Johann Bernhard Fischer von Erlach (1656–1723)

Hofarchitekt in Salzburg und Wien. Wegbereiter des süddeutschen Spätbarocks.

Herkunft
Johann Bernhard Fischer wird am 20. Juli 1656 in Graz getauft. Das Geburtsdatum wird deshalb mit dem 18. Juni angenommen. Sein Vater Johann Baptist (1626–1702) führt eine Bildhauerwerkstatt, seine Mutter Anna Maria geb. Krätschmayr (1618–1677) ist Tischlerstochter und Witwe des Bildhauers Sebastian Erlacher, dessen Werkstatt Vater Johann Baptist übernehmen kann.

Ausbildung
Der junge Johann Bernhard macht ein Lehre als Bildhauer beim Vater und geht schon in den frühen 1670er Jahren nach Rom. Hier findet er in der Werkstatt des Hofmalers Johann Paul Schor und seiner Söhne Arbeit.[1] Schor ist Schüler Berninis und auch als Gartenarchitekt tätig.  Vorerst arbeitet Johann Bernhard als Bildhauer für diese Gartengestaltungen und bildet sich in Zeichnung und Entwurf weiter aus. Aus diesen ersten Romjahren dürfte auch die Vorliebe Fischers für die Vasendarstellungen in seinem berühmten eigenen Stichwerk stammen. Entscheidend für den jungen Praktikanten bei Schor ist dann der Zugang zum zeichnerischen Werk des schon 77-jährigen Gian Lorenzo Bernini.[2]

Bernini
Johann Bernhard Fischer kann das Entstehen der letzten plastischen Spätwerke Berninis aus nächster Nähe verfolgen. Er fertigt Abzeichnungen von Berninis Louvre-Entwürfen und nähert sich im Zeichnungsstil der Bernini-Schule. Der Zugang zu Bernini muss über dessen Nachfolger Carlo Fontana erfolgt sein.[3] Fischer wird deshalb oft als Schüler von Carlo Fontana bezeichnet. Tatsächlich ist Fontana zwar langjähriger Partner von Bernini, vertritt aber einen eher klassizistischen Barock, weit entfernt vor allem von den Werken des barocken «Häretikers» Borromini.[4] So bezeichnet Hans Sedlmayr nicht Fontana, sondern Fischer als den wahren Erben Berninis.

Heimkehr und erste Werke in Wien und Mähren
Vermutlich 1686 reist Fischer, nach einem zweijährigen Aufenthalt in Neapel, wieder nach Graz und nimmt 1688 Wohnsitz in Wien. Die in Rom und Neapel geknüpften Kontakte zum kaiserlichen Adel scheinen sich auszuzahlen. Zwar sind zwei Bildhaueraufträge für den Kaiser Leopold I. kein grosser Erfolg,[5] aber schon 1687 entwirft er sein erstes architektonisches Werk, das Belvedere-Lusthaus im Garten der Rossau für Fürst Johann Adam von Liechtenstein.[6] Dieser kunst- und bauerfahrene Bauherr überträgt Fischer im folgenden Jahr den Bau der grossen Vierflügelanlage seiner Pferdestallungen im mährischen Eisgrub (Lednice). Vorbild dieses «Schloss der Rosse» ist der Palazzo del Tè in Mantua. Noch vor dem Belvedere-Lusthaus in der Rossau muss auch ein Entwurf Fischers für das dortige Gartenpalais entstanden sein, der fast wörtlich das erste Bernini-Projekt für den Louvre zitiert.[7] Liechtenstein geht auf diesen frühen Entwurf nicht ein. Er überträgt das Gartenpalais 1691 Domenico Egidio Rossi aus Fano. Schon 1692 wird Rossi durch Domenico Martinelli abgelöst. Martinelli ist jetzt bevorzugter Architekt des Fürsten Liechtenstein, Fischer scheidet aus.[8]
Mit den böhmischen Grafen von Althann findet er aber 1688 neue Bauherren.
Für Johann Michael II. von Althann baut er bis 1694 den Ahnensaal von Schloss Frain (Vranov nad Dyjí) in Mähren. Er fügt der bestehenden Dreiflügel-Schlossanlage, steil über dem Fluss Thaya gebaut, ein mächtiges Gebäudeoval an. Der Bau ist ohne Beispiel in der gesamten zeitgenössischen Baukunst, sein Innenraum stellt einen der stärksten Raumeindrücke im deutschen Barock dar. Johann Michael Rottmayr, dessen Zusammenarbeit mit Fischer hier beginnt, ist Schöpfer der Kuppelfresken.
Für Johann Baptist Christoph von Althann[9] baut er, wahrscheinlich zwischen 1688 und 1693, ein Lustgebäude in der Rossau bei Wien. Der Grundriss in Form eines flachen Andreaskreuzes mit zentralem Oval ist von derartiger Originalität, dass die 1725 erfolgte Veröffentlichung wahrscheinlich Prototyp für das Jagdschloss Stupinigi bei Turin wird.[10]  
1688 dediziert Fischer ein erstes Projekt für Schönbrunn an Kaiser Leopold I. Es wird erst 1725 in seinem Werk «Entwurf zu einer historischen Architektur» veröffentlicht. Mit diesem Projekt einer Versailles übertrumpfenden «Venerie Imperiale», einem «Schönbrunn auf dem Berg», will sich Fischer beim Kaiser auch als Architekt empfehlen. Er hat Erfolg und wird 1689 zum Architekturlehrer des Thronfolgers Joseph bestimmt.[11]
Der Durchbruch als Architekt in Wien gelingt ihm 1690 interessanterweise mit vergänglicher Festarchitektur. Mit den zwei von ihm entworfenen Triumphbögen oder Ehrenpforten für den 1690 erfolgten Einzug Josephs I. in Wien stellt er die noch immer das Wiener Bauwesen beherrschenden Italiener in den Schatten. Die vielbeachteten Bauwerke (auch im Zuge der einsetzenden Ausländerfeindlichkeit)[12] sprengen nicht nur mit ihrer Grösse, sondern auch mit ihrer reichen Ikonographie der bildhauerischen Gestaltung alle bisherigen Masse.

Familie
1690 heiratet Johann Bernhard Fischer Sophia Constantia Morgner (um 1670–1704), die Tochter eines Regensburger Notars. Nur einem Kind aus dieser ersten Ehe wird in der Forschung Aufmerksamkeit zuteil. Dies, weil der 1693 geborene zweite Sohn Joseph Emanuel Johann später selbst in die Fussstapfen des Vaters tritt und Hofarchitekt in Wien wird.[13] Der erste Sohn gleichen Namens stirbt vorher, zwei überlebende und verheiratete Töchter erwähnt Fischer in seinem Testament. Nach dem frühen Tod der ersten Ehefrau heiratet Fischer 1705 ein zweites Mal. Über diese zweite Ehe mit Sophia Franziska Lochner, verwitwete Willer, ist so gut wie nichts bekannt. Die Ehe endet unharmonisch. Fischer enterbt die zweite Ehefrau, weil sie ihn im Alter treulos verlassen habe.

