Die Meister
Name Herkunft Text   Tätigkeit von   bis
Giovanni Antonio Viscardi (1645–1713) San Vittore Misox Viscardi   Baumeister-Architekt 1700   1710
Pietro Francesco Appiani (1670–1724) Porto Ceresio AppianiFranz   Stuckateur 1708   1710
Georg Asam (1649–1711) Rott am Inn Asam   Maler, Freskant 1708   1709
Fr. Philipp Plank OFM (~ 1660–1720) Kelheim     Ordensbaumeister 1711   1714
Johann Peter Geisslehner (Lebensdaten unbekannt) Amberg     Bidhauer 1709   1726
Ulrich Fries (Lebensdaten unbekannt) Freystadt     Kunstschreiner 1709   1710
Jacopo Appiani (1687−1742) Porto Ceresio AppianiJacopo   Stuckateur, Altarbauer 1716   1726
Maria Theresia Asam (1657-1719) München     Fassmalerin 1709   1709
Johann Georg Voraus (Lebensdaten unbekannt) Berching     Bildhauer 1709   1710
Caspar König (1675–1765) Ingolstadt     Orgelbauer 1718   1731
Georg Lang (1840–1900) Deining     Maler 1878   1879


Freystadt
Wallfahrtskirche Maria-Hilf (Patronat Maria Himmelfahrt)


Wallfahrt und Bauherrschaft

Eine neue Wallfahrt nach dem Dreissigjährigen Krieg
1721, nach dem Sieg der Katholischen Liga bei der Schlacht am Weissen Berg, besetzt der bayrische Herzog Maximilian I. die protestantische Oberpfalz und beginnt sofort mit der Rekatholisierung. Als Entschädigung für die Kriegsunkosten überträgt Kaiser Ferdinand II. 1628 die Landesherrschaft auch formell an Bayern. Maximilian I., inzwischen Kurfürst, belehnt seinerseits den Heerführer der katholischen Liga, Johann T'Serclaes von Tilly, 1631 mit den oberpfälzischen Herrschaften Helfenberg, Holnstein, sowie Hohenfels mit Freystadt.[1]
Die befestigte Stadt Freyberg ist damit 1631–1724 im Besitz der Tilly. 1632 wird Freyberg von schwedischen Truppen eingenommen und niedergebrannt. Die bekannte Ansicht von Matthäus Merian in der Topographia Bavariae 1644 zeigt die noch intakte Stadt. In diesem Jahr, lange vor dem 1648 erfolgten Abzug der Schweden, bauen findige Kinder während des Viehhütens auf einem Feld ausserhalb der Stadt einen Unterstand mit einem Marienbild und einem Opferstock. Zur allgemeinen Verwunderung wird darin Geld gefunden. Prompt folgen auch die ersten Beschreibungen von Wundertaten. Aber erst 1664 erteilt die kirchliche Obrigkeit in Eichstätt dem initiativen Bürgermeister und Besitzer einer Drahtzieherei, Friedrich Kreichwich, die Erlaubnis für einen Kapellenneubau. Das Gnadenbild, eine volkstümlich einfache Skulptur der Himmelskönigin mit Kind, lässt sich der Bürgermeister von einem Schnitzer anfertigen. Die Wallfahrt floriert schnell und verschafft den Freystädter Gewerbetreibenden neuen Umsatz.

