Die Meister
Name Herkunft Text   Tätigkeit von   bis
             
Maximilian von Welsch (1671–1745) Kronach Welsch   Baudirektor 1741   1745
Franz Häffele (um 1711–1785 Gruppenbach b. Heilbronn     Baumeister 1742   1747
Johann Michael Feichtmayr (1710–1772) Wessobrunn FeichtmayerJM   Stuckateur, Altarbauer 1744   1747
Matthäus Günther (1705–1788) Peissenberg Guenther   Freskant, Maler 1745   1749
Johann Georg Üblher Wessobrunn     Stuckplastiker 1746   1747
Johann Adam Gutmann (1709–1748) Untereuerheim     Bildhauer 1747   1747
Markus Gattinger (1713–1753) Ostersee bei Iffelsdorf     Kunstschlosser 1748   1750
Joh. Wolfgang van der Auwera (1708–1756) Würzburg AuweraWolf   Hofbildhauer 1751   1752
Johann Philipp Stumm (1705–1776) Sulzbach     Orgelbauer 1774   1782
Johann Heinrich Stumm (1715–1788) Sulzbach     Orgelbauer 1774   1782
             
Franz Ignaz Michael Neumann (1733−1785) Würzburg     Hofbaumeister 1782   1782
Johann Adam Becker (1742–1821) Klingenberg am Main     Baumeister 1783   1787
Johann Sebastian Barnabas Pfaff (1747–1794) Obertheres     Bildhauer 1785   1785
Andreas Dittmann (1758–nach 1798) Obereuerheim     Bildhauer, Stuckateur 1788   1791
Konrad Huber (1752–1830) Altdorf bei Weingarten     Maler 1790   1790
Joseph Bonaventura Berg (1770–1836) Nürnberg     Bildhauer, Maler 1791   1799


Amorbach

Ehemalige Benediktinerabtei und Klosterkirche der seligen Gottesmutter und Jungfrau Maria

Klostergeschichte

Klostergründung im frühen 8. Jahrhundert
In einem wasserreichen und noch kaum besiedelten Tal des östlichen Odenwaldes erfolgt um 720 die Gründung eines Klosters. Als Gründer gilt der fränkische Hausmeier Karl Martell. Für die erste Besiedlung des neuen Klosters sorgen iroschottische oder irofränkische Mönche. Sie nehmen die Benediktsregel an. Die Lage an der schon bestehenden Nord-Süd Verbindung vom Main zum Neckar verrät strategische Überlegungen des Frankenherrschers.[1] Amorbach, wie die Neugründung später genannt wird, liegt leicht erhöht in einer breiten Talsohle beim Zusammenfluss zweier Gewässer, zwei Wegstunden südlich des Mains. Hauptgewässer des Tals ist der Mudbach. An seiner Mündung in den Main liegt zur Zeit der Klostergründung ein noch immer besiedeltes, ehemaliges Kohortenkastell mit Vicus und Schiffsanlegestelle. Dieser Ort wird später pfälzische Siedlung mit dem Namen Wallhausen. Nach der Gründung der Stadt Miltenberg durch Kurmainz im 13. Jahrhundert geht die Siedlung ein. Wallhausen am Main ist für Amorbach wegen der Schiffsanlegestelle für die ersten Jahrhunderte überlebensnotwendiger Versorgungsstützpunkt. Das neugegründete Benediktinerkloster ist die früheste Abtei in der Main-Röhnregion (Fulda 744, Neustadt 770).
Die Gründung von Amorbach wird von der Klosterüberlieferung anders dargestellt. Nach ihr erfolgt sie schon 714 durch den hl. Pirmin, allerdings an einer Quelle bei der heutigen Kapelle Amorsbrunn.[2] Erst 734 soll dann das Kloster an die heutige Stelle verlegt worden sein. Dieses Jahr ist in der Klostertradition verankert. Die Feiern des Jubiläumsjahrs 1734 sind in der bekannten Chronik des Paters Ignatius Gropp ausführlich beschrieben.[3] Als Stifter des Klosters nennt er die Grafen Ruthard von Frankenberg auf dem Gotthardsberg über Amorbach.[4] Diese Gründungslegende ist auf dem Frontispiz-Stich zum Jubiläum 1734 schön dargestellt. Die obere Bildhälfte wird von der Klosterpatronin Maria beherrscht. Ihr zu Füssen halten sich auf Wolkenbändern die Nebenpatrone Faustinus, Benedikt, Simplicius und Beatrix auf. Unter ihnen halten die Karolinger Karl Martell und Pippin, flankiert vom hl. Pirmin und dem Grafen Ruthard von Frankenberg, das zentrale Kirchenmodell. Die von der Dreifaltigkeit ausgehenden Gnadenstrahlen treffen sich im Dachreiter über dem Kreuzaltar des Kirchenlanghauses. Unter dem Modell ist der Gotthardsberg mit dem Flecken Amorbach zu sehen. Mit dieser Darstellung ist die ganze Klosterüberlieferung erfasst. Sie erfasst im Kern das Wesentliche, auch wenn die Mitwirkung des hl. Pirmin an der Gründung nicht belegt ist, die Verlegung von Amorsbrunn an die heutige Stelle ausgeschlossen werden kann, der erste Abt mit dem Namen Amor eine Erfindung ist und der Stifter um 700 kaum auf einer Höhenburg gehaust hat.

Der Name Amorbach
«Abbas Amarbaracensis ecclesiae» wird Patto, erster Bischof des neuen sächsischen Bistums Verden, 815 genannt.[5] Noch 1720, im «Chronicon Verdense» übersetzt der Autor die Herkunft des Abtes mit Amarbarach. In der Umgangssprache wird daraus Amarbach und später Amerbach. Das spätlateinische Amarbaraca kann mit einer durch fliessende Gewässer durchzogene sumpfige Gegend übersetzt werden. Dies deutet auf die Urbarmachung des Tales mittels eines Be- und Entwässerungssystems, wie es später vor allem die Zisterzienser pflegen. Das lateinische Wort amarus ist im Hochmittelalter zunehmend negativ besetzt.[6] Es gilt jetzt als abwertende Bezeichnung für das bittere, geizige, jammervolle Individuum. Deshalb wird aus Amerbach im Mittelalter der Bach des Liebesgottes Amor. Erstmals 1197 wird die Abtei Amorbach genannt. Im 15. Jahrhundert hat sich dieser Name schon derart eingebürgert, dass nun die Gründungslegende um einen namensgebenden Heiligen ergänzt wird. Der hl. Amor von Amorbach wird von der Abtei bereitwillig als neuer Gründer und erster Abt übernommen.[7]

Die Abtei Amorbach im Mittelalter
Amorbach wird als karolingisches Königkloster bezeichnet.[8] Es ist im frühen 9. Jahrhundert massgeblich an der karolingischen Missionierung der Sachsen beteiligt. Die ersten Bischöfe des neuen Bistums Verden sind vorher Äbte in Amorbach und Neustadt. Die Karolinger fördern in der Folge den Grundbesitz durch die Schenkung eines beachtlichen zusätzlichen Waldbesitzes. Das Kloster legt planmässig Rodungssiedlungen mit Fronhöfen an, auch in später zusätzlich erworbenen Waldgebieten im Süden. Es erwirbt Patronats- und Zehntrechte bis in den Neckarraum. 996 fällt die bisherige Eigenständigkeit von Amorbach dem Machtanspruch des Würzburger Bischofs zum Opfer. Bischof Heinrich I. erreicht in diesem Jahr bei Kaiser Otto III. die Abtretung von Amorbach und weiterer Klöster an Würzburg. Der Würzburger Bischof fördert anschliessend in seinen neuen Eigenklöstern die Reform von Gorze. In Amorbach setzt sie der seit 1007/12 regierende Abt Richard I. energisch um. Er wird durch den gelehrten Mönch Theoderich von Fleury unterstützt. Kaiser Heinrich II. setzt 1018 Abt Richard I. auch als Abt von Fulda ein. Die Wertschätzung der Abtei erreicht in diesen Jahrzehnten einen Höhepunkt. Ihr Selbstverständnis zeigt sie hundert Jahre später mit dem Neubau der doppeltürmigen Westfront. 1068 erlebt weniger das Kloster als der Bischof von Würzburg einen Rückschlag. In diesem Jahr überträgt Kaiser Friedrich Barbarossa die Vogteirechte an seinen Gefolgsmann Rupert von Dürn. Die Herren von Dürn fördern zwar den ausgedehnten Klosterbesitz von Amorbach, er ist aber auch ihre staufisch orientierte neue Machtgrundlage. Oberhalb Kirchzell errichten sie zur Kontrolle des Verkehrsweges nach Süden die herrschaftliche Burg Wildenberg. 1253 erteilen sie der nördlich des Klosters entstandenen Siedlung das Stadtrecht und brechen damit die Vormachtstellung der Abtei. Die neue Stadt grenzt sich schnell mit Mauern gegen das Kloster ab. Mit dem Zusammenbruch der staufischen Machtstellung endet auch die Periode der Herren von Dürn. Sie verkaufen 1271 und 1272 die Vogtei mit allen Rechten an das Erzstift Mainz. Damit sind bis 1803 Stadt und Abtei Amorbach, nun als Amt Amorbach, unter der Territorialherrschaft des Erzbischofs und Kurfürsten von Mainz. Für kirchliche Belange erfolgt der Wechsel vom Bistum Würzburg zur Erzdiözese Mainz aber erst 1656.[9]
Wenig kann über geisteskulturelle Leistungen der Abtei im frühen und hohen Mittelalter berichtet werden. Quellen fehlen fast vollständig. Zwar besteht ein Skriptorium, einige seiner Handschriften sind bekannt. Aber die meisten Urkunden sind schon im Mittelalter verschollen.
Vom allgemeinen Niedergang der Klöster im 13. und 14. Jahrhundert bleibt auch Amorbach nicht verschont. Erst als Abt Dietrich von Kuntich, der 1406–1428 regiert, den Tendenzen zur Umwandlung in ein weltliches Stift energisch entgegentritt und das Kloster endlich auch für Nichtadelige öffnet, beginnt eine neue geistige und wirtschaftliche Blütezeit. Der Neubau von Klostermühle und Pfisterei (1448), der Kornschütte (1464) und der vollständige Neubau der drei Konventflügel (1468–1477) südlich der Kirche zeugen davon.

Reformationszeit
Die Vogtei der Abtei über 19 Dörfer im Odenwaldgebiet sowie der Zehnten an über hundert Orten zwischen Main und Jagst wecken bei den Untertanen Missgunst und sind im Bauernkrieg 1525 Anlass zur Plünderung des Klosters. Der Haufen zerstört auch das zur Zeit der Hirsauer Reform gebaute Kloster auf dem Gotthardsberg. Weil sich die Bürger von Amorbach an den Zerstörungen beteiligen, entzieht der Mainzer Kurfürst der Stadt nach der Niederschlagung des Bauernaufstandes alle bisherigen Freiheiten. Auch die Reformation findet in der Klosterherrschaft viele Anhänger. Der Augsburger Religionsfrieden von 1555, der das Recht der Religionsbestimmung dem Landesherrn überträgt, bedeutet für das im Kurfürstentum Mainz liegende Klostergebiet die vollständige Rückkehr zur alten Religion. Dem Kloster gehen nur einige Patronatsrechte ausserhalb des kurmainzischen Territoriums verloren.

