Franz Xaver Feichtmayr I (1705–1763)

Wessobrunner Stuckateur in Augsburg

Wessobrunn
Mitglieder der Familien Feichtmayr aus Wessobrunn sind seit dem 17. Jahrhundert als Baumeister und Stuckateure tätig. Bekannter Vertreter der ersten Generation ist der zeitweise auch in Weilheim tätige Stuckateur und Maurermeister von Benediktbeuern, Caspar Feichtmayr.[1] Der Name wird in der Regel in der alten Form Feichtmayr geschrieben. Nur die Familie des ins Bodenseegebiet ausgewanderten Franz Joseph wird heute Feuchtmayer geschrieben. Sein Sohn Joseph Anton ist nicht nur Altersgenosse, er erreicht im Bodenseegebiet auch die Berühmtheit der beiden Feichtmayr-Brüder Johann Michael und Franz Xaver.
Franz Xaver I «der Ältere» wird als Sohn des Stuckateurs Anton Feichtmayr[2] und seiner Ehefrau Johanna Zöpf, aber auch als Sohn des Wessobrunner Stuckateurs und Maurers Michael Feichtmayr[3] und seiner Ehefrau Maria Winkler geführt. Je nach Familienherkunft wäre seine Taufe in der Pfarrkirche Wessobrunn am 10. Dezember 1705 oder am 11. August 1698.
Familienherkunft und Taufdatum sind noch heute nicht ganz gelöst, vor allem wegen der nie bezweifelten Tatsache, dass die beiden später berühmten Stuckateure Franz Xaver und Johann Michael[4] Brüder sind. Für die erste Augsburger Tätigkeit von Franz Xaver wäre vordergründig das Geburtsdatum 1698 plausibler, für Johann Michael aber das Datum 1710.

Brüder Feichtmayr? Exkurs zu einer verwirrenden Familienherkunft.

Obwohl ihre Familienherkunft und ihre verwandtschaftlichen Beziehungen noch Fragen offen lassen, gehe ich hier bei Franz Xaver vom eher begründeten späteren Geburtsdatum vom 10. Dezember 1705 aus.
Franz Xaver und der fünf Jahre ältere Verwandte Franz Anton[5] erlernen das Stuckateurhandwerk wie die meisten Wessobrunner bei ihren bereits im Handwerk tätigen Vätern. In Haid und Gaispoint, den Dörfern beim Kloster Wessobrunn, sind um 1700 die Stuckateure und Baumeister der Familie Schmuzer dominierend. Aber wie alle Schmuzer müssen auch die Mitglieder der Familie Feichtmayr ihren Wirkungskreis ausserhalb Kurbayerns suchen. Die stark angewachsene Zahl der Wessobrunner Stuckmeister zwingt sie dazu.

Niederlassung in Augsburg und Familie
Drei junge Feichtmayr sind 1724 in Augsburg als Stuckateure erwähnt. Weil ihnen für die freie Ausübung ihrer Tätigkeit das Bürgerrecht oder die Meistergerechtigkeit der Reichsstadt fehlt, stuckieren sie 1723/24 im Unterakkord des städtischen Maurermeisters Georg Paulus die Dominikanerkirche. Sie scheinen, wie ein Beschwerdebrief zweier renommierter Augsburger Stuckateure an den Rat zeigt, auch im abgeschirmten städtischen Zunftgehege zu «wildern», und dies offenbar erfolgreich. Wahrscheinlich ist bei diesen drei Stuckateuren auch der namentlich nicht erwähnte Franz Xaver dabei. Die Beschwerdeführer schreiben nämlich nur von einem Antoni, der mit zwei «Gebrüdern» tätig ist. Zwei Feichtmayr, ein Anton und ein Johann, sind seit 1721 und 1722 «Lernknechte» in der Werkstatt eines Augsburger Stadt-Maurermeisters. Antoni dürfte der fünf Jahre ältere Namensverwandte und Dorfgenosse von Franz Xaver sein. Johann muss sein jüngerer Bruder sein, der manchmal auch ohne seinen zweiten Vornamen geschrieben wird und nun die Lehre in Augsburg beginnt.
Unbekannt ist, seit wann sich Franz Xaver in Augsburg aufhält. Da er aber noch 1719 im Trupp seines Vaters in Ehingen stuckiert, kann auch für ihn 1721 angenommen werden. Er scheint ohne den Umweg als «Lernknecht» die freie Berufsausübung zu erlangen, denn er heiratet am 17. September 1725 die Augsburger Krämerstochter Maria Theresia Gotthardt und wird damit Bürger der Stadt. Er ist erst 20, sehr früh für eine Heirat. Seine erste Ehefrau schenkt ihm am 17. April 1726 den Sohn Johann Joseph, stirbt aber im Kindsbett. Die frühe Heirat ist damit erklärt. Auch die zweite Ehefrau, Maria Theresia Hartel, stirbt 1727 im Kindsbett nach der Geburt des zweiten Sohnes Franz Anton. Mit der dritten Ehefrau Maria Barbara Ebringer hat er zehn oder elf Kinder.[6] Die 1729 geborene Tochter Maria Theresia heiratet 1752 den Stuckateur und späteren Werkstattnachfolger Jakob Rauch.[7] Der 1732 geborene Simpert wird Stuckateur und Fassmaler.[8] In den Taufregistern fehlt der 1735 geborene Franz Xaver, den aber schon von Paul von Stetten als Sohn bezeichnet wird, der als «churfürstlicher Hof-Stuccador in München» lebe.[9] Nach seiner zweiten Heirat, inzwischen erst 22-jährig, erwirbt Franz Xaver Feichtmayr ein Haus am Milchberg in Augsburg.[10] Hier führt er auch eine Gips- und Farbwarenhandlung. Der junge Stuckateur scheint nicht nur von der guten Baukonjunktur in der Friedensphase nach dem Spanischen Erbfolgekrieg, sondern auch durch die Heiratsverbindungen mit Bürgerstöchtern zu profitieren.
Nach dem Tod seiner dritten Ehefrau heiratet er 1756 ein viertes Mal. Mit Maria Anna Freihardt aus Wallerstein ist es erstmals keine Augsburger Bürgerin.

