Die wichtigsten Meister des Bauwerks
Name Herkunft Text   Tätigkeit von   bis
Michael Wiedemann (1661−1703) Unterelchingen 0k   Baumeister-Architekt 1698   1700
Johann Schmuzer (1642–1701) Wessobrunn SchmuzerJohann   Stuckateur 1699   1702
Francesco Antonio Giorgioli (1655–1725) Meride Tessin ok   Maler, Freskant 1699   1724
Johann Philipp Pfeiffer (1680–1734) Bernbeuren b. Schongau     Altarbauer, Bildhauer 1702   1725
Johann Isaak Freitag (1682–1734) Rheinfelden Wikipedia   Bildhauer 1719   1724
Johannes Rüeff (1686–1750) Au Vorarlberg ok   Baumeister-Architekt 1725   1726
Jakob Natter II (1697–1752) Schoppernau Vorarlberg     Zimmermeister 1726   1752
Johann Caspar Bagnato (1696–1757) Landau (Pfalz) Bagnato1   Baumeister-Architekt 1740   1741
Johann Michael Feichtmayr III (1696–1772) Wessobrunn     Stuckateur 1752   1765
Franz Joseph Spiegler (1691–1757) Wangen im Allgäu ok   Maler, Frekant 1752   1754
Anton Morath (1718–1783) Augsburg     Maler, Freskant 1753   1754
Joseph Michael Biehler (1687/88–nach 1763) Konstanz     Orgelbauer 1756   1758

 

Säckingen

Ehemaliges adeliges Chorfrauenstift und Stiftskirche St. Fridolin

Säckingen als karolingisches und ottonisches Königskloster
Legendär ist die Gründung des Klosters. Der Wandermönch Fridolin, vermutlich aus der Gegend von Poitiers stammend, errichtet auf der Rheininsel zwischen Laufenburg und Basel eine Missionszelle. Die Zeit der Gründung ist unsicher. Aus der Zelle entwickelt sich spätestens im 8. Jahrhundert ein karolingisches Königskloster mit Königspfalz, das Mitte des 9. Jahrhunderts bereits Frauenkloster ist. Ludwig der Deutsche, der 853 die Fraumünsterabtei in Zürich gründet, überschreibt «Seckinga»,[1] zusammen mit Zürich, an seine erste Tochter Hildegard, die von 853 bis 856 regiert. Nach ihrem Tod gehen die Abteien von 860 bis 877 an die jüngere Tochter Bertha. Auch die nächste Laienäbtissin Säckingens, die Königin Richgard, ist von 878 bis 893 Vorsteherin beider Frauenabteien. Diese Personalunion setzt sich bis ins 10. Jahrhundert fort. Von 929 bis 958 ist Reginlinde, die Herzogin von Schwaben, Äbtissin beider Stifte. Sie und ihre Enkelin Adelheid von Burgund (931−999, Gemahlin Ottos I.), sind Wohltäterinnen des Klosters Einsiedeln. Die Neugründung im «finsteren Wald» erhält 965 einträglichen Säckinger Besitz am oberen Zürichsee. Zur Schenkung gehört die Insel Ufnau oder Ufenau im Zürichsee. Hier, in den von ihr gestifteten Kirchen, ist das Andenken an Reginlinde bis heute lebendig, sie soll vor ihrem Tode sogar auf der Insel gelebt haben.
Säckingen verfügt um diese Zeit über Grundherrschaften vom Breisgau bis nach Vaduz, als wertvollster Besitz gilt das Land Glarus. In der Politik der Ottonen spielt das Reichskloster im Zusammenhang mit der Sicherung der Verbindung über den Walensee und über die Bündner Pässe nach Italien eine wichtige Rolle. Das adelige Damenstift hat vom 10. bis zum 12. Jahrhundert seine grosse Blütezeit.