Das 17. Jahrhundert
Die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts ist vom Dreissigjährigen Krieg geprägt. Noch kann Abt Erhard Leyendecker[10] die im Bauernaufstand zerstörte Kirche auf dem Gotthardsberg 1629–1630 wieder aufbauen, dann erreicht der Krieg auch Amorbach. 1631 besetzen die Schweden das Kurfürstentum Mainz und das Hochstift Würzburg. Das inzwischen verwaiste, aber nicht verwüstete Kloster und die Herrschaft werden dem protestantischen Grafen Ludwig von Erbach geschenkt, der damit seine Odenwald-Herrschaft erweitern kann. Erst nach der Schlacht bei Nördlingen und dank den darauffolgenden kaiserlichen Rückeroberungen der kaiserlichen Armee kann der Konvent 1635 wieder zurückkehren, verliert aber im gleichen Jahr den Abt und sechs Konventualen durch die Pest. Auch in der Klosterherrschaft wütet die Seuche. Bei Friedensschluss 1648 sind die Dörfer des Odenwalds fast entvölkert und auch im Kloster leben nur noch 11 Mönche. Ein Glücksfall für Amorbach ist der 1639 gewählte Abt Placidus Fleck.[11] Er stärkt die Abtei nach dem Dreissigjährigen Krieg personell und investiert auch wieder in Bauvorhaben. 1660 beginnt er den Neubau des heutigen Westflügels als neuen Abteibau.[12]  1673 baut er die Krankenstation rechtwinklig an das Sommerrefektorium an. Sein Nachfolger Cölestin Mann,[13] der 1674 gewählt wird, muss während der Raubkriege des französischen Sonnenkönigs[14] mehrfache Truppendurchzüge kaiserlicher Heere und 1693 auch einen französischen Einfall in die Herrschaft erdulden. Die Abtei kann sich trotzdem weiter erholen. Der 1678 beginnende Neubau des nach Osten vorstossenden Konventflügels mit Dormitorium und Bibliothek und der Neubau des Amorbacher-Hofes in Neckarsulm zeugen davon. 

Amorbach1734
In der Festschrift zum tausendjährigen Jubiläum 1734 ist auch eine Vogelschau-Ansicht des Klosters Amorbach des Stechers Johann Salver enthalten. Der Stich zeigt auf Doppel-Folioformat unter drei Wappen (Stifter, Abt, Abtei)  die Klosteranlage von Westen. Rechts unten sind die Gebäude erläutert. Diese lateinische Legende des Zustandes von 1634 ist hier (bitte anklicken) in einer weiteren Erläuterung übersetzt.

Das 18. Jahrhundert
Die ersten beiden Klostervorsteher nach der beginnenden Friedenzeit, die Äbte Sanderad Breunig[15] und Joseph Haberkorn[16] halten sich mit Bauvorhaben im Klosterbereich noch zurück. Das Millenarium der vermeintlichen Klostergründung 734 ist Höhepunkt dieser ersten Friedenszeit. Abt Engelbert Kinbacher,[17] der 1727 um Abt gewählt wird, führt nicht nur die glanzvollen achttägigen Feiern durch, sondern ist auch Initiant des Kirchenneubaus von 1742 bis 1747. An der Klosterlandschaft, wie sie anlässlich des Jubiläums 1734 in einem Stich vorgestellt wird, ändert sich dabei wenig, weil die neue Kirche das Volumen und die Türme der alten Basilika übernimmt. Erst der 1778 gewählte letzte Abt Benedikt Külsheimer[18] beginnt 1783, nun schon in klassizistischer Zeit, mit grossen Neubauten. Er lässt die noch mittelalterlichen Klosterflügel um den Kreuzgang abbrechen, verlängert den westlichen Abteiflügel bis zur Kirche und fügt parallel einen langen Ostflügel an. Noch bis 1794 wird ausgestattet. Die Beweggründe, angesichts bereits beginnender Klosterauflösungen im Kurfürstentum, dürften vor allem in der grossen Finanzkraft der Abtei zu suchen sein. Zudem dürfte Abt Benedikt die kommende vollständige Enteignung allen Klosterbesitzes kaum geahnt haben. Jedenfalls kann er wenige Jahrzehnte nach dem Kirchenneubau nicht nur das grosse Bauvolumen aus Eigenmitteln bestreiten, sondern ist gleichzeitig auch potenter Kreditgeber. Die Revolutionskriege verändern die Lage. Ab 1792 muss Amorbach nebst den Neubauten auch enorme Kriegskontributionen verkraften. Ende des Jahrhunderts hat die Abtei deswegen wieder Schulden.

Säkularisation
1802 ergreift Fürst Carl Friedrich Wilhelm zu Leiningen Besitz von Amorbach und hebt nach den Bestimmungen des Reichsdeputations-Hauptschlusses[19] die Abtei 1803 auf. Die neuen Gebäude sind nun Residenz der Fürsten von Leiningen. Die Stiftskirche wird evangelisch-lutherische Schlosskirche. Die seit 1734 von 36 auf 24 Patres und Fratres geschrumpfte Klostergemeinschaft muss den Ort verlassen. 1806 mediatisiert Napoleon das Fürstentum Leiningen und teilt es dem Grossherzog von Baden zu. Mit dem Münchner Vertrag von 1816 findet der fürstliche Gebietsschacher ein Ende. Amorbach ist jetzt Teil des Königreichs Bayern.

Amorbach unter den Fürsten von Leiningen
Die Umwandlung in eine evangelisch-lutherische Kirche ist für die ehemalige Stiftskirche und ihre Rokokoausstattung kein Nachteil. Vor allem entgeht sie damit dem Abbruch. Sie wird von den neuen Besitzern sorgfältig unterhalten und muss auch keine barockfeindliche «Restauration» erleben. Schon früh ist sie in Musik- und Kunstkreisen wegen ihrer Orgel von 1774 berühmt.
Die noch kurz vor der Besitzergreifung entstandenen Konventflügel mit ihren klassizistischen Innenräumen bleiben ebenfalls mehrheitlich erhalten. Eingreifend sind nur die 1804 erfolgten Abbrüche des Haupttors und des Pfortengebäudes zur Stadt. Der Klosterplatz wird so zur Durchgangsstrasse. Auch die nahe Umgebung der Kirche erfährt entscheidende Veränderungen. Nördlich, im ehemaligen Kirchhof und gegenüber dem 1777 erbauten Freihof der Abtei, baut der englische Schwiegersohn des zweiten Fürsten von Leiningen 1818 die Vierflügelanlage des Marstalls.[20] 1903 wird der südlich an die Kirchenfassade angebaute Gasthof Adler abgebrochen.[21]
Die ehemalige Stiftskirche, dank ihrem seit der Säkularisation fast unveränderten Erhaltungszustand, muss bei der letzten Gesamtrestaurierung 2012–2015 innen lediglich gereinigt und konserviert werden. Auch die Saalräume der ehemaligen Konventgebäude sind inzwischen restauriert und unter Führung zu besichtigen.
Die ehemalige Klosterkirche

Die romanische Vorgängerkirche
1734 wird die romanische Basilika mit der Doppelturmfassade in der Begleitschrift zum Millenarium durch zwei Kupferstiche des Stechers Johann Salver dokumentiert. Pater Antonius Klug zeichnet 1732 einen skizzenhaften Grundriss der Kirche. Die Stiche, eine Vorzeichnung als Vogelschauansicht aus Osten und der skizzenhafte Grundriss sind die einzigen erhaltenen zeichnerischen Dokumente der Vorgängerkirche.[22] Sie ist, wie das spätere Barockbauwerk, eine Basilika mit Querschiff und halbrundem Chorabschluss, der aber direkt am Querhaus ansetzt und eine innere und äussere Krypta aufweist. Das Langhaus hat neun Joche.[23] Der den Laienraum vom Mönchschor trennende Lettner ist um zwei Joche oder um die Breite von zwei Querkapellen in das Langhaus vorgezogen. In beiden Bereichen sind je sechs Altäre vorhanden. Der vor dem Lettner liegende Kreuzaltar des Laienraums wird von einem in Form einer Kreuzkirche gestalteten Dachreiter auf dem Langhausdach betont. Der Kirchengrundriss und seine Abmessungen entsprechen der Kirche von Seligenstadt, deren Bau 830 begonnen wird. Deshalb wird die abgebrochene Basilika von Amorbach ebenfalls ins 9. Jahrhundert datiert. Eine Neuweihe findet zu Beginn der Regierung des Reformabtes Richard I. 1011 statt, die vielleicht dem Neubau des Querschiffes und Langhauses gelten. Sicher ist allerdings nur die Datierung der Doppelturmfassade. Sie wird 1100–1120 gebaut.[24] Die beiden Türme mit drei Schallarkaden-Geschossen ruhen auf einem schlichten Sockelbau mit der Höhe des Kirchenschiffs. Der Sockelbau ist mit wenigen Lisenen und ohne Bezug zu den Turmaufbauten rein dekorativ gegliedert.[25]

Der Kirchenneubau

1742–1744: Maximilian von Welsch und Franz Häffele
Anfänglich plant der seit 1727 regierende Abt Engelbert Kinbacher einen Umbau der mittelalterlichen Kirche. Zwar würde die Finanzlage der Abtei auch einen Neubau erlauben, aber offensichtlich sind Skrupel vorhanden, das mittelalterliche Bauwerk abzubrechen. Im Kloster glaubt man, dass mindestens die Doppelturmfront aus der karolingischen Gründungszeit stamme.[26] Der Bamberger Hofbaumeister Justus Heinrich Dientzenhofer[27] erstellt 1741 Massaufnahmen und einen ersten Umbauvorschlag. Er liefert 1742 weitere Risse. Sein Längsschnitt ist erhalten und zeigt Korrekturen von Balthasar Neumann, mit dem Dientzenhofer in diesen Jahren viel zusammen arbeitet.[28] Zu diesem Zeitpunkt arbeitet aber der kurmainzische Baudirektor und Generalmajor Maximilian von Welsch[29] bereits an der Neubauplanung. Abt Engelbert erteilt ihm 1741 den Planungsauftrag wegen der Zugehörigkeit von Amorbach zum Kurfürstentum Mainz. Mainz ist Genehmigungsinstanz des Neubaus, die Wahl also auch diplomatisch geschickt. Wahrscheinlich schreibt der Abt dem Mainzer Baudirektor den Erhalt beider Westtürme und die Basilikaform der Kirche in den alten Umrissen vor. Welsch nimmt dies fast wörtlich und plant die neue Kirche wieder als dreischiffige Basilika mit Querschiff und halbrund geschlossenem, aber verlängerten Chor. Er versetzt die Mittel- und Seitenschiffwände um Mauerstärke nach aussen und gewinnt so ein breiteres Mittelschiff. Deutlich sind an der neuen Kirche die architektonischen Wurzeln des kurmainzischen Baudirektors im klassizistischen französischen Barock ablesbar. Amorbach ist zudem das erste grössere Kirchenbauwerk des 71-jährigen Hofarchitekten. Man darf von Glück reden, dass ihm Abt Engelbert die basilikale Form in ähnlichen Ausmassen zur Bedingung gestellt hat.[30] «Sieht man den Aufbau dieses Innenraums vor dem Hintergrund der fränkischen, bayerischen und böhmischen Architektur des 18. Jahrhunderts und misst Welsch mit Neumann, Johann Michael Fischer oder den Dientzenhofern, so erscheint Amorbach erstaunlich einfallslos, schematisch, ja akademisch nüchtern, als hätte Welsch an dem unerschöpflichen Phantasiereichtum seiner Baumeisterkollegen keinen Anteil gehabt».[31] Versöhnlich stimmt dagegen die Gestaltung der vorgeblendeten Westfront. Die romanischen Türme werden mit Ausnahme der Hauben nicht angetastet.[32] Die rotfarbige neue barocke Giebelfassade hält Distanz. Mit ihrer Werksteinausführung bildet sie einen schönen Kontrast zu den verputzten romanischen Türmen. Ein ähnliche, ebenso überzeugenden Entwurf von Welsch ist für die dann nicht ausgeführte Fassade des Würzburger Doms bekannt. Die Amorbacher Fassade und auch ihre Freitreppenfortsetzung zum tiefer gelegenen Klosterplatz sind sehr gute Gestaltungen und gleichzeitig auch die letzten Planungen aus dem Zeichenbüro des kurmainzischen Baudirektors. Sein Mitarbeiter ist Johann Valentin Schick,[33] der alle Zeichnungen für Amorbach anfertigt und auch die gelegentliche Aufsicht für Welsch durchführt.
Ausführender Baumeister ist Franz Häffele oder Häffelein aus Gruppenbach bei Heilbronn.[34] Er liefert 1742 einen Entwurf mit Kostenvoranschlag für den Neubau und kann sich damit gegen Dientzenhofer durchsetzen. Erst Anfang 1743 folgt der endgültige Akkordauftrag. Häffele baut weitgehend nach Plänen des kurmainzischen Baudirektors, übernimmt aber Ausführungs- und Kostenverantwortung. Er erstellt in einer ersten Etappe den Chor und das Querhaus, die im Frühjahr 1744 gewölbt werden. Dann bricht er das Langhaus ab und führt es bis 1745 wieder hoch. Die kurzen Bauzeiten zeugen von einer guten Bauorganisation des inzwischen in Neckarsulm wohnhaften Baumeisters. Dass ihn die Klosterverantwortlichen nebst Welsch als weiteren wichtigen Beteiligten am Neubau sehen, zeigt die Begleitinschrift auf dem Kupferstich-Längsschnitt der Einweihungsschrift 1747. Er wird dort unter den fünf erwähnten Meistern des Bauwerks als «Francisco Heffelein Nicrosulmesni Murariorum Magistro» geehrt. Zudem ist er im Hauptfresko des Mittelschiffes, mit Dreispitz und Zollstock auf dem Gerüst stehend, als Baumeister dargestellt.

