Johann Michael Feichtmayr (1710–1772)

Wessobrunner Stuckateur des Rokoko

Wessobrunn
Mitglieder der Familien Feichtmayr aus Wessobrunn sind seit dem 17. Jahrhundert als Baumeister und Stuckateure tätig. Bekannter Vertreter der ersten Generation ist der zeitweise auch in Weilheim tätige Stuckateur und Maurermeister von Benediktbeuern, Caspar Feichtmayr.[1] Der Name wird in der Regel in der alten Form Feichtmayr geschrieben. Nur die Familie des ins Bodenseegebiet ausgewanderten Franz Joseph wird heute Feuchtmayer geschrieben. Sein Sohn Joseph Anton ist nicht nur Altersgenosse, er erreicht im Bodenseegebiet auch die Berühmtheit der beiden Feichtmayr-Brüder Johann Michael und Franz Xaver.
Johann Michael Feichtmayr wird als Sohn des Stuckateurs Anton Feichtmayr[2] und seiner Ehefrau Johanna Zöpf, aber auch als Sohn des Wessobrunner Stuckateurs und Maurers Michael Feichtmayr[3] und seiner Ehefrau Maria Winkler geführt. Je nach Familienherkunft wäre seine Taufe in der Pfarrkirche Wessobrunn am 25. September 1710 oder am 17. Oktober 1696.
Familienherkunft und Taufdatum sind noch heute nicht ganz gelöst, vor allem wegen der nie bezweifelten Tatsache, dass die beiden später berühmten Stuckateure Johann Michael und Franz Xaver Brüder[4] sind. Für Johann Michael wäre vordergründig das Geburtsdatum 1710 plausibler, für Franz Xaver eher das Datum 1698.

Brüder Feichtmayr? Exkurs zu einer verwirrenden Familienherkunft.

Obwohl ihre Familienherkunft und ihre verwandtschaftlichen Beziehungen noch Fragen offen lassen, gehe ich hier bei Johann Michael vom eher begründeten späteren Geburtsdatum des 25. Septembers 1710 aus. Er wird in der gängigen Literatur manchmal als «der Jüngere» bezeichnet, obwohl es keine Verwechslungen mit dem «Älteren», dem Konstanzer Maler Johann Michael Feuchtmayer geben kann.[5] Auch die gängige Nummerierung ist deswegen überflüssig[6].
In Haid und Gaispoint, den Dörfern beim Kloster Wessobrunn, sind um 1700 die Stuckateure und Baumeister der Familie Schmuzer dominierend. Wie viele Schmuzer suchen auch die Mitglieder der Familie Feichtmayr ihren Wirkungskreis ausserhalb Kurbayerns. Die stark angewachsene Zahl der Wessobrunner Stuckmeister zwingt sie dazu. Der fünf Jahre ältere Bruder Franz Xaver und der zehn Jahre ältere Verwandte Franz Anton[7] ziehen deshalb bald nach dem Abschluss ihrer Erstlehre im väterlichen Betrieb nach Augsburg. Ihnen folgt 1722 der noch 11-jährige Johann Michael Feichtmayr.

Lehre in Augsburg 1722–1725
Drei junge Feichtmayr sind 1724 in Augsburg als Stuckateure erwähnt. Weil ihnen für die freie Ausübung ihrer Tätigkeit das Bürgerrecht oder die Meistergerechtigkeit der Reichsstadt fehlt, stuckieren sie 1723/24 im Unterakkord des städtischen Maurermeisters Georg Paulus die Dominikanerkirche. Sie scheinen, wie ein Beschwerdebrief zweier renommierter Augsburger Stuckateure an den Rat zeigt, auch im abgeschirmten städtischen Zunftgehege zu «wildern», und dies offenbar erfolgreich. Die Beschwerdeführer schreiben allerdings nur von einem Antoni Feichtmayr, der mit zwei «Gebrüdern» tätig sei. Weil zwei Feichtmayr, ein Antoni und ein Johann, seit 1721 und 1722 «Lernknechte» in der Werkstatt des Augsburger Stadt-Maurermeisters Paulus sind, muss es sich bei Antoni um den 10 Jahre ältere Namensverwandten und Dorfgenossen von Johann Michael handeln. Der erwähnte zweite Lernknecht Johann dürfte Johann Michael Feichtmayr sein, der manchmal auch ohne seinen zweiten Vornamen geschrieben wird. Unter den drei 1724 erwähnten «Gebrüdern» namens Feichtmayr muss sich auch der namentlich nicht erwähnte Bruder Franz Xaver befinden. Möglich, dass er seinen 12-jährigen Bruder 1722 nach Augsburg holt. Johann Michael beginnt im April dieses Jahres die Lehre bei Johann Paulus, dem Sohn des Stadt-Maurermeister.[8] Er wird im April 1725 freigesprochen.

Dominikanerkirche Augsburg
Der erste Auftrag, den die «Gebrüder» Feichtmayr bei Georg Paulus ausführen, ist das barocke Stuckkleid des Innenraums der Dominikanerkirche St. Magdalena in Augsburg. Die eigentlichen Stuckaturarbeiten fallen in die Jahre 1723–1724. Der zu Beginn der Arbeiten erst 12-jährige Lehrling Johann Michael kann hier gleich an einem grossen Werk mitwirken. Die Régence-Stuckaturen der drei Wessobrunner «bilden in ihrer weiten Verzweigung über Decken und Wände ein wirkungsvolles selbständiges künstlerisches Ganzes».[9]

Gesellenjahre
Über die Arbeiten des jungen Gesellen Johann Michael Feichtmayr der folgenden sechs Jahren ist nichts bekannt. Vermutet wird eine Tätigkeit im Umkreis von Johann Baptist Zimmermann. Ein immer wieder angeführter möglicher Auslandaufenthalt ist denkbar, wenn man darunter nicht Italien oder Frankreich versteht. 1732 wird er als Geselle beim Baumeister und Stuckateur Michael Stiller in der Pfarrkirche von Türkheim erstmals aktenkundig. Er stuckiert hier während 45 Tagen für 45 Kreuzer Taglohn den Chor der Kirche.

