Die Meister
Name Herkunft Text   Tätigkeit von   bis
Domenico Mazio oder Magzin (um 1650/65– nach 1726) Roveredo Misox Magzin   Baumeister-Architekt ~1715   ~1720
Cosmas Damian Asam (1686–1739) Benediktbeuern AsamCD   Maler, Freskant 1720   1721
Egid Quirin Asam (1692–1750) Tegernsee AsamEQ   Stuckateur, Bildhauer 1720   ~1723
Joseph Matthias Götz (1696–1760) Bamberg     Bildhauer, Altarbauer ~1723   ~1723
Johann Georg Bergmüller(1688–1762) Türkheim Bergmueller   Maler 1728   1729
Br. Kaspar Griessemann OCist (1689–1742) Unbekannt     Kunstschreiner 1728   1729
Johann Sebastian Wild (Lebensdaten unbekannt) Bamberg     Orgelbauer ~1730   ~1730
Johann Jakob Zeiller (1708–1783) Reutte Tirol Zeiller   Maler, Freskant ~1746   ~1746
Joseph Deutschmann (1717–1787) Imst Tirol     Bildhauer 1748   1762
Johann Baptist Modler (1697–1774) Hohenfels Modler   Stuckateur 1746   1765
Matthäus Günther (1705–1788) Peissenberg Guenther   Maler, Freskant 1760   1767
Philipp Schmid (1711–1763) Unbekannt     Orgelbauer 1763   1763


Aldersbach

Ehemalige Zisterzienserabtei
und Klosterkirche der seligen Jungfrau Maria, des hl. Johannes Baptist und der hl. Ursula


Zisterzienserabtei seit 1146
Das Stiftungsgut eines schon bestehenden Klosters von Augustiner-Chorherren in Aldersbach wird 1146 von den beiden Bischöfen Egilbert von Bamberg und Reginbert von Passau dem Zisterzienserorden übergeben.[1] Die Abtei Ebrach sorgt mit der Entsendung von zwölf Konventualen für den Gründungskonvent. Unter ihrem ersten Abt Siegfried bauen die Zisterzienser das Kloster heutiger Stelle, nahe einem der Vils zufliessenden Bachlauf.[2] Die neue Kirche weihen sie der Jungfrau Maria (Beatae Mariae Virginis), dem hl. Johannes Baptist und der hl. Ursula. Umfangreiche Schenkungen der Passauer Fürstbischöfe, der Wittelsbacher Herzöge und der österreichischen Babenberger, auch Zoll- und Handelsfreiheiten begünstigen den Aufschwung und erlauben Neugründungen. 1258 entsendet Aldersbach den Gründungskonvent von Fürstenfeld, 1274 folgt Fürstenzell und 1285 noch Gotteszell. Einer Hochblüte im 13. Jahrhundert folgt Ende des 14. Jahrhunderts ein wirtschaftlicher Niedergang, dem dann Mitte des 15. Jahrhunderts wieder ein Aufschwung folgt. Der übliche Verfall der Klosterzucht vor der Reformation setzt auch Aldersbach zu. Der ausgezeichnete Abt Wolfgang Marius, der 1514–1544 regiert, führt das Kloster durch die Reformationswirren. Den personellen Niedergang kann er nicht verhindern. 1577 reduziert ein Pestausbruch im Kloster die Zahl der Konventualen von zehn auf einen. Tüchtige Administratoren aus Kaisheim und Fürstenfeld sorgen in der Folge für einen Neubeginn. Das 17. Jahrhundert bringt eine neue wirtschaftliche, geistige und personelle Blüte. Der Dreissigjährige Krieg stellt nur eine kurze Zäsur dar. Aldersbach bleibt von Brandschatzungen verschont. An der Wiederherstellung der Klöster in der rekatholisierten Oberpfalz beteiligt sich auch Aldersbach unter dem Abt Malachias Niederhofer (reg. 1669–1683). 1669 wird das Kloster Walderbach als Superiorat von Aldersbach wieder in den Zisterzienserorden eingegliedert und trägt die Kosten für die Wiederherstellung. Bei der Erhebung von Walderbach zur Abtei bleibt Aldersbach deshalb Mutterkloster. Unter Abt Malachias wird im Kloster nebst der vielleicht schon länger bestehenden internen Klosterschule eine Hauslehranstalt für Theologie und Philosophie eröffnet.[3]

Aldersbach_Wening
«Closter Allerspach» aus der «Historico-Topographica Descriptio» von Michael Wening mit dem Erscheinungsjahr 1723. Der Kupferstich ist schon vor 1705 entstanden und trägt das Wappen des von 1683 bis 1705 regierenden Abtes Engelbert Fischer. Die neuen Ostflügel sind gebaut. Der mittlere Stichflügel nach Osten ist entweder ein Projekt oder Zeichner-Phantasie. Sicher ist aber der Neubau der West- und Abteiflügel zur Zeit der Zeichnung zum Kupferstich noch nicht geplant oder gar gebaut. Der Stich kann hier derart vergrössert werden, dass die Legende lesbar wird. Quelle: Bayerische Staatsbibliothek (Lizenz CC0, Bildschirmscan des Verfassers).

Die Klosterlandschaft im  17. Jahrhundert
Der Aufschwung des 17. Jahrhunderts zeigt sich auch in grösseren baulichen Erneuerungen. Abt Johannes Dietmayer (reg. 1588–1612) lässt die Abtei, die Hofstube und die Bibliothek neu bauen. 1617 erfolgt unter Abt Michael Kirchberger (reg. 1612–1635) der Neubau des heutigen Chors. Unter Engelbert Fischer (reg. 1683–1705) wird der Klosterneubau begonnen. Die Klosterlandschaft Aldersbach am Anfang des 18. Jahrhunderts ist durch die Vogelschauansicht und der Legende im Stich von Michael Wening dokumentiert. Ein Turm beherrscht den Bildmittelpunkt. Es ist der von Abt Heinrich (reg. 1408–1422) erbaute westliche Glockenturm mit dem Eingang zum Kirchenschiff. Die mittelalterlichen Turmverbote der Zisterzienser sind um diese Zeit bereits gelockert. Vielleicht geplant, aber sicher nicht gebaut, ist der an den Ostflügel anschliessende, parallel zum Chor laufende Stichflügel nach Osten.

Kirchenneubau

Bauverlauf unter Abt Theobald I. Grad (Grader) 1705–1734
1705 tritt Abt Theobald Grad die Regierung an.[4] Er führt das Kloster dreissig Jahre und wird zum eigentlichen Bauabt von Aldersbach. Als erstes Bauvorhaben beginnt er mit dem Neubau des Langhauses der Kirche.[5] Anstelle des einfachen basilikalen Langhauses der romanischen Kirche, wie es noch im Stich von Wenig dargestellt ist, lässt er von Domenico Mazio einen Neubau erstellen. Der in Landau an der Isar tätige Misoxer Baumeister wird hier Dominikus Magzin genannt.[6] Er baut ab 1715/16 zwischen dem spätmittelalterlichen Westturm und dem Chor von 1617 eine grosszügige Wandpfeilerhalle mit fünf Jochen. Um den Chor legt er einen Kapellenkranz. 1719 ist der Neubau eingewölbt[7] . 1720 sind die Brüder Asam, Egid Quirin als Stuckateur und Cosmas Damian als Freskant, in den neuen Gewölben des Langhauses tätig.[8] Ein Chronogramm am Chorbogen zeigt, dass mindestens das Mittelgewölbe des Langhauses noch im gleichen Jahr fertig wird.[9] 1721 vollenden die Brüder Asam, die in diesem Jahr auch in Weltenburg arbeiten, die Stuckierung und Freskierung im Chor und in den Wandpfeiler-Quertonnen. Zu welchem Zeitpunkt der vielbeschäftigte Egid Quirin das freiplastische Meisterwerk der westlichen Orgelbühne erstellt, ist ebenso wie die übrigen Baudaten nicht gesichert. Ihr Bau ist erst nach Entfernung der Deckengerüste, also frühestens 1721/22 möglich. Um 1723 wird der Hochaltar aufgerichtet. Das prächtige Werk ersetzt den Hochaltar von 1617. Aufgrund eines Entwurfs-Wettbewerbes vergibt Abt Theobald die Arbeit an die Werkstatt des Bildhauer-Unternehmers Joseph Matthias Götz.[10] Das Altarblatt des alten Altars muss dabei übernommen werden.[11] Auch die Mondsichelmadonna des alten Altares wird wieder verwendet.[12] Die Werkstatt Götz erstellt in den 1720er-Jahren auch die beiden Seitenaltäre. Ihre Altarblätter der Mariä Heimsuchung und der Kreuzabnahme liefert 1728 und 1729 der Augsburger Maler Johann Georg Bergmüller.[13] Die acht Wandpfeiler-Altäre werden in den gleichen Jahren aufgerichtet. Sie sind vermutlich Arbeiten der gut geführten Klosterwerkstatt.[14] Cosmas Damian Asam liefert noch die Altarblätter des vordersten Altarpaares, dem Ursula- und dem Johannesaltar. Die weiteren sechs Blätter stammen von Andreas Math und Nikolaus Stuber.[15] Abt Theobald I. lässt durch den Orgelbauer Sebastian Wild zwei Orgelwerke in die Emporen des Chors einbauen und auch eine erste Westorgel erstellen.[16] Diese Orgelwerke sind demnach vor 1734 spielbar.

