Die Meister
Name Herkunft Text   Tätigkeit von   bis
Santino Solari (1576–1646) Verna Val d'Intelvi Solari   Hofbaumeister 1614   1635
Hans Konrad Asper (1588–1666) Zürich Asper   Bildhauer ~1620   1625
Giuseppe Passerini (Lebensdaten unbekannt) Ramponio Val d'Intelvi     Stuckateur ~1622   ~1628
Giovanni Battista Rapa (Lebensdaten unbekannt) Ramponio Val d'Intelvi     Stuckateur ~1622   ~1628
Andrea Rapa (Lebensdaten unbekannt) Ramponio Val d'Intelvi     Stuckateur ~1622   ~1628
Antonio Orsolini (Lebensdaten unbekannt) Ramponio Val d'Intelvi     Stuckateur ~1622   ~1628
Donato Arsenio Mascagni (um 1570–1637) Florenz     Freskant, Maler 1623   ~1628
Ignazio Solari (um 1605–1650) Verna Val d'Intelvi?     Freskant, Maler ~1625   ~1635
Leopold Rottenberger (1568–1653) Salzburg?     Orgelbauer ~1627   1645
Giovanni Antonio Daria (~1630-1702) Pellio Val d'Intelvi     Hofbaumeister 1657   1671
Johann Heinrich Schönfeld (1609–1684) Biberach an der Riss     Maler (Kapellenaltäre) ~1650   ~1675
Joachim von Sandrart (1606–1688) Frankfurt am Main     Maler (Kapellenaltäre) ~1657   ~1672
Frans de Neve II (1632–n.1704) Antwerpen     Hofmaler (Kapellenaltäre) 1670   1674
Karel Skréta (1610–1674) Prag     Maler (Kapellenaltäre) 1673   1674
Christoph Egedacher (1614–1706) Straubing     Orgelbauer 1702   1703
Johann Christoph Egedacher (1666–1747) München     Orgelbauer 1704   1718


Domkirche hll. Rupert und Virgil in Salzburg


Bischofsstadt Salzburg


Die Bischöfe Rupert und Virgil
Um 696 schenkt der Bayernherzog Theodo II. die Siedlung an der Salzach mit dem noch römerzeitlichen Namen Iuvavum an Rupert, damals Bischof von Worms. Rupert trifft auf eine romanische Restbevölkerung und eine wahrscheinlich schon seit der Spätantike bestehende Mönchsgemeinschaft, Keimzelle des Klosters St. Peter, für das er eine erste Kirche bauen lässt.[1] Im teilweise noch erhaltenden römischen Höhenkastell auf dem Nonnberg gründet er ein Damenstift. Wie das Kloster St. Peter übernimmt später auch das Stift Nonnberg die Benediktsregel. Rupert wird als der erste Bischof von Salzburg bezeichnet, obwohl die eigentliche Bistumsgründung erst 739 stattfindet.[2] Der im 8. Jahrhundert als Bischof in Salzburg wirkende Virgil lässt die Gebeine des in Worms verstobenen Rupert nach Salzburg überführen, wo dieser schnell als Heiliger verehrt wird. Bischof Virgil, der 1233 ebenfalls heiliggesprochen wird, weiht dem hl. Rupert 774 die erste Domkirche. Beide Gründerbischöfe sind heute die Kirchenpatrone des Salzburger Doms.[3]

Herrschaft der Fürsterzbischöfe 798–1803
Nach der Eroberung Bayerns durch Karl dem Grossen vertreibt oder christianisiert dieser mit Hilfe des Salzburger Bischofs Arno die Awaren. Das fränkische Bayern reicht jetzt südlich der Alpen bis zur ungarischen Grenze im Osten. 798 erhebt Papst Leo III. Salzburg zum Erzbistum, zu dem alle Bistümer des karolingischen Bayerns gehören.[4] Die weltliche und reichsunmittelbare Kernherrschaft des gefürsteten Erzbischofs, das Erzstift, wird im Mittelalter um Besitzungen in Kärnten und in der Steiermark erweitert. Sie reicht im Südosten bis zum Oberlauf der Mur und im Südwesten bis ins Zillertal. Zur Machtsicherung bauen die Bischöfe ab dem 11. Jahrhundert die Feste Hohensalzburg über der Stadt Salzburg. Sie wird noch bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts parallel zu den Bastionen und Wällen der Stadt weiter ausgebaut. Der italienorientierte Fürsterzbischof Wolf Dietrich[5] setzt mit seinen Bauten die Eckpunkte für das barocke Salzburg. Seine Nachfolger Markus Sittikus[6] und Paris Lodron[7] führen den Stadtumbau weiter und befestigen die Stadt. Während der Herrschaft von Paris Lodron entstehen die Mirabell-Bastionen zum Schutz der inzwischen entstandenen Vorstadt nördlich der Salzachbrücke. Die nachfolgenden Erzbischöfe Guidobald, Max Gandolph und Johann Ernst ergänzen die barocke Stadt mit weiteren wichtigen Bauwerken. Die Bauten der Kirche und der erzbischöflichen Herrschaft beanspruchen inzwischen einen Grossteil der Stadtfläche. Im Plan von 1811 sind sie rot hervorgehoben. Geistlichkeit, Militär und Studenten beanspruchen sie. Den 10 000 weiteren Einwohnern, die Salzburg schon 1665 zählt, verbleiben die Häuserzeilen gegen die Salzach und entlang der nach Linz führenden Gasse in der nördlichen Vorstadt. Das Verhältnis der mächtigen Barockbauten zu den an den Rand gedrängten Bürgerhäusern stellt aussagekräftig auch die Machtstruktur der Barockzeit dar. Bestrebungen der Bürgerschaft nach Selbstständigkeit werden schon im frühen 16. Jahrhundert unterdrückt. Diese fürsterzbischöfliche Herrschaft, die der Stadt in der Barockzeit ihr unvergleichliches Gesicht gibt, dauert bis zur Säkularisation 1803.[8] Das ehemalige Erzstift Salzburg wird jetzt zum Spielball der jeweiligen Siegermächte in den Koalitionskriegen. Nach einer kurzen Periode als österreichisches Herzogtum kommt das Land 1810 an das Königreich Bayern. 1816 wird es endgültig österreichisch, vorerst als oberösterreichischer Landkreis mit der Verwaltung in Linz, später als sogenanntes Kronland, ab 1918 als Bundesland der Republik Österreich.


Baugeschichte des Domneubaus

Vorgängerbau
Am 11. Dezember 1598 brennt der alte Salzburger Dom. Die Gewölbe verhindern eine vollständige Zerstörung der Ausstattung. Seit dem Brand des Virgil-Doms im Jahr 845 haben sich solche Brandunglücke schon siebenmal wiederholt. Das nun wieder durch Brand teilzerstörte Bauwerk ist der nach 1181 neugebaute Dom des Fürsterzbischofs und Kardinals Konrad III. von Wittelsbach (reg. 1177–1183). Der alte Dom ist eine dreischiffige Kirche in Basilikaform mit Querschiff und Vierungsturm. Zwei mächtige Westtürme[9] , der hohe Vierungsturm und zwei Rundtürme über den Querhausapsiden prägen das grosse Bauwerk der Stadt am linken Ufer der Salzach. Derart wird der Dom auch in der Schedelschen Weltchronik dargestellt. Dieser mittelalterliche Dom hat eine annähernd gleiche Länge wie der spätere Solari-Dom, ist allerdings, berücksichtigt man nur Mittelschiff und Seitenschiffe, bedeutend schmäler.[10] Der Innenraum wird als dunkel beschrieben, Chor und Querschiff sind wegen der darunterliegenden Krypta stark erhöht. Schallhammer beschreibt 23 Altäre. An seiner Südseite sind drei um einen Kreuzgang gruppierte Konventflügel angebaut. Es ist das sogenannte Domkloster der Augustiner-Domherren, dem bis 1514 noch nicht säkularen Domkapitel.[11]

Baumassnahmen 1599–1602
Der seit 1687 regierende Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau[12] will den nun notwendigen Wiederaufbau nutzen, um das mittelalterliche Bauwerk für die neuen Liturgieanforderungen des Tridentinums umzubauen. Chor, Querschiff und Langhaus sollen niveaumässig verbunden werden, mit Stuck und Fenstervergrösserungen soll ein heller Innenraum entstehen und auch die Fassade soll neugestaltet werden. Dafür sind Teilabbrüche und auch die Auslagerung der zu vielen Altäre notwendig. Obwohl damit der Fürsterzbischof ähnlich wie später der Passauer Fürstbischof beim Dombrand 1662 handelt, werden ihm diese Massnahmen übelgenommen. Noch Hübner taxiert sie 1792 als Scheinmassnahmen. Immerhin unterstellt er Wolf Dietrich nicht, die Kirche angezündet zu haben.[13] Dieser plant die Modernisierung des alten Doms vermutlich mit dem Hofbaumeister Elia Castello.[14] 1602 stürzt ein Teil des offenbar doch schwerer beschädigten Gewölbes ein und bewirkt bei Wolf Dietrich einen Wandel. Er sieht jetzt, dass er seine Ziele nur mit einem Neubau verwirklichen kann. Geeignete Baumeister-Architekten für einen derart grossen Neubau fehlen ihm aber. Er stellt den begonnenen Umbau ein.

