Die Meister der Stiftskirche Muri
Name Herkunft Text   Tätigkeit von   bis
Thomas Schott (1578–1634) Urach wiki   Orgelbauer 1619   1630
Johann Christoph Storer (1620–1671) Konstanz ok   Maler 1656   1659
Simon Bachmann (um 1600/10–1666) Muri     Bildhauer 1650   1659
Br. Caspar Moosbrugger (1656–1723) Au Vorarlberg ok   Gutachter 1694   1694
Giovanni Battista Bettini (um 1660–nach 1701) Bregazona Tessin     Stuckateur-Architekt 1694   1697
Francesco Antonio Giorgioli (1655–1725) Meride Tessin ok   Maler, Freskant 1696   1718
Matthäus Baisch (um 1700–1761) Wintersulgen     Kunstschreiner 1745   1750
Johann Nikolaus Spiegel (um 1706–1759) Messkirch     Fassmaler 1745   1750
Joseph Anton Hops (1720–1761) Mietingen Biberach     Bildhauer 1746   1747
Johann Jakob Hoffner (um 1690–nach 1762) Konstanz     Kunstschlosser 1745   1746
Franz Joseph Spiegler (1691–1757) Wangen im Allgäu ok   Maler 1746   1747
Jacob Carl Stauder (1694–1756) Oberwil Baselland ok   Maler 1748   1748
Franz Ludwig Hermann (1732–1791) Ettal ok   Maler 1767   1767

Klosteranlage   Die barocke Klosteranlage
Stiftskirche   Stiftskirche St. Martin

Ehemalige Benediktinerabtei Muri
Stiftskirche St. Martin


Gründungsbau 1027–1064
Die heutige barocke Stiftskirche St. Martin ist in den Mauern des romanischen Gründungsbaus von 1027–1064 entstanden. Chor, Querhaus und Westwerk der Romanik sind im Grundriss ablesbar und im aufgehenden Mauerwerk enthalten. Die Türme erhalten 1558 ihr heutiges Aussehen. Die Barockisierung der mittelalterlichen Basilika beginnt im 17. Jahrhundert mit neuen Ausstattungen. 1619 bis 1630 wird von Thomas Schott die grosse Orgel der Westempore erbaut. Das Chorgestühl erstellt Simon Bachmann 1650–1658.

Barocker Zentralbau des Abtes Placidus Zurlauben
Der unternehmerische Barockprälat Abt Placidus Zurlauben (1684–1723) beginnt sofort nach seiner Wahl mit dem Klosterumbau nach einem barockem Idealplan. Ihm genügt auch die mittelalterliche Basilika nicht mehr. Er hat 1695 den Mut, das Langhaus der 600-jährigen Kirche durch ein mächtiges Kuppeloktogon zu ersetzen. Die Kosten des Kirchenumbaus betragen 27 565 Gulden, eine Kleinigkeit für das reichste Kloster der Eidgenossenschaft, das kurz vorher für 363 450 Gulden die Thurgauer Herrschaften Sandegg und Eppishausen sowie die süddeutschen Herrschaften Riedeschingen, Glatt, Diessen und Dettlingen erworben hat; eine unvorstellbare Summe, wenn man weiss, dass ein Handwerker damals 150 Gulden im Jahr verdienen kann. Der Reichtum der Abtei erlaubt auch Geldleihen an das habsburgische Kaiserhaus. 1701 wird die Abtei vom Kaiser gefürstet. Fürstabt Placidus stirbt 1723. Sein Nachfolger vollendet die Ausstattung der nun einer Fürstabtei würdigen Kirche.

Die Meister
Die Meisterfrage ist nicht restlos geklärt. Man kann aus den Bauakten schliessen, dass Baumeister Giovanni Battista Bettini den Kirchenumbau in Zusammenarbeit mit dem Einsiedler Klosterbruder Caspar Moosbrugger plant, der 1694 eine Planskizze anfertigt und auch nachher mehrfach in Muri ist. Das neue Oktogon im ehemaligen romanischen Langhaus ist 1696 unter Dach. Die reiche Stuckierung wird vom Trupp des Giovanni Battista Bettini erstellt. Die Fresken sind von seinem Landsmann Francesco Antonio Giorgioli, der kurz vorher die Klosterkirche Pfäfers ausgestattet hat. Bereits 1697 kann die Kirche neugeweiht werden. Die Ausstattung des frühen Barock wird vorerst nicht verändert. Erst unter Fürstabt Gerold I. Haimb (1723–1751) wird sie ab 1744 mit der heutigen reichen Ausstattung versehen. Es sind süddeutsche Künstler: Die Bildhauer Matthäus Baisch und Nicolaus Spiegel aus Messkirch schaffen Altäre, Abtsthron, Zelebrantensitze, Kanzel, Habsburgerdenkmal und die Verkleidungen der Eckemporen. Die bildhauerischen Werke werden Jospeh Anton Hops aus Villingen zugeschrieben. Der Konstanzer Schlosser Johann Jakob Hoffner erstellt 1746 das prachtvolle perspektivische Chorgitter. Die Maler Franz Joseph Spiegler (1746), Jacob Carl Stauder (1747) und Franz Ludwig Hermann (1767) sind die Schöpfer der Altarblätter.
Die Stiftskirche St. Martin gilt dank der Symbiose der romanischen Kirche mit einem barocken Zentralbau, aber auch dank der reichen Ausstattung, als eines der Hauptwerke des Barocks in der Schweiz.

