Die Meister der Konventbauten in Ottobeuren (Auswahl)
Name Herkunft Text   Tätigkeit von   bis
P. Christoph Vogt (1648–1725) Dietenheim (Iller) Vogt   Architekt 1711   1725
Johann Brenner (1676–1749) Au Vorarlberg     Baumeister 1711   1716
Francesco Marazzi (1670–1724) Mendrisio Tessin Marazzi   Stuckateur 1713   1714
Pietro Antonio Garove (17./18.Jh) Bissone Tessin     Stuckateur 1713   1714
Domenico Antonio Carlone (1679–1728) Scaria Val d'Intelvi Italien     Stuckateur 1713   1714
Johann Baptist Zimmermann (1680–1758) Gaispoint Wessobrunn ZimmermannJB   Stuckateur 1714   1722
Joseph Ruffini († 1749) Meran Südtirol wikipedia   Maler 1714   1719
Hieronymus Hau (1679–1745) Kempten Wikipedia   Maler 1715   1719
Elias Zobel (1677–1718) Memmingen     Maler 1715   1716
Joh. Arbogast Thalheimer (um 1664–1746) Babenhausen     Maler, Freskant 1715   1727
Simpert Kramer (1679–1753) Bichel bei Füssen Wikipedia   Baumeister-Architekt 1717   1742
Carlo Andrea Maini (1683–nach 1731) Arogno Tessin Maini   Stuckateur-Architekt 1717   1731
Franz Benedikt Hermann (1664–1735) Kempten     Maler, Freskant 1717   1717
P. Magnus Remy (1674–1734) München Remy   Maler 1718   1718
Jacopo Amigoni (1685–1752) Neapel Amigoni   Maler, Freskant 1719   1728
Gaspare Antonio Mola (1684–1749) Coldrerio Tessin     Stuckateur 1719   1722
Franz Georg Hermann (1692–1768) Kempten HermannFG   Maler, Freskant 1719   1720
Johann Kaspar Radmiller (1692–1775) Thannhausen     Stuckateur 1721   1728
Jacob Carl Stauder (1694–1756) Oberwil Baselland StauderJC   Maler 1723   1725
Carlo Ferretti (1689–nach 1737) Castiglione Val d'Intelvi Italien     Bildhauer-Stuckateur 1724   1724
Franz Joseph Spiegler (1694–1756) Wangen im Allgäu Spiegler   Maler, Freskant 1724   1725
Gerolamo Francesco Andreoli (1700–1757) Muzzano Tessin     Stuckateur 1725   1728
Anton Sturm (1690–1757) Faggen Tirol WikipediaSturm   Bildhauer 1725   1727
Giuseppe Antonio Bossi (1699–1764) Porto Ceresio Italien Bossi   Stuckateur 1727   1729
Franz Anton Erler (1700–1745) Eglofs bei Woringen     Maler, Freskant 1728   1739

Klosteranlage   Die barocke Klosteranlage
Stiftskirche   Stiftskirche der St. Alexander und St. Theodor

Ehemalige Benediktiner-Reichsabtei Ottobeuren
Die barocke Klosteranlage

Das Reichskloster und seine Heiligen
Ein einheimischer Adliger gründet um 764 in «Uttinburra», einer schon bestehenden Marktsiedlung am Oberlauf der Günz, ein Eigenkloster. Die Neugründung erhält nebst dem Dotationsgut Reliquien eines legendären Blutzeugen, des heiligen Alexanders.[1] Der Gründungskonvent kommt aus St. Gallen und von der Reichenau. 830 wird der Konvent im Verbrüderungsbuch der Reichenau zum ersten Mal urkundlich erwähnt. «Uttinburra» ist trotz seines Status als Reichskloster eng an das Hochstift Augsburg gebunden, dessen Bischöfe bis ins 10. Jahrhundert Kommendataräbte sind. Entscheidend für die Blüte im 10. Jahrhundert ist die Personalpolitik des Schwabenherzogs Burchard II. (917–926), der nach seiner Herrschaftssicherung im Thurgau auch den östlichen Raum Schwabens ins Herzogtum einbinden will.[2] Er verhilft dem mit ihm verwandten Ulrich auf den Bischofssitz von Augsburg. Ulrich von Augsburg regiert 923–973 und wird schon 993 heiliggesprochen. Er folgt nicht nur als Bischof, sondern auch als Abt von «Ottenbeuren»[3] seinem Vorgänger Adalbero. Ihm verdankt die Reichsabtei die Reliquien des heiligen Theodor,[4] vor allem aber die Abschaffung der Kommendataräbte. Der Konvent kann nun den Abt wieder aus seiner Mitte wählen. Eine segensreiche Urkundenfälschung des 12. Jahrhunderts geht ebenfalls auf den heiligen Ulrich zurück. Er soll 972 Kaiser Otto I. zur Abfassung des «Grossen Freiheitsbriefes» bewegt haben. In ihm gewährt Kaiser Otto I. der Abtei die Befreiung von allen Reichslasten. Bis zu Säkularisation wird dank dieser Urkunde die Reichsabtei nie für Hof- und Kriegsdienste des Reiches beigezogen.[5]  
Unter Abt Rupert I. aus dem Reformkloster St. Georgen im Schwarzwald ist Ottobeuren im 12. Jahrhundert ein Zentrum der Hirsauer Reform und der Buchkunst. 1126 kann eine neue Klosterkirche geweiht werden. Sie übersteht zwei Klosterbrände im 12. und im frühen 13. Jahrhundert. In diese Zeit fällt auch die Entsendung eines Gründungskonventes in das Kloster Marienberg im Vintschgau, einer Stiftung der Edlen von Tarasp.
Im 14. und 15. Jahrhundert zeigen sich in Ottobeuren die üblichen Verfallserscheinungen der Zeit. Ein Abt, der Klosterrechte beim Adel durchsetzen will, wird gar ermordet. Die Augsburger Fürstbischöfe, nun nur noch auf Ausdehnung ihrer Herrschaft bedacht, fördern mit innerklösterlichen Eingriffen und Vertreibung der Mönche die Auflösung der Abtei. 1471 besteht der Konvent noch aus zwei Mönchen.

