Ferdinand Hundt (1703–1758)

Kunstschreiner in Würzburg und Bruchsal

Ferdinand Hundt wird am 2. Juli 1703 als Sohn von Matthias Hundt und der Margaretha Erber in Ebersbach in der Deutschordensherrschaft Altshausen geboren und gleichentags getauft. Sein Vater ist hier Schreiner. 1706–1707 kann er für die Stiftskirche der Abtei Schussenried das Kirchengestühl und die Kanzel herstellen. Bei ihm geht Ferdinand in die Lehre. Ein acht Jahre älterer Schreinergeselle aus Altshausen, Franz Benedikt Schlecht, wird 1723 in Würzburg als Hofschreiner sesshaft.[1] Er arbeitet in der neuen Residenz, wo der Innenausbau im Südblock und in den Paraderäumen der Gartenfront um die Mitte der 1730er-Jahre einen Kunsthandwerker-Zuzug nach Würzburg auslöst. Schlecht erhält 1734 den Auftrag für die Kunstschreinerarbeiten der Bischofswohnung im Südblock. Er wird deshalb den 1735 erfolgten Zuzug seines Landsmanns Ferdinand Hundt gefördert, wenn nicht sogar initiert haben. Unter der Leitung des Hofmalers Johann Rudolf Byss arbeitet Hundt anfänglich an den Modellen für das vergoldete Zinnwerk der Bischofsräume im Südblock.[2] Wie die hohen Zahlungen belegen, beschäftigt Hundt bereits Mitarbeiter.[3] Die Arbeiten finden Aufmerksamkeit und Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn unterstützt auf Antrag des Bauleiters Balthasar Neumann den Antrag Hundts auf Niederlassung und Meistergerechtigkeit, die ihm 1737 gewährt wird. Als Meisterstück genügen der Zunft die ausgeführten Räume der südlichen Bischofswohnung. 1738 heiratet Hundt die Würzburger Bürgerstochter Maria Barbara Kuchenmeister (1720–1751). Trauzeuge ist Franz Benedikt Schlecht. Von den sechs Kindern dieser Ehe erreicht nur eine Tochter das Erwachsenenalter.
In den 1740er-Jahren, nach dem Ableben des Hofmalers Byss, prägen zwei andere Künstlerpersönlichkeiten die neuen Raumausstattungen der Residenz, vor allem die Paraderäume im Gartenflügel. Es sind der Stuckateur Giuseppe Antonio Bossi und der Bildhauer Johann Wolfgang van der Auwera. Beide sind wie Ferdinand Hundt seit der Mitte der 1730er-Jahre in der Residenz tätig.[4] 1740 beginnt Bossi die Stuckarbeiten im Audienzsaal. 1741 folgt ihm Hundt mit den Schreinerarbeiten der Wände. Der Audienzsaal ist der erste Rokokoraum der Residenz und das Hauptwerk von Ferdinand Hundt. Beim nachfolgenden Spiegelkabinett wird aber bereits Auwera die Holzarbeiten entwerfen und erstellen. Hundt ist im Gegensatz zu Bossi und Auwera nicht Hofhandwerker. Er übernimmt auch einfachste Schreinerarbeiten wie Kirchenbänke in der Hofkirche oder Fensterläden im Schloss Werneck. Über die Tätigkeiten zwischen 1742 und 1749 sind wir schlecht informiert. 1750 und 1751 ist er im fürstbischöflichen Schloss Seehof bei Bamberg tätig. Im November 1751 tritt er in die Dienste des Fürstbischofs von Speyer, Christoph von Hutten. Balthasar Neumann dürfte hier als Vermittler in Frage kommen. Hundt ist als Hofschreiner vor allem für die Rokoko-Innenausstattung der Repräsentationsräume in der Residenz Bruchsal zuständig.[5] Nach dem frühen Tod seiner ersten Frau heiratet er 1755 in Bruchsal die Witwe des Malers Johann Heinrich Krefeld, stirbt aber schon am 28. Februar 1758 mit 55 Jahren in Bruchsal.