Weiterer Bauverlauf unter Theobald II. Reitwinkler 1745–1779
Abt Theobald I. hat mit Beizug hervorragender Künstler zu seinen Lebzeiten einen unvergleichlichen spätbarocken Innenraum geschaffen. Sein Nachfolger, Abt Paulus Genzger errichtet 1739 die Loretokapelle mit der Klostergruft als nördlichen Anbau. In erster Linie ist er aber Bauabt der neuen Ökonomiebauten, darunter die an den Westflügel anschliessende Brauerei. Er wird schon 1741 durch die Belastungen der Abtei im Österreichischen Erbfolgekrieg gestoppt und resigniert 1745, dem Jahr des Friedenschlusses. Als Nachfolger wählt der Konvent Theobald II. Reitwinkler.[17] Mit ihm beginnt die Rokokoperiode in Aldersbach. Schon 1746 lässt er, wahrscheinlich durch den in Fürstenzell tätigen Johann Jakob Zeiller, neue Fresken in der Sakristei und in der Chorscheitelkapelle malen.[18] 1748 baut der Bildhauer Joseph Deutschmann die Kanzel und die Beichtstühle.[19]  Der wahrscheinlich wichtigste bauliche Eingriff von Abt Theobald II. ist die Neugestaltung der Westfassade mit dem Glockenturm, die er 1755 vornimmt. Er lässt den Turm erhöhen und ihn in eine neugestaltete Fassade integrieren. Der Baumeister ist unbekannt.[20] Die Klosterwerkstätten erneuern ihm 1761/62 das Chorgestühl, das zum Langhaus mit zwei Frontwänden und vergoldeten Reliefs von Joseph Deutschmann abschliesst. Deutschmann ist auch Schöpfer der vergoldeten Rocaille- Aufsätzen über den Dorsalen, in denen zwei Bilder von Bartolomeo Altomonte[21] integriert sind. Mit der 1763 erstellten neuen Orgel der Westempore ist die Ausstattung des Kirchenraumes vollendet. Orgelbauer ist der Passauer Philipp Schmid.[22] Er erweitert das Werk auf 26 Register. Der Prospekt könnte von Christian Wenzel Jorhan stammen.[23]

Architektur und Ausstattung der Kirche

Eine klassische Wandpfeilerhalle
Dem Kirchenraum merkt man die Einschränkungen nicht an, die der Baumeister mit dem bestehenden Chor, dem alten Eingangssturm und der Übernahme der Aussenfundamente vorfindet. Dank der glücklichen Proportionen des Querschnittes und dem Verzicht auf Emporenumgänge entsteht in Aldersbach «ein Raum von ruhiger Kraft».[24] Genial löst der Baumeister den Einbezug des alten Chors, sei es mit der Staffelung am Einzug, sei es mit der selbstverständlich wirkenden Fortsetzung des Pfeilergebälks an den Pilastern. Eine aussergewöhnliche Lösung stellt auch die frei in das erste Joch vorgezogene Orgelempore dar. Getragen von zwei Freipfeilern liegt sie in zehn Meter Höhe, unter ihr ist fast unauffällig eine erste Längsempore auf der Höhe des ersten Klostergeschosses angebracht. Vielleicht ist ihre konvex-konkave Brüstung bereits ein Werk von Egid Quirin Asam, der mit den grossen, stehenden und vorwärtsgeneigten Engel-Atlanten und der Wappenkartusche die Empore zu einem freiplastischen Kunstwerk umgestaltet.

Die Stuckaturen
Egid Quirin Asam fasst die Stuckaturen in Aldersbach durchwegs mit dem sogenannten Carlone-Rosa.[25] In den Gewölbeflächen ist es kräftiger Bandwerkstuck mit Akanthusranken. Die plastischen Kartuschen mit den vier Evangelisten sind noch italienisch geprägt, die Gitterfeld-Kartuschen der Stichkappen lassen schon das spätere Rokoko ahnen. Die französische Régence hinterlässt jetzt auch bei Egid Quirin ihre Spuren.

Die Fresken
Cosmas Damian Asam und seine Werkstatt führen 1720 und 1721 einen Freskenzyklus aus, der fünf grössere Bildszenen in den Mittelgewölben und zehn Bilder in den Wandpfeiler-Tonnen umfasst. Nur drei Deckengemälde können Cosmas Damian sicher zugeschrieben werden, die restlichen sind vermutlich Gesellenarbeiten. Zu den sicheren Werken zählen die beiden Deckengemälde im Chor und das Hauptbild im Langhaus, welches die Weihnachtsmission des hl. Bernhard zum Thema hat. Dieses Fresko ist einzigartig. Mit einer Verschleifung dreier Gewölbejoche ermöglicht Egid Quirin seinem Bruder ein zentrales grosses Langhausfresko, wie dieser es in Rom von den römischen Jesuitenkirchen Il Gesù und Sant'Ignazio kennt. Die Figuren sind stark von Cosmas Damians römischem Lehrer Carlo Maratta beeinflusst. Wie aber Asam das Weihnachtsthema in eine scheinarchitektonische Kulisse einfügt und ihm verschiedene inhaltliche Sinnebenen gibt, ist von derartiger Meisterschaft, dass das Mittelfresko in Aldersbach zu einem frühen Höhepunkt der Deckenmalerei im Spätbarock wird.

Die Altäre
Erst das Zusammenspiel des architektonisch durchdachten Innenraums und seiner Stuck- und Freskenfassung mit dem «theatrum sacrum» der Altäre ergibt das Raumkunstwerk von Aldersbach. Die Altäre der Wandpfeiler, Seitenaltäre und Hochaltar sind vom eintretenden Besucher, ähnlich den Kulissen eines Theaters, als Gesamtes sichtbar. Die Seitenaltäre sind weit zur Mitte gerückt und bilden zusammen mit dem Hochaltar eine barocke Szenographie, wie sie dann in der Stiftskirche von Diessen ihren Höhepunkt findet.[26] Der Aldersbacher Hochaltar und die beiden Seitenaltäre aus der Passauer Werkstätte Götz sind zudem selbst  Bühnenarchitektur. Mit ihren gewundenen, freistehenden und gestaffelten Säulen wirken sie bereits als Ziborienaltäre. Bestärkt wird dies im Hochaltar durch die Bekrönung mit der bewegten Figurengruppe von 88 Engeln und Putten, welche die Trinität umkreisen. Der Auszug wird durch die Bildhauerarbeit völlig verdeckt. Das Prachtwerk des Tabernakels hat drehbare Seitenteile, in denen je nach liturgischen Zeiten Büsten von Heiligen oder Gemälde sichtbar sind. Die Wandpfeileraltäre aus dem Umfeld der Klosterwerkstätte sind etwas einfacher gestaltet, aber qualitativ gleichwertig. Hochwertig sind auch alle Altarblätter. Wie im Bauverlauf dargestellt, stammen sie meist von gefragten Künstlern.