Prag 1691
1691 hält sich Fischer studienhalber in Prag auf. Die böhmische Hauptstadt ist im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts wichtigstes barockes Zentrum im Deutschen Reich. Seit 1680 ist hier der ebenfalls in Rom geschulte Jean-Baptiste Mathey[14] mit seinen Palast- und Schlossbauten führend. Geschickt verbindet er römisches Erbe mit französischer Frühklassik. Der Einfluss von Guarino Guarini,[15] der 1679 einen Entwurf für die Theatinerkirche liefert, ist um 1690 noch gering. Erst mit Christoph Dientzenhofer beginnt er sich um 1700 durchzusetzen. Fischer benutzt den Aufenthalt in Prag, um die neuesten Werke des Architekten Mathey kennenzulernen, den Palais Thun auf dem Hradschin oder das Schloss Trója. An der Einweihung der Kreuzkirche in Tetschen (Děčín) an der Elbe, ist er anwesend. Wahrscheinlich hat Mathey diese Kirche gebaut.[16] Die Anwesenheit Fischers an der Einweihung ist vielleicht einem schon bestehenden Kontakt mit den Grafen von Thun, den Bauherren Matheys, zu verdanken. Die Einweihung vollzieht der Salzburger Fürsterzbischof, Johann Ernst Reichsgraf von Thun.[17] Hier entsteht der erste Kontakt des Kirchenfürsten mit dem inzwischen 35-jährigen Fischer. Bis zu den grossen Aufträgen in Salzburg dauert es allerdings nochmals zwei Jahre.

Salzburg 1693–1709
Dem absolutistisch regierenden Fürst und Erzbischof von Salzburg verdankt Johann Bernhard Fischer die zahlreichsten Aufträge dieser Periode. Er ist in dieser Zeit praktisch Salzburger Hofarchitekt. Fürst Johann Ernst Reichsgraf von Thun ist grosser Kunstförderer, aber auch Reichspatriot. Er stoppt vor dem Beizug Fischers alle unter seinem Vorgänger begonnenen Tätigkeiten «italienischer» Meister.[18] Nebst Fischer verdankt ihm auch der Maler Johann Michael Rottmayr aus Laufen an der Salzach den Aufstieg.
1693 kann Fischer vorerst am Hofmarstall und an der Felsenreitschule arbeiten.
1694 folgt mit der Dreifaltigkeitskirche der erste Sakralbau Fischers. Die Dreifaltigkeitskirche bildet die Mitte einer symmetrischen Vierflügelanlage für das Collegium Virgilanum mit dem Priesterhaus.[19] Die Kirche selbst ist aus den Oval-Kuppelräumen Borrominis abgeleitet und zeigt, dass Fischer auch die Bauwerke des Kontrahenten von Bernini kennt.
Im gleichen Jahr 1694 beginnt Fischer mit der Wallfahrtskirche Maria Kirchental bei Lofer im Pinzgau. Das im Äusseren blockhaft gestaltete Bauwerk verbirgt einen kreuzförmigen, klassisch nüchternen Innenraum, der Stuck ist auf die Gesimse und Kapitelle beschränkt.[20]
1696 ist Grundsteinlegung der Kollegienkirche, der Kirche der Salzburger Benediktineruniversität. Ihre Einweihung findet 1707 statt. Sie ist eine der innovativsten Kirchenbauten der Jahrhundertwende. Stiche werden schon im Jahr der Einweihung gedruckt. Die mit der Universität verbundenen Benediktineräbte, welche mit Kirchenneubauten beschäftigt sind, sorgen für die Verbreitung der Drucke. Baumeister wie Caspar Moosbrugger oder Franz Beer nehmen die Kollegienkirche als Anlass für Neuplanungen. Die Auswirkungen der Doppelturmfassade auf den süddeutschen Barock sind an Weingarten und Einsiedeln ablesbar. Fischer folgt mit der expressiv-plastischen, im Mittelteil konvex vorstehenden Fassade den Bauten von Guarino Guarini, dessen Architektur er nebst Stichveröffentlichungen vielleicht über seine Wiener Konkurrenten Martinelli und Hildebrand kennenlernt.[21]
Der Innenraum, eine zweigeschossige Kreuzkuppelkirche, ist im Grundriss von einem italienischen Vorbild abgeleitet.[22]  Ausserordentlich ist seine Höhenentwicklung.[23] Karg sind die Stuckaturen und leer sind die Tonnengewölbe, eine bewusste und schon wieder klassischem Denken verhaftete Vorgabe Fischers.[24]
Die von 1699 bis 1705 gebaute Ursulinenkirche dürfte auch ein Werk Fischers sein.[25] Ihre Fassade ist das hervorragende Kopfstück eines keilförmigen Baublockes, der vom Ursulinenkloster gebildet wird.
In den gleichen Jahren baut Fischer auch das Johannesspital, eine Dreiflügelanlage mit eingeschriebener Kirche. Als einziges Bauwerk Fischers in Salzburg zeigen weder Kirche noch Spitalgebäude irgendwelche Innovation. Sie sind Wiederholungen von klassischem römischen Barock.
1700 beginnt der Bau der Lustschlosses Klesheim bei Salzburg. Verglichen mit dem gleichzeitig begonnenen Rastatter Schloss von Domenico Egidio Rossi stellt es einen klassizistischen Rückschritt dar. Innovativer ist das zweigeschossige Gartenhaus im Schlossgarten. Ein komplexer Grundriss mit je drei ovalen und quadratischen Räumen zeichnet es aus. 1709 stirbt der Kirchenfürst Johann Ernst Reichsgraf von Thun. Klesheim ist noch nicht fertiggestellt, aber für Johann Bernhard Fischer endet mit dem Tod seines Förderers jede Tätigkeit in Salzburg.

