Die Meister
Name Herkunft Text   Tätigkeit von   bis
Martin Funk (1660–1704) Pach bei Aibling     Baumeister 1695   1704
Johann Caspar Schubert (†1724) Würzburg     Hofmaurermeister 1711   1718
Bernhard Ehehamb (Lebendaten unbekannt) Landshut     Stuckateure 1708   1713
Matthias Ehehamb (Lebendaten unbekannt) Landshut     Altarbauer, Bildhauer 1708   1713
Johann Gebhard (1676–1736) Velthurns im Südtirol     Maler 1711   1711
Cosmas Damian Asam (1686–1739) Benediktbeuern Asam   Freskant 1714   1716
Philipp Jacob Schmuzer (um 1680–vor 1762) Augsburg     Stuckateur 1716   1716
Franz Joachim Schott (1696–1775) Würzburg     Bildhauer, Stuckateur 1718   1719
Johann Sebastian Wild (um 1660/1665 bis nach 1720) Bamberg     Orgelbauer 1718   1718
Georg Karl Wild (Lebendaten unbekannt) Kirchenrohrbach     Orgelbauer 1739   1739
Hans Georg Grundler (Lebendaten unbekannt) Högling     Kunstschreiner 1739   1739
Johann Franz Dult (Lebensdaten unbekannt) Dinkelscherben     Bildhauer 1739   1759
Johann Franz Lidmann (1716–1797) Nabburg     Maler und Fassmaler 1752   1759


Ensdorf

Ehemalige Benediktinerabtei und ehemalige Stiftskirche St. Jakobus der Ältere

Klostergeschichte

Von der Klostergründung 1121 bis zur Reformation
Ensdorf liegt drei Wegstunden südlich von Amberg im Tal der Vils. Hier gründet Bischof Otto von Bamberg[1] im Nachbarbistum Regensburg 1121 ein Benediktinerkloster. Stifter sind der auch in Amberg begüterte Edelfreie Friedrich von Hopfenohe[2] und sein Schwiegersohn, der Pfalzgraf Otto von Scheyern (Wittelsbach).[3] Die Stiftung erfolgt als Hauskloster der Stifterfamilie. Alle Stifter sind in Ensdorf begraben. Bischof Otto von Bamberg vergrössert den Gründungsbesitz durch eigene Stiftungen. Er sorgt für den Gründungskonvent, der unter dem ersten Abt Walchun aus dem Schwarzwälder Reformkloster Sankt Blasien kommt.
Der Bau des ersten Klosters in Ensdorf erfolgt 1121–1123, nahe der bereits mit Pfarrrechten ausgestatteten Kirche St. Stephan. Die erste, provisorische Klosterkirche wird 1123 der Heiligen Dreifaltigkeit, der Jungfrau Maria, dem heiligen Johannes dem Täufer und dem heiligen Apostel Jakobus geweiht. Bis 1180 erfolgt der Neubau einer gemauerten, grösseren Kirche. Ihre Weihe zu Ehren des hl. Jakobus und des hl. Andreas nimmt der Sohn des Pfalzgrafen Otto, Erzbischof Konrad III. von Salzburg vor. Zu dieser Zeit ist Ensdorf Doppelkloster, denn die Kloster-Mitstifterin Helika, Ehefrau Ottos und Mutter Konrads, richtet bald nach der Gründung auch ein Frauenkloster in Ensdorf ein. Dieses Kloster geht aber schon im 14. Jahrhundert ein.
Die Benediktinerabtei kämpft während des ganzen Spätmittelalters mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Der Konvent hat manchmal weniger als 12 Mitglieder. Viele Äbte kommen aus anderen Klöstern. Im 14. Jahrhunderts stammen sie ausschliesslich aus Adelsfamilien. Weil auch die wenigen Konventmitglieder meist aus dem Adel stammen, der das Kloster als reine Versorgungsstätte betrachtet, kommt der monastische Geist völlig zum Erliegen. Unter einem Reformabt aus Kastl tritt Anfang des 15. Jahrhunderts eine Besserung ein. Der Konvent vergrössert sich kurzzeitig auf 34 Mitglieder. Ein grosses Brandunglück 1507, bei dem Konventgebäude, Kirche, Wirtschaftsgebäude und 28 umliegende Häusern zerstört werden, beendet die neue Blütezeit. Zwar gelingt die notwendigste Wiederherstellung bis 1520, aber der letzte Abt Sebastian Sintersberger, der 1521 gewählt wird, leitet den Untergang des Klosters ein. Er muss 1525 resignieren. Ein neuer Abt wird nicht mehr gewählt. Das Kloster ist angesichts der beginnenden Reformation nicht mehr zu einer Erneuerung fähig. 1549 stirbt der letzte Konventuale. Schon kurz nach der Einführung der Lehre Luthers durch die pfälzische Kurlinie der Wittelsbacher ist damit eines der oberpfälzischen Klöster ausgestorben. 1554 kommt die Klosterherrschaft unter weltliche Verwaltung, 1556 geht sie in Staatsbesitz über.

Die Klosterherrschaft unter weltlicher Verwaltung 1556–1669
Beim Wechsel von der geistlichen zur weltlichen Herrschaft werden die alten Verwaltungsstrukturen übernommen. Nur die Einnahmen der ehemaligen Klosterherrschaft fliessen jetzt in die Staatskasse. Seit 1559 wird die Oberpfalz von Kurfürst Friedrich III. regiert. Er will die Lehre Calvins anstelle derjenigen Luthers in der Oberpfalz einführen.[4] Die Einnahmen von Ensdorf nutzt er zur Finanzierung einer calvinistischen höheren Schule, dem neuen Pädagogium in Amberg. An den Gebäuden des ehemaligen Klosters Ensdorf werden nur noch die dringendsten Unterhaltsarbeiten ausgeführt.
1621 siegt Herzog Maximilian I. von Bayern in der Schlacht am Weissen Berg über den Kurfürsten und «Winterkönig» Friedrich V. von der Pfalz. Dieser verfällt in Reichsacht. Maximilian I. nutzt die Gunst der Stunde und besetzt im gleichen Jahr die Oberpfalz. 1628 überlässt ihm das Reichsoberhaupt das Land als Ersatz für 13 Millionen Gulden Kriegskosten und erteilt ihm gleichzeitig die Kurfürstenwürde. Die Oberpfalz ist jetzt in das absolutistisch regierte Bayern eingegliedert. Nach 1633 bis zum Frieden von 1648 ist das Land deswegen Kriegsschauplatz. Schon schnell nach der Besitzergreifung der Oberpfalz beginnt der Bayernherrscher auch mit der Rekatholisierung.[5] In einem Religionsmandat fordert Maximilian I. von allen Einwohnern eine bedingungslose Rückkehr zum katholischen Glauben. In Amberg wirken schon 1621 Jesuiten, die 1624 auch in Ensdorf den Prädikanten ablösen.

Wiederherstellung der Oberpfälzer Klöster
Die im Zusammenhang mit der Rekatholisierung naheliegende Rückgabe der Klöster an ihre Orden wird durch den Kurfürsten Maximilian I. noch verhindert. Er führt die hohen Einnahmen der Klosterherrschaften während des Dreissigjährigen Krieges seiner Hofkammer zur Deckung der Kriegskosten zu, ein Drittel muss er den zuständigen Bischöfen überlassen. Maximilian I. stirbt 1651. Der Druck der Kurie und der Orden auf seinen Nachfolger Ferdinand Maria wird nun derart gross, dass dieser die Rückgabe zügig an die Hand nimmt. Widerstand erwächst ihm jetzt vor allem vom Regensburger Fürstbischof, der auf seine Einnahmen nicht verzichten will. Als dieser 1661 stirbt, wird der Weg frei. Informell, ohne Wissen der Bischöfe und mit Besoldung durch die kürfürstliche Administration lässt Ferdinand Maria im gleichen Jahr jedes Oberpfälzer Kloster durch zwei Patres einer durch ihn bestimmten kurbayerischen Abtei besetzen. 1669 erfolgt die Rückgabe acht der alten Klosterherrschaften, darunter auch Ensdorf, an ihre Orden. Die alte Eigenständigkeit wird ihnen allerdings abgesprochen. Sie sind nun vorerst Priorate von kurbayrischen Abteien. Schon diese leiden im säkular orientierten und absolutistischen Staatskirchentum Bayerns unter dem Entzug ihrer alten Rechte. Den Oberpfälzer Klöstern, in den Augen des Landesherrn nun ihm untergeordnete Herzogsklöster, werden aber alle politischen Rechte, insbesondere die Vertretung im Landtag, dauerhaft verwehrt.