16. und 17. Jahrhundert
Die Fürstbischöfe erreichen ihr Ziel nicht. Unter den zwei ersten Äbten des 15. Jahrhunderts erlebt Ottobeuren trotz Bauernkrieg und Reformation einen neuen Aufschwung und wird ein Zentrum des frühen Humanismus.[6] 1617 kommen die ersten Professoren der neugegründeten Benediktineruniversität in Salzburg aus Ottobeuren. Das reiche Kloster weckt zu dieser Zeit noch immer fürstbischöfliche Begehrlichkeiten, erst eine Zahlung von 100 000 Gulden an das Hochstift Augsburg und die 1624 vom Reichskammergericht erneut ausgesprochene Reichsunmittelbarkeit der Abtei beenden die offene Feindschaft. Dem Hochstift verbleiben jetzt nur noch die Vogteirechte. Im Dreissigjährigen Krieg leiden Kloster und Landschaft unter Schweden und Kaiserlichen gleichermassen. 1634 wird Ottobeuren vorübergehend schwedischer Kronbesitz und erlebt 1646 nochmals eine Besatzung durch die Franzosen. Der Konvent flieht zwischen 1633 und 1649 mehrfach in benachbarte kriegsverschonte Länder. Die verwüstete und ausgeblutete Klosterherrschaft erholt sich bis Ende der 1660er-Jahre gut und kann die letzten Kriegsschulden zurückzahlen. Ottobeuren ist Ende des 17. Jahrhunderts ein von guten Ökonomen verwalteter, reicher und völlig unabhängiger Kleinstaat mit rund 10 000 Einwohnern und 291 Quadratkilometer Fläche.

Pecunia, Prudentia und Patientia
1710 wird der 40-jährige Stiftsökonom und Grosskeller Rupert Ness aus Wangen zum Abt gewählt. Abt Rupert II. löst die Abtei noch im gleichen Jahr für eine Summe von 30 000 Gulden aus der Schutzvogtei der Augsburger Bischöfe. Ottobeuren ist nun politisch völlig unabhängig. Dem schon längere Zeit beabsichtigten Klosterneubau kann jetzt nichts mehr im Wege stehen, wenn die drei «P», die man gemäss Abt Rupert II. zum Bauen braucht, vorhanden sind.[7] Seit 1704 ist auch Pater Christoph Vogt, «Architectus praeclarus», wieder im Kloster, nachdem er den 1696–1706 den Neubau des Klosters Holzen und 1702–1706 den Neubau der Wallfahrtskirche Eldern geplant und geleitet hat.[8] Beide befassen sich schon längere Zeit intensiv mit dem grossen Bauvorhaben. Wie bei jedem barocken Grossbau beginnt die kollektivistische Planung schon Jahre vorher. 1700 ist Franz Beer II mit seinem Zeichner und späteren Schwiegersohn Peter Thumb für den Neubau von Ökonomiegebäuden in Ottobeuren. Beer erbaut in diesen Jahren die residenzähnliche Mehrhofanlage von Salem, bei der die gelenkbildenden Eck- und Mittelrisalitbauten erstmals angewendet werden. Ob Beer oder sein Zeichner Thumb 1700 in Ottobeuren auch für den Konventneubau planen, ist nicht bekannt. Das Konzept von Salem ist dennoch Ausgangspunkt der Planungen von Abt Rupert II. und P. Christoph Vogt. Beide werden inzwischen auch die neue Vierhöfeanlage von Einsiedeln kennen, an der seit 1704 gebaut wird.[9] Im März 1711 beschliesst der Konvent, nach den Plänen von P. Christoph Vogt den Neubau zu wagen. Am 15. Mai 1711 ist Grundsteinlegung an der Südostecke der neuen Klosteranlage. Der Kernbereich ist eine geschlossene Viereckanlage von 128 auf 142 Meter, nach rechtwinkligem Raster in Binnenhöfe geviertelt. Die beiden westlichen Höfe sind zusammengefasst. Hier liegt der weltliche Teil mit den Repräsentationsräumen. Der Bibliothekstrakt trennt  die beiden Osthöfe. Hier sind die Räume des Konventes. Die Kirche, der Salzburger Kollegienkirche[10] ähnlich, ist im Norden frei vorgestellt. Ihr Chor liegt deshalb im Süden. Der klaren geometrischen Ordnung entspricht eine durchdachte innere Struktur. Ottobeuren ist das Musterbeispiel eines funktionsgerechten barocken Reichsstiftes. Nur Ordensleute, geschult in Mathematik und Baukunst, sind um 1700 zu solchem fähig.[11] Ottobeuren ist das planerische Werk von Abt Rupert II. und seinem Liebhaberarchitekten P. Christoph Vogt. Daran ändert auch der Beizug von Johann Jakob Herkomer (1652–1717) Ende 1711 nichts. Abt Rupert II. ist beeindruckt von der Füssener Klosteranlage und bestellt von Herkomer Risse. Diese sind nicht mehr erhalten, man muss aber davon ausgehen, dass P. Christoph Vogt die Fassadengestaltung danach umarbeitet und einiges von Herkomer in der heutigen Gestaltung enthalten ist.

