Benedikt Mauz (1690–1765)

Abt OSB in Zwiefalten 1744–1765

Benedikt[1] Mauz wird am 7. April 1690 in der unter vorderösterreichischer Herrschaft stehenden Hafenstadt Radolfzell[2] am Untersee geboren. Mit elf Jahren kommt er an die Klosterschule in Zwiefalten. Er legt hier 1707 unter Abt Wolfgang Schmid Profess ab und feiert 1714 Primiz. 1715–1726 ist er Professor der Grammatik, der Rhetorik und der Philosophie am Lyzeum in Ehingen und damit Nachfolger des zum Abt gewählten Beda Sommerberger. Die Konviktkirche Ehingen ist  seit 1712 im Bau und wird um diese Zeit vom Münchner Melchior Steidl freskiert.[3] Sie wird 1719 eingeweiht. Ende 1725 dankt Abt Beda ab. Sein Nachfolger, der schon 60-jährige Augustin Stegmüller, ruft jetzt Benedikt Mauz wieder nach Zwiefalten zurück. Hier lehrt er an der Klosterschule Theologie, ist Novizenmeister, Instruktor der Laienbrüder und «Hausexhortator, Custos Sacarii, Inspector Infirmariae». Er kann die ersten Planungen für einen völligen Neubau des Zwiefalter Münsters mitverfolgen, vielleicht auch mitgestalten. Er kennt auch das Vorbild, die Stiftskirche in Weingarten, in der um diese Zeit das prachtvolle Chorgitter eingebaut wird. Entwerfer ist sein jüngerer Bruder, Pater Hermann Mauz, der in Weingarten als «berühmter Maler» auch Entwerfer der Bibliothek ist und als Prior der Reichsabtei amtet.[4] Man darf also von Benedikt Mauz nicht annehmen, dass er sich erst nach seiner Wahl zum Abt um den Neubau kümmert. Ende 1734 geht er allerdings wieder nach Ehingen und wirkt dort als Superior bis 1742. Als er am 21. April 1744 zum Abt gewählt wird, ist er Statthalter in der bei Reutlingen gelegenen Herrschaft Neuhausen an der Erms. Ist es eine Verbannung? Hat er sich mit dem alternden Abt überworfen? In der kleinen katholischen Enklave erlebt er jedenfalls die fast unlösbaren Probleme einer kleinen katholischen Herrschaft mitten im reformierten Württemberg. Als frisch gewählter Abt betreibt er deshalb zügig die völlige Ablösung von Württemberg. Er verzichtet auf Rechte in 30 Dörfern und tritt die Herrschaften Neuhausen mit Kohlberg, Ödenwaldstetten und Gross-Engstringen ab, bezahlt zusätzlich zu den 80 000 Gulden des Abtes Augustin nochmals 210 000 Gulden an Württemberg und erreicht damit 1750 die Reichsunmittelbarkeit. Gleichzeitig setzt er den Münsterneubau fort. Bei seiner Amtseinsetzung wird auf der Baustelle schon fünf Jahre gearbeitet, davon drei Jahre unter der Leitung von Johann Michael Fischer. Die Mauern jetzt «auf guter Höhe», trotzdem wird erst im Juni 1744 die Grundsteinlegung gefeiert. Bis zur Einwölbung 1746–1747 kann Abt Benedikt noch Einfluss auf die Ausführung nehmen. Schon kurz nach der Wahl verdingt er die plastischen Arbeiten am Chorgestühl an den Riedlinger Bildhauer Johann Joseph Christian. Die Gewölbeausführung zeigt, dass er den festlichen Rokokoraum schon früh mitplant und deswegen auch die tektonische Gliederung durch Gurtbögen verhindert. Wenn von Abt Benedikt später geschrieben wird, er habe «die majestätische Stiftskirche, zu der sein Vorgänger bloss den Grund gelegt»,[5] erbaut, trifft dies vollumfänglich zu. Denn die nun folgende Rokoko-Raumschöpfung ist kongeniales Meisterwerk des kunstverständigen Abtes Benedikt, des leitenden Stuckateurs Michael Feichtmayr, des Stuckplastikers und Bildhauers Johann Joseph Christian und des Malers Franz Joseph Spiegler. Als er 1757 sein Professjubiläum feiert, kann er dem Abt von Obermarchtal und der Äbtissin von Urspring eine bis auf die Langhausaltäre und die Westorgel fertiggestellte Kirche zeigen. Die Einweihung findet am 1. September 1765 statt. Aber schon am 18. Juli 1765 stirbt der grosse Bauabt Zwiefaltens im Alter von 75 Jahren.
Er wird als Mann von kleiner Statur, aber grosser Geisteskraft geschildert.
Unter seiner Regierung werden, während dem Bau der Stiftskirche, weitere Bauwerke eingeweiht oder vollendet. So stellt er das Schloss Ehrenfels im Innern fertig. In Gossenzugen, wenige Minuten nördlich Zwiefaltens, errichtet er auf einer Erhebung über dem Achtal die Magnuskapelle. Der kleine Zentralbau ist ein kleines Gesamtkunstwerk der Meister der Stiftskirche.[6] In Wilsingen, zweieinhalb Wegstunden nordwestlich, lässt er dem Innenraum der Pfarrkirche durch andere Meister ein Rokokokleid verpassen.[7] Hier finden wir am Chorbogen das Wappen des Abtes Benedikt. Wir sehen es auch im Kirchenraum von Zwiefalten, im Scheitel des östlichen Vierungsbogens und als Abschluss des Langhausfreskos im westlichen Scheitel. Hier ist es ein Doppelwappen unter den Insignien der Reichsabtei, dem Stab und dem Schwert, links das Zwiefalter Wappen, rechts das Wappen des Abtes. Es zeigt in Blau einen silbernen aufrechten Löwen.
Porträts von Abt Benedikt Mauz, sie werden noch an der Beerdigung des Nachfolgeabtes 1787 erwähnt, sind heute unzugänglich oder verschollen.[8]