Die Bauherrschaft der Familie Tilly von Breitenegg
Schon 1669/70 finanziert die im Schloss Hohlnstein lebende Regentin der Herrschaft Tilly-Breitenegg, Maria Anna Theresa,[2] eine Vergrösserung der Freystädter Wallfahrtskapelle mit einem neuen vierachsigen Langhaus. Vorerst betreuen Kapuziner aus Neumarkt die Wallfahrt. 1681 vermittelt Gräfin Maria Anna Theresa drei Franziskaner aus dem Kloster Dietfurt.[3] Die verdienstvolle Gräfin stirbt 1692. Schon seit 1684 ist ihr nun volljähriger Sohn Ferdinand Lorenz Reichsgraf von Tilly Regent der Herrschaft Breitenegg.[4] Dieser ist bis 1685 noch Student an der Jesuiten-Universität von Ingolstadt. Seinen Lebensschwerpunkt verlegt er schon früh in die ebenfalls der Familie gehörenden Herrschaften in Oberösterreich. Für die Herrschaft Breitenegg ist er als Bauherr und Mäzen trotzdem rege tätig. 1696 nimmt er Giovanni Antoni Viscardi[5] in seine Dienste. Der von seinem Landsmann Zuccalli aus dem Hofbaumeisteramt verdrängte Baumeister ist um diese Zeit am Neubau des Klosters Fürstenfeld tätig, wo er mit Georg Asam[6] und seiner Familie zusammenarbeitet. 1699–1707 lässt Tilly durch Viscardi das grosse barocke Höhenschloss Helfenberg neu bauen. Georg Asam und seine Familie folgen Viscardi nach Helfenberg. Auch der Stuckateur Pietro Francesco Appiani[7] wechselt von Fürstenfeld nach Helfenberg. Als Ferdinand Lorenz von Tilly 1699 beschliesst, die Wallfahrtskapelle in Freystadt durch einen grösseren Neubau zu ersetzen, setzt er nach ersten Planungen eines einheimischen Maurermeisters wieder auf das bewährte Trio Viscardi, Appiani und Asam.

Verlauf der Planungs-, Bau- und Ausstattungsarbeiten

1699–1703: Planung und erste Bauphase
Im Februar 1699 legt Georg Martin Puchtler, Maurermeister zu Lengenfeld,[8] eine erste Planung mit Kostenvoranschlag für den Kirchenneubau vor. Sein Entwurf repetiert den Typus einer einfachen Dorfkirche mit Langhaus, eingezogenem Chor und seitlichem Glockenturm. Dass dies keine Wallfahrtsarchitektur ist, stellt auch der Bauherr fest und erteilt Viscardi im Herbst den Auftrag zu einer neuen Planung. Im März 1700 stellt dieser die Ausführungspläne für einen überraschend klaren Zentralbau mit Kuppel und vier Ecktürmen vor. Eine Ziegelhütte wird sofort gebaut. Am 26. August ist Grundsteinlegung. Der Akkord mit Viscardi datiert vom 27. August 1700.[9] Er lautet auf 3400 Gulden für die Arbeitslöhne. Die Kuppel ist darin nicht enthalten.  Offensichtlich ist der Kostendruck auf die Ausführung sehr gross.[10]  Zwar wird noch während der Bauphase über eine massive Kuppel diskutiert, aber die Mehrkosten von «etlich hundert Gulden» scheinen zu hoch. Die Baustelle wird von Viscardis Palier Antonio Andreota geleitet.[11] Der Bau wächst langsam. Als 1703 die Bauarbeiten wegen des Spanischen Erbfolgekrieges eingestellt werden müssen, ist das Bauwerk erst bis zur Gesimshöhe fertig und wird provisorisch eingedeckt.

1708–1710: Zweite Bauphase und Weihe
Im Frühjahr 1708 werden die Bauarbeiten wieder aufgenommen. Die Kuppel wird von Zimmermeister Kaspar Hölzl aus Lengenfeld aufgerichtet. Aus Kostengründen erfolgt eine Deckung mit Schindeln. Pietro Francesco Appiani erhält im März den Auftrag für die Ausführung der Stuckaturarbeiten zum Akkordpreis von 2400 Gulden.[12] Im Juli 1708 folgt die Akkordvereinbarung mit Georg Asam für die Freskenarbeiten zum Betrag von 500 Gulden. Seine beiden Söhne werden im Akkord als Mitarbeiter erwähnt.[13] Die Familie Asam arbeitet von Anfang Juli bis Oktober und erstellt im April und Mai 1709 die vier Kuppelbilder. Im September hat auch Appiani alle Stuckplastiken und die im Vertrag nicht vorgesehene Kanzel erstellt. Für die Ausstattung werden einheimische Meister beigezogen.[14] Am 3. September 1710 weiht der Eichstätter Weihbischof die Kirche ein. Sie hat bis dahin 17 000 Gulden gekostet.

