Die Meister des Bauwerks
Name Herkunft Text   Tätigkeit von   bis
Giovanni Antonio Viscardi (1645–1713) San Vittore Misox Viscardi   Baumeister-Architekt 1691   1701
Nicolò Perti (1656–1718) Rovenna Como PertiNicolo   Stuckateur 1695   1698
Francesco Marazzi (um 1670–1724) Mendrisio Marazzi   Stuckateur 1695   1699
Pietro Francesco Appiani (1670–1724) Porto Ceresio AppianiFranz   Stuckateur 1695   1698
Georg Asam (1649–1711) Rott am Inn Asam   Maler, Freskant 1696   1698
Johann Georg Ettenhofer (1668–1741) Bernried Ettenhofer   Baumeister 1715   1728
Pietro Francesco Appiani (1670–1724) Porto Ceresio AppianiFranz   Stuckateur 1718   1722
Jacopo Appiani (1687−1742) Porto Ceresio AppianiJacopo   Stuckateur 1718   1731
Friedrich Schwertfierer (†1760) Inchenhofen     Kunstschreiner 1720   1729
Cosmas Damian Asam (1686−1739). Benediktbeuern AsamCosmasD   Maler, Freskant 1722   1731
Johann Georg Fux (1651–1738) Tölz WikiFux   Orgelbauer 1734   1736
Johann Georg Greiff (um 1693–1753) Hörmannsberg WikiGreiff   Bildhauer 1735   1736
Egid Quirn Asam (1692–1750) Tegernsee AsamEgidQuirin   Altarbauer, Bildhauer 1737   1741
Franz Xaver Schmädl (1705–1777) Oberstdorf WikiSchmaedl   Altarbauer, Bildhauer 1756   1762
Thomas Schaidhauf (1735–1807) Raisting Wessobrunn     Bildhauer 1757   1762
Thassilo Zöpf (1723–1807) Gaispoint Wessobrunn WikiZoepf   Stuckateur 1761   1762
Roman Anton Boos (1733–1810) Bischofswang Rosshaupten WikiBoos   Bildhauer 1765   1765


Fürstenfeld

Ehemalige Zisterzienserabtei und Stiftskirche Mariä Himmelfahrt

Wittelsbacher Hauskloster
Ludwig II. «der Strenge», Herzog von Oberbayern und der Pfalz,[1] stiftet 1258 als Sühne für den Mord an seiner Gattin Maria von Brabant[2] eine Zisterzienserniederlassung. Sie liegt vorerst in Thal bei Aibling. Der Gründungskonvent kommt aus Aldersbach.[3] Schon 1261 lässt der Herzog die Neugründung in das nordwestliche oberbayrische Herzogsgebiet verlegen, vorerst nach Olching und dann 1263 an den endgültigen Standort auf das «Fürsten-Feld» am Amper-Übergang der Handelsstrasse von München nach Augsburg. Hier fördert der Herzog gleichzeitig die Erweiterung des Ortes Bruck zum Markt.[4] Seine strategische Überlegung verletzt damit die Ordensregel, welche die Abgeschiedenheit von neuen Gründungen fordert. Der Standort im wasserreichen und von vielen Flussarmen geprägten Tal wird aber vom Generalkapitel genehmigt. 1266 stellt der Herzog auch die Stiftungsurkunde aus. In ihr stattet er die Neugründung in 46 namentlich erwähnten Orten mit insgesamt 89 Besitztiteln aus. Er bestimmt das Kloster als Grablege für sich und seine Nachkommen. Damit wird Fürstenfeld zum Haus- und Grabkloster der Wittelsbacher.[5]  Ihnen verdankt Fürstenfeld in den 539 Jahren seines Bestehens weitere Privilegien und Schenkungen. Bis 1650 wächst der Klosterbesitz auf 1225 Höfe in 229 Ortschaften.[6] Mit der Vergrösserung des Besitzes vermehrt sich auch die Abhängigkeit vom Herzogshaus. Dieses regiert zunehmend autokratisch, missbraucht das Kloster vor allem für Jagdgesellschaften und mischt sich immer direkter in Wirtschafts- und Personalentscheide ein. 1552 scheint dies im inzwischen heillos zerrütteten Kloster auch notwendig. In diesem Jahr ersetzt der Herzog den amtierenden Abt durch einen Administrator. Damit sorgt er für eine Phase der Konsolidierung und des Neuaufschwungs in Fürstenfeld. 1595 dient die Abtei unter dem Vorsitz des Abtes von Cîteaux als Versammlungsort der Oberdeutschen Zisterzienserprovinz zur Beratung einer Ordensreform. Erst der Dreissigjährige Krieg bedeutet eine kurze Zäsur. Fürstenfeld und die Klosterherrschaft überstehen den Krieg zwar ohne Brandschatzungen, werden aber von schwedischen und auch kaiserlichen Truppen zwischen 1632 uns 1634 mehrfach heimgesucht.

Abt Martin Dallmayr (1612–1690)
1640 wird Martin Dallmayr als neuer Abt gewählt. Bayern ist jetzt nicht mehr Kriegsschauplatz. Gewalt, Hunger und Seuchen haben aber Spuren hinterlassen. Die Grundherrschaft ist entvölkert und auch der Viehbestand der klösterlichen Eigenwirtschaft ist dezimiert.[7] Trotz Kriegskontributionen und einem Darlehen an den Kurfürsten ist aber noch immer Bargeld in der Kasse. Abt Martin Dallmayr kann in intakten Strukturen und mit einem erstaunlich grossen Konvent von 20 Mönchen neu beginnen. Er profitiert auch vom allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Dreissigjährigen Krieg. Seine Aufbauleistung ist trotzdem gewaltig. Als er nach 50-jähriger Regierung 1690 stirbt, beträgt der Aktivsaldo 108 209 Gulden[8] und der Konvent zählt jetzt 48 Mitglieder. Dies, obwohl er 1661 bis 1669 unter erheblichen finanziellen Aufwändungen die in der Reformation säkularisierte Zisterzienserabtei Waldsassen als Priorat Fürstenfelds neu besiedelt. Er ist auch als Bauabt in Fürstenfeld tätig. Nachdem er schon 1645 das Dormitorium neu erstellt hat, baut er 1661–1668 zudem die Klosterkirche des 13. Jahrhunderts entscheidend um.

Kirche und Kloster 1661 und 1668
Aus der Zeit des Kirchenumbaus 1661–1668 sind rudimentäre Grundrissbeschreibungen vorhanden. Eine Zeichnung mit lateinischen Bemerkungen eines Konventualen beschreibt die Kirche des 13. Jahrhunderts (um 1270) und ihre 17 Altäre vor dem Umbau.[9] Eine weitere Zeichnung des gleichen Konventualen stellt die Kirche nach den Eingriffen von 1661–1668 dar.[10] Derart bleibt sie bis 1717 im Gebrauch und wird erst nach dem Bau des Chores der neuen grossen Stiftskirche abgebrochen.
Wenig sind auch die Konventgebäude dokumentiert.[11] Sie liegen im Norden der Kirche. Aus einem um 1645 entstandenen Grundriss des neuen Dormitoriums kann immerhin rekonstruiert werden, dass um einen Kreuzgang die übliche Dreiflügelanlage angeordnet ist. Im nördlichen Stichflügel liegt traditionsgemäss das Refektorium. Ein neues Bibliotheksgebäude ist im Osten angefügt. Der Westflügel liegt an gleicher Stelle wie heute, die anderen Flügel des Vorgängerklosters sind im Bereich des heutigen Westhofes zu suchen. Sie dürften noch bis zum Bezug der neuen Osthofflügel um 1695 bestanden haben.
Sind schon für die Grundrisse nur vage Rekonstruktionen möglich, ist über die Architektur des Klosters und der Klosterkirche vor den Neubauten am Ende des 17. Jahrhunderts keine Aussage möglich. Es ist keine Quelle bekannt, welche ihre Form beschreibt oder sie gar zuverlässig im Bild festhält.
Die einzige überlieferte Stichdarstellung im Kurbayrischen Atlas (1690, «Closter Fürstenfeldt») von Wilhelm Ertl zeigt das Kloster in falscher geografischer Lage zusammen mit Bruck. Unzuverlässig ist auch die Klosterdarstellung. Dass aber der ursprünglich kompakte Ostflügel spätestens seit dem Bau des neuen Dormitoriums mit mächtigen Einzelbaukörpern ergänzt ist, darf man dem Ertl-Stich trotzdem glauben.