Ensdorf unter der Administration von Prüfening 1669–1695
Als neues Mutterkloster von Ensfeld bezeichnet Kurfürst Ferdinand Maria schon 1661 die Benediktinerabtei Prüfening bei Regensburg, die auch Weissenohe übernehmen muss. Abt Roman I. Schneidt[6] entsendet zwei Benediktiner in die beiden Klöster zur Vorbereitung der Übernahme durch den Orden. 1669 wird Ensdorf formell als Benediktinerkloster restituiert. Prüfening muss dafür eine Entschädigung von 5171 Gulden an das Domkapitel von Regensburg leisten.[7] Die Mutterabtei entsendet zusätzliche Benediktinerpatres unter der Leitung eines Superiors. Weder ihre Namen, noch ihre Tätigkeit in den nach der Restitution folgenden Jahrzehnten sind bekannt.[8] Superior dürfte Pater Anselm Claus sein, der 1695 auch erster Prior wird.[9] Der schon 1694 geplante und im Frühjahr 1695 begonnene Klosterneubau ist einer Initiative des letzten zuständigen Abtes von Prüfening, Otto Krafft, zu verdanken.[10]
1695 beschliessen die bayerischen Benediktineräbte, ihre vier bisher administrativ verwalteten Klöster in der Oberpfalz in die Selbständigkeit zu entlassen. Als erster Abt von Ensdorf wird am 15. September 1695 P. Bonaventura Oberhueber aus der Abtei Tegernsee postuliert.[11] Treibende Kraft der Nomination ist der Präses der Benediktiner-Kongregation, Abt Bernhard Wenzl von Tegernsee. Der erste Ensdorfer Abt kehrt aber wieder nach Rom zurück, wo er sich noch bis 1701 als Generalprokurator der Kongregation aufhält. In Ensdorf vertreten ihn seine Prioren. Bis 1697 ist dies der schon seit 1698 leitende P. Anselm Claus, 1697 bis 1701 ist sein Vertreter P. Anselm Braun.[12]

Die Abtei Ensdorf im 18. Jahrhundert
Abt Bonaventura Oberhueber wird 1699 auch als Abt von Reichenbach postuliert. 1701 kehrt er endgültig aus Rom zurück und führt beide Abteien mit diplomatischem Geschick durch die Wirrnisse des Spanischen Erbfolgekrieges. Er delegiert die direkte Leitung von Ensdorf und amtet in Reichenbach. Bis 1707 leitet P. Meinrad Plab als Prior Ensdorf.[13] Diesem folgt 1711 P. Maurus Bächel, der 1713 als Abt nach Weltenburg gewählt wird.[14] Weil der Klosterneubau 1703 bis 1711 kriegsbedingt völlig still steht, muss sich erst der nächste Prior Anselm Meiller, ein Konventuale von Reichenbach, wieder mit den Neubauten auseinandersetzen.[15] Abt Bonaventura, der ihm schon 1710 Ämter in Ensdorf überträgt, ist sein grosser Förderer. Den Ausbau der Klosterkirche begleitet der Abt selber und sorgt 1714 auch für den Beizug von Cosmas Damian Asam. Er kann den Konventbau 1715[16] und die Kirche 1716[17] fertigstellen, resigniert aber im Herbst 1716 zugunsten seines Priors und bleibt nur noch Abt für Reichenbach. Anselm I. Meiller ist bis 1761 Abt in Ensdorf. Er stattet die Kirche, die 1717 geweiht wird, weiter aus und vollendet noch fehlendes. Am Kirchenportal ist als Chronogramm die Jahreszahl 1718[18] zu lesen. Er baut auch den westlich vorgelagerten, den Vorhof zweigeschossig begrenzenden Gästebau mit Ökonomie neu. Am Aussentor ist das Chronogramm 1742[19] lesbar. An das Chorhaupt der Kirche baut Abt Anselm 1721–1723 eine Marienkapelle.[20] Er ist auch reger Bauherr in der Herrschaft und Historiograph des Klosters. In seiner 45-jährigen Regierung kann sich der noch immer kleine Konvent festigen.
1761–1772 ist Anselm II. Desing Abt von Ensdorf.[21] Der längst bekannte Literat und benediktinische Universalgelehrte ist im Jahr der Wahl schon 62-jährig. Sein Wirken in Ensdorf wird von seinem Ruhm als Gelehrter überschattet.
Der letzte Abt Diepold Ziegler regiert 1772–1801.[22]

Säkularisation
Sofort nach dem Ableben des letzten Abtes 1801 erfolgt das behördliche Verbot einer Neuwahl. Die Säkularisation der Klöster Bayerns ist längst beschlossene Sache. Ensdorf, das zu diesem Zeitpunkt 19 Konventualen hat, wird Aussterbekloster. Die Patres übernehmen Pfarrstellen. Im Februar 1803 beginnt die eigentliche Vermögenssäkularisation. Im Juni des gleichen Jahres erfolgt die Versteigerung des Besitzes und des Mobiliars. Der letzte Abt und 22 Konventualen müssen Michelfeld verlassen, erhalten eine Pension oder übernehmen Pfarrstellen.

Gebäudeschicksale nach der Aufhebung
Die Klosterkirche St. Jakobus der Ältere wird Pfarrkirche, was den Abriss der alten Pfarrkirche zur Folge hat. Von ihr bleibt nur der Turm übrig. Auch im Klosterareal wird die Marienkapelle als überflüssiges Bauwerk abgebrochen. Nur wenige Gebäudeteile des Klosterareals finden Käufer. Dazu gehört der Gästebau und die Brauerei im äusseren Klosterhof, die von einem Gastwirtehepaar gekauft wird. 1816 kommt dieser Gebäudeteil an die Familie Schmidt, die den Brauereibetrieb bis 1965 führen. In den südlichen Teil kommt die Pfarrwohnung zu liegen. Keine Käufer finden die Konventgebäude. In der Prälatur des Westflügels hält eine Schule Einzug. 1839 will ein Fabrikant eine Aulaunfabrik einrichten, die zum Glück am Widerstand des Brauereibesitzers Schmidt scheitert. 1856 übernimmt das Bistum Regensburg die Konventgebäude. Seit 1920 sind die Salesianer Don Boscos in Ensdorf. Sie verändern die Gebäudelandschaft vor allem im Klosterareal nördlich der Kirche stark.
Im Januar 1940 brennen die Konventgebäude. Das Feuer greift auf die Kirche über. Deren Dachstuhl brennt vollständig ab, die Gewölbe halten aber der Brandlast stand. Die Asamfresken bleiben trotz des während Monaten fehlenden Schutzdaches erhalten. Nur die Konventgebäude brennen aus, sodass heute in den Obergeschossen keine Innenräume der Barockzeit mehr vorhanden sind. Hingegen ist der Kirchen-Innenraum noch heute gut erhalten. Eingriffe des 19. Jahrhunderts werden anlässlich der ersten grossen Restaurierung 1963/64 beseitigt. 2014–2017 erfolgt eine neue umfassende Restaurierung nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten. Anlässlich dieser Restaurierung gestaltet der Bildhauer Josef Sailstorfer aus Neufraunhofen das liturgische Zentrum mit dem Volksaltar neu. Der schlichte Kalksteinaltar im Zentrum der Vierung fügt sich ausgezeichnet in die barocke Umgebung ein.

Baugeschichte

Die Gebäudelandschaft vor den barocken Neubauten
Die kleine Vedute im «Chur//Bayerischen Atlantis» von Anton Wilhelm Ertl 1690 ist die einzige Ansicht Ensdorfs vor dem Kloster- und Kirchenumbau. Sie ist aus Südwesten gezeichnet. Der zweitürmigen mittelalterlichen Stiftkirche mit Querschiff ist westlich ein viel zu grosses Gebäude angefügt, das einen Interpretationsfehler des Stechers darstellt. An dieser Stelle ist nämlich nur ein zweigeschossiges «Paradies», als eine westliche Vorhalle beschrieben. Die romanische Vorgängerkirche wird als kreuzförmige, flachgedeckte Basilika mit Querschiff und zwei Westtürmen beschrieben. Im Westen ist ihr ein Paradies vorgeschaltet, den Chor schliessen drei Apsiden ab. Von dieser Kirche und von den mittelalterlichen Konventgebäuden ist nichts mehr erhalten, weil die barocken Neubauten an ihre Stelle gesetzt werden. Die Abbrüche sind mit dem Brand von 1507 und mit der folgenden, über ein Jahrhundert dauernden Vernachlässigung begründet.