AmorbachA3   Die barocke Fassade und der Treppenaufgang
Die vorgeblendete barocke Fassade hält zu den romanischen Türmen respektvolle Distanz. Mit der neuen doppelten Freitreppe definiert der kurmainzischen Baudirketors Maximilian von Welsch den Kirchenzugang neu. Wenn man der Grundrissskizze 1732 (oben) glaubt, ist vorher hier kein Zugang. Anstelle des alten seitlichen Kirchenzugangs vom Freihof verbindet Welsch die Kirchenterrasse und den tiefergelegenen Platz der Schmiedgasse und schafft so eine überzeugende städtebauliche Lösung. Die Fassade und Freitreppe bilden eine Einheit. Diese überzeugende Gestaltung ist das grösste Verdienst der kurmainzischen Baudirketors.
Fotos (Bieri 2018):
Fassade (links); Treppe (unten); Figur der hl. Beatrix, einer Nebenpatronin, am Treppenaufgang (Mitte links); Wappenschild des Bauabtes Engelbert Kinbacher über dem Kircheneingang. Für Erläuterungen zum Wappen gehe zur Biografie des Abtes Engelbert in dieser Webseite.
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1745–1747: Die Innenraumgestaltung von Johann Michael Feichtmayr
Schon im Juni 1744 schliesst Abt Engelbert einen ersten Akkord mit Johann Michael Feichtmayr[35] und Johann Georg Üblher[36] für die Innenraumgestaltung. Die beiden Wessobrunner Stuckateure und Altarbauer sind seit 1739 massgebende Gestalter des Kirchenraums der Benediktiner-Abteikirche in Münsterschwarzach. Ab 1743 ist hier auch Matthäus Günther[37] als Freskant und Johann Wolfgang von der Auwera[38] als Bildhauer tätig. Abt Engelbert dürfte das 1743 eingeweihte Bauwerk von Balthasar Neumann gut kennen. Dafür spricht der Transfer der vier erwähnten Künstler nach Amorbach.
Der kurmainzische Baudirektor Maximilian von Welsch ist 1745 nochmals in Amorbach, von der Innenraumgestaltung kann er aber nur Kenntnis nehmen, denn Feichtmayr ist Entwerfer der gesamten Stuck- und Altarausstattung. Erst 1746, nach der Beendigung der gleichzeitig begonnenen Arbeiten an der Stiftskirche im oberösterreichischen Wilhering, ist auch Üblher für Amorbach tätig. Erwähnt wird er unter den fünf wichtigsten Meistern in der Einweihungsschrift 1747 nicht. Nur «Joanne Michaele Feichtmayer Augustano Gypsatore» findet Aufnahme. Als Stuckplastiker und offensichtliche Vertreter von Üblher sind in Amorbach die Wessobrunner Brüder Joseph und Johann Michael Schäffler aktenkundig.[39] Ein weiterer mitarbeitender Wessobrunner ist der Stuckmarmor-Spezialist Thomas Sporer.[40]
Im Akkord wird der Beginn der Arbeiten auf das Frühjahr 1745 festgelegt. Im November 1746 ist die gesamte Raumschale stuckiert. 1747 werden die Stuckmarmorarbeiten der Doppelpilaster und Chornischen beendet, auch die beiden Stuckmarmor-Seitenaltäre am Querhaus sind bis zur Einweihung am 5. November 1747 fertiggestellt.

1745–1749: Matthäus Günther als Freskant und Maler von Altarblättern
Kurz nach dem Stuckateur-Akkord schliesst Abt Engelbert im Juli 1744 mit dem Augsburger Maler und Freskanten Matthäus Günther den Akkord über den Freskenzyklus in den Deckengewölben der neuen Abteikirche. Er basiert auf einem Bilderprogramm des Abtes Engelbert. Die drei grossen Fresken im Mittelschiff des Langhauses sind dem Leben des hl. Benedikt gewidmet. Im Kuppelfresko der Vierung versammeln sich die wichtigsten alttestamentlichen Väter und die Heiligen des Benediktinerordens in einer Art Benediktinerhimmel um das Zentrum mit der Hl. Dreifaltigkeit und dem hl. Benedikt. Dieses Fresko signiert Günther 1745. Das Hauptfresko im Chor stellt die  Anbetung des apokalyptischen Lamms durch die 24 Ältesten dar. Insgesamt malt Günter 22 Deckenbilder. Das letzte Fresko an der Unterseite der Orgelempore, die Heilung des Lahmen durch Petrus und Johannes, signiert Günther 1747. Die in die Fresken übergreifenden Stuckaturen Feichtmayrs weisen auf eine gleichzeitige Tätigkeit von Freskant und Stuckateur hin.
Matthäus Günther ist auch Maler dreier Altarblätter. Für den Hochaltar liefert er 1749 das Blatt mit der Himmelfahrt oder der Aufnahme Mariens in den Himmel. Auch die beiden Seitenaltarblätter, am Kreuzaltar mit der Kreuzauffindung durch die hl. Helena und am Benediktsaltar mit der Weltvision des hl. Benedikt, sind seine Werke.

Die Altarausstattung
An der Einweihung vom 5. November 1747 sind erst die beiden Seitenaltäre fertig. Noch fehlen der Hochaltar, alle Altäre der Seitenschiffe und auch die Kanzel. Johann Michael Feichtmayr, der vermutlich Entwerfer aller Altäre ist,[41] übernimmt in den 1747 fertiggestellten Stuckmarmorpilastern und Stuckmarmor-Seitenaltären die Steintextur des Hochaltars. Dieser ist in Natur-Marmor aus der Lahngegend geplant. Die Steine werden 1746 bestellt. Der rötliche Lahnmarmor des erst 1750 von der Feichtmayr-Werkstatt vollendeten Hochaltars bestimmt aber seit 1746 Farbkonzept und Textur aller Stuckmarmor-Pilaster und -Altäre.
Das Hochaltarretabel ist sechssäulig, die äusseren vier Säulen greifen in den Chorraum vor, dessen Breite und Höhe es übernimmt. Speziell reich gestaltet Feichtmayr den Baldachin-Auszug mit der Figurengruppe der Hl. Dreifaltigkeit. Über dem Altarblatt der Himmelfahrt Mariens von Matthäus Günther ist ein mit einem Fürstenhut bekröntes Prunkwappen angebracht. Er hat keinen Bezug zum Kirchenneubau. Der ursprüngliche Wappenschild des Abtes Engelbert wird im 19. Jahrhundert durch die neue Besitzerfamilie völlig verändert.[42]
Die beiden Seitenaltäre werden, weil sie an der Ostwand des Querhauses aufgestellt sind, auch als Querhausaltäre bezeichnet. Auf deren üblichen Lage an den Stirnseiten des Querhauses wird in Amorbach offensichtlich zu Gunsten einer gleichzeitigen Wahrnehmung mit dem Hochaltar verzichtet, was durch ihr Hineinrücken in die Vierung noch betont wird.[43] Sie übernehmen in reduzierter Form die Architektur des Hochaltar und sind an der Einweihung 1747 schon aufgestellt.
Völlig anders sind die sechs Langhausaltäre konzipiert. Sie sind in drei Jochen der durchgehenden Seitenschiffe jeweils unter dem Fenster angeordnet und damit in der Höhe beschränkt. Nur ihre filigranen Oberstücke ragen in das Fensterlicht. Die beiden mittleren Altarretabel enthalten Gemälde von Oswald Onghers[44] aus der alten Abteikirche. Diese beiden, 1748 aufgestellten Retabel werden dank den reichen Rokoko-Gemälderahmen mit Korallenriffen verglichen. Einfacher sind die restlichen vier, erst 1751 vollendeten Stuckmarmor-Retabel. Sie enthalten Nischen mit Figuralplastik. Drei Statuen sind Werke des Bildhauers Johann Wolfgang van der Auwera.[45] Im Marienaltar fehlt die Statue.[46]

AmorbachHochaltar   AmorbachAltarblattHochaltar   AmorbachHochaltarAuszug   AmorbachSeitenaltar
1)   Der Hochaltar wird von der Feichtmayr-Werkstatt 1750 aufgerichtet. Das Retabel ist sechssäulig, die äusseren vier Säulen greifen in den Chorraum vor, dessen Breite und Höhe es übernimmt. Die Säulen aus Natur-Marmor der Lahngegend werden schon 1746 geliefert und bestimmen Farbkonzept und Textur aller Stuckmarmor-Pilaster und-Altäre.
2) Matthäus Günther liefert 1749 das Hochaltar-Blatt der Mariä Himmelfahrt. Foto: Bieri 2010.
3) Speziell reich gestaltet Feichtmayr den Baldachin-Auszug des Hochaltars mit der Figurengruppe der Hl. Dreifaltigkeit. Über dem Altarblatt ist ein mit einem Fürstenhut bekröntes Prunkwappen angebracht. Es hat keinen Bezug zum Kirchenneubau. Der ursprüngliche Wappenschild des Abtes Engelbert wird im 19. Jahrhundert durch den Wappenschild der neuen Besitzer ersetzt.
Foto: Maulaff 2017 in Wikipedia.
4)  Sechs baugleiche Langhausaltäre sind in drei Jochen der durchgehenden Seitenschiffe jeweils unter dem Fenster angeordnet und damit in der Höhe beschränkt. Nur ihre filigranen Oberstücke ragen in das Fensterlicht. Die Feichtmayr-Werkstatt liefert den mittleren südlichen Altar nach der Einweihung 1747. Er enthält ein Altarblatt aus der Vorgängerkirche mit der Darstellung des Martyriums des hl. Placidus und seiner Gefährten, das Oswald Onghers 1662 malt. Foto: Bieri 2018.

Ausstattungen durch Würzburger Hofkünstler
Dominierendes Prachtstück im Langhaus-Mittelschiff ist die Kanzel am ersten Pfeiler der Südseite. Sie ist ein Werk von Johann Wolfgang van der Auwera. Er stellt sie 1752 auf. Sie wird durch eine Doppeltreppe mit durchbrochener Balustrade in Muschelwerk erreicht. Die überreiche Vergoldung folgt erst 1766. Vom Figurenschmuck mit Benediktinerheiligen fehlen seit 1866 drei Figuren am Kanzelkorb.[47]
Vielleicht nach einem Entwurf von Johann Wolfgang van der Auwera fertigt der Schlossermeister des Würzburger Domkapitels, Marx Gattinger,[48] 1748–1750 die vorzüglichen Rokokogitter, welche das Langhaus zum Querhaus schliessen.

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Die Querhaus-Abschlussgitter des Würzburger Schlossermeisters Marx Gattinger, gesehen Richtung Langhaus. Fotos: Bieri 2010/18

Auch Johann Adam Gutmann,[49] dem bereits 1744 das Chorgestühl übertragen wird, führt in Würzburg ein Bildhauerwerkstatt. Nebst dem Chorgestühl erstellt er auch das Eingangsportal. Von seiner Werkstatt dürften auch die nach der Säkularisation in die Pfarrkirche verlegten Rokoko-Beichtstühle stammen. Sie zeigen eine bedeutend höhere Qualität als das phantasielose Chorgestühl.