Vincenzo Scamozzi 1604

Scamozzi1   Scamozzi2   Vinzenzo Scamozzi zeichnet 1607 und 1608 seine Pläne für den Salzburger Dom als Grundlage einer nie erfolgten Veröffentlichung. Ob sie mit den 1604 in Salzburg gezeichneten Entwürfen übereinstimmen, ist unbekannt. Im Grundrissvergleich ist die absurde Grösse des Scomazzi-Gebäudes sichtbar, das eher einer palladianischen Versammlungshalle als an einem Kirchenbauwerk gleicht.

Bildquellen: Ausstellungskatalog 2003, Vicenza Museo Palladio, Palazzo Barbaran da Porto.
Originalgrafiken in Salzburg und Montreal.
Grundriss 1606. Original im Museum Carolino Augusteum, Graphiksammlung.   Fassade und Schnitt durch das Querhaus 1607.
Original im Canadian Centre for Architecture.
 

Für die nun notwendige Neubauplanung zieht Wolf Dietrich den Venezianer Vincenzo Scamozzi[15] bei. Obwohl sich beide während dreier Jahre gleichzeitig in Rom aufhalten, der eine als Student am Collegium Germanicum, der andere zum Studium der antiken Monumente, dürfte die Berufung der Vermittlung eines venezianischen Kanonikers zu verdanken sein.[16] Der Architekturtheoretiker Scamozzi hält sich bis Mitte Februar 1604 in Salzburg auf. Seine Funktion ist nicht bekannt. Sicher ist er Berater für den Neubau und für den begonnenen Stadtumbau. Er dürfte in Salzburg auch Pläne gezeichnet haben. Allerdings sind keine Plandokumente bekannt und Scamozzi, der sonst alle seine Reisen und Tätigkeiten minutiös auflistet,[17] stellt diese Planungen nie vor. Erst 1606 zeichnet er für sein (nie erschienenes) fünftes Buch der «Idea dell’architettura universale» einen Grundriss des Salzburger Domes, 1607 auch den entsprechenden Schnitt mit Fassade. Lippmann (1999) vermutet eine Anfertigung dieser Stichvorlagen «ex novo». Er bezeichnet sie als Idealpläne. Wäre tatsächlich nach diesem Scamozzi-Projekt gebaut worden, besässe Salzburg heute keine frühbarocke Domkirche, sondern ein monströses, der venezianischen Renaissance verhaftetes Palladio-Plagiat, näher an einer grossen Versammlungshalle als an einem Sakralbau.[18]

Der Neubau von Wolf Dietrich 1606–1611
1606 erteilt der Fürsterzbischof den Befehl zum Abbruch der mittelalterlichen Domkirche und des angebauten Domklosters. Inzwischen hat er die Franziskanerkirche, die als Dom- und Hofkirche dient, baulich fest in die Residenzerweiterungen eingebunden und mit den Neubauten an der Kapitelgasse einen Ersatz für den Abbruch des mittelalterlichen Domklosters geschaffen. Der Abbruch der aus Quadersteinen gemauerten Kirche dauert zwei Jahre. Inzwischen plant Wolf Dietrich neu. Im März 1611 beginnt er mit den Fundamenten des neuen Doms, der nun südorientiert ist und eine Doppelturmfassade am Residenzplatz hat. Die Länge ist jetzt rund 95 Meter, also 40 Meter kürzer als das Scamozzi-Projekt von 1607/08.[19] Arkadengänge hätten den Dom mit der Residenz und dem Neugebäude verbunden. Unzweifelhaft geht die Ausrichtung des neuen Doms nach Süden auf Scamozzis Planungen zurück. Zusammen mit Arkadenverbindungen als südliche Begrenzung des Residenzplatzes hätte es eine städtebaulich optimale Lösung bedeutet. Das Neubauprojekt des Doms ist aber nicht von Scamozzi, und schon gar nicht entspricht es dem von ihm 1607/08 gezeichneten Entwurf. Der romerfahrene Wolf Dietrich hat wahrscheinlich die Schwächen des palladianischen Entwurfs von Scamozzi bemerkt, sofern er ihn überhaupt in der Ausführung 1607/08 kennt. Weil aber Scamozzi noch 1615 nur von einem Entwurf und nicht von der Ausführung spricht und das Amt des Hofbaumeisters nach Elia Castellos Tod 1608 unbesetzt bleibt, dürfte das Projekt der neuen Domkirche von Wolf Dietrich selbst stammen. Für die Planausführung und Baudurchführung wird ein «wälscher Baumeister» berufen. Sein Name wird nicht erwähnt, doch darf in ihm der spätere Hofbaumeister Santino Solari vermutet werden.
Die Fundierungsarbeiten des Domneubaus müssen nach sechs Monaten Bauzeit eingestellt werden, weil Wolf Dietrich vor der bayrischen Okkupation Salzburgs am 22. Oktober 1611 fliehen muss, dann in Kärnten in bayrische Gefangenschaft gerät und im November auf die Feste Hohensalzburg verbracht wird. Er resigniert 1612 und stirbt 1617 in Gefangenschaft.

Vergleiche
Massstäbliche Grundrissvergleiche des Salzburger Doms mit dem Projekt Scamozzi, dem Vorgängerbau und römischen Kirchen zeigen, dass das Projekt Scamozzi vor allem gegenüber den bekannten römischen Kirchen, dem vorbarocken Prototyp Il Gesù und dem frühbarocken S. Andrea della Valle, deutlich andere und wenig realistische Volumen aufweist.

Der Neubau von Markus Sittikus 1614–1619
Markus Sittikus von Hohenems wird 1612 als Nachfolger seines gefangenen Cousins Wolf Dietrich zum Fürsterzbischof gewählt.[20] Er ist mitverantwortlich für den Sturz und die lebenslange Festungshaft seines Vorgängers. In der Wahlkapitulation muss er die schnelle Fortsetzung des Domneubaus zusichern. Markus Sittikus versteht darunter aber nicht die Fortsetzung des begonnenen Neubaus seines Vorgängers. Schon kurz nach seiner Wahl stellt er Santino Solari als Hofbaumeister ein.[21] Dieser, wahrscheinlich schon am Domneubau von Wolf Dietrich leitend tätig, muss eine Neuplanung ausarbeiten. Der Dom soll wieder in der geosteten Lage des mittelalterlichen, abgebrochenen Bauwerks gebaut werden.[22] Städtebauliche Überlegungen sind jetzt zweitrangig, die mittelalterliche Tradition und die vordergründige Wiedergutmachung der «Zerstörung» des vermeintlich noch aus dem 8. Jahrhundert stammenden alten Doms sind wichtiger. Auch will Markus Sittikus die Ehre als Erbauer des neuen Doms nicht mit seinem gefangenen und geächteten Vorgänger teilen. Die aufgehenden Fundamente des Neubaus von Wolf Dietrich lässt Markus Sittikus wieder abbrechen.[23] Am 14. April 1614 kann endlich der Grundstein zur neuen Domkirche nach Plänen von Santino Solari gelegt werden. Seine Kirche ist 99 Meter lang, hat damit eine ähnliche Länge wie die romanische Domkirche und wie der Neubau von Wolf Dietrich.[24] In der Breite des Langhauses scheint sich Solari an den vielleicht noch vorhandenen Plan Scamozzi von 1604 anzulehnen. Seine Kirche ist eine dreischiffige Basilika mit vier Langhausjochen. Kleeblattähnlich kompakt sind Querschiffflügel und Chor um die überkuppelte Vierung gruppiert. Wenn man die Projekte nur im Grundriss vergleicht[25] , zeigt das Projekt Solari mehr Gemeinsamkeiten mit dem bekannten Entwurf Bramantes für den Petersdom als mit dem Projekt Scamozzi.[26] Die kleeblattartige Dreikonchenlösung könnte mit dem Scamozzi-Entwurf zusammenhängen, eher aber eine Vorgabe des Bauherrn Markus Sittikus sein, vielleicht wegen der Gemeinsamkeiten mit dem Petersdom,[27] oder wegen der Ähnlichkeit mit dem Chorbereich des abgebrochenen alten Doms. Das neue Projekt übernimmt vom alten Dom, gleich wie dasjenige von Wolf Dietrich, auch die Doppelturmlösung und nähert sich damit einem vom Tridentinum und vor allem vom inzwischen heiliggesprochenen Karl Borromäus geförderten Kirchentypus der Basilika mit dem Grundriss des lateinischen Kreuzes, den Serlio schon 1566 in seinem Traktat vorstellt.[28] Markus Sittikus ist nicht nur Neffe, sondern auch grosser Verehrer des heiligen Mailänder Erzbischofs, dessen Kirchenbauempfehlungen er in Salzburg offensichtlich anwendet. Markus Sittikus dürfte auch die Musikerbalkone in Quer- und Längsschiff angeregt und das Äussere des Doms ohne die üblichen Wandpfeilerverlängerungen über den Seitenschiffen verlangt haben.
Der Neubau wird von ihm zügig vorangetrieben. Schon im Herbst 1614 sind die Grundmauern fertig, 1618 sind die Arbeiten bis zur Höhe des Kranzgesims gediehen. Im Porträt von Markus Sittikus im Schloss Hellbrunn ist dieser Baustand dokumentiert. Als der Fürsterzbischof 1619 überraschend stirbt, ist das Dach über dem Chor- und Querschiffbereich fertig gedeckt, nur die Dächer im Langhaus und die Kuppel fehlen noch.