Bauvorgang und Baumeister
Die Ausführung wird dem Vorarlberger Baumeister Johann Brenner (1676–1749) übertragen. Für den Neubau an Stelle des alten Klosters muss ein Plateau von 500 Meter Länge in Süd-Nord-Richtung mit Abgrabungen im Westen erstellt. Das alte Kernkloster mit der geosteten Stiftskirche und der Marienkapelle wird vorerst nicht abgebrochen. Bis 1714 sind der Ostflügel und ein Teil des Südflügels unter Dach. Der Ostflügel tritt wegen des freigelegten Untergeschosses an der Hangkante viergeschossig in Erscheinung. Während hier stuckiert und ausgestattet wird, erfolgt parallel der Bau des Bibliothek-Querflügels. Anfang 1715 kann der Konvent einziehen. Nun wird mit Ausnahme der Kirche das alte Klostergeviert abgebrochen. Bis Ende 1716 ist der nordöstliche Konventflügel erstellt und im Süden der erste Klausurhof geschlossen. Dann muss Johannes Brenner gesundheitshalber nach Schoppernau zurückkehren. An seine Stelle tritt im April 1717 Simpert Kramer (1679–1753). Mit ihm hat P. Christoph Vogt 1709–1712 den Neubau der Stiftskirche in Edelstetten ausgeführt und ihn als Baumeister schätzen gelernt. Er stellt die Bauten des weltlichen Teils, den Westflügel und den Nordflügel bis 1721 fertig. Die nachfolgende, in den Abtei- und Gasträumen des obersten Geschosses wesentlich aufwändigere Stuckierung und die malerische Ausstattung sind bis 1725 zum grossen Teil erstellt. Auch die südlich des grossen Prälatengartens liegenden, axial auf das Kloster bezogenen Wirtschaftsgebäude sind vollendet. Im Osten, mit Brücken über den Günzkanal, ist der gleichen Zeit ein barocker Konventgarten geschaffen worden. So ist die grosse Klosteranlage mit Ausnahme des westlich erhöht gelegenen Beamtenhauses und seiner Gärten weitgehend fertig, als der Planer P. Christoph Vogt 1725 stirbt. Nur das wichtigste Bauwerk, die neue Klosterkirche, muss noch warten. Nicht mangelnde Finanzen, sondern ein vorsichtiger Konvent und der Polnische Erbfolgekrieg bremsen den bauwilligen Abt bis 1736.