Dominikanerkirche Augsburg
Der erste Auftrag, den die «Gebrüder» Feichtmayr beim Baumeister Georg Paulus ausführen, ist die Erstellung des barocken Stuckkleides für den Innenraum der Dominikanerkirche St. Magdalena in Augsburg. Die Barockisierung der Hallenkirche des 16. Jahrhunderts wird 1716 begonnen. Die eigentlichen Stuckaturarbeiten fallen in die Jahre 1723–1724. 1724 erstellt Alois Mack nach Entwürfen von Johann Georg Bergmüller die Fresken. Ausgehend von der Annahme, das die zwei ungenannten Stuckateure, welche mit dem leitenden Anton Feichtmayr arbeiten, der junge Geselle Franz Xaver und der «Lernknecht» Johann Michael sind, ist dies ihr erster grösserer Auftrag in Augsburg, an dessem Beginn die Brüder 18- und 13–jährig sind. Die Régence-Stuckaturen der Wessobrunner sind dabei nicht nur Beiwerk der Deckengemälde, sondern «bilden in ihrer weiten Verzweigung über Decken und Wände ein wirkungsvolles selbständiges künstlerisches Ganzes».[11]

Zuschreibungen bis 1730
Schon im Beschwerdebrief von Matthias Lotter und Andreas Hainz an den Rat von Augsburg werden die vielfältigen Tätigkeiten der «Gebrüder» Feichtmayr in Profanbauten der Reichsstadt angeprangert. Diese Arbeiten sind nicht mehr lokalisierbar und spätestens im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs auch verschwunden. Nach der Heirat 1724, die ihm freie Berufsausführung ermöglicht, beendet Franz Xaver wahrscheinlich die Gesellentätigkeit bei Paulus. Dass er jetzt mit Sicherheit keine Wanderjahre anknüpft, ist schon am Erwerb eines Stadthauses nach drei Jahren sichtbar. Als Zuschreibungen gelten die 1730 ausgeführten Stuckaturen im Chor der Kirche Haunstetten und 1730/31 erstellten, aber 1944 zerstörten Stuckaturen in der Fuggerei Augsburg. Auch von Johann Michael sind bis 1732 keine Arbeiten bekannt. Bei ihm werden Wanderjahre vermutet.

Stams, Walleshausen, Agawang
1731 erhält Franz Xaver den Auftrag für die Stuckierung der Kirche Stams. Er muss den Auftrag mit dem jüngeren Joseph Fischer[12] aus Füssen teilen. Die Fresken sind ein Werk des Bergmüller-Schülers Johann Georg Wolcker. Der Freskant aus Augsburg, der schon in Haunstetten genannt wird, könnte Feichtmayr bei Abt Augustin II. Kastner empfohlen haben. Den beiden Stuckateuren gelingt in Stams bis 1734 ein erstes grosses Werk, das sich bereits dem Rokoko nähert.
Noch während des Auftrages in Stams gehen Feichtmayr und der Freskant Wolcker 1732 nach Walleshausen bei Landsberg, wo Franz Xaver einen etwas leichteren Bandelwerkstuck, aber schon mit rocaillisierten Kartuschen erstellt.
Vom Augsburger Domkapitel erhält er im gleichen Jahr den Auftrag für die Stuckierung der Dorfkirche in Agawang. Er erstellt hier einen sanften Bandel- und Laubwerkstuck.
  StamsKartusche
  Eine Zwickelkartusche von Franz Xaver Feichtmayr in der Stiftskirche Stams.
Foto: Herbert Wittmann 2010.

Sterzing, Bauerbach und Gablingen
Die Arbeiten an diesen Sakralbauwerken sind Zuschreibungen. Gesichert ist für Franz Xaver nur der Stuckmarmoraltar in der Deutschordenskirche von Sterzing im Südtirol. Hier arbeitet er vielleicht schon 1733 an den Stuckaturen und erstellt 1734 den Stuckmarmoraltar. Mitarbeiter ist Anton Feichtmayr, wobei nicht klar ist, ob es sich um den Vater Anton I oder um den Cousin? Anton II handelt. Von ihnen hört man in den folgenden Jahren nichts mehr, eine dauernde Tätigkeit im Trupp von Franz Xaver könnte in der Folge möglich sein. In Sterzing findet 1733 auch die erste Zusammenarbeit mit dem Augsburger Freskanten Matthäus Günther[13] statt, der hier mit dem Fresko und den Altarblättern frühe Werke seiner langen Karriere erstellt.
1736 erfolgt die Stuckierung des Chors in der kleinen Filialkirche in Bauerbach. Dieser Stuck ist aber vermutlich kein Werk von Franz Xaver, sondern von Johann Georg Üblher[14] , der 1719 schon in Ehingen als 16-Jähriger mit dem 13-jährigen Franz Xaver bekannt wird. Vor allem Johann Michael Feichtmayr wird bis 1763 mit Üblher zusammenarbeiten.
Die Kirche St. Martin in Gablingen ist ein Bauwerk des Wessobrunners Joseph Schmuzer.[15] Der Werkstatt von Franz Xaver werden die 1735 nach Entwurf Schmuzers erstellten Stuckaturen zugeschrieben.

Diessen
Das Stuckkleid der Stiftskirche von Diessen ist der erste Höhepunkt der gemeinsamen Arbeit der beiden Feichtmayr-Brüder Franz Xaver und Johann Michael mit Johann Georg Üblher. Die Augustiner-Chorherrenkirche ist eine Wandpfeilerhalle von Baumeister Johann Michael Fischer. Freskant ist Johann Georg Bergmüller. Die Werkstatt Feichtmayr-Üblher erstellt 1736–1737 den Raumstuck und die Stuckmarmorausstattung. Massgebend am Entwurf der Ausstattung sind die anfänglich auch die Brüder Asam beteiligt. Hingegen wird François Cuvilliés heute als Entwerfer des Hochaltars und Beteiligter am Entwurf der Stuckaturen hinterfragt.[16] Im Stuckkleid ist mit Rollwerk, Kammrocaillen, Zungenkämmen, Zweigen und Schilfwedel das ganze Programm der noch symmetrischen Régence am Übergang zum Rokoko enthalten.

Diessen1   Diessen2   Diessen3
Die Stuckaturen der Stiftskirche Diessen stehen am Übergang der Régence zum Rokoko. Links das Gebälk eines Vierungspfeilers, in der Mitte einer der Oratorienbalkone bei der Orgelempore und rechts eine Zwickelkartusche an der Vierungskuppel. Sie stellt die Personifikation der Gerechtigkeit (Waage und Schwert) dar.
Fotos. Andreas Praefcke 2008 in Wikipedia.

Friedberg
Die Wallfahrtskirche Hergottsruh in Friedberg ist ein Bau von Benedikt Johann Benedikt Ettl. Franz Xaver erhält den Auftrag für die Stuckierung des Chors 1737 vom Bauherrn, dem Augsburger Domherr Eckher. Er führt diese Arbeit bis 1738 durch. Freskant ist Cosmas Damian Asam, der auch das Hochaltarretabel als Fresko gestaltet. 1742 kann Franz Xaver zusätzlich den Stuck des mit drei Pendentifkuppeln überwölbten Mittelschiffes ausführen. Hier ist Matthäus Günther Freskant. Die in die Fresken übergreifenden Kartuschen von Franz Xaver sind bereits vollkommenes, reifes Rokoko. 1750–1753 stuckiert er auch die Seitenschiffe.

Friedberg1   Friedberg2
Franz Xaver Feichtmayr erstellt die Stuckaturen der Wallfahrtskirche Hergottsruh bei Friedberg in zwei Etappen.
1. Im Chor arbeitet er 1738 zusammen mit dem Freskanten Cosmas Damian Asam 1738.
2. Fünf Jahre ist er mit dem Freskanten Matthäus Günther in den Pendentifkuppeln des Langhauses tätig.
Fotos: Reinhardhauke 2014 in Wikipedia.