1710/12–1714: Bau der Klostergebäude
Wenige Meter nördlich der neuen Wallfahrtskirche lässt Ferdinand Lorenz Reichsgraf von Tilly nach der 1710 erfolgten bischöflichen Einwilligung eine Franziskanerniederlassung bauen. 1711 erfolgt die Trennung des nun sieben Mitglieder umfassenden Konventes vom Kloster Dietfurt. Baubeginn ist vielleicht erst 1712.[15] Baumeister des zweiflügeligen und zweigeschossigen Winkelbaus ist der Franziskanerbaumeister Philipp Plank.[16] Die einfache, kleine, zweigeschossige Kirche ist dem Südflügel des Klosterbaus vorgelagert. Vom Obergeschoss des Klosters führt ein Galeriegang zur Empore der Klosterkirche und weiter zur Empore der neuen Kirche Maria Hilf.[17]

1711–1726: Altäre, Orgel und Gitter
Der Hochaltar ist ein zweigeschossiger Doppelaltar. Der untere Altar ist vier Meter in den Chorraum vorgerückt, dahinter ist die Sakristei ausgeschieden.[18] In der durch eine Wendeltreppe erreichbaren Empore über der Sakristei steht der obere Altar. Er bildet mit dem unteren eine architektonische Einheit. Der untere Altar ist der Gnadenaltar.[19] Er wird schon 1709 von Maria Theresia Asam[20] gefasst. Der obere Altar wird erst 1726 aufgestellt. Das Aussehen des nach Entwürfen Appianis errichteten zweigeschossigen Altars ist nicht bekannt, da er schon 1860 entfernt wird.[21]
Die zwei Seitenaltäre von 1716, Werke von Jacopo Appiani[22] , sind ebenfalls nicht mehr vorhanden. Auch die weiteren vier Altäre in den Schrägnischen sind nicht mehr erhalten oder nicht ursprünglich.
Das gleiche Schicksal wie die Altäre erleidet die Orgel von 1716, ein Werk des Orgelbauers Caspar König aus Ingolstadt.[23]
Das Eisengitter ist ein Werk des Freystädter Schlossermeister Konrad Kölbich. 1724 anfertigt, ist es bis heute erhalten.


Die Architektur der Wallfahrtskirche

Ein Zentralbau mit oktogonalem Acht-Arkaden-Innenraum
Die Wallfahrtskirche Maria-Hilf ist im Grundriss ein ungleichseitiges Oktogon mit vier Kreuzarmen. Über dem Oktogon erhebt sich eine tambourlose Steilkuppel mit Laterne. Vier Türme umstehen die Kuppel. Sie markieren den im Unterbau quadratischen Kern.[24] Zwischen den Türmen, und höher als diese, dominieren vier in die Kuppel eingefügte Lukarnen. Innen sind die Abschrägungen des ungleichseitigen Oktogons konchenförmig und in gleicher Höhe wie die Kreuzarme geöffnet. Viscardi baut damit den ersten Acht-Arkaden-Raum in Kurbayern.
Wie bei ihm üblich,[25] betonen Säulen die Kanten der Arkadenöffnungen und bilden das optische Traggerüst des Raums. Sie sind, und dies ist aussergewöhnlich, nicht zur Mitte des Oktogons gerichtet, sondern bilden ein rektanguläres Gefüge. Er erreicht damit eine Verbreiterung der Schrägarkaden-Öffnung und kreiert anstelle des hier nun nicht mehr möglichen Gurtbogens eine konisch zulaufende Bogenöffnung. Mit dem weit auskragenden Säulengebälk betont er seine spannende Rauminterpretation.

Wurzeln
Die Freystädter Mariahilf-Kirche hat ihre architektonischen Wurzeln in Rom. Die römischen Bauten kennt Viscardi vermutlich nur aus Stichwerken, so auch eines der Vorbilder für den Grundriss von Freystadt, Sant' Agnese an der Piazza Navona.[26] Gewichtiger dürften seine direkten Erfahrungen mit Zentralbauplanungen als Palier bei Enrico Zuccalli in Altötting sein.[27] Hier ist das Arkadenoktogon in Abwandlung von Berninis Kirche in Ariccia[28] bereits vorgesehen, kommt dann aber nicht zur Ausführung und wird nun mit Freystadt in Kurbayern erstmalig angewendet. Ein weiterer Zentralbau mit Arkaden-Oktogon, den Viscardi kennen könnte, liegt am Luganersee, auf halbem Weg von seinem Heimatort nach Mailand. Es ist die weithin sichtbare Kirche Santa Croce in Riva San Vitale.[29] Welche Vorbilder Viscardi benutzt und weiterentwickelt, ist unerheblich.[30] Sein Verdienst ist weniger die Einführung des Arkaden-Oktogons in Bayern als vielmehr die Verwirklichung des einheitlichsten Zentralbaus des bayrischen Hochbarocks, als eigenständige Schöpfung in Kenntnis italienischer Vorbilder.

