Die wichtigsten Meister 1700–1783
Name Herkunft Text   Tätigkeit von   bis
Francesco Antonio Giorgioli (1655–1725) Meride Tessin ok   Maler, Freskant 1702   1705
Remigius Kramer (Lebensdaten unbekannt) Wessobrunn     Stuckateur 1702   1705
Br. Caspar Moosbrugger (1656–1723) Au Vorarlberg ok   Planer 1715   1715
Johann Michael Beer II von Bleichten (1700–1767) Bezau Vorarlberg ok   Baumeister-Architekt 1728   1742
Giovanni Battista Clerici (1673–1736) Meride Tessin     Stuckateur 1729   1733
Franz Joseph Spiegler (1691–1757) Wangen im Allgäu ok   Maler, Freskant 1730?   1744
Jacob Carl Stauder (1694–1756) Oberwil Baselland ok   Maler 1740   1744
Johann Caspar Bagnato (1696–1757) Landau (Pfalz) Bagnato1   Baumeister-Architekt 1750   1757
Johann Georg Gigl (1710–1765) Wessobrunn     Stuckateur 1740   1746
Johann Christian Wentzinger (1710–1797) Ehrenstetten (Breisgau) ok   Bildhauer und Maler 1741   1742
Dominikus Zimmermann (1685–1766) ? Wessobrunn ok   Stuckateur 1733   1733
Johann Caspar Bagnato (1696–1757) Landau (Pfalz) Bagnato1   Baumeister-Architekt 1750   1757
Franz Ignaz Anton Bagnato (1731–1810) Altshausen Bagnato2   Baumeister-Architekt 1754   1760
Pierre Michel d'Ixnard (1723–1795) Nîmes F     Baumeister-Architekt 1768   1772
Franz Joseph Salzmann (1724–1786) Messkirch     Baumeister-Architekt 1768   1774
Ludovico Bossi (1731–nach1773) Porto Ceresio I Bossilud   Stuckateur 1770   1772
Johann Kaspar Gigl (1737–nach1783) Wessobrunn Wikipedia   Stuckateur 1773   1783
Johann Andreas Silbermann (1712–1783) Strassburg Wikipedia   Orgelbauer 1772   1775
Johann Christian Wentzinger (1710–1797) Ehrenstetten (Breisgau) ok   Bildhauer und Maler 1779   1783

St. Blasien

Ehemalige Benediktiner-Fürstabtei und Kirche St. Blasius

Unter österreichischer Herrschaft
Erst spät, als Schenkung an das Kloster Rheinau, findet sich 858 eine erste Erwähnung der Benediktinerabtei. Bereits im 11. Jahrhundert weist die inzwischen selbständige Abtei einen reichen Grundbesitz aus. Ihr Streubesitz überspannt jetzt ein Netz von 5000 Quadratkilometer, vom Elsass bis zum Bodensee und von der Innerschweiz bis zum Neckar. «Zwing und Bann» der Abtei, der Kernbesitz, liegen seit dem 13. Jahrhundert im Herrschaftsbereich der Habsburger, den vorderösterreichischen Landen. Jahrhundertelang wird das Kloster deshalb in jede kriegerische Auseinandersetzung seiner Landes- und Schirmherren hineingezogen. Kriegszerstörungen und Brandkatastrophen prägen die Baugeschichte der Abtei.

