Augustin Stegmüller (1666–1744)

Abt OSB in Zwiefalten 1725–1744

Augustin[1] Stegmüller wird am 13. Dezember 1666 in Gundelfingen bei Freiburg im Breisgau geboren. Er studiert Theologie in Dillingen und wird 1692 zum Weltpriester geweiht. Dann ist er Pfarrer der Wallfahrtskirche auf dem Bussen. 1709, mit 43 Jahren, tritt er ins Kloster Zwiefalten ein und legt 1710 Profess ab. 40 wahlberechtigte Konventualen wählen ihn am 27. September 1725 als Nachfolger des zurückgetretenen Abtes Beda Sommerberger (reg. 1715–1725). Ärgerliche Streitigkeiten mit Württemberg um Rechte und Vorrechte, insbesondere mit der Stadt Reutlingen, die den privaten katholischen Gottesdienst in der Kapelle des Zwiefalter Klosterhofes bekämpft und selbst einem Reichsbeschluss die Stirn bietet, prägen die ersten Regierungsjahre. Ein Darlehen von 80 000 Gulden an Württemberg erlaubt die Weiterführung der von Abt Ulrich V. Rothheusler erworbenen obersten Gerichtsbarkeit. Trotzdem enden die Streitigkeiten nicht. Kein Wunder, dass die Abtei nun mit allen Kräften die Reichsunmittelbarkeit anstrebt. 1728 muss der schon 62-jährige Abt Augustin vorerst für drei Monate aussetzen und die Klosterführung wieder an den Vorgängerabt Beda übergeben, den Chronisten zufolge wegen Hypochondrie. Es dürfte aber kaum die nicht heilbare Angst vor Krankheiten sein, die heute darunter verstanden wird, sondern eher die Überforderung im Amt. Denn im Kloster ist unter den beiden Äbte Beda und Augustin eine Front zwischen den Vertretern der eher weltlichen Wissenschaften und denjenigen einer religiösen Verinnerlichung entstanden. Der resignierte Abt Beda ist Förderer der neuen schwärmerisch-mystischen Herz-Jesu-Verehrung und Abt Augustin zieht im Zweifelsfall die Ordenszucht der Wissenschaftsförderung vor. Bezeichnend ist, dass zu dieser Zeit einer der besten Gelehrten des Ordens, Pater Magnus Ziegelbauer,[2] ins Exil auf die Reichenau geht, um sich von der zu frommen Umgebung zu befreien. Abt Augustin geht aber trotz dieser Schwächen als Bauabt in die Geschichte Zwiefaltens ein. 1730 brennt die Propstei Mochental. Er lässt durch die Klosterbaumeister Schneider[3] einen repräsentativen Barockneubau erstellen, dem auch die eigentlich brandverschonte Kapelle integriert wird. Er zieht Franz Joseph Spiegler als Freskanten bei. 1735–1740 lässt er, auch hier von den beiden Brüdern Schneider, das Klostergut Ehrenfels als typische barocke Schlossanlage neu bauen.[4] 1737–1738 folgt der Pfarrhof in Tigerfeld unter der gleichen Bauleitung. Berühmt wird Abt Augustin aber 1738, er ist inzwischen 72 Jahre alt, mit dem Beschluss zum Neubau der Klosterkirche. Wir kennen die Beweggründe und auch die wirklich treibenden Kräfte zu diesem Beschluss nicht.[5] Die ersten Planungen eines völligen Neubaus datieren aus 1730–1735. Zu dieser Zeit ist Pater Benedikt Mauz, der spätere Abt, als Professor, Novizenmeister und Kustos enger Vertrauter des Abtes im Kloster.[6] Sein Einfluss auf die Planung, die wieder den Brüdern Schneider übertragen wird, darf nicht unterschätzt werden. 1739 wird nochmals im Kapitel abgestimmt und dann mit dem Abbruch der alten Basilika begonnen. Im Herbst 1740 sind die Fundamente erstellt. 1741 stellt der Abt den Kirchenneubau unter die neue Leitung des Münchner Baumeisters Johann Michael Fischer. Dieser übernimmt die bereits erstellten Fundamente und Mauern, verlängert aber den Chor. Damit muss auch das Coemeterium, der arkadengesäumte Begräbnishof des Abtes Christoph Rassler, abgebrochen werden. Das neue Münster ist bis Ende 1747 eingewölbt, aber schon Anfang April 1744 resigniert Abt Augustin und stirbt am 22. Mai 1744 mit 78 Jahren. Er wird, bedingt durch noch die fehlende Gruft, ausserhalb des Klosters in der Liebfrauenkapelle begraben.[7] Hier ist sein Epitaph, ein Frühwerk des Riedlinger Bildhauers Johann Joseph Christian, noch zu sehen.
Sein Wappen, in Blau ein Mühlrad mit Steg, finden wir zusammen mit dem Klosterwappen über der Pfarrhaustür von Tigerfeld. Beim Klosterwappen ist hier allerdings der grüne Grund mit Blau verwechselt worden. Auch am Mittelportal des Schlosses Ehrenfels finden wir sein Wappen.
Das Museum Riedlingen besitzt ein von Johann Caspar Koler[8] gemaltes Bild, das den Abt auf dem Totenbett zeigt.
Pius Bieri 2010

Benutzte Literatur:
Lindner, Pirmin: Fünf Professbücher süddeutscher Benediktinerabteien. Band III. Kempten und München 1910.[9]

Holzherr, Karl: Geschichte der ehemaligen Benediktiner- und Reichs-Abtei Zwiefalten. Stuttgart 1887.