Ein Dientzenhofer als Planer? Die Baugeschichte des Rohbaus
Abt Otto Krafft aus Prüfening verdingt 1694 alle Rohbauarbeiten und lässt Baumaterialien nach Ensdorf bringen. Schon jetzt schliesst er auch den Akkord mit dem Steinmetzen Hans Kaspar Schubert, der später den Turm baut.[23] Die Steine aus Kelheim werden auf der Vils transportiert. Im Frühjahr 1695 erfolgt der Kirchenabbruch und der Baubeginn. Geleitet werden die Vorbereitung und der Neubau durch den Prior aus Prüfening, P. Anselm Claus, der in dieser Stellung bis 1697 auch unter dem neuen Abt Bonaventura Oberhueber in Ensdorf bleibt. Maurermeister, wie damals der ausführende Baumeister genannt wird, ist Martin Funk.[24] Vielleicht ist er nicht identisch mit dem Planer. In der langen Liste der Beteiligten fehlt allerdings ein Hinweis auf externe Planung. Aufgrund «stilkritischer» Überlegungen, wie diese gefährliche «Beweisführung» in der Kunstgeschichte genannt wird, wird die Planung Wolfgang Dientzenhofer zugeschrieben.[25] Die Kirche Ensdorf ist wie die Maria-Hilf-Kirche in Amberg das klassische Beispiel der kunsthistorischen Fixierung auf einen «Dientzenhofer».[26] Am Status von Martin Funk als allein verantwortlicher Kirchenbauer würde aber selbst eine vorgängige und durchaus mögliche Drittplanung nichts ändern.
Prior Anselm Claus und Baumeister Martin Funk treiben den Neubau zügig voran. Die Wölbung der Erdgeschossräume erfolgt 1696. 1697 wählt Abt Bonaventura mit Prior Anselm Braun einen neuen Vertreter für Ensdorf. Schon 1699 ist Aufrichte des Kirchendachstuhls durch den Hofzimmermeister Nikolaus Brandel. 1701 sind die Gewölbe erstellt und der Plattenboden mit Kelheimer Kalkstein kann gelegt werden. Im gleichen Jahr sind die Räume des Konvents und der Prälatur fertig, 1702 ist auch die Küche bereit. Kriegsbedingt muss 1703 der Bau für mehrere Jahre unterbrochen werden. Nach der Rohbaufertigstellung stirbt Baumeister Martin Funk mit erst 44 Jahren. Der immer wieder genannte Palier von Michelfeld, Christoph Grantauer,[27] der 1700 vom dortigen Abt nach Ensdorf empfohlen wird, dürfte aber nie eingestellt worden sein.

Gebäudefertigstellung 1711–1718
1711 erfolgt die Wiederaufnahme der Bauarbeiten. Inzwischen ist P. Maurus Bächel Vertreter des in Reichenbach residierenden Abts, der sich jetzt selbst vermehrt um das Ausstattungsprogramm kümmert. Aussen wird in diesem Jahr mit dem Anbau der Turmfront begonnen, die beiden romanischen Türme und die Vorhalle werden erst jetzt abgebrochen. Baumeister ist seit 1711 Hans Kaspar Schubert, der nach 12-jähriger Abwesenheit für den Residenzneubau in Durlach wieder in Ensdorf tätig ist.[28] Er ist auch Entwerfer der Turmfassade. 1717 kann die laternenbekrönte Zwiebelhaube des Turms aufgerichtet und gedeckt werden. Die Figuren des Kirchenportals sind ein Werk von Franz Joachim Schlott aus Amberg[29]. In der Zwischenzeit sind auch die Innenräume der Konventgebäude vollständig fertiggestellt, wie die Portalinschrift mit der Jahreszahl 1715 zeigt.

Weiterführung der Arbeiten im Innenraum bis 1717
Auch innen sind die Künstler 1711 bereits wieder tätig. Für die Stuckaturarbeiten und Stuckmarmorarbeiten im Langhaus werden die Brüder Bernhard und Matthias Ehehamb aus Landshut verpflichtet.[30] Bernhard erstellt die Stuckaturen, Matthias die vier Stuckmarmoraltäre in der Vierung und im dritten Joch des Langhauses, auch die Kanzel[31] und zwei Innenportale. Erst fünf Jahre später werden die Stuckateure Philipp Jacob Schmuzer[32] und Thomas Aicher[33] genannt. Welcher dieser Meister der Schöpfer des Hochaltars ist, und wer die Figuralplastik in Chor und Vierung erstellt, wird in den Quellen nicht genannt. Schon 1711 liefert der Maler Johann Gebhard von Prüfening die beiden Blätter des Hochaltars.[34]
Seit 1713 ist P. Maurus Bächel Abt in Weltenburg, seine Stelle als Vertreter von Abt Bonaventura nimmt Prior Anselm Meiller ein, der spätere Abt von Ensdorf.
1714 lässt Abt Bonaventura den jungen Cosmas Damian Asam,[35] der soeben von seinem Rom-Aufenthalt zurückgekehrt ist, das grosse Vierungsfresko malen.[36] Der Abt eröffnet damit die glanzvolle Karriere des jungen Malers. Gleichzeitig erhält Asam auch Aufträge in München, Regensburg, Günching und Amberg. Erst 1716 kann er deshalb die drei Hauptfresken des Kirchenschiffs, die sie begleitenden Pendentif-Fresken und alle 24 Emblemdarstellungen an den Quertonnen malen.
1717 weiht der Regensburger Weihbischof die Kirche.  

Ausstattungen und Neubauten unter Abt Anselm I. Meiller
Der 1716 bis 1761 regierende Abt Anselm I. Meiller ist Bauherr der Marienkapelle am Chorhaupt. Von diesem Spätbarockbau von 1721/23 ist heute nichts mehr vorhanden.[37] 1739 lässt der Abt das Werk des Orgelbauers Johann Sebastian Wild von 1718 auf der Westempore vergrössern.[38] Dabei wird das heute noch bestehende Rokoko-Prospektgehäuse mit der Figuralplastik des Bildhauers Johann Franz Dult aus Nabburg gebaut.[39] Abt Anselm I. stattet 1743 auch die Sakristei mit reich geschnitzten Nussbaummöbeln aus. 1752–1759 lässt er die vier fehlenden Altäre an den Wandpfeilern des ersten und zweiten Joches bauen. Ihre Figuralplastik ist wieder ein Werk des Bildhauers Dult, die schräggestellten Rokokoretabel sind Werke einheimischer Kunstschreiner und Fassmaler. Alle Altarblätter und Auszugsbilder malt Johann Franz Lidmann.[40]
Abt Anselm I. ist 1742 auch Bauherr der den Vorhof gegen die Strasse begrenzenden Wirtschaftsbauten, wie über dem Eingangsportal zu lesen ist. Sie dienen auch als Gästeunterkunft, sind seit der Säkularisation aber zweckentfremdet.
Unter den nachfolgenden Äbten finden, mit Ausnahme des Kanzel-Umbaus von 1781, keine Veränderungen mehr statt.

 

Die Kirche, ihre Architektur und ihre Ausstattung

Die Baugestalt
Die Kirche von Ensdorf ist eine Wandpfeilerhalle.[41] Mit dieser Bauweise ist eine bessere Belichtung als bei der basilikalen Bauweise möglich. Bei Weglassen der Seitenemporen sind raumhohe Fenster möglich. Die Bauweise ist um 1695 im süddeutschen Raum schon lange verbreitet[42] und löst mit der zunehmenden Dominanz der Graubündner Baumeister in Kurbayern und der Vorarlberger im Bodenseeraum die römische Wandpfeiler-Basilika ab. In der Oberpfalz sind es vor allem die Brüder Georg, Leonhard und Wolfgang Dientzenhofer, die diese rationelle, moderne Bauweise vertreten. Selbst Waldsassen ist 1695 noch als Wandpfeilerhalle geplant. Dies ist der Grund, warum für Ensdorf ein Dientzenhofer als Entwerfer vermutet wird. Auch wenn dies vielleicht nicht zutrifft, sind die schon gebauten Dientzenhofer-Wandpfeilerhallen mit Sicherheit Vorbild.
Der Grundriss der Ensdorfer Wandpfeilerhalle ist ein kompaktes langgezogenes Rechteck mit einem dreijochigen Langhaus, dem ein angedeutetes, nicht vorstehendes Querhaus mit überkuppelter Vierung folgt. Daran schliesst sich das Chorjoch an, dessen Altarraum polygonal vorsteht und südlich an den Konvent-Ostflügel angebunden ist. Der Turm in der Kirchenachse ist dem Langhaus westlich vorgesetzt. Die Turmfassade ist abgestuft vorstehend und an den Konvent-Westflügel angebunden. Der nördliche Flügel dieses beidseitig symmetrisch geplanten Bauwerks wird später nicht verwirklicht. Der Besucher betritt die Kirche durch den Turm und ein polygonales Vorjoch mit der darüberliegenden Orgelempore.
Der Innenraum ist im Langhaus als Stichkappentonne mit Gurtbögen ausgebildet. Er wirkt trotz geringer Raumhöhe grosszügig. Dies verdankt er klaren Proportionen, aber vor allem dem Fehlen der in Klosterkirchen meist üblichen Seitenemporen und den damit möglich gewordenen kurzen Wandpfeilern. Der Chorraum ist im Norden zum Stiftergrabmal geöffnet. Im Süden schliesst die Sakristei an, darüber, wieder zum Altarraum geöffnet, liegt der Psallierchor.

Wandpfeiler zu den Vegleichen mit Vorgängerbauwerken in der Typologie der Wandpfeilerhalle

Raumstuck und Figuralplastik
Der Raumstuck im Langhaus zeichnet sich durch flachen, schon wieder zur Ranke neigenden weissen Akanthus auf rötlichem Grund aus. Sie sind nebst den rocaillehaft wirkenden Kartuschen die einzigen plastischen Elemente im Langhaus und bestimmen den Raum wesentlich. Dazu zählt auch das Laubwerk an den Stichkappen der Orgelrückwand. Bedeutend schematischer sind hingegen die Stuckaturen im Chor- und Vierungsbereich. Diese Stuckaturen sollen, glaubt man den Quellen, später als diejenigen des Langhauses entstanden sein. Dies würde allerdings dem logischen Ablauf der Stuck- und Freskenarbeiten von vorne nach hinten widersprechen. Leider ist dieser Ablauf der Stuckaturarbeiten in Ensdorf völlig unerforscht. Geht man aber von einem Weggang der Brüder Ehehamb nach 1713 aus, muss der Grossteil des Stucks um diese Zeit vollendet sein.
Im Chor sind in Kartuschen auch Reliefdarstellungen von rosa gefassten Allegorien zu sehen, und unter der Vierungskuppel sitzen vier vollplastisch gearbeitete Figuren der Kirchenväter. Auf den Durchgängen am Altar stehen vergoldete Apostelfiguren. Ebenso bestimmt wie die Autorin des «Dehio» (2008) die Gebäudeplanung Wolfgang Dientzenhofer zuweist, bezeichnet sie Egid Quirin Asam[43] als Schöpfer dieser gesamten Figuralplastik. Es wäre seine erste überhaupt bekannte Arbeit.