Stadt und Kloster im Mittelalter
Um das Reichskloster bildet sich schnell ein Markt. Aus ihm entwickelt im 10. Jahrhundert eine städtische Siedlung auf klösterlichem Grundbesitz, die im 11. Jahrhundert Marktrechte erhält. Die Inselstadt ist mit dem rechten Ufer durch eine vierbogige Steinbrücke verbunden. Hier, am nördlichen Ufer, entwickelt sich eine kleine Vorstadt. Erst im späten 13. Jahrhundert wird auch über den linken, breiteren und tieferen Rheinarm eine 206 Meter lange Holzbrücke gebaut.[2]
Als 1173, nach dem Aussterben der Lenzburger, ein Teil der Reichsvogtei über das Kloster an die Habsburger fällt, setzt eine Entwicklung ein, die das Kloster und die Stadt zu einem landständischen Territorium macht. Die Habsburger binden auch den Herrschafts- und Niedergerichtsanspruch des Stifts über die Stadt immer mehr zurück. Die Äbtissin Elisabeth von Bussnang wird zwar noch 1307 in den Reichsfürstenstand erhoben, aber dies ist zuletzt nicht mehr als ein Titel, während das nähere Klostergebiet Teil des vorderösterreichischen Territoriums wird. Dazu gehören die rechtsrheinischen Besitzungen des Klosters im näheren Umfeld am Hochrhein und im Hotzenwald. Der Schwerpunkt liegt jedoch linksrheinisch im Fricktal und noch immer in der Talschaft Glarus. Das Land tritt 1352 den Eidgenossen bei und entledigt sich mit der Schlacht bei Näfels der habsburgischen Herrschaft. 1395 kauft es sich endgültig von Säckingen frei. Eine grosse Einnahmequelle des Damenstifts[3] versiegt damit. Die Landesfahne von Glarus mit dem heiligen Fridolin erinnert noch heute an die lange Bindung zum entfernten Säckingen.
Die eidgenössischen Eroberungen des Aargaus (1415) und des Thurgaus (1460) bewirken eine existenzielle Bedrohung des dortigen habsburgischen Adels, der sich mit den neuen Herrschaften nicht immer arrangieren kann. Zwar stammen noch bis ins 17. Jahrhundert Äbtissinnen aus freiadeligen Geschlechtern der Schweiz.[4] Sie kommen aber seit den eidgenössischen Eroberungen durchwegs aus Adelsfamilien, die ihren Wohnsitz jenseits des Rheins verlegt haben oder ihre Herrschaften als fürstäbtliche oder fürstbischöfliche Lehen ausserhalb der eidgenössischen neuen Untertanengebiete haben.
Gleichzeitig treten immer weniger freiadelige Töchter als Chorfrauen ein. Das Stift liberalisiert deshalb schon 1458 die Aufnahmestatuten. Nur noch die Äbtissin muss jetzt aus freiem Adel stammen, für die Chorfrauen genügt eine niederadelige Herkunft. Säckingen wird damit zunehmend Versorgungsanstalt für Töchter des ritterlichen Adels. Eine Ordensregel wird nicht eingeführt, und die Stiftsregel verlangt vor der Reformation nicht einmal gemeinsames Wohnen.
1550 wählen die  drei Chorherren und der Konstanzer Bischof eine Nonne aus St. Katharinenthal, Agatha Hegenzer von Wasserstelz, zur Äbtissin. Sie kann die Wahl erst nach päpstlichem Dispens zum Austritt aus dem Dominikanerinnenorden und der Zustimmung der Eidgenossen als Schirmvögte von St. Katharinenthal annehmen, und regiert von 1552−1571. Sie erstellt das neue Abteigebäude (heute Rathausplatz 5) und konsolidiert das wirtschaftliche Umfeld. Der adelige Chorfrauen-Nachwuchs bleibt aber aus. Erst die Äbtissin Ursula Giel von Gielsberg, eine 1573 aus dem Thurgauer Zisterzienserinnenkloster Tänikon geflüchtete Nonne,[5] erreicht mit Neuaufnahmen die Zahl von sieben Kapitelsfrauen, die dann als endgültig festgelegt wird. Damit wird nicht mehr jede neueintretende freiadelige Tochter später automatisch Fürstäbtissin.

Die Barockzeit
Agnes von Greuth, auch sie aus einem ursprünglich in der Schweiz beheimateten Geschlecht stammend,[6] ist während des Dreissigjährigen Krieges Äbtissin. Sie flüchtet mit dem Stiftskapitel 1632–1635  nach Baden bei Zürich und 1638–1644 nach Rapperswil am Zürichsee, wo sie in Gesellschaft der ebenfalls geflüchteten Stiftsdamen aus dem Damenstift Buchau die Kriegshandlungen am Oberrhein verfolgt. Kontributionszahlungen an die Schweden und an die Kaiserlichen sowie geschickte Verhandlungen mit Hilfe der schweizerischen Kapuziner verhindern eine Zerstörung von Stift und Stadt Säckingen. 1652 ist Agnes von Greuth die letzte Fürstäbtissin von Säckingen, die formell an den Reichstag nach Regensburg eingeladen wird. In den späteren Reichstagen werden die geistlichen Fürsten und Fürstinnen der vorderösterreichischen Stifte vom Erzhaus Österreich vertreten.
Die Ruhe nach dem Dreissigjährigen Krieg dauert für die vorderösterreichischen Länder am Oberrhein nicht lange. Die französischen Horden des Louis XIV fallen 1678 in das Stiftsland ein und brandschatzen Säckingen. Als Abwehrmassnahme der Habsburger vor neuen Franzosenüberfällen dürfen die Säckinger die ebenfalls abgebrannte Brücke erst 1700 wieder aufbauen. Die Stadt wird 1688 trotzdem wieder von den Franzosen überfallen und geplündert.

