695   1698
Jean Claude Monnot (Lebensdaten unbekannt) (?) Franche-Comté     Maler 1695   1701
Martin Hirsch (Lebensdaten unbekannt) Waldsassen     Bildhauer, Altarbauer 1698   1701
Joseph Christoph Egedacher (1641–1706) Straubing Egedacher   Orgelbauer 1698   1699
Karl Stilp (1668–1735/36) Waldsassen     Bildhauer 1699   1724
Br. Friedrich Hexemann OCist (1662–1734) Schönberg in Mähren     Kunstschlosser 1700   1704
Andreas Maisthuber (Lebensdaten unbekannt) Braunau     Maler 1708   1708
Johann Andreas Wolff (1652–1716) München WolffJA   Hofmaler 1708   1708
Johann Georg Göhringer († 1730) Eger (Cheb)     Gold- u. Silberschmid 1715   1715
Jacopo Appiani (1687–1742) Porto Ceresio Oberitalien JacopoAppiani   Stuckateur 1724   1725
Paolo Marazzi (1701–1771) Mendrisio?     Stuckateur 1724   1737
Joseph Ignaz Appiani (1706–1785) München AppianiJosIgnaz   Maler 1727   1727
Fr. Philipp Jakob Muttone OCist (1699–1775) Waldsassen     Stuckateur, Architekt 1735   1737
Johann Konrad Brandenstein (1695–1757) Kitzingen Brandenstein   Orgelbauer 1738   1738

Ehemalige Zisterzienserabtei Waldsassen

und ehemalige Stiftskirche der Jungfrau Maria (ecclesia Beatae Mariae Virginis)[1] und Johannes Evangelist
Inhalt:


«In Bayern stösst einem sogleich das Stift Waldsassen entgegen – köstliche Besitztümer der geistlichen Herrn, die früher als andere Menschen klug waren. Es liegt in einer Teller-, um nicht zu sagen Kesseltiefe, in einem schönen Wiesengrunde, rings von fruchtbaren sanften Anhöhen umgeben. Der Boden ist aufgelöster Tonschiefer. Der Quarz, der sich in dieser Gebirgsart befindet und sich nicht auflöst noch verwittert, macht das Feld locker und durchaus fruchtbar. Bis gegen Tirschenreuth steigt das Land noch. Die Wasser fliessen einem entgegen, nach der Eger und Elbe zu. Von Tirschenreuth an fällt es nun südwärts ab, und die Wasser laufen nach der Donau.»
Johann Wolfgang von Goethe am 3. September 1786.[2]

Klostergeschichte

Klostergründung 1133
Die Gründung der Zisterzienserabtei Waldsassen findet gemäss der Klostertradition 1133 statt. Stifter ist Diepold III. von Vohburg, Markgraf auf dem Nordgau und von Nabburg, Vohburg und Cham.[3] Der Gefolgsmann des Stauferkaisers Heinrich V. stiftet dem Zisterzienserorden umfangreiches Eigengut im Tal der Wondreb, einem nach Norden in die Eger fliessenden Gewässer. Die neugegründete Zisterze im Bistum Regensburg erhält die unbeschränkte Immunität, die noch im gleichen Jahrhundert von Kaiser und Papst bestätigt wird. Der Markgraf verfolgt mit der Stiftung nebst dem Seelenheil für sich und seine Familie auch territorialpolitische Ziele. Im weithin unerschlossenen Grenzgebiet zum Königreich Böhmen ist er an der planmässigen Rodungs- und Siedlungstätigkeit und damit am Landesausbau der angrenzenden Region Eger interessiert.
Der Gründungskonvent von Waldsassen kommt 1133 aus der thüringischen Zisterze Volkenroda. Waldsassen oder Silvarum Sedes ist damit eine frühe Gründung in der Filiation Cîteaux (1098) – Morimond (1115, Bistum Besançon) – Alt-Kamp (1122 Bistum Köln) – Volkenrode (auch Wolckenrode, Bistum Mainz). Schwestergründungen von Volkenrode sind Sichen (Mainz), Loccum (Minden), Walderbach (Regensburg) und Reifenstein (Mainz). Waldsassen selbst gründet mit Sedletz (1143) und 1194 Ossegg (1194) zwei wichtige nordböhmische Zisterzen.[4]
Auch für die Maulbronner Neugründung Bronnbach im Taubertal kommt der Gründungskonvent 1151 aus Waldsassen. Die adeligen Stifter Bronnbachs übergeben das Land an der unteren Tauber der Zisterze Maulbronn. Diese überlässt die Besiedlung dem ersten Abt Reinhard von Frauenberg und 12 weiteren Mönchen aus Waldsassen mit der Auflage, die Rechte Maulbronns zu wahren und Maulbronn als Mutterkloster anzuerkennen.

Stiftsland
So wird noch heute der Landstrich um Waldsassen genannt. Im Mittelalter ist es die Bezeichnung für das Herrschaftsgebiet der Zisterzienserabtei. Nachdem die nördlich angrenzende Region Eger 1167 an Kaiser Friedrich Barbarossa fällt, sind jetzt zwei staufische Reichsterritorien im alten bayrischen Nordgau vorhanden, nämlich das weltliche Reichsland Eger und das geistliche Stiftsland Waldsassen. Friedrich Barbarossa ist 1179 an der Einweihung der ersten Stiftskirche zugegen. Der Umfang des Stiftslandes erreicht schon im 13. Jahrhundert die Grösse des heutigen Landkreises Tirschenreuth. Die gezielte Besiedlung erfolgt, wie bei den Zisterziensern üblich, mit Grangien.[5] Ausserhalb des Stiftslandes gilt dies auch für den Rodungsbezirk um die Grangie Schönbach (heute Luby) im Norden des Egerlandes. Das sogenannte Schönbacher Ländchen mit inzwischen einem guten Dutzend entstandenen Dörfern wird aber 1348 verkauft. Schon 1322 ist das Egerland mit der nahen Stadt Eger (heute Cheb) an die böhmische Krone verpfändet worden. Für Waldsassen bedeutet diese erste Hälfte des 14. Jahrhunderts den Höhepunkt seiner mittelalterlichen Geschichte. Zwei an der Pariser Universität geschulte Äbte sorgen mit ihrer Konsolidierungspolitik für die unangefochtene Anerkennung des Stiftlandes als eigenständiges Herrschaftsgebiet. Tirschenreuth wird 1364 von Waldsassen in eigener Zuständigkeit und in der Machtvollkommenheit als Landesherr zur Stadt erhoben und bildet fortan den weltlichen Mittelpunkt des Stiftslandes.[6]

Erste Aufhebung 1571
Schon in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, gleichzeitig mit der Konsolidierung der Herrschaft, stürzt die Abtei in eine Schuldenkrise. Mehrere Äbte werden abgesetzt. Anfang des 15. Jahrhunderts bekämpfen sich ein abgesetzter und ein neugewählter Abt, indem sie sich einerseits mit den kurpfälzischen Grafen bei Rhein aus dem Hause Wittelsbach und andererseits mit den Burggrafen von Nürnberg verbünden und sich dann auf Stiftsgebiet militärische Auseinandersetzungen liefern. Das Generalkapitel des Ordens lässt einen neuen Abt wählen, was die Verhältnisse noch mehr verwirrt. Erst das Konzil von Konstanz kann 1415 die Lage bereinigen und setzt denjenigen Abt wieder ein, der die kurpfälzischen Wittelsbacher zu Hilfe gerufen hat. Die Wittelsbacher nutzen ihren neuen Einfluss. Hundert Jahre später nehmen sie den vereinbarten Schutz bereits als erbliches Recht in Anspruch. Nach dem Landshuter Erbfolgekrieg, in dem 1504 auch das Kloster verwüstet und niedergebrannt wird, verliert Waldsassen die Landeshoheit endgültig. Das Stiftsland wird in das kurpfälzische Territorium der Wittelsbacher, der «Oberen Pfalz» eingegliedert. Nach der Verhaftung des letzten freigewählten Abtes 1537 dürfen nur noch Administratoren gewählt werden. 1556 führen die neuen Herrscher das Stiftsland der lutherischen Reformation zu. Unter Kurfürst Friedrich III. kommt 1560 auch der Kalvinismus ins Land. 1571 wird das Stiftsland Waldsassen mediatisiert und der Besitz formell der Kurpfalz zugeführt, ohne dass er aber zerschlagen wird. Faktisch ist das Klosterleben zu diesem Zeitpunkt bereits erloschen, nachdem der Prior und einige Konventualen bereits als lutherische Pfarrer im Stiftsland wirken.

Rekatholisierung der Oberpfalz im Dreissigjährigen Krieg
1621 siegt Kurfürst Maximilian I. von Bayern in der Schlacht am Weissen Berg über den Kurfürsten und «Winterkönig» Friedrich V. von der Pfalz. Dieser verfällt in Reichsacht. Maximilian I. nutzt die Gunst der Stunde und besetzt im gleichen Jahr die Oberpfalz. 1628 überlässt ihm das Reichsoberhaupt das Land als Ersatz für 13 Millionen Gulden Kriegskosten und erteilt ihm gleichzeitig die Kurfürstenwürde. In einem Religionsmandat fordert Maximilian I. von allen Einwohnern eine bedingungslose Rückkehr zum katholischen Glauben. Die kurzfristige Folge ist die Verwüstung der Oberpfalz durch schwedische und auch kaiserliche Truppen mit Höhepunkten in den Kriegsjahren 1631 bis 1635. Waldsassen leidet unter den Kriegswirren. Noch im letzten Kriegsjahr 1648 zerstören die Schweden das Abteischloss des 15. Jahrhunderts und die Kanzlei. Im Westfälischen Frieden wird die Oberpfalz als Teil Bayerns bestätigt. Die Hälfte des führenden Adels wechselt trotz verlockenden Angeboten den Glauben nicht mehr und wandert aus. Die längerfristigen Folgen sind der Verlust von wirtschaftlicher Erfahrung und von Kapital. Besser gelingt die Rekatholisierung der Bevölkerung, die mehrheitlich den alten Glauben wieder annimmt. Mit ihm hält auch der lebensfreudige und volkstümliche Barock in der Oberpfalz Einzug.

Wiederherstellung von acht Oberpfälzer Klöster
Die im Zusammenhang mit der Rekatholisierung naheliegende Rückgabe der Klöster an ihre Orden wird durch den Kurfürsten Maximilian I. noch verhindert. Er führt die hohen Einnahmen der Klosterherrschaften während des Dreissigjährigen Krieges seiner Hofkammer zur Deckung der Kriegskosten zu, einen Drittel muss er den zuständigen Bischöfen überlassen. Maximilian I. stirbt 1651. Der Druck der Kurie und der Orden auf seinen Nachfolger Ferdinand Maria wird nun derart gross, dass dieser die Rückgabe an die Hand nimmt. Widerstand erwächst ihm jetzt nebst seiner eigenen Hofkammer vor allem seitens des Fürstbischofs von Regensburg. Beide wollen auf die Einnahmen nicht verzichten. Als der Regensburger 1661 stirbt, wird der Weg frei. 1669 erfolgt die Rückgabe von acht der alten Klosterherrschaften, darunter auch Waldsassen, an ihre Orden. Die alte Eigenständigkeit wird ihnen allerdings abgesprochen. Sie sind nun vorerst Priorate von bayrischen Abteien. Schon diese verlieren im säkular orientierten und absolutistischen Staatskirchentum Kurbayerns immer mehr Rechte. Den Oberpfälzer Klöstern, in den Augen des Landesherrn nun ihm untergeordnete Herzogsklöster, werden zudem alle politischen Rechte, insbesondere die Vertretung im Landtag, dauerhaft verwehrt.

Waldsassen als Priorat von Fürstenfeld
Mit einer hohen Entschädigung von 43 333 Gulden an das Regensburger Domkapitel kann 1669 Abt Martin Dallmayr[7] von Fürstenfeld das Kloster Waldsassen als Priorat übernehmen. Fürstenfeld zählt in diesem Jahr 32 Konventualen. Davon entsendet der Abt zusätzlich zu den drei schon seit 1661 anwesenden Patres unter der Leitung von Superior Nivard Christoph[8] weitere drei Patres nach Waldsassen. 1681 sind bereits 12 Konventualen der Abtei Fürstenfeld in Waldsassen. In diesem Jahr lässt Abt Martin den Klosterneubau beginnen und bereitet auch den Kirchenneubau vor, nicht zur Freude der Untertanen, welche die Bauten der neuen Mönche aus Kurbayern vor allem als Belastung sehen. Auch der Bau der Wallfahrtskirche Kappl fällt in diese Zeit, treibende Kraft ist wie beim Klosterneubau der Superior Pater Nivard Christoph.
21 Jahre steht der Abt von Fürstenfeld dem Kloster Waldsassen vor. 1690 ist die erste Amtshandlung seines Nachfolgers die Entlassung Waldsassens in die Unabhängigkeit, indem er mit dem Einverständnis des bayerischen Kurfürsten aus den Reihen der Fürstenfelder Patres einen Abt für Waldsassen wählen lässt. Der schon seit 1676 in Waldsassen als Pfarrer tätige Pater Albert Hausner[9] wird erster Abt nach der Wiederherstellung. Nach über 150 Jahren ist Waldsassen damit wieder Abtei.