Diessen 1736–1738

Der Propst des Augustiner-Chorherrenklosters Diessen am Ammersee lässt seit 1732 durch den Baumeister Johann Michael Fischer die bereits begonnene Stiftskirche weiterbauen. Für die Ausstattung sucht er erstklassige Künstler und wird bei Reisen nach Stams und Sterzing auf Franz Xaver Feichtmayr aufmerksam.[10] Die Grösse des Auftrages veranlasst Franz Xaver, seinen Bruder Johann Michael beizuziehen. Sie bilden mit Johann Georg Üblher[11] eine Arbeitsgemeinschaft. Üblher und Franz Xaver kennen sich seit einer ersten Zusammenarbeit 1719 im augsburgischen Ehingen. Die Werkstatt Feichtmayr-Üblher erstellt 1736–1738 den Raumstuck und die Stuckmarmorausstattung. Für den 26-jährigen Johann Michael bedeutet es den eigentlichen Beginn der Karriere. Sein Anteil am Gesamtwerk ist zwar nicht dokumentiert. Vermutet wird die Zuständigkeit von Franz Xaver für die Stuckornamentik, Johann Georg Üblher für die Stuckplastik und Johann Michael für den Stuckmarmor. Es handelt sich vor allem um die Stuckmarmor-Pilaster und -Säulen, bei denen auch eine vorgängige Beteiligung der Brüder Asam und ein direkter Einfluss von François Cuvilliés angenommen wird.[12]

Diessen1   Diessen2   Diessen3
Die Stuckaturen der Stiftskirche Diessen stehen am Übergang der Régence zum Rokoko. Links das Gebälk eines Vierungspfeilers, in der Mitte einer der Oratorienbalkone bei der Orgelempore und rechts eine Zwickelkartusche an der Vierungskuppel. Sie stellt die Personifikation der Gerechtigkeit (Waage und Schwert) dar.
Fotos. Andreas Praefcke 2008 in Wikipedia.

Niederlassung in Augsburg und Familiengründung
1740 heiratet Johann Michael Feichtmayr die Augsburger Maria Hilaria Walburga Negele, die Tochter eines Tabakmachers. Mit der Heirat wird er auch Bürger der Reichsstadt. Die Heirat findet im Dezember statt, weil er in der warmen Jahreszeit in Münsterschwarzach tätig ist. Trauzeugen sind ein Bierbrauer und der Bruder Franz Xaver, mit dem er schon in Diessen und nun wieder in Münsterschwarzach zusammenarbeitet. Mit Maria Hilaria Walburga hat er 1741-1755 neun Kinder, von denen vermutlich nur ein Sohn beim Vater in die Ausbildung geht.[13] Die Ehefrau stirbt 1785 als Witwe in Augsburg. Sie wird im Sterbebuch als «Stoccadorin» bezeichnet, was auf ihre Mitarbeit hindeutet. Die Eheleute gelangen 1747 durch Erbschaft in den Besitz eines Hauses an der Kirchgasse und erwerben 1763 ein weiteres Haus an der Kapuzinergasse.[14]

Münsterschwarzach 1739–1749
Die von Balthasar Neumann gebaute Benediktiner-Abteikirche ist schon 1737 im Rohbau fertig. Johann Evangelist Holzer arbeitet bereits am Kuppelfresko. Er malt bis 1738 auch die Langhausfresken. Der bisherige Stuckateur aus Würzburg, vermutlich Antonio Bossi, muss wegen Arbeitsüberlastung absagen. Abt Januarius schliesst deshalb 1738 und 1739 Verträge mit den beiden Brüdern Feichtmayr und Johann Georg Üblher. Angenommen wird, dass der Augsburger Holzer die Feichtmayr-Üblher-Truppe dem Abt empfohlen hat. Zeitgenössische Dokumente verweisen auf die leitende Stellung von Franz Xaver beim ornamentalen Stuck bis 1740. Die beiden Brüder arbeiten mit Johann Georg Üblher zusammen. Im zweiten Akkord von 1739 ist auch die Unterschrift Johann Michael Feichtmayrs enthalten. Ab diesem Jahr arbeitet er an der Stuckausstattung mit, die sein Bruder Franz Xaver leitet.
Bis Ende 1741 ist auch der grosse Hochaltar in Stuckmarmor erstellt, in den Holzer 1742 sein Altarblatt einfügt. Seine Ausführung dürfte, wie auch die späteren Altäre im Querhaus und im Langhaus, auf einen Entwurf von Johann Michael Feichtmayr zurückgehen.[15] Mit Sicherheit ist er der Verantwortliche für den Entwurf und die Ausführung der Langhausaltäre. Franz Xaver Feichtmayr ist nach 1742 schon anderweitig tätig. Für die weiteren Arbeiten der Ausstattung im Langhaus sind deshalb bis 1749 ausschliesslich Johann Michael Feichtmayr und Johann Georg Üblher tätig.[16]

Wilhering bei Linz 1743–1746
Das Zisterzienserkloster Wilhering brennt 1733 ab. Die gotische Stiftskirche wird von Baumeister Johann Haslinger aus Linz geschickt umgebaut.[17] Gleichzeitig mit den laufenden Arbeiten in Münsterschwarzach beginnen Johann Michael Feichtmayr und Johann Georg Üblher die Überarbeitung der bis 1741 durch Franz Joseph Holzinger erstellten Deckenstuckaturen.[18] Ein kriegsbedingter Unterbruch ermöglicht dem Abt, den ihm offenbar zu rückständigen einheimischen Stuckateur zu ersetzen. Er betreut die beiden inzwischen durch Diessen und Münsterschwarzach bekannt gewordenen schwäbischen Stuckateure mit der Überarbeitung der Holzinger-Stuckaturen und der Fertigstellung des Rokoko-Innenraums. Überraschend reich ist ihre Stuckmarmorausstattung.[19] «Nach der Richtung des festlich Frohen, des bewegt Reizvollen ist die Kirche vielleicht die glänzendste Leistung des Barockstiles in Deutschland, wenngleich die Einzelheiten über ein allerdings höchst geistvoll gehandhabte Manier nicht hinausgehen» urteilt Cornelius Gurlitt 1889.

Wilhering1   Wilhering2   Wilhering3
Für die reiche Stuck- und Stuckmarmor-Ausstattung der Stiftskirche Wilhering werden Johann Michael Feichtmayr und Johann Georg Üblher 1743 beigezogen. Fotos: Zairon 2018 in Wikipedia.

Amorbach 1745–1751
Der Abt der fränkischen Benediktinerabtei Amorbach schliesst 1744 mit Johann Michael Feichtmayr und Johann Georg Üblher einen Akkord über die Stuckierung und Stuckmarmorausstattung der neugebauten Stiftskirche ab. Gleichzeitig vereinbart er mit Matthäus Günther[20] die Freskierung des Innenraums. Damit sichert er sich das nach 1743 in Münsterschwarzach arbeitende Trio und beweist damit eine glücklichere Hand als mit der Wahl des Architekten. Als wenn der Spätbarock nie existiert hätte, erstellt Maximilian von Welsch[21] bis 1745 einen Neubau, der sich nur wenig von der vorherigen romanischen Basilika unterscheidet. Feichtmayr, Üblher und Günther verwandeln das basilikale Innere in einen festlichem Rokokoraum. Es ist der erste gesicherte Bau, bei dem sie für die Innenraumplanung völlig freie Hand haben und bei dem sie auch nachweisbar ausschliessliche Schöpfer der gesamten Altarausstattung sind. Sie wird hier teilweise auch in Naturmarmor ausgeführt. Als Planer wird auf Grund einiger vorhandener Altarentwürfe Johann Michael Feichtmayr bezeichnet. Mitarbeiter sind jetzt die Wessobrunner Brüder Joseph und Johann Michael Schäffler[22] . Ein weiterer mitarbeitender Wessobrunner, der Stuckmarmor-Spezialist Thomas Sporer,[23] ist später als Palier wichtigste leitende Persönlichkeit der Werkstatt.
  Amorbach1
  Der Hochaltar in der Stiftskirche Amorbach ist in Entwurf und Ausführung für Johann Michael Feichtmayr verbürgt. Foto: Bieri 2010.