Der barocke Klosterneubau 1691–1700

Planung  und Vorbilder
1690 wird Balduin Helm[12] als Nachfolger des verdienstvollen Abtes Martin Dallmayr gewählt. Er kann vom Vorgänger ein wirtschaftlich gefestigtes Kloster mit grossem Barvermögen übernehmen und lässt schon im ersten Jahr seiner Regierung vom freien Baumeister Giovanni Antonio Viscardi[13] ein Projekt für einen Klosterneubau ausarbeiten. Es sieht vor, alle bestehenden Konvent- und Ökonomiegebäude durch eine neue Gesamtanlage zu ersetzen. Direktes Vorbild dürfte die Planung von Enrico Zuccalli für die Benediktinerabtei Tegernsee sein, die Viscardi gut kennt.[14] Er plant aber wegen des ansteigenden Terrains nicht wie in Tegernsee zwei Höfe beidseitig der Kirche, sondern legt alle Konventflügel um zwei Höfe nördlich der Kirche. Um die Kirche dennoch zentrisch in die repräsentative Westfront einzubinden, bildet er einen Ökonomieflügel als südliches Pendant zur Konvent-Westfront aus.[15]   Den über zwei Höfe reichenden Nordflügel bereichert er mit Eck- und Mittelrisaliten. Dieses Element ist dem Residenzbau entnommen. Hier könnte wieder Zuccalli, vielleicht auch Guarini Pate sein.[16]

Fürstlicher Einfluss auf die Planung
Für Kurfürst Max II. Emanuel und seinen Hof ist Fürstenfeld vor allem Jagdgebiet. Seine Aufenthalte für die beliebten Parforcejagden ziehen sich meist über mehrere Tage hin. Diese Vorliebe bestimmt wohl auch die problemlose Zustimmung des Hofes zum Neubau von Fürstenfeld und seines besonderen Fürstentraktes.[17] Überspitzt formuliert, baut Abt Balduin Helm für seinen jungen Landesherrn den Ersatz für ein Jagdschloss, an welches dieser keinen Gulden zahlen muss. Der Abt hat dafür freie Hand. Ein Einfluss auf die Planung von Seiten des Hofes ist eher unwahrscheinlich, er würde ohnehin nur die vorherrschende italienische und savoyardische Auffassung wiederspiegeln, welche Zuccalli und Viscardi bereits vertrete.[18]
Dass hingegen der mächtige und blockartige Renaissance-Bau des Madrider Königsschlosses El Escorial irgendwelchen Einfluss auf die Baugestalt von Fürstenfeld haben könnte, ist ein kunsthistorisches Märchen der 1970er-Jahre. Es wird mit dauernden Wiederholungen nicht glaubhafter.[19]

Bauausführung durch Giovanni Antonio Viscardi
Nachdem im Mai 1691 die kurfürstliche Bewilligung[20] eingetroffen ist, schliesst der Abt mit Giovanni Antonio Viscardi einen Pauschalakkord über den Neubau der Ökonomie- und Konventgebäude.[21] Viscardi setzt den Münchner Stadtmaurermeister Martin Gunetzrhainer als Palier ein.[22] Die Neubauten beginnen mit den Ökonomiebauten , welche die beiden Klosterhöfe abschliessen. 1692 ist das «hochen gebeu biss zur alten kirchen unter dass dach». Der südliche dreigeschossige Westflügel ist also im Rohbau fertig. Jetzt wird auch mit dem eigentlichen Konventbau nördlich der Kirche begonnen. Vorerst werden die Klausurflügel des Osthofes und der Nordflügel des Westhofes, begonnen. Ab 1696 können die Klausurflügel und die Abtei im Nordflügel bezogen werden. Der Fürstensaal des Nordflügels wird in diesem Jahr stuckiert. Der gleichzeitige Abbruch des alten Klosters ermöglicht auch die Fertigstellung des Westflügels mit den fürstlichen Appartements. Bis 1699 sind die Stuckaturen in diesen Räumen erstellt. Die Baukosten für die neuen Konvent- und Ökonomiegebäude betragen rund 120 000  Gulden.

Stuckateure und Maler
1695 stellt der Abt den Hofstuckateur Giovanni Nicolò Perti aus Rovenna[23] für die Stuckierung der Konventräume, Gänge und Treppenhäuser der Flügel um den Osthof ein. 1696 stuckiert der Perti-Trupp auch den Fürstensaal und die Abteiräume im Nordtrakt. Im gleichen Jahr sind mit Pietro Francesco Appiani aus Porto Ceresio[24] und Francesco Marazzi aus Mendrisio[25] zwei weitere Stuckateure aus dem Gebiet der oberitalienischen Seen im Trupp Perti tätig. Appiani, der sich schon bald selbst als Peter Franz bezeichnet und 1699 eine Einheimische heiratet, löst jetzt Perti als Hauptstuckateur ab. Appiani werden heute die meisten der vorhandenen Stuckaturen zugeschrieben.
1696 zieht Georg Asam mit seiner Familie von Tegernsee nach Bruck. Seine Wohnsitze richtet er immer nach dem jeweiligen Arbeitsort. Er freskiert in den kurfürstlichen Räumen bis 1698 und erstellt auch mehrere Ölgemälde, darunter zwölf Äbteporträts.[26]


Der Neubau der Stiftskirche

Planung von Giovanni Antonio Viscardi
1699 druckt Michael Wening einen grossen Stich mit der Anlage von Fürstenfeld, den er 1701 leicht verzerrt nochmals in der «Historico-Topographica Descriptio» 1701 veröffentlicht. Die Vorlage liefert Giovanni Antonio Viscardi. Die Darstellung der Kirche weicht in einigen Punkten vom später ausgeführten Bauwerk ab. So steht der später eingebundene Glockenturm noch frei vor der Nordfassade und das Langhaus ist in der gleichen Breite wie der Chor gezeichnet. Die Breite des Langhauses der neuen Kirche übernähme damit das Aussenmass der romanischen Basilika von rund 20 Metern. Damit wäre aber ein Langhaus nur in der Art von Raitenhaslach[27] mit wenig tiefen und breiten Pfeilern möglich gewesen.
Vor 1699 muss deshalb Viscardi die Langhausplanung verändert haben. Er plant jetzt entsprechend einem Projektplan für Schäftlarn[28] und der 1700 begonnenen Stiftskirche Neustift bei Freising eine Wandpfeilerhalle. Die Wandpfeilerköpfe versieht er mit je vier Halbsäulen vor Pilastern, und die neue Aussenbreite beträgt rund 32 Meter.[29]

Abt Liebhard Kellerer und Baumeister Johann Georg Ettenhofer
1700 ist Grundsteinlegung der neuen Kirche, in Gegenwart von Viscardi und dem Münchner Maurermeister Johann Georg Ettenhofer,[30] den Viscardi als Palier einsetzt. Baubeginn ist im Chorbereich. Schon 1701 wird der Bau eingestellt. Grund ist eine interne Opposition gegen die Amtsführung von Abt Balduin Helm, die mit Visitationen und Massregelungen des Zisterzienserordens enden. Dessen Vertreter will vor allem die mit dem Bau des Fürstentraktes demonstrierte Nähe zum kurfürstlichen Hof unterbinden.[31] Nach dem Übergreifen des Spanischen Erbfolgekrieges auf Kurbayern und dem 1705 erfolgten Rücktritt von Abt Balduin Helm ist an ein Weiterbauen nicht mehr zu denken.
1714 wird mit Liebhard Kellerer[32] ein neuer Abt gewählt, der den Kirchenneubau zügig fortsetzen will. Abt und Konvent beschliessen 1716 den Weiterbau der nicht über die Chorfundamente gewachsenen Kirche. Grundlage ist die Konzept- und Grundrissplanung Viscardis von 1699. Baumeister ist jetzt sein langjähriger Palier Johann Georg Ettenhofer, der auch die Ausführungsplanung übernimmt. Grossen Einfluss auf die Baugestalt dürfte auch der aus einer Maurermeister-Familie stammende Abt haben, der im Nachruf gar als «Ober:Bau:Maister» bezeichnet wird.