Lustschlösser und Lustgartengebäude

Lusthaus

Der Schlossbau in Klesheim steht in einer Reihe von Entwürfen und ausgeführten Bauten, die Johann Bernhard Fischer für diesen freistehenden Gebäudetypus aus eigenem Antrieb oder im Auftrag erstellt.
Schon der erste Bau von Fischer ist ein Lustgartengebäude. Im Liechtenstein-Garten der Rossau bei Wien kann er 1687 den Belvedere-Gartenpavillon bauen. Berühmt wird das Fischer zugeschriebene zweite Gebäude in der Rossau, das nun schon für den Sommeraufenthalt geeignete Lustgebäude Althann in der Grundrissform eines Andreaskreuzes mit zentraler zweigeschossiger Halle. Fischer baut es nach 1688. 1700–1709 ist das Salzburger Lustschloss Klesheim mit dem interessanten Gartenpavillon im Bau. Diese Bauten sind oben schon erwähnt.
1692 beginnt er in Neuwaldegg vor Wien mit dem Bau des Lustgebäudes Strattmann und vermutlich gleichzeitig mit dem Lustgebäude Schlick in der Josephsstadt von Wien. Beide Gebäude sind zweigeschossig, der Piano Nobile im Obergeschoss wird mit einer Freitreppe erreicht. Beide Grundrisse sind Abwandlungen der Villa auf Seite CLII von Serlio 1544, das Lustgebäude Strattmann allerdings mit ovalem Mittelsaal. Ein grösseres Lustgebäude kann Fischer für den Grafen von Starhemberg in Engelhartstetten im Marchfeld um 1699–1701 bauen. Wieder ist es eine Abwandlung des Serlio-Schemas, wie beim Lustgebäude Strattmann mit ovalem Mittelsaal, die vier Eckrisalite nun durch zwischengeschaltete und trennende Räume in der Längsachse nach aussen verschoben. Zudem erhalten die zusätzlich verlängerten Eckrisalite eine konkave Einbuchtung. Das Gebäude ist nur eingeschossig und wirkt deshalb noch länger.
Zu diesen sieben gebauten Lust- und Gartengebäuden gesellt sich ein grosse Zahl vermutlich nie von Fischer verwirklichter Entwürfe, die durch ihre Veröffentlichung im Stichwerk von 1725 und durch Weiterleitung der Pläne durch die Bauherren eine grosse Beachtung und auch Nachahmer finden.

Schloss Schönbrunn
1696 ist ein wichtiges Jahr für Johann Bernhard Fischer. In Salzburg wird der Grundstein seiner Kollegienkirche gelegt, er erhält von Kaiser Leopold das Adelsprädikat «von Erlach» und in Wien wird das Schloss Schönbrunn nach seinem zweiten Projekt begonnen, an dem er seit 1693 arbeitet. 1700 veröffentlicht er das zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollendete Werk in einem Stich, den er an König  Friedrich von Preussen, an den Herzog von Sachsen-Gotha, an den Abt von St. Lambrecht, an das Domkapitel von Salzburg und an die Landstände der Steiermark versendet. Nicht verwirklicht wird sein Entwurf der doppelläufigen Kaisertreppe am nordwestlichen Seitenflügel. Bezeichnend ist ihre Lage am äussersten Rand, eine wirkliche Mitte ist nur in der klassizistischen Fassadengestaltung ablesbar. Domenico Egidio Rossi zeigt im gleichzeitig gebauten Residenzschloss von Rastatt eine bedeutend bessere Leistung als Fischer von Erlach in Schönbrunn.

Johann Lucas von Hildebrandt als Rivale

Johann Lucas Hildebrandt, das Adelsprädikat «von» erhält er erst 1720, ist 12 Jahre jünger als Fischer von Erlach. In Wien ist er seit 1696 tätig, vorher hat er als Festungsingenieur drei Feldzüge der kaiserlichen Armee unter Prinz Eugen von Savoyen begleitet. Schon 1699 wird Hildebrandt kaiserlicher Hofingenieur. Die beiden in Italien geschulten Architekten Fischer von Erlach und Hildebrand unterscheiden sich durch ihre Haltung zum «bewegten» Barock von Borromini und Guarini. Während Fischer von Erlach zwar Anregungen aufnimmt, im wesentlichen aber beim klassischen Barock des Bernini verharrt, ist der jüngere Hildebrandt gegenüber dem bewegten und kurvierten Barock aufgeschlossener. Sein erster Kirchenbau in Deutsch-Gabel ist von Guarini geprägt.
Fischer von Erlach ist aus dem Bildhauerhandwerk zum Architekten gewachsen, Hildebrandt hat eine militärische Ausbildung, gleich wie Balthasar Neumann oder Maximilian von Welsch. Alle verkörpern den neuen Typus des nur noch entwerfenden, leitenden, aber nicht mehr für die Bauausführung verantwortlichen Architekten, wie dies in Frankreich schon längere Zeit Usanz ist. Sie sind die beiden ersten deutschstämmigen Architekten mit diesem neuen Berufsverständnis in Wien und haben deshalb leichteren Zugang zum Adel. Sie lösen die bisher in Wien und Prag dominierenden «Italiener» ab. Hildebrandt wird 1699 in Nachfolge eines Tessiner Baumeisters kaiserlicher Hofarchitekt. Schon 1697 zeigt er sich mit der Planung und dem Baubeginn des Gartenpalais Mansfeld-Fondi als ernsthafter Rivale des bisher unangefochtenen Fischer von Erlach. Die beiden Wiener Platzhirsche der Architektur stehen nun ein Vierteljahrhundert in Konkurrenz und beflügeln sich gegenseitig. Erst mit dem Auftauchen von Hildebrandt gelingen Fischer von Erlach jene Transformationen seines Stils, die ihm die weite Verbreitung seiner Werke sichert. Freunde werden die beiden Egozentriker nie.

Neue Stadtpalais in Wien 1692–1705
Das Stadtpalais für den Grafen Strattmann in Wien, 1692–1693 gebaut, wird Fischer von Erlach zugeschrieben.[26]
Sein erstes gesichertes Wiener Stadtpalais baut er für den Prinzen und Feldmarschall Eugen von Savoyen 1697–1698 an der heutigen Himmelspfortgasse. Das Treppenhaus im Palais ist eine grossartige Leistung Fischers. Der Bau wird 1702–1709 und 1723–1724 von Hildebrandt erweitert und vollendet, der jetzt Vertrauensarchitekt des wichtigsten Bauherrn am Wiener Hof ist, damit Fischer ablöst und der auch Vertrauensarchitekt des Reichsvizekanzlers Friedrich Carl von Schönborn wird.
Mit dem Stadtpalais Batthyány in der Wiener Renngasse, 1699–1705 gebaut, gelingt Fischer von Erlach vor allem in der Fassadengestaltung eine überzeugende und in den plastischen Elementen schon spätbarocke Lösung.

Berlin, London, Venedig
Im Sommer 1704 reist Fischer von Erlach nach Berlin und London. In Berlin präsentiert er den  Entwurf eines Lustschlosses für König Friedrich I. von Preussen. Er lernt den Hofarchitekten Andreas Schlüter kennen. Über Holland reist er nach London. Hier studiert er die Werke Christopher Wrens, vielleicht trifft er den grossen barocken Altmeister sogar persönlich. Warum er diese Reise unternimmt, ist unklar, denn parallel zu Frankreich wenden sich die Architekten der protestantischen Länder des Nordens jetzt dem klassizistischen Barock in der Nachfolge von Palladio zu. Fischer von Erlach ist 1705, als sein Schüler Joseph I. zum Kaiser gekrönt wird, wieder in Wien. Der Kaiser ernennt ihn zum «Ihrer K. M. sambtlicher Hoff- und Lustgebäu Ober-Inspector». Es ist die Stelle des ersten Hofarchitekten. Aufträge folgen aber während der fünfjährigen Regierungszeit keine. Fischer hat jetzt die grosse Stellung, aber nur sein Rivale Hildebrandt schwimmt in den Aufträgen. Um diese Zeit beginnt er mit den Vorbereitungen zu seinem grossen Werk «Entwurff einer Historischen Architectur». 1706 hält er sich in Venedig auf, erst 1707 ist er wieder in Wien.