Zwiefalten 1747–1769

Für die Ausstattung der neuen Wandpfeilerhalle des Baumeisters Johann Michael Fischer zieht der massgebend für die Innenraumgestaltung zuständige Abt Benedikt Mauz eine von ihm völlig neu zusammengesetzte Gruppe von Künstlern bei.[24] Zwei der den Innenraum prägenden Gestalter, Johann Joseph Christian[25] und Franz Joseph Spiegler,[26] sind regional verankert, der 1746 gewählte Johann Michael Feichtmayr kann dem Abt nur durch die Arbeiten in Amorbach oder Münsterschwarzach bekannt sein. 1747 beginnt der Feichtmayr-Trupp mit dem Raumstuck. Das erstmalige Fehlen des Stuckplastikers Johann Georg Üblher gleicht Feichtmayr mit dem Beizug des Bildhauers Christian aus, der damit wichtigster Mitgestalter wird und die meisten der polimentweiss gefassten Stuckplastiken erstellt. 1752 sind die raumprägenden, gekuppeltem Stuckmarmorsäulen, der Deckenstuck und auch der Hochaltar fertig. Die Arbeiten an der weiteren Ausstattung, vor allem der Altäre, dauern noch bis 1769 an. Sie gelten als Gemeinschaftswerk von Feichtmayr und Christian, die inzwischen auch in Ottobeuren arbeiten.

Zwiefalten
Der grossartige Innenraum von Zwiefalten ist dem Zusammenspiel der Künstler Feichtmayr, Christian und Spiegler, und der massgebenden Gesamtleitung des Abtes Benedikt Mauz zu verdanken. Auch hier ist Feichtmayr für den Gesamtentwurf zuständig. Der Baumeister Johann Michael Fischer ist am Innenausbau nicht mehr beteiligt. Foto: Bieri 2009.

Gossenzugen, Säckingen, Bruchsal, Haigerloch und Sigmaringen 1752–1757
Die vielen gleichzeitig mit Zwiefalten laufenden Aufträge zeugen von einer grossen Leistungsfähigkeit und einer guten Organisation der Werkstatt Feichtmayr. Es sind, wie die Magnus-Kapelle in Gossenzugen bei Zwiefalten, die Anastasiakapelle in Benediktbeuern oder das Käppele in Würzburg, manchmal kleine Bauwerke grosser Baumeister. Die Kapelle in Gossenzugen ist eine Stiftung von Feichtmayr und Günther, die sich damit für den Auftrag in Zwiefalten bedanken. Die hochkarätigen Künstler der Anastasiakapelle beruft Abt Hochenauer direkt, erstmals arbeitet Feichtmayr dort mit dem Freskanten Johann Jakob Zeiller[27] zusammen. Für das Käppele in Würzburg dürfte Balthasar Neumann wieder auf das bewährte Duo Feichtmayr-Günther zurückgegriffen haben.
Im Damenstift Säckingen ist es sicher die Äbtissin, welche ihre Kirche den in Zwiefalten tätigen Künstlern anvertraut. Hier erstellt Feichtmayr 1752–1754 das neue Rokokokleid zu den grossen Fresken von Franz Joseph Spiegler.[28]
Den grossen Auftrag für die Stuckierungen und Stuckmarmorarbeiten im Corps de Logis der Residenz Bruchsal besorgt wieder Balthasar Neumann, dem hier schon Johann Zick die Freskenaufträge verdankt. Die Werkstatt Feichtmayr arbeitet 1752–1756 in Bruchsal damit erstmals in höfischem Umfeld. Die Gemeinschaftsarbeit Feichtmayr-Zick über dem Treppenhaus und im «Grossen Gartensaal» ist nach der vollständigen Zerstörung 1945 heute wieder rekonstruiert, viele andere Arbeiten sind aber nur in Vorkriegsaufnahmen dokumentiert.[29]
In Bruchsal kann Feichtmayr 1754–1756 für Fürstbischof von Hutten auch in der Peterskirche, der durch Balthasar Neumann gebauten Grablege der barocken Fürstbischöfe von Speyer, die Nebenaltäre bauen.
Ein Johann Michael Feichtmayr bisher lediglich zugeschriebenes Werk ist die Stuck- und Stuckmarmorausstattung der Wallfahrtskirche von Haigerloch, deren Innenraum er 1753–1755 «verfertigt», wie es der auftraggebende Fürst von Sigmaringen in einem Schreiben zur Einweihung 1757 bestätigt.[30] Hier kann von einem Künstlertransfer von Zwiefalten nach Sigmaringen gesprochen werden, denn der Fürst ist gemäss der Gästeliste auch an der ersten Weihe von 1752 in Zwiefalten zugegen. Ungeklärt bleibt noch immer der entwerfende Baumeister der Kirche.[31]
Inzwischen ist Johann Michael Feichtmayr in Ottobeuren unabkömmlich und kann deshalb 1757 einen Folgeauftrag für die Stuckausstattung der Stadtpfarrkirche Sigmaringen nicht mehr annehmen. Lediglich die Nebenaltäre lässt er durch seinen Palier Thomas Sporer erstellen.
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Im Damenstift Säckingen sind Johann Michael Feichtmayr und der Freskant Franz Joseph Spiegler 1752–1754 Schöpfer des reichen Rokokokleides. Foto: Bieri 20


Bruchsal4
Der Marmorsaal im Corps de Logis der Residenz Bruchsal ist heute, nach der vollständigen Zerstörung im Krieg, wieder rekonstruiert. In Bruchsal arbeitet Feichtmayr 1752–1756.
Foto: Bieri 2010.
 