Kanzel und Chorgestühl
Die etwas schwer wirkende Kanzel, die Kirchenbänke, die Beichtstühle und das Chorgestühl sind Werke der Rokokoperiode. Die Bildhauerarbeiten fertigt Joseph Deutschmann, während die Kunstschreinerarbeiten der Klosterwerkstätte zugesprochen werden. Das 1762 geschaffene Chorgestühl ist eine ausgesprochene Kunstschreinerarbeit. Auf beiden Seiten des Chors sind, in zwei Reihen, je 24 Stallen aufgestellt. 15 Stallen mit ihren Dorsalen bilden die westlich eingebogene Rückwand. Sie ist mit schlanken Pilastern gegliedert und ursprünglich eine Marketeriearbeit mit Rocaille-Einlagen aus Zinn. 1911 wird eine notwendige Restaurierung durch das Aufnageln der ursprünglichen Einlegearbeit umgangen. Das Gestühl wird gegen das Langhaus mit zwei Schirmen mit Reliefs in der Art eines Retabels abgeschlossen. Die beiden vergoldeten Reliefs und die vergoldeten Rocaille-Aufsätze über den Dorsalen sind Werke des Bildhauers Deutschmann. Diese hervorragenden Arbeiten kontrastieren stark zu den eher schwachen Reliefs der Kanzel von 1748.

Die barocke Orgellandschaft
Abt Theobald I. lässt um 1730 in der Stiftskirche drei Orgeln einbauen. Es sind die beiden Chororgeln in den Emporen über den Chorstühlen und die grössere Orgel auf der Westempore. Die Orgel auf der Westempore wird unter Abt Theobald II. 1763 auf 26 Register erweitert und erhält einen neuen Prospekt. Weitere Orgeln stehen in der Portenkapelle und in der Leutkirche St. Peter. Die Musikkultur in Aldersbach ist im 18. Jahrhundert auf ihrem Höhepunkt und zeigt sich auch in der Zahl der Orgelwerke. In Aldersbach ist keine dieser Orgeln erhalten. Ihr Schicksal nach der Säkularisation wird unten beschrieben.

Neubau der Klosteranlage 1683–1741

Widersprüchliche Baudaten

Die Gebäudelandschaft des Klosters Aldersbach ist noch rudimentärer dokumentiert als der Kirchenneubau. Bis heute sind Planer und Bauverlauf unbekannt, Baualtersbestimmungen fehlen oder sind als Dokumentation für die Öffentlichkeit unzugänglich. Die Veröffentlichungen zum Klosterneubau in Aldersbach beruhen meist auf Spekulationen, widersprechen sich und sorgen für einige Verwirrung.[27] Ich benutze hier die glaubwürdigsten und bis heute nicht widerlegten Annahmen der Baugeschichte von Felix Mader (1926).

Erste Bauetappe unter den Äbten Malachius Niederhofer und Engelbert Fischer
Abt Malachius Niederhofer, der 1669–1683 regiert, lässt am Ende seiner Amtszeit den südlichen Stichflügel mit dem Rekreationssaal bauen.[28] Aber erst Abt Engelbert wird von P. Michael von Mannstorf (1747) als Bauabt von Konventgebäuden erwähnt. Mader (1926) verweist auf Quellen, in denen er als Erbauer eines grossen Teils des Dormitoriums erwähnt ist. Instruktiv ist der bekannte Wening-Stich «Closter Allerpach». Er zeigt das Kloster im Zustand vor 1700/1703 mit dem Wappen des Abtes. Er könnte, wie viele Klosterdarstellungen von Michael Wening, auch noch nicht verwirklichte und nur projektierte Bauten enthalten. So ist der nach Osten springende, dreigeschossige Flügel (er würde ungefähr beim Kapitelsaal ansetzen), entweder ein Projekt oder eine Falschinterpretation des Stechers. Abzuleiten ist aber, dass um 1700 der heutige Westflügel und der Abteitrakt noch nicht geplant und auch nicht gebaut sind. An dieser Stelle ist noch die Abtei (D) vom Ende des 16. Jahrhunderts und der Gäste- oder Hofbau (M) der gleichen Bauperiode dargestellt. Bis zum Kriegsausbruch 1703 ist der abgewinkelte Südosttrakt mit dem Rekreationssaal neu gebaut. Der Ostflügel mit Sakristei, Kapitelsaal und Dormitorium könnte sich noch im Bau befinden. Alle Neubauten sind dreigeschossig, das ansteigende Gelände lässt den Südosttrakt zweigeschossig erscheinen.

Zweite Bauetappe unter Abt Theobald I. Grad (Grader) 1705–1734
Frühestens nach dem Frieden von 1714, vielleicht aber erst anschliessend an den Kirchenneubau, dürfte der Baubeginn für den nach Westen vorspringenden Abteitrakt mit den Gästezimmern und der Prälatur sein.[29] Nun kann auch der Westflügel mit dem neuen Treppenhaus anstelle der alten Abtei gebaut werden. An seinem Südende im zweiten Obergeschoss liegt der Festsaal, der heute als Salomonsaal bezeichnet wird.[30] Der Umbau des Südflügels mit der neuen Bibliothek könnte noch in diese Bauperiode fallen.

Ökonomiebauten von Abt Paulus Genzger 1734–1745
In die Regierungszeit von Abt Paulus Genzger fallen die Neubauten von Bräuhaus, Kastnerei, Mühle und Bauhof. Das heutige Brauereigebäude umfasst nebst der Brauerei die Mühle, wahrscheinlich auch die Pfisterei und Kastnerei.[31] Der Bauhof dürfte an der Lage des heutigen Bauhofes in den grossen Eckbau der Ökonomie eingegliedert sein. 1741–1745 bremst der Krieg zwischen Bayern und Österreich erneut alle Bauvorhaben.[32]

Die Klostergebäude unter Abt Theobald II. Reitwinkler 1745–1779

Rokoko in der Prälatur, im Festsaal und in der Bibliothek
Nach den mehrfachen Truppen-Einquartierungen der vorangegangenen Kriegsjahre bringt der Rokoko-Prälat Theobald II. nicht nur «die Abtei samt ihren durch die Kriegs-Unruhen sehr übel zugerichteten Gastzimmern, sondern auch das ganze Kloster von unten bis oben in bessere Gestalt».[33]   Mit Ausnahme des Rekreationssaals der ersten Bauetappe und des Festsaals der zweiten Bauetappe stammen die wenigen bis heute erhaltenen Deckenstuckaturen und Deckenfresken aus dieser Zeit. Auch die Ausstattung des Bibliotheksaals im Südflügel ist Abt Theodor II. zu verdanken. Ob erst jetzt die Bücher aus dem Obergeschoss des vor 1700 gebauten Konvent-Ostflügels (im Wening Stich mit N bezeichnet) in diesen neuen Bibliothekraum verlegt werden, ist nicht bekannt.

Die Künstler der Rokoko-Periode
Vorerst lässt Abt Theobald II. die beiden oberen Stockwerke der Prälatur und der Gastzimmer im Abteigebäude wieder herstellen. Die Stuckaturen der Prälatur, darunter farbig gefasste Bildreliefs, fertigt 1746/47 Johann Baptist Modler.[34] 1765 erstellt er auch die Stuckaturen der Gastzimmer im Abteigebäude. Im heute ausgeräumten Bibliotheksaal malt 1760 Matthäus Günther[35] das Deckenfresko. Im Spiegelgewölbe von 19,6×9,5 m stellt der geniale Rokoko-Freskant in der scheinarchitektonischen Mittelkuppel die Dreifaltigkeit dar, während in der irdischen Architektur die Vertreter der theologischen Wissenschaften, der Erd- und Himmelskunde, der Naturwissenschaften und der Künste zu sehen sind.