Vorbarocke Baugeschichte
Das erste Klostergeviert mit der 1013–1036 erbauten Basilika liegt westlich des alten Steinabaches[1] , unmittelbar vor der heutigen Westfassade der Abtei. 1087–1108 entsteht östlich, jenseits des Baches, eine neue Klosteranlage. Die neue romanische Basilika, das «Neue Münster», mit zweitürmigem Westwerk und vorgelagertem Paradies, ist der Hirsauer Bauschule verpflichtet. Die Basilika, mit einer Breite von 24 Metern und einer Länge (ohne Paradies) von 70 Metern, ist doppelt so gross wie das turmlose «Alte Münster» von 1036, das bis 1736 weiterhin genutzt wird.
Der mittelalterliche Komplex wird im 1525 im Bauernkrieg zerstört. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, fällt der Wut der Bauern zum Opfer. 1526 brandschatzen und sprengen sie, als Rache für Strafmassnahmen, die östlich des Steinabaches gelegenen Konventgebäude und das «Neue Münster».
Der Wiederaufbau dauert bis 1537, erst jetzt kann der Konvent wieder einziehen. Die zerstörte Basilika wird neu aufgerichtet, nun ohne Südturm, und 1538 geweiht. Im späteren 16. Jahrhundert wird vor allem die Kirche reich ausgestattet. Abt Martin I. Meister (reg. 1596–1625) vergrössert die Klosteranlage nach Osten mit dem Bau eines je 60 Meter langen neuen Süd- und Ostflügels. 1605 errichtet er im Westen längs über den Steinabach eine neue Abtei. Die Klosteranlage dieser Zeit ist auf einer lavierten Federzeichnung im Zustand von 1624 recht originalgetreu festgehalten.
1634 verwüsten die Schweden das Kloster. Der Konvent flüchtet sich derweil in seine schweizerischen Besitzungen (Klingnau, Wislikofen) und kehrt erst 1638 zurück. Schon unter Abt Oddo Kübler (reg. 1664–1672) beginnt eine erste barocke Bauphase mit Umgestaltungen der beiden Münster und mit dem Neubau des noch fehlenden Nordflügels östlich der Stiftskirche. Mit dem nordöstlichen Eckturm, dem «Trompeterturm», und mit der über zwei Geschosse reichenden, 20 Meter langen Liebfrauenkapelle ist der Nordflügel das markanteste Gebäude in der langen Nordfront.
Zu Beginn der rechtsrheinischen Vernichtungsfeldzüge des Louis XIV wird die Propstei Wislikofen 1688 als Refugium umgestaltet und erweitert. Mehrfach muss sich der Konvent hier aufhalten, das letzte Mal 1713. Trotz der unsicheren Lage lässt Abt Augustin Fink (reg. 1695–1720) das «Alte Münster» 1699 ausmalen. Diese erste Klosterkirche dient seit dem Abbruch der Kirche St. Stephan (1620) als Pfarrkirche.

Barocke Umgestaltung der Klosterkirche
Der gleiche Abt gestaltet ab 1701 das «Neue Münster» barock um. Er zieht dazu den Wessobrunner Stuckateur Remigius Kramer mit seinen Brüdern Simon und Pontian bei. Als Maler verpflichtet er 1702 Francesco Antonio Giorgioli, der nach kriegsbedingtem Unterbruch 1705 die Gewölbefresken im Langhaus erstellt. Die barocke Umgestaltung dauert bis 1707.
1715 vermerkt der Abt in seinem Tagebuch, erfreut und Gott dankend, den Tod von Louis XIV.

Barocker Neubau
Abt Augustin ist ein echter Barockprälat. Das mächtige Kloster soll nun auch einen repräsentativen Konventneubau erhalten. Bruder Caspar Moosbrugger, der gerade die grosse Einsiedler Klosteranlage errichtet, plant 1715 für St. Blasien einen Klosterkomplex von 220 Meter Länge und 90 Meter Breite anstelle der alten Konventgebäude. Das barockisierte «Neue Münster» ist der Nordfassade vorgelagert. Für den Neubau müsste der Steinabach umgeleitet werden. Die Moosbruggerplanung wird nicht umgesetzt, Abt Augustin stirbt 1720.
Erst der ehrgeizige Abt Franz II. Schächtelin (reg. 1727−1747) nimmt die Planung nach seiner Wahl wieder auf. Er verdingt den 27-jährigen Johann Michael II Beer von Bleichten. Beer wandelt den Moosbruggerplan ab. Die Schaufassade (bei Moosbrugger die bergseitige Südfassade) wird nach Osten verlegt, die Ostfassade assymetrisch auf 150 Meter verlängert, um das «Neue Münster» in den Komplex einzubinden. 1728 erfolgt die Grundsteinlegung. 1733 ist der asymmetrische, 150 Meter lange Ostflügel und die Flügel um den Osthof fertig gestellt und können bezogen werden. Sie werden durch Giovanni Battista Clerici aus Meride stuckiert.
1736 wird mit den Arbeiten am Westflügel begonnen. Dazu muss zuerst der Steinabach umgelegt und das 700-jährige «Alte Münster» abgetragen werden. Im repräsentativen Westteil sind die Residenzräume des Abtes gelegen, er wird auch als Hofflügel oder Abtei bezeichnet. Die Stuckaturen erstellt 1742–1746 der Wessobrunner Johann Georg Gigl. Für die weitere Ausstattung zeichnen erste Künstler der Zeit: Jacob Carl Stauder, Franz Joseph Spiegler, Johann Christian Wentzinger und Dominik Zimmermann. 1746 kann erstmals in den Residenzräumen des Westflügels getafelt werden.
Abt Franz II. hat eine wahrhaft fürstliche Residenz geschaffen und wird vom Wiener Kaiserhof 1746 auch tatsächlich gefürstet.
Die Ressourcen sind aber ausgeschöpft: Der Neubau hat, ohne die Eigenleistungen des Klosters, 450 000 Gulden verschlungen. Eine gigantische Summe, wenn man die Einkommen der Bauleute um 1750 vergleicht: Ein gesunder Taglöhner oder ein Zimmergeselle erarbeitet bei freier Verpflegung bis 50 Gulden im Jahr, wenn er das ganze Jahr Arbeit hat, ein Meister erreicht das Doppelte. 
Noch ist aber die Gesamtanlage noch nicht fertig. 1750 bis 1757 erbaut der Deutschordensbaumeister Johann Caspar Bagnato die Platzanlage mit den flankierenden Gebäuden im Süden und Westen. Er plant auch die Toranlage, die dann 1767 vom fürstlich fürstenbergischen Baudirektor Salzmann fertig gestellt wird.