Ottobeuren 1756–1767
Schon 1754 sichert sich der Ottobeurer Abt für die Ausstattung der noch im Rohbau stehenden Stiftskirche die Mitarbeit der beiden Gestalter des Innenraums von Zweifalten, Feichtmayr und Christian und engagiert als Freskanten Johann Jakob und Franz Anton Zeiller. Die Arbeiten beginnen 1756 im südlichen Gewölbejoch. Palier ist Ferdinand Schnell.[32] Der Baumeister des einmaligen Bauwerks, Johann Michael Fischer, zieht sich 1757 zurück und gibt damit den Weg für Johann Michael Feichtmayr frei, der jetzt auch für die Stuckmarmorausstattung freie Hand hat. Für diese Arbeit ist als Palier wieder Thomas Sporer verantwortlich. Bis 1767 erstellt er mit seinen Mitarbeitern den reichen Rocaillestuck, die Stuckmarmorsäulen, ist Schöpfer des Hochaltars, der meisten Altäre und der Kanzel. Johann Joseph Christian liefert dazu die figürlichen Stuckmarmorarbeiten. Das Gesamtkunstwerk des Kirchenraums von Ottobeuren verdanken wir dem Baumeister Fischer, vor allem aber dem Trio Feichtmayr-Christian-Zeiller und seinem Intendanten Johann Michael Feichtmayr.

Ottobeuren   OttbeurenHochaltar   OttbeurenMarienaltar
Johann Michael Feichtmayr kann als Intendant des Rokoko-Innenraumes der Stiftskirche Ottobeuren bezeichnet werden. Foto links: Bieri 2003. Foto Hochaltar (Mitte): Christoph Spatschek & Johannes Böckh & Thomas Mirtsch. Foto rechts (Marienaltar): Bieri 2010.

Jesuitenkolleg Augsburg 1764–1765
Die Jesuitenkirche St. Salvator, erstmals 1701 barockisiert, erhält bis 1765 ein neues Rokokokleid und entsprechend grössere Fenster. Johann Michael Feichtmayr ersetzt die Stuckaturen von Matthias Lotter[33] durch neue Arbeiten in Stuck und Stuckmarmor, anstelle der Deckengemälde von Johann Georg Knappich[34] malt Gottfried Bernhard Göz neue Fresken.

Kongregationssaal des Jesuitenkollegs Augsburg
Der noch bestehende Kongregationssaal, der heute als «Kleiner Goldener Saal» bekannt ist, gibt eine ungefähre Vorstellung der 1872 abgebrochenen Jesuitenkirche St. Salvator. Die Stuckaturen erstellt Johann Michael Feichtmayr 1765, im gleichen Jahr malt Matthias Günther auch das Deckenfresko.

Vierzehnheiligen und Langheim 1763/64–1771
1759 unterschreiben Johann Michael Feichtmayr, sein Bruder Franz Xaver Feichtmayr und Johann Georg Üblher gemeinsam einen Akkord für den Raumstuck der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen. Abt Malachias von Langheim will damit die Arbeitsgemeinschaft von Diessen und Münsterschwarzach für den berühmten Bau des schon seit sechs Jahren verstorbenen Baumeisters Balthasar Neumann binden. Verzögerungen erlauben keinen sofortigen Beginn der Stuckaturarbeiten. Noch vor ihrem Beginn sterben 1763 Franz Xaver Feichtmayr und Johann Georg Üblher. Zusammen mit dem Freskanten Joseph Ignaz Appiani beginnt Johann Michael Feichtmayr mit seinem Trupp schon 1763 mit den Vorbereitungsarbeiten, um dann 1764 die umfangreiche Arbeit zu beginnen. Sie ist 1771 beendet. In Vierzehnheiligen ist Feichtmayr wieder eigentlicher Gestalter der Innenraumausstattung. Stuckaturen, Stuckmarmor-Pilaster und -Säulen, Hochaltar und Seitenaltäre, der freigestellte Gnadenaltar und die gesamte Figuralplastik sind sein Werk. Vierzehnheiligen ist die letzte grosse Demonstration des Rokokos und auch das letzte grössere Werk Feichtmayrs.[35]
Ein weiteres Werk für den Bauherrn von Vierzehnheiligen, den Abt von Langheim, ist nicht mehr erhalten. In der heute abgebrochenen Stiftskirche der Zisterzienserabtei Langheim arbeitet Feichtmayr um 1770 an Stuckaturen, der Art und Umfang nicht mehr bekannt sind.
Während seiner Arbeiten in Vierzehnheiligen wird er nochmals nach Säckingen gerufen, wo er 1765 die Stuckaturen im Oratorium und auch die Entwürfe für die Ausstattung anfertigt.
  Vierzehnheiligen
  Der zentrale und freistehende Gnadenaltar (1767–1768) ist ein Werk von Johann Michael Feichtmayr, der mit demRaumstuck, der Figuralplastik, den Farbfassungen und mit den Altären massgebend zum Gesamtkunstwerk Vierzehnheiligen beiträgt.

Lebensende
Nach 1770 übernimmt Feichtmayr keine weiteren Aufträge. Grund mag nebst dem guten finanziellen Polster auch die zunehmende Beliebtheit des «gôut grecque» sein, wie der französische Frühklassizismus genannt wird. Hier kann und will der Rokoko-Künstler nicht mehr mithalten. Am 3. Juni 1772 stirbt der geniale  Meister des Rokokos in Augsburg nach kurzer Krankheit im Alter von 62 Jahren.

Pius Bieri 2018

Literatur:
Stetten, Paul von: Kunst- Gewerb- und Handwerks-Geschichte der Reichs-Stadt Augsburg. Verfasst von Paul von Stetten dem Jüngern. Augsburg 1779.
Buff, Adolf: Die Anfänge der Stuccaturkunst in Augsburg bis in das 18. Jahrhundert, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg, Band 23. Augsburg 1896.
Lieb, Norbert: Feichtmayr, Johann Michael, in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), Onlinefassung.
Schneider, Erich: Die barocke Benediktinerabteikirche Münsterschwarzach. Neustadt an der Aisch 1984.
Schnell, Hugo und Schedler, Uta: Lexikon der Wessobrunner, München 1988.
Maier, Eva: Stuckmarmor und Raumgestaltung. München 2012.

 

Anmerkungen:

[1] Caspar Feichtmayr (1639–1704).

[2] Anton Feichtmayr (1680–1752), Stuckateur. Er heiratet 1704 und zieht nach Gaispoint, heute Schmuzer Strasse 1. Kinder sind Franz Xaver (*1705), Theresia (1707), Michael (*1709), Johann Michael (*1710) Maria Anna (*1713) und Mathias (*1716).
Diese Variante wird bis 1988, und heute wieder durch Eva Maier in der 2012 im Druck erschienenen Dissertation (Promotion bei Prof. Dr. Frank Büttner) «Stuckmarmor und Raumgestaltung» vertreten.

[3] Michael Feichtmayr (1667–1706). Kinder sind Johann (*1696), Franz Xaver (*1698), Franz Anton (*1700), Anna Maria (*1704) und Maria Theresia (1705). Geburtshaus an Stelle des heutigen Hauses Schlossbergstrasse 15 (ehemals das Haus Nr. 39 «im Winkler») in Haid-Wessobrunn.
Diese Variante wird von Hugo Schnell und Uta Schedler im Lexikon der Wessobrunner (1988) vertreten.