Das 18. Jahrhundert
Abt Albert Hausner übernimmt eine trotz der laufenden Bauvorhaben geordnete Klosterwirtschaft. Bei jährlichen Einnahmen von durchschnittlich 18 000 Gulden sind trotz des jetzt vollendeten Konvent-Neubaus keine Schulden entstanden. 1704 kann Abt Albert auch die neue Stiftskirche einweihen. Erst mit ihrem Bau, vor allem durch ihre Ausstattung, entstehen ab 1698 Schulden. Diese einem erhöhten Repräsentationsbedürfnis des neuen Abtes anzulasten, ist falsch, denn mit der Wahl der besten Künstler handelt Abt Albert wie andere Klostervorsteher dieser Zeit.[10] Dass er damit langfristig die Finanzen Waldsassens nicht schädigt, zeigt ein Geschenk seines Nachfolgers von 80 000 Gulden an den Kurfürsten Max Emanuel, das ihm anlässlich seiner 1715 erfolgten Rückkehr aus der zehnjährigen Verbannung überreicht wird. Dieses unterwürfige Geschenk an den grossen bayrischen Schuldenmacher und Kriegstreiber ist auch ein Eingeständnis, dass der von Abt Albert 1706 begonnene Kampf um die Wiedererlangung der alten Reichsunmittelbarkeit keinen Sinn mehr hat.[11] Als dieser 1710 stirbt, ist die Abtei wieder auf 41 Konventualen angewachsen: 27 Patres, acht Fratres und sechs Laienbrüder.
Sein Nachfolger Anselm Schnaus[12] ist wegen der Fortsetzung der Bemühungen um Reichsunmittelbarkeit unter dauerndem Druck der kurpfälzischen Regierung, die 1710 auch alle Einkünfte sequestriert. Er beendet den Kampf nach der erneuten Übergabe der Oberpfalz an Kurbayern 1714. Als Bauabt tritt er nicht in Erscheinung.
Der dritte Abt Eugen Schmid regiert 1724–1744.[13] Er ist Förderer der Bibliothek und beginnt sofort nach seiner Wahl mit der Einrichtung des Bibliotheksaals, der 1725 vollendet ist. Noch zur Zeit seiner Regierung erreicht sie den Bestand von 12 000 Büchern. Die Fortsetzung des Kloster-Neubaus nach Westen mit einem zweiten Hof entsprechend dem Idealplan ist offensichtlich schon unter Abt Eugen Schmid kein Thema mehr. Die beiden 1690 noch begonnenen Flügel bleiben Stummeln mit wenigen Achsen.
Der vierte Abt Alexander Vogel regiert 1744–1756.[14] Seine Wahl findet in Gegenwart österreichischer Truppen statt.[15] Eine Verleumdungskampagne führt 1751 zu seiner kurzeitigen Absetzung. Abt Wigand Deltsch regiert als fünfter Abt 1756–1792.[16] Er kann trotz der zunehmend klosterfeindlichen Haltung der Kurfürsten und der daraus resultierenden finanziellen Belastungen viele Bauvorhaben im Stiftsland verwirklichen. Der sechste und letzte Abt ist Athanasius Hettenkofer.[17] Seine Regierungszeit ist vom Franzoseneinfall 1796 und von der Säkularisation geprägt.

Säkularisation 1803
1803 erfolgt die formelle zweite Aufhebung der Abtei Waldsassen durch das Kurfürstentum Bayern. Im Gegensatz zu vielen kurbayerischen Klöstern ist die Abtei schuldenfrei, weist ein Aktivvermögen von 200 000 Gulden aus und hat einen grossen Liegenschaftenbesitz. Die kurfürstliche Besitznahmekommission versteigert den beweglichen Besitz sofort, nur Kunstgegenstände und die wertvolleren Teile der Bibliothek werden nach Amberg oder München gebracht. Der Liegenschaftenbesitz wird verkauft oder verpachtet. Von der Aufhebung sind nebst Abt Athanasius 56 Patres und fünf Laienbrüder direkt betroffen. Viele finden eine Pfarrstelle. Der Abt stirbt schon 1803 im Kloster, wo 23 Konventualen noch bis 1805 nach der Ordensregel leben. Noch 1816 halten sich einige Exkonventualen im Kloster auf. Der letzte Exkonventuale stirbt 1852 als Pfarrer von Waldsassen. Gravierende Auswirkungen hat die Aufhebung auch für die Bevölkerung. Der plötzliche Verlust des Klosters als Arbeitgeber stürzt die Region in eine tiefe wirtschaftliche Krise, die auch für die grosse Auswanderungswelle von 1830–1850 verantwortlich gemacht wird. 

Gebäudeschicksale nach der Aufhebung
Die Stiftskirche wird zur Pfarrkirche mit staatlicher Baupflicht und ist damit vor dem Abbruch gerettet. Mit Ausnahme des 1806 als Alteisen verkauften barocken Chorgitters und der Chororgel wird nichts entfernt. Dafür trifft das Schicksal des Abbruches 1804 die bisherige Pfarrkirche St. Walburga, einen gotischen Bau des 14. Jahrhunderts. Die Konventbauten stehen teilweise lange leer. Nur der Konvent-Ostflügel wird ab 1812 als Knabenschule und für Lehrerwohnungen genutzt. Schon 1804 kauft ein Apotheker den südwestlichen, mit drei Achsen vorstossenden Eckflügel. Für die dreigeschossigen Süd und -Westflügel mit der Bibliothek studieren die Behörden die Nutzung als «Badeanstalt», also als Kurhotel, schwenken dann aber zum Verkauf als Fabrik über. 1828 können sie die Flügel an einen sächsischen Kattunfabrikanten verkaufen. Den Bibliotheksraum nutzt der Unternehmer als Andachtsraum für seine protestantischen Angestellten. Der zweigeschossige Gäste- und Verbindungsflügel, der nördlich an die Kirche anschliesst und zur Abtei an der Stelle des Abteischlosses führt, wird neuer Pfarrhof, das ehemalige Abteischloss dient jetzt als Amtslokal und Wohnung des Landrichters.

Neubelebung durch Zisterzienserinnen 1864
Als 1863 die Kattunfabrik ihren Betrieb einstellt, kauft die Landshuter Zisterzienserinnenabtei Seligenthal die beiden freiwerdenden Flügel, 1874 auch den Ostflügel. Die Frauenabtei Seligenthal wird zwar 1803 ebenfalls säkularisiert, kann aber schon 1835 dank König Ludwig I. wieder eröffnet werden. Die Schwestern von Seligenthal betreiben Waldsassen bis 1925 als Priorat, dann wird das Kloster wieder Abtei. Die Zisterzienserinnen richten in den alten Konventgebäuden Töchterschulen, Lehrerinnen-Bildungsanstalten und auch ein Internat ein. 1893 zählt der Konvent 93 Schwestern. 2002 sind es noch zehn.


Eingriffe und Restaurierungen der Moderne

Konventgebäude
Mehrfache Neunutzungen und innere Umbauten der barocken Konventflügel nach der Säkularisation führen zu den üblichen Verlusten. Nur wenige Klosterräume verbleiben im Originalzustand. Dazu zählt die Bibliothek, die heute wieder öffentlich zugänglich ist.
Ein grösserer Eingriff, nicht dokumentiert und um 1900 ausgeführt, ist die Verlängerung des 1690 unvollendet belassenen Nordflügels. Der bis dahin mit einem Giebel abgeschlossene fünfachsige Stumpf wird auf sieben Achsen verlängert und mit einem Walmdachabschluss versehen. Die neue Fassadengestaltung setzt die spätmanieristischen Kolossalpilaster der an die Kirche anschliessenden Nordseite fort.[18]
Eine Gesamtsanierung der Konventflügel mit Restaurierungen der noch vorhandenen Originalsubstanz wird 2002 abgeschlossen. 2011 kann eine Fassadensanierung vollendet werden. Darin ist auch der Innenhof mit der 1923/24 hier an den Westflügel angebauten neuen Klosterkirche eingeschlossen.

Ehemalige Stiftskirche
Die ehemalige Stiftskirche, seit 1803 Pfarrkirche, erhält 1969 den päpstlichen Titel einer Basilica Minor. Sie wird seither «Stiftsbasilika» genannt.[19] Nicht nur ihr Name, auch ihr Erscheinungsbild hat in den vergangenen 150 Jahren mehrfach gewechselt. Bis 1870 bleibt die Kirche unbehelligt. In diesem Jahr beginnt in einer für Barockkirchen ungünstigen Zeit eine erste umfassende Sanierung unter Federführung der königlichen Baubehörden in Amberg und Tirschenreuth. Trotz des noch fehlenden Verständnisses für barocke Farbfassungen schont sie den Innenraum vor Neuinterpretationen und wechselt lediglich zu intensiveren Farben. Die erste umfassende Innenrenovation von 1954 bis 1957 beschert einen weissen Innenraum. Die letzte Restaurierung kann dank genügend Originalbefunden diese zwei Eingriffe 2013–2017 rückgängig machen. Der Innenraum präsentiert sich heute im weitgehend ursprünglichen Zustand. Das gleiche gilt für die Fassaden nur bedingt. Renovationen 1869/70, 1949, 1984/87, fast immer mit neuen Verputzen und neuen Farbanstrichen lassen vermuten, dass die heutigen Farbtöne nicht dem Farbkleid von 1704 entsprechen.[20]

Neues liturgisches Zentrum und neue Orgeln in der ehemaligen Stiftskirche
Zusammen mit der letzten Innenrestaurierung wird bis 2017 auch ein neues liturgisches Zentrum geschaffen. Es ist ein Werk des Bildhauers Herbert Lankl (* 1962 in Tirschenreuth) und überspannt dreistufig den Absatz zwischen Querhaus und Chor. Die Altarinsel, der Altar und der Ambo in hellem Kalkstein fügen sich ausgezeichnet in die barocke Umgebung ein.
Schon 1989 wird von Orgelbauer Thomas Jann (1934–2019) die Hauptorgel (III/P/60) im Prospekt von 1737 neu gebaut. Die Orgelbaufirm Jann erstellt auch beide Chororgeln (III/P/41) und ihre Prospekte neu, womit in der Kirche heute 101 Register klingen.

Der Kloster- und Kirchenneubau im 17. Jahrhundert

Die Gebäudelandschaft vor den Neubauten

Waldsassen1670Mittel
1670 fertigt der Schreiner Ferdinand Jacob Stilp eine aquarellierte Ansicht des Klosterorts Waldsassen an. Der Ort wird in grosser Genauigkeit als Vogelschau aus Osten dargestellt. Stilp betitelt das Original mit «Geometrischer Abriss des Kloster- und neuerbauten Orts Waldsassen». Diese aquarellierte Federzeichnung liegt im Staatsarchiv Amberg (Plansammlung 3295) und steht leider im Netz nicht zur Verfügung. Die vorliegende Umzeichnung aus dem 19. Jahrhundert erreicht zwar die Aussagekraft des Originals nicht, folgt aber in den Umrissen der Ansicht Stilp recht genau. Quelle: Mader 1908.

Klostersiedlung innerhalb von Ringmauern
Erstmals wird die Gebäudelandschaft der Abtei Waldsassen 1621 in einem skizzenartigen Plan festgehalten.[21] Er ist eher eine Bestandesaufnahme aller Gebäude des Klosterortes als eine präzise Landvermesserarbeit. Die erste genaue Darstellung folgt 1670 als Vogelschau-Plan aus Osten. Der Zeichner Ferdinand Jacob Stilp fertigt dazu auch eine Legende.[22] Mit diesen beiden Plandarstellungen kann Waldsassen zur Zeit der Rekatholisierung rekonstruiert werden. Im Wesentlichen liegen alle Gebäude innerhalb der äusseren, Mitte des 15. Jahrhunderts erstellten Ringmauer. Erst auf der Ansicht 1670 ist ausserhalb der Ringmauer westlich eine Häuserzeile zu sehen, die Stilp als Vorstadt [3] beschreibt. Die heutigen Karolinenstrasse und Egerer Strasse bilden ihren Verlauf ab. Gegenüber der Karolinenstrasse 6 und 8 ist noch ein Rest der Ringmauer erhalten. Der Verlauf der nördlichen Mauer ist noch heute fast vollständig als Abschluss des Stadtparks Schwanenwiese sichtbar. Im westlichen Ringmauerabschluss liegen auch die beiden Torbauten, wobei das Vordere Tor [5] den direkten Zugang zum befestigten eigentlichen Klosterbezirk bildet. Neben dem Vorderen Tor ist die seit 1804 abgebrochene Pfarrkirche St. Walburga zu sehen, 1621 noch als bescheidene Kapelle dargestellt, 1670 aber als gotische Kirche gezeichnet. Der Klosterzugang, er entspricht dem heutigen Johannisplatz, führt durch das Tor der Kanzlei [10] zum Vorplatz des Klosters [15] und der Kirche [13]. Nördlich des Vorplatzes liegt ein befestigtes Wasserschloss [11]. Es wird nach mehreren Klosterplünderungen durch Hussiten um 1450 als Wohnsitz des Abtes gebaut. Dieses Schloss bleibt der einzige mittelalterliche Bau, der in die Klosterneubauten 1681–1714 einbezogen wird. Stilp zeigt 1670 das Wasserschloss als Brandruine aus den Verwüstungen des Dreissigjährigen Krieges. Die Ruine wird 1676 unter Benutzung der alten Mauern als einfacher, dreigeschossiger Bau mit Giebeldach wiederaufgebaut und beim Neubau des Gästeflügels (heute Basilikaplatz 6) nördlich der Kirche mit diesem verbunden. Auf beiden Plänen, 1621 und 1670, ist südwestlich des Klosters auch die rastergeometrisch angelegte Manufaktursiedlung der Brüder Geisel  erkennbar, welche die calvinistischen Glaubensflüchtlinge 1613 bis zu ihrer Vertreibung nach 1628 aufbauen.

Stiftskirche und Konventflügel vor 1681
Die 1690 abgebrochen Stiftskirche und auch die nach 1681–1704 ersetzten mittelalterlichen Konventgebäude sind nur im Vogelschauplan Stilp korrekt gezeichnet. Die alte Stiftskirche ist demnach als dreischiffige basilikale Anlage mit fünf gestaffelten Apsiden gebaut.[23] Der Dachreiter wird im 15. Jahrhundert durch einen Vierungsturm ersetzt. Nördlich ist eine Friedhofskapelle angebaut, im Grundriss 1621 auf die ganze Länge, im Plan Stilp 1670 vermutlich richtig als Kapelle im östlichen Chorbereich dargestellt. Die Konventanlage südlich der Kirche ist entsprechend der Zisterziensergepflogenheit um einen Kreuzgang angeordnet. Wie üblich liegt im Osten das Dormitorium und der Kapitelsaal. Die Küche und das Refektorium liegen aber nicht als Stichflügel in der südlichen Kreuzgangmitte, sondern als Neubau des späten 15. Jahrhunderts im Westflügel. Diesem ist westlich ein zweiter Hof vorgelagert, sein Südflügel und der westliche Abschluss sind vielleicht ein Konversenbau. Im Plan von 1621 ist auch das an den Ostflügel anschliessende Krankenhaus mit der Krankenkapelle dargestellt, die schon 1670 nicht mehr existiert.

WaldsassenErtl1690  


Der Stich von Anton Wilhelm Ertl aus dem «Chur-Bayrischen Atlantis Zweyter Theil» zeigt die Klosterlandschaft um 1680 aus Norden, noch vor dem Beginn der Neubauten. Die beiden Türme, links der Vierungsturm der Stiftskirche und rechts der Turm der Kanzlei, sind mit welschen Hauben gedeckt.

Bildquelle:
Anton Wilhelm Ertl: Des Chur-Bayrischen Atlantis Zweyter Theil. Nürnberg 1690.
Seite 253.