Die Fertigstellung unter Paris Lodron 1620–1628
Fürsterzbischof Paris Lodron[29] hält Salzburg dank geschickter Diplomatie vom Dreissigjährigen Krieg fern. Er kann deshalb die Grossbaustelle des Domneubaus ohne Verzögerung und im Sinne seines Vorgängers bis 1635 weiterbetreiben. Mit dem Baumeister Solari versteht er sich ausgezeichnet. Am Neubau sind 1622 alle Dächer gedeckt, 1623 sind auch die Gewölbe fertig. Stuck- und Freskenausstattung folgen. Als Stuckateure zieht Solari Landsleute aus dem Val d’Intelvi bei. Genannt werden Giuseppe Passerini, Giovanni Battista Rapa, Andrea Rapa und Antonio Orsolini.[30] Sie arbeiten im Dom von Salzburg bis 1628. Für die Deckenfresken und die ersten Altarblätter zieht Paris Lodron den schon in Hellbrunn tätigen Fra Arsenio Mascagni wieder bei.[31] Der Florentiner Servitenpater erstellt in den Gewölben von Mittelschiff, Chor, Querhausarmen und Vierungskuppel in den Jahren 1623 bis 1628 insgesamt 86 teils monochrome Fresken nach einem theologischen Programm. Im steht der Sohn des Hofbaumeisters, Ignazio Solari, zur Seite.[32]  Bis 1628 sind auch die Hauptaltäre nach Entwürfen von Santino Solari in Marmor ausgeführt und mit Altarblättern von Fra Arsenio und Ignazio Solari ausgestattet. An der Ausstattung hat auch der Konstanzer Bildhauer Hans Conrad Asper Anteil.[33]
Obwohl die Türme erst bis zum Glockengeschoss fertig sind und die Altarausstattung der Seitenschiffe noch fehlt, weiht Paris Lodron den Dom am 25. September 1628 ein. Das Domweihefest dauert acht Tage.[34] Bis 1635 sollen nach neueren Vermutungen im Innenraum noch Stuckateure wirken.[35] Dann ruhen die Arbeiten bis zum Ende des Dreissigjährigen Krieges. Erst eine 1652 durch Paris Lodron erstellte Stiftung von 40 000 Gulden für den weiteren Ausbau des Doms bewirkt den Abschluss der Arbeiten.

Turmfassade und Ausstattungen nach 1653
1653 stirbt Fürsterzbischof Paris Lodron. In der Stiftungsurkunde hat er nebst einem Fassadenriss auch die zeichnerischen Vorlagen der acht Seitenschiff-Kapellenaltäre mit genauen Angaben der Altarbilder, der Seitenfiguren und der Deckenbilder beigefügt. Sein Nachfolger Fürsterzbischof Guidobald[36] setzt die Stiftungsverfügung durch. Er vollendet bis 1655 die noch fehlenden Turmhelme der Fassade und beginnt mit der Ausstattung der Seitenschiff-Kapellen. Auch der hochplastische Stuck der Seitenkapellen stammt aus dieser Zeit. Seine Meister sind unbekannt. Baumeister und Nachfolger des 1646 verstorbenen Santino Solari ist inzwischen Giovanni Antonio Daria, auch er aus dem Val d'Intelvi stammend[37] Er baut bis 1663 die zweigeschossigen, den Domplatz einfassende Arkadengänge, die sogenannten Dombögen. Sie verbinden die beiden Oratorien über den Seitenschiffen mit der Residenz. Mit diesen Arkadengängen erhält der Dom einen geschlossenen Domplatz, der als Atrium dreiseitig durch Arkadenöffnungen erreichbar ist. Als letzte Arbeiten unter dem ab 1668 regierenden Fürsterzbischof Max Gandolph[38] werden 1671/73 auch die Altäre der Seitenschiff-Kapellen und der darüberliegenden Oratorien vollendet. Die Altarblätter sind Werke bekannter Maler wie Frans de Neve, Joachim Sandrart, Johann Heinrich Schönfeld und Karel Skréta. Der Dombau ist damit im Wesentlichen abgeschlossen.

Die barocken Domorgeln
Bei der Einweihung 1628 sind auf den Emporenbalkonen der beiden östlichen Vierungspfeiler die ersten Orgeln vorhanden.[39] Orgelbauer ist Leopold Rotenburger.[40] 1643 baut er für die gegenüberliegenden westlichen Vierungspfeiler-Emporen zwei weitere Instrumente.[41] Wie die Besetzung der Vierungsemporen durch Musiker im Zusammenhang mit dem barocken Schauspiel einer feierlichen Messe um 1675 wirkt, ist im eindrucksvollen und detailgetreuen Stich des Augsburgers Melchior Küsell zu erahnen.
1702–1703 bauen die Salzburger Orgelbauer Christoph und Johann Christoph Egedacher[42] die Hauptorgel auf der Westempore im Auftrag von Fürsterzbischof Johann Ernst.[43] Die zweimanualige Orgel mit 24 klingenden Registern (II/P/24), wird schon 1704–1705 vom Sohn Johann Christoph auf drei Manuale und 43 Register erweitert (III/P/43) und 1718 verbessert.[44] Von diesen fünf Orgelwerken ist heute nichts mehr erhalten. Selbst das Gehäuse der Westorgel hat die grossen Umbauten des 19. Jahrhunderts nur in stark veränderter Form überlebt.

Die Architektur der Domkirche

Italienische Architektur am Übergang zum Barock
Um 1600 ist die Vormachtstellung der italienischen Kunst und Kultur im katholischen Europa evident. Salzburg ist mit seinem italienorientierten Fürsten Wolf Dietrich die erste Stadt im Alten Reich, die Residenzen und Platzräume nach «modernem» italienischem Vorbild erhält. Sein Nachfolger Markus Sittikus lässt den neuen Dom im gleichen Sinn und in Befolgung der neuen Kirchenbaurichtlinien von Karl Borromäus durch italienische Meister bauen. Die Einweihung 1628 ist eine machtvolle Demonstration der gegenreformatorischen Reichskirche. Der bedeutendste Kirchenbau im Alten Reich vor dem Dreissigjährigen Krieg wird damit zum Symbol der wiedererstarkten römischen Kirche und auch zum Vorbild des nach Friedensschluss einsetzenden frühbarocken Kirchenbaus.