[4] Franz Xaver Feichtmayr (*1698 oder *1705, †1763). Im Lexikon der Wessobrunner wird er mit Franz Xaver I Feichtmayr bezeichnet. Siehe die Biografie in dieser Webseite.

[5] Johann Michael Feuchtmayer (1666–1713) aus Gaispoint, tätig als Maler im Bodenseegebiet. Onkel von Joseph Anton Feuchtmayer. Zu diesem siehe die Biographie in dieser Webseite.

[6] Im Lexikon der Wessobrunner wird er als Johann Michael Feichtmayr (3) geführt, neuere Publikationen bezeichnen ihn als Johann Michael II Feichtmayr. Beide Bezeichnungen wären überflüssig, wenn der Konstanzer Maler und alle im Bodenseegebiet tätigen Künstler als Feuchtmayer geschrieben würde. Anders ist bei seinem Bruder Franz Xaver I Feichtmayr die Nummerierung als Unterschied von seinem Sohn Franz Xaver II sinnvoll.

[7] Franz Anton, später Anton (1700 getauft). Im Lexikon der Wessobrunner Anton II Feichtmayr.

[8] Nur sein Bruder Franz Xaver und Franz Anton II (Antoni) Feichtmayr machen die Erstlehre bei Wessobrunner Stuckmeistern, wahrscheinlich bei ihren Vätern. Sie beginnt in der Regel im Alter von 11-12 Jahren und dauert mindestens drei Jahre. Dass Johann Michael schon vorher in der väterlichen Werkstatt mitgeholfen hat, ist möglich. Daraus eine Berufsausbildung abzuleiten, ist unzulässig. Eher darf von der Möglichkeit ausgegangen werden, dass er, wie die meisten Wessobrunner, einige Jahre die seit dem 16. Jahrhundert bestehende Dorfschule des Klosters Wessobrunn besucht.

[9] Zitat Hans Wiedenmann (1917). Die Kirche ist seit der Säkularisation profaniert und völlig ausgeräumt, hat den Zweiten Weltkrieg überstanden, ist aber seit 2012 geschlossen.

[10] Zu den Arbeiten von Franz Xaver I Feichtmayr in Stams (1731–1733) und in Sterzing (1733–1734) siehe die Biografie in dieser Webseite.

[11] Johann Georg Üblher (1703–1763) aus Wessobrunn. Erste Zusammenarbeit mit Franz Xaver als Lehrling bei Anton I Feichtmayr in der Pfarrkirche St. Lorenz von Ehingen. Er heiratet 1741 eine Tochter des Wessobrunner Baumeisters und Stuckateurs Joseph Schmuzer. Bei der Zusammenarbeit mit den Feichtmayr-Brüdern übernimmt er in der Regel die Figuralplastik.

[12] Zu den beteiligten Meistern Johann Michael Fischer, Egid Quirin und Cosmas Damian Asam, sowie François Cuvilliés siehe die Biografien in dieser Webseite.

[13] Es sind fünf Söhne und vier Töchter. Ein Sohn Johann Michael (*1749) wird 1771 in der Wiener Akademie der Malerei, Bildhauerei und Baukunst eingeschrieben. Er käme für eine vorherige Ausbildung beim Vater in Frage. Ein weiterer Sohn legt unter dem neuen Klosternamen Petrus Maria 1767 in Irsee Profess ab.

[14] Das Haus Kirchgasse A 247–248, heute Nr. 10, das Haus Kapuzinergasse B 144, heute Nr. 12.

[15] Wie üblich wird auch hier Balthasar Neumann als Entwerfer behauptet. Von ihm ist aber kein Entwurf für Münsterschwarzach bekannt, hingegen ist der Entwurf eines Querhausaltars von Johann Michael Feichtmayr enthalten. (Landsberg am Lech, Neues Stadtmuseum, Inv. Nr. 196).

[16] Zu dem Neubau der Abteikirche von Münsterschwarzach, die 1743 geweiht wird, zu Balthasar Neumann und zu Johann Evangelist Holzer siehe die Beiträge in dieser Webseite. Die Kirche wird 1825 abgebrochen und die Ausstattung zerstört.

[17] Johann Haslinger (1701–1741) aus Linz. Hauptwerk des frühverstorbenen Baumeisters ist die Ursulinenkirche in Linz.

[18] Bartolomeo Altomonte malt das Langhaus-Deckenfresko «wahrscheinlich 1740 und 1741». Deshalb die gängige Annahme einer gleichzeitigen Arbeitsaufnahme durch Johann Michael Feichtmayr, was allerdings zur völligen Absenz in Münsterschwarzach geführt hätte. Die 1739–1741 erstellten Stuckaturen sind ein Werk von Franz Joseph Holzinger (1691–1775). Die Arbeiten werden im September 1741 durch den Einmarsch des bayrischen Kurfürsten in Linz unterbrochen und erst nach der Rückgewinnung von Oberösterreich durch Kaiserin Maria Theresia 1743 wieder fortgesetzt. Jetzt lässt der Abt die bestehenden Stuckaturen von Feichtmayr und Üblher umgestalten und den Raum bis 1746 neu stuckieren. Siehe dazu: P. Gabriel Weinberger OCist unter www.zobodat.at (PDF).

[19] Pilaster, Wandverkleidungen, Säulen und Altäre sind in Stuckmarmor ausgeführt und derart gut in den Raum integriert, dass sie zwar als Arbeit von Feichtmayr und Üblher gelten, aber ihr Gesamtentwurf dem Bruder des Freskanten, Andrea Altomonte (1699–1780) zugeschrieben werden. Andrea Altomonte-Allio ist Wiener Hofingenieur, Zeichner und Theaterarchitekt. Mehr zu Wilhering: digi.landesbibliothek.at.

[20] Matthäus Günther (1705–1788) aus Tritschenkreut bei Peissenberg, ist 1725–1727 Geselle bei Cosmas Damian Asam. Er erwirbt 1731 in Augsburg die Meistergerechtigkeit. Bedeutender Freskant. Seine frühen Werke vor allem in den Sakral-Neubauten von Joseph Schmuzer (Garmisch 1732, Welden 1732, Peissenberg 1734, Tölz 1737, Rottenbuch 1737–1746, Oberammergau und Mittenwald 1740).

[21] Maximilian von Welsch (1671–1745). Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[22] Die Brüder Joseph Schäffler (1700–1783) und Johann Michael Schäffler (1702–1786) aus Forst bei Wessobrunn. Joseph Schäffler ist Schwager von Johann Georg Üblher.

[23] Thomas Sporer (1710–1769) aus Haid bei Wessobrunn, ist 1734–1738 bei Joseph Anton Feuchtmayer tätig. Nach Amorbach ist er auch in Bruchsal, Sigmaringen und Ottobeuren für Johann Michael Feichtmayr tätig.

[24] Zu Johann Michael Fischer (1692–1766) und Abt OSB Benedikt Mauz (reg. 1744–1765) siehe die Biografien Johann Michael Fischer und Benedikt Mauz in dieser Webseite.