Ausstattung

Hochaltar

Das Stuckmarmor-Retabel des Hochaltars trägt ein Altarblatt und ein Auszugsbild von Johann Gebhard, die 1711 bezahlt werden. Sie zeigen die Aufnahme des hl. Jakobus in den Himmel und die Krönung Mariens. Das Altar-Retabel ist eine einfache sechssäulige Triumphbogenarchitektur mit Segmentgiebel und Attika-Aufsatz. Das Altarblatt durchbricht das verkröpfte Gebälk. Der Altar steht frei und hinterlichtet vor dem polygonalen Altarraum an der Schnittstelle zum Chorjoch. Er dürfte spätestens 1716 errichtet worden sein, aus dieser Zeit stammt auch der gold- und silbergefasste Tabernakel.

Seitenaltäre

Die Seitenaltäre sind an die Wandpfeiler gestellt. Kulissenhaft wird so dem Eintretenden eine barocke Schaubühne präsentiert. Das beabsichtigte «theatrum sacrum» wäre mit an die Aussenwände versetzten Altäre nach italienischer Art (Michelfeld, Waldassen) nicht erreicht werden.
Vier Stuckmarmoraltäre an den breiten Wandpfeilern der Vierung sind schon vor der Einweihung 1717 vorhanden. Es sind Werke des Matthias Ehehamb aus Landshut. Die einfachen Säulen-Ädikula-Retabel sind im Auszug reich mit polierweisser Figuralplastik gestaltet. Zwischen den gesprengten Giebeln sind meisterliche Reliefs eingefügt, auf den Giebelschenkeln sitzen Engel und Heilige. Die beiden vordersten Altäre im Vierungsjoch, der Kreuz- und Marienaltar, sind vorwiegend gräulich-dunkelblau marmoriert, während die beiden Altäre an den Wandpfeilern des dritten Jochs, der Appolonia- und der Dreifaltigkeitsaltar, rot marmoriert sind. Die Maler der vier Altarblätter bleiben ungenannt, wirkliche barocke Qualität hat allerdings nur das Blatt des Appolonia-Altars.
Die vier Wandpfeileraltäre des ersten und zweiten Jochs folgen erst 1752–1759. Diese Rokoko-Altarretabel sind hochstehende Werke einheimischer Kunstschreiner und Bildhauer, von denen nichts mehr als ihre Namen bekannt sind. Sie verdanken ihre Lebendigkeit auch dem ausgezeichneten und ungenannten Fassmaler. Die Altäre sind schräggestellt. Im zweiten Joch ist es der Benedikts- und der Ottoaltar, im ersten Joch der Antonius- und Sebastianaltar. Die Blätter, alle vom gleichen Maler, haben vor allem erzählerischen Wert.

EnsdorfSeitenaltar1   EnsdorfSeitenaltar2   EnsdorfSeitenaltar3   EnsdorfSeitenaltar4   Stuckmarmor- Wandpfeileraltäre in der Vierung und am dritten Joch, um 1713 von Matthias Ehehamb erstellt. Im Auszug jeweils künstlerisch hochstehende Stuckreliefs. Die Maler der Altarblätter sind unbekannt. Allerdings hat nur das Blatt des Apollonia-Altars Qualität.
1 Kreuzaltar Nord, Vierung
2 Marienaltar Süd, Vierung
3 Dreifaltigkeitsaltar, drittes Joch Nord. Rokokorelief auf der Altarmensa (siehe auch unten)
4 Apolloniaaltar, drittes Joch Süd. Rokokoaufsatz mit Bild der hl. Walburga (siehe auch unten).
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EnsdorfSeitenaltar5   EnsdorfSeitenaltar6   EnsdorfSeitenaltar7   EnsdorfSeitenaltar8   Altäre der Rokokozeit um 1752–1759 von Bildhauer Johann Franz Dult sowie den Altarbauern Franz Xaver Söllner und Johann Michael Forst. Alle Altarblätter malt Johann Franz Lidmann.
1 Benediktusaltar Nord, zweites Joch
2 Ottoaltar Süd, zweites Joch
3 Antoniusaltar Nord, erstes Joch
4 Sebastiansaltar Süd, erstes Joch

Alle Fotos: Bieri 2019
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Orgel

Der Orgelprospekt ist trotz mehrfachem Neubau des Orgelwerks noch im Originalzustand von 1739 erhalten. Der Prospekt ist geteilt. Zwei konkave Pedaltürme sind beidseits eines niederen, mehrfach konkav-konvex gewölbten Pfeifenwerks angeordnet, das in neun Felder geteilt ist. Beidseits der Pedaltürme sind als Prospektverlängerung weitere, in der Höhe dem Mittelwerk entsprechende Prinzipalpfeifen angehängt. Auch sie sind mehrfach gewölbt und in je zwei Felder geteilt. Ein solcher Prospekt, von dem wir heute weder die Disposition noch die Mechanik kennen, ist in erster Linie eine Gemeinschaftsarbeit des Orgelbauers und des Gehäuseschreiners, der Prospekt darf nicht als alleiniges Werk des Bildhauers bezeichnet werden. Was ihn aber speziell auszeichnet, ist tatsächlich die bildhauerische Gestaltung über den Türmen und im Mittelteil. Die Trennung des Prospektes ermöglich hier nebst den dominanten Figuren auch die Anordnung einer mechanischen Uhr. Das reich mit Rokoko-Schnitzwerk versehene Nussbaumgehäuse ist vollständig naturbehandelt. Die gilt auch für die Schleierbretter, die kein Schnitzwerk, sondern tatsächlich Bretter sind.

Kanzel
Die Kanzel von 1715/16 wird 1781 umgestaltet, ist aber noch immer mit Rocaille-Ornamenten versehen. 1787 erhält sie den frühklassizistischen Schalldeckel mit einer hohen Zelt-Stoffdraperie als Hintergrund eines schreitenden Osterlamms.

Die Fresken von Cosmas Damian Asam
Wie viele bayerische Kirchen mit Fresken von Cosmas Damian Asam wird auch Ensdorf als «Asamkirche» vermarktet. Tatsächlich sind fast alle Gewölbefresken, insgesamt vier grosse Hauptfresken, 16 begleitende Kartuschenbilder in den Stichkappen und 24 Emblembilder an den Quertonnen gesicherte Frühwerke des Malers, im Langhaus alle 1716 gemalt. Das Kuppelfresko der Vierung (1714) gilt als sein erstes Werk nach der Rückkehr aus Rom. Das Chorfresko mit der Jahreszahl 1714 könnte das Probestück sein. Das Fresko über dem Stiftergrabmal und dasjenige im Psallierchor sind hingegen als Werke Asams umstritten.
Das Freskenprogramm ist dem Kirchenpatron Jakobus dem Älteren gewidmet. Es beginnt im Hauptbild des ersten Jochs mit dem hl. Jakobus als Befreier der Gefangenen, dann folgt das Eingreifen des hl. Jakobus in der Sarazenenschlacht, im dritten Joch ist die Enthauptung des hl. Jakobus Thema. Die von Asam signierte Vierungskuppel, zwei Jahre vor den anderen Fresken gemalt, ist ein «Heiligenhimmel» mit der illusionistischen, kreisförmigen Anordnung von Personengruppen um die Dreifaltigkeit im lichten Zentrum.[44] Die zum Kirchenschiff gerichtete Seite des Kuppelfreskos hat den hl. Jakobus mit der Pilgermuschel im Gewand zur Hauptperson.
Die den grossen Langhausfresken zugeordneten Attribute in den kleinen Stichkappenfresken beziehen sich thematisch auf das Hauptbild (Gefangenschaft – Kampf – Märtyrertod). Die gleichen Bezüge stellen auch die je sechs Emblembilder in den angrenzenden Quertonnen dar. Die vier Camaïeu-Medaillons in der Kuppel schildern noch einmal Szenen aus der Vita des hl. Jakobus.

Das Klosterwappen
Innerhalb des Kirchenraums sind Wappendarstellungen nur im Fresko über dem Stiftergrab zu sehen. Unter den dort gemalten zehn Wappen sind auch die zwei als Klosterwappen überlieferten Schilde zu sehen, die dann von den Äbten mit ihrem persönlichen Wappen kombiniert werden. Es sind die Schilde des Stifters Otto von Scheyern-Wittelsbach (in Silber ein roter Zackenbalken) und der Mitstifterin Helika von Lengenfeld (in Blau sechs silberne Lilien). In der Sakristei vereinigt Abt Anselm I sein persönliches Wappen mit diesen Klosterwappen. Am Klosterprotal legt sie Abt Bonaventura in Feld 2 und 4 seines quadrierten Wappens.