Stuckateure und Maler im Kloster
Die selbst für barocke Verhältnisse einmalige Ausgestaltung der Innenräume mit Fresken, Stuckdekor und Stuckplastik ist ein Verdienst des universal gebildeten Abtes Rupert II. Hohe künstlerische Anforderungen, ein sicheres Gespür für die besten Künstler und deren Einbindung in ein komplexes ikonographisches Programm zeichnen ihn als den eigentlichen Schöpfer aus.
1714 beruft er Stuckateure aus der Gegend der oberitalienischen Seen. Francesco Marazzi und Pietro Antonio Garove stuckieren im Osttrakt zusammen mit einem Carlone, vermutlich Domenico Antonio (> Stammbaum Carlone). Aber schon im gleichen Jahr ist auch Johann Baptist Zimmermann (1680–1758) tätig. Er stuckiert im Osttrakt  den Kapitelsaal, die Bibliothek, das Refektorium, die äussere Sakristei, das Archiv und ab 1719 auch die Gänge im Westflügel. Hier arbeitet der Wessobrunner gleichzeitig mit dem Tessiner Carlo Andrea Maini, der seit 1717 in Ottobeuren tätig ist und nach dem Weggang Zimmermanns zum wichtigsten Stuckateur wird. Maini ist Entwerfer und Stuckateur des Kaisersaals, seine Werkstatt stuckiert einen Grossteil der Räume und die Treppenhäuser. Noch bis 1731 ist Maini in Ottobeuren tätig, nach 1728 als einer der Planer des Kirchenneubaus. Inzwischen ist auch der junge Antonio Bossi (1699–1764) aus Porto Ceresio eingetroffen. Er zeigt sein Talent mit Stuckfiguren im Treppenhaus bei der Benediktskapelle, im Vorsaal des Kaisersaals und in der Vorhalle zur Abtskapelle, wo er auch die Stuckmarmorarbeiten ausführt.  Sein geniales Hauptwerk ist später die Stuckierung der Würzburger Residenz. Seit 1717 arbeitet auch der Sohn des Klosterarchitekten von Holzen, Kaspar Radmiller (1692–1775), als Maurer, dann 1721 als Stuckateur in Ottobeuren. Er nimmt 1729 Wohnsitz in Tannhausen, kommt aber bis 1731 für die Vollendung der Stuckarbeiten nach Ottobeuren.
Hat Abt Rupert II. bei der Auswahl der Stuckateure eine glückliche Hand, vielleicht unterstützt von P. Christoph Vogt, so zeigt er bei den Malern vorerst Unsicherheit und zieht für die Klausurräume im Osttrakt nicht besonders herausragende Maler der Umgebung bei. Elias Zobel (1677–1718) aus Memmingen malt 1715 bis 1716 die Deckenbilder in Refektorium und Bibliothek. Sie atmen noch den Geist des 17. Jahrhunderts.  P. Magnus Remy (1674–1734) aus der Abtei Irsee malt 1718 die Deckenbilder und Supraportenbilder im Empfangssaal der Prälatur. Weitere Maler von Deckengemälden dieser ersten Periode sind Johann Paul aus Irsee und Johann Arbogast Thalheimer aus Ottobeuren.
Im Herbst 1719 fertigt der Venezianer Jacopo Amigoni (1675–1752), der für den bayrischen Kurfürsten in München tätig ist, im Vorraum der Bibliothek ein Probestück seines Könnens. Das «al fresco» gemalte Deckenbild zeigt dem Abt eindrücklich den Gegensatz der heiteren, schon ins Rokoko weisenden Malerei des Venezianers zur ernsten, vom spätbarocken Illusionismus noch unberührten Deckenmalerei seiner einheimischen Künstlern. Aber der Abt zögert. Erst 1725 erhält Amigoni den ersten Auftrag für die Abtskapelle und die Vorhalle in der Prälatur im 2. Obergeschoss. In der Zwischenzeit hat der Venezianer, der in Ottobeuren als erster die überragenden Qualitäten des Johann Baptist Zimmermann entdeckt, diesem Arbeiten am Münchner Hof verschafft.
1719 kommt auch der junge und bereits italienerfahrene Franz Georg Hermann (1692–1768) aus Kempten nach Ottobeuren, wo er das Fresko im Vorraum der Sommerabtei und, zusammen mit seinem Vater Franz Benedikt, auch Tafel- und Altarbilder fertigt.
1723–1725 ist der Konstanzer Jacob Carl Stauder (1694–1756) in Ottobeuren tätig. Er befindet sich auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Nachdem er 1721 ein Probestück im «Salettl», dem Gästespeisesaal, liefert, überträgt ihm der Abt die Deckenbilder der Haupttreppe, des Treppenhauses zum Kaisersaal, die Gemälde des Kaisersaals und des Vorsaals. Es sind keine Fresken, Stauder malt mit Öl auf den Putzgrund.
Gleichzeitig mit Stauder ist der fast gleichaltrige Franz Joseph Spiegler (1694–1756) aus Wangen, der Heimatstadt des Abtes, in Ottobeuren tätig. 1724–1725 freskiert er das Geheime Archiv, den Theatersaal, Erdgeschossgänge und ein Treppenhaus im Westflügel. Der jetzt auch wieder anwesende Amigoni übt grossen Einfluss auf Spiegler aus. Im Gegensatz zu Stauder öffnet sich Spiegler der leichten, das Rokoko vorbereitenden Malerei und beherrscht auch die Freskotechnik. Das Deckenfresko im Theatersaal zeugt davon. In Zwiefalten wird er später sein grösstes Werk schaffen.
Jacopo Amigoni kommt 1728 nochmals nach Ottobeuren. Er freskiert die Benediktuskapelle und die Kanzleiräume der Winterabtei[12] im obersten Geschoss, die heute als «Amigonizimmer» der Öffentlichkeit zugänglich sind. Mit der Ausgestaltung dieser Räume sind die Arbeiten am Klosterneubau von Ottobeuren vorerst abgeschlossen. Der Gehilfe Amigonis, Franz Anton Erler, macht sich in Ottobeuren selbstständig und erstellt 1735–1739 die letzten Fresken im Kreuzgang des Erdgeschosses.
Schon 1724 wird der Konventbau als der künstlerisch reichste in Süddeutschland betrachtet. Denn Neidern stellt Abt Rupert II. entgegen, dass sie zuerst den noch reicheren Kirchenbau abwarten sollen, das Klostergebäude werde dann unwichtig.[13] Der Vorwurf des unchristlichen Prunkes bezieht sich sicher auch auf die wertvolle zusätzliche Ausstattung mit Tafelwerken und Altarblätter bekannter Künstler.[14] So sind die Kreuzgänge aller Geschosse mit Gemälden bekannter Künstler und mit Ovalbildern über jeder Türe ausgestattet. Auf der Ostseite der Winterabtei finden sich die Galerieräume mit Kunstwerken, die gemäss einer Schätzung bei der Säkularisation einen Wert von 42 000 Gulden darstellen.

