Eberhard IV. Ludwig von Württemberg-Stuttgart (1676–1733)

«Herzog zu Württemberg und Teck, Graf zu Mömpelgard, Herr zu Heidenheim und Justingen, der kaiserlichen Majestät Feldmarschall»[1]

Erster absolutistisch regierender Landesfürst Württembergs

Als drittes Kind und einziger Sohn des Herzogs Wilhelm Ludwig und seiner Ehefrau Magdalena Sibylla von Hessen-Darmstadt wird Eberhard Ludwig am 18. September 1676 im Residenzschloss Stuttgart geboren.[2] Er verliert seinen Vater schon mit neun Monaten. Bis zu seinem 16. Lebensjahr teilt seine Mutter die Vormundschaft mit seinem Onkel Herzog Friedrich Karl, der das Herzogtum als Regent führt und im ausgebrochenen Pfälzischen Erbfolgekrieg trotz frankophoner Neigungen auf kaiserlicher Seite kämpft, aber auch schwere Verwüstungen und grosse finanzielle Belastungen des Herzogtums hinnehmen muss.[3] Die Erziehung Eberhard Ludwig erfolgt am Hof, im Spannungsfeld seines soldatischen Onkels und der pietistisch veranlagten Mutter. Die familiären Spannungen widerspiegeln auch die Verhältnisse im Herzogtum. Während der Landesherr Finanzmittel für ein stehendes Heer fordert, sperren sich die evangelisch geführten Landstände gegen jede Ausdehnung militärischer Macht in der Hand des Regenten. Sie nutzen die kurze «Gefangenschaft» des Herzogs Friedrich Karl in Versailles, um 1693 in der Art eines Putsches und in Zusammenarbeit mit der Mutter den 17-jährigen Eberhard Ludwig in die Regierung einzusetzen. Die Anstrengung lohnt sich allerdings nicht, denn 1698 beruft der junge Herzog einen Landtag ein, der für Württemberg den Übergang vom evangelischen Ständestaat zum absoluten Fürstentum bedeutet. Er versucht während seiner ganzen weiteren Regierungszeit die Macht der in Württemberg traditionell starken Landstände zu brechen, auch mit Privilegien für zugewanderten Adel. Eberhard Ludwig ist fortan Hauptziel der Kritik aus den Kreisen der württembergischen Ehrbarkeit.[4] Er hat unterdessen, 1697, die 17-jährige Johanna Elisabeth von Baden-Durlach geheiratet.[5] 1698 wird das einzige Kind, der Sohn Friedrich Ludwig geboren. Die Ehe hält nicht. Während sich die ebenfalls streng pietistisch erzogene Johanna in Stuttgart aufhält, benutzt der Ehemann die kurze Friedenszeit für eine verspätete Kavalierstour, die ihn 1700 durch die Niederlande, England und Frankreich führt. Beim Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges 1701 stellt er sich auf die Seite des Kaisers. 1704 nimmt er an der Schlacht von Höchstädt teil und wird 1707 zum Feldmarschall des schwäbischen Kreises und 1712 zum evangelischen Generalfeldmarschall des Reiches ernannt. Inzwischen hat er in der Hügellandschaft nördlich von Stuttgart mit dem Bau einer zweiten Residenz begonnen, die er Schloss Ludwigsburg nennt. Er lebt seit 1706 mit seiner Mätresse Christine Wilhelmine Friederike von Grävenitz zusammen und teilt 1707 der entsetzten Öffentlichkeit mit, dass er mit ihr getraut sei.[6] Die Doppelehe wird auf Druck des Kaiserhauses annulliert. Die Grävenitz geht dann eine Scheinehe mit dem Landhofmeister Graf von Würben ein. Als Landhofmeisterin kehrt die Mätresse 1711 an den Hof zurück und nimmt nun, in Dauerabwesenheit der Ehefrau, als erste Dame des Hofes eine dominante Stellung ein. Damit hat sich der württembergische Herzog nach der Feindschaft der Landstände nun auch die Feindschaft der Moralisten zugezogen. Der Einfluss der Landhofmeisterin auf die Regierungsgeschäfte ist nicht nachgewiesen, wird aber schon in der zeitgenössischen Geschichtsschreibung behauptet.[7] Selbst Schiller schreibt später vom drückenden Weiberregiment. Mit der völlig unprotestantischen Prachtentfaltung in der neuen Residenz Ludwigsburg vergrössert der Herzog bei der pietistischen Ehrbarkeit zusätzlich die Abneigung gegen seine Person, vor allem, als er die ganze Hofhaltung 1717 von Stuttgart nach Ludwigsburg verlegt und 1724 Ludwigsburg als alleinige Residenz deklariert. 1731 stirbt der einzige legitime Sohn, Erbprinz Friedrich Ludwig. Der Herzog trennt sich nun aus Gründen der Dynastiesicherung von der Mätresse und ruft seine Ehefrau wieder an den Hof von Ludwigsburg. Er stirbt aber schon im Alter von 57 Jahren am 31. Oktober 1733, ohne einen Erben zu hinterlassen. Nachfolger auf dem Herzogthron wird der Neffe Karl Alexander aus der katholischen Linie Württemberg-Winnental, der die Residenz wieder nach Stuttgart verlegt.[8]