Die Orgeln
Zur reichen Ausstattung trägt auch das erhaltene Orgelwerk von drei Orgeln bei. Die noch vor dem Kirchenumbau 1619–1630 erstellte Hauptorgel des Thomas Schott auf der Westempore wird 1743–1744 von Joseph und Viktor Ferdinand Bosshart aus Baar erweitert und das Gehäuse 1746 von Nicolaus Spiegel neu gefasst. Die Orgelbauer Bossart liefern 1743 auch die beiden Lettnerorgeln im Oktogon. Eine falsche Zuschreibung eines Orgelbauexperten verunsichert 1992 die Fachwelt und findet noch im Kunstführer 2001 Aufnahme, inzwischen ist aber die Autorenschaft der Orgelbauer Bossart nachgewiesen.

19. und 20. Jahrhundert
Nach der Klosteraufhebung von 1841 wird die Kirche nicht mehr benutzt und 1929–1931 ein erstes Mal restauriert. Hundert Jahre nach der Säkularisation, 1941, übergibt der Kanton das Baudenkmal wieder der katholischen Kirchgemeinde, die seither zusammen mit der privaten «Vereinigung Freunde der Klosterkirche Muri« vorbildlich für die Gebäude sorgt und 1961–1997 die Kirche innen und aussen restauriert.

Muri als Erinnerungsstätte der Habsburger
Abt Gerold I. Haimb lässt 1746–1750 vom fürstlich-fürstenbergischen Hofschreiner Matthäus Baisch und von Fassmaler Niklaus Spiegel aus Messkirch ein Habsburgerdenkmal errichten. Das Stifterdenkmal dominiert auf der Epistelseite, als Gegenstück zur Kanzel, das Kircheninnere. Es ist über den Gräbern von Habsburgern des 10.–13. Jahrhundert errichtet. 1970 wird die Verbundenheit des Klosters Muri mit Habsburg mit einer neuen Gruft für die Familie des emigrierten letzten Kaisers Karl I. und seiner Nachkommen vertieft. Die Gruft wird in der Loretokapelle eingerichtet.

Pius Bieri 2008



Benutzte Einzeldarstellungen:
Germann, Georg: KDM, Kantons Aargau Band V, Basel 1967.
Felder, Peter: Das Kloster Muri. Kunstführer GSK Nr. 692, Bern 2001.
Amschwand, P. Rupert OSB: Geschichte des Klosters Muri - Gries - Sarnen, Muri 2004.
Amschwand, P. Rupert OSB: Alte Ansichten des Klosters Muri, in Jahresheft der historischen Gesellschaft Freiamt und Kloster Muri-Gries, Muri 1977.
Lauro, Brigitta; "....zu ewiger Gedechtnus" - habsburgische Grabstätten in Europa, Dissertation Uni ZH 2005, siehe:
http://opac.nebis.ch/ediss/20050046.pdf

Weitere Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Orgeln_der_Klosterkirche_Muri
http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Muri
Spezialinventare Kanton Aargau: Stuckaturen Kloster Muri


 