«Entwurff einer Historischen Architectur»

Seit ungefähr 1705 arbeitet Fischer von Erlach an seiner berühmten Architekturgeschichte in Bildern, die aber erst 1721 in Druck gegeben wird. Im ersten und zweiten Buch stellt er Rekonstruktionen antiker Bauwerke vor, darunter auch den Tempel Salomons nach Villalpando.[27] Im vierten Buch präsentiert er eigene Werke und auch eigene, nicht ausgeführte Entwürfe. Das fünfte Buch widmet er vordergründig Vasen der Antike und Vasen nach eigenen Entwürfen, fügt aber auch hier im Hintergrund eigene Bauwerke ein. Nur durch dieses Stichwerk sind wir über das Aussehen vieler seiner Bauwerke informiert, die inzwischen verändert oder zerstört sind. Diese erste vergleichende Architekturgeschichte bringt es auf sechs Auflagen, zwei davon in englischer Sprache. Sie begründet seine spätere Berühmtheit mehr als die gebauten Werke.

Neue Paläste in Wien und Prag, 1708−1715
Nach sieben mageren Jahren ohne Aufträge gewinnt Fischer von Erlach nun mächtige böhmische Grafen als neue Bauherren. 1708 ist es der böhmische Hofkanzler Wenzel Watrislaw von Mitrowitz, der ihm den Bau der böhmischen Hofkanzlei in Wien überträgt. 1709 ist es der Obersthofmeister Johann Leopold Donat Trautson, der ihm den Auftrag für ein Gartenpalais gegenüber der kaiserlichen Hofburg erteilt. 1713 beginnt Fischer von Erlach den Palais Clam-Gallas in der Prager Altstadt. Die drei wichtigsten Palaisbauten der späteren Schaffenszeit zeichnen sich durch eine strenge und kühle, auch elegante und klassische Formensprache aus, eine Nachwirkung des Aufenthaltes in Berlin und London. Nur die reichen plastischen Einzelelemente der Fensterverdachungen und Portale lassen nicht von klassizistischem Barock sprechen.

Karlskirche
Nach den Friedenschlüssen von Rastatt und Baden 1714 verwirklicht Kaiser Karl VI. ein Gelübde für eine neue Kirche zu Ehren des hl. Karl Borromäus in Wien. Für diese grosse Aufgabe bewerben sich nebst Johann Bernhard Fischer von Erlach auch Johann Lucas Hildebrandt und Ferdinando Galli-Bibiena. Fischers Projekt siegt. Er legt vor eine Kreuz-Kuppelkirche in römischem Barock einen breiten Eingangsbau in Form eines griechischen Tempels, flankiert von zwei gewaltigen Nachbildungen der Trajanssäule. Der Bau wird 1716 begonnen und 1722 vom Sohn Joseph Emanuel Johann weitergeführt. Die Ausführung der Kuppel, nun in französisch-klassizistischem Barock, ist das Werk des Sohnes. Die einzigartige Triumphalarchitektur der Karlskirche lässt den spätbarocken Geist vermissen, welcher viele gleichzeitige Kirchenbauwerke des süddeutschen Barocks auszeichnet und welche, wie Weingarten oder Einsiedeln, sogar an Fischers Kollegienkirche anknüpfen.[28] Die Baukosten der 1737 eingeweihten Kirche betragen bis 1739 nach einer zeitgenössischen Zusammenstellung 304 045 Gulden.[29]

Letzte Werke
1716–1724 wird die Kürfürstenkapelle am Dom zu Breslau gebaut. Bauherr ist Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg.[30] Fischer von Erlach ist «S: C: M: primario Architecto» und «structuram dirigente» des geistlichen Fürsten. Die Kapelle ist wahrscheinlich der schönste sakrale Innenraum des «ersten kaiserlichen Architekten», in der Architektur nun wieder an Borromini und Guarini anknüpfend.
Letzte Entwürfe fertigt Johann Bernhard Fischer von Erlach um 1720, 1722 wird der aus Paris zurückgekehrte Joseph Emanuel Fischer von Erlach zum kaiserlichen Hofarchitekten gewählt. Er übernimmt geplante und begonnene Bauwerke seines Vaters in Wien. Zu diesen gehören die 1719 begonnenen Hofstallungen, die Umgestaltung des von Hildebrandt 1697 begonnenen Gartenpalais Schwarzenberg und die Hofbibliothek. Dieser monumentale freistehende Kuppelsaal, 1722 begonnen, ist Vorbild der Kuppelsäle in den Benediktinerklöstern Altenburg und Admont.[31]
Als diese Bibliothek begonnen wird, ist Johann Bernhard Fischer von Erlach bereits schwer krank. Er stirbt am 5. April 1723 in Wien.

Pius Bieri 2014

Literatur:
Ilg, Albert: Leben und Werke Joh. Bernh. Fischer's von Erlach. Wien 1895.
Hager, Werner: Fischer von Erlach, Johann Bernhard, in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 209–212. Onlinefassung.
Sedlmayr, Hans: Johann Bernhard Fischer von Erlach. Neuausgabe Stuttgart 1997.
Salzburger Barockmuseum (Hrsg.): Barockberichte 18/19, Salzburg 2002. (Beiträge von Manfred Koller, Reinhard Rudolf Heinisch, Karin Uetz, Jutta Tremmel-Endres).
Salzburger Barockmuseum (Hrsg.): Barockberichte 32/33, Salzburg 2002. (300 Jahre Wallfahrtskirche Maria Kirchental, Dokumentation).
Kreul, Andreas: Johann Bernhard Fischer von Erlach. Regie der Relation. Salzburg 2006.
Salzburger Barockmuseum (Hrsg.): Barockberichte 50, Salzburg 2006. (Beiträge von Peter Prange, Elisabeth Kieven, Stefanie Walker). Ramisch, Hans: Drei Fürstbischöfe aus dem Hause Thun-Hohenstein als Mäzene barocker Kuns, in: Barockberichte 31, Salzburg 2001.

Anmerkungen:
[1] Johann Paul Schor (1615–1674) aus Innsbruck. Er ist päpstlicher Hofmaler und Dekorations-Architekt, Mitglied der Accademia di San Luca, Schüler von Gian Lorenzo Bernini und Pietro di Cortona. In Rom, wo er seit 1640 niedergelassen ist, wird er Giovanni Paolo Tedesco genannt. Fischer dürfte aber erst nach seinem Tod in das Atelier eingetreten sein, das jetzt von Filippo Schor (1646–nach 1713) geleitet wird.