Münsterschwarzach
Die von Balthasar Neumann gebaute Benediktiner-Abteikirche ist schon 1737 im Rohbau fertig. Johann Evangelist Holzer arbeitet bereits am Kuppelfresko. Er malt bis 1738 auch die Langhausfresken. Der bisherige Stuckateur aus Würzburg, vermutlich Antonio Bossi, muss wegen Arbeitsüberlastung absagen. Abt Januarius schliesst deshalb 1738 und 1739 Verträge mit den beiden Brüdern Feichtmayr und Johann Georg Üblher. Angenommen wird, dass der Augsburger Holzer die Feichtmayr-Üblher-Truppe dem Abt empfohlen hat. Zeitgenössische Dokumente verweisen auf die leitende Stellung von Franz Xaver beim ornamentalen Stuck bis 1740. Er arbeitet mit Johann Georg Üblher zusammen. 1741 ist auch der grosse Hochaltar in Stuckmarmor erstellt, in den Holzer 1742 sein Altarblatt einfügt. Seine Ausführung dürfte, wie auch die späteren Altäre im Querhaus und im Langhaus, auf einen Entwurf von Johann Michael Feichtmayr zurückgehen.[17] Für die weiteren Arbeiten der Ausstattung im Langhaus ist dann bis 1749 nur noch Johann Michael III zusammen mit Johann Georg Üblher in Münsterschwarzach tätig.[18]

Fiecht bei Schwaz
Die Stuckausstattung der neuen Stiftskirche von St. Georgenberg-Fiecht bei Schwaz im Tirol wird der Feichtmayr-Üblher-Truppe übertragen. Alleinige Ausführende ist aber 1743–1744 die Werkstatt von Franz Xaver, die 1745 auch den Stuckmarmor-Hochaltar erstellt. Freskant ist wieder Matthäus Günther.

Augsburger Kirchen
St. Anna, die evangelische Pfarrkirche von Augsburg, wird 1745 barockisiert. Der festliche Rokokostuck ist ein Werk von Franz Xaver nach einem Entwurf von Johann Michael Feichtmayr. Beteiligt ist der 13-jährige Sohn Simpert als Lehrling.[19]
Wie Stuckatur-Sachverständige bei Zuschreibungen vielfach diametral anders beurteilen, ist anhand der 1746 erstellten Stuckatur der Kapelle St. Antonius in Augsburg zu sehen. Die «etwas schludrige Rocaille» ist für Friedrich Wolf (1969) ein Werk von Franz Xaver Feichtmayr. Im Lexikon der Wessobrunner (1988) ist der Stuck unter Johann Michael Feichtmayr aufgeführt. Bruno Bushart folgt im Dehio (2008) der Zuschreibung an Franz Xaver, für ihn ist die Arbeit aber «vorzüglicher Stuck mit Rocaillerahmen und Putten».

Stuckaturen in Sakralbauten 1745–1752
Die Werkliste der nachfolgenden Jahre weist für die Feichtmayr-Werkstatt des Franz Xaver Rocaillestuck in vielen Landkirchen der Diözese Augsburg auf. Einige Arbeiten sind quellenmässig belegt, wie St. Gordian in Stöttwang, St. Wolfgang bei Pipinsried, St. Georgen in Diessen und St. Peter und Paul in Ziemetshausen, andere sind Zuschreibungen wie Paar, Bobingen, Mödishofen und Druisheim. Der Meister des sparsamen Stucks der ehemaligen Jesuitenkirche St. Sebastian in Ebersberg ist, ebenso wie ihr prächtiger Hochaltar, nicht erforscht und wird völlig unterschiedlich zugeschrieben. Keine der zugeschriebenen Stuckaturen ist von speziellem Interesse. Nur das zartfarbig gefasste Stuckkleid der Wallfahrtskirche Violau, 1750–1751 von Franz Xaver Feichtmayr ausgeführt, ist mit den für ihn typischen, asymmetrischen und in die Fresken übergreifenden Rocaillen von höchster Qualität.
  Violau
Deckenstuck im Langhaus der Wallfahrtskirche Violau mit dem Fresko von Johann Georg Dieffenbrunner. Foto: Bieri 2018.  

Ellingen
Als Erbauer des raumtrennenden, konkav eingebogenen Stuckmarmor-Altarretabels mit den seitlichen Oratorien in der Schlosskirche Ellingen wird Franz Xaver bezeichnet. Er soll 1748–1749 ausführender Meister des in jeder Hinsicht vorzüglichen Werks sein. Als Entwerfer wird der als Baumeister tätige Stuckateur Franz Joseph Roth genannt, der in Münsterschwarzach vom Feichtmayr-Hochaltar einen Abriss anfertigt und diesen für Ellingen dann zum Vorbild nimmt.[20]

Grafrath
Die Wallfahrtskirche St. Rasso gehört dem Augustiner-Chorherrenstift Diessen, liegt im Bistum Augsburg und ist ein Bau des Vorarlbergers Michael Thumb aus dem 17. Jahrhundert. 1752–1753 lässt das Stift den Innenraum neu gestalten und greift auf die schon in Diessen tätigen Werkstätten Feichtmayr und Bergmüller zurück. Die Stuckaturen sind deswegen erwähnenswert, weil sich hier die Sachverständigen wieder über die ausführenden Stuckateure uneins sind. Wahrscheinlich ist der kleine Auftrag ausschliesslich der Werkstatt des Bruders Johann Michael zuzuschreiben. Friedrich Wolf (1969) ist aber überzeugt, dass die Werkstatt Franz Xaver verantwortlich ist, obwohl er die brillante Qualität des Stucks betont. Dies aber nur, weil er den Schwiegersohn Jakob Rauch hinter der Arbeit vermutet.

Jakob Rauch
1752 heiratet der 34-jährige Stuckateur Jakob Rauch aus Unterpeissenberg die Tochter von Franz Xaver I Feichtmayr und erwirbt gleichzeitig das Augsburger Bürgerrecht. Bürgen sind der Maler Matthäus Günther und der Wessobrunner Stuckateur Ignaz Finsterwalder, bei dem Jakob Rauch vorher tätig ist. Der Schwiegersohn Rauch, der ein guter Figuralplastiker ist, gilt ab jetzt als ständiger Mitarbeiter der schwiegerväterlichen Werkstatt. Erst gegen Ende der 1750er-Jahre tritt er eigenständig auf.

Werke bis 1759
Die Werkliste dieser Jahre umfasst meist Zuschreibungen. Gemäss Eva Christina Vollmer können nur die Pfarrkirchen St. Martin in Scheuring, St. Nikolaus in Grossaitingen und St. Stephan in Geltendorf als sichere Ausführungen der Werkstatt von Franz Xaver gelten. Umstritten sind die Wallfahrtskirche U. L. F. unter den vier Säulen in Wilten bei Innsbruck und die Stiftskirche der Reichsabtei Roggenburg. Gesicherte Werke sind die Stiftskirchen von Indersdorf und Gutenzell, sowie die Damenstiftkirche St. Stephan in Augsburg.