Frühbarock?
Santino Solari entwickelt den Domneubau aus Vorgaben des ihm bekannten römischen und lombardischen Kirchenbaus vom Ende des 16. Jahrhunderts, aus seinen Kenntnissen der Renaissance-Theoretiker wie Sebastiano Serlio, und auch aus den stark der venezianischen Renaissance verhafteten Vorarbeiten Scamozzis. Erst um 1600 entwickelt sich die italienische, speziell die römische Baukunst unmerklich und fliessend zum Barock. Solari dürfte die ersten römischen Bauten des Frühbarocks noch nicht kennen. Sicher aber kennt er die Bauten des Spätstils der Renaissance, der heute Manierismus genannt wird. Zum Manierismus zählt auch der Prototyp vieler späterer Barockkirchen, die Jesuitenkirche Il Gesù in Rom.[45] Ihr Grundriss des lateinischen Kreuzes mit der Vierungskuppel und die basilikale Form ist schon im Serlio-Traktat dargestellt und vor allem durch den mittelalterlichen Vorgängerdom vorgegeben. Auch der Dreikonchenabschluss und die Türme sind im romanischen Dom schon vorhanden. Kein Wunder, dass Gurlitt in seiner Geschichte des Barockstils glaubt, Solari habe Teile des alten Doms verwendet.[46] Dass Gurlitt die Beschreibung des Salzburger Doms an vorderster Stelle vornimmt und ihn trotz einiger Kritik «in seiner Gesamtheit als eine der hervorragendsten Raumschöpfungen auf deutschem Boden» bezeichnet, zeigt seine klare Zuordnung des Solari-Doms in den Barock. Er nennt barocke Eigenschaften wie das feine Abwägen der Beleuchtung vom dunklen Langhaus zur hellen Vierung, welche fast alles Licht von der Kuppellaterne erhalte. Diese Lichtdramaturgie ist im Küsell-Stich von 1675 festgehalten. Gurlitt vergleicht auch die Stuckausstattung mit ihrer Fülle der Details oder die Zweiteilung der Interkolumnien mit den besten gleichzeitigen römischen Bauten und nennt dazu die hochbarocke Kirche S. Andrea della Valle.[47] Allerdings schreibt dies Gurlitt 1889. Damals wird der römische Manierismus mit den Protagonisten Michelangelo und Vignola noch als Frühbarock bezeichnet.[48] Trotzdem darf man den Solari-Dom nicht der manieristischen Spätrenaissance zuordnen, wie dies für die Jesuitenkirche in München noch klar zutrifft.[49] Nicht nur die von Gurlitt erwähnten Eigenschaften, auch die Instrumentierungen der Wände und der Gewölbe sind römischen frühbarocken Kirchen ebenbürtig.  Die Zweigeschossigkeit der Schauwände mit der Höhe von 21,5 Meter übertrifft alle römischen Vorbilder. Am ehesten ist der Barockcharakter an der Fassade ablesbar, die ähnlich wie die Schauseite von St. Peter in Rom ihre Umgebung souverän beherrscht. Vorrangig sind aber Symbolgehalt und geografische Lage des Salzburger Doms. Die erste machtvolle Architektur-Demonstration der wiedererstarkten römischen Kirche im Norden der Alpen, bis in den letzten Winkel von neuer italienischer Baukunst geprägt und nur ein Jahrzehnt jünger als die ersten Barockbauten Roms, muss wie diese dem Barock zugerechnet werden.

Innenraum
Der Querschnitt durch das Langhaus zeigt die ungewöhnlich grosse Tiefe der seitlichen zweigeschossigen Kapellenreihe. In beiden Geschossen sind die Kapellen mit Durchgängen in den Wandpfeiler-Trennwänden kommunizierend verbunden. Die Wandpfeiler stützen, wie bei jeder Wandpfeilerbasilika, das Tonnengewölbe bis ins das obere Drittel. Aber im Gegensatz zu den bekannten Wandpfeilerbasiliken der Jesuiten versteckt Solari die Stützwände unter einem weit hochgezogenen Seitenschiffdach. Damit muss er im Langhausgewölbe auf die üblichen Fenster mit den Stichkappen verzichten.[50] Die obere Hälfte des Langhauses bleibt damit ohne Licht. Als Kompensation für diese ungewöhnliche Lösung öffnet Solari die belichteten Oratorienräume der Emporengeschosse zum Langhaus.[51] Vor die Öffnungen setzt er Balkone. Er wiederholt das Balkonmotiv an den Vierungspfeilern des Querhauses und an den Choraussenwänden. Gleich wie die Bogenöffnung zu den Seitenkapellen im Erdgeschoss wird auch das darüberliegende Balkonelement von Doppelpilastern begrenzt. Über dem Gebälk finden die Pilaster die Fortsetzung als doppelte Gurtbögen im Gewölbe, wo anstelle der erwarteten Fenster Stuckrahmungen der Fresken folgen. Diese Wand- und Gewölbegestaltung ist eine grosse Leitung von Santino Solari.

Fassade

Fassade   Domfassade17140   Wie die nur wenige Jahre ältere Fassade von St. Peter in Rom beherrscht die Domfassade von Salzburg ihre Umgebung souverän. Deutlich zeigt dies der Stich von Franz Anton Danreiter (1740). Die erste monumentale Doppelturmfassade ausserhalb Italiens hat gemeinsame Wurzeln in den Proportionsregeln der Renaissance, ihre Gestaltung und Höhentendenz weist in den Barock. Vergeblich werden direkte italienische Vorbilder der Solari-Fassade gesucht. Ähnlichkeiten ihres Mittelteils mit der erst 1636/38 ausgeführten Fassade von San Carlo ai Catinari in Rom zeigen nur das lange Nachleben gemeinsamer Vorbilder.
Fassadenplan aus Tietze: Die kirchlichen Denkmale der Stadt Salzburg. Wien 1912.   Der Domplatz mit der Domfassade aus Franz Anton Danreiter, in: «Die Saltzburgische Kirchenprospect», Augsburg um 1735/40. Exemplar der Universitätsbibliothek Salzburg. Quelle: Wikipedia.  

Bei Kirchen der Barockzeit wird vor allem der Schaufassade Aufmerksamkeit geschenkt. In Salzburg ist die Westfassade zum Domplatz eine solche Schaufassade. Ihre helle Marmorverkleidung und ihr rhythmisches Gliederungssystem stehen in Kontrast zu den Nagelfluh-Quadern der Apsiden und Längsseiten. Wie schon die Gebäudeform sind diese Fassaden eine weitere Reverenz an den romanischen Vorgängerdom. Solari lässt hier Mauermasse ungegliedert in grandioser Wucht hervortreten. Dagegen wendet er bei der ersten monumentalen Doppelturmfassade des Barocks im Norden der Alpen strenge Proportionsregeln an. Die dreigeschossigen Türme treten dem dreiachsigen und zweigeschossigen Mittelteil risalitartig vor. Pilaster in der klassischen Ordnung toskanisch, jonisch und korinthisch gliedern die Geschosse in abnehmender Breite und sind an den Turmecken vervielfältigt. Dadurch, und mit den nach oben abnehmenden Geschosshöhen entsteht die barocke Höhentendenz. Das zweite Geschoss der Mittelfassade ist hinter eine durchgehende Balustrade zurückgesetzt. Es hat einen Giebelaufsatz. In der Ädikula des Aufsatzes sind die Wappen Hohenems und Lodron zu sehen. Die eingezogenen Oktogonaufbauten der Türme sind mit welscher Haube und Laterne bekrönt. Die eindrücklich schlichte und proportional ausgewogene Fassade knüpft an klassische italienische Traditionen zu Beginn des 17. Jahrhunderts an. Direkte Vorbilder werden aber vergeblich gesucht.[52]

Veränderungen in nachbarocker Zeit

Renovationen in barockfeindlicher Zeit
Die Domkirche muss in der nachbarocken Zeit einige Renovationen erdulden. «Viele den schönen italienischen Bau verunstaltende Anhängsel, die der Zopfstil des 17. und 18. Jahrhunderts wucherisch anhäufte»,[53] müssen dem nun herrschenden Zeitgeschmack weichen. Schon der letzte Fürsterzbischof Hieronymus Colloredo ist ein Gegner aller barocker Bräuche und der barocken Baukunst. Als erster lässt er die Domkirche von unnötigem «Zopf» reinigen. Eine vollständige erste Renovation des Innenraums findet 1828 statt. Das Hochaltarblatt von Fra Arsenio, schon 1742 durch eine spätbarocke Schöpfung ersetzt, kommt jetzt wieder an den alten Platz. Erst 1859 wird radikal «restauriert». Das Ziel ist ein Renaissance-Innenraum mit Ausmerzung der barocken «Auswüchse». Die vier Emporenbalkone der Vierung mit ihren Orgeln, die «schweren» barocken Gitter vor den Seitenschiff-Kapellen, die barocke Kanzel und das Chorgestühl fallen dem Purifizierungswahn zum Opfer und werden ersetzt. Die Öffnungen zu den Emporen-Oratorien erhalten Glastüren. Ein Dachstuhlbrand während der «Restauration» beschädigt die Mascagni-Fresken. Erst 1875–1880 erfolgt ihre Überarbeitung durch spätnazarenische Kirchenmaler. Die Bilder der Seitenschiff-Kapellen sind neue Ölmalereien von Ludwig Glötzle. Nur die Stuckaturen sind selbst den Barockfeinden des 19. Jahrhunderts genehm und bleiben erhalten.