[2] Gian Lorenzo Bernini (1598–1680). Der Zugang in sein Atelier ist für selbst für protegierte Rom-Praktikanten wie Nicodemus Tessin (siehe unten) nicht möglich.

[3] Carlo Fontana (1638–1714). Ein Praktikum bei diesem führenden römischen Architekt bedeutet auch Zugang zu Bernini. Zeitgleich mit Fischer ist auch der Stockholmer Nicodemus Tessin (1654–1728) in Rom. Er findet die Praktikumsstelle bei Fontana unter der Patronage der Königin Christina von Schweden. Fischer dürfte den Zugang dem Würzburger Abraham Preuss (1641–1716) verdanken, der in Rom unter dem Namen Paris als päpstlicher Ingenieur-Architekt vor allem im Wasser- und Festungsbau tätig ist. Zu Fontana siehe auch die Online-Biografie http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D24528.php.

[4] Francesco Borromini (1599–1667). Seine von jedem Klassizisten als verdammenswürdig betrachtete Architektur wird Anfang des 18. Jahrhunderts wesentlich den süddeutschen Spätbarock beinflussen.

[5] Innenrenovation des Mausoleums in Graz und Mitarbeit an der Pestsäule auf dem Graben in Wien. Während sich die Mausoleumsrenonovation bis 1714 hinzieht und Fischers Anteil ungeklärt ist, muss er bei der Pestsäule dem Bildhauer Paul Strudel weichen. Beim Mausoleum wirken die Stuckateure Sereni (nicht Serenio), Quadri und Rossi. Die Mitwirkung Fischers an diesen Stuckaturen, auch beim Mausoleum der Familie von Eggenberg in Ehrenhausen, kann sich nur auf das generelle Konzept beziehen.

[6] Johann Adam Andreas I. von Liechtenstein (1657–1712), regiert das Haus Liechtenstein seit 1684. Er ist auf seiner Kavalierstour durch Westeuropa vor seiner Rückkehr 1681 auch in Rom, wo er Fischer getroffen haben könnte.

[7] Vielleicht liefert Fischer diesen Entwurf dem fast gleichalterigen Liechtenstein schon 1684, dem Regierungsantritt des Fürsten, als Präsentationsstück vor seiner Heimkehr aus Neapel.

[8] Domenico Martinelli (1650–1718) aus Lucca, Italien. Er ist 1678–1689 in Rom und kommt im Sommer 1690 nach Wien, wo er ab 1692 auch für Liechtenstein tätig ist. 1693 schreibt Graf Alois Ernst von Thun, dass Fürst Johann Adam von Liechtenstein den Architekten Martinelli als unvergleichbar betrachte und dass Fischer vom Fürsten sehr wenig geschätzt werde.

[9] Johann Baptist Christoph von Althann (1633–1707). Sein Sohn Joseph Gundaker Ludwig (1665–1747) ist später grosser Förderer Fischers. Falsche  Reihung der Vornamen bei Ilg und Sedlmayr. Althann wird auch Althan geschrieben.

[10] Stupinigi wird 1729 durch Filippo Juvarra (1678–1736) begonnen. Juvarra ist Schüler von Carlo Fontana. Er baut zeitgleich mit der Karlskirche von Fischer die Basilika Superga ob Turin. Die beiden ähnlichen Bauwerke zeigen übereinstimmend die gleiche römische Schule und sind ein weiterer Hinweis für den Aufenthalt Fischers im Atelier Carlo Fontana.

[11] Joseph (Joseph Jacob Ignaz Johann Anton Eustach) von Habsburg (1678–1711), 1705–1711 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, König von Böhmen, Kroatien und Ungarn.

[12] Da zeitgenössische Schrifttum überbietet sich in Superlativen, weil nun deutsche Kunst und Geschicklichkeit über die Ausländer einen herrlichen Sieg errungen habe. Der hier zum Ausdruck kommende Reichspatriotismus ist eine Abwehrhaltung, die sich vor allem in Österreich und Salzburg beim Reichsadel ausbreitet.

[13] Joseph Emanuel Johann Fischer von Erlach (1693–1742). Er lernt beim Vater, geht 1713–1714 nach Italien, hält sich 1717–1719 bei Robert de Cotte und Germain Boffrand in Paris auf, wird 1722 Hofarchitekt in Wien und 1725 erster Hofarchitekt.

[14] Jean-Baptiste Mathey (1630–1695) Maler und Architekt aus Dijon. Um 1655 in Rom. Seit 1675 in Prag.

[15] Guarino Guarini (1624–1683). Seine Architektur ist von Francesco Borromini (1599–1667) beinflusst. Der Einfluss der kurvierten Innenräume und Fassaden des Turiner Theatinerpaters Guarini und des Römers Francesco Borromini ist um 1700 auch in Prag bemerkbar, hier getragen von Baumeister Christoph Dientzenhofer (1655–1722).

[16] Sedlmayr schreibt sie Mathey zu. Sie wird 1687 begonnen und nirgends als Erstlingswerk Fischers erwähnt. Trotzdem beharrt Hans Ramisch auf der Zuschreibung an Fischer.

[17] Johann Ernst Reichsgraf von Thun (1643–1709) ist 1687–1709 Erzbischof von Salzburg. Vor allem mit dem Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges vollzieht er eine Annährung an Österreich. Das grosse Reichsfürstentum Salzburg wird um diese Zeit vom Kriegsgegner Bayern als «politische Aussenstelle Wiens» bezeichnet.

[18] Der Misoxer Giovanni Caspare Zuccalli (St. Erhard im Nonntal und Theatinerkirche St. Kajetan) sowie die Tessiner Stuckateure Carlo Antonio und Francesco Brenni sind die prominentesten Opfer. Sie werden für ihre Arbeiten bis zum Machtwechsel 1687 nicht einmal entschädigt. Auch der Bau des Theatinerklosters wird von Johann Ernst Reichsgraf von Thun eingestellt, weil die Theatiner ein italiensicher Orden sind.

[19] Obwohl die Kirche und Klosteranlage eine architektonische Einheit bilden, behandelt die Kunstgeschichte nur den Sakralraum, dem im 19. Jahrhundert zudem übel mitgespielt wird.

[20] Das Bauwerk, von Fischer geplant und auch geleitet, wird in seinem Œuvre gerne verschwiegen oder die fast klassizistische Nüchternheit mit Geldmangel erläutert. Tatsächlich kosten aber gleichzeitige Wallfahrtskirchen in Bayern und Schwaben einiges weniger als die Kirche von Maria Kirchental, deren Kostenvoranschlag von 40 000 Gulden weit überschritten wird. Beispiel: Hohenrechberg von Valerian Brenner kostet 1686–1694 um die 6000 Gulden.