Die Orgeln des 18. Jahrhunderts
Im Kircheninnenraum befinden sich im späten 18. Jahrhundert zwei grosse Orgeln.
Anlässlich der Einweihung 1747 ist die Emporenorgel im südlichen Querschiff bereits vorhanden. Sie ist ein Werk des Orgelbauers Barthel Brünner aus Würzburg. Diese Orgel (II/P/20) mit einem reichen Rokokoprospekt wird 1839 nach Erfelden verkauft, wo sie noch heute das Schmuckstück der evangelischen Kirche ist.
Die grosse Westorgel wird erst 1774 durch den Abt Hyazinth Breuer bei den Orgelbauern Johann Philipp und Johann Heinrich Stumm[50] in Sulzbach bestellt. Das Gehäuse ist eine Anfertigung der Klosterwerkstätten mit Figuralschmuck der Brüder Schäfer aus Karlstadt. Die Brüder Stumm liefern die Orgel 1782. Dieses grosse Orgelwerk (III/P/45) der zweiten Generation der bekannten Orgelbauerdynastie wird letztmals 1982 umgebaut.[51] Es ist heute auf 66 Register vergrössert (IV/P/66), weist aber noch immer 25 ganz oder teilweise erhaltene Register der Erbauungszeit auf. Der Orgelprospekt ist original erhalten. Trotz klassizistischer Zeit ist der Barock in der bewegten Gestaltung klar zu spüren. Die Orgelempore misst zwischen den beiden Westtürmen sieben Meter. Damit der Orgelprospekt die Breite des Mittelschiffs (10,13 Meter) erreicht, sind die flankierenden 16-Zoll Orgeltürme in den Raum vorgezogen und stehen damit vor der Westturmfront. Unter dem Oberwerk ist im Mittelfeld des Orgelprospektes ein schön integriertes, grosses Uhr-Zifferblatt zu sehen. Der darüberliegende Wappenschild mit dem riesigen Fürstenhut ist das im 19. Jahrhundert angebrachte Wappen Leiningen.

Der Konventneubau des Klassizismus

Generalplanung für eine Klosterresidenz unter Abt Benedikt Külsheimer
1782 erhält der letzte Abt der Benediktinerabtei, Benedikt Külsheimer, vom Mainzer Hof die Genehmigung für einen Neubau der Konventbauten. Er zieht Franz Ignaz Michael Neumann[52] für die Neuplanung bei. Dieser hält sich fünf Monate in Amorbach auf und plant eine völlige Neuanlage der Konvent- und Ökonomiegebäude, in der nur die Kirche von 1747, der neue Abteiflügel (1660) und dar nach Osten vorstossende Konventbau (1678) integriert werden. Anstelle der Konventflügel südlich der Kirche soll ein grosszügiger Klosterhof entstehen, östlich des Abteiflügels (1660) ist eine Zweihofanlage mit neuem Ostflügel geplant. Die Konzeptplanung Neumanns ist allerdings nur in einer nachgezeichneten Ideal-Vogelschauansicht von 1791 erhalten und zeigt vor allem im Bereich des südlichen Klosterhofes enorme Schwächen. Diese Hofbebauung wird in der Folge auch nicht ausgeführt.

1783: Abbruch der alten Konventflügel und Verlängerung des Abteiflügels
Gemäss dem Konzept Neumann verlängert 1783 Baumeister Johann Adam Becker[53] den Abteiflügel bis zum Querhaus der Kirche. Diese 1660 erstellte südliche Verlängerung des 1468 gebauten Dormitorium-Ostflügels wird jetzt, nach dem Abbruch der alten Konventflügel, neuer und bis heute bestehender Westflügel mit 40 Fensterachsen. Seine Verlängerung nimmt die schlichte Architektur des Abteiflügels von 1660 auf. Weil mit dem Abbruch der alten Konventflügel um den Kreuzganghof nun die interne Verbindung zum rückwärtigen Teil der Kirche fehlt, wird entlang der Kirchensüdseite der «Kirchgang» geschaffen. Offenbar aus Pietätsgründen finden hier romanische Säulen des alten Kreuzgangs eine neue Verwendung.[54]

1784–1787: Bau eines neuen Ostflügels
Gemäss dem Konzept von Franz Ignaz Michael Neumann baut Baumeister Becker anschliessend den 25-achsigen Ostflügel, den «Neuen Konventbau». Dieser dreigeschossige Neubau mit Mittel- und Eckrisaliten ist parallel zum Abteigebäude gelegt, mit dem er durch den Konvent-Stichflügel von 1678 und einem neuen westlichen Abschlussflügel verbunden ist. Der repräsentative Ostflügel beginnt mit dem freigestellten Nordrisalit, der vor den Chor der Klosterkirche zu liegen kommt.[55] Hier befindet sich im ersten Obergeschoss die zweigeschossige Bibliothek. Der Bibliotheksrisalit ist, wie auch der südliche Eckrisalit mit dem grossen Festsaal, in noch barocker Manier mit einem Mansarddach betont und wird vielleicht deswegen auch als Pavillon bezeichnet. Nur der Mittelrisalit ist durch ein klassizistisches Frontispiz überhöht. In ihm prangt der vom Mainzer Bildhauer Pfaff[56] geschaffene Wappenschild des Abtes Benedikt.[57] Die Architektur des neuen Konventbaus ist schlicht. Diese Wirkung wird durch die unverputzte Fassade in unruhigem, rotem Mainsandstein verstärkt, von der sich die sorgfältig bearbeiteten Werksteinelemente der Pilaster, Fenstergewände, Fensterverdachungen und auch die Bildhauerarbeiten kaum abheben. Offensichtlich rechnet der Erbauer ursprünglich mit einem Verputz, der dann vielleicht auf Grund der Revolutionskriege nicht mehr verwirklicht wird.

Die klassizistische Innenausstattung der Konventflügel 1788–1800
Am Vorabend der Französischen Revolution wird in Amorbach mit dem Innenausbau der im Rohbau fertigen neuen Bauten und der umgebauten alten Abtei- und Konventflügel begonnen. Abt Benedikt will die wichtigsten Räume nach dem neuen Ideal der klassischen Antike einrichten. 1788–1791 ist der Gernsheimer Stuckateur und Bildhauer Andreas Dittmann[58] Schöpfer der neuen klassizistischen Raumgestaltungen. Er beginnt mit der Prälatur im neuen verlängerten Abteiflügel, kann dann den grossen Festsaal (den «Grünen Saal») im ersten Obergeschoss des Südost-Risalites, das Refektorium im Erdgeschoss des neuen Ostflügels und die alten Abteiräume im Abteiflügel von 1660 ausstatten. Sein Mitarbeiter Joseph Bonaventura Berg[59] vollendet nach dem Weggang Dittmanns 1791–1800 die Bibliothek im Nordostrisalit. Die Räume Dittmanns strahlen eine heitere klassische Eleganz aus, die auch durch ihre Farbigkeit überzeugen. Für die grossen Deckenfresken der Bibliothek und des Refektoriums gewinnt der Abt den in Weissenhorn wohnhaften Freskanten Konrad Huber.[60]

Die Bibliothek
Der Bibliotheksraum ist das im nordöstlichen Abschlussrisalit liegende Gegenstück zum südöstlichen Festsaal. Er ist zweigeschossig, seine Muldendecke liegt im Dachgeschoss und der Eingangs-Mittelteil ist abgesenkt. Die Wirkung mit den umlaufenden tiefen, freitragenden Galerien ist deshalb dreigeschossig. Verglaste, von Pilastern gerahmte, zweitürige Schränke umziehen den Raum in allen drei Geschossen. Im Deckenfresko des Muldengewölbes nimmt Konrad Huber 1790 das Thema des Bundes von Weisheit und Tugend auf. Der Bibliotheksaal, bis ins letzte Detail künstlerisch durchgestaltet, ist trotz seiner klaren klassizistischen Haltung der letzte der Bibliotheksäle in barocker Tradition. Als der Fürst von Leiningen 1802 die Abtei in Besitz nimmt, ist der Bibliotheksaal soeben vollendet. Er ist mit Ausnahme seines Bücherbestandes noch original erhalten. Dieser wird im 19. Jahrhundert fast vollständig veräussert oder vernichtet.


Die Wappen und Siegel

Das Abteiwappen im 18. Jahrhundert
Seit dem frühen 18. Jahrhundert ist der Wappenschild gespalten und zweimal geteilt. Er hat damit sechs Felder. In ihnen sind die drei Klosterinsignien Lilie, Krone und Löwe in jeweils umgekehrter Symmetrie enthalten. Feld 1 und 6 zeigen in Blau drei goldene oder silberne Lilien (2:1). Feld 2 und 5 enthalten in Rot drei goldene Kronen (2:1). In Feld 3 und 4 ist in Blau ein silberner Löwe zu sehen, derjenige in Feld 3 ist gewendet. Meist ist dieses Wappenschild der Abtei mit einem zusätzlichen Herzschild versehen, der das persönliche Wappen des Abtes enthält.
Dieses eigentliche Wappen der Abtei Amorbach (Signa Domum) wird 1734 im Stich der Gründungslegende mit «1. Lilia, 2. Serta, 3. Leo», also als Einheit von drei Wappenfiguren bezeichnet. Im erwähnten Stich sind die Wappen den Gründerfiguren zugeordnet. Die drei Lilien sind die Zeichen von Karl Martell und Pippin und entsprechen der bekannten französischen Fleur-de-Lys. Die drei goldenen Kronen sind das erfundene Wappen des legendären Stifters Graf Ruthard von Frankenberg. Dem vermeintlichen Gründer Pirmin ist der Löwe zugeordnet. Diese Zuordnungen beschreibt Abt Sanderad, der 1713–1725 regiert. Sie sind in der Festschrift von 1736 auf Seite 10 nochmals ausführlich aufgeführt.[61] Debon bestätigt1856: «Die Lilien gelten als Zeichen Karl Martells und Pippins, die Kronen hält man für die Insignien Frankenberg, während der Löwe den Benediktinerorden andeutet».[62]   AmorbachWappen1

Konvent- und Stadtsiegel

Das oben beschriebene Wappen der Abtei mit seinen sechs Feldern wird erst Anfang des 18. Jahrhunderts definiert. Noch Abt Cölestin verzichtet Ende des 17. Jahrhunderts auf die drei Kronen.[63] Sein Schild ist lediglich geteilt, das obere Feld zeigt sein persönliches Wappen, unten greift der Löwe nach den drei Lilien.
Älter, und wahrscheinlich der Vorläufer des Abteiwappens, ist das Konventsiegel. In spätgotischer Form ist es bei Debon 1856 abgebildet. Es zeigt die stehende Muttergottes mit Kind, Krone und Zepter und nimmt damit Bezug auf die Kirchenpatronin.
Obwohl die Stadt Amorbach sich gegen das Kloster schon früh mit Stadtmauern abtrennt und auch meist in Rechtsstreitigkeiten verwickelt ist, ist in ihren Siegeln bis zum 17. Jahrhundert immer die mehrtürmige Abteikirche abgebildet.
  AmorbachWappen2
Auf einer Urkunde von 1290 ist das älteste bekannte Stadtsiegel zu sehen. Es zeigt die beiden Westtürme, den markanten Dachreiter über dem Kreuzaltar der querschifflosen Kirche und eine turmartige Verzierung über dem Chor.
Als Stadtwappen ist die Kirchendarstellung des Stadtsiegels bis zur Säkularisation unbekannt. Erst nach 1803 wird das vorher gebräuchliche Wappen mit dem Mainzer Rad[64] durch ein Wappen mit vier Stadttürmen ersetzt.
Heute zeigt das Wappen der Stadt Amorbach eine neue Version des alten Stadtsiegels. In Grün ist eine silberne, basilikale und rotgedeckte Kirche in Seitenansicht zu sehen, die beidseits markante und ebenfalls rotgedeckte Türme aufweist. Ein kleinerer Turm hinter dem Langhaus und ein oktogonaler Dachreiter vervollständigen die Turmlandschaft. Das komplizierte Wappen ist eine heraldische Fehlleistung der Moderne.
  AmorbachWappen3


Pius Bieri 2018

Literatur

Gropp, Ignatius: Aetas mille annorum antiquissimi et regalis Monasterii B. M. V. in Amorbach. Francofurti 1736.
Debon, Andreas: Historisch-topographische Skizze der Stadt und des vormaligen Klosters Amorbach. Würzburg 1856.
Mader, Felix und Karlinger, Hans: Die Kunstdenkmäler von Unterfranken und Aschaffenburg, Bezirksamt Miltenberg. München 1917.
Schröder, Brigitte: Mainfränkische Klosterheraldik. Würzburg 1971.
Gorenflo, Roger M.: Abteikirche Amorbach. Die mittelalterliche Baugeschichte. Frankfurt 1983.
Oswald, Friedrich und Störmer, Wilhelm (Hrsg.): Die Abtei Amorbach im Odenwald. Sigmaringen 1984.
Oswald, Friedrich: Amorbach. Ehemalige Benediktinerabtei. Kunstführer. Regensburg 1999.
Maier, Eva: Stuckmarmor und Raumgestaltung. Johann Michael Feichtmayrs Stuckmarmorausstattungen sakraler Innenräume und deren Bedeutung. München 2012.
Landmann, Franz und Springer, Bernhard: Ignatius Gropp. Historia Monesterii Amorbacensis. Die Chronik des Klosters Amorbach aus dem Jahr 1736. Aus dem Lateinischen übersetzt von Franz Landmann. Amorbach 2014.


