Benedikt Rischer (1710–1763)

Reichsabt OSB 1743–1762 in Gengenbach

Als Sohn des Johann Jakob Rischer (Riescher, Rüscher) und der Anna Maria Siebert aus Gengenbach wird er 1710 in Mannheim geboren.[1] Sein Vater kommt als Palier im Trupp des Baumeisters Franz Beer I um 1690 nach Gengenbach, tritt dann in die Dienste des Markgrafen von Baden-Baden und ist nach 1703 als selbstständiger Baumeister vor allem in Heidelberg und Mannheim tätig. Mit der Abtei Gengenbach verliert er den Kontakt nicht und kann dort 1714 für Abt Augustin Müller den Turm der Stiftskirche erstellen. Sein Sohn tritt am Anfang der Regierung von Abt Paulus Seeger (reg. 1726-1743) in die Reichsabtei Gengenbach ein und nimmt dort den Klosternamen Benedictus (Benedikt) an. 1743 wird er selbst zum Abt gewählt. Er ist der Bauabt des Rokoko in Gengenbach. Ihm verdanken wir das prachtvolle Treppenhaus. Auch andere Konventräume erhalten Rokokostuckaturen. Er gestaltet die Gartenanlagen neu und lässt ein Rondell der Wehrmauer im Nordosten der Klosteranlage zum sogenannten Prälatenturm ausbauen. Die Quellenlage und die Forschung über sein Wirken in der Klosterherrschaft sind sehr dürftig.[2] Mit einer Ausnahme. Sie betrifft seinen Einsatz für die Kobaltfabrik im Moosgebiet. In der waldreichen Gegend nordöstlich Gengenbachs hat schon Abt Augustin 1708 Hofansiedlungen mit einer Glashütte für 100 Arbeiter eingerichtet. 1750 gründet Abt Benedikt hier eine Blaufarbenfabrik. Das Smalte-Blaupigment, das hier aus Kobalterz, Quarz und Pottasche hergestellt wird, ist vor allem für die Porzellanbemalung gesucht, das es hitzebeständig und lichtecht ist. Zudem ist es das erste Blaupigment, welches wie das aus Lapislazuli hergestellte und deshalb fast unerschwingliche Ultramarinblau auch für Kalkmalerei gebraucht werden kann.[3] Die Fabrik in Nordrach ist in den ersten Jahren ein Verlustgeschäft. Der noch immer im Kloster lebenden P. Augustin Dornblueth[4] und andere Konventuale richten, nun schon zu Lebzeiten des Abtes, ein Kesseltreiben an. Abt Benedikt resigniert daher am 9. Januar 1763 frühzeitig und zieht sich in seine neugegründete Fabrikansiedlung Nordrach zurück, wo er das Herrenhaus bewohnt. Hier stirbt er allerdings schon am 28. Dezember des gleichen Jahres im Alter von nur 53 Jahren. Sein Epitaph ist an der geschützten südlichen Aussenwand der Kirche noch erhalten. Die lateinische Inschrift weist in einer Sequenz auf übelwollende Angriffe seiner Gegner hin, die er allein mit dem Schild seiner Güte abwehren kann, und fährt fort, dass nicht das Alter, sondern die Last der Aufgaben seinen Tod bewirkt hat.[5]
Sein Wappen finden wir über dem Ausgangstor zum Hof im Treppenhaus. Rokokostuck rahmt das fantasievolle persönliche Wappen, das in Rot über goldener Säule mit goldenem Stern ein goldenes Sprengwerk zeigt, überhöht von einem linksgewandten schwarzen geflügelten Hirschen.

Pius Bieri 2011

Literatur:
Wingenroth, Max: Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg in: Die Kunstdenkmäler des Grossherzogtums Baden. Tübingen 1908.
Lederer, Wienfried: Benediktinerabtei und Reichsstadt Gengenbach, Band 1, Äbte und Mönche der Abtei, Lindenberg 2007.

Anmerkungen:

[1]  Johann Jakob Rischer (1662–1755), vermutlich aus Au im Bregenzerwald. Über die Familie dieses bekannten Baumeisters und seiner Kinder sind bis heute keine Lebensdaten erforscht. Die Ehefrau Anna Maria Sybert ist Tochter der «Oberen Wirts» in Gengenbach. Auch über sie und das Datum der Eheschliessung fehlen alle Quellen.

[2] Seit dem 19. Jahrhundert ist über Gengenbach mit Ausnahme des ehemaligen Bücherbestandes nicht mehr geforscht worden. Deshalb sind ausschliesslich über das Mittelalter und die Reformation umfassende Informationen zu Gengenbach vorhanden.

[3] Das Smalte-Farbpigment ist allerdings nicht, wie in der Gengenbacher Literatur wiederholt beschrieben, Kobaltblau, denn das die gleichen Eigenschaften aufweisende, aber smaltefreie Pigment Kobaltblau wird erst 1775 von Josef Leithner in Wien entdeckt. Siehe dazu: http://de.wikipedia.org/wiki/Th%C3%A9nards_Blau und das «Lehrbuch der Farbenfabrikation» von J. G. Gentele, Braunschweig 1860 (Abrufbar unter www. books. google.ch).

[4] Siehe Biographie Abt Augustin Müller.

[5] / TANTUS, TALISQUE CUM FUERIT / NON POTUIT NON MALEVOLORUM TELIS APPETI / QUAE SOLO TAMEN MANSUETUDINIS SCUTO / ET EXCEPIT ET RETUDIT / OMNE HAUD FALSO PROSPICIENS / MURES OLIM PROBATUROS AC LAPIDES / QUOD HOMINES REPROBARENT / OBIIT LABORE POTIUS QUAM AETATE CONIECTUS /

Abt Benedikt Rischer hat in seinem neugestalteten Treppenhaus auch sein Wappen angebracht. In einem wahren Rokokostuck-Feuerwerk zeigt es, begleitet von Mitra, Inful und Abtsstab, einen ovalen Wappenschild. Die Blasonierung lautet: In Rot über goldener Säule mit goldenem Stern ein goldenes Sprengwerk, überhöht von einem linksgewandten schwarzen geflügelten Hirschen.
Abt OSB Benedikt Rischer (1710–1763) in Gengenbach  
  Biografische Daten     Zurück zum Bauwerk  
  Geburtsdatum Geburtsort       Land 18. Jahrhundert  
  1710 Mannheim Baden-Württemberg D   Kurfürstentum Pfalz  
  Titel und Stellung         Regierungszeit  
  Reichsabt OSB der Benediktinerabtei Gengenbach   1743–1762  
  Sterbedatum Sterbeort       Land 18. Jahrhundert  
  28. Dezember 1763 Nordrach Baden-Württemberg D   Reichsabtei Gengenbach  
  Kurzbiografie              
 

Abt Benedikt Rischer ist Sohn eines aus dem Vorarlberg stammenden kurpfälzischen Hofbaumeisters. Vom Vater hat er offensichtlich das Verständnis für Baukunst und Unternehmertum geerbt. Er wird zum Bauabt des Rokoko in Gengenbach. Mit der Gründung einer Blaufarbenfabrik in Nordrach zeigt er unternehmerische Risikofreude. Die Anlage ist in den ersten Jahren ein Verlustgeschäft, was zu einem internen Kesseltreiben gegen seine Amtsführung führt. Abt Benedikt resigniert deshalb mit 53 Jahren und zieht sich in das Herrenhaus seiner neuen Fabriksiedlung zurück, wo er noch im gleichen Jahr unerwartet stirbt.

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