Wiederaufbau des Münsters. Erste Etappe 1698–1727
Die 1678 beim Stadtbrand ebenfalls betroffene Stiftskirche, das Fridolinsmünster genannt, ist ein gotischer Bau, der 1343–1360 als Neubau auf Fundamenten ottonischer und romanischer Vorgängerbauten erstellt wird. Die karolingische Krypta[7] und der massive zweitürmige Westbau des 11. Jahrhunderts sind bis heute nicht archäologisch erforscht. Die Länge der vorgotischen Stiftskirche muss aufgrund der Lage der Krypta und des Westbaus mit der heutigen Kirche identisch sein. Der gotische Wiederaufbau ist in der Art der Bettelordenskirchen gehalten. Er übernimmt die geknickten Längsachsen und die Breite des Schiffes der Vorgängerbauten. Nur der Chor ist ein vollständiger Neubau.[8] Er wird beim Brand von 1678 dank des gemauerten Gewölbes verschont. Die Brandzerstörungen betreffen vor allem das Langhaus und die Türme. Die Ausstattung des Langhauses ist durch den Brand von Dachwerk und Flachdecke zerstört. Schnell wird provisorisch gedeckt und eingerichtet. Bereits 1681 kann die Kirche wieder geweiht werden.
Die eigentliche Wiederherstellung beginnt erst 1698 unter der Äbtissin Maria Regina von Ostein.[9] Die Leitung der Arbeiten überträgt sie dem Elchinger Baumeister und Stuckateur Michael Wiedemann.[10] Der gotische Grundkörper der Stiftskirche, der aus einem dreischiffigen Langhaus und einem langen, schmalen, und durch einen Triumphbogen abgesetzten Chor besteht, ist noch intakt und muss beibehalten werden. Als einzigen Eingriff werden querschiffartig zwei Seitenkapellen mit oktogonaler Kuppel angefügt. Anstelle der hölzernen Flachdecke erhält das Mittelschiff eine Stichkappentonne aus Tuffstein, einheimische Baumeister[11] führen die Arbeit aus. Die Stuckierungen werden durch Wessobrunner Meister unter der Leitung von Johann Schmuzer[12] ausgeführt. Der saftige Akanthusstuck ist bezeichnend für dessen Spätwerk. Palier ist Thomas Bader. Einzelne Wessobrunner bleiben und erhalten Säckinger Bürgerrecht, so die Brüder und späteren Ratsherren Johann und Caspar Stiller. Als Freskant beruft die Äbtissin den Tessiner Francesco Antonio Giorgioli.[13] Er hat soeben die Fresken im Oktogon der Klosterkirche Muri geschaffen und malt nun einen Freskenzyklus mit 80 Deckengemälden. Der kräftige, plastische Stuck und Fresken von 1701 sind heute nur noch in den beiden Oktogonkapellen zu sehen.
Nun zwingt der Spanische Erbfolgekrieg zu einem Unterbruch. Zwar hat die Eidgenossenschaft eine Neutralisierung ihrer Nordgrenze erreicht, aber das Stift muss 80’000 Gulden als Zahlungen an die kriegsführenden Parteien aufwenden. Deshalb kann erst unter der neuen Äbtissin Maria Barbara von Liebenfels[14] die Barockisierung weitergeführt werden. Für den Wiederaufbau der Türme zieht sie 1725–1726 den Vorarlberger und Einsiedler Klosterbaumeister Johannes Rüeff bei, der auch die seitlichen Turmkapellen plant und ausführt.[15] Die barocken Zwiebelhelme erstellt sein Landsmann, Zimmermeister Jakob Natter.[16] Im Innern wird 1722–1727 die Ausstattung fertig gestellt. Giorgioli erhält 1721 den Auftrag für alle Altarblätter. Das über fünf Meter hohe Hochaltarbild wird in den 1721–1725 erstellten Hochaltar eingefügt. Er ist ein Werk von Johann Philipp Pfeiffer.[17] Pfeiffer ist schon 1702 Schöpfer des vierteiligen Chorgestühls, das 78 Plätze umfasst.[18] Er schafft mit dem gewaltigen Hochaltar die innere Schau- und Abschlussfassade des Gesamtraumes. Dem Eintretenden leuchtet der Altar schon auf der Distanz von 60 Metern als Höhepunkt entgegen. Zu erwähnen ist auch der Schöpfer der figürlichen Plastik an Seitenaltären und Kanzel. Es ist der Rheinfelder Bildhauer Johann Isaak Freitag.[19]

Zwischenspiel: Fassadengestaltung 1741 durch Bagnato
Der Deutschordensbaumeister Johann Caspar Bagnato wird 1740 von der Äbtissin Maria Josepha Regina von Liebenfels[20] für eine Aussenrenovation beauftragt. Bagnato verändert den gotischen Chor, indem er ihm durch Einzug von äusseren Quertonnen in die Strebepfeiler eine barocke Form gibt. Gleichzeitig erstellt er an der Turmfassade das dominierende Eingangsportal in rotem Sandstein. Beide Massnahmen prägen das heutige Bild des Fridolinmünsters.