Der Kirchenneubau 1737–1766
Am 13. Oktober 1736 beschliesst das Kapitel der Reichsabtei, «man solle in nomine Domini pro maiori gloria Jesu auch den Anfang zu der neuen Kirche machen». Dem Beschluss geht eine über 20 Jahre dauernde Planung voraus, die auch nach Baubeginn weitergeführt wird, und die erst mit dem Beizug von Johann Michael Fischer 1748, 11 Jahre nach Baubeginn, abgeschlossen wird. Die Klosterkirche von Ottobeuren ist in Planung und Bau ein Musterbeispiel eines grossen Bauvorhabens des Barock, eine «Summa» aller Ideen, wie sie nur der Barock kennt. Ihre vorgesehene freie Lage im Norden der soeben fertiggestellten Klosterresidenz begünstigt die lange Reifezeit und die über Jahre dauernde, vergleichende Planung vieler berühmter Baumeister-Architekten, auch genügt die Stiftskirche des Abtes Kaspar Kindelmann aus der Mitte des 16. Jahrhunderts noch immer den praktischen Ansprüchen der Klostergemeinschaft. Das noch 1686 barockisierte, zweitürmige Bauwerk liegt jetzt schräg vor dem mächtigen Nordflügel. Dem hohen Anspruch an achsengerechter barocker Regularität, vor allem aber dem Anspruch auf angemessene barocke Grösse und Dramatik kann es nicht genügen. Der Ersatz ist deshalb notwendig. Wir trauern dem Bauwerk des Abtes Kaspar nicht nach, denn sein Ersatz stellt einen der Höhepunkte der kirchlichen Barockarchitektur dar. Der Beschrieb von Planung, Bauausführung und Ausstattung der neuen Stiftskirche folgt an anderer Stelle.

Säkularisation und Neubeginn
1802 erfolgt die Inbesitznahme der freien Reichsabtei Ottobeuren durch den bayrischen Kürfürsten. Er sichert sich damit noch vor dem Reichsdeputationshauptschluss des nächsten Jahres die Gebiete, die ihm Napoleon im Frieden von Lunéville zuspricht. Ottobeuren, auch die angrenzenden Reichsabteien Kempten und Irsee, die benachbarten Reichsstädte und das Hochstift Augsburg werden von Bayern annektiert und sind seither bayrisches Staatsgebiet. Die Aufhebung Ottobeurens betrifft nebst Abt Paulus Alt 46 Patres und 2 Novizen,[15] aber auch 101 Internatsschüler des Stiftsgymnasiums, das ersatzlos geschlossen wird. Dem Abt wird eine Jahrespension von 2000 Gulden, den Konventmitgliedern 400 bis 500 Gulden bewilligt. Sie werden nicht vertrieben, 18 von ihnen benutzen einen kleinen Teil des ehemaligen Klosters weiter.[16] Die Verschleuderung des Klosterbesitzes beginnt am 21. März 1803. Gemälde, andere wertvolle Gegenstände, Pferde, Ochsen und Fahrzeuge werden bis Ende Juni versteigert. Markt und Klosterpfarrei werden anschliessend vereinigt. Die bisherige Klosterkirche ist nun Pfarrkirche, dafür wird die am Marktplatz gelegene alte Pfarrkirche St. Peter 1813 in ein Schulhaus umgebaut. Die Klosteranlage findet in der Folge keinen Käufer und wird als Kriegsgefangenenlager, Rentamt und Landgericht verwendet. Ein Teil wird Kaserne. 1834 leben noch 14 ehemalige Patres, verstreut auf verschiedenen Pfarrstellen. Einer von ihnen, Barnabas Huber, wird im gleichen Jahr Abt des von König Ludwig I. neugegründeten Stiftes St. Stephan zu Augsburg. Er erhält gleichzeitig das ehemalige Reichsstift Ottobeuren als Priorat. Hier hält sich allerdings nur noch ein einziger Pater auf. Der neue Prior und Pfarrvikar von Ottobeuren ist deshalb ein Pater aus dem schweizerischen Stift Maria Einsiedeln. Er bringt zwei weitere Mitbrüder nach Ottobeuren. So kann das Stift wiederbelebt werden. 1868 sind nebst einem Prior fünf Patres und sieben Laienbrüder im Kloster, in dem jetzt eine «Erziehungsanstalt für arme Knaben» betrieben wird. Im Ersten Weltkrieg kann dank einer privaten Schenkung[17] die Abtei wieder gegründet werden. Sie wird 1919 vom neuen Freistaat Bayern anerkannt.

Heute
Die Abtei zählt heute 22 Klostermitglieder des Benediktinerordens. Für die interessierten Besucher ist im zweiten Obergeschoss die Winterabtei, der Bibliotheksraum, der Theatersaal und der Kaisersaal als «Klostermuseum» zugänglich. Seit 1960 laufen umfangreiche Restaurierungs- und Sicherungsmassnahmen, vor allem in und an der Klosterkirche. Für die laufende Restaurierungsetappe, die 1995 begonnen hat, rechnet das staatliche Bauamt mit Kosten von 26 Millionen Euro.