Die Architektur der Kirche
Als 1718 das Langhaus anstelle der jetzt abgebrochenen Kirche begonnen wird, ist die von Viscardi geplante Art des Wandpfeilersaals noch immer aktuell. Das Wandpfeilerschema wird später von Johann Michael Fischer in Diessen, Osterhofen oder Zwiefalten zur Vollkommenheit gebracht. In den 20 Jahren, die in Fürstenfeld seit dem Entwurf vergangen sind, ist die Barockarchitektur aber stehen geblieben. Von Prag ausgehend, beginnt sich die bewegte und kurvierte Architektur Borrominis und Guarinis langsam durchzusetzen.[33] Durchgehende Tonnengewölbe weichen jetzt böhmischen Kappen, die Joche werden verschliffen.[34] In Fürstenfeld ist davon nichts zu spüren. In Kurbayern fehlen zu dieser Zeit die Nachfolger, die Viscardis Wandpfeilerhalle zeitgemäss fertigstellen könnten. Mit Sicherheit hätte dieser der Kirche den Aspekt der reinen Wandpfeilerhalle wie in Freising-Neustift belassen. Ettenhofer fügt hingegen in die Wandpfeiler-Anräume zwei Emporenebenen ein. Die untere liegt, kaum wahrnehmbar, auf der Höhe des an der Aussenwand durchgezogenen Säulengebälks. Die zweite ist wandbündig, nutzlos und viel zu hoch. Sie bildet den oberen Tonnenabschluss des Wandpfeiler-Anraumes. Ettenhofer legt zudem ein stark betontes Säulengebälk ungewöhnlich weit unter den Gewölbeansatz.[35] Es scheint wirklich, als hätten Baumeister Ettenhofer und Abt Liebhard mit allen Mitteln versucht, den Tonnensaal der über 133 Jahre alten Jesuitenkirche von München nachzuahmen.[36] Diese «Rückständigkeit» wird durch die prachtvollen Stuckmarmore, den Stuck, die Fresken und die Ausstattung überspielt, sodass selbst der grosse Kunsthistoriker Cornelius Gurlitt 1889 von der gewaltigen Raumwirkung begeistert ist.[37] Weniger begeistert ist er von der Fassade. Er findet die Häufung von Säulen und Verkröpfungen, wo «an einer Stelle nicht weniger als 15 jonische Schnecken in der Höhe der Kapitelle dicht beieinander sitzen» als wenig glücklich. Sicher entspricht diese Prunkfassade nicht dem klassischen Architekturkanon. Aber ist sie nicht gerade deswegen so  überzeugend barock?

Die Baudaten der Kirche
1716 Errichtung des Chors und der Turmuntergeschosse auf den 1700 begonnenen Fundamenten. Provisorisches Dach?
1717 Einwölbung des Chores. Im Spätherbst Abbruchbeginn der alten Kirche.
1718 Abbrucharbeiten. Beginn der Fundierungsarbeiten im Langhausbereich.
1718–1722 Stuckierung des Chors durch Peter Franz Appiani (Akkord 1800 Gulden) und gleichzeitig Chorfresken durch Cosmas Damian Asam (1723 Abrechnung 1000 Gulden).
1720 Friedrich Schwertfiehrer aus Inchenhofen beginnt mit einem neuen Chorgestühl. Fertigstellung 1729. Abrechnung 1731.
1723 Das Langhaus ist nach vierjähriger Bauzeit bis zur Höhe der Traufe fertig aufgemauert.
1723 Die Ausstattungsarbeiten im Chor sind abgeschlossen.
1723 /1724 Aufrichten des Dachwerks über Chor und Kirche durch den Münchner Stadtzimmermeister Paul Sonnleithner, mit Holz aus den Waldungen des Klosters Rottenbuch. Der Dachstuhl ist eines der grössten barocken Hängewerke.
1724 /1727 Erstellen der Tonnengewölbe des Langhauses und der Wandpfeilerräume. Ein Tonnengewölbe eines Wandpfeilerraums auf der Südseite stürzt 1727 ein (beim Gerüstabbau?)und tötet drei Personen, darunter auch den Zwillingsbruder von Abt Lienhard, Georg Kellerer.
1728 Rohbauvollendung des Langhauses.
1729–1731 Stuck im Langhaus durch Jacopo Appiani.
1730–1731 Fresken im Langhaus durch Cosmas Damian Asam. Abrechnung 1734.
1736 Bodenbelag (Pflasterung) im Langhaus durch Johann Michael Matheo, München. Aufstellen des Orgelwerkes durch den Orgelbauer Johann Fux, Donauwörth. Erste feierliche Vesper im weitgehend fertigen Kirchenraum. Alle Altäre stammen zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch aus der alten Kirche.
1737 Sebastiansaltar von Egid Quirin Asam.
1741 Einweihung der Kirche am 16. Juli.
1745–1754 Kirchenbänke. Beichtstühle (Figurengruppen Thomas Schaidhauf 1757/60).
Bau des oberen Turmgeschosses mit Helm und Kreuz (1754).
1746–1766 Neue Nebenaltäre. Apostelaltar 1746 durch Egid Quirin Asam. Restliche Altäre bis 1757–1766.
1761–1762 Hochaltar. Fassung 1762. Gleichzeitig Chorumbau mit vier seitlichen Oratorien von Thassilo Zöpf. Umbau des Chorgestühls. Apostelfiguren an den Wandpfeilern von Thomas Schaidhauf.
1765 Zwei Stifterfiguren von Roman Anton Boos, München.

Stuck und Fresken in der Kirche 1718–1731/34
Der Innenraum der Fürstenfelder Stiftskirche ist durch die reiche Stuckausstattung und den Freskenzyklus von Cosmas Damian Asam geprägt.
Die Stuckaturen im Chor erstellen die Brüder Appiani, die gleichzeitig auch die neuen Räume des Klosters Kaisheim stuckieren. Leitend ist in Fürstenfeld wieder, wie 20 Jahre vorher in den Konventräumen und dem Fürstentrakt, Pietro Francesco Appiani aus Porto Ceresio.[38]   Er hat sich fünf Jahre in Frankreich aufgehalten. Mit ihm hält nun das feine Laub- und Bandelwerk des Régence auch in Fürstenfeld Einzug. Der Chor ist spätestens 1721 fertig stuckiert.
Im Langhaus kann erst 1729 begonnen werden. Nach dem Tod seines Bruders übernimmt Jacopo Appiani die Arbeiten.[39]   Er hat schon in Kaisheim bewiesen, dass er das französische Régence  durchaus kennt, es aber mit viel Phantasie abwandeln kann. Die gewaltige Arbeit seines Trupps ist 1731 beendet. Obwohl nirgends vermerkt, darf man auch die Stuckmarmorarbeiten an den Säulen Mitarbeiten im Appiani-Trupp zuweisen.
Cosmas Damian Asam ist der Maler aller Fresken.[40] Im Chor malt er Anfang 1722 die vier Deckenfresken und 13 Zwickel-Medaillons.[41]  Die Arbeit im Langhaus ist bedeutend umfangreicher. Hier  beginnt er 1730. Asam und seine Mitarbeiter setzen das anspruchsvolle ikonographische Freskenprogamm gekonnt und in kurzer Zeit durch. Insgesamt sind es 15 Hauptbilder im Gewölbescheitel und an den Quertonnen, sowie 14 weitere Zwickelbilder. Schon 1731 können die Gerüste im Hauptschiff entfernt werden.[42] Zur Ikonologie der Fresken siehe den Kirchengrundriss in der Webseite.

Chorgestühl 1720–1729
Das Fürstenfelder Chorgestühl ist symmetrisch an den Aussenwänden angeordnet. Unter  riesigen Wandbildern von 1761 ist es eingezwängt zwischen neuen Rokoko-Oratorien. Der gegenseitige Abstand beträgt fast 15 Meter. So verliert es sich im monumentalen Chorraum. Das 1720–1729 von Friedrich Schwertfiehrer aus Inchenhofen gebaute Nussbaumholz-Gestühl ist, trotz seiner Nichtbeachtung, von hervorragender künstlerischer Qualität.[43] Es hat heute 42 Stallen. Die beiden hinteren Reihen umfassen je 17 Stallen. Ihr Dorsale ist über dem Gebälk mit einem Akanthus-Schnitzwerk bekrönt. Aussergewöhnlich ist die Anordnung der vorderen Reihen. Sie bestehen nur aus vier, mittig angeordneten Stallen. Vermutlich noch bis  zum Umbau des Chors um 1761/66 und der gleichzeitigen Aufstellung des Hoch- und des Kreuzaltars ist das Chorgestühl mit abgewinkelten westlichen Querflügeln versehen und hat 48 Stallen.