Zweite barocke Bauphase von 1752–1754
Wieder löst ein Brand eine Bauphase aus: Durch die Unvorsichtigkeit eines Orgelbauers wird am 1. Dezember 1751 der hintere Teil des Langhauses mit dem Dachstuhl und den Türmen ein Raub der Flammen. Die erst  50-jährigen Gewölbefresken und Stuckaturen werden durch Rauch- und Hitzeeinwirkung beschädigt. Zimmermeister Jakob Natter II[21] wird für die Türme und den Dachstuhl beigezogen. Die Baumeisterarbeiten übernimmt ein weiterer Vorarlberger, der 39-jährige Johann Jakob Albrecht. In der Auswahl des Stuckateurs und des Freskanten für das Langhaus hat Äbtissin Maria Josepha Regina von Liebenfels eine glückliche Hand: sie erteilt den Auftrag an den Wessobrunner Johann Michael Feichtmayr III (1696–1772) und den soeben von Riedlingen nach Konstanz gezogenen Franz Joseph Spiegler (1691–1757), die beide um diese Zeit in der Abteikirche Zwiefalten arbeiten.[22] Der Auftrag der Äbtissin, die Zwiefalten kennen muss, lautet auf völlige Neustuckierung des ganzen Raumes mitsamt den Seitenschiffen, bis auf den Boden; sie will den Raum mit «feinister Stuckhador-Arbeit» im modernen zierlichen Rokoko und nicht mit dem architekturbetonenden fruchtigen Stuck des Hochbarocks sehen. Die Stichkappentonne des Gewölbes verschwindet daher hinter einer ausgleichenden Lattenkonstruktion für den Stuck.[23] Rocaillen rahmen den neuen flachen Deckenspiegel mit dem Gemälde der Verherrlichung des heiligen Fridolin. Unten sieht man die verzückten Stiftsdamen mit der Äbtissin in der Chortracht des 18. Jahrhunderts. Noch arbeitet Spiegler 1753 an der Ausstattung des Langhauses, als die soeben neugewählte Äbtissin Maria Helena von Roggenbach[24] einen neuen Vertrag mit Feuchtmayer für die Neugestaltung des vom Feuer verschonten Chors schliesst. Die Fresken des Giovanni Antonio Giorgioli verschwinden unter den nach gleicher Technik wie im Langhaus erstellten Stuckaturen. Die Decken- und Wandgemälde Spieglers im Chor sind ein letztes reifes Werk des Malers. Nicht alles ist aber eigenhändig: Wie schon im Schiff, wo grössere Teile von Gehilfen und Schülern gemalt werden, ist auch im Chor ein Wandbild (Tod Mariens) von seinem Schüler Anton Morath (1718–1783) gemalt. Die Arbeiten sind Ende 1754 abgeschlossen und werden mit 32’181 Gulden abgerechnet.
Die noch 1758 erstellte Orgel mit 32 Registern des Orgelbauers Johann Michael Bühler aus Konstanz wird bereits 1883 durch ein neues Werk ersetzt. Der heutige Prospekt ist eine neubarocke Arbeit der Überlinger Bildhauerwerkstatt Mezger von 1933. Im Oberwerk dieser guten Nachschöpfung findet sich das Wappen der letzten Fürstäbtissin, der Freifrau Maria Anna von Hornstein-Göffingen.[25] 1993 wird unter Verwendung des Mezger-Prospektes ein vollständig neues Orgelwerk mit 57 Registern eingeweiht.
Nach der beendeten Rokokoausstattung der Kirche plant die Äbtissin 1760 eine neue geschlossene Stiftsanlage und holt Pläne beim französischen Klassizisten Pierre-Adrien Paris (1745–1819) aus Besançon ein. Das grosse Bauvorhaben wird in der Folge nicht durchgeführt. Offensichtlich hat sich Freifrau Maria Helena auch mit dem neuen kühlen französischen Stil noch nicht befreundet, denn 1765 baut ihr Johann Michael Feuchtmayer über der Fridolinskapelle an der Südseite des Chors das Oratorium, das heute als schönster Rokokoraum von Südwestdeutschland bezeichnet wird.

Säkularisation und Umbauten im 19. und 20. Jahrhundert
Eigentlich hätte das Stift Säckingen bereits mit der Josephinischen Kirchenreform aufgelöst werden sollen. Jede geistliche Institution ohne Staatsnutzen wird 1782 vom österreichischen Kaiser ins Staatsvermögen überführt. Dies trifft in Vorderösterreich 33 Klöster, vor allem der Franziskaner und Franziskanerinnen. Die gleichzeitige drohende Umwandlung des Stiftes Säckingen in ein frei-weltliches adeliges Rentenstift kann dank der Fürstäbtissin, die mit dem Wiener Hof und dem Kaiser direkt verhandelt, verhindert werden. Man darf sich hier vorstellen, welche Chancen der bürgerliche Guardian der Franziskaner von Villingen in Wien gehabt hätte, sein Kloster zu retten. Es ist aber auch für Säckingen nur eine Rettung auf Zeit. 1802 kommt das Fricktal durch Staatsvertrag an die Helvetische Republik, um das restliche Stiftsvermögen streiten sich der Malteserorden und die Württemberger, bis es 1805 mit dem Frieden von Pressburg Stadt und Stift definitiv an Baden fallen. 1806 geht das Stift in Staatsbesitz über.
1858–1859 verändert Baudirektor Heinrich Hübsch[26] die Turmfassade indem er die seitlichen markanten barocken Voluten durch Flachdachbalustraden ersetzt. Teilweise wird dies 1911–1914 neubarock rückgängig gemacht. Insbesondere das kraftvolle Bagnato-Portal leidet unter diesen Änderungen. 1969–1973 wird die Fassade restauriert und in einem Kompromiss von Rekonstruktion und Einpassung auch farblich neu gestaltet. Das Gewölbe des Langhauses wird vorgängig statisch gesichert.[27] Bei der gleichzeitigen Innenrestaurierung werden alle Übermalungen des 19. Jahrhunderts entfernt. 1992 erfolgt eine konservatorische Reinigung des Innenraumes.