Pius Bieri 2011

Literatur:
Sedlmaier, Richard und Pfister, Rudolf: Die fürstbischöfliche Residenz zu Würzburg. München 1923.
Friedrich, Verena: Rokoko in der Residenz Würzburg. München 2004.

Anmerkugen:
[1] Vorerst arbeitet Schlecht als Modellbauer für den Nordblock. Die Wichtigkeit detaillierter Grossmodelle als Grundlage der Ausführung wird, da im süddeutschen Raum nur wenige Modelle bis heute erhalten sind, völlig unterschätzt. Nicht die Pläne, sondern die Modelle sind meistens erste Grundlage von Vertrag und Ausführung. Das Modell wird dabei vielfach als Visierung bezeichnet. Für die Residenz erstellen Schlecht und weitere Modellbauer zwischen 1723 und 1745 Dutzende von Modellen.

[2] Johann Rudolf Byss (1660–1738) ist seit 1736 künstlerischer Leiter der Innenausstattung und richtet eine Zinngiesserei ein, deren Modelle von Schreinern nach seinen Entwürfen angefertigt werden. Hundt ist an der Zinnornamentik der seit 1807 zerstörten Räume im Südblock massgeblich beteiligt. Einen Hinweis auf die reiche Gestaltung dieser Räume kann das (nach 1945 rekonstruierte) Venezianische Zimmer geben, während dessen Ausführung Byss starb.

[3] Er erhält schon 1736 den Betrag von 1173 Rheinischen Gulden ausbezahlt, sein Wochenlohn beträgt aber nur bescheidene 3 Gulden.

[4] Giuseppe Antonio Bossi (1699–1764). Er wird meist als Antonio bezeichnet. Völlig falsch ist die Vertauschung der Vornamen zu «Antonio Giuseppe». Bossi arbeitet seit 1734 in Würzburg.
Johann Wolfgang van der Auwera (1708–1756)
arbeitet seit 1736 an der Residenz.

[5] Alle Räume werden im Zweiten Weltkrieg zerstört.

  Ferdinand Hundt (1703–1758)  
  Biografische Daten        
  Geburtsdatum (Taufe) Geburtsort     Land  
  2. Juli 1703 Ebersbach bei Altshausen     Baden-Württemberg D  
    Land 18.Jh.     Bistum 18.Jh.  
    Deutscher Orden     Konstanz  
  Sterbedatum Sterbeort     Land  
  28. Februar 1758 Bruchsal     Baden-Württemberg D  
    Land 18. Jh.     Bistum 18. Jh.  
    Fürstbistum Speyer     Speyer  
  Kurzbiografie        
  Ferdinand Hundt beginnt 1735 mit den Raumausstattungen der Bischofswohnung in der Würzburger Residenz. Er muss schon zu diesem Zeitpunkt als einer der fähigsten Kunstschreiner und Ornamentschnitzer gelten. Sein Hauptwerk in Würzburg ist die 1741–1742 erstellte wandfeste Kunstschreiner-Ausstattung des Audienzsaals, der gleichzeitig auch das erste Rokokoraum der Residenz ist. 1751 beginnt er mit der Rokokoausstattung der Residenz in Bruchsaal. Alle seine Arbeiten werden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Nur in den wichtigsten Räume der Würzburger Residenz sind heute auch die Arbeiten von Ferdinand Hundt wieder rekonstruiert, sodass einer der bedeutendsten Kunstschreiner des deutschen Rokoko nicht ganz der Vergessenheit verfällt     HundtWuerzburg  
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Das Hauptwerk von Ferdinand Hundt, die Kunstschreiner-Ausstattung im Audienzsaal der Würzburger Residenz, ist heute wieder rekonstruiert. Auf der 1916 erstellten Schwarzweiss-Aufnahme ist der warme Farbton des Nussbaumholzes und der Goldton der Ornament-Fassung zwar nicht zu sehen. Aber auch ohne die Farben ist die Energie, die sich im Rocaille-Ornament der Spiegelrahmung entfaltet, deutlich spürbar.

Bild: 1916 von Paula Deetjen-Springmann (geb. 1879), aus Sedlmaier/Pfister 1923.