Kriegszerstörung, Restaurierungen und Neuschöpfungen
1941 fallen Bomben auf den Dom. Die Kuppel wird vollständig zerstört, die Querarm-Gewölbe sind schwer beschädigt. Der Wiederaufbau kann bis 1949 erfolgreich abgeschlossen werden. Anschliessend erfolgt die Restaurierung des Innenraums bis 1959. Neuschöpfungen dieser letzten Innenrestaurierung sind das Chorgestühl, die Kanzel und die drei Eingangstore. Auch die Fresken der Kuppel müssen, trotz versuchter Annäherung an das Original, als Neuschöpfung bezeichnet werden. 1991 folgen als vorläufig letzter Eingriff, und als vermeintlicher Ersatz der 1859 zerstörten Einrichtung, vier Vierungsbalkone mit neuen Orgeln. Mit den ehemaligen barocken Balkonen und den Barockorgeln haben sie leider ausser ihrem Platz nichts gemeinsam.[54]

Pius Bieri 2017

 

Literatur:
Hübner, Lorenz: Beschreibung der hochfürstlich⸗erzbischöflichen Haupt⸗und Residenzstadt Salzburg, Erster Band. Salzburg 1792.
Schallhammer, Anton Ritter von: Beschreibung der bischöflichen Domkirche zu Salzburg. Salzburg 1859.
Tietze, Hans: Die kirchlichen Denkmale der Stadt Salzburg (mit Ausnahme von Nonnberg und St. Peter), Wien 1912.
Ebhardt, Manfred: Die Salzburger Barockkirchen im 17. Jahrhundert. Baden-Baden 1975.
Steinitz, Wolfgang: Salzburg, ein Kunst- und Reiseführer. Salzburg 1984.
Huber, Horst Richard: Stadt Salzburg, in: Dehio-Handbuch «Salzburg» der Kunstdenkmäler Österreichs. Wien 1986.
Wallentin, Ingeborg: Der Salzburger Hofbaumeister Santino Solari (1576–1646) in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Salzburg 1994.
Lippmann, Wolfgang: Der Salzburger Dom 1598–1630. Weimar 1999.
Mayr, Norbert und Erker, Erich: Nachbildung und moderate Moderne. Zum Wiederaufbau des Salzburger Doms nach 1945, in: Ausstellungskatalog «Ins Herz getroffen. Zerstörung und Wiederaufbau des  Domes 1944-1959». Salzburg 2009.
Bircher, Patrick: Ad maiorem Dei gloriam. Regensburg 2015.

Anmerkungen:
[1] Die erste Kirche St. Peter ist an Stelle des heutigen Doms gelegen.

[2] Gründung durch Bonifatius (um 673–754/55) im Rahmen der kirchlichen Reorganisation des fränkischen Bayerns. Salzburg wird zusammen mit Regensburg, Passau und Freising gegründet.

[3] Rupert von Salzburg (um 650–718) stammt aus einer fränkischen Adelsfamilie. Seine Lebensdaten sind umstritten. Er wird als Bischof mit einem Salzfass als Attribut dargestellt.
Virgil von Salzburg (um 700/20–784), ein irischer Adliger, wird um 750 Bischof von Salzburg und Abt des Klosters St. Peter. Er wird mit dem Modell des doppeltürmigen Doms dargestellt.

[4] Zum karolingischen Bayern zählt auch Österreich. Zum Erzbistum Salzburg gehören bis zur Säkularisation die sechs Bistümer Brixen, Freising, Regensburg, Passau, Wien und Salzburg. Das eigentliche Bistum Salzburg dehnt sich vor der josephinischen Diözesanregulierung (1780) vom Inn bis zur ungarischen Grenze aus. Aber selbst im Bistum Salzburg hat der Fürsterzbischof nur in der gefürsteten Herrschaft, dem Erzstift, weltliche Hoheitsrechte. Diese weltliche Herrschaft ist flächenmässig eines der grössten kirchlichen Fürstentümer im Alten Reich. Zu den Bistumsgrenzen um 1750 siehe die Karte in dieser Webseite. Die Bistümer im Alten Reich haben generell andere Grenzen und Bezeichnungen als die erst im 19. Jahrhundert gestalteten heutigen Bistümer.

[5] Wolf Dietrich von Raitenau (1559–1617). Er hält sich 1574–1583 in Italien auf, davon fünf Jahre in Rom. 1587–1612 ist er Fürsterzbischof von Salzburg. Er bereitet den Domneubau vor, baut prägende Bauten wie das Neugebäude, die Residenz und den Hofmarstall. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[6] Markus  Sittikus von Hohenems (1574–1619), Cousin des Wolf Dietrich von Raitenau und Neffe des Mailänder Erzbischofs Karl Borromäus. Er studiert 1582–1587 in Mailand und Rom. 1612–1619 ist er Salzburger Fürsterzbischof. Er beginnt 1614 den Domneubau. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[7] Paris (Paride) Graf von Lodron (1586–1653) aus Castelnouvo di Noarna im Trentino, studiert in Trient, Bologna und Ingolstadt und ist 1619–1653 Fürsterzbischof von Salzburg. Er ist Vollender des Domneubaus. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[8] Zur detaillierten Stadtgeschichte und einer instruktiven Wachstumsphasen-Karte siehe den «Österreichischen Städteatlas».

[9] Die ersten Westtürme des Salzburger Doms werden 1121 erstellt.

[10] An das südliche Seitenschiff ist der Kreuzgang des Domklosters und an das nördliche Seitenschiff eine zusätzliche Kapellenreihe angefügt, die beide die Achsen der Langhausjoche übernehmen. Im Grundriss entsteht so der Eindruck einer fünfschiffigen Kirche mit der Breite des Solari-Doms von 45 Meter.

[11] Das Domkapitel ist bis 1514 der Augustinerregel unterstellt. Die adeligen Mitglieder haben die Verpflichtung zu ständiger Residenz. Zudem ist Priesterweihe erforderlich. Den Domherren ist das Leben nach der Ordensregel am Vorabend der Reformation zu streng, deshalb wird das Domkapitel noch vor der Reformation säkularisiert. Gleichzeitig erfolgt eine Verschärfung des Adelsnachweises bei der Aufnahme (mindestens acht Generationen). Die wegfallende Residenzpflicht und die Liberalisierung der Weiheanforderungen fördern jetzt das Sammeln von Domkapitelsitzen durch den Adel und rein politische Besetzungen durch regierende Häuser. Das ehemalige Domkloster wird vom Domkapitel auch nach 1514 weiterbenutzt und zusammen mit dem Dom 1606 abgebrochen.

[12] Zu Wolf Dietrich von Raitenau (1559–1617) siehe die Biografie in dieser Webseite.

[13] Hübner, Seite 213 in Beschreibung Salzburg Band 1 (1792). Herzog Maximilian I. von Bayern schreibt 1612 an die Kurie in Rom, dass Wolf Dietrichs Konkubine Salome Alt die Brandverursacherin sei.

[14] Elia Castello (1572/78–1602/08) aus Melide im Tessin. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[15] Vincenzo Scamozzi (1548–1616) aus Vicenza ist ein Landsmann und Schüler von Palladio. Er hält sich 1578/79 und nochmals 1580 in Rom auf (Wolf Dietrich ist 1576–1581 in Rom), um die antiken Monumente aufzunehmen. Scamozzi ist in erster Linie Architekturschriftsteller. Sein 1615 erstmals erschienenes Werk  mit dem anspruchsvollen Titel «L’idea della Architettura universale» ist die versuchte Neufassung der zehn Bücher von Vitruvius mit einer Zusammenfassung der Werke von Serlio und Palladio. Nur die Bücher 1-3 und 6-8 erscheinen. Für das nicht erschienene Buch 5 zeichnet er 1607/08 den Idealentwurf des Salzburger Doms. Wie alle Bauten Scamozzis ist auch dieser Entwurf eine klare Absage an den Frühbarock. Mehr zu Vitruvius, Serlio, Palladio und Scamozzi im Beitrag «Wege 1: Traktate» in dieser Webseite.