Die Stuckaturen im Neubau der Wallfahrtskirche von Wilten, mit den Fresken von Matthäus Günther, sind Arbeiten der Jahre 1754/55. Der Stuck ist das Werk einer Feichtmayr-Werkstatt. Trotz der stilistischen Verwandtschaft mit Amorbach, Zwiefalten und Ottobeuren, den grossen gleichzeitigen Werken von Johann Michael Feichtmayr, wird Wilten immer der Werkstatt von Franz Xaver zugeschrieben.[21]   Wilten
Der Innenraum der Stiftskirche Wilten. Foto: Andrew Bossi 2007.  

Der Rokokostuck von 1754/55 in der Prämonstratenser-Stiftskirche in Roggenburg ist wahrscheinlich ein Werk des Stuckateur Ignaz Finsterwalder, mit dem Franz Xaver dann in Gutenzell wieder zusammenarbeitet.[22]

Die Augustinerchorherren-Stiftskirche Indersdorf wird, mit Franz Xaver als gesichertem Stuckateur und wieder mit Matthäus Günther und seinem Mitarbeiter Johann Georg Dieffenbrunner als Freskanten, 1754–1755 barockisiert. Die Fresken und die züngelnden Rocaillen des Gewölbestucks dürfen als Gesamtkunstwerk bezeichnet werden.   Indersdorf
Gewölbezone der Stiftskirche Indersdorf mit den Stuckaturen von Franz Xaver Feichtmayr und den Fresken von Matthäus Günther. Foto: Bieri 2014.  

Die Neugestaltung der Zisterzienserinnen–Abteikirche von Gutenzell wird 1755 von der Äbtissin an Franz Xaver übertragen. Ihre Priorin, die Tochter von Dominikus Zimmermann, setzt sich beim Vaterabt in Kaisheim für die Ausführung der Arbeiten durch ihren Vater ein. Feichtmayr und Jakob Rauch, der hier als Ausführender zusammen mit Ignaz Finsterwalder erwähnt ist, müssen dann nach der Planung von Dominikus Zimmermann arbeiten. Freskant ist wieder Johann Georg Dieffenbrunner.[23]
Die Damenstiftskirche St. Stephan in Augsburg wird 1755 neu gebaut. Die seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr vorhandene Stuckausstattung von 1757 ist ein Werk von Franz Xaver Feichtmayr, sein Sohn Simpert ist hier beteiligt.

St. Thekla in Welden und Sünching
Als Stuckateure der Fugger-Votivkirche St. Thekla in Welden werden 1758 nebst Johann Michael Dreyer auch Franz Xaver Feichtmayr genannt. Gemeint könnte aber auch sein in München lebender Sohn Franz Xaver II sein. Dieser ist dann mit Sicherheit 1761/62 unter der Leitung von François Cuvilliés als Stuckateur in Schloss Sünching tätig.

Seeon und Rott am Inn
In der Benediktinerabtei Seeon erfolgt 1757/58 die Neustuckierung der Nikolaikapelle und des Refektoriums. Sie werden Franz Xaver Feichtmayr zugeschrieben, sind aber ein Werk seines Schwiegersohns Jakob Rauch. Auch das 1761–1763 entstandene Stuckkleid der Benediktiner-Stiftskirche Rott am Inn ist ein Werk von Jakob Rauch. Zwar bemühen sich Franz Xaver Feichtmayr und Jakob Rauch schon 1758 um den Auftrag in Rott und liefern auch ein Modell für den Umbau der alten Klosterkirche. Bevorzugt wird dann aber das überzeugende Neubaumodell von Johann Michael Fischer aus München. An der Ausführung ist Franz Xaver nicht mehr beteiligt.

Lebensende
1759 unterschreiben Franz Xaver Feichtmayr, sein Bruder Johann Michael und Johann Georg Üblher gemeinsam einen Akkord für den Raumstuck der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen. Abt Malachias von Langheim will damit die Arbeitsgemeinschaft von Diessen und Münsterschwarzach für den berühmten Bau des schon seit sechs Jahren verstorbenen Baumeisters Balthasar Neumann binden. Verzögerungen erlauben keinen sofortigen Beginn der Stuckaturarbeiten. Noch vor ihrem Beginn stirbt 1763 Franz Xaver Feichtmayr mit 58 Jahren. Ort und genaues Todesdatum sind unbekannt. Maria Anna Feichtmayr wird aber 1763 als Witwe bezeichnet. Nach Norbert Lieb (1961) muss Franz Xaver Feichtmayr vor dem 21. August 1763 gestorben sein.

Pius Bieri 2018

Literatur:
Stetten, Paul von: Kunst- Gewerb- und Handwerks-Geschichte der Reichs-Stadt Augsburg. Verfasst von Paul von Stetten dem Jüngern. Augsburg 1779.
Buff, Adolf: Die Anfänge der Stuccaturkunst in Augsburg bis in das 18. Jahrhundert, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg, Band 23. Augsburg 1896.
Lieb, Norbert: Feichtmayr, Franz Xaver I, in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), Onlinefassung.
Wolf, Friedrich: Der Stuckator Franz Xaver Feichtmayr d. Ä. und sein bedeutender Mitarbeiter Jakob Rauch, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg, Band 59-60. Augsburg 1969.
Vollmer, Eva Christina: Franz Xaver Schmuzer. Sigmaringen 1979.
Schneider, Erich: Die barocke Benediktinerabteikirche Münsterschwarzach. Neustadt an der Aisch 1984.
Schnell, Hugo und Schedler, Uta: Lexikon der Wessobrunner, München 1988.
Maier, Eva: Stuckmarmor und Raumgestaltung. München 2012.

Anmerkungen:

[1] Caspar Feichtmayr (1639–1704).

[2] Anton Feichtmayr (1680–1752), Stuckateur. Er heiratet 1704 und zieht nach Gaispoint, heute Schmuzer Strasse 1. Kinder sind Franz Xaver (*1705), Theresia (1707), Michael (*1709), Johann Michael (*1710) Maria Anna (*1713) und Mathias (*1716).
Diese Variante wird bis 1988, und heute wieder durch Eva Maier in der 2012 im Druck erschienenen Dissertation (Promotion bei Prof. Dr. Frank Büttner) «Stuckmarmor und Raumgestaltung» vertreten.

[3] Michael Feichtmayr (1667–1706). Kinder sind Johann (*1696), Franz Xaver (*1698), Franz Anton (*1700), Anna Maria (*1704) und Maria Theresia (1705). Geburtshaus an Stelle des heutigen Hauses Schlossbergstrasse 15 (ehemals das Haus Nr. 39 «im Winkler») in Haid-Wessobrunn.
Diese Variante wird von Hugo Schnell und Uta Schedler im Lexikon der Wessobrunner (1988) vertreten.

[4] Johann oder Johann Michael (*1696 oder *1710, †1772). 1722 «Lernknecht» in Augsburg. Im Lexikon der Wessobrunner Johann Michael III.

[5] Franz Anton, später Anton (1700 getauft). Sohn des Michael Feichtmayr. Im Lexikon der Wessobrunner Anton II.