Verlorene mittelalterliche Wasserwirtschaft
Die Zisterzienser des Mittelalters sind Mönche des Wassers. Noch Ertl schreibt 1690 über Waldsassen «so solle dieses prächtige Cistertzienser-Closter so viel Fisch-Weiher haben / als Tag im gantzen Jahr seynd». Die Fischweiher der näheren Umgebung sind heute bis auf den Kuglerweiher beim Mitterhof verschwunden. Die drei Weiher im Gebiet Schwanenteich nördlich der Abtei, die 1621 noch eingetragen sind, sind schon 1670 verlandet. Die beiden heutigen Teiche in diesem Gebiet werden erst 1983 angelegt. Wie andere Zisterzienserklöster dürfte auch im mittelalterlichen Waldsassen ein ausgeklügeltes System der Wasserbewirtschaftung innerhalb des Klosterareals geherrscht haben.[24] Offensichtlich ist es nach der Unterhalts-Vernachlässigung des 16. Jahrhunderts nicht mehr im Gebrauch, denn schon 1621 ist nur noch der Mühlbach eingetragen. Die Zisterzienser des Mittelalters leiten dieses kanalisierte Gewässer beim Altenhammer von der Wondreb ab und führen es über dreieinhalb Kilometer zur Klostermühle. In der Mühlbachgasse ist es im 19. Jahrhundert als offenes Gewässer sichtbar. Der Mühlbach dürfte im Mittelalter auch das Klosterareal versorgt haben und nicht, wie schon 1621 dargestellt, bei der Mühle rechtwinklig wieder der Wondreb zugeführt werden.

 

Die barocken Neubauten

Baugeschichte I: Bau der Konventflügel 1681–1690
Der Abt von Fürstenfeld, Martin Dallmayr, beschliesst nach dem 1675–1676 erfolgten Wiederaufbau des Abteischlosses auch die über 100 Jahre nicht mehr unterhaltenen Konventbauten und die mittelalterliche, 1565 «von abgöttischen Bildern und Gemälden» gereinigte Stiftskirche in Waldsassen neu zu bauen. Superior Pater Nivard Christoph übernimmt die Leitung und lässt ab 1681 die alten Bauten etappenweise abbrechen, um an ihrer Lage den geplanten Klosterneubau zu beginnen. Die Ausführung erfolgt gemäss der Planung des Prager Baumeisters Abraham Leuthner.[25] Anlässlich der Grundsteinlegung vom 25. April 1681 wird der Wessobrunner Maurermeister und Stuckateur Caspar Feichtmayr als ausführender Baumeister genannt.[26] Sein Palier ist Benedikt Schaidhauf.[27] Offenbar werden in diesem Jahr nur die Fundamente des Ostflügels gegraben. Feichtmayr verliert schon 1681 den Ausführungsauftrag, der jetzt an Abraham Leuthner übertragen wird. Bei Leuthner in Prag arbeiten Georg Dientzenhofer und seine Brüder Christoph, Leonhard und Johann.[28] Georg ist seit 1678 mit Leuthner verschwägert, der ihm die Baustelle Waldsassen 1682 überträgt. Im Trupp von Georg Dientzenhofer in Waldsassen finden sich jetzt auch einige seiner jüngeren Brüder, (Johann) Leonhard und Johann bereits 1682. Auch der spätere Baumeister Bernhard Schiesser ist als Palier im Werktrupp Dientzenhofer tätig.[29] In diesem ersten Jahr der Arbeiten in Waldsassen heiratet Georg Dientzenhofer die Tochter eines Waldsasser Metzgermeisters. Parallel zu den Arbeiten in Waldsassen leitet Georg Dientzenhofer als Planer und Baumeister den Bau der Wallfahrtskirche Kappl bei Waldsassen und führt das architektonisch hochinteressante Bauwerk ab 1685 aus. 1689 stirbt er erst 46-jährig. In diesem Jahr sind vier Flügel des Klosterneubaus in Waldsassen vollendet. Die weiteren drei Flügel um einen zweiten Hof gemäss dem Idealplan sind erst als drei- respektive fünfachsige Fortsetzungen gebaut. Vielleicht für den geplanten Weiterbau nach dem Kirchenneubau begonnen, wird dieses Projekt später nicht verwirklicht. 1688 ist der Innenausbau der für den Konvent notwendigen Räume im Gang. In diesem Jahr stuckiert Bernardo Quadri[30] den vierflügeligen Kreuzgang. Nur der Ausbau der Sakristei und der Bibliothek wird zurückgestellt.

Baugeschichte II: Kirchenneubau 1690–1700

WaldsassenGrRiss
  Grundriss, Längsschnitt und Querschnitt (Langhaus). Pläne aus «Die Kunstdenkmäler der Oberpfalz & Regensburg, Heft XIV, Bezirksamt Tirschenreut, bearbeitet von Felix Mader», München 1908.
Die roten Nummern im Grundriss bezeichnen die Altäre.
Legende:
1   Hochaltar 1696
2   Marienaltar 1701
3   Bernhardusaltar 1701
4   Apostelaltar 1755
5   Benediktsaltar 1755
6   Johannesaltar 1725
7   Michaelsaltar 1725
8   Katharinenaltar 1725
9   Magdalenenaltar 1725

     
WaldsassenSchnitte


Schon 1685 erfolgt die Grundsteinlegung der neuen Stiftskirche. Planer ist jetzt Georg Dientzenhofer, der inzwischen mehrere Kirchen und Klosterneubauten in der Oberpfalz und in Bamberg übernommen hat.[31] Sein Kirchenprojekt für Waldsassen ist 1688 Grundlage für die erhaltenen Ausstattungsentwürfe des Jesuitenbruders Johannes Hörmann. Diese zeigen, dass Georg Dientzenhofer die Kirche ursprünglich ähnlich seiner Jesuitenkirche von Bamberg als Wandpfeilerhalle plant. Nach seinem Tod 1689 übernimmt der in Prag wohnhafte Bruder Christoph den Auftrag in Waldsassen. Er ist jetzt selbständiger Baumeister. Noch immer steht auch Abraham Leuthner im Vertragsverhältnis.[32] 1689 wird mit dem fortlaufenden Abbruch der mittelalterlichen Stiftskirche von Ost nach West und mit dem parallel laufenden Fundamentaushub für die neue Kirche begonnen. Mit dem Amtsantritt des ersten Abtes von Waldsassen, Albert Hausner, verändert sich 1690 die Planungs- und Ausführungsverantwortung entscheidend. Der verdienstvolle Pater Nivard Christoph tritt zugunsten des neuen Abtes von der Leitung zurück und begibt sich wieder nach Fürstenfeld. Die beiden Baumeister Christoph Dientzenhofer und Abraham Leuthner quittieren im Frühjahr 1690 den Dienst.[33] Ihre Stelle nimmt 1691 der langjährige Palier Bernhard Schiesser ein, der seit 1690 mit der Witwe von Georg Dientzenhofer verheiratet ist, was darauf hindeutet, dass der Rückzug Dientzenhofers und Leuthners im gegenseitigen Einvernehmen erfolgt. Um diese Zeit ist der Rohbau des Chores bereits weit fortgeschritten. Chor und Querschiff werden deswegen entsprechend der Planung Georg Dientzenhofers gebaut. Im Langhaus findet aber eine Änderung statt. Anstelle der Wandpfeilerhalle, dem eigentlichen Erbgut der Dientzenhofer, wird das Langhaus als Wandpfeilerbasilika gebaut.[34] Ob dieser wesentliche Eingriff tatsächlich noch von Christoph Dientzenhofer getragen wird, ist fraglich. Alle seine späteren Bauten sind Wandpfeilerhallen. Vielleicht entscheidet der Abt. Als Planer könnte auch Bernhard Schiesser in Frage kommen. Mit Sicherheit ist er Schöpfer der Doppelturmfassade. Man darf ihn deshalb als den eigentlichen Baumeister der Stiftskirche von Waldsassen bezeichnen. Vielleicht schon 1691 kann das Dach über dem Chor aufgerichtet werden.[35] Das Chorgewölbe dürfte spätestens 1694 fertig gemauert sein, denn in diesem Jahr finden erste Verhandlungen mit einem Stuckateur statt.[36] Das Langhaus wird 1693/94 gedeckt, 1695 sind Langhaus-Gewölbe gemauert. Im letzten Augenblick werden sie von Stichkappentonnen wie im Chor zu Hängekuppeln geändert. Als letztes Gewölbe erstellt Baumeister Schiesser 1696 die Vierungskuppel. Im folgenden Jahr baut er die Turmfassade. 1700 sind die Türme gedeckt. Auch der zweigeschossige Gäste- und Verbindungsflügel zum Abteischloss ist inzwischen erstellt. Für die Rohbauarbeiten seit 1690 betragen die Ausgaben, ohne Verpflegungs-, Material- und Fuhrleistungen, 30 000 Gulden.[37]
Seit 1695 arbeiten auch die Stuckateure in Chor und Langhaus. Abt Albert schliesst am 24. Januar 1695 mit Giovanni Battista Carlone einen Akkord über 6500 Gulden, der die Stuckaturen und die umfangreiche Figuralplastik im Kirchenraum umfasst. Er soll die Arbeiten innert dreier Jahre ausführen.[38] Carlone arbeitet hier wieder mit seinem ebenso begabten jüngeren Neffen Paolo d'Allio und neu auch mit seinem Sohn Diego Francesco.[39] 1696 schliesst Giovanni Battista Carlone einen Zusatzakkord für die Herstellung des Hochaltars und einen dritten Akkord für die Sakristeien. 1698 beendet er seine Arbeiten in Waldsassen.
Gleichzeitig mit Carlone arbeitet Johann Jakob Stevens von Steinfels aus Prag an den Decken- und Wandfresken.[40] Er schliesst am 6. April 1695 einen ersten Akkord über 700 Gulden für fünf Deckenfresken und sechs Stichkappenbilder im Chorgewölbe. Ein zweiter Akkord über 160 Gulden bezieht sich auf 14 Medaillons, jeweils über den Doppelpilastern im Chor und den Vierungspfeilern im Querhaus gemalt. 1696 übernimmt er für 1500 Gulden auch die Ausmalung des Langhauses mit drei grossen ovalen Gewölbefresken, dem grossen Kuppelfresko und den dazugehörenden 16 Zwickelfresken. Zu diesem Akkord gehören auch Fresken der Seitenkapellen und weitere 8 Medaillons. Ein letzter Akkord von 300 Gulden folgt 1698 für sechs Leinwandbilder in den Gewölben der Seitenschiffemporen und für das Fresko unter der Orgelempore.
Nebst Stevens von Steinfels ist schon 1695 auch Jean-Claude Monnot[41] als Maler tätig. Dieser malt im Chorgewölbe vier Evangelistenbilder und das Wandbild hinter dem Hochaltar. Gleichzeitig gibt ihm der Abt das Hochaltarblatt in Auftrag. 1701 liefert Monnet auch die Aufsatzbilder für das Chorgestühl.

Baugeschichte III: Kirchenausstattung

Ausstattungen bis 1704

In sehr kurzer Zeit wird die Ausstattung der Stiftskirche, wie sie im Wesentlichen noch heute besteht, durch Abt Albert Hausner vorangetrieben. Sie erfordert nochmals Finanzmittel in ähnlicher Höhe wie der Rohbau. Nach den 1698 beendeten Arbeiten der Stuckateure und Maler am jetzt gerüstfreien Innenraum beginnen Schreiner und Bildhauer mit der Aufstellung des schon 1696 bestellten Chorgestühls, anschliessend auch der Orgel mit dem Werk von Joseph Christoph Egedacher aus Salzburg.[42] Orgelprospekt und Chorgestühl sind Werke des Bildhauers Martin Hirsch aus Waldsassen.[43] Der begnadete Holzbildhauer ist 1700–1701 auch Altarbauer, erstellt die Kommunikanten-Balustraden bei drei Altären, schnitzt die Wangen des Kirchengestühls und die Figuralplastik des Bernhard-Altars im südlichen Querschiff. Ein weiterer Bildhauer, Karl Stilp aus Eger,[44] fertigt die Figuralplastik des Marien-Altars im nördlichen Querschiff und, schon 1699, den marmornen Hochaltar-Tabernakel. Die beiden Querhausaltäre sind in Anlehnung an den Hochaltar in Holz ausgeführt. Sie sind, wie auch die Beichtstühle, Arbeiten einheimischer Schreiner.
Noch vor der Einweihung 1704 fertigt der Laienbruder Friedrich Hexemann das vergoldete Abschlussgitter zum Chor und das rückwärtige Gitter unter der Empore.[45]
Damit macht die Kirche 1704 einen fertigen Eindruck, obwohl die Altarblätter der Querhausaltäre, die Kanzel und alle Seitenschiffaltäre noch fehlen.

Ausstattungen nach 1704

1708 liefert der Maler Andreas Maisthuber aus Braunau Hauptgemälde und Auszugsbild des Bernhard-Altars.[46] Bekannter ist der Maler der beiden Gemälde des Marienaltars. 1708 fertigt diese Johann Andreas Wolff aus München.[47] Nun lahmen die Ausstattungsanstrengungen. Unter Abt Albert Schnaus wird 1715 die versilberte Kanzel gebaut. Sie ist, wie auch die versilberten Antipendien, ein Werk von Johann Georg Göhringer aus Eger.[48] Die Blätter der ersten zwei Altäre der sechs Seitenschiff-Kapellen, der Apostel- und der Benedikt-Altar im dritten Joch, werden von Abt Albert zwar 1717 bestellt, die Altäre dann aber erst 1751 ausgeführt, ohne diese Blätter einzubauen. Er bestellt 1718 auch die erste Chororgel.[49] Erst unter Abt Eugen Schmid werden die restlichen Seitenschiffaltäre bestellt. Die Altäre des Mitteljochs, der Johannes- und der Michael-Altar, sowie der Katharina- und der Magdalena-Altar des ersten Joches sind Stuckmarmorarbeiten des 1724 auch in der Bibliothek tätigen Stuckateurs Jacopo Appiani aus Porto Ceresio.[50] Die Altarblätter von 1727 sind Frühwerke von Joseph Ignaz Appiani, des 21-jährigen Neffen von Jacopo Appiani.[51] Eine grössere Veränderung im Eingangsjoch entsteht 1735-1737: Abt Eugen lässt unter die Orgelempore durch den Laienbruder Philipp Jakob Muttone[52] ein verglastes Oratorium für die Gäste bauen. Die Stuckaturen erstellt Paolo Marazzi.[53] Gleichzeitig lässt er das Egedacher-Orgelwerk von 1698 durch den Orgelbauer Johann Konrad Brandenstein auf 37 Register erweitern.[54] Brandenstein gestaltet auch den Prospekt neu. Der gleiche Orgelbauer liefert 1748 auch zwei gegenüberliegende Chororgeln. Nach diesem Datum finden im 18. Jahrhundert in der Kirche keine Änderungen mehr statt, sieht man von der Einfügung der acht «Heiligen Leiber» in die Querhaus- und Seitenschiffaltäre ab. Diese erworbenen Katakombenheiligen lasst Abt Wigand Deltsch 1766 kostbar eingekleidet aufstellen.