Hauptorgel 1736
1734 bestellt Abt Liebhard Kellerer beim Orgelbauer Johann Georg Fux in Donauwörth[44] eine neue Orgel für die Westempore. Die Akkordsumme beträgt 1500 Gulden und 20 Gulden Leihkauf. Das Werk mit zwei Manualen und 27 Registern wird 1736 durch Organist P. Engelbert Asam eingeweiht. Meister des Orgelprospekts ist der Bildhauer Johann Georg Greiff.[45] Der Orgelprospekt ist original erhalten. Das Orgelwerk ist seit der Restaurierung von 1978 wieder im ursprünglichen Zustand.[46]
Der neunachsige Orgelprospekt ist mit reicher Bildhauerarbeit versehen. Engel und Putten mit Musikinstrumenten tummeln sich auf jedem Turmabschluss, der niedere Mittelturm wird mit Patronae Bavariae im Strahlenkranz überhöht. Im Wappen verewigt sich bereits der seit 1735 regierende Abt Constantin Haut.

Altarausstattung unter Abt Alexander Pelhamer 1745–1761
Erst 1736 wird in der neuen Kirche die Pflästerung mit Kalksteinplatten aus Solnhofen erstellt. Ein erster neuer Seitenaltar wird, noch unter von Abt Constantin Haut (reg. 1734–1744), 1737 der Sebastiansaltar von Egid Quirin Asam gebaut.[47] Bei der Einweihung der Kirche 1741 fehlen mit Ausnahme dieses Altars noch alle neuen Altäre. Hochaltar, die Altäre des hl. Hyazinthus und hl. Clemens und wahrscheinlich auch der Benedikts- und Bernhardaltar stammen aus der alten, 1718 abgebrochenen Kirche. Schuld an dieser Verzögerung sind die prekäre Finanzlage Fürstenfelds und der Österreichische Erbfolgekrieg, den Bayerns Kurfürst wieder einmal losgetreten hat.[48] Abt Alexander Pelhamer, der 1745–1761 regiert, lässt 1746 von Egid Quirin Asam den Apostelaltar als südliches Gegenüber zum Sebastiansaltar bauen. Aber erst zehn Jahre später kann er den Hyazinthusaltar und den Clemensaltar ersetzen. Als Schöpfer wird Franz Xaver Schmädl aus Oberstdorf vermutet.[49] An Schmädl werden auch der Hochaltar und sechs Nebenaltäre zugeschrieben.[50] Der Hochaltar wird in den Jahren 1759–1762 aufgerichtet und gefasst. Ganz klein ist über dem Auszug, der bis an das Gewölbe reicht, das Wappen des Abtes Alexander angebracht. Dem lichtumfluteten Säulenaltar soll ein Entwurf von Egid Quirin Asam zu Grunde liegen. Das Altarblatt, 720 cm hoch und 345 cm breit, stellt die Himmelfahrt Mariä dar. Maler ist, wie auch bei zwei Nebenaltären, Johann Nepomuk Schöpf.[51] Die Lage der oben beschriebenen Altäre ist dem beigefügten Grundriss zu entnehmen.

Ausstattungen unter Abt Martin II. Hazi 1761–1779
Schöpf liefert auch die vier riesigen Gemälde an den Seitenwänden des Chors. Diese entstehen im Zusammenhang mit einem Chorumbau durch den Wessobrunner Stuckateur Thassilo Zöpf.[52] Seine neue Oratorien im Chor und der neue Kreuzaltar unter dem Chorbogen bedingen auch die Abänderung des Chorgestühls von 1720. Abt Martin II. lässt vom Bildhauer Thomas Schaidhauf aus Rasting[53] 1761–1763 die überlebensgrossen Stuckfiguren der zwölf Apostel im Langhaus aufstellen, sechs an den Wandpfeilerstirnen, sechs in Nischen der ost-orientierten Wandpfeilerwände über den Beichtstühlen. Deren Figuralplastik erstellt ebenfalls Schaidhauf. Auch die Kanzel ist sein Werk. 1765 bestellt Abt Martin II. beim jungen Roman Anton Boos aus Bischofswang[54] die zwei Statuen der Wittelsbacher Stifter, welche beidseits des Chorbogens aufgestellt sind.

Säkularisation und Gebäudeschicksale

Säkularisation
In den Jahren der Regierungszeit von Abt Martin II. arbeitet der amtierende Kurfürst Max III. Joseph bereits an der Entmachtung der Klöster. Er organisiert den Geistlichen Rat neu und leitet 1768 mit dem neuen Direktor Peter von Osterwald weitgehende Schritte zur späteren Vermögenssäkularisation ein. Diese wird 1801 regierungsintern beschlossen und 1802 in Fürstenfeld realisiert. 1803 erfolgt mit dem Reichsdeputationshauptschluss die Aufhebung auch formell.
Das Klosterareal, alle von der staatlichen Aufhebungskommission vorgängig ausgeplünderten Gebäude, die Kirche und auch zwei Meierhöfe werden für 120 659 Gulden an den böhmischen Indienne-Fabrikanten Ignaz Leitenberger[55] verkauft. Der letzte Abt Gerard Führer, 31 Konventuale und zwei Fratres aus schon 1802 aufgelösten nichtständischen Klöstern können dank des entgegenkommenden neuen Eigentümers in den Gebäuden verbleiben. Die Kontinentalsperre Napoleons und der österreichische Staatsbankrott von 1811 verhindern die Einführung der Indienne-Fabrikation durch Leitenberger. Es gelingt ihm 1817, die Erwerbungen von 1803 dem bayrischen Staat für 240 000 Gulden wieder zu verkaufen. Ihm ist der Erhalt von Fürstenfeld zu verdanken. Das Schicksal von Wessobrunn, Münsterschwarzach, Langheim oder Fultenbach bleibt dem ehemaligen Zisterzienserkloster dank einem klugen Industriellen erspart.
Nach dem Kauf durch den Staat müssen Abt Gerard Führer und vier noch in Fürstenfeld wohnende ehemalige Konventualen sofort ausziehen. Die Konventgebäude dienen neu als militärische Invalidenanstalt und die Ökonomiegebäude als Remontendepot der Kavallerie.[56] Die ehemalige Stiftskirche wird zur königlichen Land-Hofkirche erklärt. Damit übernimmt jetzt der bayrische Staat die Verantwortung für den ganzen Komplex.

Die ehemalige Stiftskirche nach 1817
Dank der Erhebung zur königlichen Land-Hofkirche bleibt die Kirche auch nach 1817 unversehrt erhalten. Bis zum Ende der Monarchie wird sie während 100 Jahren gut unterhalten. Erst nachher, nun in der Verantwortung des Freistaates Bayern, beginnt eine Vernachlässigung des Unterhalts am Dachwerk. Zusammen mit gefährlichen Senkungen der Fundamente infolge des tieferen Grundwasserspiegels führt dies ab den 1950er-Jahren zu aufwändigen statischen Sanierungen. Aber sie bleibt eine der wenigen barocken Kirchen, deren Stuck und Fresken bis zur heutigen Zeit von Neufassungen verschont bleiben. Die noch immer staatseigene «Landhofkirche» wird innen bis 1978 vorbildlich konserviert und aussen von 1992–2006 nach vermutetem barocken Farbkonzept restauriert.

Die ehemaligen Konventgebäude nach 1817
Die militärische Nutzung der Konventgebäude dauert bis 1924. Dann werden sie als Polizeischule genutzt, die sich seit 2003 Bayrische Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege nennt. Die Militär- und Polizeinutzung hat im Laufe der letzten 200 Jahre zur weitgehenden Zerstörung fast aller barocken Innenräume geführt. Stuckaturen in einigen Räumen, vor allem aber in den Treppenhäusern und Gängen, sind noch erhalten. Auch Deckenfresken von Georg Asam haben die Neunutzung überlebt. 2006–2010 wird der Fürstensaal wiederhergestellt, indem man den 1968 eingezogenen Beton-Zwischenboden entfernt und die Asam-Wandfresken so weit wie möglich freilegt. Der barocke Charakter dieses Raumes ist allerdings unwiderruflich verloren.[57]
Nur aussen haben die Konventgebäude ihre ursprüngliche Erscheinung bewahrt, eine zusätzliche grosse Ost-Erweiterung der 1960er-Jahre ist nicht abträglich. Die Aussenfassaden sind heute fachgerecht restauriert.