[6] 1728 Johann Michael, 1729 Maria Theresia, 1731 Johann, 1732 Simpert, 1734 Johann Michael, 1738 Joseph Anton, 1739 Anna Elisabeth,  1741 Anna Maria Walburga, 1743 Johann Georg, 1749 Maria Barbara.

[7] Jakob Rauch (1718–nach 1785) aus Unterpeissenberg. Er wird zum wichtigsten Mitarbeiter und übernimmt 1763 die Werkstatt von Franz Xaver I Feichtmayr.

[8]  Simpert Feichtmayr (1732–1806). Er lernt beim Vater, ist bis 1749 im väterlichen Trupp als Stuckateur, dann als Fassmaler. Später arbeitet er auch mit seinem Bruder Franz Xaver II zusammen.

[9] Franz Xaver II Feichtmayr (1735–1803) heiratet 1758 die Witwe von Johann Baptist Zimmermann, in dessen Werkstatt er seit 1752 arbeitet. Zusammenarbeit mit François Cuvilliés. Ist er auswärts geboren und getauft? Sein Lebensschwerpunkt ist München. Er arbeitet nach dem Tod des Vaters gelegentlich mit Bruder Simpert zusammen.

[10] Eckhaus Weite Kirchgasse / Bäckergasse, heute nicht mehr vorhanden.

[11] (Hans Wiedenmann 1917). Die Kirche ist seit der Säkularisation profaniert und völlig ausgeräumt, hat den Zweiten Weltkrieg überstanden, ist aber seit 2012 geschlossen.

[12] Joseph Fischer (1704–1771) aus Faulenbach bei Füssen. Er ist wahrscheinlich Schüler von Dominikus Zimmermann. Die Arbeitsteilung Feichtmayr – Fischer ist nicht bekannt. In neueren Publikationen wird nur noch Franz Xaver Feichtmayr als Stuckateur erwähnt.

[13] Matthäus Günther (1705–1788) aus Tritschenkreut bei Peissenberg, ist 1725–1727 Geselle bei Cosmas Damian Asam. Er erwirbt 1731 in Augsburg die Meistergerechtigkeit. Bedeutender Freskant. Seine frühen Werke vor allem in den Sakral-Neubauten von Joseph Schmuzer (Garmisch 1732, Welden 1732, Peissenberg 1734, Tölz 1737, Rottenbuch 1737–1746, Oberammergau und Mittenwald 1740).

[14] Johann Georg Üblher (1703–1763) aus Wessobrunn. Erste Zusammenarbeit mit Franz Xaver als Lehrling bei Anton I Feichtmayr in der Pfarrkirche St. Lorenz von Ehingen. Er heiratet 1741 eine Tochter des Wessobrunner Baumeisters und Stuckateurs Joseph Schmuzer. Bei der Zusammenarbeit mit den Feichtmayr-Brüdern übernimmt er in der Regel die Figuralplastik.

[15] Joseph Schmuzer (1683–1752). Zu ihm siehe die Biografie in dieser Webseite.

[16] Zu den beteiligten Meistern Johann Michael Fischer, Egid Quirin Asam und Cosmas Damian Asam, sowie Johann Georg Bergmüller und François Cuvilliés siehe die Biografien in dieser Webseite.

[17] Selbstverständlich wird auch hier wieder Balthasar Neumann als Entwerfer behauptet. Von ihm ist aber kein Entwurf erhalten, hingegen ist der Entwurf eines Querhausaltars von Johann Michael Feichtmayr enthalten. (Landsberg am Lech, Neues Stadtmuseum, Inv. Nr. 196)

[18] Zu dem Neubau der Abteikirche von Münsterschwarzach, die 1743 geweiht wird, zu Balthasar Neumann und zu Johann Evangelist Holzer siehe die Beiträge in dieser Webseite. Die Kirche wird 1825 abgebrochen und die Ausstattung zerstört.

[19] Der ihm nicht wohlgesonnene Kunsthistoriker Friedrich Wolf (1969) glaubt bei jedem gelungenen Werk der Werkstatt von Franz Xaver grundsätzlich an die Hilfe des Bruders Johann Michael oder von Johann Georg Üblher, wie zum Beispiel bei Walleshausen oder Friedberg. Bei der Kirche St. Anna verneint er hingegen die Ausführung nach dem Entwurf von Johann Michael Feichtmayr, weil er sie als Lehrlingsarbeit im Stil der Werkstatt von Franz Xaver beurteilt.

[20] Weder der Altarentwurf noch der Akkord mit Feichtmayr ist dokumentiert. Zweifel an der Autorenschaft Roths sind angebracht. Er geht 1747 nach Münsterschwarzach, um vom damals einzigen neuen Altar, dem Hochaltar der Feichtmayr-Üblher Werkstatt, einen Abriss zu machen. Auch von diesem Münsterschwarzacher-Altar ist kein Entwurf vorhanden, selbst sein Entwerfer (Neumann? Feichtmayr?) ist unbekannt. Vermutlich befolgt Franz Xaver I Feichtmayr in Ellingen ein Grobkonzept des Baumeisters Roth und erstellt die Detailentwürfe selbst. 

[21] Zuschreibung an Johann Michael durch Eva Christina Vollmer. Zuschreibung an Jakob Rauch durch Friedrich Wolf.

[22] Mehr dazu sieh im Bauwerksbeschrieb «Ehemalige Prämonstratenser-Reichsabtei Roggenburg» in dieser Webseite.

[23] Mehr dazu siehe im Bauwerks-Beschrieb «Ehemalige Zisterzienserinnen-Reichsabtei Gutenzell» in dieser Webseite.

 


Werke von Franz Xaver I Feichtmayr
Gesicherte Werke sind mit √ gekennzeichnet

Jahr Ort Werk Baumeister, Fresken Bauherr
1719
Ehingen (nördlich Augsburg)
Pfarrkirche St. Laurentius.
Stuckaturen, Ausführung als Lehrling bei Vater Anton I Feichtmayr.
Weiterer Lehrling: Johann Georg Üblher.
BM: Hans Georg Radmiller.
 