Anmerkungen:

[1] Die Nord-Süd Verbindungen im Odenwald sind schon um 700 Handelswege. Der für Amorbach wichtige Weg beginnt am Mainübergang Wallhausen (bis 1977 Hauptbahnhof, heute Güterbahnhof Miltenberg, auch Miltenberg-Altstadt genannt) und folgt dem Mudbach über Amorbach und Mudau in Südrichtung über den Odenwald ins Tal der Elz und zum Neckar. Drei Wegstunden westlich verläuft fast parallel der ältere römische Odenwald-Limes zum Kastell Wimpfen am Neckar. In ähnlicher Entfernung liegt östlich der jüngere, schnurgerade nach Süden führende obergermanische Limes. Amorbach liegt damit in der Mitte zweier ehemaligen römischen Grenzbefestigungen.
Auch die West-Ost Verbindung von der Reichsabtei Lorsch (erst 764 gegründet!) über Eulbach durch den Odenwald nach Amorbach und weiter nach Würzburg dürfte als Saumpfad schon zur Gründungszeit vorhanden sein. Ob dieser Weg zu Zeiten von Karl Martell als «wichtige Fernstrasse» bezeichnet werden darf, ist bei den vielen Quertälern mit ihren Aufstiegen und der damaligen Bevorzugung der Wasserwege zu bezweifeln. Noch auf der Karte des Amtes Amorbach von Nikolaus Person (1660–1710) ist nur eine von Amorbach nach Süden führende «Mainzische Gleit-Strass» eingetragen. Das Amorbacher Verkehrskreuz zweier «Fernstrassen» wird trotzdem in der neueren Literatur als Gründungsmotiv für die Abtei Amorbach angeführt.

[2] Amorsbrunn liegt 20 Fussminuten von der Abtei entfernt im Tal des Otterbachs, an der Strasse nach Michelstadt. Hier entspringt eine später wundertätige Quelle. Siehe zu Amorsbrunn https://de.wikipedia.org/wiki/Amorsbrunn.

[3] Aetas mille annorum antiquissimi et regalis Monasterii B. M. V. in Amorbach. Gropp, Ignatius. - Frankfurt a. M. 1736. Gropp beschreibt hier die legendäre Gründung durch den hl. Pirmin und die Äbteviten. Den ersten Abt nennt er Amor, der später als hl. Amor von Amorbach verehrt wird. Dieser Amorbacher Heilige ist allerdings eine freie mittelalterliche Erfindung. Als ersten Abt setzt Karl Martell mit Sicherheit einen ihm loyalen Gefolgsmann ein. Dass der hl. Pirmin mitgewirkt hat, ist möglich. Sicher ist er aber nicht Gründer.

[4] Der legendäre Stifter wird als «Letzter» der Grafen von Frankenberg bezeichnet. Noch heute wird er mit Ruthard dem Älteren, dem Vater des welfischen Gaugrafen Ruthard, verwechselt. Dieser ist damals Organisator Alemanniens für den fränkischen Hausmeier Pippin. Das Wirkungsgebiet des Gaugrafen Ruthard ist aber auf den Breisgau, das Elsass und den Argengau nördlich des Bodensees beschränkt. Zudem leben die Grafen der karolingischen Zeit nicht auf Höhenburgen. Deren Bau als Wohnburgen setzt frühestens im 10. Jahrhundert ein. Eine Höhenburg auf dem Gotthardsberg wird erstmals im 12. Jahrhundert anlässlich ihrer Zerstörung durch Barbarossa erwähnt. Sie kann um 720 nicht Sitz eines legendären Grafen Ruthard von Frankenberg sein. Die Vermischung von hochmittelalterlichen Infrastrukturen mit der um einige Jahrhunderte älteren Abteigründung ist bis heute Grundlage der widersprüchlichen Geschichtsschreibung über Amorbach.

[5] Patto oder Spatto ist Abt von Amorbach und von Neustadt am Main, um 781–788 vermutlich auch erster Bischof von Verden. Ihm folgen weitere Amorbacher Äbte als Bischöfe. Im «Chronicon Verdense» (1720) sind diese Bischöfe beschrieben, allerdings mit einem legendären hl. Suitbert an erster Stelle. Zum «Chronicon» 1720 siehe:
https://opacplus.bsb-muenchen.de/metaopac/search?View=default&db=100&id=BV022864290.
Zur Bistumsgründung in Verden und Bremen siehe die Darstellung «Dei et Apostolicae Sedis Gratia» unter:
https://elib.suub.uni-bremen.de/edocs/00102545-1.pdf.

[6] amarus (lat.), neuhochdeutsch: bitter, widerlich, lästig, herb, empfindlich, reizbar, beissend, verletzend.

[7] Die Heiligenvita des ersten Abtes Amor ist noch heute, völlig unkritisch übernommen, im Ökumenischen Heiligenlexikon abrufbar (https://www.heiligenlexikon.de/BiographienA/Amor_von_Amorbach.html).

[8] Die Bezeichnung bedeutet den Schutz durch die karolingischen Herrscher und auch Immunität. Die später gegründeten Klöster Lorsch und Fulda erhalten von den Karolingern allerdings deutlich mehr Privilegien. Im Gegensatz zu Amorbach sind sie auch Reichsklöster und damit in die karolingische Reichspolitik eingebunden.

[9] Die Zugehörigkeit zu Mainz dauert 1656 bis 1816. Mit der Bereinigung der Bistumsgrenzen entsprechend den Landesgrenzen liegt Amorbach heute wieder im Bistum Würzburg.

[10] Erhard Leyendecker (um 1570–1635) aus Geisenheim, Eintritt in Amorbach 1592, Profess 1595, 1599 Priesterweihe, Abt in Amorbach 1617–1635. Er stirbt an der Pestepidemie, zusammen mit acht Konventualen.

[11] Placidus Fleck (1616–1674) aus Königshofen, Profess 1636, wird 23-jährig zum Abt gewählt. In seiner Regierungszeit bis 1674 treten 39 Novizen in das Kloster ein.

[12] Das 27 Achsen zählende Gebäude wird 1783 mit zusätzlichen 13 Achsen bis zur Kirche verlängert.

[13] Cölestin Mann (1636–1713) aus Würzburg, Profess 1656, 1661 Priesterweihe.

[14] Im Holländischen Krieg 1672–1679 ist 1677 vor allem der Breisgau, im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1688–1697 die Pfalz (Heidelberg) und Baden-Baden betroffen. Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714) bleiben die Mainzer und Würzburger Hochstifte weitgehend verschont. Kriegskontributionen muss Amorbach aber auch hier leisten.

[15] Sanderad Breuning (1657–1725) aus Walldürn, Profess 1676, regiert 1713–1725.

[16] Joseph Haberkorn (1675–1727) aus Amorbach, Neffe des Abtes Cölestin Mann, Dr. theol. et iuis utr., apostolischer Pronotar, Profess 1694, regiert 1725–1727.

[17] Engelbert Kinbacher (1692–1753) aus Buchen, Eintritt in Amorbach 1711, Priester 1716, Abt in Amorbach 1727–1753. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[18] Benedikt Külsheimer (1731–1815) aus Bischofsheim an der Tauber, Profess 1754, Abt in Amorbach 1778–1803.

[19] Auszug Artikel 20: «Dem Fürsten von Leiningen: die Mainzischen Aemter Miltenberg, Buchen, Seligenthal, Amorbach und Bischofsheim; die von Wirzburg getrennten Aemter: Grünsfeld, Lauda, Hartheim und Rückberg; die pfälzischen Aemter: Boxberg und Mosbach, und die Abteyen Gerlachsheim und Amorbach».

[20] Bernhard Peter in «Welt der Wappen» beschreibt die Bauentstehung des Marstalls wie folgt: «Nach dem Tod ihres ersten Mannes heiratete die verwitwete Marie Luise Victoria am 29.5.1818 in Coburg Edward Augustus Duke of Kent and Strathearn, Prince of Great Britain (2.11.1767-16.3.1820). Dieser gab den Bau des Amorbacher Marstalls in Auftrag und liess dafür sogar eigens Architekten und Handwerker aus England kommen. Das Paar wohnte zunächst knapp ein Jahr lang in Amorbach, zog dann aber im April 1819 nach London, wo es 1819 eine Tochter bekam, Victoria, die spätere Queen Victoria. Der Herzog von Kent, der die Leiningen-Witwe geheiratet hatte, war nämlich der Sohn von George III., König von Grossbritannien und Irland, König von Hannover (4.6.1738-29.1.1820). Nach diesem wurden erst seine Brüder König, George IV. und dann William IV., und als letzterer 1837 starb, ging die Thronfolge auf seine Tochter Victoria über».

[21] Das mittelalterliche Gasthaus zum Adler ist bis 1903 direkt an die Freitreppe angebaut und bis zu den Klosterabbrüchen 1783 vorstehender Teil des westlichen alten Konventflügels. Der Freistellungswahn, entsprechend damaliger Idealvorstellungen, führt zum Kauf und Abbruch des Gebäudes. Damit wird auch der letzte Teil eines geschlossenen Klosterplatzes beseitigt.

[22] Die Stiche in Aetas mille annorum antiquissimi (1736). Die Aufnahmepläne von Justus Heinrich Dientzenhofer von 1741 sind nicht erhalten. Hingegen können aus seinem Umbauprojekt Rückschlüsse gezogen werden.

[23] Gemäss dem Umbauprojekt von Justus Heinrich Dientzenhofer 1742. Die Achsbreite der Joche beträgt damit um die 340 Zentimeter.

[24] Baubeginn um 1100, die Türme 1111 bis zum zweiten Schallarkaden-Geschoss fertig (Dendrochronologischer Befund). Wahrscheinliche Fertigstellung vor 1120. Vor diesem Datum ist die Kirche ohne Türme. Trotz dieser seit 1983 klaren Faktenlage wird der Bau der Westtürme noch in der neuesten Literatur als «stolze Überbleibsel des kluniazensischen Gründungsbaues des Marienmünsters aus der Zeit des Abtes Richard» ins frühe 11. Jahrhundert verlegt. (Neuausgabe von «Amorbach, das Marienmünster im Odenwald», Miltenberg 2003).

[25] Noch einfacher und ohne jede Gliederung ist die Doppelturm-Westfassade der Aureliuskirche Hirsau (1059), wahrscheinlich auch diejenige der um 1025/50 erbauten Stiftskirche von Schönenwerd (beide Westfronten sind heute abgebrochen). Die älteste bekannte Doppelturm-Westfassade über einem Sockelbau ist Saint Philibert in Tournus (1000–1019). Sie zeigt in der vertikalen Gliederung des Sockelbaus ebenfalls keinen Bezug zur Turmgliederung. Hingegen weisen die wenig späteren, gleichartigen Doppelturm-Westfronten in Marmoutier und Lautenbach im Elsass eine durchgehende vertikale Lisenengliederung auf.