Baugeschichte IV: Bibliothek 1724–1725

Die Bibliothek nimmt die beiden Obergeschosse im Konvent-Westflügel ein. Sie wird bis 1688 durch Georg Dienztenhofer nach der Planung von Abraham Leuthner gebaut. Die Ausstattungsentwürfe von Br. Johannes Hörmann SJ werden anschliessend nicht umgesetzt. Erst Abt Eugen Schmid, der im Februar 1724 gewählt wird, nimmt die Ausstattung sofort nach seiner Wahl zügig zur Hand. Denn schon im gleichen Jahr sind Stuck und Fresken im Bibliotheksraum vollendet. Das farbig gefasste Stuckkleid der Régence ist ein Werk von Jacopo Appiani, der anschliessend auch in der Kirche arbeitet (siehe oben). Paolo Marazzi ist Mitarbeiter. Zusätzlich wird ein Francesco Chiusa als Gehilfe erwähnt.[55] Die Deckengemälde malt im gleichen Jahr ein Karl Hofreiter oder Hofreuther.[56] Prunkstück der Bibliothek sind die Bildhauerarbeiten von Karl Stilp aus Eger, der 1699 in der Kirche erstmals für Waldsassen tätig ist.[57] Er baut die zweigeschossigen Regale zusammen mit einem Schreiner aus Waldsassen um 1725. Sie leben ausschliesslich von den Schnitzarbeiten Stilps, vor allem von seinen zehn die Galerie tragenden, humorvoll gestalteten Atlanten. Alte Fotografien zeigen noch einen schönen Bretterboden der Barockzeit, der heute durch ein Tafelparkett ersetzt ist.[58] Schon im 19. Jahrhundert dürfte auch der nördliche Vorraum zur Bibliothek ausgeräumt worden sein. Im heute kahlen Raum ist die freie Eingangstreppe und das Portal der letzte Rest der im 18. Jahrhundert von Gästen bewunderten Einrichtung des Vorraums.

Beschrieb der Stiftskirche

Baugestalt

Die Architektur der schon in den 1680er-Jahren entworfenen, aber 1690 im Langhaus nochmals umgeplanten Stiftskirche ist das Ergebnis einer fliessenden Planung mit wechselnden Beteiligten, wie sie in der Baugeschichte II erläutert ist. «Die langgestreckte Kirche mit Querhaus, Vierung und ungewöhnlich langen Mönchschor wirkt im Langhaus wie eine Emporenbasilika mittelalterlichen Zuschnitts, doch sind die Seitenschiffe in einzelne Abseitenkapellen unterteilt. Diese stehen in origineller Weise über eine ovale Scheitelöffnung mit dem jeweiligen Emporenraum in Verbindung» beschreibt Bernhard Schütz die Architektur.[59]
Das derart beschriebene Langhaus entspricht der Umplanung von 1690. Chor und Querhaus sind bis dahin entsprechend der Planung von Georg Dientzenhofer ausgeführt. Nach seinem Tod wird die geplante, architektonisch fortschrittlichere Wandpfeilerhalle des Langhauses in eine Basilika umgewandelt, wahrscheinlich noch durch seinen Bruder Christoph. Vorbild könnte die Jesuitenkirche St. Ignatius in Prag sein.[60] Wie dort besteht der Aufbau des Langhauses aus einer zweistöckigen Arkadenwand und einer vorgelegten Ordnung mit Doppelpilastern. Und gleich wie bei St. Ignatius enden die Pilaster auf der Höhe der Emporenbrüstung, das Emporengeschoss bildet den Fries und erst über den Emporenbögen endet das Gebälk mit dem Gesims. Völlig anders als beim Prager Vorbild sind die Wölbungen der drei Joche des Langhauses von Waldsassen ausgebildet. Sie sind keine einfachen Stichkappentonnen wie im Chor, sondern wie im Passauer Dom (1674) eine Addition von Hängekuppeln, die auf breiten Gurtbögen lagern.[61] Die nachträgliche Betonung des inneren Kuppelovals durch einen ausgeprägten Stuckrahmen, der die Fresken fasst, weckt die Illusion einer Pendentifkuppel. Diese Gewölbeähnlichkeit mit dem Passauer Dom ist nicht zufällig, denn die Langhausgewölbe werden vermutlich erst 1695 gemauert, zum Zeitpunkt des Beizugs von Giovanni Battista Carlone.[62] Wahrscheinlich ist Carlone auch Urheber der gleichzeitig gemauerten Hängekuppeln mit den querovalen Durchbrüchen der Seitenschiffemporen. Das Vorbild für diese Gestaltung kann nicht die Salzburger Kollegienkirche sein, denn diese wird erst 1696 begonnen.[63] Die Durchbrüche sollen die Gemälde im Emporengeschoss sichtbar machen. Eine bessere Belichtung der Altarräume in den Seitenschiffkapellen ist damit nur an der Nordseite möglich. Südlich verhindert der basilikale Querschnitt diese Möglichkeit.

Doppelturmfassade
Schöpfer der Doppelturmfassade ist der Baumeister Bernhard Schiesser. Ihr Mittelrisalit tritt gegenüber den dreigeschossigen Türmen vor. Er ist zweigeschossig mit drei Achsen. Ausgeprägte Gesimsbänder teilen die Fassade horizontal. Über das untere Risalit-Geschoss dorischer Ordnung spannt Schiesser einen Segmentgiebel, das obere Geschoss jonischer Ordnung ist mit einem Dreiecksgiebel abgeschlossen. «Die Freistockwerke der Türme sind nur niedere Aufsätze. Würden diese fehlen, wäre der Rest immer noch eine vollwertige Fassade, ähnlich römischer Risalitfassaden wie S. Gregorio Magno…» schreibt Bernhard Schütz (2000) und fügt an, dass sie so miteinander verschränkt sind, dass das eine nicht ohne das andere bestehen kann. Schiesser hat mit dieser Fassade römische, böhmische und österreichische Vorbilder in mustergültiger Weise zusammengefasst. Das Vorbild kann nicht der Salzburger Dom sein.[64] Schiesser plant die Fassade ab 1692 im Auftrag des Abtes Albert Hausner, der anstelle des schon begonnenen Turms im Winkel zwischen nördlichem Querhaus und Chor nun eine repräsentative Doppelturmfassade wünscht. Diese sind bei den Zisterziensern auch zur Barockzeit eher selten, obwohl das mittelalterliche Turmverbot längst nicht mehr beachtet werden muss. In Gebieten der Gegenreformation wollen die Äbte aber nicht bescheiden auftreten und die Macht der katholischen Kirche nach aussen zeigen. Seine Doppelturmfassade von Waldsassen zählt zu den frühesten der wenigen Zisterzienserbauwerke dieser Art.[65]

Der Carlone-Innenraum
Der Innenraum von Waldsassen ist ein Werk des Stuckateurs Giovanni Battista Carlone. Er ist kein Dekorateur, sondern Bildhauer-Architekt. Sein Stuck betont die Tektonik, formt den Raum und bildet mit seiner Figuralplastik eine integrierte, nicht wegzudenkende Raumgestaltung. Was Cornelius Gurlitt 1889 für den Dom von Passau festhält, gilt auch für den Carlone-Stuck in Waldsassen: «für sich betrachtet dekorative Meisterwerke; das Ganze erhält aber durch sie ein der ungeschmückten Architektur sonst fremdes, flüssiges Leben, den heiteren Eindruck eines in allen Theilen gliederfrohen und dadurch selbst in Handlung umgesetzten Kunstwerkes». Zu diesem Eindruck gesellt sich das Wissen des Beitrages von Carlone zur Änderung der auch im Langhaus geplanten Stichkappen-Tonnengewölbe in eine Addition von Hängekuppeln. Ein anderes Zeugnis stammt von Felix Mader 1908: «Der Italiener verstand es, Klarheit und Übersicht mit rauschender Formenfülle zu verbinden». Carlone verflicht eine grosse Anzahl Figuren mit dem reichen Stuckaturprogramm. Diese führt er selbst aus. Es sind nebst zahlreichen Putten vier überlebensgrosse Kirchenväter in der Vierung, zwölf auf dem Gesims stehende Propheten, zwei sitzende Frauengestalten auf jeder Arkade und viele weiter Figuren, wie die sechzehn stehenden Engel auf dem Chorgesims. Der mit Girlanden, Blattstäben und Kartuschen rahmende und füllende Stuck ist ein Werk des wichtigsten Mitarbeiters Paolo d’Allio und der Gehilfen. Der «Stuckbarock», wie die Priorität des italienischen hochbarocken Stucks gegenüber den Fresken auch genannt wird, erlebt in Waldsassen nochmals einen Höhepunkt.

Die Fresken
Die Gewölbefresken, alle von Johann Jakob Stevens von Steinfels aus Prag gemalt, sind von unterschiedlicher Qualität. In den fünf rechteckigen Chorfresken stellt der Maler die Klostergeschichte dar. Er malt sie 1695 in veralteter Form als «quadri riportati», vielleicht um dem Bildinhalt mehr Gewicht zu geben. In die ovalen Langhausbilder malt er 1696 die Geheimnisse des Rosenkranzes. Er nimmt hier die Kompositionsprinzipien des Freskanten Carpoforo Tencalla in Passau zum Vorbild. Die Fresken des Langhauses in Waldsassen zählen zu den besten Leistungen des Malers aus Prag. Sein Hauptwerk ist das anschliessend gemalte grosse Kuppelfresko der Vierung. Wie der «Allerheiligenhimmel», den Georg Asam 1690 in die Kuppel der Stiftskirche von Tegernsee malt, ist es auch in Waldsassen ein Heiligenhimmel. Kreiskonzentrisch halten sich die Heiligen auf Wolken um den lichten Mittelpunkt mit dem Dreifaltigkeitssymbol auf. Auffallend ist eine grosse Gruppe von Zisterziensern unter dem schützenden Mantel der Muttergottes in der östlichen Kuppelhälfte, welche für den Besucher zuerst sichtbar ist. Das Kuppelfresko von Johann Jakob Stevens von Steinfels ist nicht nur ein frühes Kuppelgemälde eines deutschen Malers mit diesem Thema, wahrscheinlich ist es auch der erste «Allerheiligenhimmel» in einer Zisterzienserkirche.[66]

 

Altäre und Chorgestühl
Für die Altarblätter siehe die Ausführungen zu den Malern in der Baugeschichte III

Hochaltar
Der 1696 an Giovanni Battista Carlone verdingte Hochaltar ist kein Marmoraltar, wie dies immer wieder repetiert wird. Nur der Retabel-Sockel ist mit schwarzem Marmor verkleidet. Das Retabel füllt den 10 Meter breiten und 21 Meter hohen Altarraum. Der Aufbau der hochbarocken viersäuligen Portal- oder Ädikula-Architektur mit Auszug besteht aus rötlichem Stuckmarmor mit Holzkern. Die Figuralplastik ist weiss-grau gefasst. Der wenig später von Karl Stilp geschaffene Altaraufbau für den Tabernakel ist ein eindrückliches bildhauerisches Werk, das sich mit hellem Salzburger Marmor vorteilhaft vom schwarzen Retabelsockel abhebt. Stilp umfängt den goldenen Kugeltabernakel mit einer dichten Figurengruppe, aussen mit Maria und dem Verkündigungsengel, über dem Tabernakel mit Putten und Engel, die das silberne Altarkreuz tragen und verehren.

Querhausaltäre
Der epistelseitige, südliche Bernhardsaltar und der evangelienseitige, nördliche Marienaltar sind mit rund 16 Meter Höhe kleinere, baugleiche Ausführungen durch einheimische Altarbauer. Sie übersetzen den Aufbau des Hochaltars in marmorierte Holzarchitektur mit extrem betonten Sprenggiebeln. Beide Altäre sind an der Einweihung 1704 schon aufgestellt. Auf der Altarmensa stehen seit 1766 je zwei der «Heiligen Leiber» in Glasschreinen.

Altäre der Seitenschiffkapellen

Die zwei Altäre jedes Langhausjoches sind jeweils im Aufbau identisch. Vier dieser sechs rund 11 Meter hohen Altäre der ersten zwei Joche sind Stuckmarmor-Säulenretabel von Jacopo Appiani, die er 1725 erstellt. Die beiden Altäre im dritten Joch haben bewegte sechssäulige, marmorierte Holzretabel mit reicher Bildhauerarbeit. Um 1730 begonnen, werden sie erst 1751 vollendet. Auf allen sechs Altarmensen liegt je ein kostbar gefasster Katakombenheiliger der zehn «Heiligen Leiber».

Chorgestühl
Das 1696 dem Bildhauer Martin Hirsch in Auftrag gegebene Chorgestühl wird als «eines der beeindruckendsten unter den Chorgestühlen des Hochbarocks in Süddeutschland» beurteilt.[67] Es besteht aus zwei gegenüberliegenden Anlagen mit einer hinteren Reihe von 18 Stallen und einer vorderen Reihe mit Mitteleingang und 16 Stallen. Total sind es also 68 Stallen. In das Gestühl sind auch zwei Türen eingebunden, die südliche führt in eine Kapelle, die nördliche in den damals noch begonnenen Turm. Beherrschender Teil ist die mit den Dorsalen gebildete Rückwand. Die Hochwangen der hinteren Stallen beginnen als Akanthus-Schnitzwerk, setzen sich an der Rückwand fort und enden in den das Gestühl dominierenden Puttis, die ähnlich Atlanten ein ausladendes Gebälk tragen. Auf ihm stehen je sieben akanthusgerahmte Ovalbilder mit Gestalten des Alten Testamentes von Jean Claude Monnot. Die Bilder werden durch polierweiss gefasste Figuren der zwölf Apostel mit Christus Salvator und Maria begleitet. Weitere Details und die Ikonographie sind in den Arbeiten von Axel Linstädt und Sybe Wartena dokumentiert. Erfreulicherweise sind diese Beiträge im Netz abrufbar.
Laiengestühl
Die Wangen des 1701 ebenfalls von Martin Hirsch gelieferten Laiengestühls zeigen, noch ausgeprägter als das Chorgestühl, kraftvolle und üppige Akanthusranken mit Fruchtstücken.

Die Wappen

Das Klosterwappen
Der geflügelte rote Drachen in Silber ist das Wappen der Herren von Vohburg. Es ist gleichzeitig Stifter- und Klosterwappen der Zisterze Waldsassen und auch der Benediktiner von Reichenbach. Der geflügelte rote Drache wird schon im Mittelalter als Herrschaftszeichen des Stiftslandes geführt und bleibt dies bis zur Säkularisation 1803. Er wird meist linksgewandt dargestellt.
Das Ordenswappen, der in Schwarz von Silber und Rot in zwei Reihen geschachte Schrägbalken der Zisterzienser wird nach 1690 zusammen mit dem Klosterwappen geführt, entweder als geteiltes Schild oder in Wappenvereinigung.