Eustach Maria Graf Fugger–Nordendorf.
1723–
1724
Augsburg. Dominikanerkirche St. Magdalena. Innenraumstuck. Im Namen von Georg Paulus, BM. Mit Anton II Feichtmayr und Bruder Johann Michael. BM: Georg Paulus.
Fresken: Alois Mack.
Reichsstadt Augsburg.
1730 Haunstetten. Pfarrkirche St. Georg. Innenraumstuck. Zuschreibung. BM: Johann Paulus.
Fresken:
Johann Georg Wolcker.
Stift St. Ulrich und Afra, Augsburg.
1730-
1731
Augsburg.
Fuggerei, Kirche St. Markus.
Innenraumstuck (Barockisierung). Zuschreibung. Seit 1944 zerstört.   Eustach Maria Graf Fugger–Nordendorf.
1731–
1734
Stams im Tirol. Zisterzienserstift, Stiftskirche. Innenraumstuck, gemeinsam mit Joseph Fischer aus Füssen. BM: Georg Anton Gumpp.
Fresken:
Johann Georg Wolcker.
Abt OCist Augustin II. Kastner.
1732 Agawang. Pfarrkirche St. Laurentius. Innenraumstuck. BM: Joseph Dossenberger.
Fresken:
Joh. Georg Lederer (?).
Domstift Augsburg.
1732 Walleshausen. Pfarrkirche Unserer Lieben Frau. Barockisierung. Innenraumstuck. Fresken:
Johann Georg Wolcker.
Augustiner-Chorherrenstift Polling.
1733–
1734
Sterzing, Südtirol. Deutschhaus.
Kirche St. Elisabeth.
Stuckmarmoraltar. Stuckaturen als Zuschreibung an Anton II oder Anton I Feichtmayr. BM: Giuseppe Delai.
Fresken:
Matthias Günther.
Landkomtur Graf Anton Ingenuin Recordin und Nein.
1735 Gablingen. Pfarrkirche St. Martin. Stuckaturen nach Entwurf von Joseph Schmuzer. Zuschreibung. BM: Joseph Schmuzer
Fresken:
Joh. Georg Lederer.
Eustach Maria Graf Fugger–Nordendorf.
1736 Bauerbach. Filialkirche St. Leonhard. Stuckaturen im Chor, müssen aber eher Johann Georg Üblher zugeschrieben werden. BM: Joseph Schmuzer (?).
Propst OA Mansuet Resch, Bernried.
1736–
1737
Diessen am Ammersee. Stiftskirche Stuckaturen in Schiff und Chor. StuckmarmorarbeitenGemeinsam mit Johann Michael Feichtmayr und Johann Georg Üblher. BM: Johann Michael Fischer.
Fresken: Johann Georg Bergmüller.
Augustiner-Chorherrenstift Diessen,
Propst OA
Herkulan Karg.
1738
Friedberg. Wallfahrtskirche Hergottsruh. Stuckaturen im Chor. BM: Johann Benedikt Ettl.
Fresken:
Cosmas Damian Asam.
Domherr Ecker zu Kapfing und Liechteneck.
1738–
1742
Münsterschwarzach. Benediktinerabtei-Kirche St. Felicitas.
(Abriss 1825).
Stuckaturen und Stuckmarmorarbeiten in Chor und Langhaus. Mit Johann Georg Üblher, nach 1739 auch mit Johann Michael Feichtmayr. BM: Balthasar Neumann.
Fresken:
Johann Evangelist Holzer.
Abt Januarius Schwab OSB Münster-Schwarzach.
1742 Reinhartshausen. Pfarrkirche St. Laurentius. Stuckaturen, Entwurf und Leitung. Zuschreibung. BM: Jos. Dossenberger.
Fresken:
Joh. Georg Lederer.
Pfarrer Gennadius Mershorn.
1742
Friedberg. Wallfahrtskirche Hergottsruh. Stuckaturen in den drei mittleren Langhauskuppeln. BM: Johann Benedikt Ettl.
Fresken:
Matthäus Günther.
Domherr Ecker zu Kapfing und Liechteneck.
1743–
1745
St. Georgenberg-Fiecht bei Schwaz. Benediktinerabtei-Kirche Hl. Joseph. Stuckaturen (1743/44) und Stuckmarmor-Hochaltar. BM: Jakob Singer.
Fresken:
Matthäus Günther.
Lambert Höllerer OSB, Abt
St. Georgenberg
(Wessobrunner!).
1745
Augsburg. Evangelische Kirche St. Anna. Neuwölbung. Stuckaturen an Wand und Decke, nach Entwurf Johann Michael Feichtmayr, Fassungen Simpert Feichtmayr. BM: Andreas Schneidmann.
Fresken: Johann Georg Bergmüller.
Kirchenpfleger
Johann von Stetten  und Johann Georg Morell.
1745
Stöttwang. Pfarrkirche
St. Gordian und Epimachus.
(Sparsame) Stuckaturen in Langhaus und Chor. BM: Joseph Galler.
Fresken:
Franz Georg Hermann.
Pfarrer Johann Martin Klein.
1746 Augsburg. Kapelle St. Antonius Eremita. Barockisierung. Stuck. Zuschreibung. Fresken: Matthäus Günther. Antonius-Stiftung
Augsburg.
1746
Pipinsried, Wallfahrtskirche  St. Wolfgang. Stuckaturen und Stuckmarmor-Hochaltar. Fresko (klein):
Ignaz Mayr.
Stift Indersdorf,
Propst OA Innocenz Weiss.
1747 Paar bei Friedberg. Pfarrkirche
St. Johann Baptist.
Stuckaturen. Zuschreibung. Nur Altarraum erhalten. Fresken: Matthäus Günther. Kloster Wessobrunn,
Abt OSB Beda Schallhammer.
1748–
1749
Ellingen.
Kirche U.L.F. der Deutschordens-Residenz.
Retabelfront in Stuckmarmor (nach Vorbild Münster-Schwarzach 1742?). BM: Franz Joseph Roth. Landkomtur OT Friedrich Carl von Eyb.
1749 Druisheim. Kapelle zur Schmerzhaften Muttergottes. Raumstuck. Zuschreibung. Fresken:
Matthäus Günther.
Kloster Holzen,
Äbtissin OSB Gertrud Riederer Freiin von Schönau.
1749
Ziemetshausen bei Krumbach. Pfarrkirche St. Peter und Paul Nur Stuck der oberen Empore, der restliche Stuck von Johann Schmuzer 1696/94 BM: (1686–1694) Johann Schmuzer. Fürstl. Oettingen-Wallerstein'sches Rentamt Seyriedsberg.
1750
(um)
Mödishofen bei Ustersbach. Filialkirche St. Vitus. Stuckaturen in Chor und Langhaus. Zuschreibung. BM: (Zuschreibung)
Ignaz Paulus.
Fresken: Vitus Felix Rigl.
Äbtissin OCist Cäcilia Wachter Oberschönenfeld.
1750
Diessen-
St. Georgen. Filialkirche St. Georg.
Stuckaturen in Langhaus und Chor. BM: (Zuschreibung) Johann Michael Fischer.
Fresken: Joseph Zitter.
Stift Diessen,
Propst OA Herkulan Karg.
1750–
1751
Bobingen. Wallfahrtskirche   (Frauenkapelle). Stuckaturen in Chor und Langhaus.
Zuschreibung.
BM: Franz Kleinhans.
Fresken: Vitus Felix Rigl.
Kapellenstiftung.
Pfarrer Johann Baptist Ehnle.
1750–
1751
Violau. Wallfahrtskirche
St. Michael des Klosters Oberschönenfeld.
Prächtiger Rokoko-Raumstuck. BM: Johann Georg Hitzelberger.
Fresken: Johann Georg Dieffenbrunner.
Äbtissin OCist Cäcilia Wachter Oberschönenfeld.
1750–
1753
Friedberg. Wallfahrtskirche Hergottsruh. Stuckaturen in den Kuppeln der Seitenschiffe. BM: Johann Benedikt Ettl.
Fresken:
Matthäus Günther.
Domherr Ecker zu Kapfing und Liechteneck.
1751–
1752
Ebersberg. Ehem. Jesuitenkirche St. Sebastian. Sparsamer Stuck. Zuschreibung. Dehio 2008: Chor «wohl Zimmermann-Werkstatt». Hochaltar: Keine Zuschreibung. Fresken Chor:
«Umkreis Johann Baptist Zimmermann» (Dehio 2008).
Jesuitenresidenz Ebersberg,
Superior
P. Krieger SJ.
1752 Jakob Rauch (1718–nach 1785) ist ab 1752 Schwiegersohn und massgebender Mitarbeiter.
1753 Grafrath. Wallfahrtskirche St. Rasso Stuckaturen. Zuschreibung, aber eher durch Johann Michael Feichtmayr ausgeführt. Fresken: Johann Georg Bergmüller. Stift Diessen,
Propst OA
Herkulan Karg.
1753 Prittriching. Pfarrkirche St. Peter und Paul. Stuckaturen in Chor und Langhaus. Zuschreibung. Fresken:
Johann Awander.
Stift Diessen,
Propst OA
Herkulan Karg.
1753
Scheuring. Pfarrkirche St. Martin Deckenstuckaturen. Fresken:
Franz Martin Kuen.
Abtei Schäftlarn,
Abt OPraem
Felix Gege
1753–
1754
Grossaitingen. Pfarrkirche St. Nikolaus Stuck im Chor und Langhaus. BM: Franz Kleinhans.
Fresken:
Balthasar Riepp.
Dompropst Gerhard Wilhelm von Dolberg, Augsburg.
1753–
1756
Indersdorf. Augustiner-Chorherrenstift Stuckaturen im Refektorium 1753/54. Raumstuck in der Stiftskirche 1754–1756. Fresken: Matthäus Günther und Johann Georg Dieffenbrunner. Stift Indersdorf.
Propst OA
Gelasius Morhart.
1754 Geltendorf. Pfarrkirche St. Stephan. Stuck. Zuschreibung. (Dehio 2008 auch Franz Xaver Schmuzer) Fresken (Langhaus):
Johann Georg Dieffenbrunner.
Frühmess-Stiftung Friedberg, Pfarrer F. X. Kornmann.
1754 Kutzenhausen. Pfarrkirche
St. Nikolaus
Stuckaturen. Zuschreibung. BM: Ignaz Paulus.
Fresken: Franz Martin Kuen
Domkapitel Augsburg
1754–
1755
Wilten bei Innsbruck.
Pfarr- und Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau unter den vier Säulen.
Stuckaturen im Chor und im Langhaus. Zuschreibung. BM: Franz de Paula Penz und Joseph Stapf.
Fresken:
Matthäus Günther.
Prämonstratenser-Abtei Wilten,
Abt OPraem
Norbert I. Pussjäger.
1755–
1756
Gutenzell.
Zisterzienserinnen-Reichsabtei.
Kirche St. Cosmas und Damian
Stuckaturen, gemeinsam mit Ignaz Finsterwalder. Raumumbau nach Entwurf von Dominikus Zimmermann. Fresken: Johann Georg Dieffenbrunner. Reichsäbtissin
OCist Maria Franzisca von Gall
1757 Oberegelfing. Pfarrkirche St. Martin. Stuckaturen. Zuschreibung Fresken: Johann Georg Lederer. Propst OA Gilbert Köchl, Bernried.
1757 Seeon. Benediktiner-Abtei. Nikolaikapelle, Prälatur-Speisesaal. Stuckaturen. Zuschreibung. Entwurf und Ausführung aber eher durch Jakob Rauch BM: Alois Mayr
Freskant: Joseph Hartmann
Abt OSB Benedikt Reicherseder.
1757
Augsburg. Damenstiftkirche St. Stephan. Stuckausstattung, in Zusammenarbeit mit Sohn Simpert.
1944 zerstört.
BM: Franz Kleinhans.
Fresken:
Balthasar Riepp.
Äbtissin Maria Beata von Welden.
1758–
1759
Welden.
Votivkirche
St. Thekla.
Stuckausstattung. Zuschreibung, in Zusammenarbeit mit Johann Michael Dreyer. BM: Hans Adam Dossenberger.
Freskanten: Johann Baptist Enderle und Balthasar Riepp.
Joseph Maria Graf Fugger von Wellenberg.
1760 Steinekirch. Pfarrkirche St. Vitus. Stuckaturen. Zuschreibung. BM: Ignaz Paulus.
Fresken: Joseph Christ.
Domkapitel Augsburg.
1763 Augsburg. Reichsabtei St. Ulrich und Afra. Stuckmarmorrahmen um Maria-Hilf-Bild. Mit Bruder Johann Michael.   Abt OSB Joseph Maria von Langenmantel.