Pius Bieri 2019

 

Literatur

O. A.: Pfalzgraf Otto IV. von Wittelsbach, in: Denkwürdigkeiten aus der Oberpfalz. Sulzbach 1843.
Zitzelberger, Hans: Geschichte des Klosters Ensdorf von der Gründung bis zur Auflösung in der Reformation 1121-1525, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg. Regensburg 1954.
Mader, Felix: Die Kunstdenkmäler von Oberpfalz und Regensburg, Heft XV Bezirksamt Amberg.
München 1908.
Gürth, P. Alcuin Heribert OSB: Über Wolfgang Dientzenhofer. Dissertation München 1958.
Zitzelberger, Hans: Ensdorf, Oberpfalz. Kunstführer. München und Zürich 1997.
Bushart, Bruno und Rupprecht, Bernhard (Hrsg.): Cosmas Damian Asam 1687–1739, Ausstellung im Kloster Aldersbach, Katalog. München 1986.
Sollfrank, Martin: 300 Jahre Ensdorfer Pfarrkirche St. Jakobus der Ältere. Ensdorf 2017.
Sollfrank, Martin: Asamkirche Sankt Jakobus der Ältere, Pfarrkirchen von Ensdorf. Ensdorf 2018.

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Wikipedia Beitrag zum Kloster Ensdorf: de.wikipedia.St._Jakobus_(Ensdorf) oder wikiwand.com/de/St._Jakobus_(Ensdorf)

Anmerkungen:

[1] Otto I. von Bamberg (um 1061–1139), Bischof von Bamberg 1102–1139. Er ist Gründer mehrerer Klöster in der Oberpfalz. Heiligsprechung 1189.

[2] Friedrich III. von Hopfenohe-Pettendorf-Lengenfeld (um 1070–1119). Die Familie hat an Naab und Vils eine bedeutende Herrschaft. Er zieht Bischof Otto von Bamberg für die Gründung eines Hausklosters bei.

[3] Pfalzgraf Otto (um 1083–1156) und seine Ehefrau Helika von Pettendorf-Lengenfeld († 1170) lösen das Stiftungsversprechen ihres Schwiegervaters und Vaters ein. Bis zur Umsiedlung 1116 auf Burg Wittelsbach bei Aichach nennt sich der Stifter Otto IV von Scheyern, nach der Umsiedlung Otto I. von Wittelsbach. Er ist somit Namensgeber für die bayerischen Wittelsbacher, die bis 1918 regieren. Das Stifterehepaar übereignet 1123 dem Bistum Bamberg den versprochenen Gründungsbesitz um Ensdorf. 
Siehe zu den beiden Stiftern die Wikipedia-Biografie (https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_V._von_Scheyern).

[4] Die Einführung des Calvinismus in der Oberpfalz gelingt dem 1595–1620 regierenden Statthalter Christian von Anhalt nur bei der Beamtenschaft vollständig. In der Bevölkerung überwiegen die Lutheraner.

[5] Zur Situation in Amberg siehe die PDF-Veröffentlichung von Matthias Schöberl «vom pfälzischen Teilstaat zum bayerischen Staatenteil» (Regensburg 2006). Darin wird auch eine 1626 durchgeführte Bücherverbrennung von 11 1183 beschlagnahmten «verbotenen» Büchern von Lutheranern und Calvinisten geschildert, was auch als Beleg für den hohen Bildungstand der nun meist in die Emigration getriebenen Personen gelten kann.

[6] Romanus I. Schneidt (1614–1677) aus Wemding, 64. Abt von Prüfening 1653–1677.

[7] Die Summe erklärt sich aus dem Gesamtanteil der durch Regensburg ausgehandelten Entschädigung von 80 000 Gulden für zukünftige entgangene Einnahmen aus dem Drittel der Gesamteinnahmen aller oberpfälzischer Klosterherrschaften, die der Kurfürst seit 1628 dem Regensburger Fürstbischof zu einem Drittel überlässt. 10 000 Gulden erhält der Fürstbischof von Eichstätt. Der Fürstbischof von Bamberg, in dessen Bistum Weissenohe liegt, geht leer aus. Die Summe von 5171 Gulden für Ensdorf entspricht dem Drittel der eher niederen Einnahmen der Herrschaften Ensdorf und Weissenohe. Im Vergleich dazu muss der Abt von Fürstenfeld für die Übernahme von Waldsassen 43 333 Gulden zahlen.

[8] Die Geschichte Ensdorfs ist nur bis 1525 vorhanden. Eine neuere Forschung fehlt.

[9] P. Anselm Claus wird 1661 von Abt Romanus zusammen mit P. Anselm Hinterhuber nach Weissenohe entsandt. Beide bleiben bis 1669. P. Anselm ist 1674 bis 1676 Superior in Weissenohe. 1695–1697 ist er Prior in Ensdorf, was darauf deutet, dass er hier vor der Erhebung zur Abtei Superior und Vertreter des Abtes von Prüfening ist. Seine Lebensdaten sind nicht erforscht.

[10] Otto Krafft (1655–1729) aus Greding, Abt in Prüfening 1693–1729. Als 1695 die Äbte von Weissenohe und Ensdorf gewählt werden, kann Krafft nur den Abt von Weissenohe bestimmen. Der Bauabt von Prüfening ist Förderer des Malers Johann Gebhard (1676–1756) aus Velthruns, den er nach Prüfening holt. Gebhard malt auch in Ensdorf (Hochaltar 1711).

[11] Bonaventura Oberhueber (1662–1735) aus Traunstein, Profess in Tegernsee 1680, Studium und Doktorat in Salzburg, 1690–1701 Generalprokurator der bayerischen Benediktinerkongregation in Rom. Seine Postulation für Ensdorf verdankt er dem Abt Bernhard Wenzl von Tegernsee, der 1695 als Präses amtiert. Er ist 1695–1716 Abt in Ensdorf und 1699–1735 auch in Reichenbach. Zu Bonaventura Oberhueber siehe die Biografie in dieser Webseite.

[12] P. Anselm Braun (um 1661–1719) aus Amöneburg in Hessen, 1679 Profess in Mallersdorf, 1689–1691 Professor für die Syntax am Gymnasium der Universität Salzburg, 1697–1701 Prior in Ensdorf, 1709 erster Professor der Philosophie am neuen Lyzeum in Freising, stirbt in Mallersdorf.

[13] P. Meinrad Plab/Blab ist Konventuale von St. Emmeram in Regensburg und wirkt 1696–1697 als Beichtvater in St. Walburg zu Eichstätt. Seine Lebensdaten sind nicht erforscht. Er dürfte 1701 aus der Abtei Reichenbach nach Ensdorf gewechselt und hier den Kloster- und Kirchenneubau als Vertreter des Abtes Bonaventura geleitet haben.

[14] Maurus Bächl/Bächel (1668–1749) aus Rötz in der Oberpfalz. Er leistet 1690 Profess im Kloster Frauenzell (östlich Regensburg) und wird hier Prior. In diesem Amt erfolgt 1711 die Postulation nach Ensdorf (von der Benediktiner-Kongregation, deren Präses in diesem Jahr der Abt von Frauenzell wird?). 1713 wird er als Abt von Weltenburg an der Donau gewählt. Er führt diese Abtei zu neuer Blüte und errichtet mit den Brüdern Asam einen Neubau, der als sein Werk betrachtet werden muss. Abt Maurus resigniert 1743 und stirbt 1749. Siehe zu ihm die Biografie in dieser Webseite.

[15] Anselm Meiller (1678–1761) aus Amberg, besucht hier das Jesuitengymnasium, legt 1697 in der Abtei Reichenbach Profess ab, studiert Philosophie in Rott am Inn und Theologie in Benediktbeuern, feiert 1702 Primiz und wird 1706 in Reichenbach Prior. 1707–1710 ist er Professor am Lyzeum in Freising. Abt Bonaventura überträgt ihm 1710 das Amt des Kastners und Pfarrers in Ensdorf. 1713–1716 ist er hier Prior und Leiter der Bauarbeiten. 1716 bis 1761 ist er Abt in Ensdorf. Während seiner Regierung wird die neue Klosterkirche 1717 geweiht.

[16] Sein Name und die Jahreszahl 1715 an der Hauptpforte.

[17] Chronogramm am Triumphbogen:
D E O    T R I N O    M A R I AE    V I R G I N I    S A N C T O A V E     I A C O B O,     (ergibt M D C C X V I oder 1716).

[18]     S A N C T I S    A P O S T O L O    I A C O B O     T V T E L A R I    O T T O N I    C O N F V N D A T O R I    AC     
B E N E D I C T O    L E G I S L A T O R I,     (ergibt M D C C X V I I I oder 1718).