Grundrissvergleiche Das erste kurbayrische Acht-Arkaden-Oktogon hat wie alle seine früheren Anwendungen nördlich der Alpen (zum Beispiel Muri 1685) die Wurzeln im Erbe Italiens. Die Aneignung dieses Erbes und die Anwendung durch welsche Baumeister im Norden basiert auf Praxiserfahrung und Literatur. Nur aus der Literatur dürfte Viscardi die Kirche Sant’ Agnese in Rom (Mitte) kennen. Vielleicht kennt er den Zentralbau von Riva San Vitale (Links). Sicher ist er mit dem Projekt Altötting von Zuccalli vertraut. Als guter Baumeistet baut er in Freystadt mit diesen Erfahrungen eine hervorragende Synthese aus diesen und vielen weiteren ihm bekannten Zentralbauten.

Wirkungen
Obwohl sehr abgelegen, und in den ersten Jahrzehnten nach der Einweihung auch wenig publiziert, wird das noch bis 1900 in der Kunstgeschichte völlig unbekannte Bauwerk Viscardis heute als wichtiger Impulsgeber für den bayrischen Spätbarock betrachtet. Insbesondere Johann Michael Fischer[31] scheint ab 1735, mit den Kirchen Aufhausen, Ingolstadt und dem Spätwerk Rott am Inn, auf das Arkaden-Oktogon von Freistadt zurückzugreifen.[32]

 
Veränderungen seit 1802  


Klostergebäude
1802 wird den Franziskanern das Kloster im Rahmen der bayrischen Säkularisation enteignet. Die Ordensgemeinschaft muss das Kloster verlassen. Es wird 1824 an einen Drahtfabrikanten und einen Bierbrauer verkauft, 1833 ist es in alleinigem Besitz des Bierbrauers, der die Gebäude mit Ausnahme der Bierbrauerei an die Stadt Freystadt übergibt. 1835 wird das Kloster wieder mit Franziskanern besetzt. 1885 geht auch das Brauhaus in den Besitz des Ordens über. 1999 kommt das Kloster an polnische Franziskaner in der Rechtsform eines Vereins. 2005–2008 werden die inzwischen mehrfach umgebauten Gebäude von der Stadt Freystadt saniert. Mit dem 2009 erfolgten Abbruch von Erweiterungsbauten der 1950er und 1960er Jahre wird, mindestens im Gebäudevolumen, der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt.

Wallfahrtskirche
1780 beginnt mit einem ersten Mandat die Bekämpfung der Wallfahrten durch die bayrische Regierung.[33] Mit den Klosteraufhebungen 1802/1803 folgt dann ein absolutes Wallfahrtsverbot, wie es Österreich und Böhmen schon seit 1785 praktiziert. Normalerweise werden Wallfahrtskirchen abgebrochen. Freystadt entgeht diesem Schicksal durch die Intervention des Freiherrn von Griesenbeck, der in der Kirche das Grabmal seines Grossonkels entdeckt. Als 1833 das Wallfahrts-Verbot durch König Ludwig I. aufgehoben und gleichzeitig das Franziskanerkloster wieder besetzt wird, erhält die Wallfahrtsstätte eine neue Zukunft. Die lange Zeit des fehlenden Unterhalts hinterlässt aber Spuren. Zwar wird 1841 das undichte Schindeldach erneuert, dieses 1855/60 und nochmals 1907 durch eine Schieferdeckung ersetzt, aber nicht das eindringende Wasser setzt der Ausstattung zu, sondern der barockfeindliche Zeitgeist. Die barocken Altäre verschwinden schon 1860. 1877–1879 wird die Kirche durchgreifend renoviert. Sie erhält innen ein völlig neues Erscheinungsbild. Georg Lang aus Deining[34] malt die wahrscheinlich schon länger zerstörten Kuppelfresken neu und übermalt auch die Fresken Asams in den Kreuzarmen. Sämtliche Altäre werden im Stil der Neo-Renaissance neu gebaut.
1950–1959 erfolgt eine zweite folgenschwere «Restauration». Nach der Aussenrestaurierung, bei der nun auch die Kuppel mit Kupferblech gedeckt wird, beginnt man 1954 im Inneren mit dem Ausräumen aller Elemente des Eingriffes von 1877, ohne aber einen adäquaten Ersatz zu suchen. Schwerwiegend ist vor allem die Veränderung des Chorraums mit dem Abbruch der Sakristei und der Eliminierung der Ostempore. Die heutigen Altäre wirken hilflos oder sie fehlen ganz, wie die beiden Seitenaltäre in den Querarmen. Auch die Fresken von Georg Lang werden nur in der Kuppel belassen, seine restlichen Neuschöpfungen werden zugunsten der Asam-Fresken zerstört. Diese sind allerdings zum grossen Teil Rekonstruktionen. Zusammen mit einer neuen Raumfassung werden sie 1980–1984 zum letzten Mal überarbeitet.