Pius Bieri 2008

 

 



Benutzte Einzeldarstellungen:

Diverse Autoren, in Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte (ZAK), Band 32. Zürich 1975 (siehe Links):

Jehle, Fridolin und Enderle-Jehle, Adelheid: Die Geschichte des Stiftes Säckingen, Aarau 1993.
Gubler, Hans Martin: Johann Caspar Bagnato, Sigmaringen 1985.
Bircher, Patrick: Architektur, Kunst und Kunsthandwerk des 17. und 18. Jahrhunderts im vorderösterreichischen Herrschaftsgebiet am Hochrhein, in: Alemannisches Jahrbuch 2005/2006, Freiburg 2008.

 

Links zu den Beiträgen im Heft 1 Band 32 ZAK:
Jehle: Die Baugeschichte des Säckinger Münsters nach dem Befund des schriftlichen Quellenmaterials
Reinle: Die Gestalt des Säckinger Münsters im Wechsel der Epochen
Morel: Stuckaturen des Hochbarocks und des Rokokos im Fridolinsmünster zu Säckingen
Keller-Schweizer. Decken- und Altarbilder Francesco Antonio Giorgiolisim Münster Säckingen
Bushardt: Die Fresken Franz Joseph Spieglers im Fridolinsmünster zu Säckingen
Zweifel: Die Plastiken von Johann Isaak Freitag im Säckinger Münster
Wüthrich: Die Malereien am Chorgestühl des Säckinger Münsters
Schmidt-Thomé: Vorgotische Bauten im Bereich des Säckinger Münsters
Mall: Instandsetzungsarbeiten am St.-Fridolins-Münster in Säckingen

 

Links allgemein:
http://www.kloester-bw.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Fridolinsm%C3%BCnster
http://de.wikipedia.org/wiki/Damenstift_S%C3%A4ckingen



Anmerkungen:

[1] Der Name könnte keltischen Ursprungs sein und mit der gallorömischen Göttin der Quellen, Sequana, in Verbindung stehen. Die Thermalquelle des Ortes ist schon früh bekannt. Die Bezeichnung Bad führt Säckingen aber erst seit 1978. Das Stadtwappen mit dem Seckel oder Säckel (Geldbeutel, der Seckelmeister ist der Finanzverwalter) ist eine spätmittelalterliche Lautübersetzung.

[2] Die gedeckte Brücke ist in ihrer heutigen Form, mit massiven Pfeilern, 1571–1590 entstanden. Sie ist nach Brandzerstörungen mehrfach wieder aufgebaut worden, das letzte Mal 1785–1803 durch den Laufenburger Zimmermann Blasius Baldischwiler. Der rechte, verlandete Rheinarm wird 1830 zugeschüttet, die alte Steinbrücke soll noch heute Untergrund der nach Norden verlaufenden Steinbrückstrasse sein.

[3] Nebst Rindern, Schafen, Frucht und Tuch auch Geldzins und zusätzlich pro Jahr 1480 Laib Käse in zwei Käszügen.

[4] Äbtissinnen aus Adelsgeschlechtern der deutschen Schweiz vom 14. bis zum 17. Jahrhundert sind:
Elisabeth von Bussnang (1306–1318), Agnes von Brandis (1330–1349), Margaretha von Grünenberg (1355–1380), Clara von Hohenklingen (1380–1422), Margaretha von Bussnang (1422), Johanna von Hohenklingen (1422-1428), Elisabeth von Falkenstein (1484–1508), Anna von Falkenstein (1508–1534), Agatha Hegezer von Wasserstelz (1552–1571), Ursula Giel von Gielsberg (1600–1614), Maria Brümsin von Herblingen (1614–1621) und Agnes von Greuth (1621–1658).

[5] Ursula Giel von Gielsberg (1600−1614), Tochter von Hans Christoffel Giel von Gielsberg, Herr zu Wängi und Eppenberg und der Elisabeth Muntprat von Spiegelberg. Sie hat sich in Tänikon mit der Äbtissin Sophia von Grüt überworfen. Ihr Neffe Roman wird 1639 Fürstabt in Kempten.

[6] Agnes von Greuth (1621–1658). Ihr Grossvater zieht wegen des Glaubens von Schaffhausen nach Rheinau und erhält vom Kloster ein Ritterlehen. Sie ist Tochter des Christoph von Greuth zu Jestetten und der Catharina Muntprat von Spiegelberg. Ein Vetter, Bernhard von Freyburg, ist Abt in Rheinau. Die Genealogie der Familie von Greuth (Grüt, Grüth) von Zürich und Schaffhausen ist noch nicht aufgearbeitet.

[7] Die karolingische Krypta ist «die besterhaltene Krypta vom Schema des St.-Galler Klosterplans von etwa 820 bis 830» (Reinle). Sie ist durch zwei symmetrisch angelegte Stollengänge, ursprünglich von den Seitenschiffen erreichbar, heute nur noch mit Führung zugänglich.

[8] Als Baumeister wird der gleiche bernische Werkmeister genannt, der 1320–1330 die Klarissinnenkirche Königsfelden und 1325 den Chor der Franziskanerkirche von Bern baut. Die verwandtschaftlichen Beziehungen der Säckinger Fürstäbtissin Elisabeth von Bussnang (reg. 1306–1318) zu der ab 1317 in Königsfelden regierenden Königin Agnes (1281–1364) sind der Anfang einer engen Beziehung von  Königsfelden zu Säckingen. Zwei Wochen vor der Grundsteinlegung des neuen Chores hält sich Königin Agnes bei Fürstäbtissin Agnes von Brandis (reg. 1330–1349) auf.