 

Nicht aus «Wessobrunner Lexikon» in die Werkliste  aufgenommen, da Zuschreibungen ungenügend oder überholt:
1753 Landsberg am Lech. Jesuitenkirche Hl. Kreuz. Stuckaturen wahrscheinlich von Nikolaus Schütz.
1754 Roggenburg. Prämonstratenser-Abteikirche. Stuckaturen wahrscheinlich von Ignaz Finsterwalder.
1758 Kempten. Fürstabtei. Stuck der Gästezimmer im Ostflügel. Ausführung durch Johann Georg Üblher.
1759 Rott am Inn. Benediktiner-Abteikirche. Ausführung 1761–1763 durch Jakob Rauch.
1760 Sittenbach. Pfarrkirche St. Laurentius. Zuschreibung an Jakob Rauch.
1761 Sünching bei Regensburg. Schloss. Stuckaturen von François Cuvilliés und Sohn Franz Xaver II Feichtmayr.

 

 

  Franz Xaver Feichtmayr I (1705–1763)  
  Biografische Daten        
  Geburtsdatum Geburtsort     Land  
  10. Dezember 1705 (Taufe) Wessobrunn   Bayern D  
    Land 18.Jh.     Bistum 18.Jh.  
    Kurfürstentum Bayern   Augsburg  
  Sterbedatum Sterbeort     Land  
  1763 Augsburg   Bayern D  
    Land 18. Jh.     Bistum 18. Jh.  
    Reichsstadt Augsburg   Augsburg  
  Kurzbiografie        
  Franz Xaver Feichtmayr ist ein bedeutender und gesuchter Augsburger Stuckateur im zweiten Drittel des 18. Jahrhunderts. Er ist fast auschliesslich in Sakralbauten tätig. Nach einer Rokoko-Vorstufe in der Stiftskirche von Diessen am Ammersee setzt er ab 1738 in seinen Kirchenräumen zu einem ausgereiften Rokoko an. Er arbeitet in grösseren Bauwerken wie der Stiftskirche von Münsterschwarzach mit seinem überragenden, jüngeren Bruder Johann Michael und mit Johann Georg Üblher zusammen. Die besten ausschliesslich durch seine Werkstatt ausgeführten Arbeiten sind die Rokoko-Innenräume von Friedberg, Violau, Wilten und Indersdorf. Er baut vielfach auch die Altarretabel in Stuckmarmor und zeigt sich hier als ebenso grosser Meister.     Violau  
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Franz Xaver Feichtmayr erstellt die Rokoko-Stuckaturen der Wallfahrtskirche Violau 1750/51. Bild: Ausschnitt eines Freipfeiler-Gebälks im Langhaus. Siehe auch das weitere Bild im Text unten.
Foto: Bieri 2018.

