Die Meister des Bauwerks
Name Herkunft Text   Tätigkeit von   bis
Joseph Greissing (1664–1721) Hohenweiler (Vorarlberg) ok   Hofbaumeister-Architekt 1716   1721
Joh. Leonhard Stahl (~1680–n.1743) Böblingen     Hofzimmermann-Baumeister 1722   1743
Balthasar Esterbauer (1672–1728) Mettenbach? (Bayern)     Hofbildhauer ~1717   ~1722
Johann Thomas Wagner (1691–1769) Gebsattel     Bildhauer ~1718   ~1743
Agostino Bossi (1740–1799) Porto Ceresio (Italien)     Stuckateur ~1765   ~1765

Obertheres

Ehemalige Benediktinerabtei und Kirche St. Stephan und St. Vitus zu Theres

Klosterburg am Main
Eine halbe Flussstunde unterhalb Hassfurt am Nordufer des Mains gelegen, ist die Benediktinerabtei Theres während 770 Jahren dominierendes Wahrzeichen der Flusslandschaft. Sie steht auf dem Platz einer Burg der Babenberger mit Namen «Therissa», was eine Kurzform von «Sintherihusan» sein könnte. König Heinrich II. schenkt die Burg seinem jungen Bistum Bamberg. Bischof Suidger gründet zwischen 1040 und 1045 auf dem Burggelände eine Benediktinerabtei mit den Patronen St. Stephan und St. Vitus. Als wichtige Einnahmequelle erhält sie 1097 das Recht auf Zolleinnamen aus der Mainschifffahrt. Turbulente Zeiten erlebt die Abtei im 15. und 16. Jahrhundert. Zuerst 1465, in einer Fehde der Hochstifte Bamberg und Würzburg, dann im Bauernkrieg von 1525 und wieder im Markgrafenkrieg 1553 erleidet die Abtei schweren Schaden. 1574 besteht der Konvent nur noch aus zwei Mönchen. Sie erholt sich wieder, erlebt aber neue Verwüstungen im Dreissigjährigen Krieg. 1688 übergibt das Fürstbistum Bamberg gegen eine Abfindung die geistlichen und weltlichen Rechte an der Abtei und ihrer Grundherrschaft an das Fürstbistum Würzburg. Die gleichzeitig eingeführte Bursfelder Reform[1] unter dem aus Münsterschwarzach berufenen Abt Johannes Burckhardt verhilft zu neuer Blüte. Theres bleibt aber mit rund 20 Konventmitgliedern eine eher kleine Benediktinerabtei.

Barocker Neubau
Die Abtei hat noch Anfang des 18. Jahrhundert das wehrhafte mittelalterliche Aussehen. Innerhalb einer turmbewehrten Umfassungsmauer dominiert die in gotischer Zeit umgebaute Stiftskirche mit drei markanten Türmen. Südlich angeschlossen ist der um einen Kreuzgang angeordnete Konventbau. Wirtschaftsgebäude begrenzen grosse Höfe nördlich und östlich der Kirche, während sich im Westen vor weiteren Klostergebäuden die Gärten ausdehnen. Hier, am Fuss des Klosterplateaus im Westen, liegt die Marienkapelle.
1715, sofort nach seiner Wahl, fasst Abt Gregor II. Fuchs (1715–1755) den Beschluss zu einem Neubau von Konvent und Kirche. Er beruft den Würzburger Baumeister Joseph Greissing für die Planung und kann 1716 den Grundstein zu neuen Kirche legen. 1721, nur wenige Tage nach dem Tod des Baumeisters, kann er den Chor einweihen und 1722 den letzten Gewölbeschlussstein im Langhaus setzen. Die Arbeiten werden jetzt vom Palier Johann Leonhard Stahl weitergeführt. Die Bildhauerarbeiten vergibt der Abt an den mit Greissing schon in Ebrach zusammenarbeitenden Balthasar Esterbauer und seinem Gesellen Johann Thomas Wagner. Die Stuckateure und Freskanten werden nicht genannt. Ein Bautagebuch des Abtes erlaubt hingegen die Einsicht in einen barocken Bauablauf mit seinen Fortschritten und den damals üblichen tödlichen Unfällen bei Stürzen vom Gerüst. 1724 beginnen die Arbeiten am neuen Konventbau nach den Plänen Joseph Greissings. Wie schon die Kirche, liegt auch die südlich anschliessende Dreiflügelanlage am Ort der alten Konventbauten. In Ergänzung zum Plan Greissings verlängert aber sein Nachfolger Johann Leonhard Stahl[2] die Südfront repräsentativ und verstärkt sie mit Eckpavillons. Der Abschluss aller Bauarbeiten kann, trotz sofortigem Teilbezug, infolge der bescheidenen Finanzkraft der Abtei erst 1743 erfolgen. Die Einweihung der Kirche verzögert sich sogar bis 1748.