[21] Von Domenico Martinelli ist ein ähnlicher Doppelturm-Fassadenentwurf der frühen 1690er Jahre bekannt. Johann Lucas von Hildebrandt baut 1699 in Deutsch-Gabel einen Zentralbau mit Doppelturmfront nach Vorbild von Guarino Guarini. Da Fischer die Fassade von Salzburg erst um 1700 endgültig plant, kann damit auch ein direkter Einfluss von Hildebrandt vorliegen.

[22] Der Grundriss des Innenraums entspricht der Chapelle de la Sorbonne (Lemercier 1635 begonnen), die wiederum das in die Länge gestreckte Vorbild von San Carlo ai Catinari in Rom (1612 begonnen) hat. Guarini verwendet 1662 den Grundriss von San Carlo ai Catinari für seine Kirche Sainte Anne Royale in Paris.

[23] Verhältnis von Breite zu Höhe. Bis OK Gesimse 1:1,8. Bis OK Kuppelgewölbe: 1: 4,3.

[24] Diego Francesco Carlone und Paolo d’Allio erstellen die zurückhaltende Gestaltung im Innern 1705 genau nach Angaben Fischers, auch die Figuralplastik im Innern und die Fassadenplastik ist ihr Werk. Offensichtlich findet Fischer keine geeigneten Stuckateure in Salzburg, sodass der Inländervorrang nicht mehr gilt. Die beiden Stuckateure sind in der Folge an allen Salzburger Aufträgen Fischers anzutreffen.

[25] Zuschreibung, da schriftliche Quellen fehlen. In der fraglichen Zeit und auf Grund der Architektur kann aber nur Fischer mit den Stuckateuren Carlone und d'Allio für die Ursulinenkirche in Frag kommen.

[26] Die meisten der Bauwerke Fischers in Wien sind nicht gesicherte Arbeiten. Der Palais Strattmann könnte auch ein Werk von Domenico Martinelli sein.

[27] Der Jesuitenpater Juan Bautista Villalpando (1552–1608) aus Cordoba veröffentlicht 1604 eine Rekonstruktion des Salomonischen Tempels, die schnelle Verbreitung findet und grossen Einfluss auf die Gestaltung der Klosteranlagen vom Typ Einsiedeln und Weingarten hat.

[28] Melk 1701–1726. Banz 1710–1719. Weingarten 1715–1724. Einsiedeln 1720–1728.

[29] Zum Vergleich: Weingarten (1715–1724) 210 000 rheinische Gulden. Vierzehnheiligen 163 000 rheinische Gulden

[30] Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1664–1732). Er ist 1683–1732 Bischof von Breslau, 1694–1732 Fürstpropst von Ellwangen, 1694–1732 Hoch- und Deutschmeister des Deutschen Ordens, 1694–1732 Fürstbischof von Worms, 1716–1729 Erzbischof und Kurfürst von Trier, 1729–1732 Erzbischof und Kurfürst von Mainz.

[31] Hofbibliothek Wien: 77,7 m lang, mit Kuppelhöhe 29,3 m. Altenburg (1739–1742): 48 m lang, Kuppel 17,5 m. Admont (1764–1776): 70,5 m lang, mit sieben Kuppeln.

Bauten von Johann Bernhard Fischer von Erlach:

Grundlage: Sedlmayr 1996. Ausgeführte Werke. Gesicherte Arbeiten und Zuschreibungen.