Pius Bieri 2016

Literatur:

Fischer, Aegidius: Kurze Beschreibungen, auch einfache Anzeigen der Ritterordens-Commenden, der Kollegiatstifte, der Abteyen und Probsteyen, der gestifteten Klöster [.] der Bettelklöster, Klausen, Pfarreien, Benefizien [etc.] in Bayern nebst einem Anhang von der Ober-Pfalz. Regensburg 1799, Seiten 169–171.
Burkart, Matthias: Maria-Hilf / das ist / kurze Beschreibung der berühmtesten Gnadenbilder dieses Titels [etc.], München 1862. Seiten 39–41.
Hofmann, Friedrich Hermann und Felix Mader: Die Kunstdenkmäler von Oberpfalz und Regensburg, Heft XVII, Stadt und Bezirksamt Neumarkt, München 1909.
Lippert, Karl-Ludwig: Giovanni Antonio Viscardi, München 1969.
Zellner, Wolfgang: Wallfahrtskirche Mariahilf Freystadt. Kunstführer, Regensburg 2011.
Schmidle, Katharina: Die Wallfahrtskirche Maria Hilf bei Freystadt und die Dreifaltigkeitskirche in München, München 2014.
Webseite der Wikipedia über die Kirche: https://de.wikipedia.org/wiki/Wallfahrtskirche_Maria_Hilf_(Freystadt)
Webseite der Wikipedia über das Kloster: https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Freystadt

 

Anmerkungen:

[1] Schon 1624 überschreibt Maximilian I. von Bayern die reichsunmittelbare Herrschaft Breitenegg, hier mit dem Verzicht auf landesherrliche Rechte, an seinen Feldherrn Tilly. Dieser nennt sich fortan Tilly zu Breitenegg.

[2] Maria Anna Theresia Freiin von Haslang zu Hohenkammer, Reichsgräfin von Tilly und Breitenegg, 1675–1684 Regentin der Herrschaft Tilly-Breitenegg.

[3] Das Franziskanerkloster in Dietfurt an der Altmühl wird 1665 mit finanzieller Hilfe der Tilly von Breitenegg gebaut. Die Vermittlung erfolgt über das bischöfliche Ordinariat in Eichstätt. Die drei Franziskaner wohnen vorerst im neuen Mesmerhaus oder Hospitium nördlich der Wallfahrtskirche (an de Stelle des heutigen Kloster-Westflügels), sind 1688 und 1689 durch die Obrigkeit an der Betreuung verhindert und müssen 1690 und 1691 beim Stadtrichter wohnen. Erst 1692 wird ihnen der Aufenthalt im Mesmerhaus wieder erlaubt.

[4] Ferdinand Lorenz Franz Xaver T'Serclaes Reichsgraf von Tilly zu Breitenegg (1666–1724). Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[5] Giovanni Antonio Viscardi (1645–1713) aus San Vittore im Misox. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[6] Hans Georg Asam (1649–1711) aus Rott am Inn. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[7] Peter Franz Appiani oder Pietro Francesco Appiani (1670–1724) aus Porto Ceresio. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[8] Puchtler ist ausführender Maurermeister des Viscardi-Schlosses Helfenberg.