TournusWestfassade   HirsauRomanischeWestfassade   MarmoutierRomanischeWestfassade   LautenbachRomanischWestfassade   Romanische Doppelturm-Westfassaden mit Baudatum vor Amorbach:
1. Saint Philibert Tournus 1000–1019
Foto: D. Villafruelain Wikipedia
2. Sankt Aurelius Hirsau 1059
Quelle: Dehio 1892
Romanische Doppelturm-Westfassaden mit Baudatum nach Amorbach:
3. Stiftskirche Marmoutier 1140–1150
Foto: Paul M.R. Maeyaert in Wikipedia
4. Stiftskirche Lautenbach 1150–1170
Quelle: Bibliothèque nationale de France

[26] Doppelturm-Westfassaden in der Art von Amorbach sind vor dem 11. Jahrhundert unbekannt. Siehe dazu den Artikel in der Wikipedia. Die schon damals ungenügende Quellenlage in Bezug auf die Kirche veranlasst Pater Antonius Klug 1732 zu dieser Aussage.

[27] Justus Heinrich Dientzenhofer (1702–1744), als Sohn von Johann Dientzenhofer (Fulda, Banz, Pommersfelden) in Fulda geboren. Er arbeitet mehrfach nach Planungen von Balthasar Neumann. Siehe zu ihm auch den Beitrag in der Wikipedia. Zu Johann Dientzenhofer und Balthasar Neumann siehe die Biografien in dieser Webseite.

[28] Neumann erhält 1742 für seine Bemühungen 25 Gulden und 30 Kreuzer, was eine Entwurfsplanung ausschliesst.

[29] Maximilian von Welsch (1671–1745). Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[30] Welsch hat längst den Anschluss an die zeitgenössische süddeutsche Sakralarchitektur verpasst. Beleg ist sein Kirchenbauentwurf für den Neubau der Wallfahrtskirche von Vierzehnheiligen. Das verheerende Projekt, das Welsch 1744 an den Abt von Langheim abliefert, ist eine ins Bombastische vergrösserte Amorbacher Basilika. Ihre Vierungskuppel hätte die Höhe von 298 Fuss oder 87 Meter (Würzburger Fuss) bis 93 Meter (Mainzer Fuss) erreicht. Der Auftrag geht dann an Balthasar Neumann. Die nach Neumanns Plänen anschliessend gebaute, berühmte Wallfahrtskirche von Vierzehnheiligen hätte im Querhaus des Projektes Welsch Platz gefunden.

[31] Bernhard Schütz 1984 in «Die Abteikirche in Amorbach». Die gleiche Wertung könnte man für alle Kirchen des 18. Jahrhunderts im französischen Einflussbereich anbringen.

[32] Sie sind noch im Stich der Einweihungsschrift, der sich an den Plänen von Welsch orientiert, barock umgestaltet. Im Fresko der Vierungskuppel stellt Matthäus Günter die Fassade 1745 aber schon im heutigen Zustand dar, was zeigt, dass die respektvolle Behandlung der Türme dem Abt zu verdanken ist.

[33] Johann Valentin Schick († 1774 in Mainz) ist im Regimentsangehöriger im Regiment Welsch, 1746 im Rang eines Fähnrichs und bei seinem Tod 1774 im Rang eines Hauptmanns. Er zeichnet alle (heute verschollenen) Pläne zu Amorbach.

[34] Franz Häffele, auch Häffelein, Häfele (um 1711–1785) aus Gruppenbach bei Heilbronn. Er arbeitet vorher für den Grafen Ludwig Xaver Fugger und baut für diesen 1735 ein Kapuzinerhospiz und eine Kapelle auf dem Fuggerschloss Stettenfels ob Gruppenbach. Diese Bauten werden nach konfessionellen Auseinandersetzungen in ihrem Erbauungsjahr durch die protestantische württembergische Regierung abgerissen. Die Wichtigkeit der Baumeistertätigkeit Häffeles in Amorbach wird in der neueren Literatur völlig unterschätzt. Teilweise wird er als Bauführer bezeichnet. 1745 zieht Häffele nach Neckarsulm und ist vor allem für Ballei Franken des Deutschen Ordens als Baumeister tätig. Zu seinen Werken siehe auch den Beitrag in der Wikipedia.

[35] Johann Michael Feichtmayr (1710–1772) aus Wessobrunn, Werkstatt in Augsburg. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[36] Johann Georg Üblher (1703–1763), auch Üblhör, aus Wessobrunn. Hofstuckateur und Bildhauer in Kempten. Er heiratet 1741 eine Tochter des Wessobrunner Baumeisters und Stuckateurs Joseph Schmuzer. Bei der Zusammenarbeit mit den Feichtmayr-Brüdern übernimmt er in der Regel die Figuralplastik. Siehe zu ihm die Biografie in der Wikipedia.

[37] Matthäus Günther (1705–1788) aus Tritschenkreut bei Peissenberg, ist 1725–1727 Geselle bei Cosmas Damian Asam. Er erwirbt 1731 in Augsburg die Meistergerechtigkeit. Er ist bedeutender Freskant. Seine frühen Werke sind vor allem in den Sakral-Neubauten von Joseph Schmuzer (Garmisch 1732, Welden 1732, Peissenberg 1734, Tölz 1737, Rottenbuch 1737–1746, Oberammergau und Mittenwald 1740) zu finden. In Münsterschwarzach wird er Nachfolger des 1740 verstorbenen Johann Evangelist Holzer. Die Arbeiten Günthers sind in der Folge stark von den Münsterschwarzacher Fresken Holzers beinflusst. Zu Matthias Günther siehe die Biografie in dieser Webseite.

[38] Johann Wolfgang van der Auwera (1708–1756). Hofbildhauer in Würzburg. Sein Vater Jacob van der Auwera (1672–1760) kommt um 1700 aus Mechelen nach Würzburg und ist seit 1719 Hofbildhauer.

[39] Die Brüder Joseph Schäffler (1700–1783) und Johann Michael Schäffler (1702–1786) aus Forst bei Wessobrunn. Joseph Schäffler ist Schwager von Johann Georg Üblher.

[40] Thomas Sporer (1710–1769) aus Haid bei Wessobrunn, ist 1734–1738 bei Joseph Anton Feuchtmayer tätig. Nach Amorbach ist er auch in Bruchsal, Sigmaringen und Ottobeuren für Johann Michael Feichtmayr tätig.

[41] Die Zuschreibung der Entwürfe an Johann Georg Üblher wird in der neueren Forschung auch deshalb abgelehnt, weil Ausführungsentwürfe für die Langhausaltäre (im Neuen Stadtmuseum von Landsberg am Lech) vorhanden sind. Die Entwürfe zeigen die Handschrift von Johann Michael Feichtmayr und werden mit 1747 datiert. Hingegen sind Altarausführungen durch die Werkstatt Üblher unbestritten. Nur der Hochaltar wird von der Feichtmayr-Werkstatt bis 1750 erstellt.

[42] Im Herzschild ist das Wappen der Leiningen (in Blau drei silberne Adler, rot bewehrt) zu sehen, es muss also frühestens nach dem Besitzesantritt der Familie verändert worden sein. Auch das eigentliche Abteiwappen mit sechs Feldern ist völlig verändert. Nur das fiktive Wappen Frankenberg (in Rot drei goldene Kronen) und das fiktive Gründerwappen Amorbachs (in Blau drei silberne Lilien) haben sich in Feld 4 und 6 erhalten. In den Feldern 1, 2, 3 und 5 sind die Abteiwappen gegen die Herrschaftswappen der Leiningen (Mosbach, Dagsburg, Rieneck, Dürn) vertauscht. Auch die Helmzier ist verstümmelt. Anstelle des Kopfes mit der Mitra prangt ein Fürstenhut, der Krummstab ist entfernt. Das ursprüngliche Wappenschild des Hochaltars mit dem Herzschild des Abtes Engelbert ist (als Bildhauerarbeit in Stein) noch heute über dem Kircheneingang erhalten. Siehe zu diesem die Ausführungen zum Klosterwappen (unten) und den Porträtbeschrieb des Abtes Engelberg Kinbacher in dieser Webseite. Auch an der Orgel prangt der von einem übergrossen Fürstenhut bekrönte Schild der Familie Leiningen.

[43] Die beiden Emporen im Querhaus hätten die übliche Aufstellung eines grösseren Querhausaltars zudem nicht erlaubt.

[44] Oswald Onghers (1628–1706) aus Mechelen, seit 1663 fürstbischöflicher Hofmaler in Würzburg. Siehe die Biografie in der Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Oswald_Onghers). Die beiden Altarblätter werden 1662 von Oswald Onghers im Rahmen der Kirchenneugestaltung des Abtes Placidus für die neuen Seitenschiffaltäre des Laienschiffs geliefert. Die Altäre liegen damals vor dem Lettner und werden 1748 an gleicher Lage neu erstellt. Es handelt sich um den nördlichen Maria-Dolorosa-Altar und den südlichen Placidusaltar. Die Darstellung des Martyriums des hl. Placidus wird noch lange mit der legendären Ermordung der Amorbacher Mönche durch die Hunnen im Jahre 923 verwechselt.

[45] Im 4. Joch Süd: Hl. Joseph. Im 2. Joch Nord: Hl. Scholastika. Im 2. Joch Süd: Hl. Amor.

[46] Die sitzende Gnadenfigur der Muttergottes ist altes Wallfahrtsziel und befindet sich deshalb seit der Säkularisation in der Pfarrkirche. Sie ist die Replik einer romanischen Madonna aus dem 15. Jahrhundert und hat keinen künstlerischen Wert.

[47] Sie werden durch vandalierende preussische Soldaten im Deutschen Krieg abgeschlagen und in der Folge nicht restauriert.

[48] Marx oder Markus Gattinger (1713–1753) aus Ostersee bei Iffelsdorf, ist 12 Jahre Geselle beim Hofschlosser Johann Georg Oegg in Würzburg, erwirbt durch Einheirat 1742 die Meistergerechtigkeit. Sein Hauptwerk sind die Chorgitter im Würzburger Dom. Obwohl von der Hofkammer Würzburg weiterhin Oegg vorgezogen wird, der alle Entwürfe selbst anfertigt, darf man die Entwurfstätigkeit auch Marx Gattinger zutrauen.

[49] Johann Adam Gutmann (1709–1748) aus Untereuerheim, Bildhauer und Altarbauer, Werkstatt seit 1730 in Würzburg, hier vor allem für die Residenz tätig.

[50] Johann Philipp Stumm (1705–1776) Johann Heinrich Stumm (1715–1788) aus Sulzbach.

[51] Mit 45 Registern ist die Orgel das grösste Werk der Brüder Stumm. Sie ist aber keineswegs die «seinerzeit grösste  Orgel der Welt», wie in der Wikipedia beschrieben. Die Gabler-Orgel in Weingarten (1750) hat 63 Register. 45 Register haben viele andere süddeutschen Orgeln der Barockzeit.

[52] Franz Ignaz Michael Neumann (1733−1785) aus Würzburg, Sohn von Balthasar Neumann, nach Studien in Frankreich seit 1754 wieder in Würzburg. Hofbaumeister unter Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim.

[53] Johann Adam Becker (1742–1821) aus Klingenberg am Main. Wird auch als Baumeister von Miltenberg bezeichnet.

[54] Der Kirchgang führt in Distanz von 2,1 Metern zur Kirche vom heutigen Westflügel zum ehemaligen Westeingang der Kirche und dient als Ersatz der abgebrochenen alten Verbindung. Er ist im Süden geschlossen und vom heutigen Schlossplatz weder sichtbar noch für die Öffentlichkeit zugänglich.

[55] An dieser Stelle steht vorher das Sommerrefektorium des 15. Jahrhunderts.