[9] Maria Regina von Ostein (1643–1718, reg. 1693–1718). Sie ist Tochter eines Geheimrates am fürstbischöflichen Hof zu Pruntrut. Das Grafengeschlecht aus dem abgegangenen Ort Ostein im Oberelsass betreibt eine kluge Heiratspolitik. Der Bruder Johann Franz Sebastian heiratet eine Nichte des Kurfürsten von Mainz, Lothar Franz von Schönborn. Durch dessen Protektion erhalten alle Brüder und Neffen hohe geistliche Ämter im Erzbistum Mainz.

[10] Michael Wiedemann (1661–1703), auch «Widemann» geschrieben, ist 1699–1702 als Baumeister des Konventneubaus von Neresheim verbürgt und baut in Ellwangen 1699–1700 die Sakristeianbauten von St. Vitus. Zudem erstellt Michael Wiedemann, «der zuvor im Säckinger Münster, in Schloss Freudental auf dem Bodanrück und in Neresheim» tätig ist, den Wessobrunner Stuck der Abtei Salem im Bernhardusgang und Sommerrefektorium (Ulrich Knapp: Salem, Kunstführer, 2007). Hier wird er 1698 von 17, und 1699 von 23 Stuckateuren unterstützt (Patrick Bircher nach Ulrich Knapp, 2004). Michael Wiedemann, der 1703 in Unterelchingen stirbt, arbeitet im moderenen Sinn als «Impresario», denn nur so kann er zwischen 1698 und 1702 gleichzeitig in Salem, Säckingen, Neresheim, Ellwangen und Freudental als Baumeister und Leiter von Wessobrunner Stuckateurtrupps Aufträge annehmen. In Säckingen wird er als Oberbaumeister bezeichnet und stellt die beiden Baumeister Wilhelm Willi und Lorenz Paur ein.

[11] Ausführung durch Jakob Frey von Wölflinswil und Fritz Frisch von Zunzgen. Das Tuffsteingewölbe ist 30 cm dick, die Rippen sind in Backstein. Zum Vergleich: Das gotische Gewölbe des Chors ist 50 cm dick, auch aus Tuffstein. Bei beiden Gewölben werden 1751 die Gräte mit Stuck auf Lattenunterkonstruktionen «verschlifffen».

[12] Johann Schmuzer (1642–1701) ist vorher mit seinen Söhnen in Hofen (heute Friedrichshafen) tätig.

[13] Francesco Antonio Giorgioli (1655–1725) aus Meride.

[14] Maria Barbara von Liebenfels (reg. 1718–1730) stammt aus dem Konstanzer Geschlecht der Lanz, das sich seit 1476 «von Liebenfels» nach einer erworbenen und bereits 1578 wieder veräusserten Burg ob Mammern am Untersee nennt.

[15] Johannes Rüeff II (1686–1750), auch Rüf, Rueff, Rief geschrieben, ist seit 1726 «architectus» im Stift Einsiedeln.

[16] Jakob Natter II (1697–1752) aus Schoppernau. Er erhält für die beiden Türme 630 Gulden.

[17] Johann Philipp Pfeiffer (1680–1734), aus einer Altarbauerfamilie in Bernbeuren bei Schongau stammend und in Säckingen eingebürgert.

[18] Die vier symmetrisch angeordneten Chorgestühle sind doppelreihig. In der unteren Reihe mit Stallen sitzen die Chorherren und Priester, darüber, ohne Stallen, die Chorfrauen. Die Dorsale enthalten in den Füllungen Grisaillemalereien eines unbekannten Malers.

[19] Johann Isaak Freitag (1682–1734) wird 1732 Schultheiss von Rheinfelden. Er arbeitet vor allem für Kirchen und Klöster im vorderösterreichischen Gebiet um Rheinfelden.

[20] Regiert von 1734–1754. Sie ist eine Nichte der vorletzten Äbtissin.

[21] Natter stirbt, 55-jährig, 1752 in Säckingen.

[22] Feichtmayrs Akkordsummen betragen 4250 Gulden für das Schiff, 500 Gulden für den Chor und 800 Gulden für das Oratorium. Spiegler erhält für die Ausmalung von Schiff und Chor 4500 Gulden.

[23] Darunter sind der Wessobrunner Stuck und die Fresken Giorgiolis mindestens im Chor noch erhalten.

[24] Maria Helena regiert vom 11. Juli 1753 bis zum 8. September 1755. Sie stammt aus einer freiherrlichen Familie des Breisgaus, deren Mitglieder zwei Basler Fürstbischöfe und einen grossen Teil des fürstbischöfliche Dienstadels stellen. Ihr Vater ist Johann Conrad Anton von Roggenbach, fürstbischöflicher Landvogt auf Birseck.

[25] Sie regiert von 1755 bis 1806, und stirbt 1809, 86-jährig, in Säckingen.

[26] Heinrich Hübsch (1795–1863), Architekt, Architekturtheoretiker, verfasst 1823 das Werk «In welchem Style sollen wir bauen?», fördert den «Rundbogenstil», verändert 1848–1853 die Westfassade des Speyerer Domes und erstellt 1851–1853 die Türme des Konstanzer Münsters.