Die Gestalt der barocken Abteikirche St. Stephan und St. Vitus
Heute ist von der Kirche an Ort nichts mehr vorhanden. Kaum ein Besucher von «Schloss» Theres weiss um das Aussehen der Abtei vor dem Abriss der Kirche. Die Pläne ihres Baumeisters, Joseph Greissing, sind aber erhalten und wir können uns, verbunden mit einer Vedute und einer Zeichnung von 1785 ein klares Bild der Anlage machen. Sie wird beherrscht von der dreitürmigen Stiftskirche. Zwei Chortürme muss Greissing von der Vorgängerkirche übernehmen, er integriert sie und gestaltet die Westfassade der Kirche zur Einturm-Schaufront. Die Fassade, mit einer Turmhöhe von knapp 70 Meter die höchste des 18. Jahrhunderts im Hochstift Würzburg, und auch von Vierzehnheiligen nicht übertroffen, bewegt die damalige Fachwelt und wird Vorbild. Noch 1736 fertigt Neumanns Schüler Johannes Seitz Kopien der Originalpläne und legt die Fassade von Theres neben diejenige der Neumannkirche von Wiesentheid. Gewöhnlicher als die Westfassade scheint die Kirche selbst. Zwar könnte die Wandpfeiler-Emporenkirche durchaus Innenraumqualitäten aufweisen, die an Schönenberg ob Ellwangen oder Solothurn[3] oder gar an spätere Kirchen von Johann Michael Fischer erinnern. Mangels Kenntnis der Pfeilerausbildung, der Ausstattung und der Stuckaturen kann aber kein Urteil über den Innenraum mit einer lichten Höhe von 21 Metern gefällt werden. Zudem muss Joseph Greissing nicht nur die beiden mittelalterlichen Chortürme, sondern vielleicht auch alle Fundamente der mittelalterlichen Kirche in den Neubau einbeziehen. Die Nordfassade scheint solche Zwänge zu bestätigen.[4]

Das Ende
Im Dezember 1802 kommt das Ende des Klosters. Der letzte Abt und 24 Mönche müssen Theres verlassen. Das mit 360 000 Gulden geschätzte Klostergut wird 1804 an einen Minister des Herzogs von Sachsen-Coburg für 155 000 Gulden verkauft. Dieser lässt 1809 die Abteikirche abbrechen. Immerhin entfernt er vorher aus der Gruft der Klosterkirche die Gebeine der dort ruhenden 40 Mönche und lässt sie im Dorffriedhof beisetzen. Die Ausstattung der Kirche wird «veräussert». Die Konventgebäude überleben die Säkularisation durch die Umwandlung in ein Schloss. 1830 übernimmt die hessische Adelsfamilie von Ditfurth das Gut. Seit 1856 sind auf «Schloss» Theres die Freiherren von Swaine, eine aus Yorkshire stammende Familie, ansässig. Schlossherr ist heute der Erbe Achim Graf von Beust.

Pius Bieri 2009

Benutzte Einzeldarstellungen:
Mack, Johannes: Der Baumeister und Architekt Joseph Greissing, Würzburg 2008.
Schütz, Markus: Klöster in Bayern: Theres, in: Haus der Bayrischen Geschichte, Augsburg o. J.

Anmerkungen:

[1] Vorreformatorische Reform der nördlich des Mains gelegenen Benediktinerklöster.