[16] Giovanni Stringa, Kanoniker von San Marco, ist mit Scamozzi befreundet. 1603 widmet er seine Ausgabe des Werkes von Francesco Sansovino: Venetia, Città nobilissima, an «Volfango Theodorico, Arcivescovo di Salzbvrgo». Im Vorwort erwähnt er den Aufenthalt der Musiker der Cappella di San Marco 1600 am Hof von Salzburg.

[17] Gerne wird vermutet, dass sich Scamozzi bereits 1599/1600 auf einer früheren Deutschlandreise nach Prag bei Wolf Dietrich aufgehalten habe. Dies kann ausgeschlossen werden. Der jeden Fürstenbesuch minutiös auflistende Scamozzi hätte einen damaligen Salzburgaufenthalt in seinen Schriften erwähnt, wie er auch denjenigen von 1604 in seinem Traktat 1615 (Parte Primo, Libro terzo, Cap. VIII, Seite 251) ausführlich beschreibt.

[18] Das Domprojekt von Vincenzo Scamozzi, wie er es 1606 und 1607 für die Veröffentlichung neu zeichnet, scheint das einzige grosse Sakralraumprojekt des Architekturtheoretikers zu sein. Bis zu diesem Zeitpunkt hat er keinen Namen als Architekt von Sakralbauten. Bei zwei Kirchen in Venedig (S. Maria della Celestia und S. Nicolò da Tolentino) wird er während der Bauausführung entlassen. Lippmann (1999) schreibt über seine Kirchenbauten in Venetien: «Ein aussergewöhnliches Werk oder eine geniale Lösung sucht man vergebens», und beurteilt abschliessend «dass Scamozzis Entwurf für den Salzburger Dom kein Werk eines genialen Architekten ist. Da es sich aber um Scamozzis grösstes und bedeutendstes Kirchenprojekt handelt, sind die beiden Dompläne grundlegend für seine Beurteilung als Architekt».

[19] Grabungen 1956–1958 und 1966–1967 legen noch «mächtige» Fundamente frei, die aber ohne Plan- oder Foto-Dokumentation abgetragen werden, sodass aufgrund der Grabungen nur die Richtung, nicht aber Form und Mass des Wolf-Dietrich-Doms bekannt ist. Sein Ausmass ergibt sich aus den Chronikberichten, die übereinstimmend die Länge von 330 Salzburger Fuss oder Schuh (Barockzeit: 296,6 mm) angeben.

[20] Zu Markus  Sittikus von Hohenems (1574–1619) siehe die Biografie in dieser Webseite.

[21] Santino Solari (1576–1646), aus Verna im Val d'Intelvi. Zu ihm siehe die Biografie und die Werkliste in dieser Webseite.

[22] Die Lage des heutigen Doms weicht aber 11 Grad vom mittelalterlichen Dom ab, weil die Längsachse jetzt in Richtung Sonnenaufgang zur Sonnenwende am 21. März und 23. September liegt.

[23] Bei den Grabungen 1956/67 werden noch mächtige Fundamentreste abgetragen. Die beschriebene Entfernung der Fundamente durch Markus Sittikus nach 1612 kann deshalb nur die aufgehenden (oberen) Bereiche der Fundation umfasst haben.

[24] Siehe dazu die Planvergleiche.

[25] Reine Grundrissvergleiche führen nie zu einer vernünftigen Aussage über ein Kirchenbauwerk. Dies gilt im speziellen für das Salzburger Scamozzi-Projekt, das vor allem in der Dreidimensionalität völlig vom Projekt Solari abweicht. Noch immer wird in der Literatur die Meinung von Hans Tietze (1912) repetiert, das Solari-Projekt von 1611 sei eine bescheidenere Fassung des ursprünglichen Scamozzischen Entwurfes, der künstlerische Anteil von Solari am Dombau erscheine demnach zweifelhaft. Die nachfolgenden Ausführungen, vor allem der Vergleich der Schnitte, bestätigt dies nicht. Eine auf derart weitverzweigten italienischen Wurzeln basierende Architektur wie der Salzburger Dom kann nicht von einem einzigen Vorbild abgeleitet werden. Dies gilt auch für fast alle grossen Sakralbauten des 17. Jahrhunderts. Der heutige Dom von Salzburg ist das Endprodukt einer langen Planung mit vielen Akteuren. Der Verdienst von Santino Solari ist die gelungene Komprimierung der verschiedenen Einflüsse zu einem ersten grossen italienischen Sakralbau nördlich der Alpen.

[26] Der Entwurf für St. Peter in Rom, von Raffaello nach Bramante (1514/16), wird in der Serlio-Ausgabe 1584, Buch III, Seite 65, durch den älteren Scamozzi in Venedig veröffentlicht.

[27] Markus Sittikus hält sich noch 1603 und 1604 im Vatikan auf. Er kennt deshalb nicht nur den Zentralbau Michelangelos mit den gegenüber Raffaello stark veränderten Konchen, vielleicht kennt er auch die Pläne des 1603 beginnenden Langhausbaus von Maderno.

[28] Seite 217a im fünften Buch von Sebastiano Serlio, erschienen 1566 in Venedig. Gehe zum Grundriss (Quelle: Universitätsbibliothek Heidelberg).

[29] Paris Graf von Lodron (1586–1653), Fürsterzbischof von Salzburg 1619–1653. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[30] Alle aus Ramponio im Val d’Intelvi. Die Lebensdaten sind nicht erforscht. Alle genannten Stuckateure arbeiten um 1628 für Paris Lodron auch an der Rupertuskapelle in Villa Lagarina.

[31] Donato Arsenio Mascagni (um 1570–1637) ist unter dem Klosternamen Fra Arsenio Mascagni bekannt. Der Florentiner Servitenmönch arbeitet 1616–1619 vorerst für Markus Sittikus in Hellbrunn und 1624–1627 für Paris Graf Lodron im Dom, dann bis 1629 auch in der Rupertuskapelle in Villa Lagarina

[32] Von Ignazio Solari sind die Lebensdaten nicht erforscht. Er dürfte nach 1616 bei Fra Arsenio die Lehre begonnen haben. Zu ihm siehe die Biografie in A.I.A. Gleichzeitig ist sein Cousin Antonio Solari auch in Salzburg tätig. Verwechslungen sind üblich.

[33] Hans Konrad Asper (1588–1666) aus Zürich, in Konstanz tätig, wird von Markus Sittikus 1615 nach Salzburg berufen. Er verlässt Salzburg 1625, sodass einige der ihm zugeschriebenen Bildhauerarbeiten nicht möglich sind. Er ist Schöpfer der Chorschranken, des Epitaphs von Markus Sittikus und auch der Figuralplastik am Hochaltar. Zu ihm siehe die «Asper, Hans Konrad» im Lexikon zur Kunst in der Schweiz.

[34] Das Gefolge der fürstlichen Gäste aus Bayern, Köln, Innsbruck und der Bischöfe aus den Bistümern des Erzbistums beträgt 781 Personen und 651 Pferde. An der Prozession vom 24. September zu Überführung der Reliquien des hl. Rupert sind 1871 Personen beteiligt, davon 1036 aus dem geistlichen Stand. Das barocke Schauspiel zieht nicht zuletzt wegen eines von Rom gewährten vollkommenen Ablasses eine riesige Volksmenge an, die mit Wein und Brot beschenkt wird. Das Salzburger Domweihfest wird von Teilnehmern mit den grössten römischen Festen gleichgestellt.

[35] Der Stuck des Altarraumes sei bei der Einweihung 1628 noch unvollendet, wird in der neueren Literatur behauptet. Dies, weil eine bei der Restaurierung 1945–1959 entdeckte Stuckateur-Inschrift die Jahreszahl 1635 aufweist. Ob aber wirklich Neugerüstungen im Bereich des Hochaltars wenige Jahre nach der Einweihung nicht irgendwo vermerkt sein sollten? Die Inschrift dürfte bei einer nachträglichen Überarbeitung oder Ergänzung angebracht worden sein. Auch die archivalische Belegung von italienischen Stuckateuren 1631–1635 in Salzburg heisst nicht, dass diese in den erwähnten Jahren zwingend im Dom tätig sein müssen. Zu dieser Zeit wird auch am Ausbau der Universität und am Primogeniturpalast gearbeitet.

[36] Guidobald Graf von Thun-Hohenstein (1616–1668), Fürsterzbischof von Salzburg 1654–1668. Bischof von Regensburg 1666–1668. Kardinal 1667–1668. Fürsterzbischof von Salzburg. Sein jüngerer Halbbruder ist 1664–1673 Fürstbischof von Passau.