WappenSiebmacher   Die Wappen der Äbte 1690–1803
Die Äbte des 18. Jahrhunderts fügen zum roten Drachen der Klosterherrschaft und zum Ordenswappen ihre persönlichen Wappen bei, entweder als Wappenvereinigung mit dem Klosterwappen, als Herzschild im geteilten Klosterwappen oder als vermehrtes Wappen.
WaldsassenAebteWappen
Die persönlichen Wappen der Äbte des 18. Jahrhunderts
aus: Bayerische Klosterheraldik, München 1930, von Eduard Zimmermann (1874–1951).
Oben:
Der Wappenschild des letzten Abtes (sein persönliches Wappen unten, es ist hiermit einem zweiten Kreuz verfälscht) soll gemäss der 1885 erchienenen Überarbeitung des Wappenbuches Siebmacher dasjenige der Vogtei Stein des Klosters Waldassen in Eger sein. Das Schwert steht für die Gerichtsbarkeit, die Waldsasssen allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht mehr besitzt. Quelle: Siebmacher I. Bd. 5. Abth. II. Reihe, neu bearbeitete Nürnberg 1885.
Ein Beispiel für die übliche Wappenvereinigung ist das Exlibris des Abtes Eugen Schmid. Links das geteilte Klosterwappen mit dem Zisterzienserbalken oben und dem Herrschaftsdrachen unten. Rechts das persönliche Wappen mit zwei auffliegenden Friedenstauben. Die Überschrift lautet Frater Eugenius Abbas Waldsassensis.   WaldsassenWASchmid
Bild: Kloster-Exlibris der Bayerischen Staatsbibliothek.

WappenHausner   Das Wappen des Kirchenerbauers Abt Albert Hausner ist am Bogen des Orgeljochs angebracht. Es ist geteilt. Der Zisterzienserbalken im oberen Feld ist grafisch zu einem Quadrat reduziert, um der Überschrift «F. A. A. W.» Platz zu machen. Im unteren Feld liegt der Drache. Das Herzschild enthält das persönliche Wappen, in Grün? einen silbernen Schrägbalken, der mit einem goldenen Fisch belegt ist. Die Farben sind, wahrscheinlich als Folge der vielen Restaurierungen, heute nicht mehr korrekt.
Foto: Bieri 2019

WaldsassenWABayern   Ein kurbayerischer Wappenschild
Mit Abt Alexander Vogel erscheint in einem vermehrten Wappenschild 1744 auch das kurbayerische Wappen. Dies ist angesichts der zu dieser Zeit wieder klaren Machtverhältnisse in der Oberpfalz verständlich. Zur Zeit der Regierung von Albert Hausner, dem Erbauer der Kirche, ist die Landesherrschaft von Kurbayern aber noch nicht selbstverständlich. Die kostspieligen Bemühungen der Abtei um die Unabhängigkeit von Kurbayern und der Kurpfalz werden zwar erst nach dem Kirchenneubau begonnen und schon 1715 endgültig begraben.
Erstaunlich ist das grosse kurbayerische Wappen am Jochbogen vor der Vierung trotzdem, vor allem weil es derart in keinem anderen Zisterzienserkloster Bayerns zu sehen ist.[68]
Foto:Bieri 2019
Der Wappenschild am Chorbogen wird von Putten gehalten. Er ist eine Arbeit Carlones von 1696.[69] Der bekrönende Kurfürstenhut greift ins Fresko der Krönung Mariens über. Die in Stuck geformte, umgreifende Kette und die Widder-Symbolik weisen auf einen Wappenträger des Ordens vom Goldenen Vlies hin. Dies trifft 1696 auf Kurfürst Max II. Emanuel von Bayern zu.
Abt Albert Hausner setzt das kurfürstliche Wappen in Dialog mit seinem eigenen Wappen über der Westempore. Dies zeigt, dass er sich erst während des Spanischen Erbfolgekrieges vom Kaiser für die kostspieligen Prozesse um die Reichsunmittelbarkeit einspannen lässt, aber 1696 noch Kurbayern als eigentlichen Landesherr betrachtet.


Pius Bieri 2019

 

Literatur

Brenner, Johann Baptist: Geschichte des Klosters und des Stiftes Waldsassen. Nürnberg 1837.
Binhack, Franz: Geschichte des Cisterzienserstiftes Waldsassen von der Wiederherstellung des Klosters (1661) bis zum Tode des Abtes Alexander (1756) nach Manuskripten des P. Dionysius Hueber. Regensburg 1888.
Mader, Felix: Die Kunstdenkmäler von Oberpfalz und Regensburg, Heft XIV Bezirksamt Tirschenreuth. München 1908.
Baumgartl, Edgar: Stiftsbibliothek Waldsassen. Kunstführer. München/Zürich 1989.
Leutheusser, Sabine: Die barocken Ausstattungsprogramme der ehemaligen Zisterzienser-Abteikirchen Waldsassen, Fürstenfeld und Raitenhaslach. München 1993.
Klemenz, Birgitta: Das Zisterzienserkloster Fürstenfeld zur Zeit von Abt Martin Dallmayr 1640–1690. Weissenhorn 1997.
Mai, Paul und Hausberger Karl (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg, Band 38. Regensburg 2004, mit den Beiträgen:
Stephan Acht: Zur Geschichte des Klosters und der Äbte von Waldsassen.
Bettina Kraus: Der Klosterbau von Waldsassen (1681–1704). Untersuchungen zur Baufinanzierung.
Korth, Thomas: Neues zur Bau – und Planungsgeschichte der ehemaligen Zisterzienserabteikirche.
Caston, Philip S. C.: Die Dachtragwerke der Stiftsbasilika Waldsassen.
Preiss, Pavel: Johann Jakob Stevens von Steinfels im Stift Waldsassen.
Katholische Kirchenstiftung Waldsassen: Stiftsbasilika. Regensburg 2017. Broschüre mit acht! zweiseitigen Grussworten (GRUßWORTEN!) hoher Persönlichkeiten über die Restaurierung 2013–2017.

WWW
Kloster und Stadt Waldsassen. Beitrag zur Entwicklung der Kulturlandschaft. Dokumentation der Universität Hannover, Institut für Grünplanung und Gartenarchitektur. Hannover 2002.
https://www.ila.uni-hannover.de/fileadmin/geschichte_freiraumplanung/documents/Kloster_Waldsassen.pdf

Anmerkungen

[1] Nach 1803 nur noch das Patrozinium St. Johannes Evangelist. Heute wieder «Maria Himmelfahrt und St. Johannes Evangelist». Auch die 1925 neugebaute Kirche der Zisterzienserinnen im Kreuzgang-Hof hat das Patrozinium Mariä Himmelfahrt.

[2] Am ersten Tag seiner italienischen Reise nimmt Goethe am frühen Morgen die Postkutsche in Karlsbad, ist zur Mittagszeit in Eger und passiert am Nachmittag Waldsassen. Fünf Uhr ist er in Tirschenreuth und gelangt dank der «trefflichen Chaussee von Granitsand», welcher «die Straße glatt wie eine Tenne» machen, schon am nächsten Morgen um 10 Uhr nach Regensburg.

[3] Diepold II. von Vohburg (1075–1145). Zu ihm siehe den Wikipedia-Beitrag.

[4] Sedletz oder Sedlec bei Kutná Hora in Tschechien, damals Bistum Prag, 250 km östlich von Waldsassen, mit der 1703 gebauten Kirche von Paul Ignaz Bayer und Giovanni Santini-Aichel in Barockgotik.
Ossegg oder Osek in Tschechien, damals Bistum Leitmeritz, 140 km nordöstlich von Waldsassen, mit den barocken Neubauten 1712–1718 von Octavio Broggio.

[5] Landwirtschaftliche Aussenstellen mit befestigtem Gutshof, Kapelle und Wohnräumen für den Leiter, einem Konversen des Klosters.

[6] 1217 übernimmt Waldsassen das Gut (praedium) Tirschenreuth und legt die Grangie Fischhof an. Gleichzeitig entsteht eine neue Siedlung, «die anscheinend von vorneherein als der weltliche Mittelpunkt des klösterlichen Territoriums ausersehen ist». Quelle: Historischer Atlas von Bayern.

[7] Martin Dallmayr (1612–1690), Abt 1640–1690 der Zisterzienserabtei Fürstenfeld bei München. Siehe zu ihm die Biografie in dieser Webseite.

[8] Pater Nivard Christoph (1627/28–1693) aus Bruck bei Fürstenfeld, 1647 Profess in Fürstenfeld, Studium in Dillingen und Ingolstadt, 1661-1690 Superior in Waldsassen.

[9] Albert Hausner (1647–1710) aus Neumarkt in der Oberpfalz, Abt in Waldsassen 1690–1710. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[10] Zusammen mit den Konventneubauten sind bis zur Kircheneinweihung 88 000 Gulden aufgewendet worden, dies ohne die Transportleistungen der Untertanen im Frondienst. Ein Grossteil der Kosten geht, wie üblich, zu Lasten der Kirchenausstattung. Schon 1698 wird deshalb die Bilanz negativ und der Abt muss um kurzfristige Kredite nachsuchen. Quelle: Bettina Kraus 2004.

[11] Eher als die üblichen Bauschulden kann man Abt Albert Hauser vorwerfen, dass er unter Druck des Kaisers einen aussichtslosen und kostspieligen Kampf gegen die Wittelsbacher Kurfürsten um die erneute Reichsunmittelbarkeit führt. Kein kurbayrisches oder kurpfälzisches Kloster hat dies je erreicht. Das Geschenk von 80 000 Gulden ist ein Teil der Rücklagen, die Waldsassen für die Entschädigung an die Kurpfalz im Falle der Gewährung von Regalrechten aufhäuft. Mit der erneuten Übergabe der Oberpfalz an Kurbayern im Friedensvertrag von Baden 1714 sieht offenbar der 1710–1724 amtierende Abt Anselm Schnaus die Unmöglichkeit einer Wiedererlangung der Immunität ein.

[12] Anselm Schnaus (1670–1724) aus Amberg, Abt in Waldsassen 1710–1724.

[13] Eugen Schmid (1688–1744) aus Bruck bei Fürstenfeld. Profess 1709 in Waldsassen. Primiz 1714. 1724–1744 Abt in Waldsassen.

[14] Alexander Vogel (1698–1756) aus Sagan in Schlesien. Profess 1717 in Waldsassen, Primiz 1722, Studium der Theologie in Salzburg und der Rechte in Ingolstadt. Abt 1744–1756 in Waldsassen.

[15] Die österreichischen Truppen sind in der Oberpfalz während des österreichischen Erbfolgekrieges 1743–1745 anwesend. Verantwortlich für den Einfall Österreichs in Bayern ist wieder einmal der Kurfürst, diesmal der Sohn Max Emanuels II., Karl Albrecht. Wie sein Vater kann er die Grossmachtsträume nicht aufgeben, verbündet sich mit den Franzosen, fällt 1741 in Österreich ein und lässt sich 1742 in Nichtanerkennung der Pragmatischen Sanktion zum König krönen. Die Folgen sind wie schon im Spanischen Erbfolgekrieg eine längere Anwesenheit von österreichischen Truppen in Kurbayern.

[16] Wigand Deltsch (1708–1792) aus Neuhaus in der Oberpfalz, Profess 1725 in Waldsassen, Primiz 1732, Abt 1756–1792.

[17] Athanasius Hettenkofer (1735–1803) aus Regenstauf in der Oberpfalz, Profess 1760, Primiz 1767, Abt in Waldsassen 1793–1803.

[18] Ich habe in der Literatur keinen Hinweis auf das Baudatum der neubarocken Erweiterung gefunden.

[19] Bis heute hat der Vatikan an über 1500 Kirchen den Titel einer «Basilika minor» verliehen. Diese inflationäre Ehrentitel-Verleihung steht in Waldsassen immerhin nicht im Widerspruch zum Bautyp gleichen Namens. Neu ist die Wortkombination Stiftsbasilika als Kombination einer ehemaligen Stiftskirche mit einer Basilika.

[20] Bei allen Farbfassungen spiegelt sich der Zeitgeist. In Waldsassen scheint eine Fehlinterpretation für die farbige Binnenfeldgestaltung der Turmfassade verantwortlich zu sein. Ein Deckenfresko im Altarraum von 1695 zeigt eine sanfte Abtönung der Binnenfelder mit heller Hervorhebung der Pilaster und Lisenen an der Ostfassade des Chors. Die Öffnungen sind dort mit Gelbocker gerahmt. Ein Blauton der Flächen ist nicht ersichtlich. Am 1696 gemalten Fresko unter der Orgelempore fehlt bei der dargestellten Doppelturmfassade diese Differenzierung. Seit der Fassadensanierung von 1984 ist die Turmfassade mit kräftigen, fast goldenen Rahmungen der Fenster in blau-grauen Fassadenfeldern gestrichen, nachdem vorher (wahrscheinlich eher korrekt) nur die Pilastergliederung leicht abgetönt hervorgehoben ist. Die Farbintensivität verweist auf industriell hergestelltes Farbmaterial. Fragwürdig ist die Blautönung der Felder. Im 18. Jahrhundert können Blauabtönungen für äussere Kalkanstriche nur mit Smalten erreicht werden. Smalte sind aber damals zu teuer, als dass sie an Aussenfassaden von Kirchenbauwerken Anwendung finden. Im Unterschied zur gut dokumentierten Innenrestaurierung ist über die Aussensanierungen 1949 und 1984 nichts veröffentlicht. Es liegen momentan auch keine restauratorischen Befunderhebungen für die Kirchenfassaden vor.
Die Konventfassaden sind seit 2009/10 neu verputzt und mit der wasserabweisenden Silikonfarbe «Brillux» gestrichen. Mehr zum Thema Farbmaterial siehe im Glossar Baukunst unter «Bindemittel» in dieser Webseite.

[21] Er ist nur in der Umzeichnung (1908) eines heute verschollenen Planes (Signatur 11096) im Staatsarchiv Amberg erhalten.

[22] Die Vogelschauansicht 1670 ist im Original eine kolorierte Federzeichnung, die in Mader 1908 umgezeichnet veröffentlicht wird. Das Original liegt im Staatsarchiv Amberg (Plansammlung 3295). Zum Original siehe die Abbildung in Kloster und Stadt Waldsassen der Uni Hannover (PDF_Dokument).

[23] Der Ostchor ist vielleicht ähnlich wie der Chor der 1142–1150 gebauten Benediktinerkirche Thalbürgel in Thüringen.

[24] Man vergleiche etwa Ebrach, Fürstenfeld oder auch das ähnliche System der Benediktiner in Zwiefalten.