Erster barocker Bauherr in Württemberg

Bildungsreise vom April bis Juli 1700
Als Eberhard Ludwig im April 1700 zu seiner Kavaliersreise aufbricht, ist in den nahen katholischen Ländern des Reiches das barocke Baufieber schon ausgebrochen. Die neuen Residenz- und Klosterbauten dieser Länder sind geprägt von italienischen und böhmischen Einflüssen. Aber wie die protestantischen Reichsstädte verschliesst sich auch Württemberg im 17. Jahrhundert der neuen Baukunst. Der junge Herzog will sie nun kennenlernen. Seine Kavaliersreise führt in die ebenfalls protestantischen Länder Holland und England. Hier hat sich ein klassizistisch strenger und französisch geprägter Barock durchgesetzt. Erste Etappe ist allerdings Bonn, wo der Kölner Fürstbischof und Kurfürst, ein Wittelsbacher, soeben seine Residenz durch den Münchner Hofbaumeister Enrico Zuccalli bauen lässt. Dann reist der Herzog mit seiner Hofgesellschaft in die Niederlande, wo er alle wichtigen Städte und vor allem die Residenzen mit ihren eindrücklichen barocken Gärten besichtigt.[9] Gegen Ende Juni erfolgt die Überfahrt von Calais nach Dover. In London lässt er sich am 8. Juli Hampton Court Palace, das Versailles des englischen Königshauses, zeigen.[10] Die Rückreise erfolgt noch im Juli über Nordfrankreich. Besuche von Versailles, Marly und Meudon während der Rückreise,[11] oder gar als Abstecher aus Holland,[12] sind nicht belegt, auch wenn schon Friedrich von Schiller von einem Inkognito-Aufenthalt des Herzogs am Hof von Versailles schreibt. Auch ohne diese Bauten zum Ruhm des Sonnenkönigs, die an jedem Hof schon durch Veröffentlichungen bekannt sind, hat der Herzog in den drei Monaten seiner Tour architektonisch gleichwertige Residenzen und Lusthäuser mit ebenso überzeugenden barocken Gärten besichtigt.