Jahr Arbeitsort und Werk Bemerkungen Heutiger Zustand
1686–1687 Wien. Pestsäule auf dem Graben. Ausführung der Basreliefs als letzte eigene Bildhauerarbeit. Bezahlung 3075 Gulden. Gut erhalten.
1686–1687
(1714)
Graz. Mausoleum des  Kaisers Ferdinand II.
Innenrenovation, Stuck und Hochaltar.
Von Fischer Entwurf und Bauleitung. Ausführung durch die Stuckateure Antonio Quadri (Agno), Girolamo Rossi (Lugano), Giuseppe Sereni (Graz). Auch der 1696 erstellte Hochaltar soll ein Entwurf Fischers sein. Gut erhalten.
1687–1690 Wien. Neubau Belvedere im Liechtensteinischen Garten. Bauherr: Fürst Johann Adam Andreas von Liechtenstein. Zerstört. Abriss 1873.
1688–1689 Eisgrub (Lednice) Mähren. Schloss. Neubau Marstall- Anlage. Bauherr: Fürst Johann Adam Andreas von Liechtenstein. Fischer wird 1690 von Domenico Martinelli abgelöst. Erhalten.
1689–1693 (um) Wien. Neubau Lustgebäude Althann in der Rossau. Bauherr: Johann Baptist Christoph Graf Althann. Das Gebäude wird Vorbild für viele Lustgebäude dieses Grundrisstypus. (z.B. Stupinigi bei Turin). Zerstört. Abriss 1869.
1689–1694 Frain (Vranov nad Dyjí) Mähren. Schloss. Neubau Ahnensaal. Bauherr: Johann Michael II. Graf Althann.
Zuschreibung an Fischer.
Gut erhalten.
1690 Wien. Kleine und grosse Triumphpforte zum Einzug von König Joseph I. Bauherren: Handelsgesellschaft der fremden Niederleger und Wiener Bürgerschaft. Grund: Krönung zum König. Fahrnisbaute für kurze Zeit.
1690 Brünn (Brno). Parnass-Brunnen auf dem Kohlmarkt. Bauherr: Rat der Stadt Brünn. Entwurf Fischers, (1694 auch für Grottenwerk), Bauleitung. Ausführung bis 1695 durch Giovanni Giuliani?, Grottenwerk durch Tobia Kracker. Gut erhalten.
1691 (um)
Wien. Gartenpalais Leeb im Augarten. Bauherr: Zacharias Leeb (Löw), kaiserlicher Rat. Zuschreibung Andreas Kreul. 1899 aufgestockt und verlängert. Heute: Augartenpalais.
1692 Wien-Josephsstadt. Neubau Lustgebäude Schlick.
Laudongasse 20–24.
Bauherr: Leopold Graf Schlick. Zerstört. Abriss 1782.
1692–1693 Wien. Palais Strattmann, heute Bankgasse 4–5. Bauherr: Hofkanzler Theodor Heinrich Graf Strattmann. Erhalten (1767 durch Pacassi umgebaut).
1692–1697 Neuwaldegg bei Wien. Neubau Lustgebäude Strattmann. Bauherr: Hofkanzler Theodor Heinrich Graf Strattmann. 1715 durch Mansarddach-Aufbau verändert.
1693-1694 Engelhartstetten im Marchfeld. Neubau Lustschloss Niederweiden. Bauherr: Feldmarschall Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg.
1726 erwirbt Prinz Eugen von Savoyen das Schlossgut und legt es mit Schloss Hof zusammen.
Umbau 1767. Heute Park zerstört. Schnellstrasse vor Hauptfassade.
1693–1695 Salzburg. Neue Seitenfront des Hof-Marstalls. Bauherr: Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun-Hohenstein.
Die daneben liegende Pferdeschwemme (1732 neu gestaltet), ist kein Werk Fischers.
Erhalten
1693–1704 Mariazell in der Steiermark. Wallfahrtskirche. Neuer Hochaltar. Bauherr: Abt des Benediktinerstiftes St. Lambrecht, Franz von Kaltenhausen.
Fischer ist Entwerfer und koordiniert die Kunsthandwerker. Kosten des Altars: 145 000 Gulden.
Gut erhalten.
1694 Salzburg. Schneckenstiege im Nordturm des Domes. Bauherr: Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun-Hohenstein. Erhalten
1694 Salzburg. Neubau Gartenhaus (Hoyoy-Stöckl) im Garten von Schloss Klesheim. Bauherr: Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun-Hohenstein. Das Gartengebäude ist als einziges von neun geplanten Gebäuden ausgeführt. Mit Mansarddach-Aufsatz erhalten.
1694 Wien. Portal am Palais Dietrichstein (heute Lobkowitz). Bauherr: Philipp Siegmund Graf Dietrichstein.
Palais 1685–1687 von Giovanni Petro Tencalla.
Original erhalten. Heute Theatermuseum.
1694–1701 Lofer im Pinzgau. Neubau Wallfahrtskirche Maria Kirchental. Bauherr: Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun-Hohenstein. Erhalten und 2001 restauriert.
1694–1702 Salzburg. Neubau Dreifaltigkeitskirche mit Kollegium und Priesterhaus. Bauherr: Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun-Hohenstein. Kirche original erhalten. Kolleg erhalten.
1694–1705 Salzburg. Neubau der Kirche des Johannesspitals und Spitalneubau. Bauherr: Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun-Hohenstein.
Der linke Spitalflügel ist schon 1695 fertig. Kirche 1699–1704.
Kirche original erhalten. Spital umgebaut.
1694–1707 Salzburg. Neubau der Kollegienkirche für die Benediktiner-Universität. Bauherr: Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun-Hohenstein.
Stichveröffentlichungen schon 1707.
Gut erhalten.
1695–1697 Wien. Neubau Stadtpalais des Prinzen Eugen (Winterpalais) an der Himmelspforte. Bauherr: Feldmarschall Prinz Eugen von Savoyen. Er wechselt 1702 für die weiteren Ausbauarbeiten und für die  Gebäudeverlängerung zu Johann Lucas von Hildebrandt. Im Umbau von Hildebrandt erhalten. Heute Finanzministerium.
1695–1697 Wien. Neubau Gartenpalais Schlick-Eckhardt. Bauherr: Leopold Joseph Anton Graf von Schick. Abriss 1782 wegen Neuparzellierung.
1696 Prag. Palais Thun (Thun palác) auf der Kleinseite. Bauherrenberatung und planerische Begleitung des Neubaus (1694–1701). Bauherr: Maximilian Graf von Thun–Hohenstein.
Zuschreibung der Portalentwürfe an Fischer, der auch Mobiliarentwürfe macht. Der Architekt des Palais ist bis heute unbekannt, Giovanni Santini Aichel wird als Steinmetz verzeichnet.
Ein Brand 1794 zerstört den Innenausbau. Heute Sitz des Parlaments der tschechischen Republik.
1696–1711 Wien. Neubau von Schloss und Schlossgarten Schönbrunn. Bauherr: Kaiser Leopold I. für Joseph I. als römischen und ungarischen König.
Erstes Projekt Fischers 1688 als Lustschloss auf dem Berg. Zweites Projekt 1693. Die geplante Kaisertreppe wird nicht erstellt.
Erhalten, aber im Innern ab 1740 vollständig umgestaltet.
1698–1699 Wien. Hofburg. Grosser Saal und Indianisches Kabinett. Bauherr: Kaiser Leopold I.
Neueinrichtungen in Zusammenhang mit der Hochzeit 1699.
Einrichtungen nicht erhalten.
1698–1700 Frain (Vranov nad Dyjí) Mähren. Schloss. Neubau Schlosskapelle. Bauherr: Johann Michael II. Graf Althann.
Zuschreibung an Fischer.
Gut erhalten.
1699 Wien. Grosser und kleiner Triumphbogen zum Einzug Josephs I. Bauherren: Handelsgesellschaft der Fremden Niederleger und Magistrat der Stadt Wien.
Grund: Hochzeit von König Joseph I. Siehe auch Anlass 1690.
Fahrnisbaute für kurze Zeit, nicht erhalten.
1699–1705 Wien. Neubau Stadtpalais Batthyány (später Schönborn) in der Renngasse. Bauherr: Feldmarschall Adam Graf Batthyány, Banus von Kroatien. 1740 kommt das Palais in den Besitz von Friedrich Carl von Schönborn. Erhalten, im Innern nach 1740 umgestaltet.
1699–1705 Salzburg. Neubau Ursulinenkirche und Ursulinenkloster. Bauherr: Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun-Hohenstein. Kirche original erhalten.
1700–1709 Salzburg. Neubau Lustschloss Klesheim. Bauherr: Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun-Hohenstein. Umgebaut erhalten.
1705–1706 Wien. Josephssäule auf dem Hohen Markt. Bauherr: Kaiser Leopold I.
Fischer erstellt das sechssäulige Baldachinbauwerk in Holz.
1729 durch Steinausführung ersetzt.
1708–1710 Salzburg. Hochaltar in der Franziskanerkirche. Bauherr: Guardian P. Marinus Pranger. Erhalten.
1709–1714 Wien. Neubau Böhmische Hofkanzlei in der Wipplingerstrasse. Bauherr: Johann Wenzel Graf Wratislav von Mitrowitz, böhmischer Obersthofkanzler.
Erweitert 1752–1754, im Innern nicht erhalten. Heute Bundesministerium.
1709–1715 Weidlingau bei Wien. Neubau Gartenpalais Huldenberg. Bauherr: Daniel Erasmus Freiherr von Huldenberg. Ausserordentlicher Gesandter Grossbritanniens. Der Bauherr ist vermutlich massgebend am Entwurf beteiligt. Zerstört. Abriss 1972.
1710–1712 Wien. Neubau Gartenpalais Trautson vor dem Burgtor. (Museumsstrasse 7) Bauherr: Obersthofmeister Johann Leopold Donat Fürst Trautson.
Palais im Äusseren original erhalten. Garten zerstört. Heute Justizministerium.
1711 Wien. Castrum Doloris (Trauerpyramide) für Kaiser Joseph II. im Stephansdom und in der Augustinerkirche. Bauherren:
Stephansdom: Universität Wien.
Augustinerkirche: Kaiserin Eleonora Magdalena.
Fahrnisbaute für kurze Zeit, nicht erhalten.
1712
um
Wien. Neue Fassade am Stadtpalais Schwarzenberg am Mehlmarkt (Neuer Markt 8, Kärtnergasse 26). Bauherr: Fürst Adam Franz Karl von Schwarzenberg. Der Palais wird 1701–1706 von Francesco Martinelli  gebaut.
Ausführung erst 1722 durch Sohn Joseph Emanuel.
Zerstört. Abriss 1894.
1713–1719 Prag. Neubau Palais Clam–Gallas (Clam–Gallasův palác, Husova 20). Bauherr: Johannes Wenzeslaus Graf von Gallas, Landmarschall in Böhmen, Vizekönig in Neapel. Treppenhaus- und Saalfresken von Carlo Innocenzo Carlone 1727–1729. Erhalten.
1714 Prag. Grabmal für Graf Wratislav von Mitrowitz in der Jakobskirche. Bauherr: Graf Leopold Schlick.
Ausführung durch Bildhauer Ferdinand Maximilian Brokoff.
Erhalten.
1716–1721 Breslau (Wrocław). Neubau Kurfürstenkapelle am Dom. Bauherr: Fürstbischof Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg. Fresken 1721 von Carlo Innocenzo Carlone. Im Originalzustand erhalten.
1716–1739 Wien. Neubau Kirche des hl. Karl Borromäus (Karlskirche). Bauherr: Kaiser Karl VI. Übernahme der Planung und Bauleitung 1722 durch Sohn Joseph Emanuel. Kuppelfresken 1725 von Johann Michael Rottmayr und Gaetano Fanti. Original erhalten. Störend sind aber Liftgerüste im Kircheninnern für die Touristen und sechs Euro Kircheneintritt.
1718–1721 Herzogenburg. Augustiner-Chorherrenstift. Grosser Saal und Saalstiege. Bauherr: Propst Wilhelm von Schmerling. Das Kloster Herzogenburg ist von Jakob Prandtauer, der den Bau 1714–1726 leitet. Fischers Saaleinbau und seine Treppe sind marginale Ergänzungen. Grosser Saal erhalten. Stiegenhaus schon vor 1740 wieder entfernt.
1718–1721 Wien. Soldatenspital an der Alser Strasse. Neuer Mittelrisalit. Bauherr: Kaiser Karl VI. Nicht erhalten wegen Umgestaltung 1783.
1719–1725 Wien. Neubau der Hofstallungen, heute Museumsplatz. Bauherr: Kaiser Karl VI. Stark umgebaut heute Teil des Wiener Museumsquartiers.
1720–1726 Wien. Weiterbau Gartenpalais Schwarzenberg (vorher Mansfeld-Fondi) am Rennweg. Bauherr: Fürst Adam Franz Karl von Schwarzenberg. Er kauft den von Johann Lucas von Hildebrandt 1697 begonnenen  Bau im Jahre 1715 und lässt ihn von Vater und Sohn Fischer vollenden. Palais und Garten erhalten. Privatbesitz. Heute Luxushotel und Spielkasino.
1723-
1730
Wien. Hofbibliothek. Neubau nach Entwurf Fischers um 1720. Bauherr: Kaiser Karl VI. Bauausführung vollständig durch Sohn Joseph Emanuel. Erhalten. Heute Nationalbibliothek.