Portenkapelle und Seminargebäude
1767 lässt Abt Theobald II. das 78 Meter lange und dreigeschossige Eingangsgebäude zum Klosterareal bauen. Das Torhaus mit Pilastergliederung und Frontispiz trennt die gebäudehohe Kapelle vom östlich anschliessenden Gebäude des Knabenseminars.[36] Der Kirchenstandort an der Klosterpforte ist bei den Zisterziensern üblich. Er dient meist als Leutkirche. Da diese aber für Aldersbach in St. Peter schon vorhanden ist, wird sie hier zur Frauenkapelle[37] mit dem Patrozinium St. Leonhard. Sie ist schon seit dem Mittelalter an dieser Stelle und wird als Portenkapelle bezeichnet. Der Name ist eine Verballhornung der lateinischen «capella ante portas». Die Aldersbacher Portenkapelle ist ein halbrund geschlossener, mit sechs hohen Rundbogenfenstern belichteter Saal, 16,9×9,67 m gross. Zwar ist der Altar verschwunden, aber das Retabel-Fresko von Matthäus Günther ist noch erhalten. Auch das grosse Deckenfresko stammt von Matthäus Günther. Dank diesen Fresken strahlt der Raum trotz verlorener Einrichtung eine grosse Würde aus.

Veränderungen vom 19. bis ins 21. Jahrhundert

Die Säkularisation von Aldersbach 1803
Die bayrische Säkularisation trifft eine blühende und wirtschaftlich intakte Abtei.[38] 1803 wird die Klosterherrschaft mit allen Gebäuden und ihrem gesamten Inventar vom Kurfürstentum entschädigungslos enteignet. 41 Mönche mit Abt Urban Treml und 30 Studenten müssen das Kloster sofort verlassen. Den Konventualen wird eine Pension gewährt, die jüngeren nehmen Pfarrstellen in den ehemals zum Kloster gehörenden Pfarreien an.
Über 7000 ausgewählte Werke der Bibliothek werden nach München verfrachtet. 2043 Bände erhält die Provinzialbibliothek Straubing. Der grosse Rest der bedeutenden Bibliothek von ursprünglich über 30 000 Bänden wird 1807 als Makulatur verkauft.
1803 verschwinden durch die Bemühungen der kurfürstlichen Administration offensichtlich auch alle mobilen Wertsachen, die Gemälde und das Mobiliar des Klosters. Selbst das Klosterarchiv ist seither nicht mehr vorhanden.

Die Klosterkirche wird Pfarrkirche
Die ehemalige Klosterkirche entgeht dem ursprünglich geplanten Abbruch, nachdem schon  1803 ihre Orgeln und 1805 auch Glocken entfernt werden.[39] 1806 bestimmt sie der Staat anstelle der alten Leutkirche St. Peter zur neuen Pfarrkirche des ehemaligen Klosterortes mit 107 Einwohnern und 12 Wohnhäusern.[40] Als Pfarrkirche mit dem neuen Patrozinium Mariä Himmelfahrt bleibt sie nun unbehelligt, dies trotz der zeitgenössischen Wertung von 1870, dass sie «von den Brüdern Asam, wie fast alle Klosterkirchen, ohne künstlerischen Werth ausgemalt» sei.[41] Dass sie von Restaurationsgelüsten in barockfeindlicher Zeit verschont bleibt, dürfte mit der Baupflicht des Staates zusammenhängen, die dieser 1806 übernimmt. Restaurierungen finden im 20. Jahrhundert statt.[42] 2014 und 2015 erfolgt die jüngste Aussenrestaurierung. Bis um 2020 ist auch die Innenrestaurierung abgeschlossen. 

Die ehemaligen Klostergebäude als Gutsbesitz

1804 kann die kurfürstliche Administration die Konventgebäude mit allen umliegenden Baugruppen und mit der Brauerei erstmals verkaufen. Im Abteiflügel werden später Pfarrhof und Lehrerwohnungen eingerichtet. Mit Ausnahme dieser Gebäudeteile wechselt die ehemalige Klosteranlage schon 1811 den Besitzer. Neuer Käufer ist der bayrische Diplomat Johann Adam von Aretin. Seinen Wohnsitz hat der Käufer auf Schloss Haidenburg. Das Interesse der Erwerber liegt nicht an den Klostergebäuden, sondern, wie bei allen damals zu Schleuderpreisen verkauften bayrischen Klosteranlagen, an der Landwirtschaft, vor allem aber an der florierenden Bierbrauerei im südlichen Brauereiflügel. Dieser Flügel ist heute mit dem hohen Malzereiturm und den südlich angefügten Erweiterungen der einzige Bau der Klosterzeit mit stark veränderter Gebäudehülle. 1983 übergibt die Familie Aretin die nicht für Brauereizwecke genutzten Konventgebäude an den Förderkreis Kloster Aldersbach. Die Gebäude sind um diese Zeit in einem «jammervollem Zustand».[43] Wechselnde Fremdnutzungen während 180 Jahren sind dafür verantwortlich. Dem Förderkreis gelingt mit Unterstützung der Denkmalpflege die Rettung der noch vorhandenen Substanz. Einen gewaltigen, vor allem städtebaulichen Sanierungsschub löst aber erst die 1996 beschlossene Landesaustellung «Bier in Bayern» aus, die 2016 stattfindet. Nach 20-jähriger Anstrengung sind heute die Freiflächen des Klosterareals neu gestaltet, die ehemaligen Klostergebäude vorbildlich saniert und neuen, sinnvollen Nutzungen zugeführt. So sind nun Seminare und Übernachtungen in den ehemaligen Konventräumen möglich, das ehemalige Tor- und Seminargebäude dient als Rathaus und der zweiflüglige Winkel der ehemaligen Ökonomiegebäude ist Bauhof der Gemeinde.

Orgelschicksale
Die reiche Orgellandschaft in Aldersbach wird durch die kurfürstliche Verwaltung zerschlagen. Sie lässt 1803 die Orgel auf der Westempore entfernen und in die Stadtpfarrkirche Vilshofen verbringen. Das barocke Werk wird dort erstmals 1907 und nochmals 1957 durch Neubauten ersetzt. Nur das Gehäuse mit dem Rokokoprospekt bleibt bestehen. Es ist in Vilshofen bis heute erhalten. Auch die beiden Chororgeln der säkularisierten Aldersbacher Stiftskirche werden entfernt. Die eine Chororgel kommt 1804 in die Kirche von Egglham, wo sie 1882 verschwindet. Die zweite Chororgel wird 1806, nachdem die ehemalige Klosterkirche Pfarrkirche wird, auf die Westempore versetzt. Sie muss aber schon 1836 einem Neubau des Orgelbauers Ehrlich weichen, der die alte Orgel aufkauft. Im gleichen Jahr baut Ehrlich eine Orgel aus Aldersbach in die Kirche St. Johann in Regen ein. Es könnte sich um die ehemalige Chororgel, eher aber um die Orgel der Portenkapelle handeln.[44] Diese kleine einmanualige Orgel mit sieben Registern ist bis heute erhalten. Die Orgel der Leutkirche St. Peter wird 1806 nach Haarbach gebracht, wo sie das 19. Jahrhundert nicht überlebt.
Die Ehrlich-Orgel von 1836 auf der Westempore der ehemaligen Stiftskirche wird 1929 durch einen grösseren Neubau mit 21 Registern ersetzt. Versuche, den Rokokoprospekt von Vilshofen wieder nach Aldersbach zu versetzen, scheitern. Deshalb wird 1989 das Orgelgehäuse mit den Bildhauerarbeiten des Prospektes von 1773 nachgebaut, auf der Empore wieder aufgestellt und anschliessend das heutige Orgelwerk mit 42 Registern gebaut. Seither kann die Orgelempore wieder in ihrer barocken Einheit bewundert werden. An diese Leistung trägt der die Kirchenbaupflicht tragende bayrische Staat nichts bei, da «eine Orgel nicht notwendig zu einer Kirche gehört».