Schloss Ludwigsburg
Noch vor seiner Kavaliersreise beauftragt Herzog Eberhard Ludwig seinen Hofbaumeister Matthias Weiss[13] mit dem Neubau des kriegszerstörten Erlachhofes in der Hügellandschaft nördlich Stuttgarts. Der Hof ist beliebtes Jagdquartier der Herzöge. Weiss baut ein einfaches dreigeschossiges Gebäude, den «Neuen Herrschaftlichen Bau». Der 1701 ausgebrochene Spanische Erbfolgekrieg verzögert die Fertigstellung. Am Krieg nimmt der Herzog aktiv teil und ist 1704 nach der Schlacht von Höchstädt auf der Siegerseite. Dies und vielleicht auch die Vorbilder seines bayrischen Gegners in München mögen ihn veranlasst haben, dem Theologen und Mathematiker Philipp Joseph Jenisch,[14] dem er 1703 ein Auslandstudium zum Erlernen der Baukunst ermöglicht, die Planungen einem «Maison de Plaisance» an der Stelle des «Neuen Herrschaftlichen Baus» zu übertragen. 1704 wird der Grundstein zur italienisch-böhmisch geprägten Dreiflügelanlage gelegt.[15] Die grossen Kriegslasten verhindern einen schnellen Bau. Als der Herzog 1707 den Baumeister wechselt und den Brandenburger Johann Friedrich Nette[16] einstellt, ist erst das Erdgeschoss des Corps de Logis fertig. Nette vollendet diesen Mittelbau im Rohbau und begibt sich dann zweimal auf eine Reise nach Prag, wo er nicht nur den böhmischen Barock kennenlernt, sondern auch die wichtigsten Stuckateure und Freskanten für die weitere Bauphase gewinnen kann. Der entstehende Schlossneubau wird jetzt Ludwigsburg genannt. Trotz riesiger finanzieller Aufwände für den laufenden Krieg wird weitergebaut.[17] 1714 stirbt Nette. Der von ihm aus Prag geholte Donato Giuseppe Frisoni wird neuer Baumeister.[18] Herzog Eberhard Ludwig beschliesst unterdessen, Ludwigsburg zur eigentlichen Residenz auszubauen. Der dreiflügelige Schlossbau wird jetzt von Frisoni entscheidend zu einer grosszügigen Vierflügelanlage erweitert. Neue Flügelbauten und das langgestreckte, südliche neue Corps de Logis entstehen. Die Gärten werden angelegt. Als Herzog Eberhard Ludwig 1733 stirbt, ist die Residenz Ludwigsburg in der heutigen Grösse auch innen weitgehend vollendet. Es ist eine eigenständige süddeutsche Schöpfung ohne irgendwelche architektonische Anklänge an Versailles entstanden, auch wenn dieser Vergleich in der Geschichtsschreibung nicht auszurotten ist.

Die Stadt Ludwigsburg
Schon 1709 beschliesst Herzog Eberhard Ludwig, vor dem Schloss eine Stadt anzulegen und veröffentlicht ein Dekret, das jeder, der in Ludwigsburg baut, der Bauplatz ohne Entgelt erhält und 15 Jahre von Steuern befreit ist. Erst 1715, mit seinem dritten Dekret, hat er Erfolg. Er verspricht jetzt zusätzlich Religionsfreiheit und dehnt die Steuerfreiheit auf 20 Jahre aus. Die zusätzliche Ankündigung, dass er auch die Residenz nach Ludwigsburg verlegen wolle, beschert der neuen Stadt schnelles Wachstum. Sie entsteht westlich der Residenz als barocke Planstadt nach Plänen und Bebauungsvorschriften von Frisoni. Die Stadt ist im strengen Planraster nach Renaissancevorbildern angelegt, vielleicht auch nach dem Vorbild der 1599 gegründeten württembergischen Renaissance-Planstadt Freudenstadt. Ihre architektonische Gestalt mit zweistöckigen Häusern ist Rastatt ähnlich. Im Gegensatz zu Rastatt oder Karlsruhe zeigt sich aber keine absolutistische Unterordnung der Stadtgestalt zur Residenz. Das Muster der «Patte d'oie» ist hier nicht vorhanden.[19] Die Neugründung wird vor allem von fremden Dienstadel, Hofangestellten, Bauleuten und hugenottischen Glaubensflüchtlingen besiedelt. Die Stadt wird später Garnisonsstadt. Im Zweiten Weltkrieg verschont, ist sie heute wegen des zügellosen Nachkriegs-Baubooms nur noch um den zentralen Marktplatz als geplante Barockstadt erlebbar. Der schnurgerade lindenbesäumte Boulevard zwischen dem Stuttgarter Tor im Süden und dem Heilbronner Tor im Norden muss dabei einer bis zu neun Autospuren breiten Stadtverkehrsader weichen, die nun die Stadt von der Residenz trennt.