Abschreibungen aus der Werkliste Sedlmayr gemäss Andreas Kreul 2006:

A
1688
Feldsberg (Valtice) Mähren. Schloss. Umbau Sala Terrena. Bauherr: Fürst Johann Adam Andreas von Liechtenstein. Baumeister aus der Familie Tencalla (Bissone) bauen das 1626–1670 das Schloss für Fürst Karl Eusebius von Liechtenstein. Erhalten.
A
1693–1693
Salzburg. Felsenreitschule als «Theatrum equestre» beim Hof-Marstall. Bauherr: Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun-Hohenstein.
Zuschreibung an Fischer durch nichts belegt. 1968 Umbau nach Plänen Clemens Holzmeister.
Erhalten als Festspielstätte.

Anmerkung zur Werkliste
Die meisten der hier aufgeführten Werke von Johann Bernhard Fischer von Erlach sind Zuschreibungen der wenigen Kunsthistoriker, die sich bis jetzt mit seinem Gesamtwerk beschäftigt haben. Meist sind diese Zuschreibungen nachvollziehbar. Trotzdem dürfte bei einigen Bauten Wunschdenken mitgespielt haben, wie dies bei grossen Namen üblich ist. Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang, wie wenig Quellenmaterial in österreichischen (staatlichen und privaten) Archiven für Historiker greifbar ist. Nur sehr wenige Werke Fischers sind durch schriftliche Quellen gesichert. An obiger Werkliste wird sich deshalb in den nächsten Jahren wenig ändern.

 

  Johann Bernhard Fischer von Erlach (1656–1723)  
  Biografische Daten        
  Geburtsdatum Geburtsort     Land  
  20. Juli 1656 Graz     Steiermark A  
    Land 18.Jh.     Bistum 18.Jh.  
    Herzogtum Steiermark     Salzburg  
  Sterbedatum Sterbeort     Land  
  5. April 1723 Wien     Wien A  
    Land 18. Jh.     Bistum 18. Jh.  
    Erzherzogtum Österreich     Wien  
  Kurzbiografie        
 

Johann Bernhard Fischer trifft bei seiner Rückkehr aus Rom eine finanzkräftige Adelsgesellschaft im Umfeld des Kaiserhauses an, die ihn schnell für ihre Bauaufgaben beizieht. Wie sein grosser Konkurrent Johann Lucas von Hildebrandt ist er nur planend und bauleitend tätig und damit einer der ersten deutschen Architekten im heutigen Sinn. Seine Architektur ist anfänglich von Bernini und vom römischen Hochbarock geprägt. Seine ersten Kirchenbauten in Salzburg sind Ausgangspunkt vieler wichtiger spätbarocker Kirchenbauwerke. Die späteren Werke nähern sich wieder dem klassisch-klassizistischen Barock. Höhepunkt bildet die kaiserliche Triumphalarchitektur der Wiener Karlskirche. Mit seinem Stichwerk «Entwurff einer Historischen Architectur» begründet er den bis heute wirkenden Nachruhm.

    FischerErlach  
  bio pdf werkliste     legende  
Johann Bernhard Fischer von Erlach ist in Stichen (Delsenbach 1719) und Medaillen (Richter 1719) porträtiert. Immer lässt sich der Baumeister-Architekt mit höfischer Allonge-Perücke darstellen. In der Wikipedia ist das hier beschriebene Ölporträt unter dem Label «gemeinfrei» veröffentlicht. Es wird als Werk des Dresdener Hofmalers Ádám Mányoki bezeichnet, der es während seines Aufenthaltes in Wien 1723 gemalt haben soll. Weitere Angaben fehlen. Vermutlich stimmt weder Maler noch Jahr. Denn der berühmte Hofmaler würde Fischer in seinem 67sten und letzten Lebensjahr nicht als gesunden und höchstens 50-Jährigen darstellen. Das Original hängt unzugänglich in einem Direktionszimmer der Österreichischen Nationalbibliothek.