[25] Johann Joseph Christian (1706–1777) aus Riedlingen. Er ist begnadeter Stein- und Holzplastiker, in Zwiefalten auch Stuckplastiker. Siehe zu ihm die Biografie in dieser Webseite.

[26] Franz Joseph Spiegler (1691–1757) aus Wangen im Allgäu. Vor Zwiefalten malt er die (heute zerstörten) Freskenzyklen in der Benediktinerabtei St. Blasien. Siehe zu ihm die Biografie in dieser Webseite.

[27] Johann Jakob Zeiller (1708–1783) aus Reutte. Er ist 1756–1764 wieder in Ottobeuren tätig.

[28] Weiteres zu den Arbeiten in Säckingen (heute Bad Säckingen) siehe im Werkbeschrieb in dieser Webseite.

[29] Siehe zur Residenz Bruchsal den Werkbeschrieb in dieser Webseite.

[30] Nach Eva Maier (2012).

[31] Während als Entwerfer Johann Michael Fischer vermutet wird, verweist Eva Mayer auf die in Zweifalten tätigen Baumeister Schneider. Sicher ist allerdings nur die Bauausführung durch Christian Grossbayer (1718–1782) aus Haigerloch.

[32] Ferdinand Schnell (1707–1776) aus Haid bei Wessobrunn. Seit 1751 ständiger Mittarbeiter von Johann Michael Feichtmayr.

[33] Matthias Lotter (1661–1743) aus Sirchenried. 1678-1683 Lehre in Aichach. 1693/94 Gehilfe Andreas Schmuzers bei der Stuckierung der Wallfahrtskirche Biberbach. 1694 Meisterrecht in Augsburg. In Augsburg Stuckierungen St. Salvator 1701, St. Moritz 1714/15, Heilig Kreuz 1716/19, Barfüsserkirche 1724 (alle zerstört). Erhalten St. Ulrich 1710. Matthias Lotter ist Urheber der Anklage von 1724 gegen die drei «Gebrüder Feichtmayr» (siehe dazu den Exkurs).

[34] Johann Georg Knappich (1637–1704) aus Lechbruck. Im Stadtarchiv Augsburg sind Entwürfe für eine Stuckdeckengestaltung der Augsburger Jesuitenkirche St. Salvator erhalten. Siehe zu im die Biografie in dieser Webseite.

[35] Zur Baugeschichte der Wallfahrtskirche und ihrem Schicksal im 19. Jahrhundert siehe den Beitrag Vierzehnheiligen in dieser Webseite.

 