Lustschloss Favorite

In der Achse der Residenz, nördlich des Corps de Logis und jenseits des Taleinschnittes befindet sich schon zur Zeit des Erlachhofes die Fasanerie der Herzöge. 1717, mit dem Entscheid der Residenzverlegung nach Ludwigsburg, beschliesst Eberhard Ludwig den Bau eines Lusthauses im Fasanengarten. Wieder ist Frisoni planender Baumeister. Er baut hier bis 1724 das vielleicht originellste Lust- und Jagdschlösschen des süddeutschen Barock, beinflusst von böhmischen Vorbildern.

Pietistische Geschichtsschreibung und ihre Nachwirkungen

Für einen absolutistisch regierenden Fürsten der Barockzeit ist die prachtvolle Inszenierung seines Hofes ein sehr wichtiges Instrument zur «Imagewerbung». Adressaten dieser Werbung sind die sozialen Eliten der Feudalgesellschaft. Prachtentfaltung ist Fürstentugend und gehört zum Gradmesser für die Stellung des Fürsten, die «Magnificentia» kann auch real fehlende politische Macht kompensieren. Für diese höfische Inszenierungen bieten der Schlossbau und die künstlerische Ausstattung den notwendigen Hintergrund. Lehrmeister der barocken Selbstinszenierung mit der entsprechenden systematisch aufgebauten Webung ist Louis XIV, der Sonnenkönig. Seine Hofhaltung ist Vorbild für viele barocke Fürsten im Deutschen Reich, auch für Eberhard Ludwig. Schon früh projieziert die unterlegene Ehrbarkeit ihren Hass und ihre Verachtung dieser fürstlichen «Magnificentia» auf das gebaute Ludwigsburg. Wie heutige Historiker verwechseln sie die teure Hofhaltung mit der Baukulisse. Die Bauausgaben für Ludwigsburg betragen nach 20 Jahren Bauzeit drei Millionen Gulden. Sie sind zwar verschwindend klein im Verhältnis zu den Staatsausgaben, werden aber nebst der Hofhaltung als Hauptübel des hohen Schuldenberges am Ende der Regierung von Eberhard Ludwig betrachtet. Seine Schlossbauten in Ludwigsburg und das Neue Schloss in Stuttgart bleiben in der Folge auch die einzigen barocken Repräsentationsbauten im protestantischen Herzogtum Württemberg. Die Geschichtsschreibung über die Württemberger Fürsten am Anfang des 18. Jahrhundert bleibt bis heute pietistisch belastet. Das Privatleben, die Jagd- und Bauleidenschaft, sowie die hohen Kosten für Krieg und Hof werden ausführlich behandelt. Was Württemberg ohne Eberhard Ludwig geblieben wäre, wird nicht untersucht.[20]
Ein Beispiel der Geschichtsschreibung im Dritten Reich soll hier zur Illustration dienen.[21]
«In Württemberg regierte 1677–1733 der prachtliebende Eberhard Ludwig, der sich in Nachbildung von Versailles eine prunkvolle, für sein kleines Land riesenhaft grosse Residenz in Ludwigsburg bauen liess, und für seine Maitresse von Grävenitz und ihre Launen das ausgeraubte Land aussaugte bis zum Letzten. Diese hatte einmal mitten im Sommer den Wunsch, Schlitten zu fahren. Da wurde die Strasse mit Salz bestreut, damit sie die Illusion des Winters haben konnte. Hatte Ludwig XIV. mit seinem Wort: «Ich bin der Staat» den Absolutismus zu höchster Entfaltung gebracht, so echote Eberhard Ludwig: «Ich bin der Papst in meinem Land.» Sein Nachfolger war Karl Alexander, dessen Finanzkünstler, der Jude Süss Oppenheimer, das Land vollends ganz ruinierte. Als der Herzog bald starb, glaubte das Volk, der Teufel habe ihn geholt und hängte seinen Finanzminister an einen 16 Meter hohen Galgen.»