[37] Giovanni Antonio Daria (~1630-1702) aus Pellio im Val d'Intelvi, Bildhauer und Baumeister, ist seit ungefähr 1650 in Salzburg tätig. Er wird als Schöpfer des Residenzbrunnens (1656–1661) bezeichnet,  baut die Arkadengänge (Dombögen, 1657/58–1663) und die Seitenschiffaltäre im Dom (1668–1671). Hauptwerk ist die Wallfahrtskirche Maria Plain (1671–1674). Um 1683 wechselt er als Baumeister ins Stift St. Florian. Zu ihm siehe die Biografie in A.I.A.

[38] Max Gandolph Graf von Kuenburg (1622–1687), Fürsterzbischof von Salzburg 1668–1687, Kardinal 1686.

[39] Die einmanualigen Orgeln werden 1677 von den Orgelbauern Egedacher auf zwei Manuale mit 14 resp. 13 klingenden Registern erweitert. Hoforgel links: II/P/14, Heilig-Geist-Orgel rechts: II/P/13.

[40] Leopold Rotenburger (1568–1653), Hoforgelmacher und Organist in Salzburg. Die westlichen Vierungsorgeln baut er vielleicht mit Sohn Paul Rottenberger (1598–1661).

[41] "Trompeterorgeln" I/P/6

[42] Christoph Egedacher (1614–1706) aus Straubing, seit 1673 Hoforgelbauer in Salzburg.  Zu ihm siehe den Wikipedia-Beitrag. Der in München geborene Sohn Johann Christoph Egedacher (1666–1747) ist Nachfolger in Salzburg. Zu ihm siehe den Wikipedia-Beitrag. Ein weiterer Sohn, Johann Ignaz Egedacher ist Orgelbauer in Passau.

[43] Johann Ernst Graf von Thun-Hohenstein (1643–1709), 1679–1709 Fürstbischof von Seckau, 1687–1709 Fürsterzbischof von Salzburg.

[44] Die Angaben zur Disposition der Egedacher Orgel 1703 aus Wikipedia. Die Angaben zur Orgel 1705/18 und die detaillierte Disposition aus «Mechanik der Poesie II» des Greifenberger Institutes.

[45] Il Gesù ist keine Kirche des Frühbarocks. Erst 1668/73 erhält sie den hochbarocken Innenraum. Die Zeitzeugin  Margherita Costa vergleicht 1628 den Salzburger Dom mit Il Gesù. Sie schreibt, der neue Dom von Salzburg werde vorzüglich in den Formen von Il Gesù gebaut, aber grösser, luftiger und mit besseren Stuckaturen («meglio ornato») versehen. Die römische Schriftstellerin beschreibt damit unbewusst den Wandel zum Barock.

[46] Cornelis Gurlitt: Geschichte des Barockstiles und des Rococo in Deutschland. Stuttgart 1889. Seite 4–7. Er kann die Eigenheiten und Abhängigkeiten des Barocks in Deutschland (er meint damit die deutschsprachigen Länder) verständlich darstellen und trägt mit seinen Schriften massgebend zur Neuentdeckung des Barocks bei.

[47] S. Andrea della Valle ist eine Theatinerkirche in Rom, die zwar 1599 in den Fundamenten fertig ist, aber erst 1608–1622 gebaut wird. Die Fassade folgt sogar erst bis 1666. Sie ist wegen der späten Ausführung (1606–1629 Carlo Maderno, 1660–1666 Carlo Rainaldi) eine Kirche des römischen Früh- und Hochbarocks und auch klares Vorbild der Theatinerkirche von München.

[48] Noch heute wird der Kirchen-Prototyp Il Gesù von einigen Kunsthistorikern dem Barock zugeordnet, so auch von Ingeborg Wallentin in: Der Salzburger Hofbaumeister Santino Solari (1994).

[49] Siehe dazu auch Wege 1 / Das italienische Erbe in dieser Webseite.

[50] Die als mögliches Vorbild genannten italienischen Kirchen vom Typ «Il Gesù» haben Lichtöffnungen mit Stichkappen im Tonnengewölbe. Die hohen doppelten Kapellenräume der Seitenschiffe im Salzburger Dom hätten aber selbst bei sehr flachen Seitendächern der üblichen Belichtung über dem Kranzgesims im Weg gestanden. Bei der ungewöhnlichen Salzburger Lösung ist vielleicht ein Diktat des Bauherrn vorhanden, der an den Aussenfassaden in Angleichung an den mittelalterlichen Dom keine Wandpfeiler-Streben sehen will.

[51] Sie werden bei der Renovierung 1859 mit den heutigen Türen geschlossen. Mit der Einrichtung des Dommuseums 1974 verschwindet selbst diese jetzt stark reduzierte natürliche Lichtquelle.

[52] Für die Salzburger Solari-Fassade werden in der bekannten Literatur Vorbilder in Kombination mit Doppeltürmen genannt. Selbst spanische und portugiesische Vorbilder werden herangezogen. Mit Salzburg haben sie jeweils nur partielle Gemeinsamkeiten. Solari nimmt ihm bekannte römische oder oberitalienische Kirchenfassaden als Anregung. Dies könnte unter anderen die 1587 vollendete Fassade der römischen Kirche Santa Maria in Trasportina sein. Ähnlich auch die erst 1636/38 ausgeführten Fassade von San Carlo ai Catinari in Rom, was für das lange Nachleben gemeinsamer Vorbilder spricht. Die beiden Fassaden sind in Rossi: Insignium Romae templorum prospectus (1683) abgebildet (Santa Maria in Trasportina Seite 115, San Carlo ai Catinari Seite 91).

[53] Anton Ritter von Schallhammer (1859). Als Zopfstil wird abschätzig der Barock bezeichnet. Siehe zum Begriff auch das Glossar in dieser Webseite.

[54] Die Balkone ruhen auf zu plump gestalteten Konsolen. Die zu leichten Metallgeländer könnten aus einem Eigenheim-Katalog stammen. Die Orgelgehäuse wirken neoklassizistisch. Die Vierungsorgeln von Salzburg sind ein Beispiel, wie ein Planergremium weder für die Rekonstruktion auf Grund von Stichen noch für eine klare zeitgemässe Lösung Verantwortung übernehmen will. Zum Glück ist die Raumarchitektur derart grossartig, dass die vier unpassenden Gebilde wenig wahrgenommen werden.

 


  Domkirche hll. Rupert und Virgil in Salzburg  
  SalzburgDomA1  
Ort, Land (heute) Herrschaft (18. Jh.)
Salzburg A

Fürsterzbistum Salzburg
Bistum (18.Jh.) Baubeginn
Salzburg   1614
Bauherr und Bauträger
Raitenau Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau
(reg. 1587–1612)
Hohenems Fürsterzbischof Markus  Sittikus von Hohenems (reg. 1612–1619)
Lodron Fürsterzbischof Paris (Paride) Graf von Lodron (reg. 1619–1653)
 
  Der Dom von Salzburg von der Burg Hohensalzburg fotografiert.
Ausschnitt aus eienr Aufnahme 2017 Sven Teschke in Wikipedia.
  pdf  
   
SalzburgDomA2
Fassade zum Domplatz mit der Mariensäule (1766/71). Foto: Bieri 2017.  
   
Salzburg1811
Plan der Stadt Salzburg im Zustand der Barockzeit, mit der noch erhaltenen Lodronschen Stadtbefestigung.
Untere Bildhälfte: Die linksufrige Stadt mit der Feste Hohensalzburg an ihrem südlichen Rand. In der Stadtmitte liegt der Dom freigestellt mit südlichem Kapitelplatz, nördlichen Residenzplatz und westlichem Domplatz.
Obere Bildhälfte: Die rechtsufrige Vorstadt mit der Mirabell-Bastion.
Die Gebäude der Kirche und der erzbischöflichen Herrschaft sind rot hervorgehoben.
Bildquelle: Genordeter Ausschnitt aus dem Stadtplan 1811 von Ludwig Grenier in der Bayerischen Staatsbibliothek.
 
Salzburg1830und 2017
Die Überlagerung des heutigen Stadtplans (Gebäude grau) mit dem historischen Stadtplan von 1830 zeigt die Veränderungen im Uferbereich der heute kanalisierten Salzach und in der nördlichen Vorstadt. Die Gebäude der Kirche und der ehemaligen erzbischöflichen Herrschaft sind rot hervorgehoben.
Bildquelle: Stadtplan der Stadtgemeinde Salzburg 1999 (Ausschnitt), überlagert mit historischem (entzerrtem und ergänztem) Plan 1830 aus dem österreichischen Städteatlas.
 