[25] Abraham Leuthner von Grundt (1639–1701) aus Wildstein bei Pilsen. Er ist seit 1665 Stadtbürger von Prag und baut 1668–1677 nach Planungen von Francesco Caratti das Palais Czernin auf dem Hradschin. 1677, inzwischen Hofmaurermeister, veröffentlicht er ein Lehrbuch «Grundtliche Darstellung, Der Fünff Seüllen», in dem Beispiele von Bauten und Stuckaturen vorgestellt werden. Er ist einer der frühesten selbständigen Baumeister böhmischer Herkunft. Sein Beizug als Planer in Waldsassen ist seiner Tätigkeit als Festungsbaumeister im benachbarten Eger (Cheb) zu verdanken. Sein Bruder Philipp ist Maurer des Trupps Georg Dientzenhofer Waldsassen und heiratet hier 1686 die Tochter eines Webermeisters.

[26] Caspar Feichtmayr (1639–1704) aus Wessobrunn, wird später in Bernried ansässig. Er ist 1669–1682 auch Baumeister in Benediktbeuern (Konventbauten, Festsaal und Stiftskirche). Dort ist Abt Placidus Mayr der Planer. In Waldsassen ist er an der Grundsteinlegung vom 25. April 1681 anwesend, die Baustelle dürfte sein Palier Schaidhauf betreut haben.

[27] Benedikt Schaidhauf aus Wessobrunn, Maurer. Seine Lebensdaten sind nicht bekannt.

[28] Georg Dientzenhofer (1643–1689), Christoph Dientzenhofer (1655–1722), (Johann) Leonhard Dientzenhofer (1660–1707), Johann Dientzenhofer (1663–1726), aus Oberuilpoint (Georg, Wolfgang) und St. Margarethen in Oberbayern. Wolfgang Dientzenhofer (1648–1706) ist seit 1680 selbständiger Baumeister in Prag. Mehr zu den Brüder Dientzenhofer siehe in ihren Biografien in dieser Webseite.

[29] Bernhard Schiesser (1651–1727) aus Windigsteig im niederösterreichischen Waldviertel. Er kommt 1681 mit Abraham Leuthner und Georg Dientzenhofer von Prag nach Waldsassen. Schiesser ist bis 1689 Palier von Georg Dientzenhofer. 1691 wird er, jetzt verheiratet mit der Witwe von Georg Dientzenhofer, Baumeister der Abtei Waldsassen und damit Nachfolger Leuthners. Nebst Waldsassen (1681–1704), der Klosterkirche Schöntal (bis 1724) und der Heiliggrabkapelle Schöntal (1716–1718) ist Schiesser auch Baumeister in Schloss Bartenstein (Nordflügel mit Schlosskirche, Planung 1710, Weihe 1716).

[30] Bernardo Quadri, auch Bernardini de Quadri (um 1650–1713) aus Lugano, fürstlich brandenburgischer Hofstuckateur in Bayreuth, hier tätig von 1683–1712.

[31] Kappl, Jesuitenkirche Bamberg, Trautmannshofen, Michelfeld, Falkenberg, Schloss Seehof in Bamberg, Kolleg Amberg. Georg Dientzenhofer kann bis zu seinem Tod 1689 nur Kappl vollenden, die anderen Bauten mit Ausnahme von Seehof gehen an seine Brüder über. Die Empfehlungen für diese Bauten verdankt er dem leitenden Superior von Waldsassen, Pater Nivard Christoph. Damit ist diesem Pater auch die Ausbreitung des böhmischen Barocks durch die Brüder Dientzenhofer im Fürstbistum Bamberg und in Oberfranken zu verdanken.

[32] Der in Prag wohnhafte Abraham Leuthner bezieht bis 1690 ein jährliches Gehalt von 100 Gulden.

[33] Christoph Dientzenhofer ist nur noch in Böhmen tätig, während alle anderen Brüder jetzt ausschliesslich in Deutschland wirken. Mit seiner Hinwendung zum kurvierten und bewegten Barock in der Nachfolge von Guarino Guarini um 1700 wird Christoph Dientzenhofer zum wichtigsten Wegbereiter des Spätbarocks in Prag, und durch Kontakte mit seinem Bruder Johann, der 1710 die Stiftskirche von Banz beginnt, auch für Süddeutschland.

[34] Zum tektonisch erheblichen Unterschied der beiden Bautypen siehe die Erläuterungen im Glossar Baukunst dieser Webseite unter dem Buchstaben W. Die Brüder Dientzenhofer bauen in Süddeutschland und Böhmen fast ausschliesslich Wandpfeilerhallen. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Dom von Fulda, vom jungen Johann Dientzenhofer nach seinem Romaufenthalt als basilikales Bauwerk in römischer Tradition gebaut.

[35] Aufrichte 1691 nach Philip S. C. Caston (Lit. 2004). Dafür spricht auch die hohe Ausgabe im Jahr 1691 von 620 Gulden für Zimmerleute (1692: 342 Gulden, 1693: 466 Gulden, 1694: 540 Gulden, 1695: 63 Gulden).

[36] Genannt wird Giovanni Lucchese. Es handelt sich um Giovanni Battista Lucchese (*1662) aus Melide, nicht verwandt mit den Brüdern Lucchese, die ab 1696 in Speinshart arbeiten. Von ihm ist überhaupt nichts bekannt.

[37] Der Rohbau umfasst die Leistungen der Maurer, Taglöhner, Sandgräber und Zimmerleute. Die Baukostenerhebungen für Waldsassen durch den Konventualen P. Dionysius Hueber (1746–1812) sind durch spätere Chronisten überliefert. Sie beziehen sich nur auf die reinen Arbeitskosten pro Jahr und ziehen die Akkorde des Ausbaus und der Ausstattung nach 1695 nicht mehr ein. Eine Aussage über die Gesamtkosten wie z. B. in Rheinau ist deshalb nicht möglich. Wie dort dürften auch in Waldsassen die Arbeitsleistungen rund die Hälfte der Baukosten betragen und die Ausstattungskosten 1695–1704 ungefähr die Höhe der Rohbaukosten erreichen.

[38] Giovanni Battista Carlone (um 1642–1721) aus Scaria im Intelvi-Tal. Sein Erstlingswerk ist die Jesuitenkirche Passau, dann folgt 1677 der Dom von Passau. Letzter grosser Auftrag vor Waldsassen ist die Stuckierung der Stiftskirche Garsten 1682–1685. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[39] Paolo d'Allio (1655−1729), von Scaria, heiratet 1679 Domenica Carlone (di Sebastiano) und ist damit Schwager des Wiener Baumeisters Donato Felice d'Allio und Neffe von Giovanni Battista Carlone. Er arbeitet anschliessend mit Diego Francesco Carlone (um 1674–1750) in Amberg. Siehe zu ihm die Biografie in dieser Webseite. Zu Paolo d'Allio siehe die Biografie in AIA. Weitere Stuckateure im Trupp Carlone sind Alessandro Bernasconi (1660–1720) aus Riva San Vitale und Francesco Cristofero Muttoni (1666–1726) aus Porlezza. Die beiden letztgenannten lassen sich nach der Heirat mit den Töchtern des Magistrat-Rates und Bäckers Sölch in Waldsassen nieder.

[40] Johann Jakob Stevens von Steinfels (1651–1730) aus Prag. Die Malerfamilie Stevens in Prag ist flämischen Ursprungs und seit 1594 als Hofmaler am Kaiserhof in Prag. Sein Vater ist königlicher Hofmaler und wird mit dem Prädikat «von Steinfels» geadelt. Johann Jakob soll mehrere Jahre in Italien verbracht haben, hier dürfte er auch die Kunst des Malens «als fresco» erlernt haben, die um dieser Zeit nur wenige Maler beherrschen.

[41] Jean Claude Monnot, auch Monot. Von ihm sind bisher keine Lebensdaten erforscht. Er ist Maler in Prag und soll aus dem Burgund stammen. Die Künstler des 17. Jahrhunderts mit dem Namen Monnot stammen aber aus der Franche-Comté (Freigrafschaft Burgund), mit Heimatort Noël-Cerneux oder Orchamps-en-Vennes. Bekannt ist der in Rom tätige Bildhauer Pierre Etienne Monnot (1657–1733). Leider ist aus keiner Publikation ersichtlich, ob Jean Claude Monnot die Freskotechnik beherrscht. Die dunklen Bilder im Chor lassen nicht darauf schliessen. Sein Hochaltarblatt ist ein Bild des Gekreuzigten mit Maria, Johannes und Maria Magdalena in dramatischem Hell-Dunkel.

[42] Joseph Christoph Egedacher (1641–1706) aus Straubing, seit 1673 Hoforgelbauer in Salzburg. Zu ihm siehe den Wikipedia-Beitrag. Er erstellt das Orgelwerk (II/P ~24) in Waldsassen im Akkord von 1136 Gulden. Prospekt und Orgelwerk werden schon 1738 ersetzt, sodass vom Aussehen des Egedacher-Prospektes nichts bekannt ist.

[43] Martin Hirsch (Lebensdaten unbekannt) aus Waldsassen. Er erhält 1696 den Auftrag für das Chorgestühl und erstellt im gleichen Jahr die Holz-Figuralplastik des Chors, 1701 auch das Kirchengestühl und Skulpturen des Bernhardaltars. Auch der Orgelprospekt der Egedacher-Orgel von 1699 ist sein Werk, nicht aber der heutige Rokoko-Prospekt. Sein Vater ist Fuhrmann und aus der Gegend von Bonn zugewandert. 1711 verkauft seine Ehefrau die Haushälfte in Waldsassen, er wird als «gewester Bürger» bezeichnet. Ist er verstoben oder mit seiner Familie nach Amberg umgezogen? Die dort später mehrfach genannten Bildhauer Johann Baptist und Peter Hirsch könnten Söhne sein.

[44] Karl Stilp (1668–1735/36) aus Waldsassen. Er eröffnet nach seiner Wanderschaft in Böhmen eine Werkstatt in Eger. Er ist Holz- und Steinbildhauer. Nach den Arbeiten in der Kirche 1699–1701 ist er 1724 der bildhauerische Gestalter der Stiftsbibliothek.

[45] Br. Friedrich Hexemann oder Herrmann (1662–1734) aus Schönberg in Mähren, Kunstschlosser. Laienbruder in Waldsassen 1691–1734. «Den Chor schliesst von dem Laienraum ein eisernes, kunstvoll verschlungenes und schön vergoldetes Gitter ab, an welchem während des Chorgesangs ein seidener Vorhang gezogen wird» übersetzt Binhack 1888 das Manuskript von P. Dionysius Hueber (um 1790). Dieser nennt auch das Abschlussgitter West, das heute noch besteht, während das Chorgitter 1806 verkauft wird.

[46] Andreas Maisthuber, bei Brenner 1837 «Andreas Masthuber aus Braunau» wird in neueren Führern plötzlich der «Münchener Andreas Maisthuber», der allerdings in München unbekannt ist. Hingegen ist in Braunau eine bekannte Malerfamilie dieses Namens beheimatet. Das grosse Altargemälde des Bernhardaltars stellt den hl. Bernhard in der Glorie dar. Der Zisterzienserpatron ist getragen von Engeln, links über ihm kniet Maria, darüber um die Weltkugel die Hl. Dreifaltigkeit. Das Auszugsbild zeigt den hl. Bernhard als Schriftsteller.

[47] Johann Andreas Wolff (1652–1716) aus München, kurfürstlicher Hofmaler. Sein Altargemälde hat die Himmelfahrt Mariens zum Thema.

[48] Johann Georg Göhringer († 1730), Gold- und Silberschmid in Eger (Cheb CZ).

[49] Orgelbauer Wenzel Stark aus Elbogen. Die kleine und mobile Orgel wird 1805 an die Pfarrkirche Bärnau geschenkt, wo sie 1839 verbrennt.

[50] Jacopo Appiani (1687–1742) aus Porto Ceresio. Sein Bruder Pietro Francesco ist seit 1699 in Bruck bei Fürstenfeld verheiratet und mit zwei Zisterziensern in Fürstenfeld und Kaisheim verschwägert. Der in Bruck (Fürstenfeldbruck) aufgewachsene Abt Eugen Schmid muss die Familie Appiani kennen, spätestens durch ihre Arbeiten in Kaisheim. Zu Jacopo Appiani siehe die Biografie und das Werkverzeichnis in dieser Webseite.

[51] Joseph Ignaz Appiani (1706–1785), geboren in München als Sohn des Pietro Francesco. Nur zwei der Altarblätter sind heute noch erhalten. Zu Joseph Ignaz Appiani siehe die Biografie und das Werkverzeichnis in dieser Webseite.

[52] Fr. Philipp Jakob Muttone oder Muttoni (1699–1775), in Waldsassen geborener Sohn des Francesco Cristofero Muttoni aus Porlezza, des im Trupp Carlone erwähnten Stuckateurs. Er tritt 1733 als Laienbruder in das Kloster Waldsassen ein und betätigt sich als Architekt und Brückenbauer.

[53] Paolo Marazzi (1701–1771), vermutlich aus Mendrisio, kommt 1724 mit Jacopo Appiani als Stuckateur nach Waldsassen. Er heiratet 1726 die Tochter des Baumeisters Bernhard Schiesser und wird in Waldsassen sesshaft.

[54] Johann Konrad Brandenstein (1695–1757) aus Stadtamhof. Er baut die Orgel im Akkord von 2000 Gulden um und vergrössert sie unter Verwendung aller Register der Egedacher-Orgel auf 37 Register. Sein Orgelwerk ist heute nicht mehr erhalten. Hingegen ist das Prospektgehäuse von 1738. Es erhält 1765 eine Neufassung durch den Waldsasser Maler Georg Baader. Die beiden Chororgeln werden 1805 ausgebaut und kommen nach Leonberg und Wondreb. Die Werke sind auch in diesen beiden Kirchen nicht mehr erhalten. In Leonberg ist das Rokokogehäuse erhalten.

[55] Ein Francesco Chiusa als Stuckateur ist unbekannt. Nach Binhack (1888) heiratet er 1725 in Waldsassen, mit den Trauzeugen Appiani und Marazzi. Es dürfte sich bei Chiusa um den Stuckateur Bartolomeo Ceppi aus Sagno handeln, der unter den Namen Francesco Chiesa 1706 auch in Hamburg arbeitet. Er ist ein Landsmann von Paolo Marazzi. Aber auch von Chiesa sind keine Lebensdaten bekannt.

[56] Ein Karl Hofreiter oder Carl Hofreuther ist um diese Zeit in Eger tätig, soll aber aus Bayreuth stammen. Er wird nur im Zusammenhang mit der Bibliothek in Waldsassen (1724), dem Rathausbau in Eger (1728) und einem Stich der Ermordung Wallensteins (1735) genannt. Sonst ist von ihm nichts bekannt. Seine dunklen Deckengemälde im Bibliotheksaal von Waldsassen haben ausschliesslich erzählerischem Wert.