[2] Die Witwe heiratet 1723 den aus Böblingen stammenden langjährigen ersten Palier Johann Leonhard Stahl. Dieser führt als würdiger Nachfolger den Betrieb weiter.

[3] Die Vergleiche stammen von Johannes Mack in: Joseph Greissing, 2008.

[4] Ist vielleicht das Erdgeschoss bis zum Fassadengesims das alte Seitenschiff?

 

Ehemalige Benediktinerabtei Theres: Erinnerungen an die Klosterzeit
Theres4   Theres5   Theres3

Reste der Umfassungsmauer des ehemaligen Gästehauses der Abtei, das im Hintergrund sichtbar ist (heute Pfarrhof, im Lageplan Nr. 8).
Bildquelle: Wikipedia by Tilmann2007.
 
Einer der verbliebenden Rundtürme der Klosterbefestigung.
Bildquelle: Wikipedia by Tilmann2007.
 
Wappenkartusche über dem Eingang zur Marienkirche. Die beiden mittleren und linken Schilder enthalten (erfundene) Stifterwappen, der rechte Schild ist das Wappen des Abtes Gregor Fuchs. Die Erläuterung zu dieser Wappenfolge siehe
http://www.welt-der-wappen.de/Heraldik
Bildquelle: Wikipedia by Tilmann2007.
 
  Ehemalige Benediktinerabtei Theres in Obertheres am Main  
  TheresGeiger  
Ort, Land (heute) Herrschaft (18. Jh.)  
Obertheres
Unterfranken
Bayern
Fürstbistum
Bamberg
 
Bistum (18.Jh.)   Baubeginn  
Bamberg   1716  
Bauherr und Bauträger    

Abt Gregor II. Fuchs (reg. 1715–1755)

 
 
  1785 zeichnet Conrad Geiger die Abtei, wie sie sich dem Schiffsreisenden auf dem Main von Südosten präsentiert. Quelle: Städtische Sammlungen Schweinfurt.   pdf  
   
TheresLage
Der Lageplan zeigt die Klosterlandschaft um 1800. Für Legende bitte anklicken.  
   
TheresGrRiss
Die Stiftskirche wird 1809 vom neuen Besitzer abgebrochen. Der Grundrissplan des Baumeisters Joseph Greissing überliefert die Masse der Wandpfeilerkirche, die im wesentlichen dem Grundriss der mittelalterlichen Kirche folgen. 1945 verbrennt auch dieser Plan (Sammlung Eckert 224) im Mainfränkischen Museum Würzburg. Bildquelle: Mack, Greissing (siehe Literatur).  
TheresFassade
1805 wird eine Bauaufnahme der Westfassade erstellt. Mit der Einturmfront der Stiftskirche von Theres schafft der Vorarlberger Baumeister Greissing ein architektonisches Vorbild, dessen Wirkung auf die nachfolgende Architektengeneration nicht ausbleibt. Bildquelle: Mack, Greissing (siehe Literatur).  
TheresWiesentheid
Johannes Seitz, ein Schüler von Balthasar Neumann, stellt 1736 einen zeichnerischen Vergleich der Westfront von Theres (rechts) und seiner eigenen Schöpfung, der bekannten Kirche von Wiesentheid (links) dar. Der Vorbildcharakter der Einturmfront von Theres zeigt sich auch daran, dass Kunsthistoriker lange Zeit beide Schöpfungen als Werke von Balthasar Neumann bezeichnen. Bildquelle: Mack, Greissing (siehe Literatur).  
Theres1
Die drei Konventflügel sind heute in Privatbesitz und werden als Schloss bezeichnet. Im Bild der Westflügel.
Quelle: Wikipedia by Presse03.
 
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Die sogenannte «Alte Abtei», ein Bauwerk des 17. Jahrhunderts, bildet den Westabschluss des Ökonomiehofes. Bildquelle: Wikipedia by Presse03.  
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Ein Modell von Siegfried Schwinn aus Hassfurt zeigt Konventgebäude und Kirche im Zustand vor 1809.
Foto: Siegfried Schwinn.