Klosterheraldik

Wappen1   Wappen2   Wappen3   Wappen4   Wappen5
Das Abteiwappen um 1720 an der Empore, gehalten von der thronenden Muttergottes mit Kind.
Foto: Bieri 2016.
  Wappen des Abtes Malachius Niederhofer (1669–1683) auf seinem Grabstein.
Foto: Wolfgang Sauber 2016 in Wikipedia.
  Wappen des Zisterzienserordens, der Abtei und des Abtes Engelbert Fischer (1683–1705) auf dem Wening-Stich.   Wappen des Abtes Theobald I. Grad (1705–1734) als Stuckatur in der Kirchenvorhalle.
Foto: Wolfgang Sauber.
  Wappen des Abtes Theobald II. Reitwinkler (1745–1779) als Stuckatur in der Kirchenvorhalle.
Foto: Wolfgang Sauber.
       

Die Wappen der Abtei Aldersbach und ihrer Bauäbte
Das Abteiwappen zeigt in Silber eine auf grünem Dreiberg stehende, gestürzte und eingeschweifte rote Spitze. An der Orgelempore wird dieser Wappenschild von der thronenden Muttergottes gehalten. In der Regel ist das Abteiwappen aber mit dem Zisterzienserwappen, dem in Schwarz doppelreihig rot-silbern geschachteten Schrägbalken kombiniert. Derart sind die beiden Wappen auf allen Grabsteinen, in allen Exlibris, im Vorraum der Kirche und an vielen Klostergebäuden angebracht. Die goldene Krümme der gestürzten Spitze des Wappenschildes im Frontispiz des Torhauses dürfte der Phantasie eines Restaurators entsprungen sein.[45]
Die Äbte haben sich in Aldersbach wenig verewigt, sodass wir ihre persönlichen Wappen hauptsächlich auf den Grabsteinen oder in Stichen finden.
Das persönliche Wappen des Abtes Malachius Niederhofer (reg. 1669–1683) ist ein auf einem Berg stehender Kranich, der in der rechten erhobenen Klaue einen Stein hält. Es ist auf seinem Grabstein zu sehen, soll aber auch über der Tür zum Rekreationssaal angebracht sein.
Es kann mit dem Wappen des Abtes Engelbert Fischer (reg. 1683–1705) verwechselt werden. Dieser führt einen schreitenden Fischreiher mit einem Fisch im Schnabel als Wappentier. Das Wappen ist im Stich von Michael Wening zu sehen, dessen Klosteransicht damit vor 1705 zu datieren ist.
Der nachfolgende Abt Theobald I. Grad oder Grader (reg. 1705–1734) verwendet den Buchstaben T, der auch als Taukreuz gelesen werden kann. Das Wappen finden wir in der Vorhalle der Kirche und auf seinem Grabstein.
Das persönliche Wappen des zweiten Bauabtes Theobald II. Reitwinkler (reg. 1745–1779) zeigt in Blau eine silberne Friedenstaube mit einem Ölzweig im Schnabel, die einem Regenbogen entgegenfliegt. Auch dieses Wappen ist auf dem Grabstein und in der Kirchenvorhalle zu sehen, auch auf einem Exlibris und im Auszug des Altars von Aholming.[46]

Pius Bieri 2016


Literatur:
Mannstorf, P. Michael von: Epitome Chronicorum Alderspacensium, Stadtamhof 1747.[47]
Meidinger, Franz Sebastian: Historische Beschreibung der kurfürstl. Haupt- und Regierungsstädte in Niederbaiern – Landshut und Straubing. Mit einer ansehnlichen Gemäldesammlung der Kirchen verschiedener Städte und hohen Prälaturen. Landshut 1787.
Mader, Felix und Ritz, Joseph Maria: Die Kunstdenkmäler von Niederbayern, Bezirksamt Vilshofen. München 1926.
Hauer, Willibald: Aldersbach. 850 Years Cistercian Church (Peda-Kunstführer, English Edition), Passau 1998.
Klugseder, Robert: Musikgeschichte Aldersbach. Magisterarbeit Regensburg 2002.
Wartena, Sybe: Die süddeutschen Chorgestühle von der Renaissance zum Klassizismus. München 2008.


Fotos:

Einzelne Fotos dieser Seite sind aus den Wikipedia-Commons übernommen. Den Autoren Wolfgang Sauber, «Zairon» und «CTHOE» danke ich für die Genehmigung zur Weiterverwendung.


Anmerkungen:
[1] Die Geschichte des Chorherrenstiftes ist unklar. Es dürfte sich um St. Peter, einer schon 735 bestehenden Kirche (der späteren Pfarrkirche und heutigen Friedhofkapelle) gebildet haben. Es wird von Bischof Otto I. von Bamberg gefördert, vielleicht sogar erst 1127 von ihm gegründet. Glaubhaft ist die Darstellung, dass er die Chorherren von Osterhofen nach Aldersbach verpflanzt, um das Stift Osterhofen 1127 den Prämonstratenser zu übergeben.

[2] Der Bach wird 1851 auf der Urpositionskarte «Eggelhamer-Bach» genannt. Heute «Aldersbach». Der Ortsname lautet 735 «Aldarespah» und 1097 «Alderespach». Der Name wird (Härtl 1870) von einem im 12. Jahrhundert ausgestorbenen Geschlecht hier ansässiger Edelleute hergeleitet.

[3] Im Peda-Kunstführer Aldersbach (1998) wird schon für das Jahr 1216 eine Schule für Knaben und Mädchen! vermerkt. Diese Meldung wird in weiteren Publikationen ungeprüft übernommen. Dass um diese Zeit noch ein Ordensverbot für das Unterrichten fremder Personen an Klosterschulen besteht, und dass Mädchen zu dieser Zeit der Zutritt in die Aldersbacher Klosterschule verwehrt bleibt, entgeht den Autoren. Erste Bemühungen der Zisterzienser für das allgemeine Schulwesen finden im späten 16. Jahrhundert statt.

[4] Theobald I. Grad oder Grader (1661–1734), aus Engkofen, Abt in Aldersbach 1705–1734.

[5] Die Quellen zum Bau (Rechnungen, Verträge, Tagebücher) sind heute nicht mehr vorhanden. Offensichtlich ist bei der Säkularisation alles vernichtet worden. Selbst die sonst immer bekannten Daten der Grundsteinlegung oder der Einweihung fehlen. Nur auf Grund von Signaturen und Chronogrammen am Bauwerk können Etappen ermittelt werden.

[6] Domenico Mazio oder Magzin (um 1650/65– nach 1726) aus Roveredo. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[7] «Dekoration ab 1718» liest man im Dehio (1988). Dekoration von was? Wenn mit dem abschätzigen Begriff der Beginn der Stuck- und Freskenausstattung durch die «Dekorateure» Asam gemeint ist, liegen die Verfasser um zwei Jahre daneben. Zum Begriff Dekoration siehe den Exkurs in dieser Webseite.

[8] Egid Quirin Asam (1692–1750) ist gleichzeitig (1717–1723) in Rohr tätig. In Aldersbach dürfte er wie üblich parallel und nachträglich zu den Arbeiten seines Bruders stuckieren. Siehe zu ihm die Biografie in dieser Webseite.
Cosmas Damian Asam (1686–1739) ist 1718 in Walderbach tätig. Vom dortigen Abt Malachias Lechner dürfte auch die Empfehlung für Aldersbach kommen. Im Herbst 1718 beginnt Asam den Grossauftrag von Weingarten und beendet dort Ende 1719 die Langhausfresken. Für die Fresken der Vierungskuppel und der Quertonnen geht er Anfang Juli 1720 nochmals nach Weingarten. Für Aldersbach bleibt also 1720 nur das Zeitfenster von ungefähr drei Monaten. Er malt mit seinem Trupp ungefähr 60 Quadratmeter pro Woche und kann so das Langhaus von Aldersbach problemlos in dieser Zeitspanne freskieren. Zu Cosmas Damian Asam siehe die Biografie in dieser Webseite.