[10] Um 1700 wäre für Kirchengewölbe die massive Ausführung üblich. Die weiteren Kirchenbauten Viscardis (Neustift, Fürstenfeld, Dreifaltigkeitskirche) und auch die weiteren bekannten Kirchenbauten von Misoxer Baumeistern in Bayern sind massiv gewölbt. Gründe für den Bau von massiven Gewölben sind in der Regel die Sicherheit, speziell bei Bränden, aber auch die Dauerhaftigkeit (Firmitas). Gründe für den Bau von Latten- oder Bohlengewölben sind Kosteneinsparungen oder statische Erfordernisse bei flachen Schein- oder Spiegelgewölben, wie sie im 18. Jahrhundert vermehrt gebaut werden. Der Verzicht auf ein Massivgewölbe in Freystadt wird von Lippert (1969) mit dem schlechten Baugrund begründet, was aber Viscardi in einem Dokument vom Mai 1708 ausdrücklich bestreitet..

[11] Antonio Andreota aus San Vittore, Cousin von Giovanni Antonio Viscardi.

[13] Siehe Akkordabschrift mit Asam vom 26. Juli 1708 (PDF). Die beiden Söhne sind der 22-jährige Cosmas Damian und der 16-jährige Egid Quirin.

[14] Beichtstühle, Kirchenbänke und Türen verfertigt der Schreiner Ulrich Fries, Freystadt. Kirchenbankdoggen und Laubwerkschnitzereien an den Beichtstühlen von Bildhauer Johann Georg Voraus, Berching. Die Altäre fertigt der Amberger Bildhauer Johann Peter Geisslehner nach Entwürfen von Appiani. 1709 wird erst der unter Choraltar aufgestellt. Die Lebensdaten dieser einheimischen Meister sind nicht erforscht.

[15] Die Bauforschung und die entsprechenden Veröffentlichungen sind rudimentär und widersprüchlich. Der Baubeginn des Klosters wird unterschiedlich zwischen 1710 und 1712 angegeben, ein Weihedatum der Klosterkirche scheint unbekannt. Sicher ist, dass anstelle des Westflügels bereits ein grösseres Hospitum besteht. Wening stellt es in seinem Stich von 1709 dar.

[16] Fr. Philipp Plank OFM (~ 1660–1720) aus Kelheim, Ordensbaumeister. Er plant und leitet auch Neubauten für andere Orden, so in Abensberg, Geisenfeld, Plankstetten, Weltenburg.

[17] Die Lage der kleinen, freistehenden Klosterkirche (ca. 15 x 7,5 m) ist mit dieser heute abgebrochenen Verbindungsgalerie zur neuen Mariahilfkirche zu erklären.

[18] Siehe dazu den Grundriss 1909, der noch die barocke Raumsituation zeigt, welche 1954/59 zerstört wird.

[19] Seine Darstellung auf einem Andachtsbild von 1719 zeigt die Gnadenmadonna, begleitet von Putten und Engeln,  auf einem von Engel-Hermen getragenen Gebälk über dem Tabernakel-Unterbau. Die Gnadenmadonna ist heute in den rechten Nischenaltar (unbekannte Provenienz, Aufstellung um 1958) eingefügt.

[20] Maria Theresia Asam (1657-1719), Fassmalerin, Ehefrau von Georg Asam.

[21] Zweigeschossige Doppelaltäre sind in Wallfahrtskirchen keine Seltenheit. Beispiele in Kurbayern sind Andechs (1609/1751) Weihenlinden 1660; Attel am Inn (1654/65); Vilgertshofen (1718/21).

[22] Jacopo Appiani (1687–1742) aus Porto Ceresio, Bruder des Peter Franz Appiani. Der Akkord für die Stuckmarmoraltäre lautet auf 400 Gulden. Die Biographie von Jacopo Appiani siehe in dieser Webseite.

[23] Caspar König (1675–1765) aus Ingolstadt. Von ihm stammt die noch erhaltene Orgel in der Hofkirche der nahe bei Freystadt gelegenen Stadt Neumarkt (1721). Die barocke Orgel von Maria Hilf Freystadt wird spätestens 1860 entfernt. Die heutige Orgel in neobarockem Gehäuse ist ein Werk des Orgelbauers Volkmar Krätzer aus 1996.

[24] Masse: Quadratischer Unterbau aussen 20 x 20 Meter. Kuppeldurchmesser 16 Meter. Arkadenhöhe (Tonnenscheitel der Anräume) 14,1 Meter. Innenhöhe bis Laternenplafond: 36 Meter.