SalzburgDom1493
«Salczburga» 1493 im Liber chronicarum von Hartmann Schedel. Salzburg ist aus Westen gesehen. Im rechten Bildteil stellt Schedel den mittelalterlichen Dom innerhalb der linksufrigen Stadt unter der Feste Hohensalzburg dar. Im linken Bildteil ist die rechtsufrige Vorstadt mit der (wahrscheinlich übertrieben goss gezeichneten) mittelalterlichen Burg auf dem Imberg, dem heutigen Kapuzinerberg zu sehen. Sie wird später Trompeterschlösschen genannt und dann zu Gunsten des Kapuzinerklosters abgebrochen.
Bildquelle: Jewish National and University Library.
 
AlterDom
Grundriss des Doms von 1181 aufgrund der Grabungen. Quelle: W. K. Kovasovics / F. Mossleitner in: Führer durch die Domgrabungen Salzburg 1997, hier überarbeitet von P. Bieri.  
AlteLageDom
Die Lage des1606 abgebrochenen mittelalterlichen Doms mit dem südlich angebauten Domkloster im heutigen Stadtplan. Quellen: Tietze 1912, Kovasovics / F. Mossleitner 1997, Stadtplan 2017. Planzeichnung Bieri 2017.  
GrundrissSchnitt
Grundriss und Längsschnitt des 1614–1628 gebauten Dom. Aufnahmepläne aus «Die kirchlichen Denkmale der Stadt Salzburg» von Hans Titze, Wien 1912. Für die Planübersicht bitte anklicken.  
DomQuerschnitt
Querschnitt aus obigem Plansatz. Die ungewöhnliche Tiefe der zweigeschossigen Kapellen-Seitenschiffe, verbunden mit den als Kaschierung der äusseren Wandpfeiler weit hochgezogenen Seitenschiffdächern verunmöglichen eine direkte Belichtung des Mittelschiffes. Ob dies dem Diktat des Bauherrn in Nachfolge des mittelalterlichen Doms oder einer wirklich beabsichtigten Lichtdramaturgie entspricht? Jedenfalls bleibt diese Salzburger Lösung einer Wandpfeiler-Basilika singulär.  
Domresidenzplatz
Nordansicht des Doms mit nördlicher Verbindungsgalerie zur Residenz, vom Residenzplatz gesehen. Der Wechsel vom Naturstein-Quadermauerwerk zu Marmorverkleidungen beginnt bei den Türmen. Die Okuli des Obergadens sind rein gestalterische Fassadenelemente und dienen nicht, wie ihre Lage vermuten lässt, der Belichtung des Kirchenraums. Sie auch die gleich gestaltete Südansicht im Titelbild. Foto: Bieri 2017.  
DomKapitelplatz
Ansicht der Türme mit der Rückseite des Giebelaufsatzes der Schaufassade von Süden. Foto: Bieri 2017.  
DomSued
Kuppel und Turmlandschaft des Doms und der Franziskanerkirche, gesehen vom Aufgang zum Nonnberg. Foto: Bieri 2011.  
DomInnen1
Das Mittelschiff mit dem Hauptlicht-Einfall aus der Vierung. Zwischen die Doppelpilaster über den Kapellen-Rundbögen setzt Solari Balkonelemente mit früher offenen Verbindungen zu den Oratorien im oberen Geschoss. Über dem  Kranzgesims führt er die Gliederung als Gurtbögen des Tonnengewölbes weiter. Wo vergleichbare römische Kirchen ein Fenster im Gewölbe aufweisen, fasst Solari mit reich gestaltete Stuckrahmungen die Fresken von Fra Arsenio Mascagni. Foto: Bieri 2017.  
DomInnen2
Blick in die Gewölbezone des Mittelschiffs. Balkone sind auch in den Fresken Mascagnis ein sich wiederholendes Element, wie im dritten Joch und zweiten Joch Süd mit den Themen Christus al Ecce Homo und Christi Tod wird vom Volk begehrt. Im ersten Joch bei der Empore ist Christi Gefangennahme dargestellt.
Foto: Bieri 2017.
 
DomInnnen3
Blick nach hinten in die westliche Gewölbezone und zur Orgel. Das heutige Werk ist ein Neubau von 1988 (III/P/58). Das Gehäuse stammt noch von der barocken Egedacher-Orgel stammen, für die Schleierbretter dürfte die nicht zutreffen. Foto: Bieri 2017.  

DomInnen8

Einblick vom Mittelschiff in die Heilig-Geist-Kapelle  des vierten Südjochs. Wie alle Kapellen zeichnet sie sich durch ihren einfachen und erst um 1670 errichteten Altar, aber auch durch den expressiven und plastischen Stuck der Stuckateure aus dem Val d’Intelvi aus, der in den Kreuzgewölben der Seitenkapellen erst 1653 aufgebracht wird. Von 1625/28 stammt der Stuck am Bogen. Das Altargemälde von Karel Škréta stellt das Pfingstwunder dar.
Foto: Bieri 2017.
 
DomInnen4
Die Vierung mit Blick ins Langhaus und in den nördlichen Querhausarm. Der Orgelbalkon am Vierungspfeiler ist eine Neuschöpfung von 1991. Foto: Bieri 2017.  
DomInnenKuppel
Kuppel und Querarmtonnen in planimetrischer Unteransicht. Alle Fresken dieser Gebäudeteile sind entweder im 19. Jahrhundert oder nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs neu gemalt worden.
Foto: Bieri 2017.
 
DomInnen1675
1675 stellt der Augsburger Stecher Melchior Küsell einen Festgottesdienst im Dom dar. Im Bild wird der Augenblick eines liturgischen Intermezzos festgehalten. Besser kann die Stimmung und die Architektur des Innenraums zur Barockzeit nicht dargestellt werden.
Gehe zum Beschrieb der Radierung
 
DomInnen5
Hochaltar im lichtumfluteten Chor mit den beiden seitlichen Epitaphien für Markus Sittikus von Hohenems und Paris Lodron. Foto: Bieri 2017.  
DomInnne6
Der Hochaltar ist eine um 1625 geschaffene Bildhauerarbeit in Marmor nach Entwurf von Santino Solari. Ein Säulenädikula-Retabel enthält das Altarblatt von Fra Arsenio Mascagni. Im Sprenggiebel der Ädikula setzt sich das noch stark manieristisch gestaltete Oberstück fort. Es enthält die Inschrift «NOTAS MIHI FECISTI VIAS VITAE» (Du hast mir gewiesen die Wiege des Lebens). Das Oberstück wird von den beiden Kirchenpatronen flankiert. Die Bildhauerarbeiten sollen von den Bildhauern Hans Konrad Asper und Hans Pernegger stammen. Foto: Bieri 2017.  
DomInnen7
Das Hochaltarblatt von Fra Arsenio Mascagni (Ausschnitt aus obiger Foto) stellt die Auferstehung Christi dar. Das Gemälde bildet den triumphalen Abschluss des Passionszyklus im Langhaus.  
DomInnen9
Die Gewölbe der Seitenkapellen erhalten ihre hochplastischen Stuckaturen erst um 1653. Einblick in die Borromäus-Kapelle, der zweiten Südkapelle, mit dem Durchblick nach Osten. Der hochplastische Stuck der Seitenkapellen ist mit Engelhermen und Putten belebt. Die Meister sind nicht erforscht. Um diese Zeit ist Giovanni Antonio Dario aus Pellio Hofbaumeister. Er dürfte die Stuckateure wieder aus seiner Heimat, dem Val d'Intelvi, rekrutiert haben.  Foto: Bieri 2017.  
Stuck1
1721/22 baut der Passauer Orgelbauer Johann Ignaz Egedacher die Orgel. Der zweigeteilte Prospekt mit dem kleinen Oberwerk ist noch heute vorhanden. Zur Emporenbrüstung siehe die Erläuterung am Ende der Seite.  
Stuck2
In der mittleren südlichen Wandpfeiler-Kapelle, der Leopoldskapelle, befindet sich ein Wand-Epitaph der Maria Polixena (Polyxena) Gräfin von Schärffenberg, Gattin des Reichsvizekanzlers Leopold Wilhelm Graf von Königsfeld-Rothenfels. Die ehemalige kaiserliche Hofdame stirbt 1683 in Passau. Ihr Epitaph in der Jesuitenkirche, verbunden mit dem erwähnten Stuckkenotaph in der gleichen Wandpfeiler-Kapelle, deutet auf eine Wohltäterin der Jesuiten hin.