Pius Bieri 2010

 

Benutzte Einzeldarstellungen:
Von Stramberg, Johann Christian: Ottenbeuren, in: Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, Dritte Section, Siebenter Theil. Leipzig 1836.
Bernhard, P. Magnus OSB: Beschreibung des Klosters und der Kirche zu Ottobeuren. Ottobeuren 1864.
Gurlitt, Cornelius: Ottobeuren, in: Illustrierte Deutsche Monatshefte, Band 70. Braunschweig 1891.
Schwager, Klaus: Zur frühen Planungs- und Baugeschichte des Klosters Ottobeuren – unter besonderer Berücksichtigung des Anteils der «Vorarlberger», in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg, Band 71. Augsburg 1977.
Kolb, P. Aegidius OSB: Ottobeuren, Schicksal einer schwäbischen Reichsabtei. Kempten 1986.
Kolb, P. Aegidius OSB: Ottobeuren (kleiner Führer durch die öffentlichen Räume der Abtei). Ottobeuren 1995.


Anmerkungen:

[1] Das rare Patrozinium bezieht sich auf den heiligen Alexander und Brüder (10. Juli, Reliquien kommen im 8. Jahrhundert nach Ottobeuren und Wildeshausen) nicht auf den ebenfalls Anfang des 2. Jahrhunderts lebenden heiligen Papst Alexander I. (3. Mai, Reliquien kommen im 9. Jahrhundert nach Aadorf, Faurndau, Freising, Fulda und Rankweil).

[2] Die Ausdehnung des Herzogtums Schwaben im 10. Jahrhundert entspricht den Bistümern Basel, Strassburg, Konstanz, Chur und Augsburg. Die Stadt Konstanz mit den Klöstern Reichenau und St. Gallen bildet das Zentrum.

[3] Ottenbeuren ist die Schreibweise, die sich bis in 19. Jahrhundert hält. Erst im 19. Jahrhundert wird zu Ottobeuren gewechselt und damit die Namensherkunft verwischt.

[4] Theodor oder Theodul ist erster Bischof in Octodurus im 4. Jahrhundert und Landespatron des Wallis. Weil Bertha, die Tochter des Herzogs Burchard II. von Schwaben und seiner Gattin Reginlinde, mit König Rudolf von Hochburgund verheiratet ist, nutzt Bischof Ulrich seine Beziehungen und bringt aus der Abtei St. Maurice die Reliquien nach Ottobeuren. Die wertvolle Armreliquie des heiligen Mauritius bringt er auf der gleichen Reise nach Einsiedeln, einem ebenfalls von ihm geförderten Kloster, dem er aus Augsburg schon Reliquien der heiligen Afra und Digna mitgebracht hat. (Quelle: Georg Holzherr: Abt Gregor im Umfeld de monastischen Bewegung des 10. Jahrhunderts, Einsiedeln 1996).

[5] Fälschungen sind damals in den Schreibstuben der Klöster zur Sicherung althergebrachter Vorrechte oder als Ersatz zerstörter Originale üblich. So besitzt auch das Kloster Einsiedeln eine wichtige Schenkungsurkunde von Kaiser Otto I. aus dem Jahre 965, die heute als Fälschung betrachtet wird.

[6] Abt Leonhard Wiedemann (regiert 1508–1546) aus Schretzheim bei Dillingen eröffnet 1509 eine Druckerei und 1543 eine öffentliche Lehranstalt für morgenländische Sprachen und höhere Studien. Im Kloster ist seit 1504 P. Nikolaus Ellenbog (1481–1543), ein berühmter deutscher Humanist, Astronom und Literat.
Abt Kaspar Kindelmann (regiert 1547–1584), Sohn eines Müllers, kommt aus dem Weiler Stägen am Aabach bei Wetzikon im Zürcher Oberland. 1547–1558 baut er eine neue Stiftskirche und nach dem Brand von 1566 auch die Abtei. Während seiner Regierungszeit kann er 19 Neueintritte verzeichnen.

[7] «Pecunia, Prudentia und Patientia (Geld, Vorsicht und Geduld) seind die drei Elemanta, mit welchen man bauen muss» schreibt Abt Rupert II. am 20. Oktober 1717 ins Tagebuch.

[8] Ausführende Baumeister sind die Vorarlberger Franz Beer I und Jodok Zünd.

[9] 1708 wird die Anlage in einem Stich von Kilian in Augsburg veröffentlicht. Die Grundrissmasse der Vierhof-Anlage von Einsiedeln sind 133 auf 153 Meter, die Kirche ist aber nach dem Schema des Escorial (1563) in der Mittelachse eingebaut. Zum falschen Vergleich mit dem spanischen Königsschloss El Escorial.

[10] Die Salzburger Kollegienkirche von Johann Bernhard Fischer von Erlach ist 1707 vollendet, übt aber schnell, auch durch Verbreitung in Druckwerken, Einfluss auf laufende Kirchenplanungen aus. Vor allem Franz Beer II und Caspar Moosbrugger beschäftigen sich intensiv mit dem Salzburger Bauwerk.

[11] Klaus Schwager (siehe Literatur) sieht dies anders und möchte den Entwurf dem von ihm völlig überhöhten Franz Beer II zuschreiben. Schwager muss deshalb die planerischen Fähigkeiten des P. Christoph Vogt in Zweifel ziehen, da es für eine weitere Tätigkeit von Franz Beer II oder seines Planzeichners Peter Thumb nach dem Bau der Ökonomiegebäude um 1700 nicht die geringsten Anhaltspunkte gibt. Zu dieser Hypothese ist zu bemerken, dass der in Mathematik und damit auch Zivilbaukunst ausgebildete Vogt dem Vorarlberger in Architekturtheorie und Plandarstellung nicht unterlegen ist. Franz Beer II ist zeichnerisch sogar unbegabt. P. Christoph Vogt kennt Salem (Beer) und das Projekt Einsiedeln (Moosbrugger). Er ist durchaus in der Lage, diese beiden Vorgaben für Ottobeuren zu optimieren. Dass er 1717 für Frauenalb einen Neubau ohne Risalite plant, ist für Schwager ein Beleg seiner Hypothese. Franz Beer II macht dies aber gleichzeitig in Oberschönenfeld. Dies entgeht dem voreingenommenen Kunsthistoriker, der wie viele seiner Zunft die damaligen geistlichen Liebhaberarchitekten völlig unterschätzen.