[25] Viscardi arbeitet schon im Entwurf für Schäftlarn (1696/99) und in Neustift (1700) mit Säulen an den Wandpfeiler-Köpfen.

[26]  Sant' Agnese ist ein Zentralbau von Borromini. Siehe dazu das Stichwerk von Rossi, Giovanni Giacomo: Insignium Romae templorum prospectus exterioresinterioresque a celebrioribus architectis inventi. Roma 1683. Digitale Veröffentlichung der ETH Zürich.

[27] Siehe dazu das Werkverzeichnis der Biografie Enrico Zuccalli in dieser Webseite.

[28] Santa Maria Assunta in Ariccia, 1663/65 von Gian Lorenzo Bernini. Zuccallis letzte Planung für Altötting zeigt anstelle des Rundbaus ein Arkaden-Oktogon.

[29] Entwurf: Carlo Maderno; Ausführung Giovanni Antonio Piotta 1588/92.

[30] Zu «Forschungsreisen» Viscardis in Oberitalien (Katharina Schmidle 2014) siehe die Biografie Viscardi in dieser Webseite.

[31] Johann Michael Fischer (1692–1766) aus Burglengenfeld. Siehe zu ihm die Biografie in dieser Webseite.

[32] Lippert (1969) stellt fest, dass in Aufhausen und Ingolstadt sogar die Masse identisch sind.

[33] Das Mandat wird 1785 noch verschärft. Es verbietet Wallfahrten an Werktagen, zudem werden die Feiertage reduziert. Wallfahrten, die mehr als einen Tag dauern, werden verboten. Ausgenommen werden vorläufig nur Wallfahrten nach Altötting.

[34] Georg Lang (1840–1900) aus Deining, spätnazarenischer Kirchenmaler. Wahrscheinlich auch Entwerfer der Altäre. Alle Bilder der Kuppel sind Werke von Lang.

 

 

 



  Wallfahrtskirche Maria-Hilf in Freystadt  
  FreystadtA1  
Ort, Land (heute) Herrschaft (18. Jh.)
Freystadt, Oberpfalz, Bayern D
Kurfürstentum Bayern
Bistum (18.Jh.) Baubeginn
Eichstädt   1700
Bauherr und Bauträger
Tilly  Ferdinand Lorenz Franz Xaver T'Serclaes
      Reichsgraf von Tilly zu Breitenegg
 
 
  Die Wallfahrtskirche Maria-Hilf von Süden gesehen, links hinter der Zugangsallee ab Freystadt liegt verdeckt  das Kloster. Foto: Bieri 2011.   pdf  
   
FreystadtInnen1
Blick zum Chor, der seit 1954 verlängert ist. Foto: Zairon 2014 in Wikipedia.  
   
FreystadtGrundriss1909
Der Grundriss zeigt die Klarheit des Zentralbaus mit gleichwertigen Kreuzarmen. Heute ist diese Gleichwertigkeit durch die unglückliche innere Verlängerung des Chors gestört. Der Grundriss zeigt den alten Zustand. Die hier noch eingetragenen Altäre sind heute nicht mehr vorhanden. Quelle: Kunstdenkmäler (KDM) des Königreichs Bayern, Amt Neumarkt 1909.  
FreystadtSchnitt1909
Im  Schnitt N-S ist die Höhenentwicklung zusätzlich mit zwei Masslinien dokumentiert. Die Höhe der Arkaden beträgt 14,10 Meter. Nochmals 14,60 Meter ist das Mass bis zum Ansatz der Kuppellaterne. Die Gesamthöhe bis zum Laternenplafond beträgt 36 Meter. Quelle: KDM Bayern, 1909.  
FreystadtInnen2
Das Deckenfresko über dem Eingangsvorraum ist mit «ORIGO HUIUS SACRI SACELLI MDCLXIV»  (Ursprung des hiesigen Heiligtums 1664) betitelt. Im Bild schildert Georg Asam die Geschichte des ersten Kapellenbaus durch Hirtenbuben in grosser Erzähldichte. Rechts steht noch der erste Bildstock. Die Kapelle ist kurz vor der Vollendung. Bereits wird durch das Fenster Geld in den Opferstock geworfen. «SIC RES QUOQUE PARVAE CRESCUNT» (Auch aus kleinen Dingen kann Grosses wachsen) ist die unten angebrachte Schlussfolgerung.
Foto: GFreihalter 2014  in Wikipedia.
 