[57] Zu Karl Stilp siehe die Anmerkung 44. Im «Grossen Kunstführer» 1989 der Stiftsbibliothek beschreibt Edgar Baumgartl diese Schnitzereien und ihre Deutung ausführlich.

[58] Siehe dazu die Postkarte des Innenraums um 1920. Das heutige moderne Tafelparkett wird dem Besucher als «historischer Parkettboden» verkauft. Das Tragen von Filzpantoffeln ist Pflicht,  obwohl die Abnützung für den Boden von Vorteil wäre. Das völlig ungegliederte und lackglänzende heutige Parkett zeugt keineswegs von einer gestalterischen Überlegung. Bretterböden in Bibliotheken des süddeutschen Barocks haben leider selbst bei Kunsthistorikern einen schweren Stand und werden vorschnell als Eingriffe des 19. Jahrhunderts bezeichnet. Sie sind aber in den klösterlichen Gebrauchsbibliotheken Usanz. Wo auf Repräsentation Wert gelegt wird, kommen meist Steinböden in Frage. Meisterhaft gearbeiteten Parkettböden wie in St. Gallen sind grosse Ausnahmen.

[59] Bernhard Schütz in: Die kirchliche Barockarchitektur in Bayern und Oberschwaben 1580–1780 (München 2000).

[60] Die 1665–1678 gebaute Jesuitenkirche St. Ignatius in Prag (Kostel svatého Ignáce) ist ein Bau von Carlo Lurago. Bernhard Schiesser, der mit den Brüdern Dientzenhofer aus Prag kommt, kennt diese Kirche ebenso wie Christoph Dientzenhofer. Zum Bau siehe die Werkliste der Biografie Carlo Lurago (1615–1684) in dieser Webseite.

[61] Keine böhmischen Kappen, wie immer wieder beschrieben. Siehe dazu die Erläuterungen zur Hängekuppelfolge des Passauer Doms im Beitrag «Passauer Dom» in dieser Webseite. Dort auch die Erläuterungen zum System und zur Einführung im deutschsprachigen Gebiet 1637/45 durch ein Mitglied der Familie Carlone. Carlo Antonio Carlone (1635–1708) baut bis 1690 im Stift St. Florian in Oberösterreich eine Kuppelfolge, dort allerdings als wirkliche böhmische Kappen. Zu den Begriffen siehe auch das Glossar Baukunst in dieser Webseite, Buchstabe G.

[62] Giovanni Battista Carlone und sein Bruder, der Baumeister Carlo Antonio Carlone, bauen derart schon 1684 im Stift Schlierbach in Oberösterreich. In Passau ist Giovanni Battista auch massgebend an der architektonischen Gestaltung mitbeteiligt. Die Gewölbe des Stiftes St. Florian kann Giovanni Battista hingegen nicht stuckieren, sie werden 1690–1695 durch Johann Anton Gumpp und Melchior Steidl zukunftsweisend ohne Stuck und mit grossem Anteil an scheinarchitektonischer Quadraturmalerei freskiert.

[63] Bernhard Schütz (2000) verweist auf die ähnliche Gestaltung der Emporen in der Kollegienkirche Salzburg, deren durchbrochene Emporen auch Thomas Korth (2017) als erstmals nördlich der Alpen bezeichnet. Fischer plant diese Kirche aber erst, als die Stiftskirche in Waldsassen schon gebaut ist. Die Aufrichtung des Dachstuhls in Salzburg erfolgt zudem erst 1703 (> gehe zum Bauwerk). Diese Durchbrüche sind ein beliebtes Motiv des italienischen Hochbarocks, das Domenico Rossi 1700 in den Treppen von Rastatt gekonnt einsetzt. Waldsassen dürfte die erste derartige deutsche Anwendung für Seitenemporen in einem Sakralraum sein.

[64] Das Vorbild Salzburg (dort stehen die Türme vor!) wird im Kunstführer 2004 und im Dehio 2008 angeführt. Zu Salzburg siehe den Beitrag «Domkirche Salzburg» in dieser Webseite. Nebst den gemeinsamen römischen Vorbildern weist die Waldsasser Fassade eher nach Böhmen (Klattau 1656/66 von > Lurago) oder Wien (Jesuitenkirche 1627), hat aber im Segment- und Dreiecksgiebel-Abschluss auch unverkennbare Verbindungen mit der Jesuitenkirche Bamberg von Georg Dientzenhofer.

[65] Weitere, gleichzeitig oder wenig später gebaute Doppelturmfronten der Zisterzienser sind Velehrad (Planung Ende 17. Jahrhundert) von Giovanni Pietro Tencalla und die Fassaden von Franz Beer II in St. Urban (1716), Pielenhofen (1717), Kaisheim (1719, abgebrochen). Baumeister Bernhard Schiesser kann ab 1711 die Doppelturmfront von Schöntal vollenden. Die wichtigsten oberdeutschen Abteien wie Ebrach oder Salem ziehen eine Doppelturmfassade nie in Betracht.

[66] Mir ist keine weitere derartige Kuppelausmalung in einer Zisterzienserkirche des 17. Jahrhunderts bekannt. In anderen Stift- und Domkirchen, selbst in Wallfahrtskirchen ist die illusionistische, kreisförmige Anordnung von Personengruppen um die Dreifaltigkeit im lichten Zentrum schon länger üblich. Sie ist italienischen Ursprungs.
Nördlich der Alpen ist sie vor Tegernsee (1690) schon mehrfach, allerdings nicht von deutschen Malern, gemalt worden. Beispiele: 1679 malt Carpoforo Tencalla die Kuppel im Passauer Dom. 1681 malt Carlo Nuvolone, genannt Panfilo, die Kuppel der Wallfahrtskirche Son Martegn in Savognin (Graubünden).
Die illusionistische und kreiskonzentrische Öffnung in den Himmel beginnt im italienischen Manierismus. Frühes Beispiel ist der Gigantensturz des Giulio Romano 1534 im Palazzo del Te von Mantua.

[67] Sybe Wartena in: Die Süddeutschen Chorgestühle von der Renaissance bis zum Klassizismus. Diss. München 2008. (Abrufbar unter: https://edoc.ub.uni-muenchen.de/7999/).
Eine ausführliche Vorgängerarbeit von Axel Linstädt (1978) ist abrufbar unter: www.heimatforschung-regensburg.de/2092/.

[68] In keiner anderen bayerischen Zisterzienserabtei, weder in Aldersbach, Kaisheim, Fürstenzell, Raitenhaslach oder Pielenhofen, auch nicht im Wittelsbacher-Hauskloster Fürstenfeld, ist Kurbayern in einem Wappenschild vertreten. Dies macht das Wappen im Langhaus von Waldsassen umso interessanter. Erstaunlich ist deshalb auch, dass bisher in keinem Baubeschrieb und in keinem Führer auf das Wappen hingewiesen wird.

[69] Freundlicher Hinweis von Restaurator Rolf Kriesten (Bamberg) dem ich auch den Hinweis auf die Symbolik des Wappenschildes als Ausdruck des Ordens vom Goldenen Vlies verdanke.

 
WaldsassenBankwange12   WaldsassenBankwange13   WaldsassenBankwange14   Kirchenbänke

Die Wangen des 1701 von Martin Hirsch gelieferten Laiengestühls zeigen noch ausgeprägter als das Chorgestühl, kraftvolle und üppige Akanthusranken mit Fruchtstücken.

Fotos: Bieri 2019.
             

Bibliothek
WaldsassenBibliothekPK   WaldsassenBibliothek1
Die alte koloriere Postkarte zeigt die Ausgeglichenheit des Saals in der Abstufung der Farben. Nur die Regalwände sind nussbaumfarbig gebeizt. Die schweinsledernen Buchrücken bilden ebenso wie die Decke und der vergraute Holzboden einen angenehmen Kontrast.
Foto: Postkarte Löwenhag Marktredwitz um 1930/40
  Der heutige Boden (rechts) nimmt sich zu wichtig und steht in Konkurrenz zu den Regalen. Foto: Bieri 2008.
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1. Ausschnitt der von Karl Stilp 1726 geschaffenen Regalwand Ost mit dem zweiten der zehn eindrücklichen Atlanten, welche die Empore tragen.
2. Ausschnitt aus der Decke mit dem stak lädierten Deckengemälde von Karl Hofreiter und den Appiani-Stuckaturen.
3. Das farbig gefasste Stuckkleid der Régence ist ein Werk von Jacopo Appiani. Im Jahr der Ausführung stirbt sein Bruder Peter Franz, der in Kaisheim 1717 dem Bandelwerk der französischen Régence zum Durchbruch verhilft. Wahrscheinlich ist der Entwurf zur Decke noch von Peter Franz Appiani.
Fotos: Bieri 2008

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



  Ehemalige Zisterzienserabtei Waldsassen  
  WaldsassenA1  
Ort, Land (heute) Herrschaft (18. Jh.)
Waldsassen
Oberpfalz Bayern D
Kurfürstentum
Bayern
Bistum (18.Jh.) Baubeginn
Regensburg   1681
Bauherr und Bauträger
Dallmayr  Abt OCist Martin Dallmayr
      (Fürstenfeld, reg. 1640–1690)
Hausner   Abt OCist Albert Hausner
      (reg. 1690–1710)
      Abt OCist Eugen Schmid
      (reg. 1724–1744)
 
 
  Kirche und Kloster von Nordosten gesehen. Die Parkanlage der 1980er-Jahre nimmt Bezug auf die schon im 17. Jahrhundert verschwundenen Teiche. Foto: Bieri 2019.   pdf  
   
WaldsassenA2
Die Stiftskirche, von der alten Hauptgasse gesehen. Foto: Bieri 2019.  
   
WaldsassenLageplan
Lageplan der Zisterzienserabtei und der Klostergemeinde Waldsassen im Zustand und mit den Bezeichnungen zur Klosterzeit am Ende des 18. Jahrhunderts. Für Erläuterungen und Vergrösserung bitte anklicken.  
Pläne und Ansichten des 17. u.18. Jh.  
Die Umzeichnung einer verschollenen Plandarstellung Waldsassens von 1621 ist trotz seiner Ungenauigkeit sehr instruktiv und zeigt die streng geometrisch angelegte calvinistische Manufaktursiedelung der Brüder Geisel. Zum bessern Verständnis sind die heutigen Strassenzüge und die heutige Klosteranlage rot eingetragen. Die Gebäudelegende entspricht der späteren Vogelschauansicht Stilp (unten).  
Waldsassen1670
Die Umzeichnung des 19. Jahrhunderts der Vogelschauansicht von 1670 folgt der schönen und präzisen, aquarellierten Federzeichnung recht genau. Die Gebäudelegende ist in den Plan 1621 (oben) übertragen. Mehr zu zum Plan Stilp 1670 siehe im Text « Gebäudelandschaft vor den Neubauten».  
Waldsassen1740Idealplan
Der «Idealplan» ist eine Vogelschauansicht der Abtei aus Westen um 1740. Alle Gebäude und Gärten sind, mit Ausnahme des Westtraktes, entsprechend der gebauten Realität gezeichnet. Stecher und Verleger sind Göz und Klauber in Augsburg. Der Stich folgt einer Zeichnung von Anton Smichäus (1704–1770).  Die Namen von Stecher und Zeichner deuten auf die Regierungszeit des Abtes Eugen Schmid (1724–1744) hin. Offensichtlich ist zur Zeit des Aufenthaltes von Anton Smichäus aus Prag, der um 1730 anwesend ist, der später nicht mehr verwirklichte zweite Klosterhof im Westen noch immer eine Option. Die übliche Datierung des Stiches «um 1750» dürfte falsch sein, denn die Zusammenarbeit Göz und Klauber in Augsburg wird 1740 beendet.
Bildquelle: Literatur, Ausschnitt. Original im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg.
 
WaldsassenHomannkarte
Johann Baptist Homann (1663-1724) betitelt seine vierteilige Karte der Poststrassen in Franken mit «FRANCONIA POSTARUM». Sie wird 1759 veröffentlicht. Er widmet sie dem Fürsten Thurn und Taxis. Die rechte Hälfte der Karte umfasst auch die westliche Oberpfalz, von der zu dieser Zeit noch keine derart präzisen Karten vorhanden sind. Waldsassen, hier Waldsachsen geschrieben, ist oben rechts an der Poststrasse von Eger über Tirschenreuth nach Regensburg eingetragen. Es ist die Strasse, die Goethe 1786 beschreibt und lobt. Sie lässt Waldsassen, das keine Poststation ist, links liegen. Die Karte zeigt auch dass die Strassen nach Bayreuth und Bamberg von Eger ausgehen und Bayreuth dabei eigentlicher Poststrassen-Knotenpunkt ist. Quelle: mapy.mzk.cz  
Der Aussenbereich  
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Die stolze Doppelturmfassade des Baumeisters Bernhard Schiesser, die er ab 1692 plant und bis 1700 baut. Unverkennbar sind die Einflüsse von Georg Dientzenhofer, bei dem Schiesser bis 1689 Palier ist. Foto: Bieri 2019.  
Waldsassen_A_4
Südlich der Kirchenfassade springt der Stumpf der geplanten und nicht verwirklichten Westerweiterung vor. Zwei Achsen, das Walmdach und die Westfassade sind eine denkmalpflegerische Schöpfung vom Anfang des 20. Jahrhunderts, wie die untenstehende alte Fotografie zeigt. Foto: Bieri 2019.  
Waldsassen1900
Noch um 1900 hat der seit 1690 unvollendet gebliebene Stumpf des nördlichen Westhofflügels nur fünf Achsen, wie dies auf der alten Fotografie zu sehen ist. Bildquelle: Frey Amberg vor 1902.  
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Der nördlich anschliessende Gästebau der Abtei von 1685/90 ist mit dem Abteischloss (1676) verbunden. Er wird 1803 Pfarrhof. Seine ehemals offenen Arkaden werden 1885 geschlossen. Foto: Bieri 2019.  
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Die Südfassade siebenachsige Stumpf des unvollendeten Nordflügels mit der Fassade des Konvent-Westflügels, vom Westhof gesehen. Foto: Bieri 2019.  
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Der Konvent-Westflügel beherbergt im Erdgeschoss das Refektorium und im Obergeschoss die Bibliothek. Er ist 1688 gebaut. Foto: Bieri 2019.  
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Die Nordseite der Kirche mit dem an das Querhaus anschliessenden Turmstumpf. Erst Abt Albert Hausner beschliesst nach 1690 den Bau einer Doppelturmfassade im Westen. Der vorgesehene Turm im Eckbereich Chor-Querhaus ist zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend gebaut und bleibt in den Untergeschossen bestehen. Foto: Bieri 2019.  
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Der ehemalige Gästeflügel (1690–1704) und das Abteischloss (1676) von Osten gesehen. Foto: Bieri 2019.  
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Der Graben um das ehemalige Abteischloss ist heute trockengelegt. Der Rundbau mit der Dachlaterne ist ein als Gartenpavillon umgestalteter Rundturm der inneren Befestigung. An den ehemaligen Schlossgraben schliesst das Kastengebäude von 1732 an, dessen östliche Giebelseite mit Portal und gesprengtem Giebel gegliedert ist. Foto: Bieri 2019.  
Waldsassen_A_11
Das ehemalige Kastengebäude liegt an der Nordseite des Zuganges zum Klosterplatz. 1861 wird in das langgezogene Gebäude von 1732 die neugotische evangelische Pfarrkirche eingebaut (im Bildvordergrund). Die Breite der alten Klostergasse verleitet die Behörde in neuerer Zeit zur Umbenennung als Johannisplatz, den Klosterplatz taufen sie Basilikaplatz.
Foto: Bieri 2019.
 