Der fürstenbergische Hofschreiner Matthäus Baisch und der Fassmaler Johann Nikolaus Spiegel aus Messkirch sind im wesentlichen die Schöpfer der farbenfrohen und reichen Ausstattung der Stiftskirche, die zwischen 1745 und 1750 geschaffen wird.
Muri-K6   Muri-7-1   Muri-K8
Die nordöstliche oder evangelienseitige Oktogonnische beherbergt die eine der drei Orgeln des Oktogons. Sie wird als nördliche Lettnerorgel oder als Evangelienorgel bezeichnet. Das Werk mit acht Registern wird von den Orgelbauern Bossart aus Baar 1743 geliefert.
Anmerkung: Die Angaben zu den Orgeln im Kunstführer GSK 2001 sind falsch.
Siehe dazu: Orgeldokumentationszentrum Hochschule Luzern, 2009.
Das Schnitzwerk und die Fassungen stammen auch hier von Baisch und Spiegel.
Die gleichen Meistern sind 1750 auch Schöfer der Kanzel.
  Die südöstliche oder epistelseitige Oktogonnische stellt das symmetrische Gegenstück dar. Wieder ist die Orgel (1743, 16 Register) ein Werk der Orgelbauer Bossart aus Baar und alle Holzarbeiten sind Werke von Kunstschreiner Baisch und Fassmaler Spiegel. Als Gegenstück zur Kanzel ist hier das Habsburger-Epitaph angebracht. Es erinnert an die Klostergründer, den Grafen Radbot von Habsburg (gest. vor 1045 ) und dessen
Gemahlin Ita von Lothringen (gest. nach 1034). Mehr zu diesem «Habsburger-Denkmal» siehe in der Dissertation von Brigitta Lauro :
http://opac.nebis.ch/ediss/20050046.pdf
  Das Orgelwerk der Westempore wird 1619 an Thomas Schott aus Urach in Auftrag gegeben und 1630 aufgestellt. Nach dem Neubau des Oktogons wird die Orgel wieder aufgestellt und 1744 bis 1746 von den Orgelbauern Bossart von 28 auf 31 Register vergrössert. Heute hat die Orgel 34 Register. Die Brüstung ist eine Rekonstruktion (1968–1970) aufgrund von Annahmen und ersetzt die Gipsbrüstung von 1834.

 

  Ehemalige Benediktinerabtei Muri: Die Stiftskirche St. Martin  
  Muri-K1  
Ort, Land (heute) Herrschaft (18. Jh.)
Muri Aargau CH
Eidgenossenschaft, Freie Ämter, Herrschaft Muri
Bistum (18.Jh.) Baubeginn
Konstanz 1695
Bauherr und Bauträger

ok Fürstabt Placidus Zurlauben
(reg. 1684–1723)

ok Fürstabt Gerold I. Haimb
(reg. 1723–1751)
 
  Das Oktogon mit der reichen und farbenprächtigen Ausstattung im Übergang von der Régence zum Rokoko mit Blick zum Chor. Detail-Ausschnitte siehe unten.   pdf  
   
Muri-K2
Die Oktogonkuppel mit den wie Pretiosen eingesetzten Giorgioli-Fresken. Vergrössern!  
   
MuriMoosbrugger
Am Anfang der Einfügung des Oktogons in das romanische Kirchenschiff steht der Gutachterplan von Br. Caspar Moosbrugger aus Einsiedeln, den er 1694 zu einem Projekt von Giovanni Battista Bettini erstellt.
Der Projektplan Bettini ist nicht mehr erhalten. Im Dezember des gleichen Jahres erhält er den Auftrag für den Oktogon-Neubau aufgrund seiner Planung und seines Modells.
Bildquelle: Klosterarchiv Einsiedeln 2010.
 
MuriGrundrissKirche
Der Grundrissausschnitt der Kirche zeigt, wie Bettini das neue Oktogon in das romanische Kirchenschiff einfügt, ohne die alten Türme und die Beichtkirche (Eingangsbereich West) abzubrechen, wie dies Moosbrugger im Gutachterplan vorschlägt. Klar erkennbar ist auch die Grundrissform der romanischen Kirche, die auf der Addition von Quadraten aufbaut.  
Muri-K3
1558 werden die beiden romanischen Westtürme um die Glockenstube aufgestockt und mit den markanten roten Spitzhelmen versehen. Barock ist die Vorhalle und das hinter den Türmen sichtbare Oktogon.
Bildquelle: Berger by Wikipedia.
 
Muri-K4
Ein Blick vom Kreuzganghof zum Oktogon und zum südlichen Oktogon-Seitenarm zeigt eine schlichte und mit dem reichen Inneren kontrastierende Architektur.  
Muri-K5-1
Im Altarhaus, das vom Oktogon durch den Mönchschor getrennt ist und deshalb vom Besucher kaum wahrgenommen wird, ist seit 1931 wieder das spätestgotische Netzgewölbe (1510) sichtbar. Damals werden die barocken Fresken Giorgiolis entfernt. Trotzdem dominiert der prachtvolle Hochaltar (1745) des Bildhauers Baisch und des Fassmalers Spiegler den Raum.  
Muri-K7
Ausschnitt mit dem Habsburger-Epitaph. Beschrieb und Hinweis auf Dissertation siehe links (Mitte).