[12] Die Winterabtei oder Prälatur im Süd-Nord-Quertrakt des zweiten Obergeschosses ist heute öffentlich zugänglich. Die Sommerabtei im Südflügel des gleichen Geschosses ist nicht zugänglich.

[13] Der Abt von Neresheim wirft ihm vor, dass sein Bau «alles modestiam religiosam weit und unzulässig überschreitet», worauf Abt Rupert antwortet, «Kanns nicht mehr abbrechen und muss ad honorem Dei continuieren, solang Gott will. Wann mir Gott die Gnade gibt, auch die Kirche zu bauen, so werde ich wohl alle Kräfte anwenden, einen raren Tempel SS. Trinitati zu bauen, wogegen das Klostergebäu nichts sein soll!»

[14] Jacopo Amigoni, Johann Georg Bergmüller, Franz Anton Erler, Hieronymus Hau, Franz Benedikt Hermann, Franz Georg Hermann, Joseph Ruffini, Paul Zeiller und andere.

[15] Nach Lindner, Professbuch. Die Zahlen in der unten aufgeführten Literatur sind falsch.

[16] Darunter auch der verdienstvolle Chronist P. Maurus Feyerabend (1754–1818), auf dessen Klosterchronik das heutige veröffentlichte Wissen über den Konventneubau beruht. Während der nachfolgende Chronist P. Magnus Bernhard diese Baugeschichte 1865 noch vertieft behandelt, ist die Bauforschung mit Ausnahme der Stiftskirche seither stehen geblieben. Die wenigen Veröffentlichungen über den wichtigsten Konventneubau des 18. Jahrhunderts im Bistum Augsburg übernehmen noch immer unreflektiert die Baugeschichte des frühen 19. Jahrhunderts. Eine in den 1970er Jahre in Arbeit befindliche Ottobeurer Publikation von Gabriele Dischinger und Klaus Schwager ist seither wieder eingeschlafen. Selbst die 13 Tagebuch-Foliobände des Abtes Rupert II. Ness, eine vermutlich baugeschichtlich unerschöpfliche Geschichtsquelle, sind nicht erforscht oder nur auszugsweise veröffentlicht, unverzeihlich im Zeitalter des Internets. Bernhard Schütz (siehe Literatur) schreibt noch 2000, durch mangelnde Veröffentlichungen mit gleichzeitiger Einsichtsverweigerung «ist die Ottobeuren-Forschung zu einer Art Geheimwissenschaft für Eingeweihte geworden».

[17] Freiherr Theodor von Cramer-Klett (1874−1938). Er erwirbt und belebt auch Wessobrunn.

 

 

 

 

 

Ottobeuren nach dem vollendeten Klosterneubau 1724
         
OttobeurenBodenehr   OttobeurenKircheKindlemann

Der um 1720 entstandene Stich des Augsburgers Gabriel Bodenehr zeigt Abtei und Stadt von Osten. Er hält den Zustand nach dem Klosterneubau, aber vor dem Abbruch der alten Stiftskirche (1748) fest.
Bildquelle: Wikipedia, dort mit falscher Datierung.
 
Der Nordflügel mit der Benediktskapelle ist 1724 erstellt. Vor ihm liegt die Stiftskirche (1547–1558) des Abtes Kindelmann, welche noch über 20 Jahre nach dem Klosterneubau benützt wird und erst 1748 dem Chor der neuen Kirche weichen muss.
Quelle: Aufnahmezeichnung Martin Wöger in Büro Fischer 1747, im Klostermuseum Ottobeuren.

 

 

 

 

 

 

 

  Ehemalige Benediktiner-Reichsabtei Ottobeuren: Klosteranlage  
  Ottobeuren1916  
Ort, Land (heute) Herrschaft (18. Jh.)
Ottobeuren Unterallgäu Bayern D
Reichsabtei Ottobeuren
Bistum (18.Jh.) Baubeginn
Augsburg   1711
Bauherr und Bauträger

ok Abt Rupert II. Ness (reg. 1710–1740)
 
  Ein Postkarte von 1916 zeigt die Gesamtanlage der Konvent- und Ökonomiegebäude mit der Stiftskirche von Nordwesten. Bildquelle: Wikipedia.   pdf  
   
OttobeurenLage1
Lageplan mit dem Gebäudebestand 1800. Anklicken für Legende und Vergrösserung.  
   
OttobeurenLage2
Im Grundriss der Konventgebäude (1711–1724) und der Stiftskirche (1739–1766) sind die Etappierungen dargestellt. Gelb ist die alte Klosteranlage mit der Kirche von Abt Kindelmann eingetragen.
Anklicken für Legende und Vergrösserung.
 