Pius Bieri 2012


Benutzte Literatur:
Schiller, Friedrich von: Geschichte von Württemberg bis zum Jahr 1740. Manuskript 1778. Stuttgart 1859.
Oswald-Bargende, Sybille: Vom Nutzen eines prächtigen Hofes, in: Schloss Ludwigsburg. Stuttgart 2004.
Diek, Franziska Katharina: Die Bildprogramme von Carlo Carlones und Pietro Scottis Deckenfresken in den Kommunikatonsgalerien von Schloss Ludwigsburg. Dissertation München 2011.

Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Eberhard_Ludwig_%28W%C3%BCrttemberg%29

Anmerkungen:

[1] Der Titel des zehnten Herzogs von Württemberg.

[2] Wilhelm Ludwig (1647–1677) stirbt bei einem Badeaufenthalt im Jagdschloss Hirsau, das sich die Herzöge 1586–1592 im aufgehobenen Kloster Hirsau bauen. Magdalena Sibylla von Hessen-Darmstadt (1652–1712), am schwedischen Hof erzogen, ist Förderin eines frühen protestantischen Pietismus. Die Eltern residieren im Schloss Stuttgart, das Anfang des 17. Jahrhundert mit dem «Neuen Bau» erweitert wird und das mit seinem grossen Renaissance-Lustgarten im Stadtplan von Matthias Merian 1638 festgehalten wird. Siehe Wikipedia-Link.

[3] Das Herzogtum Württemberg besteht aus dem Kernland um Stuttgart und einzelnen kleineren Herrschaften, im Gesamtausmass von 9500 Quadratkilometern, was knapp einem Viertel der Fläche des heutigen Landes Baden-Württemberg entspricht. Nicht zum souveränen Herzogtum, aber zum Haus Württemberg gehörend ist die Grafschaft Möpelgard (Montbéliard). Hier ist der Herzog dem französischen König lehnspflichtig. Die Beziehungen zwischen dem Herzogtum und Frankreich sind von dieser einseitigen Abhängigkeit geprägt.

[4] Ehrbarkeit: Die Vertretung der wichtigsten Familien im Landtag, vor allem durch Pfarrer und Beamte.

[5] Johann Elisabeth von Baden-Durlach (1680–1757). Die Heirat findet im Markgräflichen Hof von Basel statt. Gleichzeitig wird in Stuttgart ihr Bruder, Erbprinz Karl III. Wilhelm von Baden Durlach, mit Magdalena Wilhelmine, einer Schwester von Eberhard Ludwig, verheiratet.

[6] Christine Wilhelmine Friederike von Graevenitz, verheiratete von Würben, Gräfin von Urach (1686–1744).

[7] Sie könnte selbst belastendes Material vernichtet haben. Drittdokumente, wie zum Beispiel die Kriminalprozessakten von 1732 sind nicht verwertbar, da Suggestivfragen an Zeugen fast ausschliesslich dem Nachweis von übernatürlichen, sprich Zauber- oder Hexenkräften der Mätresse, oder von Verschwörungstheorien dienen.

[8] Karl Alexander (1684–1737) regiert nur vier Jahre. Als Finanzberater holt er den jüdischen Kaufmann Joseph Süss Oppenheimer von Frankfurt, der sich bei der Sanierung der Staatsfinanzen mit den Landständen anlegt. Die Spannungen zwischen dem katholischen Hof und den protestantischen Landständen entladen sich nach dem Tod des Herzogs in einer antisemitischen Intrige und dem Justizmord an Oppenheimer, der nach seiner Hinrichtung 1738 bis 1744 in Stuttgart öffentlich zur Schau gestellt wird.