[9] «ChrIsto Deo eX MarIa VIrgIne InCarnato» ergibt MDCCXVIIII oder MDCCXX (1720). Das erste Wort ChrIsto hat ein Restaurator mit Credo falsch interpretiert, was dann 1719 bedeuten würde.

[10] Joseph Matthias Götz (1696–1760) aus Bamberg, Sohn des Orgelbauers Johann Georg Götz. Seit 1715 in Passau als Geselle bei Joseph Hartmann, übernimmt dann dessen Aufträge für das Stift St. Nikola und wird später zum Kunst-Unternehmer mit Bildhauergesellen als selbstständige freie Mitarbeiter. Bei vielen Werken legt er nicht selber Hand an, sodass in Aldersbach vielleicht sein Mitarbeiter Peter Heel (1696–1797) aus Pfronten der Bildhauer ist.

[11] Das Altarblatt mit der Lactatio des hl. Bernhard ist ein Werk des Malers Johann Matthias Kager (1575–1634) aus München, der ab 1603 in Augsburg wirkt. Er ist auch als beratender Planer für die Dillinger Jesuitenkirche, des ersten Wandpfeiler-Saales im Norden.

[12] Die Statue der «Patrona Bavariae» ist ein Werk des Weilheimer Bildhauers Hans Degler (1564–1632/33).

[13] Johann Georg Bergmüller (1688–1762) aus Türkheim. Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[14] Br. Kaspar Griessemann OCist (1689–1742) ist Werkstattleiter. Er leistet 1721 in Aldersbach Profess. Bekannt ist er als Schöpfer von Altären, der Kanzel und des Chorgitters im Kloster Seligenthal, die er um 1731/34 aufstellt. Lebensdaten aus Bayerische Landesbibliothek Online. Die Zuschreibung des 20 Jahre nach seinem Tod erstellten Chorgestühls im Peda-Kunstführer (1998) ist falsch.

[15] Andreas Math (Lebensdaten unbekannt), Maler in Vilshofen. Er malt die Blätter des Dreikönigs-, des Bernhard- und des Benedikt-Altars.
Nikolaus Gottfried Stuber (1688–1749) aus München, in Italien ausgebildeter Maler. Hofmaler seit 1716. Er liefert die Blätter des Schutzengel-, des Magdalena- und des Walburga-Altars.

[16] Johann Sebastian Wild (Lebensdaten unbekannt) lernt beim Bamberger Orgelbauer Johann Georg Götz, baut 1691 die Orgel von Walderbach und lässt sich 1695 in Kirchenrohrbach nieder. Sein Sohn Christian (1695–1742) leistet 1716 Profess in Aldersbach.

[17] Theobald II. Reitwinkler (1705–1779) aus Passau, Sohn eines Baumeisters, Abt in Aldersbach 1745–1779.

[18] Johann Jakob Zeiller (1708–1783) aus Reutte im Lechtal. Schüler von Paul Troger. Siehe die Biografie der Wikipedia.

[19] Joseph Deutschmann (1717–1787) aus Imst. Bildhauer in der Werkstatt Götz in Passau, die er 1742 übernimmt.

[20] Im Peda-Kunstführer Aldersbach (1998) wird, ohne Quellennachweis, Johann Michael Schneitmann (~1720–~1795) aus Passau als Baumeister bezeichnet.

[21] Bartolomeo Altomonte (1694–1783) aus Warschau, wohnhaft in Linz, hauptsächlich in Österreich tätig, Maler des Spätbarocks, der keine Rokokotendenzen aufnimmt.

[22] Philipp Schmid (1711–1763), Orgelbauer in Passau.

[23] Die Zuschreibung der beiden musizierenden Engel an Deutschmann durch Felix Mader (1926) führt in der Folge zur Zuschreibung des ganzen Prospektes an Joseph Deutschmann. Vergleiche mit anderen Orgelprospekten führen aber eher zu Christian Wenzel Jorhan (1727–1804) aus Griesbach im Rottal, Bildhauer in Landshut. Zuschreibung: Robert Klugseder 2002).

[24] Norbert Lieb 1953.

[25] Giovanni Battista Carloni fasst seine Figuralplastik mit diesem einen warmen Rotsandstein imitierenden Ton. Der Farbton wird mit Puzzolanerde und Englischrotpigmenten erreicht.

[26] Die Stiftskirche von Diessen ist ein Hauptwerk von Johann Michael Fischer. Er baut die Wandpfeilerhalle, die ähnliche Proportionen wie Aldersbach aufweist, 1732–1739. Stuckierung durch die Wessobrunner Johann Michael Feichtmayr III mit Bruder Franz Xaver und mit Johann Georg Üblher von 1736-1737, die Fresken von Johann Georg Bergmüller 1736, die Altäre 1737–1738.

[27] So Willibald Hauer im Peda-Kunstführer Aldersbach (1998). Er bezeichnet den ganzen Klosterneubau als Werk der Brüder Giovanni Battista und Carlo Antonio Carlone. Dies offensichtlich, weil der Stuck im Rekreationssaal des Südosttraktes im Dehio (1988) als «um 1680 aus dem Umkreis des Giovanni Battista Carlone» beschrieben wird. Dieser, ausschliesslich als Stuckateur tätig, arbeitet um diese Zeit in Garsten (Bezirk Steyr, Oberösterreich). Sein Bruder Carlo Antonio ist zwar Baumeister, um diese Zeit hauptsächlich in Linz und Umgebung tätig. Er stirbt 1708 in Passau. Wäre er der Baumeister von Aldersbach, müsste der Klosterbau schon vor dem Spanischen Erbfolgekrieg vollendet sein. In seiner Werkliste fehlt deshalb Aldersbach.

[28] Felix Mader (1926) folgert dies aufgrund eines Wappens über dem Türsturz, das allerdings auf der Fotografie nicht nachvollziehbar ist. Seine Heraldikkenntnisse versagen vielfach, so kann er auch das Wappen des Abtes Theobald II. in Aholming nicht identifizieren. Siehe dazu die Ausführungen zur Klosterheraldik.

[29] Felix Mader (1926) bezeichnet sie als Bauten des Abtes Theobald Grader, was aufgrund des Wening-Stiches glaubwürdig ist. Demgegenüber legt das Denkmalpflege-Inventar die im Stich fehlenden Bauten ins späte 17. Jahrhundert.

[30] Der Fest- oder Fürstensaal wird wegen seiner Deckenfresken (um 1730) als Salomonsaal bezeichnet. Die Fresken sind aber schon 1926 weitgehend zerstört. Eine aufwändige Teilrekonstruktion (1999-2006) lässt heute das Gesamtbild erahnen.

[31] Brauhaus (P) und Mühle (R) sind schon im Stich von Michael Wening an dieser Stelle. Pfisterei und Kastnerei (O) liegen bei Wening entlang der westlichen Klostermauer. Eine Zusammenlegung von Pfisterei (Bäckerei) findet 1691 auch beim Neubau der Zisterzienserabtei Fürstenfeld statt.

[32] Der zeitgenössische Chronist P. Michael von Mannstorf schreibt 1747, dass der im Jahr 1741 angefangene schädliche Krieg dem Kloster schnell empfindliche Wunden zugefügt habe, ganz zu schweigen von seiner zweimaligen Nutzung als Hauptquartier und der damit verbundenen Verpflegung einiger tausend Mann mit ihren Offizieren und deren Anhang, und dass im weiteren auch mehrere kostspielige Winterquartiere zu ertragen waren.

[33] P. Michael von Mannstorf 1747.

[34] Johann Baptist Modler (1697–1774) aus Hohenfels in der Oberpfalz. Seit 1736 in Kösslarn sesshaft. Siehe zu ihm die Wikipedia-Biografie.