Die ehemaligen Ökonomiegebäude seit 1817
Die Gebäude dienen bis 1918 dem Zweck der militärischen Pferdenachzucht und bleiben im Besitz der Wittelsbacher, der nun in den Wittelsbacher Ausgleichsfonds übergeht. Dieser verpachtet die Gebäude und die zwei ehemaligen Meierhöfe bis 1951 an die Ettaler Benediktiner und bewirtschaftet sie anschliessend selbst. 1978 kauft die Stadt Fürstenfeldbruck die Gebäude. Für die bis dahin in ihrem äusseren Erscheinungsbild erhaltene barocke Ökonomieanlage ist dies ein wahrer Glücksfall. Die ehemaligen Ökonomieflügel um die beiden Klosterhöfe sind heute, sanft umgebaut und erweitert, lebendiges Gastronomie- und Kultur- und Veranstaltungszentrum.

Pius Bieri 2015


Literatur zu Fürstenfeld:

Die Literatur über Fürstenfeld ist kaum überschaubar. Zum überwiegenden Teil befasst sie sich mit dem geschichtlichen Umfeld. Der kleinere Teil widmet sich der Kunstgeschichte, und hier überwiegend den Deckenfresken und der Stuckausstattung. Die zurückhaltende baugeschichtliche Forschung befasst sich fast ausschliesslich mit der Kirche, nur wenig mit den Konventgebäuden und gar nicht mit der städtebaulich wichtigen Anlage der Ökonomiebauten. Dem Verfasser ist keine ähnlich barocke Gesamtanlage bekannt, über die soviel geschrieben und so wenig baugeschichtlich geforscht ist.

Benutzte Literatur:
Bezold, Gustav von; Riehl Berthold: Die Kunstdenkmale des Königreiches Bayern, erster Band, die Kunstdenkmale des Regierungsbezirks Oberbayern, 1. Theil. München 1895.
Altmann, Lothar: Räume und Ausstattung des Klosters Fürstenfeld im 18. Jahrhundert, in: Amperland 24 , Dachau 1988.
Ehrmann, Angelika; Pfister, Peter; Wollenberg Klaus (Hrsg.): In Tal und Einsamkeit. 725 Jahre Kloster Fürstenfeld. Die Zisterzienser im alten Bayern. Ausstellungskatalog. Fürstenfeldbruck 1988.
Leutheusser, Sabine: Die barocken Ausstattungsprogramme der ehemaligen Zisterzienser-Abteikirchen Waldsassen, Fürstenfeld und Raitenhaslach. München 1993.
Wollenberg Klaus: Aspekte klösterlichen Wirtschaftsverhaltens und kurfürstlicher Klosterpolitik im Zeitalter Max Emanuels. Dargestellt am Beispiel der Finanzierung des barocken Klosterneubaus in Fürstenfeld (1691-1704). München 1996.
Klemenz, Birgitta: Das Zisterzienserkloster Fürstenfeld zur Zeit von Abt Martin Dallmayr 1640–1690. Weissenhorn 1997.
Pfister, Peter (Hrsg.): Das Zisterzienserkloster Fürstenfeld. Grosse Kunstführer Bd. 39. Regensburg 1997.
Schiedermair, Werner (Hrsg.): Kloster Fürstenfeld, mit Beiträgen diverser Autoren. Lindenberg 2013.
Hier speziell:
Altmann, Lothar: Die Baugeschichte des Klosters Fürstenfeld 1263 bis 1803.
Baur-Wild, Anna: Die Fresken in der Klosterkirche.
Dischinger, Gabriele: Fürstenfeld oder Schäftlarn. Überlegungen zu einem Grundriss im Archiv von Ottobeuren.
Fischer, Hermann und Wohnhaas, Theodor: Die Orgeln in der Klosterkirche.
Vollmer, Eva Christina: Die Stuckdekorationen im Konventgebäude.
Trinkl, Stefan: Das Zisterzienserkloster Fürstenfeld unter Abt Balduin Helm 1690–1705. München 2015.


Anmerkungen:
[1] Ludwig II. (1229–1294), verwaltet 1253–1255 das Erbe des Vaters Otto II. gemeinsam mit seinem Bruder Heinrich XIII. Die Brüder teilen das Erbe 1255. Heinrich XIII. erhält Niederbayern, Ludwig II. die Pfalz und Oberbayern. Er nennt sich nun Pfalzgraf bei Rhein und Herzog von Oberbayern und residiert in Heidelberg. München bestimmt er zur Residenzstadt des Teilherzogtums Oberbayern. Ludwig II. ist als einziger Wittelsbacher in Fürstenfeld begraben.

[2] Er lässt Maria von Brabant 1256 hinrichten, angeblich aus Eifersucht. Die 1258 erfolgte Gründung des Zisterzienserklosters bei Aibling ist eine Sühneleistung für diese Hinrichtung.

[3] Aldersbach wird 1146 als Tochter von der fränkischen Abtei Ebrach gegründet. Fürstenfeld liegt damit in der Filiation Cîteaux – Morimond – Ebrach – Aldersbach.

[4] Als Markt wird Bruck erstmals 1306 genannt. Die planmässige Anlage des Marktes am Amper-Übergang ist schon im 13. Jahrhundert abgeschlossen, der Marktplatz Bruck besteht zur Zeit der Klostergründung. Seit 1908 heisst der Ort Fürstenfeldbruck.

[5] Schon Ludwig der Bayer (1281–1347), Sohn des Klostergründers, bestimmt die Frauenkirche in München als neue Grablege, sodass in Fürstenfeld nur das Stiftergrab verbleibt. In der Spätgotik wird hier ein neues Hochgrab im Mönchschor errichtet, das den Stifter und seine drei Frauen darstellt. Dieses Stifter-Grabmal wird 1661 nochmals renoviert, dann aber nach 1717 nicht mehr in die neue Kirche übertragen.

[6] Zum Besitz gehören auch, für ein kurbayrisches Kloster aussergewöhnlich, Höfe und Weingüter in Württemberg. In Esslingen unterhält das Kloster einen Pfleghof mit angebautem Weinkelter.

[7] 1640 hat das Kloster zwar kein Weidevieh mehr, aber noch immer 33 Pferde, 23 Melkkühe, 16 Mastochsen und Schlachtvieh sowie 51 Schweine. Der Aktivsaldo beträgt 18 378 Gulden. Der Bargeldbestand beträgt 2500 Gulden. Dies relativiert die übliche Geschichtsschreibung. Dass Fürstenfeld um diese Zeit nahezu zerstört sei, die erste Kuh als Mitgift eines neuen Novizen eintreffe und der Bargeldbestand 115 Gulden betrage, kann deshalb als Märchen abgehakt werden.

[8] Saldo, ohne Vorräte und Liegenschaften, bestehend aus Forderungen 75 650 Gulden und Bargeld 33 059 Gulden. Diese Zahlen entsprechen wahrscheinlich den Angaben an die Obrigkeit, denn schon 1708 wird ein Aktivsaldo von 148 000 Gulden für 1690 genannt.

[9] Die Kirche ist eine dreischiffige Basilika, ohne Querschiff, mit einer im 14. Jahrhundert angefügten südlichen Seitenschifferweiterung für 11 Kapellen. Nach vier Laienschiff-Jochen und einem Lettner-Abschluss folgt der Mönchschor mit ebenfalls vier Jochen. Der anschliessende, seitlich geschlossene Altarraum hat gleiche Länge. Ein gerade geschlossener Umgangschor des 13. Jahrhunderts bildet den Ostabschluss. Die Kirche ist wie die ähnlichen Stiftskirchen von Raitenhaslach oder Stams nur im Altarraum gewölbt. Siehe die Grundrissdarstellung im Vergleich mit den erwähnten Kirchen.