[9] Die in der «Raÿss-Rechnung» vermerkten besichtigten holländischen Residenzen sind:
am 9. Mai das Schloss Het Loo bei Apeldoorn, 1685–1692 durch Daniel Marot für Wilhelm III. von Oranien erbaut,
am 12. Mai das Huis Ten Bosch bei Den Haag, der Kernbau 1645−1650 von Pieter Post und Jakob van Campen,
am 15. Mai das Huis ter Nieuburch in Rijswijk, 1633–1636 von Jaques de la Vallée gebaut,
am 17. Mai die Residenz Honselaarsdijk bei Naaldwijk, 1620 von Pieter Post und Jakob van Campen (1815 abgebrochen),
am 19. Mai das Huis Zorgvliet (Catshuis) bei Den Haag mit den Gärten des Hans Willem Bentick,
am 6. Juni das Schloss in der befestigten Stadt Breda,  1536 erbaut und 1696 umgebaut.

[10] Nachdem er den König gesehen hat, besichtigt er das neue Schloss mit den Gärten des Sir Christopher Wren von 1689–1692.

[11] Der Abstecher auf der Rückreise nach Diek 2011.

[12] Der Abstecher von rund 1000 Kilometer zwischen 19. Mai und 6. Juni, nach Klaus Merten 2004. Mehr als 100 Stunden reine Reisezeit wären dafür notwendig.

[13] Matthias Weiss (1636–1707) aus Kassel, ist Festungsbaumeister. Er errichtet in Stuttgart den Spätrenaissancebau des Gymnasiums (1686) und vollendet den 1605 begonnenen Prinzenbau.

[14] Philipp Joseph Jenisch (1671–1736), aus Marbach. Er geht 1727 nach Blaubeuren und wird dort Abt.

[15] Grundriss wie Rastatt.

[16] Johann Friedrich Nette (1673–1714) aus Bernau bei Berlin.

[17] Nach dem Krieg stellt der Herzog im Rahmen von Ausgleichsforderungen an das Reich die Summe von 15 Millionen Gulden auf. Die hohe Summe ergibt sich nicht aus den Kosten des von den Landständen bekämpften Heeres, sondern aus den Verwüstungen und den hohen Kontributionen zur Vermeidung von Brandschatzungen an die 1707 in Württemberg einfallenden Truppen des Marschalls Villars. Dieser Einfall ist nur wegen der absolut ungenügenden Sicherung der Rheingrenze durch das Reich möglich, die wiederum aus der Weigerung der Länder entsteht, für das notwendige Heer Mittel zur Verfügung zu stellen. Der noch immer nachklingenden pietistischen Geschichtsschreibung ist zu verdanken, dass nicht die sich gegen das Heer stemmenden Landstände, sondern der Herzog für die Kosten verantwortlich gemacht wird. In der gleichen Periode, 1701–1714, dürfte Ludwigsburg kaum einen Zehntel der genannten Kriegskosten gekostet haben. Bis 1733 werden drei Millionen Gulden aufgewendet. Hingegen verschlingt die Hofhaltung jährlich fast 400 000 Gulden oder ein Viertel des Haushaltes. Aber selbst diese Summe liegt im Rahmen von Fürstentümern vergleichbarer Grösse.

[18] Donato Giuseppe Frisoni (1673–1735) aus Laino im Val d'Intelvi zwischen Como und Lugano, Stuckateur und Baumeister.

[19] Patte d'oie: Die strahlenförmigen, gänsefussähnlichen, von einer Residenz oder einem zentralen Punkt ausgehenden Wegachsen.