Brandkatastrophe von 1768
Der einzigartigen barocken Klosterresidenz ist nur ein kurzes Leben beschieden. Ihre Pracht können wir heute nur erahnen, denn am 23. Juli 1768 fällt der grosse Gebäudekomplex und die Kirche einer Feuersbrunst zum Opfer und zerstört die Ausstattung bis auf wenige Reste.

Fürstabt Martin II. Gerbert (1764–1793)
Dieser bedeutendste Abt des Klosters ist erst vier Jahre im Amt, als er den Untergang der Barockpracht mitverfolgen muss. Er fasst sofort den Beschluss zum Wiederaufbau.
Abt Martin ist vielseitig gebildet, und hat auch auf Reisen in Frankreich und Italien den «goût grecque», den kühlen, weissen Klassizismus schätzen gelernt. Er zieht für die Neuplanung der zerstörten Barockkirche den Franzosen Pierre Michel d'Ixnard bei, der in die Mittelachse eine enorme Rotunde setzt, die über Tambour und Attika mit halbkugelförmige Kalotte geschlossen ist. Es ist der erste klassizistische kirchliche Grossbau Süddeutschlands. Der schon vorher in St. Blasien tätige Fürstlich-Fürstenbergische Baudirektor Salzmann ist für den Kirchenneubau und auch für den Wiederaufbau der Klostergebäude zuständig. Ludovico Bossi erstellt die Stuckaturen in den Klostertrakten und im Chor der Kirche, Johann Caspar Gigl diejenigen der Kuppelrotunde. Johann Christian Wentzinger, der schon 1741 als Bildhauer am Westflügel tätig ist, wird für die Kuppelausmalung 1779 nochmals beigezogen. Noch durchaus in der barocken Tradition baut der Strassburger Orgelbauer Johann Andreas Silbermann 1772–1775 sein Hauptwerk, die grosse Orgel im Südabschluss des Chores. 1783 kann die Klosterkirche eingeweiht werden.

Die Habsburger Gruft
Fürstabt Martin Gebert erstellt 1770 im neuen Kirchenbau eine Gruft für die Vorfahren der Habsburger. Er will hier eine Grablege schaffen, die St. Blasien als vorderösterreichisches Hauskloster politisch und kulturell legitimiert, ähnlich dem parallelen Unterfangen mit den Zähringer-Vorfahren in St. Peter im Schwarzwald. Vom ehemaligen Klarissinnenkloster Königsfelden im Aargau, das seit der Reformation aufgehoben ist, lässt er die Gebeine der dortigen Habsburgergruft nach St. Blasien überführen. Das Gleiche geschieht mit den Gebeinen der Habsburger im Münster zu Basel. Die Königinnen Agnes, Anna und Elisabeth, die Herzöge Leopold I. und III. und weitere neun Habsburger ruhen nun in der neuen Gruft von St. Blasien. Es soll aber nicht die letzte Ruhestätte sein: 38 Jahre später finden die Habsburger aus Königsfelden und Basel ihre letzte Ruhe im Zufluchtsort der Mönche aus St. Blasien, dem Stift St. Paul im Lavanttal (Kärnten).