Werke von Johann Michael Feichtmayr:
Gesicherte Werke sind mit √ gekennzeichnet
Jahr Ort Werk Baumeister, Fresken Bauherr
1723–
1724
Augsburg. Dominikanerkirche St. Magdalena. Innenraumstuckaturen.
Im Namen von Georg Paulus, BM. Mit Anton II Feichtmayr und Bruder Franz Xaver.
BM: Georg Paulus.
Fresken: Alois Mack.
Reichsstadt Augsburg.
1731
Türkheim.
Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt.
Stuckierung des Chors, als Geselle bei Michael Stiller. Fresken:
Johann Andreas Bergmüller.
Kirchenstiftung Türkheim, Herrschaft Schwabeck
1736–
1738
Diessen am Ammersee. Stiftskirche. Stuckaturen in Schiff und Chor. Stuckmarmorarbeiten. Gemeinsam mit Franz Xaver I Feichtmayr und Johann Georg Üblher. BM: Johann Michael Fischer.
Fresken: Johann Georg Bergmüller.
Augustiner-Chorherrenstift Diessen,
Propst OA
Herkulan Karg.
1739–
1749
Münster-Schwarzach. Benediktinerabtei-Kirche St. Felicitas.
(Abriss 1825).
Stuckaturen und Stuckmarmorarbeiten (Altäre)  in Chor und Langhaus. Mit Johann Georg Üblher und Franz Xaver I Feichtmayr. BM: Balthasar Neumann.
Fresken:
Johann Evangelist Holzer,
ab 1743 Matthäus Günther.
Abt Januarius Schwab OSB
M-Schwarzach.
1743–
1746
Wilhering bei Linz.
Zisterzienser-Abteikirche.
Stuckaturen im Chor und Querhaus, Stuckmarmor-Ausstattung. Mit Johann Georg Üblher. BM: Johann Haslinger
(Andrea Altomonte?)
Fresken:
Bartolomeo Altomonte.
Abt OCist Johann Baptist Hinterhölzl, Abtei Wilhering.
1745
Augsburg. Evangelische Kirche St. Anna. Stuckatur-Entwurf. Ausführung Franz Xaver I Feichtmayr mit  Simpert Feichtmayr. BM: Andreas Schneidmann.
Fresken: Johann Georg Bergmüller.
Kirchenpfleger
Johann von Stetten  und Johann Georg Morell.
1745–
1751
Amorbach. Benediktinerabtei. Stiftskirche Planung der Innenraumgestaltung mit Stuckaturen und Stuckmarmorausstattung.
Mit Johann Georg Üblher.
BM: Maximilian von Welsch (nur Gebäudeplanung). Ausführender BM:
Franz Häffele.
Fresken: Matthäus Günther
Abt OSB
Engelbert Kinbacher, Abtei Amorbach.
1746
Augsburg.
Kapelle St. Antonius Eremita.
Barockisierung. Stuck. Zuschreibung auch an Franz Xaver I Feichtmayr. Fresken: Matthäus Günther. Antonius-Stiftung
Augsburg.
1747–
1751
Zwiefalten. Benediktinerabtei. Stiftskirche. Raumstuck und Stuckmarmor. Hochaltar. Stuckplastik durch  Johann Joseph Christian. Ausstattung Langhaus bis 1769 Feichtmayr/Christian. BM: Johann Michael Fischer
Fresken:
Franz Joseph Spiegler.
Abt OSB
Benedikt Mauz
Abtei Zwiefalten.
1749–
1756
(ca.)
Gossenzugen bei Zwiefalten.
Magnus-Kapelle.
Stuckaturen, als Stifter, gemeinsam mit Spiegler.
Altar mit J. J. Christian.
BM: Johann Michael Fischer? Fresko:
Franz Joseph Spiegler.
Abt OSB
Benedikt Mauz
Abtei Zwiefalten.
1752 Würzburg. «Käppele»
Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung
Stuckaturen und Seitenaltäre. Zuschreibung. BM: Balthasar Neumann.
Fresken: Matthäus Günther.
Anselm Franz von Ingelheim, Fürstbischof von Würzburg.
1752
Benediktbeuern. Benediktinerabtei. Anastasiakapelle. Stuckaturen und Hochaltar. Mit Johann Georg Üblher? BM: Johann Michael Fischer.
Fresken:
Johann Jakob Zeiller.
Abt OSB Leonhard Hochenauer, Benediktbeuern.
1752–
1754
Säckingen.
Adeliges Frauenstift.
Stiftskirche St. Fridolin.
Langhausstuck. Decke mit neuer Lattenwölbung. Fresken:
Franz Joseph Spiegler.
Fürstäbtissin
Maria Josepha
von Liebenfels.
1752–
1756
Bruchsal. Fürstbischöfliche Residenz. Stuckaturen und Stuckmarmorarbeiten in den Repräsentations-Räumen.
Zerstörung 1945.
BM: (bis 1731)
Balthasar Neumann.
Fresken: Johann Zick .
Christoph von Hutten, Fürstbischof von Speyer.
1753 Grafrath. Wallfahrtskirche St. Rasso Stuckaturen. Zuschreibung an Franz Xaver I, aber eher durch Johann Michael Feichtmayr ausgeführt. Fresken: Johann Georg Bergmüller. Stift Diessen,
Propst OA
Herkulan Karg.
1753–
1755
Haigerloch. Wallfahrtskirche St. Anna Stuckaturen, Raumkonzept, Stuckmarmorarbeiten, Altäre.
Bildhauer: Johann Georg Weckemann.
BM: Christian Grossbayer
Fresken: Andreas Meinrad von Ow.
Fürst Joseph Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen. 
1754–
1756
Bruchsal.
Peterskirche.
Seitenaltäre und Kanzel, mit Joachim Günther. BM : Johann Georg Stahl nach Entwurf Neumann Christoph von Hutten, Fürstbischof von Speyer.
1756–
1767
Ottobeuren. Benediktinerabtei. Stiftskirche. Stuck- und Altarausstattung, in Zusammenarbeit Johann Joseph Christian. BM: Johann Michael Fischer.
Fresken: Johann Jakob und Franz Anton Zeiller.
Abt OSB
Anselm Erb, Ottobeuren.
1757–
1760
Sigmaringen.
Stadtpfarrkirche St. Johann Evangelist.
Vier Nebenaltäre aus Stuckmarmor, Ausführung durch Thomas Sporer. (Stuck Johann Jakob Schwarzmann). BM: Johann Martin Ilg
Fresken: Andreas Meinrad von Ow.
Fürst Joseph Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen
1763
Augsburg. Reichsabtei
St. Ulrich und Afra.
Stuckmarmorrahmen um Maria-Hilf-Bild. Mit Bruder Franz Xaver.   Abt OSB Joseph Maria von Langenmantel.
1764–
1765
Augsburg. Jesuitenkolleg.
Kirche St. Salvator.
Stuckaturen und Stuckmarmorarbeiten. Kolleg wird 1806 Kaserne, Kirche Reitschule. Abriss 1872. Fresken:
Gottfried Bernhard Göz.
Rektor SJ Franz Schauenburg.
1765
Augsburg. Jesuitenkolleg.
Kongregationssaal.
Stuckaturen. Heute «Kleiner Goldener Saal». Einziger Rest des Jesuitenkollegs. Fresken: Matthäus Günther. Rektor SJ Franz Schauenburg.
1764–
1771
Vierzehnheiligen. Wallfahrtskirche zu den vierzehn Nothelfern. Entwurf und Ausführung der Stuckaturen, Stuckplastik und des Stuckmarmors (Säulen, Altäre). BM: Balthasar Neumann und Johann Thomas Nissler.
Fresken:
Joseph Ignaz Appiani
Abt OCist
Malachias Limmer,
Abtei Langheim .
1765 Häder bei Dinkelscherben. Pfarrkirche St. Stephan. Stuckaturen. Zuschreibung «aus dem Umkreis der Feichtmayr, das heisst auch Franz Xaver II Feichtmayr. BM: Ignaz Paulus?
Fresken: Joseph Mages.
Reichsabtei St. Ulrich und Afra. Abt OSB Joseph Maria von Langenmantel
1765
Säckingen.
Adeliges Frauenstift.
Oratorium.
Stuckaturen und Ausstattungsentwurf. (Keine Fresken) Fürstäbtissin Maria Anna Franziska von Hornstein-Göffingen.
1770
(um)
Klosterlangheim. Abteikirche St. Maria. Stuckaturen im Kircheninnenraum.
Zerstört 1804.
BM: Johann Thomas Nissler. Abt OCist
Malachias Limmer,
Abtei Langheim
 
Nicht in die Werkliste  aufgenommen, da Zuschreibung zu vage:
1768 Langerringen bei Schwabmünchen. Pfarrkirche St. Gallus.
 
Nicht in die Werkliste  aufgenommen, da Zuschreibung an Franz Xaver I Feichtmayr (siehe dort) plausibler:
1743 St. Georgenberg-Fiecht bei Schwaz. Benediktinerabtei-Kirche Hl. Joseph.
1749 Druisheim. Kapelle zur Schmerzhaften Muttergottes.
1754 Wilten bei Innsbruck. Pfarr- und Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau unter den vier Säulen.
1757 Seeon. Benediktiner-Abtei. Nikolaikapelle, Prälatur-Speisesaal.

 

 

 

  Johann Michael Feichtmayr (1710–1772)  
  Biografische Daten        
  Geburtsdatum Geburtsort     Land  
  25. September 1710 Wessobrunn   Bayern D  
    Land 18.Jh.     Bistum 18.Jh.  
    Kurfürstentum Bayern   Augsburg  
  Sterbedatum Sterbeort     Land  
  3. Juni 1772 Augsburg   Bayern D  
    Land 18. Jh.     Bistum 18. Jh.  
    Reichsstadt Augsburg   Augsburg  
  Kurzbiografie        
  Johann Michael Feichtmayr prägt als Stuckateur und Altarbauer wichtigste Sakralbauwerke des süddeutschen Spätbarocks in überragender Weise. Meist in Gemeinschaftsarbeit mit grossen Freskanten, manchmal auch in Zusammenarbeit mit seinem Bruder Franz Xaver oder den Stuckplastikern Johann Georg Üblher und Johann Joseph Christian, ist er auch eigentlicher «Intendant» der Rokokoräume von Amorbach, Zwiefalten, Ottobeuren und Vierzehnheiligen. Sein grosses Erstlingswerk ist die Vollendung der Ausstattung von Münsterschwarzach, das ihm nicht nur die Wertschätzung von Balthasar Neumann, sondern auch der süddeutschen Prälaten einbringt.     Zwiefalten  
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Der Innenraum der Stiftskirche von Zwiefalten ist ein Höhepunkt der süddeutschen Barockarchitektur. Die Ausstattung ist ein Gemeinschaftswerk von Johann Michael Feichtmayr mit dem Plastiker Johann Joseph Christian und dem Freskanten Franz Joseph Spiegler, unter der Leitung von Feichtmayr.
Foto: Bieri 2010.