Pius Bieri 2011

Benutzte Literatur:

Lindner, Pirmin: Fünf Professbücher süddeutscher Benediktiner-Abteien. Band III. Kempten und München 1910.[9]
Holzherr, Karl: Geschichte der ehemaligen Benediktiner- und Reichs-Abtei Zwiefalten. Stuttgart 1887.
Lindner, August: Reichsabtei Zwiefalten, in: Studien und Mitteilungen aus dem Benediktinerorden, Jahrgang IV, Seite 65–81, Würzburg und Wien 1883.

Anmerkungen:

[1] So nennt er sich nach dem Klostereintritt. Der bürgerliche Vorname wird bei Holzherr und Lindner nicht genannt.

[2] Radolfzell, wird im 19. Jahrhundert auch Radolphszell geschrieben.

[3] Nach dem Programm des vorherigen Superiors, des zum Abt gewählten Beda Sommerberger (reg. 1715–1725), der in Ehingen einen frühen barocken Zyklus zu Ehren des Herzen Jesu malen lässt. Die schwärmerisch mystische Frömmigkeit, die sich hier anbahnt, findet später vor allem bei den Klosterfrauen und den neuen Frauenorden des 19. Jahrhunderts grossen Anklang.

[4] Pater Hermann Mauz (1700–1761) ist Prior in Weingarten und hat erhebliche Anteil an der Innenausstattung, auch an der Gabler-Orgel. Unverständlich, dass sich die Kunstgeschichte für diese eminent wichtigen Zusammenhänge in der Planung des neuen Münsters nicht interessiert. Mehr als die dürftigen Angaben in den Professbüchern ist bisher über die Radolfzeller Familie nicht bekannt.

[5] August Lindner, 1883.

[6] Johann Michael Fischer, Johann Michael Feichtmayr, Johann Joseph Christian, Joseph Spiegler. Spiegler und Feichtmayr arbeiten hier um Gotteslohn.

[7] Fresken von Joseph Ignaz Wegscheider, Altarblatt von Johann Georg Messmer in Altar von 1690 mit Fassung 1753.

[8] Die Äbtegalerie und viele alten Darstellungen werden nach der Aufhebung von Privaten erworben und sind seither entweder verschollen oder für die Öffentlichkeit unzugänglich.

