Maurus Geiger (1642–1704)

Abt OSB von Ettenheimmünster 1686–1704

1642 in Rorschach[1] geboren, ist er 1660 Novize im Kloster Ettenheimmünster, das seit 1653 von dem ebenfalls aus Rorschach stammenden Abt Franziskus Hertenstein regiert wird. Er findet hier eine gute Lehrerschaft sowie musikalisch und literarisch begabte junge Mitbrüder. Der junge Konventuale ist begabt und schreibt 1661 ein erstes eigenes Werk mit dem Titel «Paedagogus proliferus». 1683, inzwischen Prior, veröffentlicht er in Strassburg ein Werk über das Leben des heiligen Landelin. Die Anrufung des Heiligen während einer schweren Erkrankung in seiner Novizenzeit macht P. Maurus zu einem lebenslangen Förderer des Kultes um den legendären schottischen Königssohn. Die Wallfahrtsstätte mit den vier wundersam wirkenden Quellen liegt nahe beim Kloster. In der dort vorhandenen, schon um 1630 vergrösserten Wallfahrtskirche feiert er 1666 Primiz. Als er am 15. November 1686 zum Nachfolger des verstorbenen Abtes Franziskus gewählt wird, vergeht nur ein Jahr bis zum Kapitelsbeschluss über einen Neubau der Landelinskirche. Der Rohbau der grossen Wallfahrtskirche wird 1688 in einer sehr kurzen Zeit durchgeführt. Grund für den schnellen Bauvorgang ist der neu ausgebrochene Krieg des nahen Frankreichs gegen die europäischen Mächte. Wieder ist Abt und Konvent zeitweise auf der Flucht, aber das Strassburger Territorium wird diesmal im Gegensatz zu den Terrorübergriffen in den übrigen rechtsrheinischen Ländern von den Franzosen und den Kaiserlichen verschont. Die neue Landelinskirche kann trotzdem erst nach Kriegsende fertig gestellt werden und ist 1699 vollendet. Erneut greift 1702 ein Krieg des Reiches gegen Frankreich auf rechtsrheinisches Gebiet über. So bleibt die Regierung des Abtes Maurus nur während fünf Jahren ohne Krieg. 1704 stirbt er. Dass er trotz der kriegerischen Zeitläufe einen gefestigten Konvent hinterlässt, ist nebst der Förderung der für das Kloster einträglichen Wallfahrt zum heiligen Landelin sein Hauptverdienst.

Pius Bieri 2011

Literatur:
Uttenweiler, Bernhard: Wallfahrtskirche St. Landelin Ettenheimmünster, Kunstführer, Lindenberg 2006.


[1] Rorschach ist Vogtei und Sitz eines Statthalters der Fürstabtei St. Gallen.

 

Von Abt Maurus Geiger ist kein Porträt bekannt. In der Äbtechronik des Paters Carolus Gall (1728) ist sein persönliches Wappen eingefügt, das einen silbernen Vogel Strauss mit dem Hufeisen im Schnabel zeigt. Das Wappen ist erfunden, auch in der Farbkombination heraldisch nicht korrekt, aber nebst seinen literarischen und baulichen Werken das einzige bildliche Zeugnis des Abtes von Ettenheimmünster.
  Abt OSB Maurus Geiger (1642–1704)  
  Biografische Daten     Zurück zum Bauwerk  
  Geburtsdatum Geburtsort       Land 18. Jahrhundert  
  1642 Rorschach St. Gallen CH   Fürststift St. Gallen  
  Titel und Stellung         Regierungszeit  
  Abt OSB der Benediktinerabtei Ettenheimmünster   1686–1704  
  Sterbedatum Sterbeort       Land 18. Jahrhundert  
  1704 Ettenheimmünster D   Hochstift Strassburg  
  Kurzbiografie              
 

Abt Maurus Geiger regiert zwar 18 Jahre, aber nur fünf Jahre davon sind sichere Friedenszeiten. Er ist ein grosser Verehrer des hl. Landelin und lässt 1686, noch als Prior, in Strassburg ein Leben des Lokalheiligen drucken. Kurz nach seiner Wahl zum Abt beginnt er mit dem Neubau der Wallfahrtskirche St. Landelin in Ettenheimmünster, die aber kriegsbedingt erst 1699 vollendet ist. Die neue Kirche ist sein Hauptwerk. Über seine weitere Tätigkeiten ist wenig bekannt, er scheint aber das Kloster auch ökonomisch gut geführt zu haben, wozu auch die aufblühende Wallfahrt und der damit verbundene Bäderverkehr beitragen.

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