WaldsassenA12
Die steinerne Brücke mit zwei Bögen und Balustraden führt über die Wondreb zum heute abgebrochenen Orangeriegebäude des grossen Klostergartens. Sie ist ein Werk des Klosterbaumeisters Fr. Philipp Muttone (1699–1775). Er baut sie in der Mittelachse der langgezogenen Orangerie und in der Hauptachse des grossen südlichen Klostergartens. Foto: Bieri 2019.  
Die Kirche innen
 
WaldsassenI1Wiki
Der Kirchen-Innenraum, wie ihn der Besucher beim Eintreten erlebt.
Foto: Lubor Ferenc 2018 in Wikipedia.
 
Die Langhausseiten  
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Die basilikale Struktur ist nördlich (oben, Ansicht der Joche 2 und 3 vor der Vierung) und südlich (unten, Ansicht der Joche 3, 2 und 1 Richtung Empore) zwar gleich. Die durchbrochenen Gewölbe der Kapellen unter den Emporen verleihen aber jeder Seite einen besonderen Charakter. Nördlich sind dank dieser Durchbrüche und der natürlichen Belichtung der Kapellen auch die Emporen hell. Südlich sind die Kapellen nicht natürlich belichtet, was deutlich an den dunkeln (und die Tektonik betonenden) Emporen ablesbar ist. Giovanni Battista Carlone ist nicht nur Schöpfer der dichten Stuckaturen und der Figuralplastik, sondern auch für die Änderungen der Gewölbe im Langhaus und für die Durchbrüche massgebend.
Fotos: Bieri 2019.
 
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Das Langhaus Richtung Empore. Aufnahme 2009, vor der Restaurierung 2013–2017,  by Aconcagua in Wikipedia.  
Die Chorseitenwände  
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In der Nordwand (oben) sorgen vier hohe Fenster für eine grosse Helligkeit. Ihr Pendant in der Südwand sind verglaste Oratorien-Loggien. An beiden Wänden ist das beeindruckende Chorgestühl des Bildhauers Martin Hirsch von 1696 mit je 34 Stallen aufgestellt. Über das Gestühl und die integrierten Orgeln siehe unten mehr. Im Vordergrund ist der neue Zelebrationsbereich von 2017 mit dreistufiger Altarinsel, Ambo und Altar aus hellem Kalkstein zu sehen, ein Werk des Bildhauers Herbert Lankl aus Tirschenruth. Fotos: Bieri 2019  
Stuck und Fresken der Gewölbe  
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Einblick in die Gewölbe von Vierung und Chor mit dem Stuck der Carlone-Werkstatt und den Fresken von Johann Jakob Stevens von Steinfels. Foto: Bieri 2019.  
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Die Fresken und Stuckaturen im Chor. In den fünf rechteckigen Chorfresken stellt der Maler Stevens von Steinfeld die Gründungslegende dar. Er malt sie 1695 in veralteter Form als «quadri riportati», vielleicht um dem Bildinhalt mehr Gewicht zu geben. Die zehn Ovalbilder der seitlichen Stichkappen (Leidenswerkzeuge Christi) sind vom gleichen Maler, während die vier dazwischenliegenden Ovalbilder der Evangelisten Werke von Jean-Claude Monnot sind. Foto: Bieri 2019.  
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Die Gewölbe von Querschiff und Vierung in waagrechter Untersichtsaufnahme (dies auch bei den nachfolgenden Freskenaufnahmen), die Südseite oben. Foto: Bieri 2019.  
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Das Kuppelfresko der Vierung ist das Hauptwerk des Prager Malers Stevens von Steinfeld. Es ist ein «Allerheiligenhimmel», eine illusionistische, kreiskonzentrische Anordnung von Heiligen um die Dreifaltigkeit im lichten Zentrum. Das barocke Thema ist italienischen Ursprungs und nicht nur frühes Kuppelgemälde eines deutschen Malers mit diesem Thema, sondern wahrscheinlich auch der erste «Allerheiligenhimmel» in einer Zisterzienserkirche des Nordens. Auffallend ist eine grosse Gruppe von Zisterziensern unter dem schützenden Mantel der Muttergottes in der östlichen Kuppelhälfte (im Bild unten), welche für den Besucher zuerst sichtbar ist. Die vier begleitenden Zwickelfresken stellen die Gaben der Gottesmutter ans die ersten Zisterzienseräbte dar. Wie in allen Gewölben der mit Girlanden, Blattstäben und Kartuschen rahmende und füllende Stuck ein Werk des wichtigsten Mitarbeiters Paolo d’Allio und der Gehilfen, während Giovanni Battista Carlone vor allem Schöpfer der Figuralplastik ist. Foto: Bieri 2019.  
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Im Langhausgewölbe erlebt der «Stuckbarock», wie die Priorität des italienischen hochbarocken Stucks gegenüber den Fresken auch genannt wird, nochmals einen Höhepunkt. In die drei ovalen Langhausbilder und in die 12 ovalen Zwickelfelder malt Stevens von Steinfeld 1696 die Geheimnisse des Rosenkranzes. Er nimmt die Kompositionsprinzipien des Freskanten Carpoforo Tencalla in Passau zum Vorbild. Diese Fresken zählen zu den besten Leistungen des Malers aus Prag. Im ersten Joch (oben) ist im Mittelfresko den Knaben Jesu unter den Schriftgelehrten im Tempeldargestellt, das zweite Joch zeigt die Kreuzigung Christi und im dritten Joch vor der Vierung (unten) ist die Krönung Mariens zu sehen. Foto: Bieri 2019.  
Altäre
 
Hochaltar  
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1] Das Stuckmarmor-Retabel des Hochaltars von Giovanni Battista Carlone füllt den 21 Meter hohen Altarraum. Er erstellt die viersäulige Ädikula-Architektur mit Auszug 1696. Das grosse Altarblatt der Kreuzigung Christi und das Auszugsbild sind Werke von Jean-Claude Monnot. Foto: Bieri 2019.  
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Im Auszugsbild malt Monnot den über die Erdkugel gebeugten Gottvater. Die plastische Taube des Hl. Geistes vermittelt mit dem darunterliegen Hauptblatt.
Foto: Bieri 2019.
 
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Karl Stilp, Sohn des Zeichners der bekannten Vogelschauansicht von Waldsassen, ist Schöpfer des um 1699 geschaffenen Altaraufbaus für den Tabernakel. Das eindrückliche bildhauerische Werk hebt sich mit hellem Salzburger Marmor vorteilhaft vom schwarzen Retabelsockel ab. Stilp umfängt mit einer dichten Figurengruppe den goldenen Kugeltabernakel, aussen mit Maria und dem Verkündigungsengel, über dem Tabernakel tragen und verehren Putten und Engel das silberne Altarkreuz. Foto: Bieri 2019.  
Querhausaltäre  
WaldsassenMarienAltar
WaldsassenBernhardaltar
Der nördliche Marienaltar [2] und der südliche Bernhard-Altar [3] und sind mit rund 16 Meter Höhe kleinere, baugleiche Ausführungen durch einheimische Altarbauer. Sie übersetzen den Aufbau des Hochaltars in marmorierte Holzarchitektur mit extrem betonten Sprenggiebeln. Auf der Altarmensa stehen seit 1766 je zwei der «Heiligen Leiber» in Glasschreinen. Die Altarblätter werden 1708 geliefert. Diejenigen des Marienaltars sind Werke von Johann Andreas Wolff aus München, die Blätter des Bernhard-Altars liefert Andreas Maisthuber aus Braunau. Fotos: Bieri 2019.  

Seitenschiffaltäre
Die zwei Altäre jedes Langhausjoches sind jeweils im Aufbau identisch und unten zusammengefasst. Auf allen sechs Altarmensen liegt je ein kostbar gefasster Katakombenheiliger der zehn «Heiligen Leiber».
 
WaldsassenApostel
WaldsassenBenedikt
Die beiden Altäre im dritten Joch haben bewegte sechssäulige, marmorierte Holzretabel mit reicher Bildhauerarbeit. Um 1730 begonnen, werden sie erst 1751 vollendet. Sie sind Werke einheimischer Altarbauer. Oben der nördliche Apostelaltar [4], unten der südliche Marienaltar [5]. Fotos: Bieri 2019.  
WaldsassenJohannesaltar
WaldsassenMichaelsaltar
.Die Stuckmarmor-Säulenretabel im zweiten, mittleren Joch erstellt 1725 Jacopo Appiani. Die Altarblätter von 1727 sind Frühwerke seines Sohnes Joseph Ignaz Appiani. Der nördliche Johannesaltar [6] ist im Auszug hinterlichtet, im südlichen Michaelsaltar [7] ist an dieser Stelle der Hl. Geist als Stuckrelief zu sehen. Fotos: Bieri 2019.  
WaldsassenKatharina
WaldsassenMagdalena
Auch die Altäre im ersten Joch, der nördliche Katharinenaltar [8] und der südliche Magdalenenaltar [9] sind Werke von Jacopo Appiani. Die Altarblätter seines Sohnes werden aber schon im 18. Jahrhundert durch figurale Arbeiten einheimischer Holzbildhauer ersetzt. Fotos: Bieri 2019.  
Orgeln, Chorgestühl. Kanzel  
WaldsassenOrgel
Die Egedacher-Orgel von 1698/99 wird 1738 durch den Orgelbauer Johann Konrad Brandenstein auf 37 Register erweitert. Er gestaltet auch das Prospektgehäuse in Rokokoformen neu, welches 1765 durch Georg Baader neu gefasst wird. Das Orgelwerk ist heute durch einen Neubau ersetzt. Der erhaltene Brandenstein-Prospekt zeigt die Charakteristik seiner Prospekte in höchster Vollendung und ist wie eine Bühnenkulisse konkav gewölbt und beidseits der zwei Westfenster aufgestellt. Blau gelüsterte Säulen tragen ein Gebälk, dessen rotgefasstes Gesims in starken Verkröpfungen auch über die Mittelöffnung durchgeht und nach vorne dramatisch ansteigt. Flügelartig sind dabei die beiden vorderen Türme wie wuchtige Harfenfelder ausgebildet. Ein ebenfalls geteiltes Oberwerk bildet den Hintergrund. Musizierende Putti bevölkern die Gesimse. In der freien Mitte ist ein Zifferblatt integriert. Als optische Verbindungsbrücke wirkt im Vordergrund das Brüstungspositiv. Das Engelskonzert im Deckenfresko über der Orgel ist ein weiteres Werk des Malers Stevens von Steinfels. Foto: Bieri 2019.  
waldsassenChororgelNord
WaldsassenChororgelSüd
Die beiden Chororgeln bilden mit dem Chorgestühl eine Einheit. Die barocken Chororgeln, ebenfalls Werke der Rokokozeit von Johann Konrad Brandenstein sind aber seit 1803 nicht mehr vorhanden. Die heutigen Orgeln sind Neubauten von 1983. Ihre Prospekte sind barock nachempfunden. Im Zusammenhang mit dem darunterliegenden Gestühl und seinen Aufbauten ergibt sich so aber ein mögliches Gesamtbild.
Die einfache Evangelienorgel (oben) ist in die Rundöffnung der Turmachse eingepasst. Unter ihr ist das erste von 12 ovalen Aufsatzbildern des Malers Jean-Claude Monnot zu sehen, die dieser 1701 liefert. In hervorragend gearbeitete und vergoldete Akanthus-Rahmen des Bildhauers Martin Hirsch malt Monnot alttestamentliche Personen und, wie hier über der Türe zum Turm zwei abschliessende Darstellungen des hl. Bernhard. Rhythmisierend setzt Hirsch zu allen Ovalbilder weissgefasste Statuen der 12 Apostel, nur an den Gestühl-Westenden sind zwei Engel von Karl Stilp aufgesetzt. Im Bild der Evangelienorgel rahmt der Engel von Karl Stilp und der hl. Thaddäus von Martin Hirsch das Bernhard-Bild von Monnot.
Auf der Epistelseite ist die Orgel etwas vermehrt den Vorbildern des Orgelbauers Brandenstein angepasst, sie wirkt mit ihrem Skulpturenschmuck bedeutend eingepasster. Die darunterliegenden Chorgestühl-Aufsätze sind gleich wie auf der Evangelienseite (hier die Statuen Jakobus Maior – Philippus – Thomas – Simon mit den Bildern Judith – Hiob – Jonas – Susanna).
Fotos: Bieri 2019.
 
vChorstallenNord
WaldsassenChorstallenSued
Das Chorgestühl von Waldsassen ist im nebenstehenden Text beschrieben. Es gilt dank seines ikonographischen Gehalts und seiner hochstehenden Bildhauerarbeit als «eines der beeindruckendsten unter den Chorgestühlen des Hochbarocks in Süddeutschland» (Sybe Wartena, Dissertation 2008). Es beginnt jeweils mit Eingängen, deren Sopraporten und Engelstauten von Karl Stilp um 1724 stammen. Die anschliessende Stallenreihe mit den ausgeprägten Dorsalwänden sind Werke von Martin Hirsch, der dafür 1696 den Auftrag erhält. Im Bild oben die Evangelienseite (die linke Seite, hier die Nordseite), im Bild unten die Epistelseite (die rechte Seite, hier die Südseite). Fotos: Pius Bieri 2019.  
WaldsassenKanzel
Die Kanzel von 1715 ist ein Werk des Goldschmieds Johann Georg Göhringer aus Eger. Sie fällt mit ihrer Ausführung aus dem üblichen Rahmen, denn ihre Oberflächen sind getriebene Blecharbeiten in versilbertem und vergoldetem Kupfer, deren Feinheiten erst in Nahbetrachtung wirken. Foto: Bieri 2019.