[1] So nennt er sich nach dem Klostereintritt. Der bürgerliche Vorname wird bei Holzherr und Lindner nicht genannt.

[2] P. Magnus Ziegelbauer, geboren in Ellwangen 1689, Profess in Zwiefalten 1707, geht 1727 auf die Reichenau, dann nach Göttweig, wird 1740 nach Břevnov berufen und stirbt 1750 als hochgeachteter Historiker in Olmütz.

[3] Joseph Benedikt Schneider (1689–1763) und Hans Martin Schneider (1692–1768) aus Baach bei Zwiefalten.

[4] Der Neubau Ehrenfels wird von Pirmin Lindner irrtümlich dem nachfolgenden Abt Benedikt Mauz zugeschrieben.

[5] Weder über die Planung noch über den Baufortschritt sind Aufzeichnungen erhalten.

[6] Benedikt Mauz ist 1726–1734 in Zwiefalten tätig. Kaum denkbar, dass er sich bei der Neubauplanung abseits hält.

[7] Das von Abt Christoph Rassler 1660 erstellte «Coemeterium» im Norden und Osten der Kirche sollte nicht nur für die zukünftigen Bestattungen, sondern auch für Umbettungen infolge des Klosterneubaus dienen. So werden zum Beispiel 1685 Grabplatte und Gebeine des in der Kapitelskapelle begrabenen Abtes Johannes Lager in die neue Äbtegrablege der «italienischen» Benediktuskapelle im «Coemeterium» verlegt. Beim Abbruch von Kirche und Coemeterium 1739–1742 scheint diese Tradition bereits Vergangenheit zu sein. So kommt es, dass der älteste noch in Zwiefalten vorhandene Grabstein derjenige von Abt Augustin Stegmüller ist.

[8] Johann Caspar Koler (1698-1747) von Schwarzenberg im Bregenzer Wald.

[9] Kurztext Pirmin Lindner:
46.) Augustin Stegmüller. Geb. 13. Dec. 1666 zu Gundelfingen, machte zu Dillingen seine Studien und wurde am 22. Mai 1692 als Weltpriester ordiniert, dann Pfarrer auf dem Bussen. Im Jahre 1709 trat er zu Zwiefalten ein und legte am 15. Juni 1710 Profess ab. Am 27. September 1725 wurde er als Archivar zum Abt erwählt und am 29. Sept. benediziert. Sein bedeutendstes Werk ist die Inangriffnahme des Baues der Stiftskirche (1738), die sein Nachfolger vollendete. Augustin resignierte wegen Krankheit 4. April 1744 und starb 22. Mai 1744. (Holzherr, Geschichte von Zwiefalten, S. 149–151).

 

In der Liebfrauenkapelle (Friedhofkapelle) von Zwiefalten befindet sich das Epitaph des Abtes Augustin Stegmüller. Das heute stark lädierte Grabmal ist ein Werk von Johann Joseph Christian.

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Anmerkung: Alle Porträt-Gemälde der Äbte von Zwiefalten sind heute verschollen oder zerstört.
  Abt OSB Augustin Stegmüller (1666–1744) von Zwiefalten  
  Biografische Daten     Zurück zum Bauwerk  
  Geburtsdatum Geburtsort       Land 18. Jahrhundert  
  13. Dezember 1666 Gundelfingen bei Freiburg i. Br. (D)   Vorderösterreich  
  Titel und Stellung         Regierungszeit  
  Abt OSB   1725–1744  
  Sterbedatum Sterbeort       Land 18. Jahrhundert  
  22. Mai 1744 Zwiefalten (D)   Abtei Zwiefalten  
  Kurzbiografie              
 

Noch im hohen Alter beschliesst Abt Augustin Stegmüller den Neubau des Münsters von Zwiefalten, unterstützt vom Konvent und vor allem vom späteren Abt Benedikt Mauz. Mit den Neubauten der Propstei Mochental, des Sommerschlosses Ehrenfels und des Pfarrhofes in Tigerfeld zeigt er sich schon in den Jahren 1730 bis 1740 als aktiver Bauherr. Seine ersten Regierungsjahre sind von Streitigkeiten mit Württemberg und von einem Konflikt mit dem pietistischen Vorgängerabt überschattet.

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