[56] Johann Sebastian Barnabas Pfaff (1747–1794) aus Obertheres. Lehrling von Johann Thomas Wagner in Obertheres und Johann Peter Wagner in Würzburg. Später ist er in Mainz tätig. In Amorbach arbeitet er 1786–1792.

[57] Siehe die untenstehenden Ausführungen zum Klosterwappen. Im Herzschild ist das persönliche Wappen von Abt Benedikt Külsheimer zu sehen. Es zeigt eine girlandenumrankte Säule. Der Schild mit dem Klosterwappen ist von Mitra und Krummstab begleitet und, ungewöhnlich, mit einer Krone überhöht.

[58] Andreas Dittmann (1758–nach 1798) aus Obereuerheim bei Hassfurt, ab 1780 Stuckateur und Bildhauer in Gernsbach. Er ist nach 1798 verschollen. Es gibt keine Anhaltspunkte, dass Dittmann nicht auch Entwerfer aller Wandgestaltungen ist. In den acht Bänden des «Recueil élémentaire» (1757 Neufforge) und in weiteren klassizistischen Vorlagenbüchern ist genügend Stoff für einen Bildhauer-Stuckateur zu abgewandelten Eigenentwürfen.

[59] Joseph Bonaventura Berg (1770–1836) aus Nürnberg, Sohn des Bildhauers Johann Christoph Berg (Biografie in dieser Website). Er ist 1794–1830 in Amorbach als Bildschnitzer und Maler tätig.

[60] Konrad Huber (1752–1830) aus Altdorf bei der Reichsabtei Weingarten. Schüler von Andreas Brugger (Biografie in dieser Webseite). Die Freskotechnik erlernt er bei Joseph Ignaz Appiani (Biografie in dieser Webseite). Er wird durch den Reichsabt von Weingarten gefördert. 1774–1820 ist er in Weissenhorn tätig.  

[61] «Lilia Caroum Ducem & Pippinum Regem Francorum denotant. Serta five coronas Ruthardus Comes Franckenbergius pro Insignibus habuit. Per Leonem vero Ordo S. Benedicti intelligitur, cujus Familia Leonem in Insignibus habuisse fertur.»

[62] Anders sieht es das Aschaffenburger Wappenbuch 1983. Dort wird wie folgt und ohne Grundlagen spekuliert: «Die Lilien im Wappen stammen von der Herrschaft Frankenberg. Die Frankenberger gehörten zu den Stiftern der Abtei. Die Kronen sind das eigentliche Wappen der Abtei Amorbach».
(http://fraenkische-wappenrolle.kleeberg.biz/a/a036.html).

[63] Der Wappenschild des Abtes Cölestin Mann (1674–1713) ist in einer gedruckten Schrift zu seinen Ehren dargestellt. Sein persönliches Wappen ist ein wachsender Mann, in der rechten Hand eine Blume haltend.

[64] Wie das Wappen von Miltenberg quadriert, die Felder 2 und 4 aber in Silber ein gotisches A (Miltenberg = M). Die Felder 1 und 4 zeigen in Rot das Mainzer Rad.


Szenen aus dem Deckenbild in der Bibliothek
Horizontalprojektion, die Figurengruppen im Steilbereich des Muldengewölbes sind in Wirklichkeit weniger gedrückt

AmorbachBibliothekDecke4   AmorbachBibliothekDecke5
Nord: In der Mitte deutet die erhöht sitzende Theologia oder Religio mit der rechten Hand auf die Sapienta (Weisheit) und Virtus (Tugend), die sich über ihr auf Wolken umarmen. Deren Ruhm verkündet die geflügelte Fama mit einer Posaune. Die rechte Hand wendet die Theologia dem Knaben zu, der mit den Attributen Kelch und Kreuz für das Neue Testament steht, während der zweite Knabe mit der Thora das Alte Testament versinnbildlicht. Zu Füssen der Theologia liegt die zerstörte Statue eines Satyrs, auf der roten Steinplatte darunter ist «Conrad. Huber de Weissenhorn pinx» zu lesen.
Links davon, gegen Westen, steht an einem Tisch die Allegorie der Künste und Wissenschaften . Sie hält einen Folianten und eine Leier. Auf dem Tisch verweisen Schlegel und Meissel neben einer Marmorbüste auf die Bildhauerei, die Palette auf die Malerei. Auf dem Gesims liegen Bücher, sie sind wie die numismatischen Sammelstücke ein Hinweis auf weitere Wissenschaften.
Die Dame rechts im Bild, die auf den Erdglobus zu ihren Füssen verweist, verkörpert die Naturwissenschaften. Die Fackel, die ein Knabe ihr entgegenhält, ist eine Metapher für das Licht der Aufklärung. Ein Rad zu seinen Füssen ist Antrieb der Elektrisiermaschine, ein damals in jedem naturwissenschaftlichen Kabinett vorhandenes Instrument.
  Ost: Eine Dame im blauen Kleid lehnt sich mit einem Zirkel in der Hand an den grossen Himmelsglobus. Sie verkörpert die Astronomie. Die Erforschung der Gestirne ist eng mit der Astrologie und der Vermessung verbunden. Darauf deuten das Nivelliergerät links, die am Podest angelehnte Zeichenschiene und der mit einem Zirkel an einem astrologischen Kreis messende Knabe. Die rechts auf einer dorischen Freisäule stehende Armillarspähre, eine Instrument zur Darstellung der Himmelskörper, verweist nochmals auf die Astronomie.
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Süd: Der auf Wolken im Himmel schwebende Monopteros stellt die Verbindung mit der Nordgruppe her. Auf diesen Rundtempel deutet schon die dort über der Theologia schwebende Virtus. Auf dem Gebälkfries des Monopteros ist das Chronogramm «SAPIENTIAE ATQVE VIRTVI FELICI AMICITIAE NEXV FOEDERATIS» geschrieben. Die auch als Zahlen lesbaren Ziffern ergeben das Jahr 1790. Der Text lautet übersetzt: Der Weisheit und Tugend, verbunden durch das glückliche Band der Freundschaft. Unter dem schwebenden Monopteros steht die blaugekleidete Personifikation der Medizin. Sie hält den Äskulapstab in der rechten Hand, die andere Hand legt sie auf den Tisch mit Apothekengut. Darunter bedient ein Knabe einen Mörser. Links neben ihr steht ein Knabe am Destillierofen. Heilpflanzen in Töpfen vervollständigen die bildliche Beschreibung der Medizin.
Die östliche, linke Seite wird von der zinnoberfarbig bekleideten und auf einer Holzkiste sitzenden Economia beherrscht. Zu ihren Füssen hantiert ein Knabe mit einem Spinnrad. In ihrem Rücken versinnbildlichen zwei Knaben mit Sichel und Schaufel die Landwirtschaft.
Auf der gegenüberliegenden westlichen, rechten Bildseite sitzt die purpurgewandete Personifikation der Rechtswissenschaft vor einem jonischen Eingangs-Frontispiz. Ein Liktorenbündel auf den Stufen und der seitlich stehende (hier nicht mehr sichtbare) Knabe mit der Waage sind ihre Attribute. Das geöffnete Buch zu ihren Füssen verweist in griechischer Schrift auf eine Sammlung des römischen Rechtes unter Kaiser Justinian I. Auf dem Gesamtbild ist zudem feststellbar, wie der Knabe mit der Waage eine gefüllte Geldbörse mit dem Fuss wegstösst, als Sinnbild für die Verachtung der Korruption.
  West: Unter einer Palme meisselt der geflügelte Chronos als Personifikation der Zeit und der Vergänglichkeit an einer Inschrift, die auf die Amorbacher Klostergeschichte hinweist. Die erhöht sitzende Dame im blaugrünen Kleid schreibt, wie der Text verrät, ebenfalls an einer Klostergeschichte. Zu ihren Füssen liegen die Sense von Chronos und offene Urkunden. Der Knabe zeigt auf ein Dach, dessen Metallbahnen den Stempel LEG VIII AUG tragen, wieder ein Hinweis auf die Amorbacher Geschichte. Davorliegende Kriegsrüstungen vervollständigen die westliche Gewölbeszene als Darstellung der Geschichtswissenschaft, wie dies auf dem (hier nicht mehr sichtbaren) Grabmal für den römischen Geschichtsschreiber Titus Livius links mit dem Text «D. M. T. LIVIO. HISTORIAE. ROM. SCRIPT. C. T. F. C.) nochmals bestätigt wird.


  Ehemalige Benediktinerabtei Amorbach  
  AmorbachA1  
Ort, Land (heute) Herrschaft (18. Jh.)
Amorbach
Unterfranken,Bayern

Kurfürstentum
Mainz
Bistum (18.Jh.) Baubeginn
Mainz   1743
Bauherr und Bauträger
Kinbacher  Abt OSB Engelbert Kinbacher
      (reg. 1727–1753)
      Abt OSB Benedikt Külsheimer
      (reg. 1778–1803)
 
 
  Der ehemalige Klosterhof. Rechts der Abteibau von 1660, links das Mühlegebäude von 1488 und hinten die Klosterkirche von 1747. Foto: Bieri 2018.   pdf  
   
AmorbachInnen2
Der Wappenschild des Bauabtes Engelbert Kinbacher an der Kanzel. Foto: Bieri 2018.  
   
AmorbachLageplan
Der Lageplan zeigt die Abtei Amorbach am Ende des 18. Jahrhunderts und ihre Bauetappen. Für Vergrösserung und Legende bitte anklicken.  
AmorbachGroppFrontispiz
Frontispiz-Stich in der Festschrift zum tausendjährigen Jubiläum der Abtei 1734, von P. Ignatius Gropp 1736 herausgegeben. Er zeigt die Gründungslegende von Amorbach. In der oberen Bildhälfte knien zu Füssen der Klosterpatronin Maria die Nebenpatrone Faustinus, Benedikt, Simplicius und Beatrix auf Wolkenbändern. In der unteren Bildhälfte halten die Karolinger Karl Martell und Pippin, flankiert vom hl. Pirmin und dem Grafen Ruthard von Frankenberg, das Kirchenmodell. Die von der Dreifaltigkeit ausgehenden Gnadenstrahlen treffen sich im Dachreiter über dem Kreuzaltar des Kirchenlanghauses. Unter dem Modell ist der Gotthardsberg mit dem Flecken Amorbach zu sehen. Mehr zur romanischen Kirche siehe unten.
Quelle: «Aetas mille annorum antiquissimi et regalis monasterii B. M. V. in Amorbach». Autor Ignatius Gropp. Frankfurt 1736. Stecher Johann Salver 1734.
 
AmorbachMerian
«Amorbach / oder Amerbach / in dem Odenwald / oder doch nicht weit davon / an dem Fluß Mudt / nahend Miltenberg / vnd Thüren gelegen /…» beschreibt  Matthäus Merian 1646 Amorbach in der Topographia Archiepiscopatuum Moguntinensis, Trevirensis, et Coloniensis. Amorbach ist hier von Westen gesehen. Der hohe Turm rechts ist der 1804 abgebrochene südliche Torturm der Klosteranlage, dann folgen die Doppeltürme der Abteikirche und dahinter derjenige der Pfarrkirche, alle mit ausgeprägten Spitzhelmen, während der Torturm bereits eine welsche Haube mit Laterne trägt. Im Hintergrund ist die 1631 wieder aufgebaute Kirche auf dem Gotthardsberg zu sehen.
Bildquelle: Wikipedia.
 
AmorbachAmt1699
1685 veröffentlicht der Kartograph Nikolaus Person eine Sammlung von Kupferstichen der Kurmainzischen Ämter. Im Blatt «Das Ampt Amorbach und was darinn immediate gehörig ist» ist Süden oben, die Stadt Amorbach unten. Eine Geleitstrasse führt nach Süden. Sie kreuzt sich in Langenelz mit einer Geleitstrasse, die von Hardheim an der Tauber nach Eberbach am Neckar führt. Bildquelle: Bibliothèque nationale de France.  
 
AmorbachKlug1732
Pater Antonius Klug verfertigt 1732 eine informative Grundriss-Skizze der noch romanischen Abteikirche Amorbach. Zur Vergrösserung und Erläuterung des lateinischen Textes bitte anklicken.
Quelle: Gorenflo 1983.
 
