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Br. Heinrich Mayer SJ (1636–1692)

Jesuitenbaumeister

Heinrich Mayer (auch: Mair) wird am 24. Juni 1636 im sächsischen Altenburg geboren. Die Einwohner der Residenzstadt, die im Dreissigjährigen Krieg schwer leidet, sind Lutheraner. Heinrich, der das Kunstschreinerhandwerk gelernt hat, konvertiert und tritt 1662 in Landshut in den Jesuitenorden ein. Er wird vom Orden gefördert und ist hier 1665–1667 mit dem Kollegiumsneubau betreut, den der Vorarlberger Michael Beer beginnt und Michael Thumb vollendet. 1667–1673 ist Mayer im Jesuitenkolleg München. Von hier aus baut er 1668 die Sebastianskapelle in der Niederlassung Ebersberg, Michael Schmuzer führt die Stuckaturen nach seinem Entwurf aus. 1672 wird er nach Luzern gesandt, um hier die im Rohbau schon vollendete Jesuitenkirche zu vollenden. Er verändert die Hauptfassade und verleiht ihr barocke Plastizität. Er ist Schöpfer der Stuckausstattung, wieder mit Michael Schmuzer, und erstellt den prachtvollen Hochaltar in Stuckmarmor. 1673 tritt er ins Jesuitenkollegium Luzern ein. Von Luzern aus vollendet er die von Pater Christoph Vogler begonnene Jesuitenkirche in Brig. Er ist auch gesuchter Fachmann im Gewölbebau mit Leichtziegeln und wird zweimal für Gewölbekonstruktionen nach Konstanz gerufen. In Luzern baut er ab 1679 für die Ursulinen das Kloster und die Kirche Mariahilf. Diese Wandpfeilerkirche, wie Dillingen ohne durchlaufendes Gesims, aber mit Emporen, ist eine Vorwegnahme des Vorarlberger Schemas. Sie ist ursprünglich ganz weiss, ohne Stuck und Malerei. Nachfolgerin der Mariahilf-Kirche ist die Jesuitenkirche von Solothurn, die er 1679–1680 plant und die ein anderer Jesuit, Johann Franz Demess, ausführt. Obwohl keine Vorarlberger Baumeister und Stuckateure beteiligt sind, ist die Verwandtschaft von Solothurn mit den späteren Vorarlbergerbauten in Obermarchtal, Hofen oder Holzen auffällig. Dass dies kein Zufall ist, bestätigt seine Berufung nach Ellwangen, wo er 1683, ein Jahr nach Baubeginn, den Neubau der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg vom Vorarlberger Michael Thumb übernimmt und nach eigenen Plänen abändert. Er ist hier wie in Luzern und Solothurn auch Planer der Stuck- und Altarausstattung, die ab 1686 ausgeführt wird. Die Kirche ist 1690 im Wesentlichen vollendet. Gleichzeitig mit Ellwangen wird Mayer für die neue Jesuitenkirche in Freiburg im Breisgau beigezogen, die 1683–1689 gebaut wird. Für die Kirche Obermarchtal liefert er, ebenfalls 1683, die Planrisse und 1684 das Modell, nach dem die Kirche von Michael Thumb ausgeführt wird.[1] In Ellwangen baut er 1688 das Palais Adelmann, eine repräsentative Stadtresidenz des Hochbarock, eine der bedeutendsten ihrer Zeit in Süddeutschland. 1690 wird er nach Eichstätt versetzt, um hier in der bischöflichen Willibaldsburg Stuckmarmorarbeiten auszuführen.
Am 20. November 1692 stirbt Br. Heinrich Mayer in Eichstätt im Alter von 56 Jahren.
Br. Heinrich Mayer ist als Persönlichkeit mit Br. Caspar Moosbrugger vergleichbar. Wie der Vorarlberger hat er seine Wurzeln im praktischen Handwerk und entwickelt sich, gefördert vom Umfeld in den Ordensniederlassungen, mit enormer künstlerischer und technischer Begabung zum gesuchten Ordensbaumeister. Er ist «ein im Bauwesen und Gipsarbeit sehr erfahrener Künstler, der dem Bau ferner vorgestanden ist. Dieser verbesserte ferner ein anderes an der gemachten Zeichnung, sonderbar die Höhe der Kirche betreffend, welcher er noch ein Merkliches zulegte» schreibt ein Zeitgenosse über den Baumeister der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg bei Ellwangen.

Pius Bieri 2008, rev. 2012

Literatur:

Braun SJ, Joseph: Die Kirchenbauten der deutschen Jesuiten, zweiter Teil. Freiburg im Breisgau 1910.
Gysi, Fritz: Die Entwicklung der kirchlichen Architektur in der deutschen Schweiz im 17. und 18. Jahrhundert, Aarau 1914.
Reinle, Adolf: Kunstgeschichte der Schweiz, Dritter Band, Frauenfeld 1956.
Reinle, Adolf: Die Baugeschichte der Luzerner Jesuitenkirche, in ZAK Band 22, Heft 3, Zürich 1962.