Brüder Feichtmayr? Ein Exkurs zur verwirrenden Familienherkunft               Back2

1721–1724 wird die Kirche der Dominikaner in Augsburg stuckiert. Drei Wessobrunner führen, weil nicht Bürger und auch nicht Mitglieder der Augsburger Maurer- oder Bildhauerzunft, im Namen des Stadt-Maurermeisters Georg Paulus die Arbeit aus. Die einheimischen Stuckateure Matthias Lotter und Andreas Hainz beschweren sich deshalb in einer Eingabe 1724 an den Rat. Sie schreiben, dass «Antoni Feichtmayr, Stuccator von Wessesbrunnen aus Bayern, nebst zwei seiner Gebrüdern mit Gelegenheit seines Hierseins bei dem Kirchenbau eines wohllöblichen Dominikanerklosters aus Anweisung deren beden bürgerlichen Maurmeistern Georg Paulust und dessen Sohns Johann sich unterstehen, mit denen vielen ihrer Stuccaturs-Arbeit nicht nur in privilegierten Örtern, sondern auch bürgerlichen Häusern, Gärten, Säälen, Gängen und Zimmern so empfindlichen unserem Schaden, Nachtheil und Beinträchtigung ganz ungescheut zu exercieren…».
Seit der 1896 erfolgten Veröffentlichung dieses Briefes gelten, unabhängig von den unterschiedlichen Interpretationen ihrer Familienherkunft, die drei Feichtmayr als die Schöpfer der Stuckaturen in der Dominikanerkirche Augsburg. Genannt wird zwar nur Antoni. Handelt es sich hier um den 24-jahrigen Sohn (Franz) Anton II[1] des Michael Feichtmayr mit zwei seiner älteren Brüdern? Dann wäre die Nennung des Jüngsten als Leiter unlogisch. Oder ist es Vater Anton I mit den 16- und 11-jährigen Söhnen Franz Xaver und Johann Michael? Mit Sohn Franz Xaver hat Anton I bereits 1719 in Ehingen gearbeitet. Weil aber ein Anton Feichtmayr 1721 tatsächlich als «Lernknecht» beim Stadt-Maurermeister Georg Paulus eintritt, dürfte «Antoni» der 24-jährige (Franz) Anton II sein. 1722 tritt ein Johann Feichtmayr ebenfalls als «Lernknecht»[2] bei Johann Paulus,[3] dem Sohn des Stadt-Maurermeisters ein. Dies könnte der schon 26-jährige Bruder des 1698 geborenen Franz Xaver sein. Wahrscheinlicher ist es aber der 1710 geborene Johann Michael, Bruder des 1705 geborenen Franz Xaver. Der im Beschwerdebrief erwähnte leitende Antoni wäre im zweiten Fall vielleicht der Vater, viel wahrscheinlicher aber der ältere Namensvetter aus Wessobrunn. Die drei erwähnten Feichtmayr sind damit in beiden Fällen nicht Brüder. Das Wort Gebrüder, dass die Kunsthistoriker bis heute irreführt, bezieht sich offenbar nur auf die gemeinsame Herkunft. Diese These vertritt Eva Maier 2011/13.
Dass Franz Xaver und Johann Michael Brüder sind, wird hingegen nie bezweifelt. «Dieser Franz hatte zwei Söhne, welche sich beyde gleicher Kunst beflissen, von welcher Herr Franz Xaveri als Churfürstlicher Hof-Stuccador in München lebet. Des Vaters Bruder aber Herr Johann Michael Feichtmayr, ist gleichfalls Stuccador und lebet hier. Er war anfangs seines Bruders  Schüler, übertraf aber seinen Lehrmeister sowohl in der Erfindung, bey schönem Laub- und Zierwerke, als in der Architektur und in ganzen Bildern» schreibt schon 1779 Paul von Stetten über Johann Michael Feichtmayr. Der Zeitzeuge Stetten sieht ihn noch in Augsburg lebend und bestätigt, dass er der jüngere Bruder von Franz Xaver sei.
Damit ist naheliegend, dass die von Hugo Schnell und Uta Schedler im Lexikon der Wessobrunner (1988) angenommene Geburtsdaten 1696 für Johann Michael und 1698 für Franz Xaver nicht stimmen können. Sie sind also Söhne von Anton I Feichtmayr, mit den Geburtsdaten 1705 und 1710. Dass sie leibliche Brüder sind, gilt aufgrund der frühen Erwähnung und ihrer späteren Laufbahn als sicher. Anton II, der 1721 bei Paulus eingetretene Lernknecht und Anführer des Stuckateurtrupps in der Dominikanerkirche, ist nicht ihr Bruder. Die Kombination, dass in Augsburg 1721–1724 «Gebrüder» aus zwei verschiedenen und vielleicht verwandten Familien tätig sind, ist damit gegeben.
Pius Bieri 2018

Anmerkungen:

[1] Franz Anton II Feichtmayr (*1700) aus Haid-Wessobrunn ist «Lernknecht» 1721–1724 bei Georg Paulus in Augsburg. Wahrscheinlich ist er Leiter der bei Paulus tätigen Stuckateurgruppe in der Dominikanerkirche. Er heiratet 1724 die Augsburger Bürgertochter Magdalena Brändtle.

[2] Lernknechte müssen nicht unbedingt Lehrlinge im heutigen Sinn sein. Sinn einer späten Lehre kann sein, die Arbeit als Stuckateure trotz fehlender Zunftangehörigkeit ungehindert auszuführen. Auch Egid Quirin Asam in München wählt diesen Weg mit 19 Jahren. Der 24-jährige Anton (Franz?) Feichtmayr wird 1724, im Jahr seiner Heirat mit einer Augsburger Bürgerstochter, von der Zunft freigesprochen. Nur beim erst 1722 eingeschriebenen und zehn Jahre jüngeren Johann (Michael?) kann von einer Erstlehre ausgegangen werden. Franz Xaver Feichtmayr ist nirgends vermerkt. Weil keine Augsburger Zunft für Stuckateure exisitiert, und die beiden Brüder später vor allem ausserhalb der Stadt arbeiten, streben sie keine Meistergerechtigkeit einer Zunft an. Man kann ihr Vorgehen auch als geschicktes Austricksen der Zünfte betrachten, die sich vor allem der Abwehr von Fremdem und Neuem widmen. Siehe zu den Gepflogenheiten der Augsburger Maurerzunft und der Bildhauerzunft und zum speziellen Fall der «Lehre» für bereits tätige Stuckateure den Beitrag von Adolf Buff 1896.

[3] Weder von Georg (Jörg) Paulus noch zu seinem Sohn Johann sind Lebensdaten bekannt. Beides sind Baumeister in Augsburg. Anton Feichtmayr ist «Lernknecht» bei Georg Paulus, Johann Feichtmayr (er nennt sich noch nicht Johann Michael) bei Johann Paulus.

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