Freystadt1780
Der Kupferstich, datiert 1780, zeigt in der oberen Hälfte die Wallfahrtskirche von Norden und darunter das Kloster. Es ist der Stich von Michael Wening von 1709, dessen linke Platte hier für eine Überarbeitung wieder verwendet wird. Neu ist oben nur die Überschrift mit der Muttergottes-Darstellung. Bei Wening ist sie als Patrona Bavariae auf der rechten Platte zu sehen. Nun ist sie bekleidet dargestellt, nur die kleine Muttergottes der Kuppelbekrönung ist unverändert. Völlig neu gestaltet der Stecher den unteren Plattenteil. Wo Wening 1709 noch das Einzelgebäude des Hospitums (anstelle des Kloster-Westflügels) zeigt, graviert 1780 der Stecher das Franziskanerkloster platzbedingt in bedeutend kleinerem Massstab. In der Legende ist die Ankoppelung der Verbindungsgalerie von der Klosterkirche zur Empore der Wallfahrtskirche jeweils mit «A» markiert. Bildquelle: Wikipedia.
FreystadtA2
Der imposante überkuppelte Zentralbau mit seinen vier eckbetonenden Türmen. Ansicht der Westfassade mit dem Eingang.
Foto: Bieri 2011.
 
FreystadtInnen3
Der westliche Kreuzarm mit dem Eingang und den Emporen ist in seiner Erscheinung (im Gegensatz zum Chor) noch ursprünglich.
Foto: Bieri 2016.
 
FreystadtInnen4
Die Diagonal-Anräume des Oktogons zeigen eine ungewöhnliche Bogenform. Sie ergibt sich aus der Anpassung der Bogenhöhe an die breiteren Kreuzarme. Die konische  und nach vorne geöffnete Form des Gurtbogens ist bedingt durch die ebenso ungewöhnliche Abdrehung der Säulen und ihrer Gebälke, die nicht oktogonal, sondern rektangulär ausgerichtet sind. Damit wird die Anraum-Öffnung optisch verbreitert. Alle Anräume sind zusätzlich mit einer Empore versehen. Die Altäre in den Nischen sind Zweitverwendungen. Die Kanzel, von Appiani 1709 mit den Stuckaturen fertiggestellt, lässt die Qualität der heute verschwundenen Altäre ahnen. Foto: Bieri 2011.  
FreystadtInnen6
Ein Blick zu den Emporen über dem Eingang zeigt mit Ausnahme des Freskenmedaillons (Schutzmantelmadonna, Asam 1709) vor allem die reiche Tätigkeit des Stuckateurs Pietro Francesco Appiani. Dazu zählen das weit auskragende Säulengebälk, die kannelierten Säulen, ihre Kompositkapitelle, die weissen grossen Stuckfiguren in den Nischen der Seitenwände, die zurückhaltend plastische Stuckierung der Untersichten, Gurtbögen und Tonnengewölbe. Foto: Bieri 2011.  
FreystadtInnen7
Gleichartig stuckiert Appiani auch die anderen drei querrechteckigen, mit Tonnengewölben überspannten Kreuzarme. Hier ist  der Blick zur Tonne des Ostarms, dahinter die Verlängerung des Altarraums, der noch in dieser Blickrichtung ursprünglich ist. Allerdings betrifft dies nur den Stuck, denn die Stuckfassung und die Fresken sind nicht mehr original. Foto: Bieri 2011.  
FreystadtInnen8
1879 malt Georg Lang aus Deining die inzwischen zerstörten Kuppelfresken neu. Er malt sie in spätnazarenischer Manier. Von Georg Asam kann höchstens das Thema stammen. Als Beispiel für diese etwas süssliche religiöse Kunstrichtung sind sie trotzdem sehenswert, vor allem weil sie sich farblich einfügen.
Foto: Bieri 2011.
 
FreystadtInnen9
Schlossermeister Konrad Kölbich aus Freystadt erstellt das barocke Abschlussgitter mit den Maria-  und Erlösermonogrammen 1724. Erst aus späterer Zeit stammt der Wappenschild in der Rokokokartusche am oberen Sturz. An die Bauherrenfamilie Tilly erinnert nach dem Verschwinden der Altarausstattung kein Wappen mehr. Foto: Bieri 2011.