Brüder Feichtmayr? Ein Exkurs zur verwirrenden Familienherkunft               Back2

1721–1724 wird die Kirche der Dominikaner in Augsburg stuckiert. Drei Wessobrunner führen, weil nicht Bürger und auch nicht Mitglieder der Augsburger Maurer- oder Bildhauerzunft, im Namen des Stadt-Maurermeisters Georg Paulus die Arbeit aus. Die einheimischen Stuckateure Matthias Lotter und Andreas Hainz beschweren sich deshalb in einer Eingabe 1724 an den Rat. Sie schreiben, dass «Antoni Feichtmayr, Stuccator von Wessesbrunnen aus Bayern, nebst zwei seiner Gebrüdern mit Gelegenheit seines Hierseins bei dem Kirchenbau eines wohllöblichen Dominikanerklosters aus Anweisung deren beden bürgerlichen Maurmeistern Georg Paulust und dessen Sohns Johann sich unterstehen, mit denen vielen ihrer Stuccaturs-Arbeit nicht nur in privilegierten Örtern, sondern auch bürgerlichen Häusern, Gärten, Säälen, Gängen und Zimmern so empfindlichen unserem Schaden, Nachtheil und Beinträchtigung ganz ungescheut zu exercieren…».
Seit der 1896 erfolgten Veröffentlichung dieses Briefes gelten, unabhängig von den unterschiedlichen Interpretationen ihrer Familienherkunft, die drei Feichtmayr als die Schöpfer der Stuckaturen in der Dominikanerkirche Augsburg. Genannt wird zwar nur Antoni. Handelt es sich hier um den 24-jahrigen Sohn (Franz) Anton II[1] des Michael Feichtmayr mit zwei seiner älteren Brüdern? Dann wäre die Nennung des Jüngsten als Leiter unlogisch. Oder ist es Vater Anton I mit den 16- und 11-jährigen Söhnen Franz Xaver und Johann Michael? Mit Sohn Franz Xaver hat Anton I bereits 1719 in Ehingen gearbeitet. Weil aber ein Anton Feichtmayr 1721 tatsächlich als «Lernknecht» beim Stadt-Maurermeister Georg Paulus eintritt, dürfte «Antoni» der 24-jährige (Franz) Anton II sein. 1722 tritt ein Johann Feichtmayr ebenfalls als «Lernknecht»[2] bei Johann Paulus,[3] dem Sohn des Stadt-Maurermeisters ein. Dies könnte der schon 26-jährige Bruder des 1698 geborenen Franz Xaver sein. Wahrscheinlicher ist es aber der 1710 geborene Johann Michael, Bruder des 1705 geborenen Franz Xaver. Der im Beschwerdebrief erwähnte leitende Antoni wäre im zweiten Fall vielleicht der Vater, viel wahrscheinlicher aber der ältere Namensvetter aus Wessobrunn. Die drei erwähnten Feichtmayr sind damit in beiden Fällen nicht Brüder. Das Wort Gebrüder, dass die Kunsthistoriker bis heute irreführt, bezieht sich offenbar nur auf die gemeinsame Herkunft. Diese These vertritt Eva Maier 2011/13.
Dass Franz Xaver und Johann Michael Brüder sind, wird hingegen nie bezweifelt. «Dieser Franz hatte zwei Söhne, welche sich beyde gleicher Kunst beflissen, von welcher Herr Franz Xaveri als Churfürstlicher Hof-Stuccador in München lebet. Des Vaters Bruder aber Herr Johann Michael Feichtmayr, ist gleichfalls Stuccador und lebet hier. Er war anfangs seines Bruders  Schüler, übertraf aber seinen Lehrmeister sowohl in der Erfindung, bey schönem Laub- und Zierwerke, als in der Architektur und in ganzen Bildern» schreibt schon 1779 Paul von Stetten über Johann Michael Feichtmayr. Der Zeitzeuge Stetten sieht ihn noch in Augsburg lebend und bestätigt, dass er der jüngere Bruder von Franz Xaver sei.
Damit ist naheliegend, dass die von Hugo Schnell und Uta Schedler im Lexikon der Wessobrunner (1988) angenommene Geburtsdaten 1696 für Johann Michael und 1698 für Franz Xaver nicht stimmen können. Sie sind also Söhne von Anton I Feichtmayr, mit den Geburtsdaten 1705 und 1710. Dass sie leibliche Brüder sind, gilt aufgrund der frühen Erwähnung und ihrer späteren Laufbahn als sicher. Anton II, der 1721 bei Paulus eingetretene Lernknecht und Anführer des Stuckateurtrupps in der Dominikanerkirche, ist nicht ihr Bruder. Die Kombination, dass in Augsburg 1721–1724 «Gebrüder» aus zwei verschiedenen und vielleicht verwandten Familien tätig sind, ist damit gegeben.
Pius Bieri 2018

Anmerkungen:

[1] Franz Anton II Feichtmayr (*1700) aus Haid-Wessobrunn ist «Lernknecht» 1721–1724 bei Georg Paulus in Augsburg. Wahrscheinlich ist er Leiter der bei Paulus tätigen Stuckateurgruppe in der Dominikanerkirche. Er heiratet 1724 die Augsburger Bürgertochter Magdalena Brändtle.

[2] Lernknechte müssen nicht unbedingt Lehrlinge im heutigen Sinn sein. Sinn einer späten Lehre kann sein, die Arbeit als Stuckateure trotz fehlender Zunftangehörigkeit ungehindert auszuführen. Auch Egid Quirin Asam in München wählt diesen Weg mit 19 Jahren. Der 24-jährige Anton (Franz?) Feichtmayr wird 1724, im Jahr seiner Heirat mit einer Augsburger Bürgerstochter, von der Zunft freigesprochen. Nur beim erst 1722 eingeschriebenen und zehn Jahre jüngeren Johann (Michael?) kann von einer Erstlehre ausgegangen werden. Franz Xaver Feichtmayr ist nirgends vermerkt. Weil keine Augsburger Zunft für Stuckateure exisitiert, und die beiden Brüder später vor allem ausserhalb der Stadt arbeiten, streben sie keine Meistergerechtigkeit einer Zunft an. Man kann ihr Vorgehen auch als geschicktes Austricksen der Zünfte betrachten, die sich vor allem der Abwehr von Fremdem und Neuem widmen. Siehe zu den Gepflogenheiten der Augsburger Maurerzunft und der Bildhauerzunft und zum speziellen Fall der «Lehre» für bereits tätige Stuckateure den Beitrag von Adolf Buff 1896.

[3] Weder von Georg (Jörg) Paulus noch zu seinem Sohn Johann sind Lebensdaten bekannt. Beides sind Baumeister in Augsburg. Anton Feichtmayr ist «Lernknecht» bei Georg Paulus, Johann Feichtmayr (er nennt sich noch nicht Johann Michael) bei Johann Paulus.

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