[27] Die 1698 erstellte Stichkappentonne im Langschiff ist nicht in Leichtziegeln, sondern aus 30 Zentimeter starken Tuffsteinen gemauert. Sie drücken die Obergadenwände nach aussen. Offensichtlich ist des Schlaudernsystem in den Gewölbezwickeln mit Verbindung zum Dachstuhl, wie dies im Konstanzer Münster 1679 angewendet wird, den damaligen Baumeistern nicht bekannt und die Zusatzbelastung durch die Putzschicht für die späteren Fresken Spieglers ist zu gross. Deshalb wird 1968 mit Stahlbetonschotten im Dachstuhlbereich der Seitenschiffe der Seitenschub aufgenommen.

 

 

 

 

 

 

  Säckingen: Ehemaliges adeliges Frauenstift und Stiftskirche St. Fridolin  
  SaeckingenMerian  
Ort, Land (heute) Herrschaft (18. Jh.)
Bad Säckingen
Baden-Württemberg D
Vorderösterreich
Bistum (18.Jh.) Baubeginn
Konstanz 1698
Bauherr und Bauträger
ok Fürstäbtissin Maria Regina von Ostein
(reg. 1693–1718)
ok Fürstäbtissin Maria Barbara von Liebenfels (reg. 1718–1730)
ok Fürstäbtissin Maria Josepha Regina von Liebenfels (reg. 1734–1753)
 
  In der Topographia Alsatiae von Matthäus Merian (1643/44,1663) wird die Insellage von Säckingen mit den beiden Brücken gezeigt. > Zum originalen Begleittext.   pdf  
   
Saeckingen2
Holzbrücke und Fridolinsmünster.
Bild: Christian Kleis in Wikipedia
 
   
SaeckingenLageplan
Säckingen im 18. Jahrhundert. Die vorderösterreichische Waldstadt (sie nennt sich heute Bad Säckingen) liegt in Insellage im Rhein. Zwei Brücken, die noch bestehende südliche Holzbrücke und eine nördliche Steinbrücke, verbinden mit dem Festland. 1830 wird der nördliche Rheinarm zugeschüttet, die Brücke verschwindet unter der heutigen Steinbrückstrasse.  
SaeckingenMerian2
Ein Ausschnitt aus dem Stich von Matthäus Merian zeigt den Stiftsbezirk um 1630 mit der Stiftskirche (1360) und den Spitzhelmen der Doppeltürme (1595). Bis zu den barocken Veränderungen Ende des 17. Jahrhunderts bleibt diese Ansicht unverändert.
Legende (siehe Gesamtbild):
A «S. Fridelins Stifft kirch.»
B «Die Fürstl. Wohnunge.»
E «S. Gallen kirchl.»
G «Zur Dornen Cron.»
I «Steinerne Rheinbrück.»
 
SaeckingenGrRiss
Der Grundriss der Stiftskirche ist durch die Vorgängerbauten des Mittelalters vorgegeben. Aus der Barockzeit stammen die seitlichen Anbauten an die Türme (1727) und vor allem die markanten oktogonalen Seitenkapellen (1698–1702).
Quelle: KDM Baden 1892.
 
Saeckingen3
1698–1702 stuckiert der Trupp von Joseph Schmuzer den gesamten Innenraum der Stiftskirche. Francesco Antonio Giorgioli erstellt insgesamt 145 Fresken. In den beiden oktogonalen Kapellen ist diese Arbeit noch erhalten, wie hier in der nördlichen Engelskapelle mit einer alttestamentlichen Szenenfolge.  
Saeckingen4
In der südlichen Apostelkapelle malt Giorgioli, von hochbarockem Wessobrunner Akanthusstuck gerahmt, Szenen aus dem Leben der Apostel.  
Saeckingen5
Johann Philipp Pfeiffer als Kunstschreiner und Johann Isaak Freitag als Bildhauer erstellen 1719–1725 den mächtigen Hochaltar, die Altarblätter liefert 1724 Francesco Antonio Giorgioli.  
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Die Westfront des Fridolinsmünsters ist seit schöpferischen Rückführungen (1914 und 1973) wieder nahe am Zustand des 18. Jahrhunderts, welcher 1859 zerstört wird. Die von den Vorarlbergern Rüeff und Natter 1725–1726 umgebaute und von Bagnato 1740 ergänzte Doppelturmfassade ist damit wieder in ihrer Ursprünglichkeit erlebbar.  
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Das Fridolinsmünster von Südosten fotografiert. Deutlich ist die barocke Neugestaltung des gotischen Chors durch Johann Caspar Bagnato zu sehen, der 1740 die gotischen Strebepfeiler in eine Art äussere Wandpfeilernischen umformt. Das Haus mit Fachwerk und Krüppelwalm am Rheinufer ist die mittelalterliche Äbtissinnenresidenz, der «Alte Hof».
Foto: Free Art License 1.3 by Taxiarchos228, unter commons.wikimedia abrufbar.
 