[10] Der Kirchenumbau räumt mit den spätmittelalterlichen Süd- und Osterweiterungen auf und verändert die inneren Raumzuordnungen. Das Laienschiff ist jetzt um ein Joch verlängert und der trennende Lettner entfernt. Der Mönchschor kommt in den ehemaligen Altarraum zu liegen, während für den Hochaltar eine neue Apside angefügt wird. Siehe die Grundrissdarstellung im Vergleich mit der mittelalterlichen Kirche.

[11] Vorhandene Rekonstruktionen der Klosteranlage sind rein spekulativ, insbesondere die dem Museumsmodell zu Grunde gelegte Rekonstruktion von Alexander Zeh (1992). Sie geht von einer Idealvorstellung einer zisterziensischen Anlage aus, die vermutlich in dieser klaren Form nie existiert hat und spätestens mit den Umbauten 1645 bedeutend verändert wird. Die hochgotische Kirche nach dem Vorbild Salem (mit Querschiff) ist reines Wunschdenken.

[12] Balduin Helm (1645–1720), Abt in Fürstenfeld 1690–1705. Siehe Biografie in dieser Webseite.

[13] Giovanni Antonio Viscardi (1645–1713) aus San Vittore im Misox. Dass er nicht, wie der Chronist Abt Gerard Führer schreibt, vom Kurfürsten geschickt wird, ergibt sich aus der schon erfolgten Entlassung Viscardis aus dem Hofbauamt, die vom Kurfürsten unterstützt wird. Siehe die Biografie von Giovanni Antoni Viscardi in dieser Webseite.

[14] Siehe dazu Tegernsee in dieser Webseite. Der ausführende Baumeister Antonio Riva ist Altersgenosse und Landsmann von Viscardi.

[15] Schon 1668 hat ein Landsmann von Viscardi, Tommaso Comacio, in Zwiefalten den gleichen Typ erstellt, allerdings mit dem rücksichtsvollen Einbezug der alten Kirche. Die spätere neue Kirche sprengt dann die Symmetrie völlig. Siehe dazu den Plan Zwiefalten 1700 in dieser Webseite.

[16] Hofbaumeister Enrico Zuccalli kennt die Planungen von Gianlorenzo Bernini für das Königschloss Louvre aus vermutlich eigener Tätigkeit in Paris. Die ersten Projekte (um 1695) zu Schleissheim belegen dies.
Zum Plan Bernini 1665.
Auch von P. Guarino Guarini, kein Unbekannter am Münchner Hof, ist ein Pariser Projekt (um 1665/66) für einen Palast bekannt, der deutlich mit dem Bernini-Projekt des Louvre in Verbindung steht.
Zum Plan Guarini.

[17] Unter Kurfürst Max II. Emanuel erlebt die Jagd in Fürstenfeld einen Höhepunkt. Seine Liebe gilt der Parforcejagd, welche mit einem riesigen Aufwand an Jägern, Treibern und Hunden veranstaltet wird. Die fürstlichen Jagdhunde werden das ganze Jahr vom Kloster gehalten. «Die Aufenthalte, die sich meist über mehrere Tage hinzogen, bestimmten wohl auch die Entscheidung über den Neubau des Klosters und seines besonderen Fürstentraktes» (Barbara Christine Huber: Hofjagd in Fürstenfeld, in: In Tal und Einsamkeit. Ausstellungskatalog 1988).

[18] Niederländische und französische Architektureinflüsse am Hof sind frühestens nach 1692 zu beobachten.

[19] Siehe dazu den Beitrag «El Escorial und die deutschen Fürstabteien des Barocks» in dieser Webseite.

[20] Durch den Geistlichen Rat. Das kurfürstliche Gremium des Geistlichen Rates ist trotz des Namens ein politisches Gremium, nur dem Kurfürsten verpflichtet, und dient als Aufsichts- und Genehmigungsorgan mit weitgehender Strafbefugnis für alle Klöster Kurbayerns. Jede Baugenehmigung für einen Klosterneubau muss vom Geistlichen Rat vorbereitet werden.

[21] Der Pauschalakkord ist nicht erhalten. Zur Art der Akkordverträge siehe das Glossar «Baukunst» in dieser Webseite.

[22] Damit umgeht er auch Auseinandersetzungen mit den Zünften, da Gunetzrhainer Zunftmitglied ist.

[23] Giovanni Nicolò Perti (1656–1718) aus Rovenna. Siehe die Biografie in dieser Webseite.

[24] Peter Franz Appiani oder Pietro Francesco Appiani (1670–1724). Siehe Biografie in dieser Webseite.

[25] Francesco Marazzi (ca. 1670–1724). Siehe Biografie in dieser Webseite.

[26] Sie verschwinden nach 1803 spurlos.

[27] Raitenhaslach, Umbau 1685. Sie dazu die Pläne und den Baubeschrieb in dieser Webseite.

[28] Viscardi projektiert für Schäftlarn (nach 1696 und vor 1699) eine Wandpfeilerkirche. Je vier Halbsäulen vor Pilastern bilden den Wandpfeilerkopf. In stilistischer Ähnlichkeit baut er ab 1702 die Stiftskirche Neustift bei Freising. Siehe dazu die Ausführungen unter «Schäftlarn» in der Biografie von Giovanni Antonio Viscardi in dieser Webseite oder im Aufsatz von Gabriele Dischinger «Fürstenfeld oder Schäftlarn» in: Kloster Fürstenfeld, Lindenberg 2013, Seiten 144–154.

[29] Das Bauwerk ist in neueren Quellen immer nur mit dem üblichen rudimentären Grundriss dargestellt. Meistens fehlt der Massbezug. In allen neuen Veröffentlichungen fehlen zudem Querschnitte. Dies gilt auch für das Werk «Kloster Fürstenfeld» (2013), in welchem auf 471 Seiten keine Schnitte oder Massangaben vorhanden sind.

[30] Johann Georg Ettenhofer (1668–1741) aus Bernried, siehe die Biografie in dieser Webseite.

[31] Siehe dazu die Biografie von Abt Balduin Helm in dieser Webseite.

[32] Liebhard Kellerer (1671–1734), Abt OCist in Fürstenfeld 1714–1734. Siehe die Biografie in dieser Webseite.

[33] Frühe Bauten in Deutschland sind: Stiftskirche Banz von Johann Dientzenhofer 1710. Neumünster Würzburg von Joseph Greissing 1711. Dreifaltigkeitskirche München von Giovanni Antonio Viscardi 1714.

[34] Frühe Beispiele im süddeutschen Bereich: Stiftskirche Speinshart von Wolfgang Dientzenhofer 1692. Klosterkirche Holzen 1696 von P. Christoph Vogt.

[35] Man vergleiche die Emporen und das Gebälk der gleichzeitig gebauten Stiftskirche von Weingarten mit Fürstenfeld, um die Kritik zu verstehen.

[36] Die missglückte Implantation des basilikalen Tonnensaals der Jesuitenkirche St. Michael in die Wandpfeilerhalle von Fürstenfeld wird heute so dargelegt, als wenn diese Planung das ursprüngliches Ziel dargestellt hätte. Damit deskreditiert man nicht nur Ettenhofer, sondern vor allem Viscardi, der so etwas nie geplant hätte.
Zum Unterschied zu St. Michael und einer Wandpfeilerhalle den Beitrag «Wandpfeilerbasilika und Wandpfeilerhalle» im Glossar Baukunst.

[37] «Die gewaltige Raumwirkung, namentlich die riesige Steigerung in der Höhenrichtung, welche durch den schlanken Aufbau der Seitenkapellen mächtig in ihrer Wirkung gesteigert wird, der Reichtum der plastischen und malerischen Ausstattung, an welcher die Brüder Asam und der Maler Francesco Appiani das Hervorragendste leisteten, geben dem ganzen Bau eine grosse und freie Schönheit, deren Gleichen nicht oft zu finden ist». Cornelius Gurlitt in: Geschichte der neueren Baukunst. Fünfter Band. 1889.

[38] Peter Franz Appiani oder Pietro Francesco Appiani (1670–1724). Siehe Biografie in dieser Webseite.

[39] Jacopo Appiani (1687–1742). Siehe Biografie in dieser Webseite.

[40] Cosmas Damian Asam (1686−1739). Siehe Biografie in dieser Webseite.

[41] Anna Baur-Wild vermutet erste Hälfte 1722.

[42] Aufgrund einer Zahlung von 1000 Gulden im Jahr 1734 vermutet Anna Baur-Wild, dass die zehn Quertonnenbilder erst zwischen 1731 und 1734 entstehen. Eine weitere Zahlung von 500 Gulden erfolgt 1735.