Säkularisation und weitere Katastrophen
Das Schwarzwaldkloster fällt 1806 an Baden, nach einem unwürdigen jahrelangen Streit, indem zuerst der Malteserorden und dann Württemberg Anspruch erhebt. 36 Mönche ziehen mit dem letzten Fürstabt Berthold III. Rottler nach St. Paul im Lavanttal. Bereits Jahre vorher haben sie wertvollste Bestände der Bibliothek und des Kunstkabinetts in eidgenössische Besitzungen gerettet und bringen sie nun in ihre neue Heimat. Der Vergleich mit dem Ende der Abtei Muri im Kanton Aargau drängt sich auf. Der Unterschied: Den Mönchen von St. Blasien wird bei einem Verbleib eine badische Pension angeboten, die Mönche von Muri werden 1841 auf die Strasse gestellt.
Unternehmer aus Zürich kaufen die Gebäude von St. Blasien und richten ab 1809 im Ostteil eine Maschinenfabrik mit Spinnerei ein. Bereits 1817 sind 809 Erwachsene und Kinder beschäftigt. Die Kuppelrotunde steht leer, sie soll abgebrochen werden. Die grosse Silbermann-Orgel ist schon 1806 in die Kirche St. Stephan in Karlsruhe versetzt worden, wo sie 1944 im Bombenhagel zerstört wird. Die monumentale und jetzt überflüssige Rotunde wird 1810 im letzten Augenblick, das Kupfer der Dachdeckung ist schon verkauft worden, vom badischen Baudirektor und klassizistischen Architekten Friedrich Weinbrenner gerettet. 1874 bricht in der Spinnerei ein erneuter Grossbrand aus und äschert die Kuppelrotunde und die Osthälfte des ehemaligen Klosters wieder ein. Nur die ehemalige Abtei im Westen übersteht die Katastrophe unversehrt. Anstelle des Ostflügels baut man eine Fabrik mit Shedhallen. Die Kirche bleibt Brandruine und wird erst 1911–1913 von Friedrich Ostendorf rekonstruiert. 1931 muss die Spinnerei ihren Betrieb einstellen, die Gebäude werden von den Jesuiten gekauft und dienen seither als Jesuitenkolleg (Gymnasium). 1970–1972 wird der Ostflügel neu gebaut, ohne jeden Anspruch an Architektur und vor allem in völliger Negierung der barocken Gesamtform. 1977 brennt der Westteil, die ehemalige Abtei, und wird bis 1983 zusammen mit der Kirche mustergültig restauriert.

Was hat vom barocken Kloster überlebt?
Zwei verheerende Grossbrände, 1768 und 1874, und die nachfolgenden Wiederherstellungen haben vor allem barocke Substanz zerstört. Trotzdem hat sich vom barocken St. Blasien vieles erhalten. Die Gesamtanlage zeigt trotz der modernen Verstümmelungen der Süd- und Ostflügel noch immer die Repräsentationslust der damaligen Fürstäbte, die klassizistische Kuppelrotunde hat diesen Charakter noch verstärkt. Die von den Bränden weniger betroffene ehemalige Abtei im Westen zeigt seit der Restaurierung und Teilrekonstruktion (1977–1983) im Äusseren wieder den barocken Zustand. Im Innern sind auch einzelne barocke Relikte, vor allem Stuckarbeiten von Gigl, zu finden.

Pius Bieri 2008

 

 

Benutzte Einzeldarstellungen:
Booz, Paul: Bau und Kunstgeschichte des Klosters St. Blasiens und seines Herrschaftsbereichs, Freiburg 2001.
Adamek, Josef SJ: St. Blasien (Führer), Villingen 2003
Lauro, Brigitta; "....zu ewiger Gedechtnus" - habsburgische Grabstätten in Europa, Dissertation Uni ZH 2005, siehe:
http://www.dissertationen.unizh.ch/index2005.html

Link:
Webseite der Kirchengemeinde

Anmerkung:

[1] Der Steinabach wird beim Bau des barocken Klosters nach Westen verlegt.

 

 

  St. Blasien: Ehemalige Benediktiner-Fürstabtei und Stiftskirche St. Blasius  
  StBlasienLageplanBarock  
Ort, Land (heute) Herrschaft (18. Jh.)
Sankt Blasien
Baden-Württemberg D
Vorderösterreich
Bistum (18.Jh.) Baubeginn
Konstanz   (1701) 1728
Bauherr und Bauträger
Leer Abt Augustin Fink (reg. 1695–1720)
ok Abt Blasius III. Bender (reg.1720–1727)
ok Abt Franz II. Schächtelin (reg. 1727–1747)
     Abt Meinrad Troger (Reg. 1749–1764)
Wikipedia Abt Martin Gebert (reg. 1764–1793)

 
  Lageplan mit Gebäudebestand vor dem Brand von 1768. Vergrössern/vergleichen:
  pdf  
1700 Plan 1705 Vorbarock 1768 Plan 1768 Barock 1772 Plan 1772 Klassizismus
   
StBlasien-1
Einziger erhaltener Gebäudeteil aus der Barockzeit: Der Westflügel.  
   