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Ein ungewöhnlicher Blickfang ist das Triumphbogen-Fresko, das vom Wandbild unmerklich ins Deckenbild übergeht. Es stellt die legendäre Gerichtsszene von Rankweil dar, in welcher der aus dem Grab erweckte Urso als Zeuge für den hl. Fridolin auftritt. Am Bogenscheitel dem Fresko ist das Wappen Ostein, Liebenfels und Roggenbach zu Ehren der von 1693–1753 regierenden Äbtissinnen angebracht.  
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Das Hauptfresko von Franz Joseph Spiegler an der Decke des Mittelschiffs hat die Beschwörung des himmlischen Schutzes des Klosters bei seinen Patronen zum Thema. Die Stuckaturen Feichtmayrs verschmelzen die gotische Tektonik mit dem neuen flachen Tonnengewölbe.  
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Ein Ausschnitt aus dem grossen Mittelschifffresko zeigt Äbtissin und Konvent, die sich und die Bevölkerung ihren Patronen, dem heiligen Fridolin, den heiligen Andreas und Hilarius, der Muttergottes und der Dreifaltigkeit empfehlen.  
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Ein ungewöhnlicher Blickfang bietet jedem Besucher das Fresko über dem Triumphbogen, das vom Wandbild unmerklich ins Deckenbild übergeht. Es stellt die legendäre Gerichtsszene von Rankweil dar, in welcher der aus dem Grab erweckte Urso als Zeuge für den hl. Fridolin auftritt.
Über dem Triumphbogen ist das Wappen Ostein, Liebenfels und Roggenbach zu Ehren aller 1693–1753 regierenden Äbtissinnen angebracht.
 
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Orgelwerk und Orgelprospekt des 1758 vom Konstanzer Orgelbauer Biehler erstellten Instrumentes sind nicht mehr vorhanden. Der heutige Prospekt ist eine gute neubarocke Schöpfung des Bildhauers Victor Mezger in Überlingen von 1933.  

Seckingen / Sacconium.
Diese ist auch eine auß den vier Oesterreichischen Wald- oder Rhein-Städten / ob Basel gelegen / so Stumpfius noch zur Rauracer Landschafft referiert, und daß sie under den gedachten Vieren die kleineste seye / saget; aber Urstisius, in der Baseler Chronick / Sie / weil sie nicht mehr im Baseler Bischthumb gelegen / davon außschliesset. Gemeldter Stumpfius schreibet / daß bey achttausend Schritt under Lauffenberg / auff der Rechten Seiten am Rhein / S. Friedlins Insul / und darinn diese Stadt und Kloster Seckingen lige; und mehrertheils Zeit mit dem Rhein ümbzogen werde; die ihren Namen von den Sequanis, einem alten Volck / und nicht von dem Sack / den sie im Wappen führet / haben. S. Fridelinus, deß Königs in Schotten / und Irrland Sohn / solle das Freye Nonnen-Kloster allhie ümbs Jahr Christi 495. oder 500. gestifftet haben; darinn er auch / wie ingleichem Urso von Glaris, den er S. Fridelin von den Todten aufferwecket / und für das Gericht zu Ranckweil / ümb Kundschafft / oder Zeugnüß wegen; gebracht haben / und darauff Anno 514. gestorben seyn solle / begraben ligt. Es hat besagtes Kloster ein Gefürste Aebtißin / und Frey-Frauen auff die Form / als wie die Abtey zu Zürich / von der die Ertz-Hertzogen von Oesterreich die Stadt Seckingen zu Lehen tragen / und der Abtey Kasten-Vögte seyn. Es hat aber solche Stadt / oder Städtlein / neben ihrer Hohen-Herrschafft von Oesterreich / auch Schultheissen / und Raht / so in Bürgerlichen Sachen regieren. Ist sonsten ein guter und wolverwahrter Orth; der Anno 1272. biß auff drey Häuser abgebrandt worden. Anno 1634. den 28. Martii, hat er sich an die Schweden / und Anno 1638. im Januario, an Hertzog Bernharden von Sachsen ergeben; Anno 1639. gegen dem Ende deß Julii, eroberte solche der Chur-Bäyerische General Gleen. auff der Rechten Seiten / under Seckingen / am Rhein / ligt Under-Werr / Schwirstadt / darnach Bürcken / ein Teutsch-Hauß / darneben der Fleck Karßow ligt / da schlechter Wein wächst. Bey Bürcken / im Rhein hinab / biß under die Brücken zu Rheinfelden / erzeiget sich der dritte Catharrackt / das ist Lauffen / oder Strudel deß Rheins / wird genandt im Hellhacken / da hat der Rhein viel Felsen / darüber das Wasser auff und nider rumpelt / und den Schiffen sorglich ist. Doch hat der Rhein in Mitten / zwischen allen Felsen / einen schmalen Furth / und Tieffe / den Schiffleuten bekandt / dardurch sie auch mit geladenen Schiffen fahren. Aber under Rheinfelden hin ist der Rhein still / und gut zu schiffen / und hat keinen solchen Fall mehr.

aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor): Topographia Alsatiae. Merian, Frankfurt am Main 1643/44, S. 50. Das Bild ist der zweiten Ausgabe 1663 entnommen. (Jetzo auffs neu revidiret/ und mit demjenigen/ was sonst in dem zuvor absonderlich gedruckten Anhang/ vermehret und An Tag gegeben und verlegt durch Matthaei Meriani Seel: Erben)