[43] Im aktuellen Kirchenführer (1998) ist das Chorgestühl zwar mehrfach fotografisch erfasst, es fehlt aber jede Beschreibung. Das gleiche gilt für das Standardwerk «Kloster Fürstenfeld» (2013), wo auf 472 Seiten kein Beschrieb des Chorgestühls enthalten ist. Dafür taucht in drei Beiträgen die schon durch Sybe Wartena widerlegte Herkunft aus der alten Kirche wieder auf.

[44] Johann Georg Fux (1651–1738) aus Tölz, Orgelbauer in Donauwörth.

[45] Johann Georg Greiff (um 1693–1753) aus Hörmannsberg. Er ist gleichzeitig mit Egid Quirin Asam Lehrling bei Andreas Faistenberger.

[47] Egid Quirin Asam (1692−1750). Siehe Biografie in dieser Webseite.

[48] Österreichischer Erbfolgekrieg (1741–1745). Ausgelöst wird der Krieg durch den bayrischen Überfall auf das Fürstbistum Passau. Nach der Kaiserkrönung (1742) des Wittelsbachers Karl Albrecht und seiner erklärten Absicht, sich Österreichs zu bemächtigen, reagieren die Österreicher und besetzen Bayern. Bayern muss 1745 den Traum der europäischen Grossmacht begraben, hat aber nun eine Staatsschuld von 32 Millionen Gulden.

[49] Franz Xaver Schmädl (1705–1777) aus Oberstdorf.

[50] Alle Altarbauer und Bildhauer sind mangels Quellen reine Zuschreibungen.

[51] Johann Nepomuk Schöpf (um 1733–1798) aus Prag, seit 1765 kurfürstlicher Hofmaler. Er liefert auch die Altarblätter des Nepomuk-,Clemens- und Hyazinthus-Altars. Weitere Maler von Altarblättern sind Johann Andreas Wolff (1652–1716) aus München für den Sebastiansaltar und Ignaz Baldauf (1715–1795) aus Inchenhofen für den Bernhards-, Florians- und Apostelaltar.

[52] Thassilo Zöpf (1723–1807) aus Gaispoint, ist Altarbauer und Stuckateur.

[53] Thomas Schaidhauf (1735–1807) aus Raisting bei Wessobrunn. Fürstenfeld ist der erste Auftrag. In Fürstenfeld sind nur die 12 Apostelfiguren von ihm gesichert. Er wird 1779 zum Baudirektor des Reichsstifts Neresheim, nachdem er 1776–1793 als Stuckateur und Bildhauer die neue Stiftskirche ausgestattet hat.

[54] Roman Anton Boos (1733–1810) aus Bischofswang bei Rossahaupten, Schüler von Johann Baptist Straub.

[55] Jgnaz Leitenberger (1764-1839), Kattunfabrikant aus Reichstadt. Er gründet 1788 eine Kattundruckerei im böhmischen Reichstadt. Das Drucken auf Baumwollgewebe (Kattun) wird als Zeugdruck oder Indienne bezeichnet. Die Fabrikation umfasst in der Regel eine Weberei mit mechanischen Webstühlen, eine Bleiche und eine Baumwolldruckerei mit mehreren Dutzend Drucktischen sowie Gravier- und Druckmaschinen. Der Name Tuchmacher in der bayrischen Literatur mutet für diesen Industriezweig etwas altbacken an.

[56] Remontendepot ist der militärische Begriff für das Nachwuchsgestüt der Kavallerie. Die Dressur des jungen Soldatenpferdes dauert drei bis vier Jahre.

[57] Nur ein Teil der Fresken und die rahmenden Stuckaturen der oberen Wandhälften sind noch erhalten. Der Verlust zeigt sich im kühlen Erscheinungsbild. Den barocken Fussboden, die barocke Stuckdecke mit den Fresken und auch die reichen Türen und den gefassten Türgewände und ihren Supraporten muss man sich vorstellen.


  Ehemalige Zisterzienserabtei und Stiftskirche Fürstenfeld  
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Ort, Land (heute) Herrschaft (18.Jh.)
Fürstenfeldbruck D Kurfürstentum Bayern

Bistum (18.Jh.) Baubeginn
Freising 1691
Bauherr und Bauträger

Helm
Abt Balduin Helm (reg. 1690–1705)

Kellerer Abt Liebhard Kellerer (reg. 1714–1734)

leer Abt Constantin Haut (reg. 1734–1744),

leer Abt Alexander Pelhamer (reg. 1745–1761)
 
  Die Westfront des ehemaligen Abteiflügels, der Stiftskirche und des sogenannten Apothekerflügels. Bild: Bieri 2016.   pdf  
   
FFeldLageplan
Lageplan der Abtei Fürstenfeld um 1800. Für Erläuterungen bitte anklicken!  
   
FFeldStifter
Das Stiftergrabmal wird 1748 in mehreren Tempera-Miniaturen festgehalten. Es steht in der mittelalterlichen Kirche bis zum Abbruch 1717 im  Psallierchor (siehe dazu die Grundrisse der Vorgängerkirchen). In der obigen Miniatur wird eine Relieffiguren-Gruppe festgehalten. Der hl. Bernhard und Ludwig der Strenge halten das Kirchenmodell. Rechts gelobt der Prior von Fürstenfeld das fromme Gedächtnis zu Ehren der Stifter. Die Jahreszahl MDXVI (1516) erinnert an die Erneuerung des Grabmals.
Bild: Necrologium Fürstenfeldense. Quelle:
Bayrische Staatsbibliothek München.
 
FFeld1690
Das mittelalterliche Fürstenfeld wird im Kurbayrischen Atlas (1690, «Closter Fürstenfeldt») von Wilhelm Ertl ohne die sonst übliche Zuverlässigkeit in falscher geografischer Lage zusammen mit Bruck dargestellt. Unzuverlässig ist auch die Klosterdarstellung. Dass aber der ursprünglich kompakte Ostflügel spätestens seit dem Bau des neuen Dormitoriums (1645) mit mächtigen Einzelbaukörpern ergänzt ist, darf man dem Ertl-Stich trotzdem glauben.  
> Altkloster, Ausschnitt aus Lageplan  
FFeldKircheAlt
Die Vorgängerkirche ist in Grundrissen dokumentiert und mit Massangaben versehen. Sie weicht 1717 dem Langhaus der neuen Kirche. Im Plan (bitte anklicken) ist zu sehen, dass ihre Grundrissmasse dem heutigen Fürstenfelder Mittelschiff oder der romanischen Kirche von Raitenhaslach entsprechen.    
FFeldWening1701
Der bekannte Wening-Stich von Fürstenfeld erscheint 1701 in der «Historico-Topographica Descriptio» des Kurfürstentums. Er zeigt die um diese Zeit bereits fertig gebaute Klosteranlage in einer Vogelschau-Ansicht aus Norden. Nur die Kirche, für die 1701 erst der Grundstein des Chors gelegt wird, unterscheidet sich im Langhaus von der späteren (breiteren) Ausführung.  
FFeld1748
Die Temperazeichnung des Klosters in der Grösse (H x B) von 22 x 34.5 cm ist ein Bestandteil des «Necrologiums Fürstenfeldense» von 1748. Sie zeigt das fertig gebaute Fürstenfeld in einer Vogelschauansicht aus Westen.
Bild: Necrologium Fürstenfeldense. Quelle:
Bayrische Staatsbibliothek München.
 
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Die mit Risaliten gegliederte Nordfassade ist nur im Winterhalbjahr bei entlaubten Bäumen sichtbar. Die beiden breiten Mittelrisalite beherbergen im zweiten Obergeschoss die zweigeschossigen Räume der ehemaligen Bibliothek und des Fürstensaals. Foto: Wikipedia, Autor Richard Huber 2009..  
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Die östliche Hälfte der Nordfassade. Hier sind zur Klosterzeit die Räume der Klausur, im breiten Mittelrisalit das Refektorium (EG), der Rekreationssaal (1. OG) und der Bibliothekssaal (2. OG).
Foto: Bieri 2016.
 
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Im Vordergrund der 17-achsige Abteiflügel mit den ehemaligen kurfürstlichen Räumen im zweiten Obergeschoss.
Foto: Bieri 2016.
 