StBlasienLageVorbarock
Vor dem Neubau des Klosters ab 1728 zeigt St. Blasien eine in Jahrhunderten organisch gewachsene städtebauliche Struktur auf mittelalterlicher Basis. Mit Ausnahme der Sakralbauten stammen allerdings die meisten Gebäude aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Sie zeugen vom neuen Wohlstand des Klosters nach den Zerstörungen im Bauernkrieg. Der Renaissance verpflichtet ist das Abteigebäude von 1605. Der Nordflügel von 1670/75 mit der grossen Liebfrauenkapelle kündigt den Barock an. Die Stiftskirche, das «Neue Münster», wird 1701–1707 aufwändig barockisiert. Noch kurz vor dem Neubau des Klosters wird 1721 das alte Kornhaus zu einem Archiv- und Kanzleigebäude umgebaut. Umso erstaunlicher ist, dass dem Neubau von 1728 mit Ausnahme des «Neuen Münsters» fast alle Gebäude zum Opfer fallen.  
StBlasienRekSalzmann
Die barocke Anlage brennt 1768 ab. 1772 zeichnet Franz Joseph Salzmann diesen Vogelschauplan als Rekonstruktion. Der barocke Lageplan (oben) und seine Gebäude basieren auf diesem Rekonstruktionsplan.  Der Ausschnitt aus dem Rekonstruktionsplan soll als Vergleich mit dem Ausschnitt (unten) der klassizistischen Anlage dienen.
 
> Zum Rekonstruktionsplan Salzmann des barocken Zustandes (Generallandesarchiv Karlsruhe: G-S Salzmann/2).  
StBlasienSalzmann1772
Gleichzeitig mit dem oben vorgestellten Plan der barocken Anlage zeichnet Salzmann auch die Vogelschauperspektive der neuen klassizistischen Eingriffe. Beide Vogelschauansichten aus Nordwesten sind hier als Ausschnitte deckungsgleich gegenübergestellt.  
StBlasien2
Ebenfalls noch zum barocken Bestand vor den grossen Bränden stammen die Toranlage mit den flankierenden Kanzlei- und Beamtengebäuden des Deutschordensbaumeisters Bagnato.  
StBlasien3
Das Torgebäude mit seinen nicht besonders sensibel renovierten Anbauten ist noch heute ein einladender Eingang zum Klosterareal, auch wenn der Besucher anschliessend in einen Garten anstelle des ursprünglichen grossen Platzes gelangt.  
StBlasienLageplan1772
Mit den Neubauten von Pierre Michel d'Ixnard und Franz Joseph Salzmann, insbesondere mit dem neuen Kuppel-Rotunde der Stiftskirche, hält nach der Brandkatastrophe von 1768 der französische Klassizismus in St. Blasien Einzug. Der Idealplan von 1772, dem dieser Plan zu Grunde gelegt ist, enthält einige Elemente, die dann bis zu den Revolutionswirren nicht mehr ausgeführt werden. insbesondere der aufwändig terrassierte Westgarten ist nie derart gebaut worden.  
StBlasienGrRiss1892
1892 wird dieser Grundrissplan erstmals veröffentlicht und noch 1997 im «Dehio» übernommen. Er stellt allerdings nur den Grundriss der Kirche richtig dar, der Ostflügel scheint ein verkürztes Neubauprojekt darzustellen (er ist seit 1874 abgebrochen), und der barock geschwungene Mittelrisalit am Westflügel ist hier ebenfalls klassizistisch umgebaut. Bei den vielen falschen Grundrissdarstellungen in den Dehio-Handbüchern ist St. Blasien sicher die grösste Entgleisung.  
StBlasien4
Die ehemalige Stiftskirche, auch Schwarzwald-Pantheon genannt, zeigt sich nach einer vorbildlichen Restaurierung (1983) aussen wieder im Zustand des 18. Jahrhunderts. Auch der Innenraum vermittelt dieses Bild, hier allerdings als Restaurierung der Wiederherstellungen von 1911–1913. Der grossartige und eindrucksvolle «Tempel Gottes» wird seit einigen Jahren als Dom (Landschaftsdom?) bezeichnet.
> zum Kuppelgemälde von Walter Georgi (1871–1924).