[19]     V I R G I N I    F E L I C I O R    A V E R N A L I S   C O L V B R I…. V I C T R I C I   S A C R A V I T   
A N S E L M V S   A B B A S,     (ergibt M D C C X X X X I I  oder 1742 )

[20] Die Marienkapelle ist ein Zentralbau (ca. 18 x 9 m), der an seinen abgeschrägten Ecken mit dem Chor verbunden ist. Zudem schliesst bei Meiller (1730) ein quergestelltes dreigeschossiges Haus am Kapellenhaupt an. Die Marienkapelle dient seit 1773 als Gruftkapelle, 1850 erfolgt ihr (undokumentierter) Abbruch.

[21] Anselm Desing (1699–1772) aus Amberg. Profess in Ensdorf 1718 bei Abt Anselm Meiller. Studium der Theologie in Michelfeld. Priesterweihe 1723. 1725–1731 Professor am Lyzeum in Freising. 1737–1743 Professor an der Universität Salzburg. Wissenschaftliche Forschungen in Kremsmünster, Planung der Sternwarte. 1750 Romreise, anschliessend Archivar und Historiograph in Passau. 1755 wird er nach Ensdorf als Prior zurückgerufen, legt das Amt aber wegen für ihn unzulänglichen Strukturen schon 1758 wieder nieder. Er hält sich jetzt an wechselnden Orten auf, bis er 1761 zum Abt von Ensdorf gewählt wird. Mit Ausnahme des zu erwartenden Ausbaus der Bibliothek und des Naturalienkabinetts ist wenig über sein 11-jähriges Wirken für Ensdorf beschrieben. Auch hier verfasst er vor allem Geschichtswerke und Schriften.

[22] Diepold Ziegler (1728–1801) aus Penting. Profess im Kloster Reichenbach 1752. 1756–1766 Professor am «studium commune» in Scheyern und Benediktbeuern. 1767 ist der Prior in Reichenbach und wird 1772 nach Ensdorf postuliert.

[23] Zu Hans Kaspar Schubert aus Würzburg siehe die Anmerkung 28.

[24] Martin Funk (1660–1704). Er wird «aedilis monasterii Ensdorffensis», also Klosterbaumeister von Ensdorf genannt. Dieser Titel wird nur einem selbstständigen und in der Regel auch planenden Baumeister verliehen. Er soll aus «Pach bei Aibling» stammen, das heisst aus der Heimat der Brüder Dientzenhofer. Er ist von 1694 bis zu seinem Tod immer in Ensdorf und hat hier mit seiner Frau Anna fünf Kinder. Ist er vielleicht bis 1693 am Klosterneubau von Weissenohe tätig? Hier baut Wolfgang Dientzenhofer Kloster und Kirche, mit dem Kloster wird 1690, mit der Kirche 1693 begonnen. Dort entsteht um diese Zeit ein Streit zwischen Dientzenhofer und seinem ausführenden Maurermeister, der dann in der Folge vor Dientzenhofer warnt. Ist dieser Maurermeister vielleicht Funk? Denn ein Entwurf der Beschwerde liegt in den Akten von Ensdorf.

[25] Wolfgang Dientzenhofer (1648–1706) aus Oberuilpoint in Oberbayern, seit 1690 in Amberg wohnhaft. Keine der Ensdorfer Bauakten nennt seinen Namen. Er selbst verschweigt Ensdorf in einer Bewerbung (Eixlberg 1700) auf der sonst vollzähligen Auflistung seiner Werke, was heisst, dass er mit dem Bau nichts zu tun hat. Die Verwandtschaft von Ensdorf mit den Wandpfeilerhallen der Brüder Dientzenhofer ist kein genügendes Argument. Er ist zudem nicht als Entwerfer bekannt. Die Konzepte von Michelfeld und Speinshart sind von seinen Brüdern Georg und Leonhard, die Planung von Trautmannshofen von Leonhard, sodass nur die Kirche Weissenohe als sein Vorgängerwerk gelten darf.
Vielleicht baut Baumeister Funk in Ensdorf wirklich auf Grundlagen eines Drittentwurfs. Da käme aber ebenso der in Bamberg tätige Leonhard Dientzenhofer und auch jeder Ordensbaumeister in Frage. Mehr zu Wolfgang und Leonhard Dientzenhofer siehe in den Biografien dieser Webseite. Mehr zum Typus der Wandpfeilerhalle siehe im Glossar «Baukunst», Buchstabe W, in dieser Webseite und auch in den folgenden Zusatzerläuterungen unter dem Kapitel «Architektur und Ausstattung».

[26] Im «Dehio» 2008 gipfelt dies in der Aussage: «wohl unter der Leitung des Wolfgang Dientzenhofer durch dessen Schüler Martin Funk und Christoph Grantauer».

[27] Christoph Grantauer (*1661) aus Kutterling bei Bad Aibling. Er ist seit 1695 in Michelfeld verheiratet. 1695–1700 werden Kirchturm und Westflügel in Michelfeld durch ihn erstellt. Der dortige Abt schreibt 1700 an den Prior von Ensdorf eine Empfehlung für Grantauer. Dieser dürfte in Ensdorf nie eingestellt worden sein. Die Neueinstellung nach Abschluss aller Rohbauarbeiten und bei beginnenden Kriegshandlungen ergäbe keinen Sinn. Dies belegt auch die Einstellung des fähigen Planers und Baumeisters Johann Caspar Schubert nach dem Bauunterbruch 1703–1710.

[28] Johann Caspar Schubert († 1724) «lapicida und architector» aus Würzburg. Er wird als Steinmetz bereits 1694 für den Neubau verpflichtet und heiratet 1697 in Ensdorf. 1698 schliesst er den Akkord über die Steinmetzarbeiten der neuen Residenz Karlsburg in Durlach (bei Karlsruhe), die Domenico Egidio Rossi baut. 1709 wird der Neubau durch den Markgrafensohn gestoppt und Schubert ist 1711–1718 wieder in Ensdorf tätig, nun als Baumeister. In dieser Funktion baut er 1720–1722 auch den Turm der Amberger Maria-Hilf-Kirche. Wahrscheinlich ist er nicht nur Planer der Kirchen-Turmfassade von Ensdorf, sondern auch der Marienkapelle. Sein letztes Bauwerk ist 1723–1724 der Turm der Martinskirche in Amberg.

[29] Franz Joachim Schott (1696–1775) aus Würzburg, wohnhaft in Amberg. Stuckateur, Bildhauer, Altarbauer. Die Figuren des Kirchenportals erstellt er 1718–1719.

[30] Bernhard und Matthias Ehehamb beginnen 1711, gemäss Gürth (1958) aber schon 1708 in der Kirche. Sie arbeiten hier noch 1713, wie die Datierung der feinen Stuckaturen in der Sakristei zeigt. Ein weiterer Bruder, Thomas, beginnt gemäss «Dehio» (1991) 1696, kann also nur in den Erdgeschossräumen der Konventflügel gearbeitet haben. Die Lebensdaten der Brüder, die aus Landshut stammen, fehlen.

[31] Sie wird 1781 mit verspätetem Rocaille-Ornamenten frühklassizistisch überarbeitet.

[32] Philipp Jacob Schmuzer (um 1680–vor 1762) aus Augsburg, vielleicht Sohn von Matthias II Schmuzer. 1712–1714 in Innsbruck, bewirbt sich schon 1713 für einen Stuckmarmoraltar in Amberg, heiratet 1715 in München und ist seit 1721 in Amberg wohnhaft. Dem «Stukkator von Ensdorf» wird um 1716/19 die Stuckierung der Kirche St. Ulrich in Hohenfels mit höchst anspruchsvollem, schon stark der Régence verhafteten feinem Laubwerk zugeschrieben (sig. «P.I.S INV.»). Dies irritiert angesichts der Stuckaturen in Ensdorf. Seine Nennung für die Stuckaturarbeiten im Chor von Ensdorf (1716!) könnte die Figuralplastik, auch das Stiftergrab oder den Hochaltar betreffen.

[33] Über den Stuckateur Thomas Aicher ist nur bekannt, dass er 1717 in Ensdorf heiratet.

[34] Johann Gebhard (1676–1736) aus Velthurns im Südtirol. Er ist seit 1694 in Prüfening und wird von Abt Otto Krafft gefördert, der ihn offensichtlich nach Ensdorf empfiehlt.

[35] Cosmas Damian Asam (1686–1739) aus Laingruben bei Benediktbeuern. Er hält sich nach dem Tod des Vaters und der Auflösung der Familienwerkstatt 1711–1713 in Rom auf. 1713 treffen sich P. Karl Meichelbeck von Benediktbeuern und Cosmas Damian Asam in Rom. Seine ersten Aufträge verdankt er dem Umfeld von P. Meichelbeck am Lyzeum und dem fürstbischöflichen Hof in Freising, zu dem auch die Äbte Rinswerger (Michelfeld) und Oberhueber (Ensdorf) zählen. 1709 ist Cosmas Damian Asam noch mit seinem Vater Georg in Freising, 1708 arbeiten sie in Freystadt. Der erste Auftrag in Ensdorf und der gleichzeitige Auftrag in der Dreifaltigkeitskirche München erklärt sich mit diesen Familienaufträgen, bei denen Cosmas Damian schon beteiligt ist (in Freystadt schon selbstständig). Mehr siehe in der Biografie und im Werkverzeichnis in dieser Webseite.