[35] Matthäus Günther (1705–1788) aus Peissenberg. Siehe zu ihm die Wikipedia Biografie.

[36] Das Knabenseminar Aldersbach ist ein Internat (seminaria minore) ohne Gymnasium und Lyzeum. Die bis 35 Zöglinge werden von Patres in Religions- und Sittenlehre, deutscher Sprachkunst, Latein, Griechisch, biblischer Geschichte, bayerischer Vaterlandsgeschichte, Geographie und Mathematik unterrichtet. Wichtig ist auch die musikalische Förderung.

[37] Der Zutritt in die Klosterkirche ist zur Zisterzienserzeit für Frauen nur an speziellen Hochfesten erlaubt.

[38] Die Anlagewerte der Abtei werden 1802 mit 626 536 Gulden geschätzt, der Aktivsaldo beträgt 134 564 Gulden und der Barbestand 24 882 Gulden. Die Jahreseinnahmen betragen 55 287 Gulden. Der Zeitwert aller Gebäude wird mit 42 308 Gulden angesetzt, die Klosterkirche ist darin mit ihrem Abbruchwert von 13 500 Gulden enthalten. Mit 33 292 Gulden wird das Weinlager bedeutend höher geschätzt. Das Kloster beschäftigt 110 ständige Arbeitnehmer und bezahlt ihnen einen durchschnittlichen Jahreslohn von 123 Gulden, der damit rund 23 % höher als das durchschnittliche bayrische Jahreseinkommen liegt.

[39] Das Schicksal der Orgeln siehe unten. Zwei Glocken aus dem Jahr 1769 kommen in die Stadtkirche Vilshofen, sie sind noch erhalten. Über das Schicksal der weiteren Glocken herrscht Unklarheit. 1943 werden jedenfalls fünf Glocken zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Das heutige Geläut wird 2015 von der Passauer Glockengiesserei Perner gegossen.

[40] Einwohnerzahl 1831, in: «Lexikon vom Königreiche Bayern». Die Pfarrei ist allerdings grösser und umfasst 534 Seelen. Die Leutkirche St. Peter wird 1806 profanisiert und ist heute Leichenhaus.

[41] Wertung von Michael Härtl, Seite 101 der Geschichte des Klosters Aldersbach in: Verhandlungen des historischen Vereins für Niederbayern, Landshut 1870.

[42] Präzise Informationen über diese Sanierungen und Restaurierungen mit genauen Daten sind in der kunsthistorischen Literatur nicht zu finden.

[43] Hermann und Anna Bauer in: Klöster in Bayern, München 1985, mit Foto auf Seite 186. Nicht immer lassen neue Besitzer Klostergebäude derart verwahrlosen, wie das Beispiel der Brauereifamilie Baumgartner in Raitenhaslach zeigt.

[44] Stephanie König in: Die Orgel von St. Johann in Regen (München 2003) vermutet die Chororgel von Aldersbach in St. Johann, während Robert Klugseder in: Die Pflege der geistlichen Musik im Zisterzienserkloster Aldersbach (Regensburg 2002/16) die Orgel der ehemaligen Aldersbacher Portenkapelle in St. Johann vermutet.

[45] Das Wappen der Gemeinde Aldersbach ist das veränderte Abteiwappen mit einer goldenen Krümme in der gestürzten Spitze, wie im Frontispiz des Torbaus schon zu sehen ist, und der Dreiberg ist rot anstelle grün.

[46] Die dortige Kirche wird 1765 von Aldersbach neu gebaut und erhält auch einen neuen Hochaltar. Aufgrund des Wappens von Abt Theobald II. an diesem Altar wird heute in der Literatur der Unsinn verbreitet, dass der Altar von Aholming derjenige der Portenkapelle von Aldersbach sei, obwohl das Retabel-Fresko der Portenkapelle die Dimensionen des Hochaltars von Aholming völlig sprengen würde.

[47] Die kurze Klosterchronik des Zisterziensergelehrten Michael von Mannstorf zu 600-Jahr-Feier von Aldersbach scheint bis heute die einzige Klosterchronik zu sein, die noch auf Quellenstudium aufbaut.


  Ehemalige Zisterzienserabtei und Stiftskirche Aldersbach  
  Aldersbach_innen-1  
Ort, Land (heute) Herrschaft (18. Jh.)
Aldersbach
Niederbayern D
Kurfürstentum Bayern
Bistum (18.Jh.) Baubeginn
Passau   ca. 1683
Bauherr und Bauträger
Abt OCist Engelbert Fischer (reg. 1683–1705)
Abt OCist Theobald I. Grad (reg. 1705–1734)
Abt OCist Paulus Genzger (reg. 1734–1745)
Abt OCist Theobald II. Reitwinkler
(reg. 1745–1779)
 
  Das Raumkunstwerk der Marienkirche von Aldersbach, wie es sich als «theatrum sacrum» dem eintretenden Besucher zeigt. Foto: 2014 by Zairon in Wikipedia.   pdf  
   
Lageplan_Aldersbach
Der Lageplan im Zustand der Klosterzeit um 1800. Für Erläuterungen bitte anklicken!  
   
Aldersbach_aussen_1
Das ehemalige Kloster von Osten gesehen. Links der Ostflügel, rechts das ehemalige Kloster-Krankenhaus, in der Mitte der 1617 gebaute Chor der Klosterkirche.
Foto: 2010 by CTHOE in Wikipedia.
Aldersbach_Aussen3
Der nach Westen vorstehende ehemalige Abteiflügel mit der Prälatur im 1. OG und den Gastzimmern im 2. OG, aus Süden gesehen. Im Hintergrund der Glockenturm mit den Obergeschossen von 1755. Foto: Bieri 2016.
Grundriss_Aldersbach
Grundriss der ehemaligen Klosterkirche aus den Kunstdenkmälern von Niederbayern (1926), mit leichten Korrekturen (Seitenaltäre, Chorgestühl). Für die Bauetappen siehe die Erläuterungen im Lageplan oben und im Text.  
Schnitte_Aldersbach
Die Schnitte der ehemaligen Klosterkirche mit Massangaben aus den Kunstdenkmälern von  Niederbayern (1926), der Querschnitt zur Erläuterung der harmonischen Raumverhältnisse vervollständigt.  
Aldersbach_innen_2
Blick in die Wandpfeilerabseiten der Nordseite. Die Wandpfeilerhalle der Marienkirche von Aldersbach reiht sich in ihren ausgewogenen Proportionen (siehe den Schnitt oben) in die besten Bauwerke dieses Typus ein, der mit den späteren Kirchen von Johann Michael Fischer die Vollendung findet. Foto: Bieri 2016.  
Orgelempore_Aldersbach
1803–1989 ist dieses Zusammenspiel von Stuck, Orgel und Fresken nicht mehr vorhanden. Erst mit der Rekonstruktion des Orgelprospektes von 1763 kann die Einheit der zweigeschossigen  Westempore wieder hergestellt werden. Foto: Bieri 2016.  
Orgelempore_Aldersbach
Ein frühes Meisterwerk von Egid Quirin Asam ist die plastische Gestaltung der Orgelempore. Mit der Mittelkartusche rahmt er das Fresko der thronenden Muttergottes, welche den Wappenschild der Abtei Aldersbach hält.  Zum Wappen siehe die Erläuterungen unten. Foto: Bieri 2016.  
Aldersbach_Chorbogen
Am Chorbogen, von Egid Quirin Asam stuckiert, lautet das Chronogramm «ChrIsto Deo eX MarIa VIrgIne InCarnato» (1720). Das erste Wort ChrIsto hat ein Restaurator mit Credo falsch interpretiert, was dann 1719 bedeuten würde. Nicht nur diese Korrektur, sondern auch die Reinigung und die Bereinigung der Farbfassung dürfte in den kommenden Jahren Ziel der neuen Restaurierung sein. Foto: Bieri 2016.  
Alderbach_Deckenfresken
Beim Blick in die Deckengewölbe beansprucht das grosse Langhausfresko von Cosmas Damian Asam die Aufmerksamkeit. Erstmalig verschleift er hier drei Gewölbejoche zu einem Grossbild. Er rechnet mit dem Betrachterstandpunkt am Eintritt in das Langhaus unter der Empore. Zwischen die stuckierte Decke und der Szenerie des Freskos schiebt Asam eine illusionistisch gemalte Balusterbrüstung. Die Baluster erscheinen nur von diesem einen Standpunkt aus senkrecht. Ein geteilt um das Bild laufendes Schriftband  lautet  «SIC ENIM DEUS DILEXIT MUNDUM UT FILIUM SUUM UNIGENITUM DARET Joan. 3 XVI» (So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn hingab; Johannes 3, 16). Damit ist der übergreifende Sinn des Freskos beschrieben, der aufgrund der Szene an der östlichen Schalseite des Bildes (in den Aufnahmen die untere Seite) als die Weihnachtserscheinung des hl. Bernhard bezeichnet wird. Siehe die vergrösserte Darstellung im nächsten Bild.
Foto: Zairon 2014 in Wikipedia.
 
