Wolfgang Schmid (1655–1715)

Abt OSB in Zwiefalten 1699–1715

Wolfgang[1] Schmid wird 1655 in Messkirch geboren. Sein Lebenslauf vor der Wahl zum Abt am 30. April 1699 ist nur rudimentär überliefert. Denn der Klosterchronist Pater Arsenius Sulger ist schon 1691 verstorben und anlässlich der verheerenden Räumungsaktionen nach der Besitzergreifung durch Württemberg verschwindet viel Archivmaterial.[2] Als Wolfgang Schmid zum Abt gewählt wird, ist er Professor der Theologie an der Klosterschule. Beim Konventbau, an dem seit 1668 mit kriegsbedingten Unterbrüchen gebaut wird, fehlen zu dieser Zeit noch wenige Ausstattungen im Süd- und Fraterflügel. 1700 kann das neue Refektorium im Südflügel eingeweiht werden. Weitere Bauvorhaben werden wieder durch einen Krieg unterbrochen. Der bayrische Kurfürst, nun in Allianz mit den Franzosen, eröffnet 1702 mit dem Überfall auf Ulm den Spanischen Erbfolgekrieg in Süddeutschland. Abt Wolfgang flüchtet mit den jüngeren Konventualen und den Reliquienschätzen auf das Schloss Untercastell im Thurgau.[3] 1704, nach der für Bayern verheerenden Schlacht von Höchstädt, beruhigt sich die Lage. Aber noch 1707 fordern abwechselnd die Franzosen und Württemberg von Zwiefalten grosse Kriegskontributionen.
Bei Abt Wolfgang scheinen sich die Elemente klösterlichen Lebens, Spiritualität, Caritas, Wissenschaft und das zum Unterhalt notwendige ökonomische Denken im Gleichgewicht zu halten. Er ist ein grosser Förderer der weiterführenden Schule in Ehingen. Er lässt hier die 1698 begonnenen Kollegiengebäude fertigstellen und legt 1712 den Grundstein zur Studienkirche. Wie für alle Bauvorhaben seiner Regierungszeit zieht Abt Wolfgang auch hier den Vorarlberger Franz Beer II als Baumeister bei. Die Kirche kann 1719 geweiht werden.[4] Nebst diesem wichtigen Sakralbau lässt Abt Wolfgang auch Profan- und Ökonomiebauten errichten. So baut er 1708 im Norden des Zwiefalter Klosters den Eckflügelbau der Meierei.[5] Hier wirken das erste Mal die Brüder Schneider als selbstständige Baumeister. Weitere Bauten des Abtes sind Mühlengebäude, der Neubau der Apotheke vor dem Südflügel, auch die neue Stuckausstattung der Kapitelskapelle, wofür er den Ellwanger Stuckateur Melchior Paulus beizieht. Abt Wolfgang wird auch im Zusammenhang mit den Wasserbauten um und im Kloster genannt. Im 1698 erworbenen Gross-Engstingen baut er ein Statthalterei-Schloss.[6]
Abt Wolfgang Schmid stirbt am 2. April 1715 im Alter von 59 Jahren in Zwiefalten.

Pius Bieri 2011

Benutzte Literatur:

Holzherr, Karl: Geschichte der ehemaligen Benediktiner- und Reichs-Abtei Zwiefalten. Stuttgart 1887.

Anmerkungen:

[1] So nennt er sich nach dem Klostereintritt. Der bürgerliche Vorname wird bei Holzherr und Lindner nicht genannt.

[2] Ein separates Prälaturarchiv wird vermutet, es könnte vor der Beschlagnahmung 1803 in Sicherheit gebracht worden sein und später verloren gegangen sein. Auch viele Plandokumente sind nur durch Zufall noch erhalten, nachdem sie offensichtlich im zur Kaserne umfunktionierten Kloster liegen bleiben und nun vom Wachtpersonal sauber zerschnitten und als Fidibusse benutzt werden.

[3] Das Schloss ob Tägerwilen, gegenüber der Ruine Unter-Castell, im Volksmund «Pfaffenschlössli» genannt, wird unverständlicherweise 1958 gesprengt. Es ist ein mächtiger dreigeschossiger Walmdachbau in schöner Aussichtslage. Das ebenfalls dem Kloster Zwiefalten gehörende Gut Girsberg, 15 Gehminuten östlich, erhält erst 1790 den herrrschaftlichen Schlossbau.

[4] Das architekturgeschichtlich bedeutende Werk wird aussen nach einem Dachstuhlbrand von 1769 vereinfacht und erfährt innen 1958 bis 1963 durch eine purifizierende und rücksichtslose neue Ausstattung mit zentraler Altarinsel eine zweite Zerstörung. Noch erhalten ist die Gewölbezone mit Stuck von Melchior Paulus und Fresken von Melchior Steidl.

[5] Der Nordflügel steht noch heute und dient der Gemeindeverwaltung.

[6] Die Herrschaft kann vom Hochstift Chur erworben werden. Das Schloss wird nach dem Übergang der Herrschaft an Württemberg (1750, für den Erwerb der Reichsunmittelbarkeit) von den neuen Besitzern abgebrochen. Seine Lage ist gegenüber der Pfarrkirche St. Martin (1717, Franz Beer II).

 

Abt Wolfgang Schmid zieht für die Stuckaustattung der Studienkirche von Ehingen wie auch für die Kapitelskapelle in Zwiefalten Melchior Paulus bei. Eine glückliche Hand beweist er auch in der Wahl des Freskanten. Es ist Melchior Steidl aus München. Die abgebildete Decke der Studienkirche (auch Konviktkirche genannt) soll hier ein Porträt des Abtes ersetzen, das
seit 1803 verschollen oder zerstört ist.
  Abt OSB Wolfgang Schmid (1655–1715) von Zwiefalten  
  Biografische Daten     Zurück zum Bauwerk  
  Geburtsdatum Geburtsort       Land 18. Jahrhundert  
  1655 Messkirch (D)   Fürstentum Fürstenberg  
  Titel und Stellung         Regierungszeit  
  Reichsabt OSB   1699–1715  
  Sterbedatum Sterbeort       Land 18. Jahrhundert  
  2. April 1715 Zwiefalten (D)   Reichsabtei Zwiefalten  
  Kurzbiografie              
 

Die Regierungszeit des Abtes Wolfgang Schmid ist vom Spanischen Erbfolgekrieg überschattet, der ihn 1702 zur Flucht auf das Schloss Untercastell im Thurgau zwingt. Er ist aber trotz des Krieges ein rühriger Bauabt. Seine Neubauten erstellt er mit dem Baumeister Franz Beer, der unter dem Vorgänger den Südflügel erstellt hat. Beer baut ihm die nördlichen Wirtschaftsgebäude und einige weitere Profanbauten im Dorf, dann das Kollegium und die Studienkirche von Ehingen. Auch der Ausbau der Kapitelskapelle im Ostflügel und der Bau des Amtsschlosses in Gross-Engstringen sind Abt Wolfgang zu verdanken.

    ZwiefaltenSchmid  
  PDF (nur Text)         Bildlegende