[36] Das Vierungsfresko ist «C. D. Asam 1714» signiert, Erstellung also Frühjahr 1714. Das Deckenfresko im Altarraum (hl. Jakobus als Beschützer des Klosters) ist im Chronogramm mit 1713 datiert. Anfang Juni 1713 hält sich Asam noch in Rom auf (Preisverleihung Ende Mai 1713). Das Fresko wird ihm in der früheren Forschungsliteratur nicht nur wegen des Datums, sondern vor allem wegen fehlender Werkcharakteristik nicht zugeschrieben. Asam müsste sich für dieses Fresko spätestens im Oktober 1713 in Ensdorf aufgehalten haben, was möglich wäre, aber bisher Spekulation bleibt.

[37] Eine Erinnerung an die Marienkapelle stellt das Orgelpositiv von 1645 des Orgelbauers Manderscheidt aus Nürnberg dar. Es wird von Abt Anselm II. 1720 in die Marienkapelle versetzt, kommt vor deren Abbruch in die Wallfahrtskirche auf dem Langenberg und wird 1972 in den Chor der ehemaligen Klosterkirche versetzt.

[38] Johann Sebastian Wild. Seine Lebensdaten (um 1660/1665 bis nach 1735) sind nicht erforscht. Er lernt beim Bamberger Orgelbauer Johann Georg Götz, baut 1691 die Orgel von Walderbach und lässt sich 1695 in Kirchenrohrbach nieder. Um 1720 baut er die drei Orgeln der Abtei Aldersbach. 1739 ist sein Sohn Georg Karl für die Erweiterung der Ensdorfer Orgel zuständig. Die Dispositionen dieser Ensdorfer Barockorgeln sind unbekannt. Schon 1782 wird sein Werk durch einen Neubau (24/II/P) des Orgelbauers Andreas Weiss aus Nabburg ersetzt. Das heutige pneumatische Werk von 1913 hat 19 Register.

[39] Johann Franz Dult (Lebensdaten nicht erforscht, wirkt 1735–1760) Bildhauer in Nabburg. Er arbeitet hier mit dem Schreiner Hans Georg Grundler aus Högling (zwischen Ensdorf und Nabburg gelegen). Er ist auch Bildhauer für die Altäre im ersten und zweiten Joch (1752 bis 1759).

[40] Johann Franz Lidmann (1716–1797) aus Nabburg. Er könnte auch der ungenannte Fassmaler sein.

[41] Die Wandpfeilerhalle ist eine rationelle Bauweise, die sich nach einem ersten Bau in Dillingen (1610/17) erst Ende des Jahrhunderts langsam gegen die Wandpfeilerbasilika durchsetzen kann. Im Gegensatz zu dieser sind die Wandpfeiler, welche den Gewölbeschub aufnehmen, bei der Hallenform auf voller Höhe innen gelegen. Die beiden völlig entgegengesetzten Bauweisen werden leider noch heute von Kunsthistorikern unter dem nichtssagenden Begriff «Wandpfeilerkirche» zusammengefasst. Mehr siehe im Glossar «Baukunst», Buchstabe W, in dieser Webseite.

[42] Jesuitenkirche Dillingen 1610, Stiftskirche Mallersdorf 1613, Jesuitenkirche Eichstätt 1617, Jesuitenkirche Passau 1665, Jesuitenkirche Solothurn 1678, Schönenbergkirche Ellwangen 1682, Stiftskirche Benediktbeuern 1682, Stiftskirche Disentis 1685, Stiftskirche Obermarchtal 1686, Stiftskirche Kühbach 1687. Mit Ausnahme von Dillingen und Eichstätt sind alles Wandpfeiler-Emporenhallen. Später werden auch in Mallersdorf die Emporen entfernt.

[43] Egid Quirin Asam (1692–1750) aus Tegernsee, wird 1716 als Bildhauer in München freigesprochen. Als Stuckateur ist er erstmals 1717 in Rohr nachweisbar. Hier erstellt er gleich ein Meisterwerk. Seit der 1713/14 erfolgten Rückkehr seines Bruders aus Italien sind gemeinsame Werke bis 1716 nicht auszuschliessen. Dazu würde dann auch die Arbeit in Ensdorf gehören. Siehe zu ihm die Biografie und das Werkverzeichnis in dieser Webseite.

[44] In Tegernsee malt 1690 der Vater von Cosmas Damian, Georg Asam, als erster deutscher Maler einen solchen Heiligenhimmel. Ein noch vor Ensdorf gemalter Heiligenhimmel ist derjenige in Waldsassen, den Johann Jakob Stevens von Steinfels 1696 malt. Das Thema ist nördlich der Alpen schon vor 1690 mehrfach für Kuppeldarstellungen genutzt worden, aber nur von «welschen» Malern. Beispiele: 1679 malt Carpoforo Tencalla die Kuppel im Passauer Dom. 1681 malt Carlo Nuvolone, genannt Panfilo, die Kuppel der Wallfahrtskirche Son Martegn in Savognin (Graubünden). Im Unterschied zu diesen frühen Beispielen malt Cosmas Damian Asam In Ensdorf die Gruppierung der Personen freier und dynamischer. Dies gilt auch für die ebenfalls 1714 gemalte Kuppel in der Dreifaltigkeitskirche München. Die illusionistische und kreiskonzentrische Öffnung in den Himmel beginnt im italienischen Manierismus. Frühes Beispiel ist der Gigantensturz des Giulio Romano 1534 im Palazzo del Te von Mantua. In Rom sind es Werke von Lanfranco (Sant’Andrea della Valle 1627) oder von Ferri und Corbellini (Sant’Agnese in Piazza Navone 1670/89), die Asam kennenlernt. 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



  Ensdorf, ehemalige Benediktinerabtei und Kirche St. Jakobus der Ältere  
  Ensdorf1  
Ort, Land (heute) Herrschaft (18. Jh.)
Ensdorf
Bayern D
Kurfürstentum
Bayern
Bistum (18.Jh.) Baubeginn
Regensburg   1695
Bauherr und Bauträger
Oberhueber  Abt Bonaventura Oberhueber
      (reg. 1695–1716)
      Abt Anselm Meiller (reg. 1716–1761)
 
  Der lichte Innenraum mit Blick zum Hochaltar und zu den vier Wandpfeiler-Altären des Langhauses. Bild: Bieri 2019.   pdf  
   
EnsdorfA1
Von Norden kommend erblickt man zuerst die Ökonomiegebäude. Foto: Bieri 2019.  
   
Lageplan
Gebäudeplan der Abtei und der angrenzenden Ortschaft um 1800. Für Planlegende und Vergrösserung bitte anklicken.  
EnsdorfIF1
Im Deckenfresko im Chorgewölbe ist das Modell des neuen Klosters mit der Turmfront der Prälatur-Westfassade unter dem Schutz des hl. Jakobus dargestellt. In der Inschrift auf dem Schild des hl. Jakobus kann im Chronogramm «SANCTO PRAESIDII MEI SCVTO TVEBOR» die Jahreszahl MDCCXIV (1714) gelesen werden. Das Modell wird von den Stiftern gehalten. Links ist dies der Stifter Otto von Scheyern (Wittelsbach) mit seiner Gemahlin Helika, rechts der Bamberger Bischof Otto I. mit dem Stiftersohn Friedrich II. von Wittelsbach. Zwischen den Gründern halten Engel eine Kartusche mit der Weihinschrift «HI VOVERVNT IACOBI MAIORIS HONORI», deren Chronogramm auf das Jahr der Gründung MCXXI (1121) hinweist. Das Fresko ist nicht nur wegen seiner klaren historischen und architektonischen Aussage zur Gründung und zum Neubau bemerkenswert, es ist auch das vermutlich erste Werk von Cosmas Damian Asam, noch vor dem Kuppelfresko 1714 als Probestück entstanden. Foto: Bieri 2019.  
EnsdorfA2
Die Turmfront, die Baumeister Hans Kaspar Schubert 1711 baut, ist mit dem südlich anschliessenden Westflügel des Klosters schon im Modell des Deckenfreskos dargestellt. Foto: Bieri 2019.  
EnsdorfA21
Das Eingangsportal der Kirche ist ein Werk des Bildhauers Franz Joachim Schlott aus Würzburg. Im gesprengten Segementgiebel steht der Kirchenpatron Jakobus. Das Chronogramm der Inschrift beidseits des Wappens von Abt Anselm Meiller ergibt das Erstellungsjahr 1718. Links ist das Portal von Bischof Otto I. von Bamberg, rechts vom hl. Benedikt flankiert. Foto: Bieri 2019.  
EnsdorfA3
Die schlichten dreigeschossigen (und 1940 brandzerstörten) Konventflügel von Südosten gesehen. Foto: Bieri 2014.  
EnsdorfA4
Der Ostflügel mit dem vorstehenden polygonalen Chorabschluss der Kirche.
Foto: Bieri 2019.
 
EnsdorfA5
Wie alle Konventfassaden hätte auch das Portal der Klosterpforte eine konservatorische Restaurierung verdient. Es enthält in seinem gesprengten Giebel den Wappenschild des verdienstvollen Bauabtes Bonaventura Oberhueber. Dieser hat sich mit Zeichensetzungen im ganzen Kirchenraum zurückgehalten, der Schild über dem Westportal dürfte einmalig sein. Mehr zum Wappen siehe die in der Biografie Oberhueber in dieser Webseite. Die Inschrift lautet «Bonaventura Reichenbachii & Ensdorffii respectivi Abbas & Administrator ė fundamentis erexit: Anno 1715» bezeichnet ihn als Erbauer.
Foto: Bieri 2019.
 