Aldersbach_Asam1
Das Gesamtfresko, hier in der Grundrissfläche horizontal fotografiert, zeigt unten (oder am Ostende) den hl. Bernhard von Clairvaux als jungen barocken Edelmann, in lässiger Haltung auf einem Sessel in der hier geöffneten Brüstung sitzend. Hinter ihm ist in einem zweiten scheinperspektivischen Architekturaufbau die Weihnachtsgeschichte dargestellt. Die mittige Gewölbeöffnung ist geschickt einbezogen. Über dieser Darstellung, in Wirklichkeit hinten, gegen die Orgel, öffnet sich (anklicken!) der Himmel mit Gottvater im Zentrum. Engel tragen die Weltkugel und das Kreuz Christi.
Foto: Zairon 2014 in Wikipedia.
 
Aldersbach_Asam2
Auch das Fresko über dem Hochaltar soll noch ein eigenhändiges Werk von Cosmas Damian Asam (1721) sein. Das Thema des Pfingstwunders behandelt er hier trotz Anlehnung an die Scheinkuppel-Vorlage von Andrea Pozzo bedeutend freier als das gleiche Thema in Weingarten (1720). Der scheinarchitektonische Aufbau ordnet das expressiv wirkende Bild kaum. Foto: www.zeno.org.  
Aldersbach_Hochaltar
Der Aldersbacher Hochaltar aus der Passauer Werkstätte Götz bildet zusammen mit den beiden Seitenaltären eine eindrückliche barocke Szenographie. Er ist mit den gewundenen, freistehenden und in der Tiefe gestaffelten Säulen schon fast ein Ziborienaltar. Der Auszug wird fast völlig von der Figurengruppe um die Trinitätsdarstellung verdeckt. Der Altar und die Bildhauerarbeiten im Auszug sind grossartige Leistungen des Spätbarocks.
Foto: Bieri 2016.
 
Aldersbach_Altar_Ausschnitt
Das  Altarblatt des Hochaltars stammt vom Vorgängeraltar aus 1619. Es ist eine Arbeit des in Augsburg wirkenden Malers Johann Matthias Kager. Über einer irdischen Heiligenversammlung ist auf Wolken der hl. Bernhard  zu sehen, wie er Milch aus der Brust der Muttergottes empfängt. Auch die Marienstatue auf dem Tabernakel im Vordergrund stammt vom alten Altar. Foto: Bieri 2016.  
Aldersbach_Marienaltar
Die beiden Seitenaltäre, hier der nördliche Marienaltar, sind wie der Hochaltar hervorragende Arbeiten der Bildhauer-Werkstätte Götz. Die Altarblätter sind 1728 und 1729 signierte Arbeiten von Johann Georg Bergmüller. Foto: Bieri 2016.  
Bermüller_Aldersbach
Ein Ausschnitt aus dem Altarblatt des Marienaltars mit der Darstellung von Mariä Heimsuchung, wie der Besuch der schwangeren Maria bei ihrer älteren Verwandten Elisabeth als Festtag genannt wird. Johann Georg Bergmüller malt Maria als Frau des Volkes. Nur ihr blauer Umhang und die vor ihr kniende Elisabeth weisen auf ihren Rang hin.
Foto: Wolfgang Sauber 2016 in Wikipedia.
 
Aldersbach_Stallen1
Das Chorgestühl mit 48 Plätzen, verteilt auf die zwei Chorseiten, ist zum grossen Teil eine Arbeit der Klosterwerkstätten. Die bildhauerischen Arbeiten stammen von Joseph Deutschmann. Von ihm sind auch die vergoldeten Reliefs der Schirmwände gegen das Langhaus. Über dem Chorgestühl von 1762 liegen die mit Akanthus-Schnitzwerk versehenen Emporenbrüstungen der Chororgeln. Foto: Bieri 2016  
Aldersbach_Stallen2
Erst bei näherer Betrachtung sieht man die Qualität der Kunstschreiner- und Bildhauerarbeiten am Chorgestühl. Zwar ist die ursprüngliche Zinn-Marketerie heute nur noch aufgenagelt, aber dies stört wenig am Gesamtbild eines der wenigen, seit der Säkularisation unverändert gebliebenen Rokoko-Gestühls.
Foto: Zairon 2014 in Wikipedia.
 
Alderrsbach_Aussen4
1767 lässt Bauabt Theodor II. die Portenkapelle und das Torhaus mit einem Schulgebäude neu bauen. Fast schon klassizistisch wirkt das Torhaus mit dem Frontispiz-Abschluss. In ihm ist ein phantasievoll restauriertes Abteiwappen zu sehen, das tatsächlich eine Abtkrümme in der roten Spitze zeigt. Das Abteiwappen kennt diese Krümme nicht. Mit dem Gemeindewappen stimmt es aber überein. Dies fügt sich gut, denn in den ehemaligen Schulräumen und im Torhaus residierend heute die Gemeindeverwaltung.
Foto: Bieri 2016.
 
Portenkapelle_Adlersbach _Innen
Aus der Portenkapelle ist dank den noch erhaltenen Fresken von Matthäus Günther wieder ein würdiger Andachtsraum geworden, obwohl seit 1803 Altar und Orgel entfernt sind. Das grosse Fresko mit der Szene des Philosophen Dionysos Areopagita, wie er die Sonnenfinsternis beim Tod Christi beobachtet, ist ein Bestandteil des ehemaligen Altars. Der heute in Aholming stehende Altar kann es nicht sein, dieser wird 1765 von Aldersbach neu erstellt (siehe dazu das Kapitel Klosterheraldik). Zum raumbeherrschenden Deckenfresko siehe Bild und Kommentar unten.
Foto: Wolfgang Sauber 2016 in Wikipedia
 
Alderbach_Portenkapelle_Fresko
Das Mittelbild im Deckenspiegel der Portenkapelle, hier in der Grundriss-Projektion als Ausschnitt ohne den scheinarchitektonischen Attikakranz. Die westliche Kapellenrundung ist unten. Das Bildthema sind die Schmerzen Mariens. Günther verlegt die Szenen in die terrestrischen Randzonen. Im Bild unten, über dem Altar, ist die Kreuzabnahme auf Golgatha zu sehen. Seitlich links die Szenen von Christi Abschied und der Flucht nach Ägypten, rechts die Kreuztragung und der Jesusknabe bei den Schriftgelehrten im Tempel. Über der Empore, im Bild oben, die Darstellung der Beschneidung Jesu. Maria ist in den sechs Szenen als mit dem Schwert durchbohrte Mater dolorosa gemalt. Im weit geöffneten Himmel ist als einzige Szene das Kreuz in rauchfarbenem Wolkenband zu sehen. «Das erlesene Werk steht für den Ausklang spätbarocker Freskokunst, die hier eine Tendenz zur Verflüchtigung ins Sublime aufweist» (Michael Brix im Dehio 1988).
Foto: Bieri 2017