Christoph Rassler (1615–1675)

Abt OSB in Zwiefalten 1658–1675

Er wird am 6. Oktober 1615 in Konstanz geboren. Die Familien Rassler in Konstanz und Meersburg gehören zur bischöflichen Beamtenschaft. Mehrere Mitglieder sind Anfang des 17. Jahrhunderts Kanoniker am Chorherrenstift St. Stephan in Konstanz. Christoph[1] Rassler legt mit 17 Jahren im Kloster Zwiefalten Profess ab. Im gleichen Jahr flüchtet ein Grossteil der Konventualen während der württembergischen Besetzung Zwiefaltens in südliche Bodenseeklöster, darunter auch der junge Frater Christoph. 1635–1642 kann er in Rom am Collegium Germanicum studieren. Nach dem Dreissigjährigen Krieg ist er Professor an der Benediktineruniversität Salzburg und wird 1653–1654 und 1656–1657 Dekan der Universität. Er veröffentlicht in Salzburg mehrere dogmatische Lehrschriften. 1658 wird er in Zwiefalten zum Abt gewählt. Das Kloster hat sich vom Krieg erholt, auch die Klosterschule blüht wieder. Abt Christoph setzt sich als Präses der Oberschwäbischen Benediktinerkongregation für eine Neubelebung anderer Abteien ein, indem er aus Zwiefalten geeignete Kräfte zu Verfügung stellt. 1673 eröffnet er ein gemeinsames Kollegium in Rottweil.[2]
Er leitet auch die erste bauliche Barockisierungsphase in Zwiefalten ein. Nach einigen neuen Ökonomiebauten und der Erstellung einer Begräbnisstätte nach südländischem Vorbild in Form eines weitläufigen Arkadenbaus[3] um die Kirche gibt er 1668 den Auftrag zum Neubau des Westflügels, den der Misoxer Baumeister Tommaso Comacio bis 1673 erstellt. Der gleiche Baumeister erstellt anschliessend das im Norden freistehende grosse Schulgebäude. Im Ort Sonderbuch nördlich von Zwiefalten lässt Abt Christoph 1671 ein Loretokapelle errichten, ohne dass sich aber die erhoffte Wallfahrt einstellt.[4] 1675 muss der Abt wieder flüchten, diesmal vor Truppendurchmärschen im Holländischen Krieg des Louis XIV.
Im Kloster Petershausen stirbt er am 19. März 1675 im Alter von 60 Jahren und wird hier in der dortigen Stiftskirche begraben.[5]
Er wird im Professbuch als «Mann von ansehnlicher Leibesgestalt, von grossem Scharfsinn, durchdringendem Verstande und Ehrfurcht gebietendem Wesen» beschrieben.
Pius Bieri 2010

Literatur:

Heinrich Reusch: Rassler, Christoph. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 27,  Leipzig 1888.
Lindner, Pirmin: Fünf Professbücher süddeutscher Benediktinerabteien. Band III. Kempten und München 1910.[6]
Holzherr, Karl: Geschichte der ehemaligen Benediktiner- und Reichs-Abtei Zwiefalten. Stuttgart 1887.

Anmerkungen:

[1] So nennt er sich nach dem Klostereintritt. Der bürgerliche Vorname wird bei Holzherr und Lindner nicht genannt.

[2] «Ubi desinunt Monachorum studia, ibi incipiunt Asinorum praesepia» (Wo die Studien der Mönche aufhören, fangen die Krippen der Esel an) heisst es damals in Zwiefalten.

[3] Das sogenannte Coemeterium ist mit Gemälden des Konstanzer Malers Johann Christoph Storer versehen und wird mit dem Neubau des Münsters in der Mitte des 18. Jahrhunderts zerstört.

[4] Sie ist heute profanierter Teil des «Lorettohofes»

[5] Die Stiftskirche (1162–1180) von Petershausen wird 1832, 30 Jahre nach der Säkularisation, abgebrochen.

[6] Kurztext Pirmin Lindner 1910:
41.) Christoph Rassler, Dr. Theolog., aus Constanz, geb. 6. Oct. 1615, Profess 19. März 1632. Im Jahre 1635 kam er zum Studium der Theologie nach Rom in das Collegium germanicum, wo er 7 Jahre verblieb. Zurückgekehrt war er Moderator der Cleriker, dann Professor der Theologie an der Universität Salzburg 1652–1658; dort auch Vice-Rector; zum Abt erwählt 21. Dec. 1658, flüchtete 15. Juni 1675 mit 10 Religiosen vor der Kriegsgefahr von Seite Frankreichs nach Constanz, † an der sog. Ungarischen Krankheit (die von den Soldaten war eingeschleppt worden) im Stifte Petershausen 19. März 1675. Sepultus ibi in Ecclesia as gradus extra chorum in latere dextero.
Abt Christoph war der Verfasser der verbesserten Statuten der Congregation der schwäbischen Benediktiner sub «titulo S. Josephi» und Erbauer der Gruft für die Aebte und Mönche von Zwiefalten. Er war ein Mann von grossem Scharfsinn, durchdringendem Verstande und Ehrfurcht gebietendem Wesen. Als grosser Freund der Wissenschaften erhob er sein Kloster auf eine hohe Stufe der Bildung und erzog einen zahlreichen Nachwuchs von gelehrten Religiosen. Das Necrologium sagt von ihm: Disciplinam monasticam sanctissimis legibus communivit; vir doctrina et oeconomiae laude clarissimus. (Sulger, II., Hist. Univ. Salisburgi, Seite 317–318).

 

 

Das literarische Vermächtnis von Abt Christoph Rassler ist zwar gross, aber ein Bildnis ist nicht vorhanden. Mit den grossen Plünderungen nach 1803 sind alle Andenken, auch das Grab in Petershausen, zerstört worden. Geblieben sind in Zwiefalten nur die baulichen Zeugen seiner Tätigkeit, das Schulhaus und der Westflügel. Die hier dargestellte Rekonstruktion zeigt Zwiefalten am Ende seiner Regierungszeit.
  Abt OSB Christoph Rassler (1615–1675) von Zwiefalten  
  Biografische Daten     Zurück zum Bauwerk  
  Geburtsdatum Geburtsort       Land 18. Jahrhundert  
  6. Oktober 1615 Konstanz (D)   Vorderösterreich  
  Titel und Stellung         Regierungszeit  
  Abt OSB   1658–1675  
  Sterbedatum Sterbeort       Land 18. Jahrhundert  
  19. März 1675 Petershausen bei Konstanz (D)   Reichsabtei Petershausen  
  Kurzbiografie              
 

Christoph Rassler ist einer der süddeutschen Benediktineräbte, welche nach dem Dreissigjährigen Krieg mit einer gezielten Bildungsförderung und grossen Wirtschaftsinvestitionen den Grundstein für die barocke Blüte ihrer Abteien legen. Am Collegium Germanicum in Rom ausgebildet, dann Professor an der Salzburger Universität, wird er auch Präses der Oberschwäbischen Benediktinerkongregation. Er baut in Zwiefalten mit Tommaso Comacio den neuen Westflügel und das grosse Schulhaus nördlich des Klosters. Interessant ist seine Verwirklichung eines «Camposanto» nördlich der Kirche.

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