[9] Kurztext Pirmin Lindner:
47.) Benedikt Mauz, geb. zu Radolphszell 7. April 1690. Elf Jahre alt kam er in die Klosterschule nach Zwiefalten und legte am 21. Nov. 1707 Profess ab. Schon in früher Jugend hatte er mit Krankheiten zu kämpfen und beide Mal erlangte er wieder seine Gesundheit. Die erste Genesung schrieb er den Patronen seiner Vaterstadt, Synesius, Theopontus und Zeno zu, die zweite der sel. Jungfrau Maria, worüber er eigenhändig ein Attestat niederschrieb. Am 24. Juni 1714 primizierte er und war seit 1715 stufenweise Professor der Grammatik, der Rhetorik und der Philosophie zu Ehingen. Seit Herbst 1723 lehrte er nacheinander im Kloster Rhetorik, Philosophie und 1726 Theologie; war Novizenmeister, Hausexhortator, seit 1731 Instruktor der Laienbrüder, Custos Sacarii, Inspector Infirmariae. Am 3. Dec. 1734 wurde er Superior zu Ehingen und blieb es 8 Jahre. Im Jahre 1742 Statthalter der Herrschaft Neuhausen an der Erms; als solcher wurde er am 21. April 1744 zum Abt erwählt. Seine Regierung hat er durch zwei Hauptwerke verewigt. Um den schon seit dem 15. Jahrhundert beständigen Irrungen zwischen der württembergischen Regierung und Zwiefalten ein Ende zu machen, erkaufte Abt Benedikt unter grossen Opfern vollständige Lösung von aller Oberhohheit Württembergs im April 1750. Zwiefalten zahlte an Württemberg 290 000 fl. und trat an selbes ab folgende Herrschaften: Neuhausen an der Erms, Kohlberg, Gross-Engstringen (mit Vorbehalt der freien Ausübung der kathol. Confession), Oedenwaldstetten, ferner Gefälle und Gerechtsame in dreissig Ortschaften, unter denen die meisten zu den ältesten Besitzungen des Klosters zählten. Das zweite grosse Werk war die Fortsetzung und äussere Vollendung der Klosterkirche, 1761, die zu den schönsten Kirchen Schwabens zählt. Am 21. Nov. 1757 feierte der Abt seine Jubelprofess, zu der der Reichsabt von Marchthal und die Abtissin von Urspringen sich einfanden. Ausserhalb erbaute er das 1 Stunde von Zwiefalten entlegene Schloss Ehrenfels (1764). Zur Zeit der Not unterstützte der nicht nur einzelne Familien, sondern ganze Gemeinden. Zur Belebung des religiösen Sinnes berief er in die dem Stifte incorporierten Pfarreien die Jesuiten zur Abhaltung von Missionen. Abt Benedikt ✝ als Jubiläus der Profess und des Priestertums 18. Juli 1765. (Holzherr S.151–154).

 

Das Wappen des Abtes Benedikt Mauz (rechts) und das Wappen der Abtei Zwiefalten (links) am westlichen Scheitel des Langhausfreskos im Münster Zwiefalten.
Anmerkung: Alle Porträt-Gemälde der Äbte von Zwiefalten sind heute verschollen oder zerstört.
 

Reichsabt OSB Benedikt Mauz (1690–1765) von Zwiefalten

 
  Biografische Daten     Zurück zum Bauwerk  
  Geburtsdatum Geburtsort       Land 18. Jahrhundert  
  7. April 1690 Radolfzell (D)   Vorderösterreich  
  Titel und Stellung         Regierungszeit  
  Reichsabt OSB   1744–1765  
  Sterbedatum Sterbeort       Land 18. Jahrhundert  
  18. Juli 1765 Zwiefalten (D)   Reichsabtei Zwiefalten  
  Kurzbiografie              
 

Abt Benedikt Mauz ist nicht nur Spiritus Rector des Münsterneubaus in Zwiefalten, sondern auch eigentlicher Mitplaner am Gesamtkunstwerk des Innenraums. Ohne seine aktive Beteiligung sind vor allem die Fresken Spieglers kaum vorstellbar. So sorgt er unter anderem für den Verzicht auf Gurtbögen im Langhaus und gibt detailliert das ikonographische Programm vor.
Nicht nur als Bauherr ist er erfolgreich. Zügig betreibt er auch die Loslösung der lästigen Abhängigkeiten zum Nachbarn Württemberg und erreicht 1750 die Reichsunmittelbarkeit.

    Mauz  
  PDF (nur Text)         Bildlegende