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Das südliche Pendant zum Abteiflügel ist zur Klosterzeit Apotheke, dient der Verwaltung und geht nahtlos in die Brauerei des Südflügels über. Im Bild ist der kleine Klosterhof festgehalten. In der Mitte noch die Terrasse mit der «Quellfassung» erhalten. Aus ihr tritt früher das Gewässer aus, das offen in die Konvent-Höfe geführt wird. Siehe dazu den Lageplan 1800. Foto: Bieri 2016.  
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Die Fortsetzung bilden die Ökonomiebauten gegenüber der Kloster-Westfront. Der markante Flachdach-Eckbau ist ein Gebäude aus der Zeit der Militärnutzung anstelle des ehemaligen Bauhofs. Die restlichen Gebäude stammen in der Grundform noch aus der Klosterzeit, links die Pferdestallungen und hinter dem Eckbau das markante Torhaus von 1693.
Foto: Bieri 2016.
 
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Der Konvent-Ostflügel mit dem überproportional hohen Chor der Kirche. Foto: Bieri 2016.  
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Grundriss der ehemaligen Klosterkirche, mit Erläuterungen der Altäre (1661 bis 1766) und der 1730/31 erstellten Deckenfresken von Cosmas Damian Asam. Bitte für Erläuterung anklicken.  
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Der Querschnitt des Langhauses (aus Hauttmann 1921) ist hier überarbeitet und mit dem Dachstuhl ergänzt. Deutlich zeigt der Schnitt die Eigenheiten des Wandpfeilerraumes von Fürstenfeld. Das mächtige, umlaufende Säulengebälk mit einer nur angedeuteten Empore liegt in 14 Meter Höhe, genau in der Mitte der Gewölbe-Scheitelhöhe von 28 Meter. Eine Attika von 4 Meter trennt das Gebälk vom Gewölbeansatz (in 18 Meter Höhe). Nach weiteren 4 Meter (22 Meter) baut Ettenhofer die viel zu hoch gelegenen Emporen, offensichtlich nur zum Zweck einer zusätzlichen Quertonnenausbildung. Will er damit tatsächlich den Eindruck des Tonnensaals der Münchner Jesuitenkirche nachahmen? Die weiteren Masse: Gewölbespannweite 19 Meter. Innenbreite 29 Meter.
Zum Hängewerk des Daches mit seinen drei übereinander angeordneten liegenden Stühlen und drei Hängesäulen-Längsreihen siehe auch das Stichwort Hängewerk im Glossar.
 
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Die kolossale Schaufront der Kirche besteht aus zwei Geschossen und dem Volutengiebel über einer Attika. Sie entspricht mit ihrer Anhäufung von Säulen und Kapitellen (unten toskanisch, in der Mitte jonisch und im Giebel korinthisch) nicht unbedingt dem Architekturlehrbuch, ist aber vielleicht deswegen derart eindrucksvoller Barock.
Foto: Bieri 2016.
 
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Überraschend ist der Reichtum des Innenraums. Die Bestückung jedes Wandpfeilers mit vier rotmarmorierten Halbsäulen, vergoldete Kapitelle, das mächtige Gebälk, die reichen gefassten Stuckaturen und die Asam-Fresken sind für diesen Eindruck massgebend.
Foto: Bieri 2016.
 
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Die Implantation des Tonnensaals von St. Michael zu München in einen als Wandpfeilerhalle begonnenen monumentalen Kirchenraum ist hier deutlich abzulesen. Die Säulenbündel mit dem auf halber Raumhöhe angeordneten Gebälk wirken wie eine Bühnenkulisse. Foto: Bieri 2016.  
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Erst 1762 wird der Hochaltar im Zusammenhang mit dem von Thassilo Zöpf geleiteten Chorumbaus aufgestellt. Der Altarbauer ist unbekannt, der Entwurf soll noch von Egid Quirin Asam stammen. Die dreiteilige Schaufront ist in die Chorfenster integriert. Das Altarblatt der Mariä Himmelfahrt ist ein Werk von Johann Nepomuk Schöpf.
Foto:Bieri 2016.
 
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Das Chorgestühl von 1729 wird auch beim Umbau 1761 wieder aufgestellt. Es ist ein hervorragendes Werk von Friedrich Schwertfierer.
Foto: Bieri 2016.
 
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1734 bestellt Abt Liebhard Kellerer beim Orgelbauer Johann Georg Fux die Westorgel mit 27 Registern. Die Orgel wird 1736 aufgestellt. Der Orgelprospekt ist ein Werk des Bildhauers Johann Georg Greiff. Prospekt und Orgelwerk sind noch heute original erhalten.
Foto: Bieri 2016.
 
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Der Blick zum sogenannten Vierungsgewölbe vor dem Chor und in die Gewölbe des Chors zeigt die Dichte der hervorragenden Stuckatur- und Freskenarbeit der Stuckateure Appiani und des Malers Cosmas Damian Asam.
Am Chorbogenscheitel ist der Wappenschild des Abtes Liebhard Kellerer mit einer recht freizügigen Interpretation des Zisterzienserwappens zu sehen. Siehe zum Wappen die Ausführungen in der Biografie Kellerer.
Foto: Bieri 2016.
 
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Das Schiffsjoch am Chorbogen (im Plan Nr. 4) wird wegen seiner leicht grösseren Fläche als Vierung bezeichnet. Cosmas Damian Asam malt hier Christus und Maria als Ordenspatrone, darüber in einer Scheinkuppel das Pfingstfest. Der Freskoausschnitt zeigt die Szene über dem Wappenschild Kellerer. In einer Scheinarchitektur unter der Kuppel mit dem Pfingstwunder ist der hl. Bernhard dargestellt, der die mystische Milchspende Mariens (Lactatio) empfängt und vom Gekreuzigten umarmt wird (Amplexus).Bildquelle: zeno.org  
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Im anschliessenden Schiffsjoch (Nr. 3) malt Cosmas Damian Asam den Eintritt des hl. Bernhard mit seinen Geschwister und Gefährten in Cîteaux. Bernhard, im strahlenden Licht stehend, leistet die Profess vor Abt Stephan Harding. Über der Szene legt der von Putten über den Bildrand gezogene Vorhang die Himmelfahrt Christi frei. Die grossen Freskofelder sind ein Verdienst des Stuckateurs Jacopo Appiani, der die tief einschneidenden Stichkappen geschickt überspielt und das Restgewölbe mit felderfüllendem Band- und Gitterwerk überzieht.
Foto: Bieri 2004.
 
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1722, anlässlich des ersten Arbeitsaufenthaltes in Fürstenfeld, malt Cosmas Damian Asam die Fresken im Chor. Sie sind feinere Arbeiten als die späteren Fresken im Langhaus.
Das Mittelfresko (im Bild unten, im Plan Nr. 8) stellt die Gründung des Klosters dar. In der Mitte nimmt die Symbolfigur der Ecclesia den Kirchenplan vom Bayernherzog entgegen, rechts sind die Personifikationen der Busse und der Liebe mit Hammer und Kelle ausgestattet. Sie stellen damit eine Beziehung zum Bauabt Liebhard Kellerer her. Sein Wappen am rechten Rahmenrand weist diese Werkzeuge auf. Das Zisterzienserwappen am linken Bildrahmen ist hier im Gegensatz zum Wappen am Chorbogen etwas richtiger mit dem korrekt in Rot und Silber geschachteten Schrägbalken, der aber in falsche Richtung zeigt.
Das obere Fresko (Nr. 9) im Altarraum stellt Maria als Schutzherrin des Ordens dar..
Bildquelle: zeno.org
 
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1731 malt Cosmas Damian Asam auch die Fresken der hochgelegenen Emporen-Tonnengewölbe der Wandpfeiler- oder Kapellennischen. Sie werden, abseits in einer Höhe von 18 Metern gelegen, meist kaum beachtet. In der mittleren nördlichen Nische (Nr. 31) ist dargestellt, wie der Jesusknabe in der Küche wirkt und wie die hl. Maria den Mönchen Suppe ausschenkt.
Bildquelle: zeno.org
 
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In der südlichen Nische Nr. 22 ist am Gewölbe der Emporen-Untersicht das Fresko von Cosmas Damian Asam zu sehen, das die mystische Vermählung der hl. Katharina  mit dem Jesuskind darstellt.
Bildquelle: zeno.org