Anmerkung:

[1] Quellen in Schöntag, Wilfried: Germania Sacra, Dritte Folge 5: Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz: Das Bistum Konstanz 6: Das reichsunmittelbare Prämonstratenserstift  Marchtal. Berlin und Boston 2012. Die Kirche Obermarchtal ist als Werk des Vorarlbergers Michael Thumb bekannt. Dieser hat aber nur die Ausführungsplanung 1685 und Ausführung ab 1686 betreut, wie das Modell des Br. Heinrich Mayer belegt.

Werke von Br. Heinrich Mayer SJ (ohne Vollständigkeit):

Landshut (D), Jesuitenkollegium, Neubau, mit Michael Beer und Michael Thumb, 1665–1667.
Ebersberg (D), Jesuitenniederlassung, Neubau der Sebastianskapelle, 1668–1673.
Luzern (CH), Jesuitenkirche, Neubau, Stuckierung und Fertigstellung, Hauptaltar 1672–1681.
Brig (CH), Jesuitenkollegium, Neubau Kirche, in Nachfolge Christoph Vogler SJ, 1675–1681, nach Zerstörung  1777 wiederaufgebaut.
Solothurn (CH), Jesuitenkollegium, Neubau der Kirche, Planung, 1679–1680, Ausführung 1680–1687, ab 1682 unter Leitung von Pater Johann Franz Demess SJ,.
Konstanz (D), Münster, Planung der Einwölbung. Ausführung Daniel Glattburger mit Sohn Hans Caspar, 1679.
Luzern (CH), Ursulinenkloster, Neubau Kloster und Klosterkirche Mariahilf, 1679–1682.
Konstanz (D), Jesuitenkollegium, Umbau der Kirche mit Gewölbeeinzug, 1682.
Ellwangen (D), Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg, Neubau, begonnen 1682 durch Michael Thumb, Änderung der Planung und Fertigstellung 1683–1692, Gewölbezone und Ausstattung nach Turmeinsturz 1709 erneuert.
Obermarchtal (D), Prämonstratenser-Reichsabtei, Planung und Modell zum Kirchenneubau, 1683-1684.
Freiburg im Breisgau (D), Jesuitenkirche, Neubau, 1683–1689, nach 1944 wiederaufgebaut.
Ellwangen (D), Stadtpalais Adelmann, Neubau, 1688.
Dillingen (D), Akademiegebäude der Jesuitenuniversität, Neubau 1688.
Zwiefalten (D), Benediktinerabtei, Neubau Ostflügel, 1684–1688 durch Michael Thumb erstellt. Zuschreibung der Ausführung? an Mayer.[1]
Eichstätt (D), Willibaldsburg, Raumausstattungen 1690–1692 (nicht mehr erhalten).

Anmerkung:

[1] Bruno Bushart in: «Dehio» Baden Württemberg II, 1997, schreibt Heinrich Mayer ohne Quellengrundlage die Ausführung zu. In der übrigen Literatur über Zwiefalten ist allerdings keine Beteiligung des Jesuitenbruders in Zwiefalten erwähnt. Als Entwerfer von Ausstattungen im Ostflügel könnte er aber in Frage kommen. Darauf weist auch der spätere Beizug seines Schülers in Ellwangen, Melchior Paulus (1669–1745), für die Stuckaturen im Kapitelsaal von Zwiefalten und in der Konviktkirche von Ehingen.

 

 

  Br. Heinrich Mayer SJ (1636–1692)  
  Biografische Daten        
  Geburtsdatum Geburtsort     Land  
  24. Juni 1636 Altenburg   Thüringen (D)  
    Land 18.Jh.     Bistum 18.Jh.  
    Herzogtum Altenburg   (Lutheranisch)  
  Sterbedatum Sterbeort     Land  
  20. November 1692 Eichstätt   Bayern D  
    Land 18. Jh.     Bistum 18. Jh.  
    Fürstbistum Eichstätt   Eichstätt  
  Kurzbiografie        
  Die Sakralbauten von Br. Heinrich Mayer sind wichtige Schlüsselbauwerke für die Entwicklung der hochbarocken Wandpfeiler-Emporenräume insbesondere der Vorarlberger Baumeister. Er ist nicht nur hervorragender Planer, sondern auch Stuckateur und Gewölbebau-Spezialist.

Seine Hauptwerke
Jesuitenkirche Luzern.
Ursulinenkirche Luzern.
Jesuitenkirche Solothurn.
Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg in Ellwangen.
Stiftskirche Obermarchtal
Palais Adelmann in Ellwangen.

    Solothurn  
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Die Jesuitenkirche von Solothurn, 1679–1682 von Br. Heinrich Mayer geplant und geleitet, ist wichtiges Vorläuferbauwerk der Kirche auf dem Schönenberg in Ellwangen. Der Fassadenplan, den Br. Johannes Hörmann 1683 kopiert, ist ein Entwurf von Br. Heinrich Mayer aus dem Jahr 1680 und zeigt Varianten der Bekrönung der Seitenflügel. Die Variante mit Balustradengeländer wird gebaut.
Original im Bayrischen Hauptstaatsarchiv München.
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