EnsdorfA6
Erst Abt Anselm I. Meiller lässt 1742 die den Klosterhof abschliessenden zweigeschossigen Ökonomieflügel bauen. Auf das Baujahr weist auch das Chronogramm im Gebälkfries des Portalgiebels  hin. Foto: Bieri 2019.  
Ertl1690
Das Kloster und der Ort Ensdorf sind vor den Neubauten des 18. Jahrhunderts nur im 1690 von Anton Wilhelm Ertl in Nürnberg veröffentlichten Werk «Des Chur=Bayerischen Atlantis Zweyter Theil» bildlich dargestellt. Wie die meisten Stiche in diesem Werk scheint auch die Vogelschau-Ansicht des Klosterdorfes aus Südwesten die einzelnen Gebäude wenig präzis zu erfassen. Der zweitürmigen mittelalterlichen Stiftkirche mit Querschiff ist westlich ein viel zu grosses Gebäude angefügt, das einen Interpretationsfehler des Stechers darstellt. An dieser Stelle ist nämlich nur ein zweigeschossiges «Paradies» als westliche Vorhalle beschrieben. Auf dem Stich ist aber auch zu erkennen, wie das Klosterdorf bereits zu dieser Zeit die spätere Grösse erreicht hat. Bildquelle: Ertl 1690, Seite 260.  
Frontispiz1730
Abt Anselm I. Meiller ist auch Verfasser des 1730 gedruckten Geschichtswerks «Mundi Miraculum : Seu S. Otto, Episcopus Bambergensis», in dem er im Frontispiz-Stich zu Füssen des Bischofs Otto I. von Bamberg das Kloster und die Ortschaft Ensdorf  in Vogelschauansicht darstellen lässt.
Das Kloster ist als Idealvedute mit dem geplanten und nie verwirklichten Nordtrakt gestochen. Es bleibt die einzige Darstellung des 18. Jahrhunderts, denn der angebliche Stich im Werk Meiller (Stecher Ferdinand Lang) im KDM-Band 1908 (Bezirksamt Amberg) dürfte eine ergänzende spätere Zeichnung des auf der Grundlage des Idealplans Meiller sein.
 
Gehe zu Fig. 31 KDM 1908.  
Grundriss
Der Kirchengrundriss zeigt die klare Wandpfeilerstruktur des Kirchenschiffs. Gehe zu den Vergleichen mit den Vorgängerbauwerken der Brüder Dientzenhofer, den wahrscheinlichen Vorbildern von Ensdorf.  Bildquelle: KDM 1908.  
EnsdorfI2
Der Kirchenraum im Bereich der Vierungskuppel mit Blick zum Hochaltar. Mehr zum Kuppelfresko siehe unten. Es wird von Camaïeu-Medaillons in den Gewölbezwickeln mit Szenen aus der Jakobus-Vita begleitet. In den Quertonnen der Wandpfeiler-Anräume sind in Vierung und Langhaus jeweils drei Fresken angebracht, die thematisch im Bezug zum Hauptbild stehen. Die Altarausstattung ist 1716 bereits vorhanden, mehr zu ihr siehe unten. Ins Zentrum der Vierung ist 2017 der Zelebrationsaltar von Josef Sailstorfer aus Kelheimer Kalkstein gestellt worden. Er fügt sich, zusammen mit dem Ambo aus gleichem Material gut in den Barockraum ein. Foto: Bieri 2019.  
EnsdorfI3
Einblick in den Psallierchor der Mönche über der Sakristei. Foto: Bieri 2019.  
EnsdorfIF2
Cosmas Damian Asam malt das Kuppelfresko 1714 als sein erstes grosses Werk. Es ist ein «Heiligenhimmel», wie das im Hochbarock beliebte Thema der illusionistischen, kreisförmigen Anordnung von Personengruppen um die Dreifaltigkeit im lichten Zentrum genannt wird.
Siehe zum Thema auch die Anmerkung [44].
 
EnsdorfIF3
Die zum Kirchenschiff gerichtete Seite des Kuppelfreskos hat den hl. Jakobus mit der Pilgermuschel im Gewand zur Hauptperson. Vor ihm sitzt Johannes der Täufer auf der Wolke. Links trennen ihn musizierende Engel von der Gruppe mit Maria auf der Mondsichel. Rechts des hl. Jakobus, dem zwei Engel den Heiligenschein aufsetzen, sind Apostel mit Petrus und Paulus im Vordergrund zu sehen. Unten, auf einer dunklen Wolke, signiert C. D. Asam 1714. Unten auf den Gewölbebögen sitzen die beiden Kirchenvätern Hieronymus und Augustinus. Sie sind Teil der 8 Figuralplastiken von Kirchenvätern und Evangelisten. Gerne würde man diese Arbeit Egid Quirin Asam zuschreiben. Nur ist der Bruder von Cosmas Damian zu dieser Zeit noch Lehrling bei Faistenberger in München. Foto: Bieri 2019.  
EnsdorfIF4
Im dritten Gewölbejoch, dem ersten nach der Vierung, ist der Märtyrertod des hl. Jakobus das zentrale Thema. In den Fresken der Stichkappen werden Kelch, Schwert, Lorbeer und Palmzweig von Puttis gehalten. In allen Langhausjochen sind auch die Stuckarbeiten bemerkenswert. Foto: Bieri 2019.  
EnsdorfIF5
Im Fresko des mittleren Jochs ist der hl. Jakobus als Heerführer im Kampf gegen die Ungläubigen zu sehen. Das Thema nimmt Bezug auf die spanische Legende von der Hilfe des hl. Jakobus in der Reconquista-Entscheidungsschlacht von 844. In den Fresken der Stichkappen werden Helm, Lanze, Schild und Fahne von Puttis getragen. Foto: Bieri 2019.  
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Im Joch vor der Empore ist, nun zum Kirchenraum gedreht, der hl. Jakobus als Befreier der Gefangenen dargestellt. Wieder nehmen die Putti in den Stichkappen-Fresken mit Marienbild, Kette, Strick und einem wegfliegenden Vogel.
Foto: Bieri 2019.
 
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Blick zum westlichen Joch und zur Orgelempore. Deutlich ist die verbesserte Raum- und Lichtwirkung der relativ niederen Wandpfeilerhalle dank dem Verzicht auf Seitenemporen spürbar. Foto: Bieri 2019.  
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Der Orgelprospekt des Bildhauers Johann Franz Duft und des Schreiners Hans Georg Grundler aus dem Jahr 1739 lässt das jetzt anbrechende Rokoko erahnen, während die Laubwerk-Stuckaturen an der Turmwand noch aus der ersten Ausstattungsphase stammen. Foto: Bieri 2019.  
EnsdorfIA1
Das Hochaltarretabel steht frei und hinterlichtet vor dem polygonalen Altarraum an der Schnittstelle zum Chorjoch. Es ist eine einfache sechssäulige Triumphbogenarchitektur mit Segmentgiebel und Attika-Aufsatz. Das Altarblatt durchbricht das verkröpfte Gebälk. Der Altar dürfte spätestens 1716 errichtet worden sein, aus dieser Zeit stammt auch der gold- und silbergefasste Tabernakel. Johann Gebhard aus Prüfening liefert das Altarblatt mit der Aufnahme des hl. Jakobus in den Himmel und das Auszugsbild mit der Krönung Mariens schon 1711. Vermutlich ist der Altar wie die schon um 1713 erstellten vier Seitenaltäre ein Werk von Matthias Ehehamb aus Landshut. Im Vordergrund der 2017 aufgestellte Zelebrationsaltar aus Kelheimer Kalkstein. Foto: Bieri 2019.  
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Auf der Altarmensa des Dreifaltigkeitsaltars am nördlichen Wandpfeiler des dritten Jochs steht ein Reliefbild um 1750 in Rokokorahmung. Das wertvolle farbig gefasste Relief zeigt den zwölfjährigen Jesus im Tempel. Foto: Bieri 2019.  
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Ebenfalls aus der Rokokozeit um 1750 stammt der Mensaaufsatz des Apollonia-Altars vom südlichen Wandpfeiler des dritten Jochs. Zwei kerzentragende Engel halten das Bild der hl. Walburga.
Foto: Bieri 2019.
 
EnsdorfKanzel
Die Kanzel von 1715/16 wird 1781 umgestaltet, ist aber noch immer mit Rocaille-Ornamenten versehen. 1787 erhält sie den frühklassizistischen Schalldeckel mit einer hohen Zelt-Stoffdraperie als Hintergrund eines schreitenden Osterlamms.  
EnsdorfTaufstein
Der Taufstein wird erst nach 1803 in die jetzt als Pfarrkirche dienende Klosterkirche gestellt. Er stammt aus der 1805 abgebrochenen Pfarrkirche St. Stephan. Sein Becken ist noch romanisch, die farbig gefasste Taufe Christi der Barockzeit. Foto: Bieri 2019.