Amotbach1736Ausschnitt
Deutlicher als in der Vogelschauansicht ist die romanische Kirche im Frontispiz-Stich (oben) von 1734 dargestellt. Der Ausschnitt zeigt die romanische Westfront vor dem Bau der vorgeblendeten Barockfassade. Der Sockelbau der Fassade nimmt in seiner Gliederung keinen Bezug zur Turmgliederung und dürfte realistisch dargestellt sein (siehe dazu auch die Vergleichsbauwerke in Anmerkung 25). Sehr präzis erfasst Salver den Dachreiter auf dem Langhausdach. Er liegt über dem Kreuzaltar, der sich vor dem Lettner befindet (siehe Grundriss Klug 1732) und hat die Gestalt einer Kreuzkirche. Dieser ausgeprägte Dachreiter ist schon in romanischer Zeit vorhanden und ist auch auf dem Stadtsiegel von 1290 enthalten (zu den Wappen und Siegeln mehr unten).  
AmorbachA2
Die Obergeschosse der 1100 begonnenen Türme sind noch immer erhalten, nur der Spitzhelm (nach Merian 1646) oder das Pyramidendach (nach Salver 1734) weicht nach 1747 einer steilen Zwiebelhaube.
Foto: Bieri 2010.
 
Der barocke Neubau  
AmorbachGrundrissSchnitt
Grundriss und Längsschnitt des 1742–1747 erstellten Kirchenneubaus. Quelle: Massaufnahmen in «Die Kunstdenkmäler von Unterfranken und Aschaffenburg, Bezirksamt Miltenberg», München 1917.  
AmorbachGutwein1747Schnitt
1747 erscheinen zur Einweihung zwei Kupferstiche (in je 2000 Exemplaren) des Stechers Johann Balthasar Gutwein nach Vorlagen von Johann Georg Bernhard Vischer. Sie haben die Bildabmessungen 40,0 cm B x 32,5 cm H. Beide Stiche sind leider in ungenügender Auflösung veröffentlicht (Quelle: Staatliche Museen Berlin).
Der obige instruktive Längsschnitt enthält auch einen Grundrissplan (Facies interior cum Ichnographia). Links unten sind alle wichtigen Baubeteiligten aufgeführt.
 
AmorbachGutwein1747Fassade
Der zweite Stich zur Einweihung ist mit «Scenographia. Secundum faciem exteriorem novae Basilicae Regalis er antiquissimi Monasterii B. M. V. in Amorbach…» betitelt und dem Mainzer Kurfürsten, Reichs-Vizekanzler und Erzbischof Friedrich Karl von Ostein gewidmet. Die Scenographia stellt die Kirche von Nordwesten gesehen dar. Der Wappenschild des Kurfürsten ist oben links im Himmel, derjenige des Bauabtes Engelbert Kinbacher unten links über der Widmung eingefügt.  
AmorbachA7
Der Ostabschluss mit Chor, Querhaus und Querhaustürmen. Foto: Bieri 2010.  
 
AmorbachInnen3
Die Stuckaturen und Fresken im Langhaus, das Gemeinschaftswerk von Johann Michael Feichtmayr und Matthäus Günther, gesehen in Richtung Osten oder Richtung Vierung und Chor.
Im grossen Fresko sind die Wundertaten des hl. Benedikt dargestellt. Im Zentrum sieht man Benedikt auf Monte Cassino. In der unteren (östlichen) Bildhälfte der Gotenkönig Totila, dem Benedikt den Tod voraussagt. Die obere (westliche) Bildhälfte ist für den Betrachtungsstandpunkt in Richtung Orgel gemalt und stellt die Bannung des Teufels beim Bau von Monte Cassino dar.
Das nächste Fresko vor der Vierung hat den Tod des hl. Benedikt zum Thema. Unter ihm, am Vierungsbogen, ist in einer Stuckkartusche der Wappenschild von Bauabt Engelbert Kinbacher zu sehen.
Foto: Bieri 2018.
 
AmorbachInnen8
Die westliche Hälfte des grossen Freskos (oben), hier gedreht. Dargestellt ist die Bannung des Teufels beim Bau von Monte Cassino. Auf dem Baugerüst ist der Baumeister Franz Häffele mit Zollstock und Dreispitz zu sehen. Rechts neben ihm wechselt die Bauszene zu weiteren Wundertaten, wie der Auferweckung eines Toten oder der Vermehrung von Wein und Öl. Links (südlich) ist die Befreiung eines Gefangenen zu sehen. Foto: Bieri 2018.  
AmorbachInnen4
Das anschliessende grosse Vierungsfresko stellt die Glorie des hl. Benedikt vor der Dreifaltigkeit dar. Dicht sind kreisförmig um diese zentrale Gruppe Benediktinerheilige angeordnet. Einbezogen sind unten (östlich) auch die Amorsbacher Gründungsheiligen wie der legendäre hl. Amor mit dem Kirchenmodell. Die Zwickelkartuschen sind Fortsetzungen des Hauptfreskos, in Amorbach erstmals angewendet. Siehe dazu das nächste Bild. In der Vergrösserung der Vierungsfoto (anklicken) sind auch die beiden Querhausfresken sichtbar. Sie stellen das Martyrium der hl. Beatrix (links oder nördlich) und das Martyrium der hll. Simplicius und Faustinus (rechts oder südlich) dar. Foto: Bieri 2018.  
AmorbachInnenKartusche
Die nordwestliche Kartusche (oben links in der Foto der Vierung) ist ein Beispiel der Fortsetzung des Bildes in die Zwickelkartuschen. Zu Füssen des hl. Matthäus ist auf einem Tau-Kreuz die Signatur «Mathae: Gindther Pinx/ 17/ 45» zu lesen. Foto: Bieri 2018.  
AmorbachInnen5
Das an die Vierung anschliessende Deckenfresko im Chor stellt die Anbetung des apokalyptischen Lamms durch die vierundzwanzig Ältesten und die vier Evangelisten dar. Foto: Bieri 2018.  
AmorbachInnen6a
Rückwärts zur Empore gewandt kann der Besucher die westliche Hälfte des grossen Mittelfreskos lesen, das drei Bilder weiter oben bereits erläutert ist. Dahinter, im ersten Joch nach der Empore, ist ein weiteres, nur in diese Richtung lesbares Fresko zu sehen. Mehr dazu siehe unten.
Foto: Bieri 2010.
 
AmorbachInnen6
Das Fresko im ersten Joch ist auf eine Betrachtung Richtung Empore gemalt und stellt den hl. Benedikt dar, wie er die römischen Jünglinge Maurus und Placidus in den Orden aufnimmt. Foto: Bieri 2010.  
AmorbachInnen7
Im Fresko unter der Empore malt Günther die Heilung eines Lahmen durch die Apostel Petrus und Johannes. Foto: Bieri 2018.  
 
AmorbachInnen9
Die Rokokokanzel des Würzburger Hofbildhauers Johann Wolfgang van der Auwera ist eine doppelläufige Anlage von aussergewöhnlichem Reichtum. Er erstellt sie 1749. Ihre Fassung erhält sie 1768. Foto: Bieri 2018.  
AmorbachInnen10
Detail der geschnitzten und vergoldeten Brüstung am östlichen Kanzelaufgang.
Foto: Bieri 2018.
 
AmorbachInnen11
Südlicher Querhausaltar von Johann Michael Feichtmayr und  Chorgestühl von Johann Adam Gutmann. Auf der Querhausempore steht bis 1839 eine Orgel, die heute das Prunkstück der evangelischen Kirche Erfelden bildet. Beide Querhausaltäre, das beidseitige Chorgestühl und die Querschifforgel sind an der Einweihung 1747 vorhanden. Foto: Bieri 2018.  
AmorbachInnen12
Die Beichtstühle werden nach 1803 in die Pfarrkirche verlegt. Sie sind wahrscheinlich auch Werke von Johann Adam Gutmann. Foto: Bieri 2018.  
AmorbachInnen13
Die grosse Westorgel wird erst 1774 bestellt und durch die Brüder Stumm in Sulzbach 1782 geliefert. Ursprünglich 45, enthält sie heute 66 Register. Trotz klassizistischer Zeit ist beim Prospekt noch barocke Gestaltung zu spüren. Siehe zu ihm den Beschrieb im nebenstehenen Text. Foto: Bieri 2018.  
Koventbauten des Klassizismus  
Amorbach1791
1782 plant Franz Ignaz Neumann einen Klosterneubau, bei dem nur die Kirche von 1747, der neue Abteiflügel (1660) und der nach Osten vorstossende Konventbau (1678) integriert werden. Der Plan ist in einer Nachzeichnung von 1791 überliefert. Er zeigt die Bauten in der Vogelschau aus Osten. Der grosse westliche Klosterhof südlich der Kirche wird nicht verwirklicht und wäre in dieser Grösse im abfallenden Gelände auch unsinnig. Siehe dazu auch den Lageplan oben. Bildquelle: Grosser Kunstführer 1999.  
AmorbachKlassizismus1
1784–1787 baut Baumeister Becker den «Neuen Konventbau» als neuen Ostflügel, nachdem 1783 vorgängig die alten Konventflügel abgerissen werden und der Abteiflügel bis zur Kirche verlängert wird. Foto: Bieri 2010.  
AmorbachKlassizismus2
Der Mittelrisalit des unverputzt gebliebenen neuen Ostflügels. Foto: Bieri 2010.  
AmorbachFrontispizOst
Das Wappen des Abtes Benedikt Külsheimer, des letzten Abtes von Amorbach, im Frontispiz des Mittelrisalites Ost. Foto: Bieri 2018.  
AmorbachKlassizismus3
Der Eckrisalit Süd des Ostflügels. Im ersten Obergeschoss befindet sich der Festsaal. Foto: Bieri 2018.  
AmorbachKlassizismus4
Der verlängerte Abteiflügel 1783/84, die sogenannte neue Prälatur, schliesst nicht an das südliche Querhaus der Kirche an. Zur Gartenseite bleibt er unverputzt. Foto: Bieri 2018.  
AmorbachKreuzgang
Der sogenannte Kirchgang entlang der Kirchensüdseite, der nach dem Abbruch der Konventflügel um den Kreuzgang 1783 als interne Verbindung zum rückwärtigen Teil der Kirche hergestellt wird. Offenbar aus Pietätsgründen finden hier romanische Säulen des alten Kreuzgangs eine neue Verwendung. Foto: Bieri 2018.  
AmorbachFestsaal1
Der Festsaal oder «Grüne Saal» in S-O Risalit. Die vorzügliche frühklassizistische Ausstattung ist ein Werk des Gernsheimer Bildhauers Andreas Dittmann, das er zu Zeit der Revolutionswirren bis 1795 erstellt. Foto: Bieri 2018.  
AmorbachFestsaal2
Die Nordwand des «Grünen Saals» grenzt an Räume des Ostflügels an. Sie wird als Pendant zur belichteten Ostfassade mit Scheinfenstern gestaltet. Foto: Bieri 2018.  
AmorbachBibliothek1
m Muldengewölbe des Bibliotheksaals im N-O-Risalit malt Konrad Huber 1790 das grosse Deckengemälde, dessen Rand acht Allegorien der Wissenschaften und Künste besetzen. Huber malt sie mit der klassizistischen Deutlichkeit und Direktheit der Zeit. Die aufklärerische Thematik ist ähnlich in vielen barocken Klosterbibliotheken der Mitte des Jahrhunderts zu sehen. Auch mit der Gruppierung am Bildrand und der scheinperspektivischen Darstellung nimmt Huber spätbarocke Konzepte auf. Beim Eintritt in die Bibliothek sieht man zuerst die Allegorien der Theologie, der Künste und der Naturwissenschaften an der nördlichen Längsseite, die hier unten liegt. Die nebenan beschriebenen Ausschnitte des Gesamtbildes mit den Himmelsrichtungen (← West / Nord ↓ / Ost → / Süd ↑) zeigen die grosse künstlerische und erzählerische Qualität des letzten derartigen Deckengemäldes im 18. Jahrhundert.
Fotos: Bieri 2018.