[20] Er erreicht die französische Anerkennung seiner 1723 durch Erbschaft an ihn übergangenen Grafschaft Möpelgard, was dann 1803 in Artikel 6 des Reichsdeputationshauptschlusses als Hauptgrund des riesigen Länderschachers zugunsten Württembergs bezeichnet wird. Er erwirbt  Freudental, Pfeffingen, Deufringen, heimgefallende Lehen der Herrschaft Welzheim, von Poltringen und Oberndorf, Neckargartach, Unterriexingen, Rübgarten, die andere Hälfte von Liebenstein, Teile von Enzberg, der Rest von Geradstetten und Heimsheim.(Quelle: Memminger 1841).
Er eröffnet 1720 in Ludwigsburg eine konfessionell neutrale Lateinschule. Er erlaubt 1719 den Calvinisten («Reformierten») den Gottesdienst und beweist in vielen weiteren Dekreten eine frühaufklärerische Toleranz. Unter seiner Regierung werden die entscheidenden Regelungen zur Stärkung der dörflichen Kommunen und ihrer Schulthessen erlassen. Er fördert den Bergbau und ist Initiant frühindustrieller Betriebe. So gründet er 1717 die Glashütte Spiegelberg und eine Tabakfabrik und 1731 eine Lederfabrik. 1715 darf im Herzogtum wieder Fasnacht gefeiert werden. 1714 vollendet er die Schiffbarmachung des Neckars.

[21] Aus: Eugen Schopf «Johann Conrad Weiser. Vater und Sohn». Stuttgart 1938. Unter:  www.lexikus.de/J-K-Weiser-Vater-und-Sohn abrufbar.


Das Gemälde eines unbekannten Malers stellt Eberhard Ludwig im Alter von 44 Jahren dar. Er lehnt in ganzer Figur an eine Konsole, auf der ein Helm mit Federbusch zu sehen ist. Er trägt Harnisch, Degen und Feldbinde, Reithosen und einen goldbestickten roten Frack. Auf der Brust prangt der Dänische Elefantenorden und an der roten Binde hängt der von ihm selbst gestiftete Jagdorden. Unten im Hintergrund sind Reiter und Zelte vor einer belagerten Stadt zu sehen, sie verweisen zusätzlich auf den im Spanischen Erbfolgekrieg erworbenen Rang des Reichsgeneralfeldmarschalls. Zu seinen Füssen liegt ein Wolfshund mit dem Namen Melac. Nach dem Verwüstungsfeldzug des Generals Ezéchiel de Mélac im Pfälzischen Erbfolgekrieg ist dies ein beliebter Name für Hunde in Baden, der Kurpfalz und in Württemberg.
Original in der Residenz Ludwigsburg. Bildquelle Wikipedia.
  Herzog Eberhard IV. Ludwig von Württemberg-Stuttgart (1676–1733)  
  Biografische Daten     Zurück zum Bauwerk  
  Geburtsdatum Geburtsort       Land 18. Jahrhundert  
  18. September 1676 Stuttgart Baden-Württemberg D   Herzogtum Württemberg  
  Titel und Stellung         Regierungszeit  
  Herzog von Württemberg   1693–1733  
  Sterbedatum Sterbeort       Land 18. Jahrhundert  
  31. Oktober 1733 Ludwigsburg Baden-Württemberg D   Herzogtum Württemberg  
  Kurzbiografie              
 

Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg ist der erste absolutistisch regierende Fürst im pietistisch-protestantisch geprägten Land. Er ist auch dessen erster barocke Bauherr. Er legt sich recht schnell mit der Elite, der «Ehrbarkeit» an. Nicht nur, dass er den Regierungssitz in den Sündenpfuhl Ludwigsburg verlegt, wo er gar eine Mätresse hält, auch der Beizug von katholischen Baumeistern und Künstlern wird ihm verübelt. Dass er im Land keinen Meister finden kann und dass die hohen Schulden des Landes aus einem Versagen der Landstände und nicht aus den Bauvorhaben in Ludwigsburg resultieren, entgeht der noch bis ins 20. Jahrhundert pietistisch beinflussten Geschichtsschreibung, die bewusst nicht untersucht, was Württemberg ohne Eberhard Ludwig geworden wäre.

    EberhardLudwig  
  PDF (nur Text)         Bildlegende