Ottobeuren1667
In einem Stifterbild mit dem Wappen von Abt Petrus und der Jahreszahl 1667 ist der Klosterort Ottobeuren in einer Ansicht aus Osten dargestellt. Er zeigt rechts den Marktplatz mit den zwei Brunnen, das Rathaus und die Pfarrkirche St. Peter. Darüber, auf dem Hochplateau, die doppeltürmige Stiftskirche (1558) des Abtes Kaspar Kindelmann. Sie wird 1748 zugunsten der neuen Stiftskirche abgebrochen, nachdem die Nikolaikapelle, welche im Norden (im Bild rechts über dem Marktplatz) den Vorplatz begrenzt, schon 1737 dem Neubau zum Opfer fällt. Links , südlich der Kirche, ist das alte und bis 1711 bestehende Kloster dargestellt, an dem speziell die beiden Turmhauben der alten Prälatur auffallen.
Bildquelle: Wikipedia.
 
Ottobeuren1676
P. Ulrich Bachmann zeichnet 1676 eine Vogelschauansicht des Klosters, die (hier in einer kolorierten Nachzeichnung) mit dem obigen Ölgemälde im wesentlichen übereinstimmt. Für die Legende zu den Gebäuden anklicken!  
OttobeurenVogt1712
1712 zeichnet Pater Christoph Vogt diesen Plan der Südfront, in dem die Beratung durch Johann Jakob Herkomer in der Gestaltung des Mittelrisalites sichtbar ist.
Quelle: Plan Lieb Nr. CXLIVb im Klosterarchiv Ottobeuren).
 
Ottobeuren1
Ein Blick in den Nordhof mit dem Mittelrisalit des Querflügels (Haupttreppenhaus) zeigt die um 1716 bereiits vollendeten Gebäudeteile.  
Ochsenhausen3
Der erste grosse Saalraum, der im Quertrakt zum Ostflügel 1715–1718 ausgebaut wird, ist die Bibliothek. Johann Baptist Zimmermann erstellt 1715 die Stuckmarmorsäulen und 1718 den Deckenstuck. Die Deckenbilder malt 1718 Elias Zobel. Die Statue der Athena von Anton Sturm kommt 1725 in den Saal.
Ottobeuren2
Die an den Empfangssaal (1717) anliegenden Räume sind in einer «Enfilade» verbunden. Das Supraportengemälde (Erzengel Gabriel) stammt von Pater Magnus Remy.  
Ottobeuren4
Der Kaisersaal ist Höhepunkt der Repräsentationsräume. Nach einem Gesamtentwurf von Andrea Maini wird er 1723–1727 gebaut.  
Ottobeuren5
Der Füssener Bildhauer Anton Sturm kann 1725–1726 die 16 überlebensgrossen, vergoldeten Figuren der habsburgischen Kaiser im Kaisersaal erstellen. Sie stehen zwischen marmorierten Doppelsäulen, die ein geschwungenes und verkröpftes Gesims tragen, über dem eine Blendbalustrade durchläuft.  
Ochsenhausen6
Mit einer wahren Triumpharchitektur prägt Carlo Andrea Maini und sein Stuckateurtrupp die Schmalseiten des Kaisersaals. Die Figuralplastik ist ein Werk von Carlo Ferretti, der 1724 von Ludwigsburg nach Ottobeuren wechselt.
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Das Deckengemälde (1724) im Kaisersaal ist ein Hauptwerk des Konstanzer Malers jacob Carl Stauder. Es stellt die Krönung Karls des Grossen durch Papst Leo III. dar.
Selbstgefällig porträtiert sich Stauder links der Hauptszene selbst, mit Allongeperücke und blauem, hermelingefüttertem Mantel über einer Rüstung.
> Zur Selbstdarstellung Jacob Carl Stauder
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Ottobeuren8
Das Deckenbild der Himmelfahrt Christi in der Benediktskapelle im Nordflügel malt der Venezianer Jacopo Amigoni 1725. Es ist, im Gegensatz zum Kaisersaal-Gemälde Stauders, «al fresco buono» gemalt und weist mit Figuren auf einer umlaufender Landschaftskulisse und dem duftig weichen Wolkengebilde mit den graziösen, schwebenden Gestalten schon in das nahe Rokoko.  
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1728 kommt Amigoni nochmals nach Ottobeuren. In den Kanzleiräumen des zweiten Obergeschosses malt er in den Régence-Stuck von Gerolamo Francesco Andreoli weitere Fresken, wie hier die Allegorie der Gerechtigkeit.
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Im Theatersaal, der 1724–1725 ausgestattet wird, stammen die Deckenfresken von Franz Joseph Spiegler. Der Einfluss von Amigoni auf Spiegler ist hier bereits spürbar. Auf dem Bühnenabschluss ist, in Grisaille-Technik gewebt, das Wappenschild von Abt Rupert II. Ness angebracht.
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Der Südflügel, 1716 fertiggestellt.  
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Das Beamtengebäude im Westen, leicht erhöht über der Abtei, wird 1739–1742 von Simpert Kramer gebaut. Es ist der einzige gut erhaltene Wirtschaftsbau im Klosterareal, im Gegensatz zu den heute verwahrlosten Ökonomiegebäuden im südlichen Klosterareal.  
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